Führen digitale Technologien zu interaktiverem Unterricht?

Im letzten Beitrag haben wir gesehen, dass unsere Studierenden heute während des Unterrichts vermehrt digital und vernetzt arbeiten. Während die Lehrperson vorne etwas präsentiert hören die Studierenden nicht nur zu und schreiben mit, sondern sie recherchieren auch gerne und oft nach Zusatzinformationen, schlagen Begriffe nach und fügen gleich alles zu einer eigenen Zusammenfassung zusammen. Wenn es dann mal nicht so spannend ist, wird nebenbei auch gerne mit anderen kommuniziert oder auf Social Media nachgeschaut, ob sich andere gerade mit etwas Interessanterem beschäftigen.  

Die Studierenden für ihren Teil sind also während des Unterrichts ziemlich aktiv auf ihren Geräten, wenn auch nicht immer im Sinne des Lernens. Mit den Notebooks und Tablets haben die Studierenden mehr Interaktionsmöglichkeiten erhalten, um während des Unterrichts mit den anwesenden Akteuren im Raum und der Aussenwelt zu interagieren. Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese neuen Interaktionsmöglichkeiten der Studierenden auch einen Einfluss darauf haben, wie die Lehrpersonen ihren Unterricht gestalten und ob sie in den neuen, digitalen Möglichkeiten auch einen didaktischen Mehrwert sehen.

Hierfür haben wir die Lehrpersonen befragt, welche papierlose Klassen in den Bachelorstudiengängen in Biotechnologie (1. Semester), Facility Management (1. Semester) und Umweltingenieurwesen (Alle) unterrichten.

Wenig digital unterstützte Szenarien im Unterricht

Die untenstehenden Antworten der Lehrpersonen zeigen, dass sie im Unterricht digitale Hilfsmittel eher zurückhaltend einsetzen. Nur 24% nutzen regemässig Unterrichtszenarien, bei denen die studentischen Geräte als digitale Werkzeuge aktiv in eine Lernaktivität miteinbezogen werden. Lernszenarien, die auf Papier angewiesen sind, sind damit weiter verbreitet als jene, die auf digitale Technologien angewiesen sind.

Kreativitätstechniken, SWOT-Analysen in Gruppen etc. funktionieren besser mit Papier als auf digitalen Mindmaps.

Ich habe keine Berührungsängste mit den neuen Medien und setze sie seit Jahren immer wieder mal ein. Ich denke aber, dass mit der papierlosen Strategie viele Optionen auch eingeschränkt werden. Man kann z.B. keine „Auslageordnung“ auf 20 x 30 cm Bildschirm machen.

Die Auswertung zeigt allerdings auch, dass 50% der Lehrpersonen seit der Umstellung auf den papierlosen Unterricht mindestens teilweise mehr digitale Lernaktivitäten im Unterricht nutzen. Offenbar resultiert dieser vermehrte Einbezug der studentischen Tablets und Notebooks aber nicht immer in einer erhöhten Interaktivität.

Live-Umfragen, Wissenstests und Übungen bei Studierenden beliebt

Fragt man die Studierenden, finden 10%, dass der Unterricht regelmässig lebhaft und interaktiv gestaltet ist. 19% finden ihn hingegen nur wenig bis gar nicht interaktiv und die Mehrheit bewegt sich irgendwo dazwischen. Studierende, die sich kritisch geäussert haben, wünschen sich im Unterricht weniger PowerPoint, dafür mehr Live-Umfragen, Wissenstests und Übungen, also alles Aktivitäten, bei denen sie aktiver gefordert sind:

Eigentlich arbeiten alle Dozenten mit PDF oder PPP, die neuen Möglichkeiten die durch das Papierlose Studium entstehen, wie eben solche Wissenstests werden kaum gebraucht, das ist schade!

Mehr die Möglichkeiten ausnutzen. Sehr viele Dozenten führen den Unterricht genau gleich, wie wenn wir Papier vor uns hätten.

Der Unterricht ist je nach Dozent überhaupt nicht interaktiv gestaltet („Powerpoint-Vorträge“ sind oft vertreten). Es werden auch praktisch keine Live-Umfragen oder Übungen durchgeführt.

Mehr Live-Umfragen und Wissenstest, hatten wir schon vor 2 Jahren an der ETH oft gemacht, ist ein guter Indikator und da sowieso alle papierlos sind, kann jeder, ohne Probleme mitmachen.

Es wären viel mehr interaktive Möglichkeiten vorhanden, als tatsächlich genutzt werden. Unterricht mehrheitlich langweilig gestaltet.

Live-Umfragen und kurze Wissenstest können gut mit technologischen Hilfsmittel durchgeführt und ausgewertet werden. An der ZHAW gibt es dafür z.B. die Moodle Aktivität Test oder das Mobile Response Tool. Sie sind eine einfache, aber effiziente Methode um die Studierenden in der Vorlesung zu aktivieren und die Antworten können als Ausgangspunkt für Diskussionen und Peer-Instruktion genutzt werden, vor allem auch bei grossen Klassen. Das scheinen auch die Lehrpersonen gemerkt zu haben, denn Live-Umfragen und Wissenstests sind mittlerweile bereits schon fast so beliebt wie Präsentationen. Eine weitere beliebte Aktivität sind Internetrecherchen während des Unterrichts, das macht ebenfalls Sinn, wenn man bedenkt, dass über 60% der Studierenden während des Unterrichts regelmässig Informationen im Internet nachschlagen.

Brücken bauen zwischen menschlicher und technologischer Interaktion

Wenn es um Interaktivität und digitale Technologien im Unterricht geht, sind die Lehrpersonen zu Recht skeptisch. Schliesslich findet die Interaktivität oft auf den studentischen Geräten statt und die Lehrperson bekommt davon nur die negativen Effekte zu spüren, wie z.B., dass die Studierenden in den Bildschirm schauen statt Augenkontakt mit der Lehrperson zu suchen. Es überrascht daher nicht, dass sie auf die Frage, ob die Notebooks und Tablets die Interaktion im Unterricht erhöhen zu 63% mit Nein geantwortet haben.

Die digitalen Medien und Technologien verändern die Art und Weise, wie Studierende und Lehrpersonen miteinander, untereinander und mit der Umwelt interagieren. Damit diese Veränderung für das Lernen einen Mehrwert bietet, braucht es ein Unterrichtskonzept, welches diese neuen Möglichkeiten in der Methodik und Didaktik berücksichtigt.   

Man kann nun natürlich argumentieren, dass im Zentrum des Unterrichts die Interaktion zwischen den Studierenden und der Lehrperson steht und dafür keine digitalen Technologien benötigt werden; schliesslich kann man auch ohne digitale Technologien miteinander diskutieren – oft sogar besser.

Das papierlose Studium macht das Unterrichten angenehmer, ermöglicht punktuell, neue Methoden auszuprobieren und macht Spass. Es stellt aber keine grundlegende Revolution des Unterrichts dar, da Unterricht im Wesentlichen von der Didaktik und sozialen Interaktion geprägt wird und nicht von einer technischen Möglichkeit. In dieser Hinsicht bietet die Digitalisierung zwar interessante Ansätze und Optionen, eröffnet aber keine neuen Dimensionen.

Die Vorbereitung lässt sich verbindlicher einfordern. Dadurch sind die Studierenden (meist) besser vorbereitet, es ergibt sich mehr Zeit für Übungen und Diskussionen. Die andere Möglichkeit ist der bewusste Kontrast: bestimmte Sequenzen bewusst und mit Ansage ohne Laptop/Tablet durchführen.

Als Lehrperson kann man sich des klassischen Methodenkoffers bedienen und digitale Hilfsmittel im Unterricht bis zu einem gewissen Grad ignorieren, in dem man mit Flipcharts, Pinnwänden und Whiteboard arbeitet und die digitalen Arbeitstechniken mehrheitlich den Studierenden überlässt. Man kann auch gewisse Sequenzen ganz bewusst ohne digitale Technologien durchführen.

Trotzdem bekommen Lehrpersonen die allgegenwärtige Verfügbarkeit von digitalen Technologien im papierlosen Studium zu spüren, denn einmal auf das papierlose Studium umgestiegen, nutzen die Studierenden ihre Geräte als produktive Werkzeuge für das digitale Arbeiten, unabhängig davon, ob die Lehrperson im Unterricht darauf eingeht oder nicht. Der Einfluss der Lehrperson auf diese „unsichtbaren“, digitalen Aktivitäten ist relativ gering, es sei denn, sie bindet die verfügbaren Technologien aktiv als Werkzeuge in den Unterricht mit ein. Damit erhält sie nämlich eine Möglichkeit, mitzusteuern, welche Aktivitäten die Studierenden auf ihren Geräten während des Unterrichts ausführen.

Das können nebst den oben aufgeführten Aktivitäten wie Live-Umfragen, Wissenstests oder Internetrecherche auch die Nutzung sog. Backchannels für Fragen sein oder das Teilen und gegenseitige Ergänzen von studentischen Notizen und Zusammenfassungen aus dem Unterricht.

Ein solches Unterrichtskonzept fordert ein gutes Zusammenspiel von Methodik, Didaktik und Technologie – sozusagen einen digital ergänzten Methodenkoffer – der es den Lehrpersonen erlaubt, die aktive Nutzung digitaler Technologien in den Unterricht einzubinden. Die Herausforderung besteht vor allem darin, die neu gewonnenen Interaktionsmöglichkeiten zwischen Mensch und Maschine so zu nutzen, dass sie in die soziale Interaktion zwischen den Studierenden und der Lehrperson einfliessen. Damit könnte das papierlose Studium das Lernen im Unterricht nämlich nicht nur aus technologischer, sondern auch aus zwischenmenschlicher Sicht interaktiv bereichern.

Die Evaluation zeigt uns ganz klar, dass wir noch nicht an diesem Punkt angekommen sind und wir die Lehrpersonen dabei unterstützen müssen, diesen digital unterstützen Methodenkoffer für ihren Unterricht aufzubauen.

Vernetztes Arbeiten im Unterricht

Das papierlose Studium hat dazu geführt, dass Tablets und Notebooks im Unterricht heute eine Selbstverständlichkeit sind. Die Studierenden sind ständig online und können während des Unterrichts auf Informationen ausserhalb des Klassenzimmers zugreifen.

Diese einfache Tatsache führt dazu, dass die Aktivitäten im Klassenzimmer nicht mehr so klar von der Aussenwelt abgetrennt werden können. Das hat grundsätzlich Potenzial für das vernetzte Lernen, aber nutzen die Studierenden diese Möglichkeiten auch? In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie sie mit der ständigen Verfügbarkeit von digitalen Medien und Technologien im Unterricht umgehen.

Recherchieren während des Unterrichts

Schaut man sich die aktuelle Evaluation der 131 Erstsmestrigen aus den drei Studiengängen in Biotechnologie, Facility Management und Umweltingenieurwesen an, fallen zwei Zahlen ganz besonders auf. Die Studierenden nutzen das Internet nämlich während des Unterrichts zu:

  • 68% für das nachschlagen von unterrichtsrelevanten Informationen.
  • 30% um auf Social Media und im Internet zu surfen.

Die Mehrheit der Studierenden scheint demzufolge das Internet als Nachschlagewerk für den Unterricht zu nutzen und folgt dem Unterricht aufmerksam.

Unterlagen ergänzen und Inhalte verlinken

Nach eigenen Angaben sind die Studierenden dank der digitalen Technologien effizienter und vernetzter. Die Notebooks und Tablets schlagen sozusagen eine Brücke zwischen den Inhalten aus dem Unterricht und den Informationen ausserhalb des Klassenzimmers. Die Studierenden ergänzen die Informationen der Lehrpersonen mit zusätzlichen, oft multimedialen, Ressourcen und erstellen bereits während der Vorlesung eine Zusammenfassung. Auch das Teilen von Informationen mit Mitstudierenden wird dadurch vereinfacht:

Alles immer dabei und somit vernetzter lernbar.

Skripte mit interaktiven Links.

Wenn ich etwas nicht verstehe, kann ich es schnell im Internet recherchieren.

Man ist ständig online und recherchiert somit öfter oder schlägt ein Wort im Online Duden nach.

Man kann direkt in den Notizen Medien einbinden, wie Videos & Bilder.

Verknüpfen und verlinken von Dokumenten, schnelleres und mehrfaches Überprüfen von Daten, da man nur kurz das aktive Fenster wechseln muss.

Meiner Ansicht nach ist es ein grosser Vorteil, wenn die eigenen Notizen im Skript aufgeschrieben und bei Bedarf angepasst bzw. ergänzt werden können. Zudem ist es überaus hilfreich, wenn externe digitale Materialien dem Skript zugefügt werden können, um zum Beispiel ein Thema verständlicher zu machen. 

Ich bin viel schneller Zusammenfassungen zu schreiben, weil ich alle Informationen direkt griffbereit habe und nicht lange suchen muss.

Durch die Kombination von eigenen Notizen und dem einfügen relevanter Teile der Unterlagen ist das Erstellen einer umfassenderen Zusammenfassung während dem Unterricht möglich. Eine Nachbearbeitung der Zusammenfassungen ist so kaum nötig.

Da man sowieso am Laptop ist, schaut man viel mehr nach. Auch digital gezeichnete Skizzen oder Berechnungen können gleich an Mitstudenten weitergeleitet werden. Ebenfalls ist das Arbeiten in einer Gruppe einfacher, da mit OneDrive alles geteilt werden kann und alle gleichzeitig am Projekt arbeiten können.

Einige Studierende erwähnten auch die Möglichkeit, während des Unterrichts auf eine Vielzahl von Meinungen zugreifen zu können und dadurch ein differenzierteres Bild einer Thematik zu erhalten. Manchmal ergeben sich daraus Impulse für Diskussionen im Unterricht oder sie ergänzen damit die eigene Zusammenfassung.

Zugriff auf extrem viele Informationen und Meinungen.

Neue Seiten im Internet entdeckt welche sehr nützlich sind.

Durch das papierlose Studium nutze ich das Internet mehr als Hilfe zum etwas nachschauen oder ergänzen.

 Die Studierenden sind aber durchaus auch selbstkritisch im Umgang mit der ständigen Verfügbarkeit von Informationen, wie folgende Kommentare zeigen:

Man kann schneller recherchieren und ist aber andererseits auch schneller abgelenkt.

Es ist einfacher direkt online nachzuschlagen, dafür passt man weniger gut im Unterricht auf.

Es geht sehr schnell etwas nachzuschauen, jedoch schaut man auch nach bevor man darüber nachdenkt.

Und wie in den vorhergehenden Beiträgen bereits erwähnt gibt es auch einzelne Studierende, die auf digitale Technologien im Unterricht gerne verzichten würden:

Es ist nicht so physisch, ich denke ich lerne durch selber schreiben per Hand besser und schneller als per Tastatur.

 

Hören sie zu oder surfen sie schon?

Lehrpersonen hingegen wissen natürlich oft nicht, was die Studierenden mit ihren Notebooks und Tablets während des Unterrichts machen: Schreiben sie mit, surfen sie im Internet, oder schauen sie sich gerade ein Katzenvideo an?
Wir haben daher auch bei den Lehrpersonen eine Umfrage zum papierlosen Studium durchgeführt und ihre Aussagen denjenigen der Studierenden gegenübergestellt.

Die Zahlen in der untenstehenden Gegenüberstellung unterscheiden sich etwas vom ersten Diagramm. Sie stammen von den 52 Lehrpersonen und 253 Studierenden, die an der Umfrage teilgenommen haben und im Herbst 2016 auf papierlos mit Bring Your Own Device umgestellt haben. Dazu gehören nebst den Erstsemestrigen auch die Lehrpersonen und die Studierenden der höheren Studienjahrgänge im Bachelorstudiengang Umweltingenieurwesen.

In der Umfrage gaben 37% der Lehrpersonen an, dass die Studierenden im Unterricht häufig abgelenkt sind. Dem gegenüber steht die Aussage der Studierenden, die zu 75% angaben, dass sie dem Unterricht aufmerksam folgen. Interessant auch, dass die Erstsemestrigen offenbar im Unterricht weniger abgelenkt sind als die höheren Studienjahrgänge.

Schaut man sich genauer an, wofür die Studierenden ihre Geräte während des Unterrichts nutzen, wird klar, dass sie oft produktiv damit arbeiten und dem Unterricht aufmerksam folgen. Sie recherchieren vor allem Informationen im Internet, machen sich Notizen und heben Textstellen in den Unterlagen hervor.

Natürlich fällt aber auch auf, dass die Wahrnehmung der Lehrpersonen ziemlich gut mit den 31% der Studierenden korreliert, die zugeben, dass sie während des Unterrichts nebenbei auf Social Media und im Internet surfen. Der Schein trügt folglich nicht immer.

Erste Erfahrungen mit Bring Your Own Device

Seit Herbst 2016 studieren unsere angehenden BiotechnologInnen, Facility ManagerInnen und UmweltingenieurInnen papierlos mit ihren eigenen Notebooks und Tablets. Diese Neuausrichtung des papierlosen Studium war nötig, um das frühere Pilotprojekt in den Normalbetrieb zu überführen. Zudem hat das Pilotprojekt gezeigt, dass die Studierenden sehr individuelle Anforderungen an ihre Arbeitsgeräte haben. Als Hochschule können wir dieser Vielfalt aufgrund der komplexen und aufwändigen Ausschreibungsverfahren nicht gerecht werden und hinken dem technologischen Fortschritt immer etwas hinterher.

Wir haben unsere Erstsemestrigen und deren Lehrpersonen nach den ersten vier Monaten mit Bring Your Own Device befragt und ziehen nun hier mit einer Serie von Beiträgen eine erste Bilanz. Den Anfang machen wir mit der Hard- und Software sowie mit der Infrastruktur.

Bei den Studierenden haben 131 Personen aus dem 1. Semester der Studiengänge in Biotechnologie, Facility Management und Umweltingenieurwesen an der Umfrage teilgenommen. Die Rücklaufquote lag bei 35%. Bei den Lehrpersonen haben 52 Personen an der Umfrage teilgenommen und die Rücklaufquote betrug 68%.

Geräte

Über 70% der Studierenden haben sich speziell ein Gerät für das Studium angeschafft. zusammengefasst machen normale Notebooks und Macs mit 59% die Mehrheit der Geräte aus, gefolgt von Hybridgeräten mit Touchscreen und dem Surface Pro mit 51%. Nur eine Minderheit von 13% arbeitet mit Tablets, wobei dort vor allem das Apple iPad dominiert. Damit besitzen 64% der Studierenden entweder ein Notebook, Hybridgerät oder Tablet mit Touchscreen. Rund 1/4 der Studierende gab zudem an, dass sie das Smartphone zum Lernen nutzen, vielleicht ein mobiler Ersatz für das Tablet?

Touchscreen wichtiger als erwartet
Zufrieden mit ihrer Wahl sind vor allem die NutzerInnen eines Microsoft Surface Pro und weiterer Hybridgeräte mit Touchscreen, wie z.B. das Lenovo Yoga. Auch die wenigen Studierenden, die ein Apple iPad nutzen sind sehr zufrieden mit ihrem Gerät.

Ich arbeite im Studium mit folgenden Geräten

Studierende mit einem Mac finden ihr Gerät zwar nach wie vor gut, sie haben aber teilweise Mühe mit der Bedienung, weil sie oft mit der Windows-Partition arbeiten müssen und dann z.B. einige Tasten auf der Tastatur nicht mehr übereinstimmen:

Grundsätzlich würde ich mich wieder für Apple entscheiden. Da aber jedoch mit Windows gearbeitet wird, wäre ein Surface wohl die bessere Option.

Eher unzufrieden mit ihrem Gerät sind Studierende, die mit einem handelsüblichen Notebook ohne Touchscreen arbeiten:

Wir zeichnen sehr viel im Unterricht, was vorher nicht bekannt war. Hätte ich das gewusst, hätte ich ein Laptop mit Touchscreen gekauft.

Es ist schwer, ich muss den Akku zu häufig aufladen, es hat keine Maus, es ist schwierig Notizen zu machen.

Ich würde mich wieder für das gleiche Gerät entscheiden

Empfehlung
Zusammengefasst kann man sagen, dass der Touchscreen und die damit verbundene Möglichkeit, handschriftliche Annotationen und Skizzen in den Unterlagen zu erfassen vor allem im Unterricht wichtig ist. Wir empfehlen daher zukünftigen Studierenden, sich nach Möglichkeit ein Gerät mit abnehmbarem/drehbarem Touchscreen und Eingabestift zu kaufen, damit das Gerät als Papierersatz genutzt werden kann und beim Arbeiten nicht ständig zwischen Papier und Notebook hin- und hergewechselt werden muss.

Programme

Windows dominiert das Feld
Bei den genutzten Applikationen hat die Vielfalt im Unterschied zu den Pilotklassen mit Tablets stark abgenommen.Microsoft OneNote dominiert sowohl im Unterricht als auch im Selbststudium, gefolgt von Microsoft Word und dem kostenlosen Adobe Acrobat Reader. Diese Dominanz deR Microsoft Produkte hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Office 365 mittlerweile auf allen Betriebssystemen genutzt werden kann, wenn auch mit weniger Funktionen als auf Windows.

Das Office 365 Pro Plus Angebot der ZHAW wird von 77% der Studierenden genutzt. Einige dürften auch Office Professional 2016 installiert haben und einige wissen offenbar nicht, dass es Office 365 auch für das iPad und Android gibt.

Drawboard als beliebte Alternative zum Adobe Reader
Mehrere Studierende haben angemerkt dass ihnen die Kombination aus OneNote und Adobe Reader für das Bearbeiten der PDF-Unterlagen nicht ausreicht und sie daher die kostenpflichtige App Drawboard nutzen.

Die Nutzung der bisher sehr beliebten iPad Apps wie PDF ExpertGood Notes oder Notability ist stark zurückgegangen, da im Vergleich zum Pilotprojekt viel weniger mit Tablets gearbeitet wird. Auch der früher sehr beliebte PDF X-Change Editor wurde seltener genannt. Dafür wird Drawboard vermehrt genutzt. Die Browser (IE/Firefox) werden sowohl im Unterricht als auch im Selbststudium oft genutzt. Spezifische Android Apps wurden keine genannt.

Genutzte Applikationen im Unterricht und Selbststudium, visualisiert nach Häufigkeit der Nennung.

Cloud Dienste
Die Mehrheit der Studierenden (66%) speichert die Daten auf OneDrive for Business.Damit haben Dropbox und Google Drive stark an Beliebtheit eingebüsst und auch der akademische Cloud-Dienst SWITCHdrive spielt mit 3% nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. 36% gaben zudem an, dass sie ihre Daten auch auf lokalen Speichern, externen Festplatten oder USB Sticks speichern.

Infrastruktur

Studierende möchten (noch) mehr Steckdosen
Das WLAN und die Stromversorgung wurden in den vergangenen drei Jahren massiv ausgebaut. Das hat sich offenbar gelohnt, denn mittlerweile sind über 80% der Studierenden mit der Ausstattung der Unterrichtsräume im Hinblick auf Steckdosen und WLAN zufrieden. In einigen Räumen sind die Steckdosen allerdings schlecht zugänglich oder es sind nicht genügend Steckdosen vorhanden. Zudem wünschen sich die Studierenden auch an den Lernplätzen mehr Steckdosen.

Bewertung der Infrastruktur durch Studierende und Lehrpersonen.

Gesundheitliche Bedenken ernst nehmen
Eine Person hat sich über gesundheitliche Bedenken geäussert und gefordert, dass wegen der Geräteemissionen in den Unterrichtsräumen für eine bessere Abluft und eine höhere Luftwechselrate gesorgt werden sollte. Sie schlug auch vor, dass die Hochschule technologiefreie Zonen schaffen sollte – wie das an anderen ZHAW-Standorten z.B. mit einem „Raum der Stille“ bereits gemacht wird. Die Hochschule in Wädenswil hat mit den Gärten im Grüental eine technologiefreie Zone die sich ideal für einen achtsamen Spaziergang und eine technologiefreie Pause eignet.

Didaktischer Rückschritt durch verkabelte Tische
Etwas anders sieht die Situation bei den Lehrpersonen aus. Die Montage der Steckdosen an den Tischen hat dazu geführt, dass viele Tische in den Gruppenräumen fix verkabelt sind und nicht mehr verstellt werden können. Das stellt die Lehrpersonen vor neue Herausforderungen und schränkt die didaktischen Möglichkeiten während des Unterrichts ein. Unterrichtsszenarien, welche die aktive Partizipation der Studierenden und das kollaborative Lernen in den Vordergrund stellen, werden dadurch erschwert:

Der didaktische Fortschritt mit dem papierlosen Studium wurde durch das Zusammen“binden“ der Bänke gleich wieder ins Minus gebracht (Gruppenarbeiten sind so fast nicht möglich.)  Auch sonst ist die Infrastruktur noch nicht auf der Höhe, z.B. fristen die Visualizer eher ein Schattendasein.

Teilweise veraltete, mangelhafte Beamer und Mikrofone
Bemängelt wird zudem die AV-Technik in den Unterrichtsräumen. Die Beamer haben teilweise eine schlechte Auflösung oder funktionieren nicht zuverlässig:

Technik in den GA-Räumen hatte Kinderkrankheiten. Ich stand 3-mal in einem Unterrichtsraum, wo die Technik nicht funktionierte und das Problem konnte von den Technikern nicht innerhalb von Minuten behoben werden.

Der Beamer funktioniert manchmal nicht und ich habe Mühe mit den Settings für Sound auf meinem Notebook: benutze daher meinen eigenen Lautsprecher.

Auch die Mikrofone scheinen teilweise nicht zu funktionieren, wodurch Studierende in den hinteren Reihen dem Referenten nur schwer folgen können:

Es hat nicht in jedem Zimmer funktionstüchtige Mikrofone. Die in den mittleren Reihen bis hintere Reihen verstehen nicht alles wenn der Dozent vorne was erzählt.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass mit dem Ausbau der Infrastruktur die Bedürfnisse der Studierenden hinsichtlich WLAN und Steckdosen mit einigen wenigen Ausnahmen erfolgreich abgedeckt werden konnten. Allerdings zeigt sich auch, dass die verkabelten Tische für den didaktischen Fortschritt eher kontraproduktiv sind, da dadurch die didaktischen Szenarien im Präsenzunterricht eingeschränkt werden. Gerade beim aktiven Lernen im Rahmen von Gruppenarbeiten, Debatten und Diskussionsrunden wird die Interaktion im Raum auch durch die Bestuhlung mitgesteuert.

Leider besitzen noch nicht alle Studierenden Geräte mit einer Akkulaufzeit von 8 oder mehr Stunden. Gerade handelsübliche Notebooks laufen oft nur 4h am Stück und verbrauchen im Vergleich zu Tablets sehr viel Strom. Die Verkabelung in den Unterrichtsräumen bleibt somit bis auf weiteres ein notwendiges Übel, um die Tische mit Strom zu versorgen.

Andererseits darf man sich durchaus fragen, warum die Gruppenräume nach dem traditionellen Hörsaalprinzip mit Tischen in Reih und Glied bestuhlt sind. Man könnte in Gruppenräumen auch eine andere Bestuhlung vorgeben und die Verkabelung entsprechend anpassen. Das würde dann aber bedeuten, dass in diesen Räumen tatsächlich nur noch aktive Lernsettings wie Gruppenarbeiten, Diskussionen und Übungen und keine Vorlesungen mehr stattfinden.

Rückblick auf den Paperless Parcours

App-Karten von Studierenden

Die Studierenden, die in der diesjährigen Startwoche den Paperless Parcours besucht haben mussten als Abschlussaufgabe eine Zusammenstellung der Applikationen erstellen, die sie für das papierlose Studium nutzen.

Diese Aufgabe wurde von 50 Studierenden absolviert und wir haben daraus einige gute Beispiele ausgewählt. Anbei präsentieren wir Ihnen vier Arbeiten von Studierenden, die eingewilligt haben, dass ihre App-Karte hier auf dem Blog veröffentlicht wird:

Meisterverwendet: MS Office und PDF-Reader

In den App-Karten sieht man, dass die Studierenden vor allem die Microsoft Office Produkte und den Adobe Reader nutzen. Einzig bei den iPads werden noch einige andere Apps aufgeführt. Auch OneDrive for Business scheint als Cloud-Dienst beliebt zu sein, da den Studierenden mit dem ZHAW-Account 1TB Speicherplatz zur Verfügung steht. Die Nutzung von OneDrive hat allerdings auch zu vielen Fragen und Unsicherheit geführt, da einigen Studierenden der Unterschied zwischen dem privaten OneDrive und OneDrive for Business nicht ganz klar war. Auch hätten sich einige Studierende eine kritischere Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht. OneNote wurde von den Studierenden überraschend gut aufgenommen, allerdings beobachten wir das etwas mit Besorgnis, da viele Studierende nun alle PDF’s in OneNote importieren und sie dort annotieren, was zu sehr grossen Dateien führt, da OneNote die PDFs als Bilder importiert. Wir empfehlen generell PDF-Dateien in einem PDF-Editor zu bearbeiten und OneNote für zusätzliche Notizen zu nutzen.

Zu wenig Zeit für den Parcours

Die Rückmeldungen auf den Paperless Parcours sind gemischt ausgefallen. Das Thema „digitales Arbeiten“ wurde von den Studierenden allgemein als wichtig befunden, allerdings hatten sie für das Lösen der Aufgaben zu wenig Zeit. Zudem waren sie so auf das Lösen der Aufgabe fokussiert, dass sie sich gar nicht differenziert mit den verschiedenen Apps auseinandersetzen und die Informationen und Anleitungen auf dem Blog mehrheitlich ignorierten. Aufgrund des sehr heterogenen Vorwissens und der vielen unterschiedlichen Geräte der Teilnehmenden konnten die zwei Betreuungspersonen pro Posten auch kaum auf individuelle Bedürfnisse und Probleme eingehen.

Überarbeitung des Paperless Parcours fürs 2017

Wir werden den Paperless Parcours deshalb fürs nächste Jahr überarbeiten. Eine Möglichkeit wäre, dem Thema in der Startwoche bedeutend mehr Raum einzuräumen, was allerdings für uns ein Ressourcenproblem darstellt und in Konkurrenz zu den anderen Inhalten steht. Eine andere Möglichkeit wäre, den Paperless Parcours teilweise online anzubieten, da damit viel besser auf die unterschiedlichen Vorkenntnisse und Geräte eingegangen werden kann. Zudem könnten die Studierenden online und evtl. an einem Help Point vor Ort individuell jene Hilfe in Anspruch nehmen, die sie benötigen.

Langfristige Förderung digitaler Kompetenzen

Klar ist allerdings auch, dass wir die Erwartungen an eine solche Einführungsveranstaltung nochmals überdenken müssen. Die Digitalisierung in der Lehre ist ein langfristiger und anspruchsvoller Prozess und die dafür nötigen digitalen Kompetenzen können sich die Studierenden nicht schnell innerhalb von 2-3 Stunden in der Startwoche aneignen. Hierfür braucht es weiter greifende Konzepte die in den Curricula der Studiengänge verankert sind.

Schlussevaluation papierloses Studium: Tablet-Nutzung im Unterricht und im Selbststudium

Im vierten Teil der Schlussevaluation widmen wir uns der didaktischen Perspektive des papierlosen Studiums und dem Einsatz der Tablets im Unterricht und im Selbststudium.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Studierenden der Klasse BT13, da es der einzige Studienjahrgang ist, der noch den Unterschied zum papierbasierten Studium kennt. Die jüngeren Studienjahrgänge BT14 und BT15 haben bereits seit Beginn ihres Studiums an der ZHAW papierlos mit einem Tablet gearbeitet.

Tablet-Nutzung während des Unterrichts

Die Studierenden nutzen das Tablet während des Unterrichts vor allem für folgende drei Aktivitäten:

  1. Erfassen von Notizen mit der Tastatur
  2. Hervorheben von Textstellen
  3. Nachschlagen von Informationen im Internet

Die Notizen werden in der Regel mit der Tastatur erfasst, allerdings gaben 62% der Studierenden an, mind. gelegentlich auch handschriftliche Notizen und Skizzen auf dem Tablet zu erfassen.

NotizenBei einer genaueren Betrachtung fällt auf, dass die Klasse BT13, die erst im 3. Semester auf papierlos umstellte, alle drei Aktivitäten seltener ausübt als die Klassen BT14 und BT15. Der Unterschied ist vor allem bei den handschriftlichen Notizen sehr ausgeprägt: Während bei BT13 nur 15% der Studierenden regelmässig (immer/oft) handschriftliche Skizzen und Notizen mit dem Tablet anfertigt, sind es bei BT14/15 fast drei Mal so viele. BT13 und BT14 haben zwar dieselben Gerätetypen erhalten, aber in der Klasse von BT13 gibt es mehr Dell-NutzerInnen. Dadurch waren bei BT13 mehr Studierende von den technischen Problemen mit der Stifterkennung und dem Touchscreen beim Dell Venue 11 Pro betroffen.

Ablenkung ist nur ein Klick entfernt

Der Grossteil der Studierenden folgt dem Unterricht gemäss eigenen Angaben aufmerksam und sucht mind. gelegentlich den Augenkontakt mit der Lehrperson. 43% der Studierenden gab jedoch an, mind. gelegentlich nebenbei auf Social Media zu surfen, wobei dies bei den Dell-NutzerInnen mit über 50% deutlich ausgeprägter ist als bei den iPad-NutzerInnen (28%).

AufmerksamkeitDer Anteil der Studierenden, die sich nicht aktiv in Diskussionen einbringen und selten bis nie eine Frage stellen ist mit über 45% relativ hoch, wobei das Interaktionslevel natürlich stark vom Unterrichtsformat abhängt. Da Studierende Informationen jederzeit im Internet nachschlagen können, könnte es z.B. sein, dass sie als Folge der Lehrperson weniger Fragen stellen. Dazu können wir aber wegen fehlenden Vergleichsmöglichkeiten keine konkreten Aussagen machen.

Tablet-Nutzung während des Selbststudiums

Für 80% der Bachelorstudierenden in Biotechnologie ist das Recherchieren im Internet eine der Hauptaktivitäten im Selbststudium. Rund 60% schlagen zudem regelmässig Fachbegriffe und Fremdwörter nach und über 50% gaben an, im Selbststudium regelmässig Lernressourcen und Aktivitäten auf der Lernplattform Moodle zu nutzen.

35% der Studierenden suchen ausserdem selbständig im Internet nach zusätzlichen, externen Lernressourcen und rund 40% nutzen regelmässig Videos für das Selbststudium. Interessant ist, dass das regelmässige, selbständige Suchen nach zusätzlichen Lernressourcen bei den jüngeren Studienjahrgängen BT14/15 mit 40% deutlich ausgeprägter ist als bei BT13 (20%).

LernressourcenMobiles Lernen

Die Mehrheit der Studierenden lernt während der Phase des Selbststudiums hauptsächlich von zu Hause aus. Es gibt aber je einen gleich grossen Teil (23%) von Studierenden, die regelmässig (immer/oft) unterwegs und an der Hochschule lernen. Die iPad-NutzerInnen lernen doppelt so häufig unterwegs wie ihre KollegInnen mit einem Dell Venue 11 Pro.

Mobile LearningUnterlagen ergänzen und Zusammenfassungen schreiben

Im Selbststudium ist vor allem das Hervorheben von Textstellen in den Unterlagen weit verbreitet; rund 70% der Studierenden macht dies regelmässig (immer/oft). 56% der Studierenden gaben zudem an, dass sie im Selbststudium regelmässig ihre Notizen aus dem Unterricht ergänzen.

Rein lerntechnisch ist es allerdings effizienter, wenn die Studierenden das Gelernte in eigenen Worten z.B. in einer Zusammenfassung wiedergeben. Diese Lerntechnik nutzen 40% der Studierenden bereits regelmässig während des Semesters.

Die Arbeit mit digitalen Unterlagen vereinfacht das Teilen von Lernressourcen, da die persönlichen Zusammenfassungen und Notizen einfach per Mail oder über einen Cloud-Dienst mit Mitstudierenden geteilt werden können. Das Austauschen und Abgleichen von Notizen und Zusammenfassungen bietet den Studierenden die Möglichkeit, ihr Wissen zu ergänzen und durch die Perspektiven der Mitstudenten allenfalls auf weitere, wichtige Punkte im Stoff aufmerksam zu werden. Von dieser Möglichkeit machen aber bisher nur wenige Studierende gebraucht. Gerade mal 18% der Studierenden teilen ihre Zusammenfassungen regelmässig mit ihren Mitstudierenden.

Dialog und TeilenBei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die Studierenden mit dem Dell Venue 11 Pro fast 3-Mal häufiger regelmässig Zusammenfassungen teilen und häufiger gemeinsam an Dokumenten arbeiten (+22.8%) als ihre Studienkolleginnen mit einem iPad. Die Zusammenarbeit scheint mit einem Windows-Tablet besser zu funktionieren als mit dem iPad. Es zeigt sich auch, dass die Hälfte der Studierenden der Klasse BT13 regelmässig gemeinsam an Dokumenten arbeitet, während dies bei den jüngeren Studienjahrgängen (BT14/15) nur bei 19% der Fall ist.

Literatur verwalten und teilen

Bei den Applikationen (Teil 3 der Evaluation) war uns aufgefallen, dass die Studierenden keine Literaturverwaltungssoftware erwähnt haben. Nun zeigt sich, dass doch rund 30% der Studierenden mind. gelegentlich Literatur mit einem Literaturverwaltungssystem verwalten. Rund 50% lesen zudem mind. gelegentlich wissenschaftliche Publikationen und 28% lesen zwischendurch auch mal ein e-Book. Das Teilen von Literaturressourcen ist für die meisten Studierenden kein Thema.

Die roten und orangen Bereiche (nie/selten) sind hier überdurchschnittlich gut vertreten. Die Inhalte, welche die Studierenden während des Selbststudiums im Internet recherchieren, scheinen grösstenteils nicht in die Kategorien der wissenschaftlichen Publikationen und Literatur zu fallen.

LiteraturImmerhin zeigt sich, dass die Studierenden der Klasse BT13, die an der Bachelorarbeit arbeiten, öfters wissenschaftliche Publikationen lesen (+21.4%) und auch häufiger ein Literaturverwaltungssystem nutzen (+24.8%) als die Studierenden den Klassen BT14/BT15. Ausserdem sieht man auch ganz klar, dass die Literaturverwaltung auf dem Dell Venue 11 Pro besser funktioniert als auf dem iPad, da rund 30% der Dell-NutzerInnen regelmässig ein Literaturverwaltungssystem auf dem Tablet nutzen, während es bei den iPad-NutzerInnen nur gerade rund 5% sind. Das könnte auch daran liegen, dass sich das Literaturverwaltungssystem der ZHAW (RefWorks) nur bedingt für das iPad eignet, da es eine Web-Applikation ist. Studierenden, die auf dem iPad Literatur verwalten möchten empfehlen wir Mendeley.

Unterlagen werden selten ausgedruckt

Rund 20% der Studierenden drucken regelmässig Unterlagen für das Selbststudium aus. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung steigt dieser Wert bis auf 30%. Die Mehrheit der Studierenden (49%) druckt aber selten bis nie Unterlagen aus.

Unterlagen ausdruckenVerändert das papierlose Studium das Lernen?

Wir haben die Studierenden der Klasse BT13 in einer Zusatzfrage gefragt, wo sie durch die Umstellung auf das papierlose Studium selber Veränderungen an ihrem Lernverhalten festgestellt haben.

Die Antworten sind z.T. kontrovers ausgefallen, was die einen als Nachteil sehen, sehen andere als Vorteil. Hier eine Zusammenstellung der eingegangenen Kommentare:

  • Ich habe eine bessere Übersicht über den Lernstoff und kann diesen einfacher einteilen.
  • Mir fällt es schwerer den Überblick zu bewahren.
  • Bessere Zusammenfassungen.
  • Anfangs habe ich weniger eigene Notizen geschrieben (z.B. Lernkarten). Mittlerweile habe ich mich aber an die Umstellung gewöhnt und nutze wieder verschiedene Lernstrategien.
  • Nehme Unterricht teilweise auf (Audio), so dass ich, wenn es zu schnell ging, Teile der Vorlesung nochmals anhören kann.
  • Lerne vermehrt mit YouTube Videos.
  • Brauche ausgedruckte Unterlagen um richtig lernen zu können.
  • Kein Ausdrucken mehr.
  • Man ist mehr abgelenkt sowohl beim Lernen als auch im Unterricht.
  • häufigere Pausen: sowohl dadurch, dass es weniger angenehm ist auf dem Display zu lesen als auf Papier aber auch durch Ablenkung des Internets.

Im nächsten Teil schauen wir uns noch an, wie sich die Studierenden auf die Prüfungen vorbereiten und was sie davon halten, elektronische Hilfsmittel an den Prüfungen zuzulassen.

Schlussevaluation papierloses Studium: Software und Apps

Im dritten Teil der Schlussevaluation haben wir die rund 160 Studierenden des Bachelorstudiengangs in Biotechnologe gefragt, welche Apps und Programme sie für das papierlose Studium auf ihrem Tablet am häufigsten nutzen.

Cloud-Speicher

Die Daten werden von rund 65% der Studierenden auf Dropbox gespeichert. Dropbox hält sich seit Jahren auf dem 1. Platz, obwohl wir den Studierenden den akademischen Cloud-Dienst SWITCHDrive mit 25 GB empfehlen.

Die Windows-NutzerInnen arbeiten zu 37% mit dem Cloud-Dienst von SWITCHDrive, wo hingegen die iPad-NutzerInnen mit über 50% Dropbox bevorzugen. Das hat teilweise auch damit zu tun, dass sich die Synchronisation mit Dropbox von allen Apps aus sehr komfortabel einrichten lässt. SWITCHDrive lässt sich hingegen nur via WebDAV verbinden und diese Option ist nicht in allen Apps verfügbar.

Cloud SpeicherOffice 365

Die jüngste Klasse BT15 hat ein Office 365 Abo zur Verfügung und damit Zugriff auf 1 TB Microsoft One Drive for Business. Microsoft OneDrive wird mittlerweile ebenfalls von sehr vielen Apps unterstützt und ist vor allem für die Verwendung von Office auf dem iPad sehr praktisch. Bei BT15 nutzten gesamthaft rund 44% das Office 365 Abo, überraschenderweise machten die Dell-NutzerInnen mit 54,5% häufiger davon Gebrauch als die iPad-Nutzerinnen mit 42%.

Meistverwendete Apps

Bei den meistverwendeten Apps zeigen sich interessante Unterschiede zwischen den Betriebssystemen. Während die Windows-NutzerInnen vor allem mit Microsoft Word, OneNote und dem kostenlosen Adobe Reader arbeiten, nutzen die iPad-NutzerInnen den PDF Expert, den Safari Browser und Good Notes am häufigsten.

Windows – Office Programme und Adobe Reader

Die Windows-NutzerInnen mit dem Dell Venue 11 Pro nutzen in erster Linie Microsoft Word und OneNote, gefolgt vom kostenlosen Adobe Reader für die Bearbeitung von PDFs. Diese drei Programme kommen in allen Lernphasen vor; sowohl im Unterricht und in den Labors als auch im Selbststudium und in der Prüfungsvorbereitung.

Mit dem Adobe Reader kann man keine handschriftlichen Notizen und Skizzen in den PDFs erfassen, daher greifen viele Studierende für Notizen auf Word und OneNote zurück. NutzerInnen mit Office 2016 können die PDFs auch in Word öffnen und sie wie eine Word-Datei weiter bearbeiten.

In OneNote können zwar PDFs importiert und mit handschriftlichen Notizen ergänzt werden, allerdings werden die OneNote-Dateien relativ gross und belasten damit die Speicherkapazität. Aus diesem Grund greifen einige Studierende auf spezifische Notizen-Apps wie Drawboard und MetaMoJi Lite oder den PDF X-Change Editor zurück, damit können handschriftliche Skizzen und Notizen direkt in den PDFs erfasst werden.

Beim Browser bevorzugen die Windows-NutzerInnen den Internet Explorer gefolgt von Google Chrome.

Windows

Verwendete Applikationen auf Windows mit mind. 4 Nennungen

iPad – PDF Expert, Safari und eine kunterbunte Mischung

Bei den iPad-NutzerInnen ist die App PDF Expert in allen Lernphasen vom Unterricht und im Labor bis hin zum Selbststudium und der Prüfungsvorbereitung die meistverwendete App. Einige nutzen auch den etwas günstigeren GoodReader, MobiFolders oder den kostenlosen Adobe Reader.

Nebst den PDF-Bearbeitungsprogrammen werden auf dem iPad auch häufig die Internetbrowser Safari und Google Chrome sowie der Cloud-Dienst Dropbox verwendet.

Die App Good Notes für handschriftliche Notizen wurde ebenfalls häufig genannt. Die App von Microsoft Word hat mittlerweile die Apple eigene App Pages überholt und wird ebenfalls gerne im Unterricht und im Labor genutzt. Das erklärt auch, warum de iPad-NutzerInnen Dropbox bevorzugen; Good Notes und Word können nämlich nicht mit SWITCHDrive (WebDAV) synchronisiert werden.

Spannend ist, dass die Studierenden mit dem iPad häufiger die Kamera und das Mail-Programm nutzen als die Windows-NutzerInnen. Die Verwendung des Mail-Programms überrascht allerdings nicht, da viele NutzerInnen von iOS Bilder und Dateien per E-Mail verschicken, statt sie auf einen Cloud-Dienst hochzuladen.

iOS

Verwendete Applikationen auf iOS mit mind. 5 Nennungen

Mehr bildungsrelevante Apps auf dem iPad

In der Evaluation vom 2014 hatten 77% der Studierenden angegeben, dass das Tablet für sie eine neue Form des Lernens darstellt. Dabei waren diejenigen Studierenden, die dem nicht zugestimmt haben allesamt Windows-NutzerInnen.

Was hier diesbezüglich auffällt ist, dass die iPad-NutzerInnen mit einer grösseren Vielfalt von neuen Applikationen arbeiten, während die Windows-NutzerInnen dazu tendieren, mit bereits vertrauten Applikationen wie Microsoft Office und Adobe Reader zu arbeiten.

So haben die iPad-NutzerInnen in der Befragung z.B. für den Unterricht vereinzelt Apps wie GeoGebra, ScannerApp, Paper von Fifty Three, Penultimate, Pocket, Pons Wörterbuch, StudentLife und Wonderlist genannt. Im Labor kommen nebst dem Rechner und Excel auch das Merck Periodensystem und die Suchmaschine Wolfram Alpha zum Einsatz.

Im Selbststudium wird unter anderem mit iBooks und Videos der Khan Academy gelernt, während für die Prüfungsvorbereitung auf Lernkarten-Apps wie card2brain und Flascards Deluxe zurückgegriffen wird.

Bei den Windows-NutzerInnen haben hingegen mehrere Studierende angegeben, dass sie mit Papier arbeiten. GeoGebra, Flashcards Pro, die Kamera und YouTube wurden nur ganz vereinzelt genannt.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass es Studierenden mit einem iPad einfacher fällt, neue digitale Hilfsmittel in den Lernprozess einzubinden, da ihnen eine breitere Palette von bildungsrelevanten Apps zur Verfügung steht.

Kein Literaturverwaltungssystem

Überrascht hat mich, dass keine/r der Studierenden eine Literaturverwaltungssoftware wie z.B. Mendeley oder das an der ZHAW übliche RefWorks erwähnt hat. Eine solche Applikation ist im Studium äusserst hilfreich und es haben auch Studierende aus höheren Semester an der Umfrage teilgenommen. Da besteht offenbar noch Optimierungspotential.

Schlussevaluation papierloses Studium: Infrastruktur und Support

Im zweiten Teil der Schlussevaluation widmen wir uns der Infrastruktur, den Unterstützungsangeboten und den Supportdienstleistungen für die Studierenden. Zudem gehen wir der Frage nach, wie gut der Unterricht auf das papierlose Studium ausgerichtet ist.

Der unterstehende Kommentar fasst die Erwartungen der Studierenden an die Unterstützungsangebote der Hochschule relativ gut zusammen:

Mehr Steckdosen, zuverlässigeres WLAN, gleiche Garantieleistung beim iPad wie beim Dell und wertvolle Tipps fürs papierlose Studium.

Infrastruktur: Gutes WLAN aber zu wenig Steckdosen

Bei der Infrastruktur finden rund 30% der Studierenden, dass nicht genügend Steckdosen zur Verfügung stehen. Unser internes Facility Management arbeitet daran, diese Situation zu verbessern. Die Herausforderung liegt hier vor allem bei den niedrigen Kapazitäten der Stromzuleitungen in den älteren Gebäuden, dadurch können nicht beliebig viele Steckdosen angeboten werden.

InfrastrukturÜberraschenderweise haben die iPad-NutzerInnen die Verfügbarkeit der Steckdosen kritischer bewertet als ihre KollegInnen mit einem Windows-Tablet. Dies obwohl das iPad eine Akkulaufzeit von 8 Stunden hat und damit Steckdosen eigentlich nicht zwingend notwendig sind.

SteckdosenDie Verkabelung der Unterrichtsräume ist ein zwiespältiges Thema. Einerseits möchten wir genügend Stromanschlüsse zur Verfügung stellen, andererseits führt die Verkabelung teilweise zu unflexiblen Tischanordnungen und im Hinblick auf aktive Lernsettings ist es wichtig, dass die Tische flexibel angeordnet werden können. Ausserdem wünschten sich einige Studierende mehr Platz, da vor allem die Tische in den Hörsälen für das Arbeiten mit einem Tablet oder Notebook recht klein sind.

Das WLAN und die Verfügbarkeit von Moodle wurden von der Mehrheit positiv bewertet. Die Anschlüsse für die Beamer werden von der Mehrheit der Studierenden nicht verwendet. Die Schulzimmer verfügen in der Regel über einen VGA- und HDMI-Anschluss. Nutzerinnen mit Lightning, Mini/Micro-HDMI oder Mini-DVI müssen einen entsprechenden Adapter mitbringen.

Support und Problembehebung

Die Supportdienste wurden vor allem von den Dell-NutzerInnen in Anspruch genommen und sehr unterschiedlich bewertet. Während 21% positive Erfahrungen mit Dell gemacht haben, bewerteten 30% den Dell Pro Support als mangelhaft. Bei den Garantieleistungen hingegen fällt die Bewertung positiver aus, da die Studierenden bei Defekt in der Regel einen Ersatz erhielten und Dell viele der nicht funktionierenden Geräte, Tastaturen und Stifte ausgetauscht hat.

Zufriedenheit-SupportDie negative Bewertung ruht auch daher, dass sich die Studierenden bei Problemen direkt an den Support des Herstellers wenden mussten. Dies fanden viele Studierende zu umständlich und unpersönlich. Sie hätten eine Kontaktperson vor Ort bevorzugt:

Man sollte sich als Student nicht an die Firma wenden müssen. Ich erwarte dass ich das Problem dem IT-Service der ZHAW melden kann und sie das Problem lösen resp. mit der Firma Kontakt aufnehmen.

Die Lösung, den technischen Support auszulagern, hat sich diesbezüglich nicht bewährt. Wir mussten intern trotzdem Ressourcen für die Vermittlung zwischen den Herstellern und den Studierenden mobilisieren. Andererseits wäre es aufgrund der Vielzahl und Komplexität der Probleme mit dem Dell Venue 11 Pro nicht möglich gewesen, die Studierenden alleine mit den verfügbaren internen Ressourcen zu betreuen.

Der studentische Tablet Support der ZHAW in Wädenswil wurde von den Studierenden positiver bewertet als die Supportdienste der Hersteller. Das zeigt erneut, dass den Studierenden bei Problemen eine Ansprechperson vor Ort wichtig ist. Die Rolle des studentischen Tablet Supports wird daher in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen und wir finden es sehr wichtig, dass die Hochschule dieses engagierte Team unterstützt.

Nicht evaluiert wurden die internen ICT-Dienste, allerdings haben die Studierenden in mehreren Kommentaren erwähnt, dass sie Unterstützung von der ICT-Abteilung erhalten haben und diese sehr geschätzt haben.

Probleme mit Dell Venue 11 Pro bestehen weiterhin

Mittlerweile kann rund 1/3 der Studierenden gut mit dem Dell Venue 11 Pro arbeiten, die restlichen 2/3 haben aber immer noch mindestens teilweise Probleme mit der Tastatur, dem Stift, dem Akku und dem Ein-/Ausschalten des Gerätes. Einige Studierende haben als Folge mittlerweile auf ein privates Windows-Tablet oder ein Notebook gewechselt.

Probleme Dell Venue 11 ProZufriedenheit abhängig von der Gerätewahl

Aufgrund der Probleme überrascht es nicht, dass sich nur 40% der Dell-Nutzerinnen wieder für ein Dell Venue 11 Pro entscheiden würden. Anders sieht die Situation bei den iPad-NutzerInnen aus, hier würden sich über 80% wieder für ein iPad entschieden. Einige Studierende kommentierten, dass das iPad zwar gut funktioniert, es sie aber sehr einschränkt, besonders was die Kompatibilität anbelangt. Diese Aussage überrascht etwas, da mit den Office Apps für iOS die Kompatibilität mittlerweile stark verbessert wurde. Die Studierenden von BT15 konnten Office 365 kostenlos nutzen, wovon aber nur 42% der iPad-NutzerInnen (BT15) auch Gebrauch machten.

Unterstützungsangebote für das Arbeiten mit digitalen Dokumenten

Die Unterstützungsangebote wurden nicht von allen Studierenden genutzt. Vor allem die Handbücher und Anleitungen auf dem Blog wurden von über 40% der Studierenden nicht bewertet. Wir schliessen daraus, dass sie das Angebot nicht genutzt haben.

Zufriedenheit-UnterstützungGesamthaft fanden 77% der Studierenden, dass Sie bei der Umstellung auf das papierlose Studium ausreichend Unterstützung erhalten haben. Die iPad-NutzerInnen bewerteten die Unterstützungsangebote generell etwas besser als die Dell-NutzerInnen. Gefreut hat uns natürlich auch, dass die Projektleitung mehrheitlich positiv bewertet wurde.

Das Arbeiten mit digitalen Unterlagen und die damit verbundenen Themen wie z.B. Notizen digital erfassen, PDF annotieren und Dateimanagement in der Cloud sind wichtige Kompetenzen, die den Studierenden in Zukunft im Rahmen des Informatikunterrichts vermittelt werden.

In diesem Zusammenhang äusserten einige Studierende auch den Wunsch, dass die Hochschule Ihnen ein geeignetes Programm zur Darstellung und Bearbeitung der PDF-Unterlagen zur Verfügung stellt.

Neue Technologien im Unterricht aktiver nutzen

Die Integration der Tablets in den Unterricht funktioniert für rund 45% bereits gut oder sogar sehr gut, etwas gleich viele (46%) finden jedoch, dass es hier noch Optimierungspotential gibt. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Eignung der Lehrunterlagen für das papierlose Arbeiten, hier fanden 55% der Studierenden, dass man die Unterlagen noch optimieren könnte.

Aufgrund dieser Rückmeldungen bieten im Mai 2016 kurze Workshops, sog. paperLESSons (Intranet) an, damit die Lehrpersonen ihre Unterlagen und den Unterricht in Zukunft noch besser auf das papierlose Studium ausrichten können.

Schlussevaluation papierloses Studium: Geräte

Mit dem Wechsel auf Bring Your Own Device und der Einführung des papierlosen Studiums am Institut für Facility Management und dem Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen im Herbstsemester 2016 neigt sich das Pilotprojekt zum papierlosen Studium dem Ende zu.

Wir haben dies zum Anlass genommen, das Projekt nochmals grossflächig zu evaluieren. In Unterschied zur Evaluation im 2014, wo wir versucht haben, die Unterschiede zwischen papierlos und papierbasiert aufzuzeigen, handelt es sich diesmal um eine Evaluation, welche einen Gesamteindruck vermitteln soll. Wir haben sowohl die Zufriedenheit, wie auch technische und didaktische Aspekte evaluiert.

An der Umfrage haben 74% der total 169 Studierenden des Bachelorstudiengangs in Biotechnologie teilgenommen. Am besten vertreten ist der jüngste Studienjahrgang BT15. Die Geräte (iPad und Dell) sind ungefähr gleichmässig verteilt, hinzu kamen einige wenige Nutzer mit dem Microsoft Surface Pro und privaten Tablets, die wir in der Auswertung jeweils unter „Anderes“ zusammen gefasst haben.

Zufriedenheit und Anwendbarkeit

Die Studierenden konnten trotz technischer Probleme relativ oft papierlos arbeiten. Die Unterschiede zwischen den iPad NutzerInnen und den Dell NutzerInnen sind hier überraschend klein ausgefallen.

Die Kommentare zeigen, dass sich das papierlose Studium nicht für alle Fächer gleich gut eignet:

Für Berechnungen verwende ich immer Papier, das Tablet ist zu umständlich dafür.

In Praktika ist es immer noch besser, mit Papier zu arbeiten. Beim Tablet besteht die Gefahr, es mit Chemikalien oder Zellen zu kontaminieren.

Etwas anders sieht das Bild bei der Frage aus, wie gut sie die Unterlagen auf dem Tablet bearbeiten konnten. Obwohl die Mehrheit der NutzerInnen die Unterlagen relativ gut bearbeiten konnte, zeigt sich eine Diskrepanz zwischen den 41% der iPad NutzerInnen, die angaben, dass sie die Unterlagen auf dem Tablet sehr gut bearbeiten konnten und den 33% der Dell NutzerInnen, welche dies nur teilweise gut konnten.

BearbeitenErfreulich ist, dass 76% der befragten Studierenden die Idee des papierlosen Studiums gut bis sehr gut finden.

Durch Paperless habe ich immer alles dabei und kann überall auf meine Daten zugreifen ohne Schleppen von Unmengen an Ordnern und Büchern.
+ viel Übersichtlicher
+ effizienter

Definitiv sehr viel Angenehmer als 2-4 Bundesordner den ganzen Tag mitzuschleppen. Jedoch nur sofern das Gerät auch funktioniert.

Eine Diskrepanz zweigt sich bei dieser Frage allerdings zwischen iPad und Dell NutzeInnen: 27% der Dell NutzerInnen stehen dem papierlosen Studium skeptisch gegenüber, während es bei den iPad NutzerInnen nur 6% sind.

Idee nach GerätNicht überraschend äusserten sich die Dell NutzerInnen dann auch bedeutend kritischer zur Frage, ob sie das papierlose Studium gegenüber der Variante mit ausgedruckten Skripten bevorzugen. Hier werden die Folgen der technischen Probleme mit den Dell Venue 11 Pro sichtbar. Obwohl die Mehrheit der Studierenden (76%) die Idee des papierlosen Studiums unterstützt und gesamthaft 59% die papierlose Variante favorisieren, bevorzugen nur 23% der Dell NutzerInnen die papierlose Variante. Die übrigen 74% der Dell NutzerInnen stehen dem papierlosen Studium skeptisch gegenüber und äusserten sich auch entsprechend kritisch zum Gerät.

Definitiv, vorausgesetzt es ist ein leistungsstarkes Gerät.Das Prinzip ist sehr gut, nur sollte ein funktionierendes Tablet vorhanden sein.

Hat viele Vorteile, da auch nicht so viel Papierkram herumgeschleppt werden muss. Bei Problemen ist es allerdings umständlich.

Die Unterschiede zu den iPad NutzerInnen sind frappant; hier bevorzugen 71% die papierlose Variante.

Bei den Kommentaren der iPad NutzerInnen zeigt sich, wie wichtig didaktische Aspekte für den langfristigen Erfolg des papierlosen Studiums sind:

Einige Dozenten müssen Ihren Unterricht noch besser auf das papierlose Studium abstimmen.

Einige wenige Kommentare deuten sowohl beim den Dell als auch bei den iPad NutzerInnen auf eine generelle, negative Einstellung gegenüber dem Lernen mit digitalen Hilfsmitteln hin:

Tablets ersetzen Papier leider nicht, generell lernt man Sachen besser, wenn sie fass und greifbar sind. So kann man noch so fest auf papierlos umsteigen wollen, der Grund neben den technischen Problemen wieso es nicht funktioniert, ist dass es digital ist.

Zum Lernen ist das Tablet weniger geeignet. Da bevorzuge ich Gedrucktes. Dies wegen den Augen und man ist schneller müde bzw. kann sich nicht mehr gut konzentrieren.

BYOD Geräte schneiden gut ab

Beachtenswert ist die hohe Zufriedenheit der 9 Studierenden, die mit einem anderen Gerät (Microsoft Surface Pro oder anderes, selbst gekauftes Gerät) arbeiteten. Diese stimmten der papierlosen Variante zu 66% zu. Dies weist darauf hin, dass das Betriebssystem nicht die Ursache der tiefen Zufriedenheit bei den Dell NutzerInnen ist, sondern vielmehr die technischen Probleme mit dem Dell Venue 11 Pro. Ausserdem bestätigen Aussagen, wie die unten stehenden, unsere Entscheidung, auf Bring Your Own Device zu wechseln:

Letztes Semester hatte ich ein Dell Tablet, mit dem ich sehr unzufrieden war (Handhabung, Probleme mit dem WLAN usw.) Seit diesem Semester benutze ich mein eigenes Microsoft Surface Pro 3 und seitdem bin ich absolut begeistert vom papierlosem Studium.

Mein Lenovo-Yoga-Modell eignet sich um Welten besser als das Dell-Tablet.

OpenBook Prüfungen mit Zusammenfassungen

Anlass zu Kommentaren gab die Thematik der OpenBook Prüfungen, welche wir in einem der nächsten Beträge noch genauer anschauen werden. Wenn das Studium papierlos ist, erwarten die Studierenden verständlicherweise, dass sie an einer OpenBook Prüfung ihr digitalen Unterlagen nutzen können. Ein/e Dell Nutzer/in schrieb dazu:

Paperless ist zwar eine gute Idee, funktioniert aber nicht! Für Prüfungen (insbesondere einige „OpenBook“ Prüfungen) oder zum Lernen gewisser Fächer muss man die Skripts trotzdem ausdrucken. Es sollte also nicht Paperless sondern papierarmes Studium heissen.

Auf die technischen Möglichkeiten, die Funkverbindungen während einer OpenBook Prüfung zu unterbinden, werden wir später noch eingehen. Viele scheinen beim Lernen auf die Prüfung Zusammenfassungen auf Papier zu schreiben. Man könnte sich daher überlegen, Prüfungen zu erlauben, bei denen z.B. 4-seitige Zusammenfassungen verwendet werden dürfen:

Wie schon erwähnt ist das Tablet handlich und sehr leicht. Ich muss sehr viel weniger Gewicht mit mir in der Tasche herumtragen, als wenn ich die ausgedruckten Skripte mit mir herumtragen muss. Auf dem Tablet sind auch alle Dokumente gespeichert und ich kann jederzeit die Dokumente der verschiedensten Fächer anschauen. Hilft teilweise in den Vorlesungen, wenn ich etwas nachschlagen möchte, dass ich in einem anderen Fach schon angeschaut habe. Ganz ohne Papier geht das Studium aber bei mir nicht. Am besten bereite ich mich auf eine Prüfung vor, indem ich handschriftliche Notizen/Zusammenfassungen mache.

 Technische Aspekte

Um den zukünftigen Studierenden möglichst geeignete Geräte zu empfehlen, haben wir die Studierenden gebeten, einige technische Aspekte ihrer Geräte zu bewerten.
Bewertet wurden das iPad, das Dell und privat gekaufte Geräte, deren Typ wir nur bedingt kennen.

Beim iPad handelt es sich je nach Studienjahrgang um das iPad 4, iPad Air oder das iPad Air 2. Beim Dell wurde das Dell Venue 11 Pro und die Nachfolgeversion Dell Venue 11 Pro 7410 bewertet. Die NutzerInnen unter «Andere» haben teilweise ein Microsoft Surface Pro oder ein Lenovo Yoga.

iPad überzeugt beim Akku

Das iPad sticht durch seine hervorragende Akkukapazität hervor. Der Akku reicht für einen ganzen Tag und entlastet damit die Infrastruktur in den Räumen, da es aufgrund beschränkter Zuleitungen nicht in allen Räumen möglich ist, beliebig viele Steckdosen zur Verfügung zu stellen. Bemängelt wurde einzig die Länge des Ladekabels, das oft nicht bis zur nächsten Steckdose reicht und dass der Akku des iPads sich sehr langsam auflädt.

Beim Dell Venue 11 Pro scheint das Phänomen aufgetaucht zu sein, dass die angeschlossene Tastatur das Gerät entlädt, auch wenn das Gerät ausgeschalten ist. Problematisch für den Einsatz im papierlosen Studium ist, dass der Akku nur knapp 4 Stunden durchhält und man auf eine Steckdose angewiesen ist. Wir empfehlen beim Kauf eines Gerätes auf eine möglichst lange Akkulaufzeit zu achten. Wo dies nicht möglich ist kann die Akkulaufzeit durch eine Tastatur mit integriertem Akku verlängert werden.

Verbindungsprobleme beim WLAN

Auch bei der WLAN Konnektivität ist das iPad der klare Gewinner. Wobei man hier darauf hinweisen muss, dass die WLAN Konnektivität nicht nur vom Gerät, sondern auch vom Netz der Hochschule abhängig ist. Bei den Dell Venue 11 Pro scheint es ein Problem mit den Accesspoints zu geben, so dass die WLAN Verbindung mehrmals täglich unterbrochen wird und sich die Studierenden dann wieder neu mit dem WLAN verbinden müssen.

Uneinheitliches Bild bei den Tastaturen

Die Bewertungen der Tastaturen beim iPad beziehen sich auf das Logitech Ultrathin Keyboard Cover und das Keyboard Folio. Wobei wir viele der Keyboard Folios bereits nach wenigen Wochen austauschen mussten, weil die Halterung für das iPad abgebrochen war. Das Logitech Ultrathin Keyboard Cover hat sich hingegen bewährt und muss auch im Dauergebrauch nur selten aufgeladen werden. Einigen Studierenden waren allerdings die Tasten zu klein und sie vermissten Sonderzeichen wie z.B. Wurzeln oder griechische Buchstaben.

Beim Dell Venue 11 Pro hatten zu Beginn alle ein Dell Tablet Keyboard Slim, dieses wurde von der Mehrheit der NutzerInnen klar als ungenügend bewertet. Bei vielen funktionierte das Touchpad nicht und die Tastatur verlor immer wieder die Verbindung zum Tablet, so dass sie manuell entfernt und wieder neu verbunden werden musste. Ausserdem wurde bemängelt, dass die Tastatur teilweise zu sensibel war und Buchstaben doppelt tippte oder man sehr stark drücken musste, damit ein Buchstabe getippt wurde. Im Laufe des letzten Semesters konnten wir einige der Dell Tastaturen durch ein Modell mit integriertem Akku ersetzen. Mit dieser neuen Tastatur konnten einige der Probleme mit dem Dell Venue 11 Pro beheben werden, leider hat Dell die Tastatur nun aber aus dem Sortiment genommen und sie wird nicht mehr produziert.

Bei den NutzerInnen mit privaten Tablets gibt es ein sehr uneinheitliches Bild: 22% bewerteten die externe Tastatur als sehr gut und 33% als mangelhaft. Hier müssen wir noch etwas genauer nachfragen, welche Tastaturen benutzt wurden.

Optimierungsbedarf beim Stift für das iPad

Die Dell NutzerInnen nutzen den Dell Aktiv Stylus und die iPad NutzerInnen arbeiteten mit einem Bamboo Stylus oder mit dem Adonit Jot Pro. Auffallend ist hier die sehr hohe Zufriedenheit der Studierenden, die sich selber ein Tablet gekauft haben, was wir teilweise auf den sehr guten Stift des Microsoft Surface Pro zurückführen.

Einigen iPad NutzerInnen war die Spitze des Bamboo Stylus zu dick und wiederum anderen war jene des Adonit Jot Pro zu dünn. Die Stiftspitzen gaben allgemein Anlass zur Diskussion, da sie relativ schnell lädiert waren oder verloren gingen. Umständlich fanden einige auch, dass man die Hand beim Schreiben nicht auf den Bildschirm ablegen kann. Einige gaben an, dass Sie den Stift nicht mehr nutzen und die Bedienung mit dem Finger immer noch am besten funktioniert.

Die Stifterkennung des Dell Venue 11 Pro war zu Beginn für BT13 und BT14 ein Fiasko, da kaum ein Stift korrekt funktionierte. Mittlerweile konnten einige der Probleme durch diverse Updates und den mehrfachen Ersatz der Stifte behoben werden. Der Stift bleibt jedoch unzuverlässig und reagiert teilweise nicht. Ein Problem ist die nicht handelsübliche AAAA-Batterie, die viel zu schnell leer ist und ständig ersetzt werden muss. Mehrere Studienrede schrieben, dass Sie den Stift deshalb nicht mehr nutzen. Wir empfehlen beim Kauf des Stiftes auf einen batterielosen Stift zu setzen.

Fazit

Gesamthaft würden 59% der Studierenden zum Kauf eines Tablets raten.

Für mich ist das Studium mit dem Tablet erleichternd. Ich muss nicht jeden Tag den Laptop mittragen, da das Tablet (ausser für den Informatikunterricht) bis jetzt immer ausreichend war. Auch muss ich nicht alle Skripte mittragen und spare sehr an Gewicht. Das Lesen und Lernen ist mit Tablet auch kein Problem. Ganz das Papier kann es aber doch nicht ersetzten. Manchmal benötige ich dann doch Papier um Notizen zu machen.

Finde ich eine sehr gute Idee. Die Scripts können viel besser geordnet werden, lassen sich gut bearbeiten, bei Bedarf mehrmals drucken und im Allgemeinen macht es den Vorlesungsstoff übersichtlicher.

Mit genügend Angaben bei den Anforderungen könnte der Student selbst sich ein Gerät anschaffen das eher funktioniert Angaben sollten Speicherplatz, RAM und etliche andere technische Daten.

82% der iPad NutzerInnen würden sich wieder für ein iPad entscheiden und immerhin überraschende 40% der Dell NutzerInnen würden sich erneut für ein Dell Venue 11 Pro entscheiden.

Wobei einige Dell NutzerInnen kommentierten, dass sie ein anderes Windows Tablet bevorzugen würden, aber explizit kein iPad möchten:

Ich würde mich nur für ein anderes Gerät entscheiden, welches nicht ein Apple iPad wäre und mit dem Windows System ausgestattet ist. Das Gerät von Dell hat zu viele Umstände verursacht.

Eher nicht. Würde das nächste mal lieber selbst eins kaufen.

Einige Studierende gaben an, dass sich das Tablet Ihrer Meinung nach nicht für die Prüfungsvorbereitung eignet, da sie einen Teil der Unterlagen für das Lernen ausdrucken:

Für Unterricht ja, Vorteil man hat immer alles dabei. Für Prüfungsvorbereitung aber ungeeignet.

Das ist nicht unbedingt negativ aufzufassen, da es absolut legitim ist, Zusammenfassungen auszudrucken, wenn einem dies beim Lernen hilft. Zudem kann sich z.B. gerade das Schreiben von handschriftlichen Zusammenfassungen und das überarbeiten von Notizen aus dem Unterricht positiv auf das Lernen auswirken, weil die Informationen besser gespeichert werden können, je intensiver wir mit dem Lerninhalt (z.B. dem Skript) interagieren. Wir werden diese und ähnliche Aspekte in den nächsten Beiträgen noch etwas genauer anschauen.

Auswirkungen des papierlosen Studiums auf die Druck- und Kopierzahlen

Die Umstellung auf das papierlose Studium im Bachelorstudiengang Biotechnologie hatte für das Institut für Biotechnologie (IBT) erwähnenswerte Auswirkungen auf die Druck- und Kopierzahlen.

Die Druckmenge und die Anzahl der Kopien, die mit den Multifunktionsdrucker (MFP) ausgedruckt wurden, haben sich zwischen 2012 – 2015 um 46 % reduziert und damit praktisch halbiert.

Übersicht Druck- und Kopierzahlen IBT nach Jahren (2012 – 2015)

Anzahl Ausdrucke und Kopien am Institut für Biotechnologie

In den letzten 3 Jahren sind die Druck- und Kopierzahlen am IBT stetig gesunken:

  • Im Herbst 2013 startete die Pionierklasse (BT12) mit 30 Studierenden in das papierlose Studium, dies führte zu einer überraschend hohen Reduktion der Druckmengen von 22%.
  • Im Herbst 2014 folgten mit BT13 und BT14 weitere 97 Studierende, worauf es vom 2013 auf das 2014 eine weitere Reduktion von 17% gab.
  • Im Herbst 2015 kamen nochmals rund 60 Studierende von BT15 dazu und die Druckmenge sank vom 2014 auf 2015 um weitere 7%.

Es scheint als hätte insbesondere der Start des papierlosen Studiums einen hohen Sensibilisierungseffekt gehabt, was dazu führte, dass am Institut generell weniger ausgedruckt wurde.

Diese Zahlen beziehen sich auf die Multifunktionsdrucker (MFP). Eine Dunkelziffer bleiben die Ausdrucke an den Arbeitsplätzen, da einige Mitarbeitende zusätzlich über einen Drucker im Büro oder Labor verfügen.

Zwischenbilanz nach dem Herbstsemester 2014

Im September 2014 sind an der ZHAW in Wädenswil weitere 111 Biotechnologie-Studierende des 1. und 3. Semesters in das papierlose Studium gestartet. Damit ist der Bachelor-Studiengang in Biotechnologie nun komplett auf papierlos umgestellt.

Die Umstellung lief diese Mal nicht ganz so problemlos wie letztes Jahr. Weil das Microsoft Surface Pro zu teuer war und wir mit dem grenzüberschreitenden Service von Microsoft keine guten Erfahrungen gemacht hatten, würde das Microsoft Surface Pro im 2014 durch das Dell Venue 11 Pro ersetzt.

Sorgenkind Dell Venue 11 Pro

Das neue Dell Venue 11 Pro sorgte für einige Probleme: Bereits bei der Einführungsveranstaltung zeigte sich, dass bei der Mehrheit der 67 Geräte der Touchscreen, der Eingabestift und teilweise auch die Tastatur nicht korrekt funktionierten. Hinzu kamen einige Performance Probleme; das Dell Venue 11 Pro liess sich teilweise nicht mehr einschalten oder stürzte immer mal wieder ab.

Dell und unsere interne ICT-Abteilung arbeiteten daraufhin fieberhaft an einer Lösung und gaben 6 Firmware Updates heraus. Die Probleme schienen damit behoben. Die letzte Umfrage bei den Studierenden zeigt nun aber, dass es offenbar immer noch (oder wieder) Probleme mit dem Dell Venue 11 Pro gibt. Interessanterweise bringen aber nur wenige Studierende ihr Gerät zur Fehlerbehebung zur ICT und 25 der 67 Nutzer haben die Firmware Updates gar nicht erst installiert.

Die Hardware-Probleme mit dem Dell Venue 11 Pro beeinflussen natürlich die Möglichkeit der Studierenden, papierlos zu arbeiten. Insbesondere die Möglichkeit, handschriftliche Notizen zu machen ist eingeschränkt. Entsprechend fällt auch die Zufriedenheit mit den Dell Venue 11 Pro schlechter aus als letztes Jahr mit dem Microsoft Surface Pro.

Zufriedene iPad-Nutzer

Anders sieht die Situation bei den iPad-Nutzern aus. Sie können wie erwartet gut mit dem iPad Air arbeiten und haben eine Zufriedenheit von 100%. Die Zufriedenheit ist im Vergleich mit der Pilotklasse BT12 um 38% gestiegen. Eher schlechte Erfahrungen haben wir allerdings mit dem Keyboard Folio von Logitech gemacht; die Halterung für das iPad Air ist bei vielen Cases bereits abgebrochen und das Tastenlayout ist recht gewöhnungsbedürftig, so wurde z.B. die „Caps Lock“-Taste kurzerhand zum Buchstaben „A“ umfunktioniert.

Bitte noch mehr Steckdosen, besseres WLAN und Dell-Adapter

Die Dell-Nutzer wünschen sich vor allem noch mehr Steckdosen in den Schulzimmern, da die Akkuleistung des Dell Venue 11 Pro eher schwach ausfällt. Die iPad-Nutzer beklagten sich teilweise darüber, dass das Ladekabel nicht bis zur Bodensteckdose reicht. Bei einer Akkulaufzeit von über 8h kann das iPad Air aber auch zu Hause aufgeladen werden.
Das WLAN ist ebenfalls in einigen älteren Schulzimmern nicht genügend leistungsfähig. Das fällt vor allem dann auf, wenn Lehrpersonen neue Lernszenarien wie z.B. Mobile Response einsetzen möchten.
Die Tablets haben alle unterschiedliche Anschlüsse für die Beamer. Die Lehrpersonen verfügen jeweils über einen Adapter für ihr persönliches Gerät. Bei Bedarf können die Studierenden für Präsentationen einen Adapter am Empfang im Grüental, Reidbach und bei der ICT Abteilung auslehnen.

Support besser organisieren

Die Erfahrung mit dem Dell Venue 11 Pro hat gezeigt, dass das Outsourcing des Supports bei Problemen nur bedingt funktioniert wenn die Geräte mit ZHAW-Profilen konfiguriert werden. Wir werden dies für das Herbstemester 2015 nochmals überdenken. Die Studierenden wünschen sich eine Ansprechperson vor Ort. Es wäre daher denkbar, dass die Geräte in Zukunft ohne Konfiguration abgegeben werden und sich die Studierenden, ähnlich wie beim studentischen Notebook Support Team, gegenseitig helfen.

Wie geht es weiter?

Diese Zwischenbilanz sieht auf den ersten Blick eher negativ aus. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass nur 56% der Studierenden an der Umfrage teilgenommen haben. Trotz der Probleme mit dem Dell-Tablet gaben 88% der Umfrageteilnehmenden an, dass sie im letzten Semester oft bis täglich papierlos arbeiten konnten. Auch die Rückmeldungen aus dem Klassengespräch mit BT13 waren deutlich positiver als die Ergebnisse der Online-Umfrage.

Die Rückmeldungen der Dell-Nutzer deuten darauf hin, dass die Möglichkeit, handschriftliche Skizzen und Notizen in den Unterlagen erfassen zu können beim Windows Betriebssystem den entscheidenden Mehrwert des Tablets darstellt. Ohne funktionierenden Stift ist das Dell Venue 11 Pro nicht viel mehr als ein Notebook. Dementsprechend hatten die Dell-Nutzer mehr Mühe, papierlos zu arbeiten, da ein Medienbruch entsteht, wenn sie handschriftliche Notizen auf Papier statt auf dem Bildschirm erfassen müssen.

Wir fokussieren uns nun darauf, die Kinderkrankeiten mit dem Dell Venue 11 Pro zu lösen und die Dienstleistungen für das kommende Herbstsemester zu optimieren.
Das Institut für Biotechnologie setzt auch im Herbst 2015 wieder auf das papierlose Studium und wird den neu eintretenden Studierenden ein Tablet zur Verfügung stellen.

Die detaillierten Ergebnisse dieser Zwischenevaluation vom Herbstsemester 14 stellen wir Ihnen gerne als Download und als grafische Zusammenfassung zur Verfügung.

Zwischenevaluation-HS14-Feb15