Bio-vegane Landwirtschaft – Was bedeutet diese alternative Form der Landwirtschaft?

Ein Beitrag von Rebecca Näf

Abbildung 1 und 2: Bio-vegane Landwirtschaft kann sowohl auf Gemüsebau als auch auf Tierpatenschaften setzen. (Quellen: links Colourbox, rechts Colourbox; Lizenz)

Die vegane Ernährung liegt im Trend. Vegane Produkte sind längst nicht mehr eine Nische, wie das wachsende Sortiment im Detailhandel zeigt. Zudem ist ein zunehmendes Bewusstsein für gesunde Lebensmittel vorhanden, die tierfreundlich und umweltschonend produziert werden. Ein Ansatz ist der Biolandbau mit dem Fokus auf geschlossene Nährstoffkreisläufe. Dabei spielt die Tierhaltung eine wichtige Rolle, da sie tierische Dünger zur Verfügung stellt. Jedoch ist die Tierproduktion sehr ressourcenintensiv und wird aus tierethischer Perspektive hinterfragt. Bietet die bio-vegane Landwirtschaft, welche komplett auf tierische Produkte verzichtet, eine Alternative?

Definition von veganer und bio-veganer Landwirtschaft

Vegane Landwirtschaft bezeichnet eine Landwirtschaft ohne Tierproduktion, wie Fleisch, Milch oder Eier, und ohne die Verwendung von Düngemitteln, welche aus der Tierproduktion stammen (Visak, 2007). Wird vegane Landwirtschaft nach ökologischen Richtlinien betrieben, spricht man von bio-veganer Landwirtschaft (Bonzheim, 2014). Hinter einer bio-veganen Bewirtschaftung liegt meist eine persönliche, idealistische Motivation. Betriebe in der Schweiz und Deutschland sehen in der bio-veganen Landwirtschaft neben der Vermeidung von Tierleid einen Beitrag zur Ressourcenschonung und zum Klimaschutz (Bonzheim, 2014; Fausch, 2017).

Vegane Landwirtschaft im konventionellen und biologischen Landbau

In der konventionellen Landwirtschaft ist ein veganer Pflanzenbau ohne grosse Einschränkungen möglich. Die Pflanzen können mit synthetischen oder nicht-erneuerbare Mineraldüngern gedüngt werden und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind erlaubt (Zumwald, 2017). Im Gegensatz dazu strebt der Biolandbau eine naturnahe, kreislaufbasierte Bewirtschaftung an. Die Pflanzen- und Tierproduktion sind dabei meist eng miteinander verknüpft. Die Tiere erhalten, wenn immer möglich, betriebseigenes Futter und produzieren im Gegenzug Dünger. Dieser Kreislauf wird im Biolandbau als wichtig erachtet, da gemäss Bio-Verordnung (1998) mineralische Düngemittel nur begrenzt zulässig sind. Eine bio-vegane Landwirtschaft, welche komplett auf tierische Dünger und Betriebsmittel im Biolandbau verzichtet, ist deshalb sehr herausfordernd.

Ansätze der bio-veganen Landwirtschaft

Um die Bodenfruchtbarkeit ohne tierische Betriebsmittel sicherzustellen, liegt der Fokus der bio-veganen Bewirtschaftung auf einem geschlossenen pflanzlichen Kreislauf. Dieses Konzept ist nicht neu, hatten doch bereits in den 1950er Jahren Alfred Hoops und Johannes Eisenbach die Idee einer ökologischen und kreislaufbasierten Landwirtschaft ohne Tierhaltung (Förderkreis biozyklisch-veganer Anbau, 2019). Im Zentrum der heutigen bio-veganen Landwirtschaft steht eine an den Standort angepasste Fruchtfolge (Bonzheim, 2014; Hall & Tolhurst, 2006). Die Fruchtfolge beeinflusst nicht nur die Nährstoffversorgung sondern auch die Struktur des Bodens und kann Krankheiten vorbeugen (Biocyclic Network Services Ltd, 2017; Bonzheim, 2014; Zumwald, 2017).

Herausforderungen und Chancen auf Betriebsebene

Bei einer Umstellung auf bio-vegane Landwirtschaft muss sich ein Betrieb mit vielen verschiedenen Themen befassen. Neben der Sicherstellung der Bodenfruchtbarkeit stellen sich auch ökonomische Herausforderungen. Durch den Wegfall der Erlöse aus der Nutztierproduktion müssen alternative Betriebszweige entwickelt werden, um die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Ein bisheriger Viehwirtschaftsbetrieb, welcher die Tiere behalten möchte, kann seinen Betrieb in einen «Lebenshof» mit Tierpatenschaften umwandeln. Dieses Konzept bietet einerseits eine
Einnahmequelle für den Betrieb, andererseits kann die Beziehung zwischen Menschen und Tieren gefördert werden (Hof Narr, 2020). Ein anderer Weg ist der bio-vegane Pflanzenbau, wobei eine Zertifizierung nach den «Biozyklisch-Veganen Richtlinien» die Glaubwürdigkeit des Betriebs gegenüber Kunden fördern kann (Juerkenbeck et al., 2019).

Konflikte und Potenziale auf globaler Ebene

In geographischen Regionen, wo der Anbau von Ackerfrüchten schwierig bis unmöglich ist, stellt die bio-vegane Landwirtschaft keine Option dar. Dauergraslandflächen können nur selten umgenutzt werden und die Weidehaltung ist oft die einzig mögliche Bewirtschaftungsform. Gerade in ärmeren Ländern ist diese wichtig, um die Ernährungssicherheit von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu gewährleisten. Dort wo bio-vegane Landwirtschaft praktiziert werden kann, hat sie dennoch viel Potenzial. Die Treibhausgasemissionen aus der Nutztierhaltung können reduziert, wichtige Ressourcen geschont und die Flächen direkt für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden (FAO, 2018).

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Masterstudiengangs “Umwelt und natürliche Ressourcen”

Quellen

Biocyclic Network Services Ltd. (2017, Oktober 9). Biozyklisch-Veganen Richtlinien. Richtlinien. http://www.biocyclic-vegan.org/wpcontent/uploads/2019/01/BIOCYCLIC-VEGANSTANDARDS-2017.pdf

Bonzheim, A. (2014). Die bio-vegane Landwirtschaft in Deutschland: Definition, Motive und Beratungsbedarf [Bachelorarbeit]. Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH)

FAO. (2018). World Livestock: Transforming the livestock sector through the Sustainble Development Goals (Licence: CC BY-NC-SA 3.0 IGO; S. 222).

Fausch, S. (2017). Marktpotenzial für Lebensmittel aus bioveganem Anbau Die Perspektive ausgewählter Akteure in der Wertschöpfungskette [Semesterarbeit]. ZHAW.

Hall, J., & Tolhurst, I. (2006). Growing Green—Animal-Free Organic Techniques. Cambrian Printers Ltd.

Hof Narr. (2020). Mithelfen. JA, ICH WILL HOF NARR UNTERSTÜTZEN! https://www.hofnarr.ch/mithelfen

Juerkenbeck, K., Schleicher, L., & Meyerding, S. G. H. (2019). Marketing Potential for Biocyclic-Vegan Products? A Qualitative, Explorative Study with Experts and Consumers. In GERMAN JOURNAL OF AGRICULTURAL ECONOMICS (Bd. 68, Nummer 4, S. 289–298). DEUTSCHER FACHVERLAG
GMBH.

Verordnung über die biologische Landwirtschaft und die Kennzeichnung biologisch produzierter Erzeugnisse und Lebensmittel (Bio-Verordnung), Pub. L. No. SR 910.18 (1998). https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19970385/index.html

Visak, T. (2007). Vegan agriculture: Animal-friendly and sustainable. 193.
Zumwald, J. (2017). What are the Challenges of a Sustainable Agriculture and a Healthy Nutrition without Livestock? – Paving the way for Modelling a Vegan World [Master thesis]. ETH Zürich, Department of Environmental Sciences.


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