Klimawandel und Biodiversitätsverlust machen auch vor Gebirgsregionen nicht Halt. Im Rahmen des Interreg-Projekts GE_NOW haben sich mehrere Talschaften im Vorarlberg und in Graubünden zusammengeschlossen, um diese Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Grenzüberschreitende Challenges, Festivals und eine Ideenwerkstatt sollen die Menschen in den Regionen sensibilisieren und zum Handeln anregen.

Dozentin Tourismus und Nachhaltige Entwicklung

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Tourismus und Nachhaltige Entwicklung
GE_NOW ist eine Plattform für den grenzüberschreitenden Austausch zu aktuellen Nachhaltigkeitsthemen. Die Forschungsgruppe Tourismus und Nachhaltige Entwicklung der ZHAW betreut das Projekt inhaltlich; organisatorisch wird es von der Regionalentwicklung Vorarlberg geführt. Mit dabei sind die Talschaften Klostertal-Arlberg, Grosses Walsertal, Walgau, Brandnertal und Montafon in Österreich sowie die Region Prättigau /Davos in der Schweiz. Das Interreg-Projekt GE_NOW (2023 – 2026) ist ein Projekt im Rahmen des Regionalprogramms Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein der EU.
Sensibilisieren und Handeln
Die GE_NOW-Themen sind Klimawandel und Verlust der Biodiversität. Diese globalen Krisen
sind eng miteinander verknüpft und betreffen den Alpenraum besonders. Was tun? «Genau jetzt» ist es Zeit zu handeln: Dafür setzt sich das Projekt GE_NOW ein. Die Projekt-Partner:innen wollen in den Regionen auf attraktive Art sensibilisieren und die Menschen zum gemeinsamen Handeln bewegen. Dafür werden Challenges, verschiedene Veranstaltungen und eine Ideenwerkstatt durchgeführt.
Challenges «KlimAktion» und «Ferien für den Rasenmäher»
Bewusst essen, Energie sparen, weniger Medienkonsum, unnötige Autofahrten vermeiden, den Garten nicht perfekt pflegen – schon kleine Verhaltensänderungen können zum Schutz von Klima und Biodiversität beitragen: Den Auftakt machte die Schulchallenge «KlimAktion» im Frühjahr 2024. 18 Klassen mit 292 Schülerinnen und Schülern aus Vorarlberg und der Schweiz haben sich daran beteiligt. Drei Wochen ging es darum, bewusster zu essen und den Schulweg zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem ÖV zu absolvieren, um zu erkennen, wie man mit einfachen Verhaltensänderungen das Klima schützen kann. Die Grösseren wurden zudem animiert, ihre Bildschirmzeit am Handy und den Warmwasserverbrauch beim Duschen zu reduzieren und so Energie zu sparen. Für die «KlimAktion!» konnten die Lehrpersonen mit von der ZHAW zusammengestelltem Unterrichtsmaterial die Grundlagen vermitteln. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Zeigte die Erfassung vor Beginn der Aktion nämlich eine Handy-Bildschirmzeit von durchschnittlich 3:08 Stunden pro Tag auf, so konnte dieser Gesamtwert bis am Ende um fast eine Stunde reduziert werden. Tage mit fleischloser Ernährung stiegen von 34 % auf 61 %, und ähnlich war die Entwicklung auch bei den Tagen, an welchen kalt oder gar nicht geduscht wurde (von 41 % auf 61 %). Sogar der bereits hohe Wert beim umweltfreundlichen Schulweg konnte noch leicht gesteigert werden – von 84 % auf 92 %. Bei den Jüngeren entschied die 3./4. Klasse der Volksschule Klösterle (Region Klostertal-Arlberg) die Challenge für sich. Bei den Grossen holte sichdie 2. Realklasse der Oberstufe Grüsch (Region Prättigau /Davos) den Siegerpreis. Die Lehrerin der 3./4. Klasse aus Klösterle, Ingrid Thöny, sprach von einer positiven Dynamik: «Dass unsere Schülerinnen und Schüler ihren Schulweg möglichst gesundheitsförderlich und umweltschonend zurücklegen, unterstützen wir schon lange. Dass sie sich aber derart konsequent um eine fleischlose Ernährung bemühten und auch von ihren Familien so grossartig dabei unterstützt wurden, hat mich überrascht. Mehrere Mamas haben mir erzählt, wie hartnäckig die Kinder auf Fleischgerichte verzichtet und fleischfreie Mahlzeiten verlangt haben.» Zum Thema Biodiversität im Hausgarten folgt 2025 die Challenge «Ferien für den Rasenmäher»: An dieser sollen sich möglichst viele Rasenbesitzer:innen beteiligen. Sie sollen den Rasenmäher im Mai gar nicht erst anwerfen und den Rasen (oder mindestens einen Teil davon) wachsen lassen und damit die Artenvielfalt im Garten fördern. Das Teaser-Video zur Bewerbung wurde von einem Umweltingenieurstudenten der ZHAW erstellt.

«Klimamarkt» – das Fest für Klima und Natur
Im Rahmen des Projekts finden zwei grosse Wochenendfestivals statt. Der «Klimamarkt» am 22. Juni 2024 in Vorarlberg machte den Auftakt, 2025 wirdein ähnliches Festival im Prättigau durchgeführt. Besucher:innen sollten auf möglichst kreative Weise mit interaktiven Markständen, Workshops, Vorträgen, einem Quiz und einem Kabarett für die Themen Klimawandel und Biodiversität sensibilisiert werden. Der Klimamarkt im Vorarlberg war ein grosser Erfolg: Rund 400 Personen informierten sich über Möglichkeiten, um dem Klimawandel im Alltag zu begegnen oder die Biodiversität zu schützen. Der aus dem österreichischen Fernsehen bekannte Wetterexperte und Klima-Aufklärer Marcus Wadsak wusste das Publikum mit seiner Keynote «Klimawandel: Fakten gegen Fake & Fiction» zu fesseln. Prägnant zeigte er die Dringlichkeit zum Handeln auf und zitierte Obama: «Wir sind die erste Generation, welche die Folgen des Klimawandels spürt und die letzte, die etwas dagegen tun kann». Auf ganz andere Art und Weise begeisterte Seppi Neubauer, dem es zum Abschluss mit seinem Programm «Heisse Liebe» gelang, Kabarett und Klimawandel zu verbinden.

Ideenwerkstatt
Ebenfalls 2025 ist eine Co-Creation Ideenwerkstatt mit Teilnehmenden aus allen Regionen geplant, um regional angepasste Lösungsansätze für den Alpenraum zu entwickeln, mit dem Ziel, dass alle mit Verhaltensänderungen im Alltag etwas zum Schutz von Klima und Biodiversität beitragen können.
Begleitforschung
Die ZHAW ist auch für die GE_NOW-Begleitforschung zuständig. Es ist geglückt, den Bachelorstudenten Luca Spaar für das Thema zu begeistern. Er führte bis zum jetzigen Zeitpunkt bereits Interviews mit mehreren Lehrpersonen sowie eine Befragung zur Challenge «KlimAktion» durch und wird auch den Klimamarkt auswerten, um daraus Rückschlüsse für die weiteren Aktivitäten im Projekt ziehen zu können. Die Bachelorarbeit wird im Januar 2025 präsentiert.