Lehrformate und Unterrichtsmodelle

Mix it up! Mit Lernvideos den Unterricht bereichern

Beitrag von Fenja Talirz

lernvideos

Quelle: Colourbox Education

Wie kommt man schon wieder zu dieser Formel? Was war nochmal der Grundgedanke hinter diesem Schema? Wieso muss dieser Schritt vor dem anderen erfolgen?

Wem ist es nicht auch schon so ergangen: Man hat einen wichtigen komplexen Sachverhalt in der Fachliteratur gelesen, dann nochmal, und dann nochmal. Aber wenn es darauf ankommt, kann man sich an eine entscheidende Information nicht erinnern. Vielleicht hatte man sie gar nie ganz durchdrungen, vielleicht konnte man sie sich einfach nicht merken, vielleicht war sie schlicht nicht gut erklärt.

Nicht alle Inhalte lassen sich in Text- oder Referat-Form wirksam vermitteln. Auch visuelle Hilfsmittel wie PowerPoint-Folien haben als statische Elemente ihre Grenzen. Gute Lernvideos können das Erklären, Aufnehmen und Begreifen von Informationen enorm erleichtern – insbesondere im Selbststudium, aber auch in Präsenzveranstaltungen. Wie Videos wirksam eingesetzt werden können und was man für die Produktion wirklich braucht, beleuchten wir in diesem Post.

Welche Arten von Videos gibt es in der Lehre?

Video ist nicht gleich Video: Das Format umfasst zahllose Varianten, darunter Vorlesungsstreaming, Aufzeichnung von Sitzungen in virtuellen Klassenräumen, Vertonung von PowerPoint-Präsentationen, Bildschirm- und/oder Webcam-Aufnahmen, Aufzeichnungen von Freihand-Eingaben auf Papier oder Touch-Screens… So vielfältig die Arten sind, so sehr unterscheiden sie sich voneinander in Form, Länge und Zweck: Während die Vorlesungsaufzeichnung mehrere Lektionen umfassen kann, dient eine PowerPoint-Präsentation mit Tonspur meist der Vertiefung eines bestimmten Themenbereichs und eine Freihandaufzeichnung vielleicht nur der kurzen Veranschaulichung eines einzelnen Sachverhalts.

Wie kann ich Videos in meine Lehrveranstaltung einbinden?

Ein Lehrformat, das für den Einsatz von Lernvideos wie geschaffen ist, ist das Flipped-Classroom-Modell. Da dem Präsenzunterricht hier stets eine inhaltliche Vorbereitung im Selbststudium vorausgeht, ist viel didaktisches Geschick von der Lehrperson gefragt: Die Studierenden müssen den Stoff allein im stillen Kämmerlein erarbeiten und benötigen dafür geeignete Lernressourcen. Diese ausschliesslich in Form von Fachliteratur-PDFs bereit zu stellen, ist weder sonderlich förderlich für den Lernvorgang, noch stärkt es die Motivation. Ein kurzer Video-Clip, der den Kern des aktuellen Kapitels illustriert und in einen zusätzlichen Kontext setzt, unterstützt die Studierenden bei ihrem Lernprozess und signalisiert ihnen, dass sie auch im Selbststudium nicht völlig auf sich gestellt sind.

Das Grundkonzept des Flipped Classroom ist freilich kein neues. An jeder Hochschule gibt es Lehrveranstaltungen, die schon lange nach diesem Prinzip durchgeführt werden. Eine multimediale Aufbereitung der Lernressourcen findet jedoch längst nicht überall statt: Der Zeitaufwand, die erforderliche Medienkompetenz und die nötige Ausrüstung können eine abschreckende Wirkung haben. An der ZHAW gibt es dennoch herausragende Beispiele für Flipped Classrooms mit video-basierten Begleitmaterialien, darunter die Physikkurse von Werner Maurer. Um seinen Studierenden eine lückenlose Vorbereitung auf den Präsenz-Unterricht zu ermöglichen, stellt er im LMS eine breite Palette an Ressourcen bereit:

wernermaurer

Das folien-basierte Lernvideo zu jedem Thema veröffentlicht Werner Maurer auf seinem YouTube-Kanal und bindet es von dort aus ins LMS ein. Seine Studierenden schätzen den Lernmaterial-Mix aus Video, Skript, Lernkontrolle und weiterführenden Informationen sehr.

Wie kann ich mit wenig Aufwand Lernvideos produzieren?

Es gibt unzählige Softwares für (Lern)Videoproduktion auf dem Markt. Wir haben uns auf die Suche nach einem Tool gemacht, das möglichst viele Funktionen in sich vereint und dabei trotzdem leicht zu bedienen ist, und sind fündig geworden: Office Mix ist ein kostenloses Add-In für PowerPoint. Wer Office 2013 oder eine neuere Version besitzt, kann es  Microsoft Download Center herunterladen (ZHAW-Mitarbeitende finden es als «OfficeMIX» im Anwendungskatalog). Anschliessend steht es in PowerPoint als zusätzlicher Reiter zur Verfügung.

officemix

Da Office Mix die Aufzeichnung von Video (Bildschirm oder Webcam) und Audio auf PowerPoint-Folien, das Einfügen von Quizfragen und die Aufnahme und Nachbearbeitung von Screenshots in einem Tool ermöglicht, ist es für erklärende und anleitende Lernvideos ideal. In Verbindung mit touchscreen-fähigen Geräten kommt durch die Aufzeichnung von Freihand-Eingaben noch eine wichtige weitere Funktion dazu. Fehlt nur noch ein Headset und es kann losgehen mit der Videoproduktion.

Dass Office Mix für die Lehre viel zu bieten hat, ist nicht unbemerkt geblieben: Vielerorts gibt es bereits mix-begeisterte Lehrpersonen. Engagierte unter ihnen teilen Enthusiasmus und Erfahrung auf der Webseite MixForTeachers in Schritt-für-Schritt-Tutorials, Tipps und Tricks für den Einstieg, einem Help Guide und zahlreichen in Office Mix produzierten Beispiel-Videos. Auch Microsoft bietet neben allgemeinen Hilfsmitteln zu Office Mix inzwischen spezifische Ressourcen für den Einsatz in der Lehre. In diesem Sinne: Let’s mix it up!

Beitrag von Fenja Talirz

Hier geht’s zu einer Sammlung spannender Beiträge zum Thema «Lehren und Lernen mit Videos» auf E-Teaching.org

Discussion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.