Welternährungssysteme 2020

Heuschreckenplagen durch erhöhte Resilienz verkraften

Ein Beitrag von Cinzia Reinhard

Abbildung 1: Ein Heuschreckenschwarm zieht vorbei. (Bild von Niv Singer, 2004, flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Heuschreckenplagen beschäftigen Menschen aus vielen Teilen der Welt schon seit Jahrtausenden. Sie werden oft mit Verwüstungen und Hungersnöten in Verbindung gebracht. Cinzia Reinhard geht der Frage auf den Grund, wie betroffene Personen trotz dieser negativen Assoziation von Heuschreckenplagen eine positive Verbindung zwischen ihnen und dem Ökosystem herstellen können. Welche umweltfreundlichen Massnahmen kann die lokale Bevölkerung ergreifen, um mit solchen Situationen psychisch und physisch umgehen zu können?

Schon in der Bibel war von Heuschreckenplagen die Rede. Im zweiten Buch Moses (Exod. 10:15 RSV) ist folgende Textpassage zu lesen:

„Sie bedeckten das ganze Land, sodass das Land dunkel wurde, und sie assen alle Pflanzen im Land und alle Früchte der Bäume, die der Hagel hinterlassen hatte; Im ganzen Land Ägypten blieb kein grünes Ding übrig, weder ein Baum noch eine Pflanze des Feldes.“

Im kulturellen Gedächtnis sind Heuschrecken dementsprechend mit Verwüstung und Hungersnöten verknüpft. Das Wissen um die möglichen Gefahren liefert aber noch keine Mittel an die Hand, wie Heuschreckenplagen vermieden werden können.

Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass die Vermittlung von Wissen und das im Idealfall damit einhergehende Verständnis zu mehr Akzeptanz und besser durchdachten Massnahmen in der Bevölkerung führen. Durch Wissen können nachhaltige und umweltschonende Bekämpfungsmethoden erarbeitet und umgesetzt werden (Lecoq, 2010).

Ein Beispiel der afrikanischen Heuschreckenplage

Die senegalesische Heuschrecke (Oedaleus senegalensis) wurde von Forscherinnen und Forscher der Oxford Acadmic bis in die 1970er Jahre als wirtschaftlich nicht schädlich eingestuft. Mitte der 1980er Jahre verursachte aber ebendiese Heuschreckenart einen derart grossflächigen Schaden, dass 5 Millionen Hektar Land in Senegal und den umliegenden Ländern mit giftigem Pestizid behandelt werden mussten, um die Ernährungssicherheit der Länder zu gewährleisten. Die senegalesische Heuschrecke wurde kurz darauf zum Hauptschädling der afrikanischen Sahelzone deklariert (Cease, Elser, Fenichel, et al., 2015). 

Forscherinnen und Forscher wollten darauf in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung in verschiedenen afrikanischen Ländern eine alternative Bekämpfungsmethode zur Pestizidbekämpfung erarbeiten. Sie fanden heraus, dass die senegalesische Heuschreckenart meist in landwirtschaftlichen Flächen, welche vom Menschen kultiviert werden, vorzufinden sind. Eine Studie zeigt auf, dass eine Verbindung zwischen degradiertem Grasland und den veränderten Ernährungsgewohnheiten der senegalesischen Heuschreckenart besteht (Ceccato, Cressman, Giannini & Trzaska, 2006). 

Wie entstehen Heuschreckenausbrüche?

Findet auf einer Fläche eine Überweidung durch Nutztiere statt, so fördert dies Heuschreckenausbrüche auf angsteinflössende Weise. Denn: Aufgrund der Bodendegradation sinkt der Stickstoffgehalt der Pflanzen. Durch die Senkung des Stickstoffes findet manche Heuschreckenart, unter anderem die senegalesische Heuschrecke, ideale Wachstumsbedingungen vor.

Eine mögliche Massnahme

Eine mögliche Massnahme wäre also, die Überweidung so gut wie möglich zu reduzieren, um die Regenerierung des Stickstoffes im Boden zu gewährleisten. Wenn sich der Boden erholt, so findet die senegalesische Heuschreckenart keine idealen Standortbedingungen mehr vor. Durch diesen Prozess können Heuschreckenplagen grossflächig minimiert werden (Lecoq, 2010). 

Fazit

Durch diese Massnahme kann die lokale Bevölkerung durch vermitteltes Wissen und das notwendige Verständnis aktiv an der Verminderung von Heuschreckenausbrüchen teilnehmen und Erfolgserlebnisse hautnah miterleben. Durch dieses Miteinbeziehen von Bäuerinnen und Bauern an Umsetzungsstrategien kann die Resilienz, also die Fähigkeit schwierige Lebenssituationen gut zu überstehen, gefestigt und gestärkt, sowie der psychische und physische Druck minimiert werden (Hannaford, 2018). 

Dieser Blog-Beitrag entstand im Rahmen des Bachelormoduls Welternährungssysteme des Studiengangs Umweltingenieurwesen am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW im Frühjahrssemester 2020.

Quellen

Cease, A. J., Elser, J. J., Fenichel, E. P., Hadrich, J. C., Harrison, J. F. & Robinson, B. E. (2015). Living With Locusts: Connecting Soil Nitrogen, Locust Outbreaks, Livelihoods, and Livestock Markets. BioScience65(6), 551–558. Oxford Academic. https://doi.org/10.1093/biosci/biv048

Ceccato, P., Cressman, K., Giannini, A. & Trzaska, S. (2006). The desert locust upsurge in West Africa (2003 – 2005): Information on the desert locust early warning system and the prospects for seasonal climate forecasting. International Journal of Pest Management53(1), 7–13. https://doi.org/10.1080/09670870600968826

Hannaford, M. J. (2018). Long-term drivers of vulnerability and resilience to drought in the Zambezi-Save area of southern Africa, 1505–1830. Global and Planetary Change166, 94–106. https://doi.org/10.1016/j.gloplacha.2018.05.001

Lecoq, M. (2010). Integrated Pest Management for Locusts and Grasshoppers: Are Alternatives to Chemical Pesticides Credible? *Journal of Orthoptera Research19(1), 131–132. https://doi.org/10.1665/034.019.0107

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