Lehrformate und Unterrichtsmodelle

Scaffolding und Peer-Lernen im Studiounterricht

Beitrag von Elisabeth Dumont und Lisa Messenzehl

Lernsituation im Studiounterricht. Bild: ZHAW

Die Physik-Vorlesung ist passé: Bei Elisabeth Dumont lernen die rund 90 Studierenden des Bachelorstudiengangs Wirtschaftsingenieurwesen im Studiounterricht. Die Dozentin an der School of Engineering setzt beim Aufbau naturwissenschaftlicher Kompetenzen bei StudienanfängerInnen auf eine integrierte Lehr-Lernumgebung, welche viele Vorteile bietet.

Das Studio für den Unterricht von Elisabeth Dumont enthält sämtliche Einrichtungen, welche für Präsentationen, Diskussionen, Laborversuche, Computermodellierungen, Simulationen und Übungen notwendig sind. Jeweils ein Dutzend Studierende arbeiten in Dreier- oder Viererteams an Tischen zusammen, lösen Aufgaben oder führen Experimente durch. Die Lehrperson wechselt zwischen den Teams, gibt Tipps und Hinweise, beantwortet Fragen und hört bei der Diskussion zwischen den Studierenden aufmerksam zu. Alle Aktivitäten finden in einem Raum statt. Inputs im Studiounterricht sind zeitlich beschränkt, denn die Studierenden haben sich die wichtigsten Fakten mit Hilfe von Skripten bereits im Selbststudium angeeignet. Die weitgehende Auslagerung der Wissensvermittlung gemäss dem Prinzip des Flipped Classroom ist Voraussetzung für den aktivitätsorientierten Studiounterricht, welcher vor einigen Jahren von Hans Fuchs im Fachbereich eingeführt wurde und dort ebenfalls von Manfred Hertwig und Francesca Venturini praktiziert wird.

Verzahnung von Lehr-Lernformaten

«Die Idee des Studiounterrichts ist, die klassische Trennung zwischen Vorlesung, Übungen und Praktika aufzuheben», erklärt Dumont. Die Aufteilung, welche z. B. in der Physikausbildung üblich ist, zerstückelt das Fach im Kopf der Lernenden in nicht zusammenhängende Teile, was zu einem ineffizienten Lernvorgang führt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass im Vortrag präsentierte Themen nur dann eine nachhaltige Wirkung haben, wenn Inputs nicht viel länger als 10 Minuten dauern und die Inhalte danach sofort durch Aktivitäten eingeübt und vertieft werden. Dabei gilt «weniger ist mehr»: Die Studierenden beschäftigen sich vertieft mit weniger Stoff und lernen dabei mehr. Ausserdem hilft der Studiounterricht, Niveauunterschiede auszugleichen, denn die Studierenden kommen mit unterschiedlichen naturwissenschaftlichen Vorkenntnissen an die Hochschule.

Scaffolding: Hilfestellung zum Problemlösen

Nach Vygotsky (1978) wird „das Intramentale durch das Intermentale konstruiert“: Lernen findet durch die aktive Auseinandersetzung zusammen mit kompetenteren Partnern (Lehrpersonen), aber auch mit Peers (anderen Studierenden) statt. Jeder Student und jede Studentin kann mit dosierter Hilfestellung Aufgaben bewältigen, die über sein bzw. ihr Vorwissen hinausgehen. Der Kognitionspsychologe Jerome Bruner hat hierfür den Begriff „Scaffolding“(Gerüst) eingeführt. Aufgabe der Lehrperson im Studiounterricht ist, ein Gerüst zu bauen zwischen dem momentanen Wissenstand und dem nächsten Lernschritt. Anschliessend soll das Gerüst wieder abgebaut werden. Die Lernenden sollen zum Nachdenken und Nachfragen angeregt, die Lösungen sollen ihnen jedoch nicht vorweggenommen werden. Aus diesem Grund ist aufmerksames Zuhören für Dumont wichtig: «Auf diesem Weg erfahre ich, wo die Studierenden stehen, kann entsprechend Feedback geben, unterstützen und begleiten.» Die Lernenden sollen so wenig Hilfe wie möglich, aber so viel wie nötig zur erfolgreichen Bewältigung der Aufgaben erhalten. So führt der Studiounterricht zum Erfolg.

Beitrag von Elisabeth Dumont und Lisa Messenzehl

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