Lehrformate und Unterrichtsmodelle

IAS Tag der Lehre 2018: Das massgeschneiderte Studium

Beitrag von Natyra Ajvazi

„Im Sinne einer gerechten Auslese lautet die Prüfungsaufgabe für Sie alle gleich: Klettern Sie auf den Baum!“ – Hans Traxler (1976)

Der Tag der Lehre am ZHAW-Standort Wädenswil wurde 2014 von den Dozierenden des Instituts für angewandte Simulation (IAS) ins Leben gerufen. Die Teilnahme steht jedoch allen Lehrpersonen der ZHAW offen: Ziel der Veranstaltung ist der kollegiale Austausch zu didaktischen Themen über Instituts- und Departementsgrenzen hinweg. So gaben am diesjährigen Tag der Lehre eine illustre Anzahl Lehrpersonen aus verschiedenen ZHAW-Departementen in zehn Kurzvorträgen Einblick in ihre Ideen und Erfahrungen bezüglich Individualisierung und Personalisierung in der Lehre.

Heterogenität als Herausforderung, Personalisierung als Ziel

Eine essentielle Schwierigkeit für den Lehrbetrieb an allen Hochschulen, einschliesslich ZHAW, liegt in der Heterogenität der ankommenden Studierenden in Bezug auf ihre (Aus-)Bildungshintergründe und Vorkenntnisse. Zum Umgang mit dieser Herausforderung liegen durchaus Ideen vor, etwa Vorkurse mit Präsenz sowie Distance-Learning-Angebote. Weiter werden Beratungen für Studieninteressierte angeboten, in denen das massgeschneiderte Studium aufgrund individueller Vorwissensstände, Stärken, Schwächen und Interessen gemeinsam zusammengestellt wird.

Als Anforderungen von übergeordneter Relevanz sowohl vor als auch während des Studiums kristallisierten sich heraus: Zeitliche und örtliche Flexibilität, Eigeninitiative, Nachhaltigkeit, Wahlfreiräume und Interaktivität. Zum Beispiel arbeiten einige Referierende mit Online-Lernangeboten als Studienvorbereitung vor der Immatrikulation oder zur Unterstützung während des Studiums. Andere unterrichten im Flipped-Classroom-Modell. Dabei erarbeiten die Studierenden den Lernstoff zuerst selbst, anschliessend wird dies im Präsenzunterricht mit den Dozierenden besprochen und vertieft. Wieso zuerst jede/r für sich? Weil der Lernprozess in den Köpfen der Studierenden abläuft. Und nur entstehen kann, wenn sie selbst aktiv sind – sei es beim Problemlösen, Weiterverarbeiten von Erkenntnissen oder Experimentieren.

Auch die Veranstaltungsteilnehmenden waren aufgefordert, selbst aktiv zu werden. Bild: ZHAW

Keynote: Die Oberstufenschule Wädenswil als Vorreiterin

Innovative Entwicklungen gibt es selbstverständlich nicht nur in den Hochschulen, sondern auch in der Volksschule – allen voran an der Oberstufenschule in Wädenswil (OSW). Keynote-Speaker Frido Koch, Schulleiter am OSW, hat das innovative Lernmodell LiLO (Lernen in Lernlandschaften an der OSW) mitentwickelt, für welches die OSW 2013 mit dem ersten Schweizer Schulpreis ausgezeichnet wurde. Das personalisierte, selbstorganisierte und vor allem auch eigenverantwortliche Lernen wird hier bereits auf der Sekundarstufe 1 gefördert und gefordert. Im LiLO-Modell haben die Lernenden weiterhin Grundfächer, aber auch Wahlfächer, in denen sie sich kreativ und flexibel bewegen können. Einzelarbeit, Lernen in Gruppen und Zeit mit Lehrpersonen wechseln sich ab und werden an der OSW wesentlich durch die Infrastruktur (speziell zugeschnittener Neubau) unterstützt. Gleichzeitig ist klar, dass Freiräume und Individualisierung klarer Grundregeln und Rahmenbedingungen bedürfen.

Frido Koch stellte die vielfältigen Lernräume am OSW vor. Bild: ZHAW

Einmal mehr wurde am diesjährigen Tag der Lehre informiert, diskutiert, zum Nachdenken sowie Überdenken animiert: Der Austausch zwischen Referierenden und Teilnehmenden war ausgesprochen intensiv und inspirierend. Wir sind gespannt auf die Früchte der Tagung in der Lehre und freuen uns schon aufs nächste Jahr.

Beitrag von Natyra Ajvazi

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