Welternährungssysteme 2020

Auch Fischmehl ist nicht ohne Gräten

Ein Beitrag von Daniela Schick

Abb. 1: Ein Fischschwarm im Meer. (Quelle: colourbox.de, Lizenz)

Fischmehl ist ein protein- sowie Vitamin-B12-reiches Pulver, das bei der Verarbeitung von ganzen Fischen oder Fischrückständen entsteht (Zimmermann & Hammer, 2017). Es ist eine hochgeschätzte Quelle von Futterproteinen. Weiter weist es eine ausgezeichnete Zusammensetzung von essenziellen Aminosäuren sowie anderen wesentlichen Nährstoffen wie beispielsweise Omega-3-Fettsäuren auf (Olsen & Hasan, 2012). Deshalb wird es oft in Aquakulturen als Futtermittel verwendet. Die Frage stellt sich jedoch, ob Fischmehl ganzheitlich als gute Nahrungsquelle angesehen werden kann, oder ob versteckte Problematiken damit verbunden sind. 

Konsum von Fisch und Meeresfrüchten

Die Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten, einschließlich Süsswasserfischen, wird in den kommenden Jahren steigen. Dies nicht nur weil die Weltbevölkerung zunimmt, sondern auch weil der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch an Meeresfrüchten und Süsswasserfischen weiter steigen könnte (Olsen & Hasan, 2012).

Trends im Fischfang

Gegenwärtig werden in der Fischerei jährlich 110 – 130 Millionen Tonnen Meeresfrüchte gefangen. Davon gehen 70 Millionen Tonnen direkt in den menschlichen Verzehr. 30 Millionen Tonnen werden zurückgeworfen und 30 Millionen Tonnen werden zu Fischmehl verarbeitet (Deutsch et al., 2007). Allein vor Chile und Peru wurden den Küstengewässern in den letzten beiden Jahrzehnten 8 – 10 Millionen Tonnen Fisch pro Jahr entnommen; diese Fänge wurden überwiegend zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet (Zimmermann & Hammer, 2017). In Mauretanien war ein Anstieg der Fischfänge von kleinen pelagischen Arten zu verzeichnen. Die Zahl stieg von 50’000 Tonnen im Jahr 2011 auf 240’000 Tonnen im Jahr 2014 (Corten, Braham & Sadegh, 2017).

Ökologische Auswirkungen der Fischmehlproduktion

Durch den massiven Einsatz von industriellen Futtermitteln und Medikamenten in den Aquakulturen kommt es zu einer erheblichen Belastung der Küstengewässer mit Nährstoffen. Dies wiederum bedroht lokale Ökosysteme (Zimmermann & Hammer, 2017). Zudem führt die Fischmehlproduktion zu einer Verringerung der Fischbestände. Es betrifft zwar nicht direkt die Bestände, welche für den menschlichen Verzehr vorgesehen sind, hat jedoch verheerende Folgen auf die Nahrungskette. Die Fischbestände, die zu Fischmehl weiterverarbeitet werden, sind gemäss FAO überfischt (Wawer, 2001).

Soziale Auswirkungen des Fischmehleinsatzes

Weiter ist eine zunehmende Abhängigkeit der Fischzüchterinnen und Fischzüchter wahrzunehmen. Im Jahr 2007 waren 40% der Aquakulturproduktionen von industriellen Futtermitteln abhängig, die zu grossen Teilen aus Meeres- und Küstenökosystemen stammten (Deutsch et al., 2007). Früher war Fischmehl ein billiger Rohstoff, der im Tierfutter enthalten war. Die schnell wachsende Aquakulturindustrie hat jedoch zu einer stark erhöhten Nachfrage und damit zu höheren Preisen beigetragen (Olsen & Hasan, 2012).

Fischmehlalternativen

Durch die zunehmende Verknappung von Fischmehl stieg der Weltmarktpreis kontinuierlich auf das Vier- bis Fünffache des Niveaus aus dem Jahr 2000 an (Zimmermann & Hammer, 2017). Deshalb ist es für Fischzüchterinnen und Fischzüchter von grosser Bedeutung, Alternativen zu finden. Studien zeigen, dass dies sowohl bei fleisch- als auch bei pflanzenfressenden Arten möglich ist (Olsen & Hasan, 2012). Fischmehl wird beispielsweise durch Mehle aus Warmblütern, Ölsaatmehlen, Hülsenfruchtmehlen und weiteren substituiert (Münkner & Kuhlmann, 2001). Beispielsweise konnte der Fischmehlanteil in den Futtermitteln für Forellen und Lachse durch den Einsatz von Alternativen auf 10% oder weniger gesenkt werden (Zimmermann & Hammer, 2017). 

Fazit

Um noch einmal auf die Einstiegsfrage zurückzukommen: Fischmehl hat eindeutig negative Auswirkungen. Deshalb ist es von grosser Bedeutung, dass Fischzüchterinnen und Fischzüchter in Zukunft mehr auf Alternativfuttermittel setzen, um eine nachhaltige Fischversorgung zu gewährleisten. Grundsätzlich gilt, dass eine nachhaltige Fischversorgung für den menschlichen Verzehr nur dann möglich ist, wenn die regenerativen Ressourcen, die für die Aquakultur genutzt werden, nicht nur der heutigen Generation zur Verfügung stehen, sondern auch allen zukünftigen (Wawer, 2001).

Dieser Blog-Beitrag entstand im Rahmen des Bachelormoduls Welternährungssysteme des Studiengangs Umweltingenieurwesen am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW im Frühjahrssemester 2020.

Quellen

Corten, A., Braham, C.-B. & Sadegh, A. S. (2017). The development of a fishmeal industry in Mauritania and its impact on the regional stocks of sardinella and other small pelagics in Northwest Africa. Fisheries Research186, 328–336. https://doi.org/10.1016/j.fishres.2016.10.009

Deutsch, L., Gräslund, S., Folke, C., Troell, M., Huitric, M., Kautsky, N. et al. (2007). Feeding aquaculture growth through globalization: Exploitation of marine ecosystems for fishmeal. Global Environmental Change17(2), 238–249. https://doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2006.08.004

Münkner, W. & Kuhlmann, H. (2001). Zum Stellenwert von Fischmehl in der Aquakultur. Informationen für die Fischwirtschaft aus der Fischereiforschung48(2), 66–73.

Olsen, R. L. & Hasan, M. R. (2012). A limited supply of fishmeal: Impact on future increases in global aquaculture production. Trends in Food Science & Technology27(2), 120–128. London: Elsevier Science London. https://doi.org/10.1016/j.tifs.2012.06.003

Wawer, T. (2001). Ökonomische und ökologische Aspekte der Aquakultur. (S. 76). https://www.wiwi.uni-muenster.de/vwt/organisation/veroeffentlichungen/Oekonomische%20und%20oekologische%20Aspekte%20der%20Aquakultur.pdf

Zimmermann, C. & Hammer, C. (2017). Zum Beispiel Kabeljau und Hering: Fischerei, Überfischung und Fischereimanagement im Nordatlantik. In G. Hempel, K. Bischof & W. Hagen (Hrsg.), Faszination Meeresforschung: Ein ökologisches Lesebuch (S. 427–442). Berlin, Heidelberg: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-49714-2_39

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