Welternährungssysteme 2021

Steuermillionen für Fleischwerbung – alles andere ist Beilage

Ein Beitrag von Nadine Keller

Abbildung 1: Trügt der Schein? Kühe auf einer idyllischen Wiese. Quelle: Colourbox, CC BY-NC-ND 2.0

Werbung für Fleisch wird in der Schweiz jährlich mit rund 6 Millionen Franken vom Bund unterstützt. Die Subventionen fördern den Fleischkonsum und stehen im Widerspruch mit den Umweltzielen der Schweizer Landwirtschaft. Wie rechtfertigen der Bund und die Fleischindustrie die Subventionierung klimaschädlicher Lebensmittel?

Zielkonflikt in der Landwirtschaft

In der Schweiz verfolgt die Agrarpolitik das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis ins Jahr 2050 um mindestens einen Drittel zu reduzieren. Die Nutztierhaltung ist für rund 13% aller ausgestossenen Treibhausgase verantwortlich(1). Aufgrund des hohen Flächen- und Ressourcenverbrauchs trägt die Tierhaltung verglichen mit anderen Produktionszweigen im hohen Masse zu negativen Umweltauswirkungen bei(2). Trotz der Verpflichtung zu einer nachhaltigen Landwirtschaft entfallen 82% der Steuergelder für die Nahrungsmittelproduktion auf die Tierproduktion(3). Die Fleischindustrie wird in der Schweiz mit Subventionen auf verschiedenen Ebenen gefördert(4).

Klimaschädliche Subventionen

Der Agrarbericht vom Jahr 2019 zeigt auf, dass die Fleischwerbung mit 5.75 Millionen Franken vom Bund unterstützt wurde(5). Die staatlich geförderten Marketingmassnahmen haben das Ziel, den Absatz von Schweizer Fleisch anzutreiben. Diese finanziellen Beiträge fördern die Tierhaltung für die Fleischproduktion und begünstigen dadurch Futtermittelimporte und Nährstoffüberschüsse. Neben der finanziellen Hilfe für Marketingmassnahmen unterstützt der Bund auch Beiträge für die
Entsorgung tierischer Nebenprodukte oder Förderbeiträge für die Tierzucht4. Die hohen Beiträge für Fleischwerbung stehen im Widerspruch mit den Umweltzielen der Landwirtschaft, zu welchen sich der Bund verpflichtet hat.

Der feine Unterschied

Mit Slogans wie «Schweizer Fleisch – der feine Unterschied» wirbt die Branchenorganisation Proviande für ihre Produkte. Gemäss Proviande werden die Steuergelder nicht dafür eingesetzt, um den Konsum von Fleisch zu erhöhen. Das Ziel von Proviande sei es, mit der Werbung für Schweizer Fleisch, die inländische Fleischproduktion zu fördern. Denn laut Proviande werden in der Schweiz höhere Anforderungen bezüglich der Qualität und des Tierwohls gestellt als im Ausland(6). Allerdings liegt der Anteil an Nutztieren, welche im Direktzahlungsprogramm RAUS (Regelmässiger Auslauf im Freien) gehalten werden, lediglich bei 12%7. Die Werbung von glücklichen Tieren auf grossen Weiden entspricht daher grösstenteils nicht der Realität.

Kampf gegen Fleischlobby

Die Ansicht, dass durch die Fleischwerbung die inländische Produktion gefördert werden soll, vertritt auch der Bundesrat. Im Jahr 2015 wurde mit einer parlamentarischen Initiative gefordert, die Absatzförderung des Bundes für Fleischwerbung zu kürzen. Die Initiative wurde vom Bundesrat klar abgelehnt. Die Begründung war, dass ein Verzicht auf die Förderung von Schweizer Fleisch den Konsum von Importfleisch begünstigen würde. Dies könnte der inländischen Wirtschaft schaden. Des Weiteren befürwortet der Bund die hohen Tierschutzanforderungen und Erhaltung von Arbeitsplätzen in der Fleischproduktion im Inland(8).

Zukunft der Agrarpolitik

Die Förderung der Fleischproduktion steht im Widerspruch mit den Zielen des Bundes, zu einem nachhaltigen Ernährungssystem beizutragen. Um die Umweltziele der Landwirtschaft zu erreichen, könnte der Steueranteil für die Nahrungsmittelproduktion von Pflanzen erhöht werden. Dieser fällt mit einem aktuellen Anteil von 18% im Vergleich zur Tierproduktion klein aus(3). Damit die ökologischen Schäden durch vermehrte Fleischimporte klein gehalten werden, könnten die ökologischen Anforderungen an Fleischimporte erhöht werden(4). Des Weiteren könnte eine Beschränkung der Subventionen auf tierfreundlich produziertes Fleisch eingeführt werden. Dies würde gezielt die Nachfrage nach Produkten mit hohen Tierschutzanforderungen fördern(9).

Dieser Blog-Beitrag entstand im Rahmen des Bachelormoduls Welternährungssysteme des Studiengangs Umweltingenieurwesen am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW im Frühjahrssemester 2021.

Quellen

1 FOEN (2017). Switzerland’s Greenhouse Gas Inventory 1990–2015: National Inventory Report, CRF-tables. Submission of 11 April 2017 under the United Nations Framework Convention on Climate Change and under the Kyoto Protocol. Federal Office for the Environment (FOEN), Bern, Switzerland.

2 Bretscher, D., Ammann, C., Wüst, C., Nyfeler, A., & Felder, D. (2018). Reduktionspotenziale von Treibhausgasemissionen aus der Schweizer Nutztierhaltung. Agrarforschung Schweiz 9 (11+12), 376–383.

3 Schläpfer, F. (2020). Kosten und Finanzierung der Landwirtscham 2018. Vision Landwirtscham, Lieli. https://www.visionlandwirtschaft.ch/_visionlandwirtschaft_prod/uploads/pdf/KFL_Bericht.pdf

4 Gubler, L., Ismail, S. A., Seidl, I. (2020). Biodiversitätsschädigende Subventionen in der Schweiz. Grundlagenbericht. WSL Ber. 96. 216 S.

5 Bundesamt für Landwirtschaft BLW (2019). Agrarbericht 2019. Bundesamt für Umwelt, Bern. https://www.agrarbericht.ch/de/service/dokumentation/publikationen

6 Proviande. (2021). Proviande bezieht Position. Abgerufen am 17. 03.2021, von https://www.proviande.ch/de/proviande-bezieht-position

7 Baur, P., & von Rickenbach, F. (2018). Nutztiere in der Schweiz. Statistische Daten, Schätzungen und Fragen (NOVANIMAL Faktenblatt Nr. 5). Wädenswil: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

8 Müller, L. (2016). Keine Subventionen für Fleischwerbung. Abgerufen am 17.03.2021, von https://www.parlament.ch/centers/kb/Documents/2015/Kommissionsbericht_WAK-N_15.493_2016-10-25.pdf

9 Munz, M. (2020). Fleischwerbung nur für Produkte der Tierwohlprogramme. Abgerufen am 17.03.2021, von https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20204192

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