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Das Gespür für den Menschen – soziale Interaktion im virtuellen Raum (3/3)

Teil 3: Digitale Tools zur Umsetzung

Ein Beitrag von Luka Peters

In den Teilen 1 und 2 haben wir uns angesehen, wie soziale Interaktion in Online-Veranstaltungen organisatorisch und methodisch gestaltet werden kann. In diesem letzten Teil der Blogserie stelle ich dir eine Auswahl an Werkzeugen und Hilfsmitteln vor, die dich bei der Umsetzung deiner Interaktionsideen unterstützen.

Weniger ist mehr

Webbasierte, digitale Werkzeuge können grob eingeteilt werden in Tools für

  • Kommunikation
  • Kollaboration und Kooperation
  • Kreative Prozesse

Viele der Apps vereinen jedoch mehrere Funktionen, z.B. für die kooperative Materialerstellung und für
Video-Chats. Daher lohnt es sich, je nach Methode genau hinzuschauen, was es genau braucht und welche der Softwareoptionen, die dir zur Verfügung stehen, geeignet ist und eventuell mehrere der benötigten Funktionen enthält. In Teil 2 dieser Serie kannst du bereits anhand der dort vorgestellten Ideen sehen, dass es oft nur eine App braucht für abwechslungsreiche Interaktionen.

Das weniger mehr ist, trifft im Umgang mit Apps in kooperativen oder kollaborativen Prozessen besonders zu. Zu viele Wechsel zwischen verschiedenen Apps können nicht nur zu mehr technischen Fragen führen, sondern auch deinen Teilnehmenden die Orientierung erschweren. Der organisatorische wie inhaltliche rote Faden muss jederzeit erkennbar sein, damit das nicht passiert; und das erreichst du u.a. durch eine Reduktion auf das Wesentliche, auch bei den Anwendungen.

Chatfunktion der Videokonferenz

Der Chat der Videokonferenz ist sicher eines der niederschwelligsten und zugleich am häufigsten übersehenen Tools. Der Chat lässt sich z.B. nutzen, um den Teilnehmer*innen Fragen zu stellen und sie ggf. auch dort antworten zu lassen. Dafür schreibst du deine Fragen vorher auf, so dass du sie per Copy & Paste in den Chat einfügen kannst. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten für den Chat als interaktives, schriftbasiertes Mittel und auch spielerische Ideen sind damit umsetzbar.

Dokumente teilen

Ganz gleich, ob ihr MS Teams, SWITCHDrive, GoogleDocs oder eine andere Cloud für das Teilen von Dokumenten verwendet, können diese Dienste auch für synchrones oder asynchrones Schreiben und Gestalten genutzt werden. Stelle dir beispielsweise vor, ihr wollt zusammen einen Katalog erstellen mit den wirklich wichtigen Dingen im Leben. Dann kannst du dafür ein Text- oder Präsentationsdokument vorbereiten und diese Datei mit den anderen teilen. Das Vorgehen eignet sich für asynchrone ebenso gut wie für synchrone Kollaboration.

Eine speziellere Art des webbasierten Teilens ist die Nutzung von Etherpads wie z.B. Edupad. Hiermit steht dir ein reines Text-Tool zur Verfügung, das aufgrund seiner reduzierten Funktionen sehr niederschwellig ist. Mittels farblicher Textunterlegung werden die AutorInnen unterschieden und es gibt eine automatische Versionierung, so dass man immer sieht, wann welche Änderungen gemacht wurden – sehr praktisch bei kollaborativer Textarbeit.

Virtuelle Whiteboards

Apropos „Pad“: Mit Padlet gibt es eine digitale Pinnwand, die mit Hilfe von Vorlagen unterschiedlich gestaltet werden kann. Padlet ist umfangreicher als Etherpad, denn hier kannst du nicht nur Text, sondern auch viele andere Medienarten einfügen. Zugleich ist der Funktionsumfang aber noch sehr überschaubar, so dass das Tool eine mittlere Nutzungsschwelle hat.

Screenshot aus einem Padlet

Padlet ist das niederschwelligste der Whiteboards. Sehr viel mehr Funktionen bieten z.B. Miro, Mural oder Collaboard an. Damit können komplette Settings digital abgebildet werden, wie Coaching oder Moderation. So gibt es bei Miro zahlreiche (bisher nur englischsprachige) Vorlagen für unterschiedliche Anwendungsfälle. Sehr viele davon beziehen sich auf kreative und Team-Prozesse. Die Funktionalität solcher virtuellen Whiteboards ist hoch, dadurch aber auch ihre Komplexität. Ihr Einsatz verlangt deutlich mehr Vorbereitung und auch der Anspruch an die TeilnehmerInnen ist deshalb höher. Andererseits kann man mit diesen Tools auch unterhaltsame Dinge umsetzen, wie z.B. gemeinsam zu zeichnen. Die ZHAW hat für Miro eine Lizenz, was die uneingeschränkte Nutzung des Tools und den Login mit ZHAW-Daten für ZHAW-Angehörige ermöglicht.

Virtuelle Whiteboards werden oft auch für Mindmapping, Konzeptkarten und ähnliche Mappingmethoden verwendet, sie eignen sich aber nur sehr beschränkt dafür. Geeignetere Tools sind dafür reine Mindmapping-Services wie das bekannte MindMeister.

Eintauchen

Wer sich an den starren „Galerieansichten“ der Videokonferenzen stört, dem gefallen vielleicht immersive Technologien. Hierbei wird durch virtuelle Räume und Avatare der Eindruck vermittelt, man bewege sich mit den anderen an diesen Orten. Interessant wird es dort, wo eine Art „Nähe-Technologie“ eingesetzt wird. Dabei entstehen spontan private (Video-) Chats, sobald sich Avatare im virtuellen Raum einander räumlich weit genug angenähert haben. So entsteht ein zweidimensionaler Breakout Room.

Die Nachfrage nach immersiven Videokonferenzen ist 2021 sehr stark gestiegen und es kommen immer neue Anbieter auf den Markt, deren Services sich in der ästhetischen Anmutung wie auch in der Komplexität der Vorbereitungen unterscheiden (und im Preis natürlich). Die bekanntesten sind sicherlich Wonder Me, Gather Town und Remo, aber auch Mozilla Hubs oder Unhangout gehören dazu.

Umfragen und Soziometrie

Viele der schon genannten Services haben einfache Umfragetools integriert, so z.B. bei Miro. Wenn du aber engagierende, aktivierende Befragungen einsetzen willst, ist der absolute Marktführer derzeit Mentimeter. Die interaktiven Funktionen und Live-Ansicht der Ergebnisse bieten sich für spannende oder unterhaltsame Umfragen und Soziometrik an. Die Vorbereitungen sind leicht zu machen und die Teilnahme ist extrem niederschwellig. Für Mentimenter hat die ZHAW eine Lizenz, sodass ZHAW-Angehörige das Tool vollumfänglich mit ihrem ZHAW-Login nutzen können.

Mit diesem Teil schliesse ich die Blogserie über soziale Interaktionen im virtuellen Raum ab. Die Entwicklung von Methoden und Werkzeugen, die durch die Pandemie einen starken Schub erhalten hat, wird aber sicher weitergehen – über pandemische Zeiten hinaus. Auch in Zukunft, so ist meine Prognose, werden wir in Forschung, Lehre, Weiterbildung und Beratung mehr als je zuvor virtuell zusammenarbeiten und das digitale Socializing wird auch deshalb weiter an Bedeutung gewinnen.

„Der Mensch ist ein soziales Wesen.
Er braucht den Kontakt und den Austausch mit anderen Menschen“

Alfred Adler (1870-1937), Begründer der Individualpsychologie

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