Kategorie: Evaluation (Seite 3 von 3)

Kann man auch ohne Tablet papierlos studieren?

Das papierlose Studium ist auch an anderen Hochschulen ein Thema, wie der Artikel auf campus.nzz.ch zeigt. Längst nicht alle Studieren sind von der Vorstellung, papierlos zu arbeiten, jedoch so begeistert wie unsere Pilotklasse. So zeigt z.B. eine Studie der Berner Fachhochschule, dass sich lediglich 40% der Studierenden vorstellen könnten, Zusatzunterlagen ausschliesslich in elektronischer Form zu nutzen.

Ähnliche Ergebnisse erhielten wir bei einer Umfrage zur Papierreduktion, die im 2012 bei allen Studierenden der ZHAW Life Sciences und Facility Management durchgeführt wurde. Damals gaben zwar 68% der 412 Umfrageteilnehmenden an, dass sie bereit wären, ihren Papierverbrauch zu reduzieren, aber nur 26% konnten sich vorstellen, hauptsächlich mit elektronischen Dokumenten zu arbeiten und zu lernen.

Die 72%, die sich damals gegen ein papierloses Studium aussprachen, gaben als Gründe unter anderem folgendes an:

  • Ich habe kein Programm gefunden, dass auch nur annähernd so schnell mathematische und chemische Formeln mit PC generiert wie ich (und der Dozent).
  • Lernen an der Sonne wird unmöglich, das einzig Gute an der Prüfungsvorbereitungszeit im Sommer fällt weg 🙁
  • Bitte nicht noch mehr Computerarbeit!

Die Kommentare zeigten, dass die Studierenden davon ausgingen, dass sie mit einem Notebook arbeiten würden und dadurch die Möglichkeit, handschriftliche Notizen mit Formeln und Skizzen zu erfassen, wegfallen würde.

Bei der Frage nach den Rahmenbedingungen für ein papierloses Studium brachten einige Studierende dann die Tablets ins Spiel:

  • Es wäre sicherlich möglich ein Pilotprojekt mit einem Hersteller von Tablet-PCs auf die Beinen zu stellen und somit ein Zeichen gegen diese Papierflut zu setzten. Dabei könnte die ZHAW den Studenten ein Tablet zur Verfügung stellen, was der 90.- CHF Skriptpauschale angerechnet werden kann.
  • Es braucht ein Textverarbeitungsprogramm, mit dem ich Texte und vor allem mathematische und chemische Formeln mit dem PC gleich schnell wie von Hand generieren kann.

Und ein/e Studierende/r brachte es zum Schluss noch wie folgt auf dem Punkt:

Der Papiergebrauch sollte sich früher oder später von selbst einstellen, da die „Jugend“ von heute mit elektronischen Medien aufwächst. Es gibt länger je mehr „Tablet-User“.

Wir haben die Rückmeldung der Studierenden ernst genommen und versucht, ihrem Wunsch nach weniger Papier nachzukommen, ohne dabei ihre Mobilität und die Möglichkeit, handschriftliche Notizen zu machen, einzuschränken.

Die Studierenden der Pilotklasse, die seit letztem Herbst papierlos arbeitet, haben deshalb als Hilfsmittel ein Tablet erhalten. Die Mehrheit der Klasse möchte nicht mehr zurück zum papierbasierten Studium. Gehörten sie zu den 26%, die sich im 2012 für ein papierloses Studium ausgesprochen haben? Oder was hat sie umgestimmt?

Das Pilotprojekt wird in den nächsten Monaten durch das Zentrum für innovative Didaktik der ZHAW School of Management and Law evaluiert. Eine der Fragen, die wir uns im Rahmen dieser Evaluation stellen ist, welche Rolle das Tablet beim papierlosen Studium spielt.

Das papierlose Studium aus Sicht der Dozierenden

Auch die Dozierenden haben die ersten 10 Wochen mit der papierlosen Klasse Revue passieren lassen. Mit 8 Dozierenden haben wir uns getroffen und die vergangenen Wochen besprochen. Die übrigen Dozierenden sind herzlich eingeladen, ihre Erfahrungen hier als Kommentar mit uns zu teilen.

Dozierende schätzen die „neue Leichtigkeit des Lehrens“

Besonders gefreut hat uns, dass die Dozierenden ihre Entscheidung nicht bereuen und sie ihren Kolleginnen und Kollegen das papierlose Unterrichten weiterempfehlen würden. Sie schätzen am papierlosen Unterricht vor allem, dass sie keine Kopien mehr organisieren und mit sich herumtragen müssen. Zudem verwenden sie mehr aktuelle Inhalte und Links im Unterricht, da die Studierenden ihr Tablet immer dabei haben.

iPad nicht mit Office kompatibel – Surface Benutzeroberfläche zu klein

Mit der Wahl des Gerätes ist die Mehrheit der Dozierenden zufrieden. Ein Dozent ist vom iPad eher enttäuscht, weil die Inhalte (Office) nicht korrekt dargestellt werden und die Software, die er für den Physikunterricht benötigt, nicht verfügbar ist. Er würde neu ein Surface Pro wählen. Das Surface Pro hingegen wird einer Dozentin mit der Zeit zu schwer und zu warm und für einen ihrer Kollegen braucht die Anwendung mit dem Stift und den kleinen Icons zu viel Fingerspitzengefühl.

Einsatz der Tablets erfordert Übung

Einige Dozierende verwenden das Tablet als Ersatz für die Wandtafel und haben sich angewöhnt, direkt mit dem Stift auf das Tablet zu zeichnen. Das „digitale“ Zeichnen mussten sie jedoch zuerst üben, da es etwas gewöhnungsbedürftig ist. Ein anderer Dozent wiederum wechselt bewusst zwischen Tablet, Flip Chart und Folien ab, um verschiedene Medien einzusetzen.

Vorbereitung mit Notebook – Unterricht mit Tablets

Auffallend ist, dass die Dozierenden die Lehrveranstaltungen am Notebook vorbereiten und das Tablet erst im Unterricht einsetzen. Beim iPad überrascht dies nicht, da viele Dozierende mit PowerPoint arbeiten und die Formatierung von Office Dokumenten auf dem iPad problematisch ist. Zudem können Dokumente vom iPad nicht aufs Moodle hochgeladen werden. Das Tablet stellt eine Ergänzung und keinen Ersatz für das Notebook dar.

Aufmerksamkeit scheint nicht beeinträchtigt

Die Dozierenden konnten bis jetzt keinen negativen Effekt der Tablets auf den Unterricht beobachten. Die Studierenden scheinen, entgegen den Erwartungen, nicht mehr im Internet zu surfen als andere Klassen. Ein Dozent bewertet es als positiv, dass das iPad auf Monotasking ausgerichtet ist und man nicht gleichzeitig mehrere Fenster nebeneinander offen haben kann.

Stromanschluss und kabelloser Anschluss an die Beamer

Bei der Infrastruktur wünschen sich die Dozierenden einen kabellosen Anschluss für die Beamer, damit sie sich frei im Unterrichtsraum bewegen können. Strom- und Internetanschluss scheint in einigen Räumen und Labors ein Problem zu sein. Wünschenswert wäre zudem eine Lösung, bei der die Stromanschlüsse direkt in die Tische eingelassen sind.

WLAN und Bluetooth abschalten bei Open Book Prüfungen

Einige Dozierende möchten die Möglichkeit haben, das WLAN abzuschalten. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die kommenden Open Book Prüfungen ein Thema, da man nicht von den Studierenden verlangen möchte, alle Unterlagen auszudrucken. Die Studierenden könnten bei fehlendem WLAN allerdings immer noch über Bluetooth Informationen austauschen oder über einen Smartphone Hotspot auf das Internet zugreifen. Die Dozierenden wollen vor allem verhindern, dass die Studierenden die Lösungen während der Prüfung untereinander austauschen können. Wir suchen deshalb dringend nach einer Lösung für die externe Kontrolle der Funkverbindungen auf dem iPad und dem Surface Pro.

Verunsicherung bei der Verwendung von urheberrechtlich geschützten Werken

Ein weiterer Punkt, der den Dozierenden zu denken gibt, ist der Umgang mit urheberrechtlich geschützten, digitalen Daten. Sie sind unsicher, ob sie urheberrechtlich geschützte Dokumente und Bilder für Lehrzwecke nutzen und ins Moodle hochladen dürfen. Auch wenn sie sich an die Copyright Vorgaben der ZHAW halten, ist damit noch nicht sichergestellt, dass auch die Studierenden die urheberrechtlich geschützten Werke korrekt verwenden und schützen.

Weiterbildung für den Einsatz von Tablets

Die Tablets wurden zwar in erster Linie angeschafft, um Papier zu sparen, sie bieten aber auch neue didaktische Möglichkeiten. Die Dozierenden sind sehr interessiert, diese Möglichkeiten kennen zu lernen und würden gerne einen Workshop zum Einsatz von Tablets im Unterricht besuchen. Bereits heute schon stehen ihnen die Workshops und Impulse der PH Zürich offen.

Die ersten 10 papierlosen Wochen im Rückblick

Im September haben unsere Studierenden und Dozierenden mit dem Experiment „papierloses Studium“ begonnen. Nun haben sie die vergangenen 10 Wochen erstmals Revue passieren lassen.

Anbei eine erste Zwischenbilanz der Studierenden.
An der Umfrage haben 25 von 33 Studierenden teilgenommen. Das Verhältnis war 52% iPad und 48% Surface Pro.

Die erste Zwischenbilanz ist mehrheitlich positiv.  Erfreulich ist insbesondere, dass 60% der Umfrageteilnehmenden täglich papierlos arbeiten konnten. In manchen Unterrichtssituationen, wie z.B. Praktika in den Labors, werden die Tablets aus Sicherheitsgründe jedoch nicht eingesetzt.

Papierlos arbeiten Total

Akkulaufzeit

Mit der Akkulaufzeit sind vor allem die iPad Nutzer (77%) sehr zufrieden, beim Surface sind die Ergebnisse wie erwartet etwas schlechter ausgefallen: Je 42% finden die Akkulaufzeit gut oder befriedigend und je 8% ausreichend oder sogar mangelhaft.

AkkulaufzeitInfrastruktur

Die iPad Nutzer scheinen mit der Infrastruktur etwas zufriedener zu sein als die Surface Nutzer. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass die iPad Nutzer weniger abhängig von der Stromversorgung in den Schulzimmern sind. Gerade bei den Steckdosen gibt es noch Verbesserungspotenzial, insbesondere in den Gebäuden RV und RH. Einige Studierende wünschen sich zudem einen eigenen Adapter für den Beamer.

InfrastrukturVerfügbarkeit der elektronischen Unterlagen

Erfreulich ist, dass die Dozierenden in 64% der Fälle die Unterlagen, wie vereinbart, 24 Stunden vor dem Unterricht aufs Moodle geladen haben. Einige Studierenden wünschen sich jedoch, dass die Unterlagen bereits eine Woche im Voraus bereitgestellt werden.

MoodleUnterlagen bearbeiten und Notizen erfassen

Beim Bearbeiten der Unterlagen und dem Erfassen von Notizen zeigt sich, dass die iPad Nutzer PDF Dateien etwas besser bearbeiten können (54%) als die Surface Nutzer (33%). Die Kommentare zeigen, dass einige Surface Nutzer Word und PowerPoint Dateien bevorzugen würden, da sie diese einfacher bearbeiten können. Die iPad Nutzer haben hingegen Mühe mit den Office Dateien, da die Formatierungen auf dem iPad oft nicht korrekt dargestellt werden.

Unteralgen bearbeitenEinige Studierende haben angemerkt, dass es ihnen schwer fällt, den Überblick über die Datenmangen zu behalten. Dies dürfte insbesondere bei der Prüfungsvorbereitung eine Herausforderung werden. Ein Hilfsmittel beim Verwalten der Notizen und Daten wäre One Note, das erfreulicherweise bereits von 24% der Umfrageteilnehmenden genutzt wird. Evernote wird hingegen nur gerade von 4% genutzt.

Als Datenablage verwenden die Studierende hauptsächlich Dropbox. Auffällig ist, dass die Datenablage der ZHAW ausschliesslich von Surface Nutzern (25%) verwendet wird. Die iPad Nutzer arbeiten vor allem mit Dropbox und teilweise auch mit One Note.

DateiablageZufriedenheit mit Tablet

Erfreulich ist auch, dass sich die Mehrheit der Umfrageteilnehmenden nochmals für dasselbe Tablet entscheiden würden. Die Surface Nutzer scheinen trotz kurzer Akkulaufzeit sehr zufrieden mit ihrer Wahl, während sich einige iPad Nutzer wünschten, sie hätten das Surface gewählt. Gründe hierfür scheinen in erster Linie das fehlende Office Paket und die Dateistruktur von iOS zu sein. Die iPad Nutzer stören sich insbesondere daran, dass die Formatierungen von Word, Excel oder PowerPoint Dokumenten auf dem iPad nicht korrekt dargestellt werden.

ZufriedenheitDownload

Zwischenevaluation November 2013

Und was sagen die Dozierenden?

Auch mit ihnen haben wir uns unterhalten. Ihre Ergebnisse veröffentlichen wir morgen.

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