Digitalisierung

Digitalisierung: ein Blick über den Tellerrand

Beitrag von Thomas Roth und Samuel Witzig

Leibniz-Universität Hannover, Foto: Samuel Witzig

Die deutsche Gesellschaft für Hochschulforschung organisierte vom 30.-31. März 2017 in Hannover eine Tagung zum Thema «Digitalisierung der Hochschulen: Forschung, Lehre, Administration». Dieser umfassende Blick auf das Thema Digitalisierung war für eine Delegation des Ressorts Lehre mit Ergänzung durch die ICT Grund genug, dem Ruf zur Teilnahme Folge zu leisten. Um es vorwegzunehmen: Die sehr gut organisierte Konferenz konnte ihrem ambitionierten inhaltlichen Anspruch nicht ganz gerecht werden. Der Schwerpunkt der Tagung lag v. a. auf der Nutzung digitaler Medien in der Lehre. Nur wenige Beiträge beleuchteten die organisatorischen und strategischen Rahmenbedingungen zur Digitalisierung inner- und ausserhalb der Hochschulen. Das Thema Forschung kam recht kurz, und das Thema Administration wurde nur gestreift.

Wo steht die ZHAW?

Bei der Nutzung von E-Learning/Blended Learning ist die ZHAW im Vergleich mit deutschen Hochschulen bereits sehr gut aufgestellt. Das Marketing in Form eines stärkeren Aussenauftritts der ZHAW mit Best Practices zur Lehre ist aber noch ausbaufähig. Zudem verfügt die ZHAW über keine hochschulweite Strategie zur Digitalisierung der Lehre. Bei der Digitalisierung steht die ZHAW vergleichsweise gut da, nicht zuletzt wegen den leistungsfähigen zentralen Funktionen und einer im Vergleich zu deutschen Hochschulen stärker erfolgten Ablösung von papierbasierten Prozessen. Leuchtturm-Hochschulen wie die Technische Universität Hamburg zeichnen sich v.a. dadurch aus, dass sie das Thema strategisch in der nötigen Breite angegangen sind und in ihrer konsequenten Umsetzung resp. dem Change Management bereits weiter sind (siehe Keynote von Prof. Dr. Sönke Knutzen).

Interessante Blended-Learning-Projekte

In Vorträgen oder Poster-Beiträgen wurden mehrere bemerkenswerte Projekte vorgestellt:

  • kiron (ngo) hat zum Ziel, Flüchtlinge für ein Studium zu befähigen. Die von der deutschen Regierung stark geförderte Initiative kann als state-of-the-art Online Learning auf der grünen Wiese betrachtet werden. Aufgebaut wird das Ganze als externes Startup in enger Zusammenarbeit mit den Hochschulen.
  • Das Projekt HEAT (Hygiene, Energie- und Anlagetechnik) konzipiert für die FH Düsseldorf einen berufsbegleitenden Bachelorstudiengang. Exemplarisch ist hier v.a. wie konsequent in Zusammenarbeit mit einem Berufsverband ein neues Studiengangangebot von Grund auf für Blended Learning konzipiert wird.
  • Das International Program in Survey and Data Science der Universität Mannheim ist selbst als Feldstudie ausgelegt. Die 16 Teilnehmenden einer internationalen Kohorte «bezahlen» ihre Teilnahme mit ihren Daten und einer gewissen Flexibilität, wodurch Erkenntnisse gewonnen werden können, die mit reinen Befragungen nicht möglich wären.
  • Im Projekt «optes» der Dualen Hochschule Baden-Württemberg wurde die systematische Auswertung von Lernerdaten vorgestellt, welche in einem webbasierten Mathematik-Vorkurs erhoben wurden.

Rolle der ICT

Obwohl eine Beteiligung von ICT beim Thema Digitalisierung naheliegt, war die ICT selbst sowohl thematisch als auch personell eher Exotin: Nur ein halbes Dutzend Anmeldungen von ICT-Vertreter/innen kamen auf rund 270 Teilnehmende. Positiv hervorzuheben an der Tagung ist der klare Fokus auf didaktische Ansätze, nicht auf Tools. Bemerkenswert war der tendenziell tiefe Stellenwert der ICT-Funktionen an Hochschulen. Es besteht die Gefahr ICT als unterstützende Stakeholder zu wenig wahrzunehmen. In Gesprächen mit Fachvertreter/innen zeigte sich, dass viele Hochschulangehörige recht wenig von ihren «Rechenzentren» halten.

Im Vergleich mit anderen Hochschulen gibt es auch bei der ICT-Unterstützung an der ZHAW Verbesserungspotential, gerade für Online-Learning-Angebote mit geringem Präsenzanteil. Dazu gehören sicher die Nutzung der Lernplattform ohne ständige Internetverbindung sowie eine integrierte Videokonferenzmöglichkeit der Lernplattform. Eine weitere Erkenntnis bezieht sich auf eine bessere Vermarktung resp. Positionierung der ICT-Unterstützung als Gesamtangebot.

Beitrag von Thomas Roth und Samuel Witzig

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