Lehrformate und Unterrichtsmodelle

Crossing Borders: Kommunikationskompetenzen praxisnah und sprachübergreifend trainieren und erweitern

Beitrag von Daniela Fernando und Oliver Winkler

Grafik: Dario Feser, Katharina Kiwic

Als Dozierende für Kommunikation haben wir mit angehenden IngenieurInnen im HS16 ein mehrwöchiges szenariobasiertes Pilotprojekt durchgeführt. Rund um das Thema Health and Safety/Arbeitssicherheit bewältigten die Studierenden dabei diverse kommunikative Aufgaben in einem sprachübergreifenden Unterrichtssetting (Deutsch und Englisch). Ein externer Referent lieferte thematische Expertise, wir standen den Studierenden als Coaches zur Seite und sie erarbeiteten als Leistungsnachweise informative Intranetseiten auf unserer E-Portfolio-Plattform. Die Ergebnisse sind aus unserer Sicht sehr gelungen.

Sprachübergreifender Pilot: Wie kam es dazu?

Seit rund zwei Jahren arbeitet das Language Competence Centre (LCC) an einem Konzept für einen kompetenzorientierten, szenariobasierten und mehrsprachigen Kommunikationsunterricht an der School of Engineering (SoE). Im Rahmen dieser Konzeptentwicklung verschmelzen ehemals getrennt durchgeführte Deutsch- und Englischmodule in Anlehnung an die vorherrschende Berufspraxis zu einem sprachübergreifenden Modul. So entstand unsere Idee, uns als Deutsch-Dozent und Englisch-Dozentin zusammenzutun und mit einer Klasse angehender WirtschaftsingenieurInnen erste Erfahrungen in sprachübergreifender Unterrichtsgestaltung zu sammeln. Wir erarbeiteten das Pilotprojekt als Blended-Learning-Szenario, um den Präsenzunterricht sinnvoll mit Selbstlernaufgaben zu verzahnen und um Austausch, Zusammenarbeit und Ergebnissicherung über die hochschulinternen Plattformen Moodle und Mahara zu organisieren. Da die Idee aus einem gemeinsamen Entwicklungsprojekt des LCC mit der SoE entstand, wurden uns von der Studiengangleitung WI und der LCC Leitung zeitliche Ressourcen zur Verfügung gestellt. Nicht zuletzt stand uns auch die Fachgruppe Blended Learning schnell und unkompliziert zur Seite, als es etwa darum ging, unsere Studierenden in 30 Minuten fit für den Umgang mit  dem E-Portfolio-Tool Mahara zu machen. Das Ergebnis: Visuell ansprechende und interessant gestaltete Textprodukte wie das hier verlinkte (Auszug s. u.).

Grafik: Reto Klauenbösch, Cedric Käslin

Zusammenarbeit im Zweierteam

Wir hatten das Glück, dass unsere beiden Unterrichtsmodule English for Engineers und Sprache im Beruf aufeinanderfolgend lagen. So konnten wir unsere Ressourcen bündeln und das sprachübergreifende Teamteaching organisatorisch recht einfach umsetzen. Die Abstimmung bezüglich Unterrichtsgestaltung und Einsatz neuer Tools erforderte etwas mehr Planungsaufwand, jedoch waren die Ergebnisse sehr motivierend: Es machte uns Freude, gemeinsam für den Lernerfolg unserer Pilotgruppe verantwortlich zu sein und wir konnten von unseren unterschiedlichen Perspektiven sehr profitieren. Am Ende erlebten wir die Kommunikation mit den Studierenden hierdurch als effizienter, denn beim Feedback zu einzelnen sprachlichen Aufgaben konnten wir unsere Empfehlungen und Verbesserungsvorschläge gemeinsam begründen und breiter abstützen.

Motiviert und engagiert: Rückmeldung der Studierenden

In den Feedbackgesprächen/Coachings gelang es uns, einen persönlichen Kontakt zu den Studierenden und ihren Projekten sowie ihren Erfahrungshintergründen herzustellen: Die Präsenzzeit stärker für diesen Austausch zu nutzen lohnt sich für beide Seiten. Wir konnten ein hohes Engagement und ein wirkliches Interesse der Studierenden an ihren Projekten beobachten; die damit verbundenen Kommunikationsaufgaben wurden mit viel Kreativität und technischem Geschick bearbeitet. Eine Umfrage am Ende des Semesters bestätigte den positiven Eindruck: Alle Teilnehmenden gaben an, dass ihnen die Vernetzung der Sprachen Deutsch und Englisch innerhalb des Unterrichts keine Mühe bereitete. 80% empfanden das Szenario Arbeitssicherheit als motivierend und praxisrelevant. Die Blended-Learning-Tools wurden gut aufgenommen und die Aufgaben darin sehr ansprechend und eigenverantwortlich umgesetzt, wenn es auch teils Unzufriedenheit mit den eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten im E-Portfolio-Tool gab.


Lessons Learned auf den Punkt gebracht

Bei den Studierenden

  • ermöglicht die Arbeit im Team den Austausch im Sinne des „collaborative problem solving“.
  • führt individualisiertes Lernen und Coaching zu einer höheren Motivation und Identifikation mit den Themen der Kommunikation in Deutsch und Englisch.
  • fördert der Einsatz von digitalen Tools die Medienkompetenz.

Im Dozierendenteam

  • erfordert die Vernetzung einen engmaschigen regelmässigen Erfahrungsaustausch, die Bündelung von gemeinsamen Ressourcen sowie die einhergehende kritische Reflexion von Unterricht, Unterrichtsmaterial und Leistungsnachweisen.

In Bezug auf die Kompetenzorientierung

  • schafft der gezielte Einsatz von externen ExpertInnen eine direkte Verbindung zum beruflichen Kontext.
  • entstehen im hier vorgestellten Modell Lernräume, die vernetztes und selbstverantwortliches Handeln fördern.

Oliver Winkler (Deutsch), Alessandro Atzei (Fachexperte Unilever), Daniela Fernando (Englisch)

Beitrag von Daniela Fernando und Oliver Winkler

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