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Das Gespür für den Menschen – soziale Interaktion im virtuellen Raum (2/3)

Teil 2: Methoden für soziale Interaktionen

Ein Beitrag von Luka Peters

Foto: fauxels/Pexels

Im ersten Teil hast du organisatorisch-didaktische Grundlagen für soziale Interaktionen im virtuellen Raum kennengelernt. Heute geht es um Methoden, mit denen du solchen informellen Austausch ermöglichen kannst. Eine Auswahl an Beispielen zeigt dir die Richtung, die Möglichkeiten sind aber so unendlich, wie deine Kreativität.

Die folgenden Beispiele basieren alle auf der Grundannahme, dass ihr in einer Videokonferenz (mit Zoom, Teams oder Webex) seid. Wo du zusätzliche Tools brauchst, werden sie genannt. Die Ziele dieser Aktivitäten sind: Ankommen, gehört werden, gesehen werden, offen das momentane Befinden mitteilen, gemeinsam aktiv sein, Verbindendes entdecken und Unterschiede würdigen. Und Spass haben.

Wie ist dein Wetter heute?
Es gibt verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten. A) Für die einfachste Version brauchst du einen Screen, auf dem du eine Reihe Wettersymbole zeigst. Die Teilnehmenden zeichnen dann auf ein Blatt Papier eines der Symbole und halten dieses vor die Kamera. B) Du bereitest in einem virtuellen Whiteboard (z.B. Miro) Wettersymbole vor und die Teilnehmenden ziehen „Punkte“ oder „Post-its“ dahin, wo sie sich verorten. Das gleiche ist auch mit Smileys oder anderen Stimmungssymbolen möglich.

Vorbereitung: Einfache Symbole bereitstellen.
Zeitaufwand: Durchführung: 2-3 Min.
Tool: Variante A: Eine Text- oder Präsentationsseite, in die du die Symbole eingefügt hast und die du per Screensharing zeigst. Variante B: Ein virtuelles Whiteboard mit synchronem Zugriff.

Zeige einen persönlichen Gegenstand
Diese Methode ist relativ bekannt, sie ist mir in mehreren Online-Veranstaltungen begegnet. Dazu sucht sich jede*r einen Gegenstand vom Schreibtisch oder aus der Nähe mit persönlichem Bezug. Anschliessend haben alle jeweils 30 Sek. Zeit, etwas dazu zu erzählen. Für Variante B muss der Gegenstand mindestens 1 m vom aktuellen Platz entfernt sein. So wird ein Bewegungsimpuls gegeben.

Vorbereitung: Keine
Zeitaufwand: Durchführung: In Abhängigkeit zur Anzahl TN: 30 Sek. Gegenstand holen + 30 Sek. erzählen.
Tool: Kein zusätzliches.

Wo bist du heute?
Stelle den TN ein Landschaftsbild zur Verfügung , z.B. auf Miro. Die TN können nun zeigen, wo sie sich gerade daheim fühlen, z.B. auf dem Gipfel, auf einer sonnigen Wiese oder vielleicht auch unter einer Regenwolke. Dazu setzen sie Punkte oder Post-its.

Vorbereitung: Du brauchst ein Bild einer Landschaft mit hinreichend unterschiedlichen Bereichen. Das kann ein Foto sein oder eine Grafik oder auch selbst angefertigte Zeichnung.
Zeitaufwand: Durchführung: 2 Minuten.
Tool: Miro oder ähnliches mit synchronem Zugriff.

Abb. Screenshot aus Miro

Wo wärst du jetzt gerne?
Auch das ist eine recht bekannte Methode. Dazu suchen die TN ein Foto im Internet, das zeigt, wo sie gerne gerade im Moment wären. Dieses Foto stellen sie dann als ihr Video-Hintergrundbild ein. Ein Effekt davon ist, dass alle genauer einander anschauen, es geht hier also nicht nur darum, zu zeigen, wohin man sich träumen möchte, sondern auch darum, einander visuell genauer wahrzunehmen.

Vorbereitung: keine
Zeitaufwand: Durchführung: 3 Minuten (manche TN brauchen etwas Zeit zum Finden eines Bildes, andere zum Einstellen des Hintergrundbildes)
Tool: kein zusätzliches

50 facts about me
(Danke an Monika Schlatter, FHNW, für diese Idee)
Die TN bekommen 1 Minute Zeit, 10 Tatsachen über sich zu notieren. Anschliessend werden sie in Gruppen á 5 Personen eingeteilt (Breakout-Gruppen). Hier erzählt TN 1 den anderen 5 Fakten über sich. TN 2 knüpft an das Gehörte an mit dem ersten Fakt über sich und erzählt 4 weitere. TN 3 knüpft wiederum an die Fakten von TN 2 an usw. Das geht natürlich auch mit kleineren Gruppen, aber mind. 3 Personen sollten es schon sein.

Vorbereitung: Keine
Zeitaufwand: Durchführung: Für die Erklärung ca. 2 Minuten, Durchführung der Breakoutgruppen 5 Min.
Tool: kein zusätzliches

Überraschende Fragen
Eine Methode, die Aufmerksamkeit von Sachthemen wegzubewegen hin zum persönlichen Erleben besteht darin, überraschende Fragen zu stellen. Beispiele: Welche geometrische Form magst du heute besonders und warum? Welche Farbe repräsentiert für dich den heutigen Tag? Die TN können ihre Antwort z.B. in den Chat der Videokonferenz schreiben oder auf einem Blatt Papier in die Kamera halten.

Vorbereitung: Denke dir zuvor zwei bis drei Fragen aus.
Zeitaufwand: Durchführung: Je Frage 2 Minuten.
Tool: kein zusätzliches

Soziometrie
Cluster bilden zu bestimmten sozialen Werten oder Themen geht auch virtuell. Der Ablauf ist ähnlich, das Vorgehen angepasst. In einer Videokonferenz kann das wie folgt aussehen: Alle kleben ihre Kamera mit einem Post-it ab. Die Dozierende stellt eine Frage und wer diese mit ja beantworten kann, nimmt das Post-it von der Kamera und wird sichtbar. So können alle sehen, wer z.B. gerne Honig im Tee mag oder wer HSV-Fan ist 😉
Mit interaktiven Umfragetools wie Mentimeter können soziometrische Fragen auf eine andere spielerische Art gestellt werden. Die Antworten werden dann „live“ durch die sich ändernden Diagramme sichtbar.

Vorbereitung: Überlege dir vorher 2 bis 3 soziometrische Fragen.
Zeitaufwand: Durchführung: Je Frage 1 Minute
Tool: Bei digitaler Durchführung Mentimeter o.ä.

Foto: Matilda Wormwood/Pexels

Abwechslung schaffen, den Modus wechseln: Von visuell zu auditiv, von audio-visuell zu haptisch
Ist der Mensch tatsächlich ein Augentier? Aus meiner naturpädagogischen Praxis weiss ich, wie wichtig auch auditive und haptische Wahrnehmung ist. Deshalb hier noch ein paar Ideen, wie ihr den Wahrnehmungskanal wechseln könnt.

Was höre ich da?
Eine Teilnehmerin macht bei ausgeschalteter Kamera ein Geräusch. Das kann mit einem oder mehreren Gegenständen sein, vielleicht aber auch mit der Stimme oder den Händen. Die anderen TN schauen bewusst nicht auf den Bildschirm oder schliessen beim Hören die Augen und versuchen zu erraten, womit das Geräusch gemacht wird.
Eine Variante, die verspielter, aber auch etwas anspruchsvoller ist: Die Leitung gibt einer Teilnehmerin im privaten Chat einen Begriff, den diese akustisch versucht darzustellen, während auch hier wieder die anderen den Begriff zu erraten versuchen.

Vorbereitung: Für die zweite Variante vorab geeignete Begriffe überlegen.
Zeitaufwand: Durchführung: Je Durchgang ca. 2-3 Minuten
Tool: Kein zusätzliches.

Was habe ich in meiner Hand?
Ein Teilnehmer schaltet wiederum seine Webcam aus und sucht einen Gegenstand, den er in die Hand nehmen kann. Mit geschlossenen Augen ertastet er dessen Oberfläche und beschreibt, was er fühlt. Die anderen Teilnehmenden versuchen den Gegenstand auf Grund dieser Beschreibung zu erraten.

Vorbereitung: Keine
Zeitaufwand: Durchführung: Je Durchgang ca. 2-3 Minuten
Tool: Kein zusätzliches.

Karaoke
Diese Idee stammt von der re-publica – Festival for the Digital Society. Zur Erklärung: Es ist Tradition, die jährliche re-publica-Konferenz mit dem gemeinsamen Karaoke-Singen von „Bohemian Rhapsody“ abzuschliessen. In 2020 fand die Konferenz rein online statt und so wurde auch für das Singen eine neue Form gefunden. Für den allgemeinen Gebrauch sollte das Stück wohl eher nicht so kompliziert, aber ebenso bekannt sein.

Vorbereitung: Karaoke-Track und Text eines bekannten Lieds finden.
Zeitaufwand: Durchführung: In Abhängigkeit von der Länge des Songs plus 3 bis 4 Minuten für das Einfinden in diese ungewohnte gemeinsame Aktivität.
Tool: Kein zusätzliches.

Soweit also ein paar Vorschläge als Starthilfe für eigene Ideen.

Der 3. Teil dieser Serie wird eine kleine Auswahl an Tools und Hilfsmitteln vorstellen, die über die bereits bekannten Werkzeuge hinausgehen.

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