#SKAmp22 – Barcamp Soziokultur und digitaler Wandel

Von Michele Pizzera

Bild: Begrüssungsrunde. Über 40 Personen nahmen am #skamp2022 teil. © radarstation

Am 05.09.2022 fand #SKAmp22, das Barcamp zu Soziokultur und digitalem Wandel, statt. Im Karl:a der:die Grosse trafen sich rund 40 Personen aus der Soziokultur und der Sozialen Arbeit, um sich einen ganzen Tag über digitalen Wandel auszutauschen und darüber zu diskutieren. Organisiert und durchgeführt wurde das Barcamp vom Verein Radarstation, der Fachgruppe Digitale Medien und Jugendinfo vom Dachverband offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz DOJ und der Stiftung Soziokultur Schweiz.

Barcamp als dynamische und kreative Methode

Das Format des Barcamps stammt ursprünglich aus dem Feld der Software-Entwicklung. In diesem dynamischen und kreativen Gefäss begegnen sich Menschen, die sich für das gleiche Thema begeistern, auf Augenhöhe für den produktiven Austausch und die Entwicklung neuer Ideen. Für das Barcamp in Zürich bedeutete dies konkret, dass in der Anfangsrunde jede Person in maximal 30 Sekunden ein oder mehrere Themen für eine Session vorstellen konnte. Wurde dadurch das Interesse der Teilnehmenden geweckt, konnten diese ihr Interesse per Handheben bekunden. So wurde die Sessionsplanung rollend und effektiv während der Vorstellung gemacht.

Über den Tag verteilt fanden 13 Sessions à 45 Minuten statt, zu denen sich die Teilnehmenden jeweils in die verschiedenen Räume aufteilten. Die Sessiongebenden waren dabei frei, diese nach ihrer Vorstellung zu gestalten. Eine oder mehrere Personen meldeten sich jeweils für die Dokumentation, die von allen jederzeit einsehbar war. Weiter galt das Prinzip, dass die Teilnehmenden sich zwischen den Sessions jederzeit frei bewegen durften. So bestand die Freiheit, je nach Verlauf der Session, auch einmal aufzustehen und sich in einen anderen Raum zu setzen. In der Mittagspause bestand innerhalb des Sessionupdates die Möglichkeit, weitere Themen einzubringen oder bestehende Sessions zurückzuziehen oder zu modifizieren.

Bild: Während der Sessionplanung durften alle ihre Ideen innerhalb von maximal einer halben Minute pro Sessionidee präsentieren.
© radarstation

Themen und Erkenntnisse

Die bearbeiteten Themen waren äusserst vielfältig. So wurde beispielsweise in der Session zu hybriden Räumen nicht nur über die Wechselwirkung zwischen analogen und digitalen Räumen diskutiert, sondern auch wie die Soziokultur in diesen hybriden Räumen zwischen den verschiedenen Anspruchsgruppen Brücken bauen kann.

Ausgehend von der provokanten Frage, ob Medienkompetenz eine Grundvoraussetzung für das professionelle Handeln einer Fachperson in der Soziokultur sein müsse, wurde in einer anderen Session darüber debattiert, ob die Bereitschaft zum Lernen hier genüge, welche effektiven Fertigkeiten man mitbringen müsse und inwiefern Medienkompetenz ein Bestandteil der Ausbildung sein sollte.

In der Session zur digitalen Angebotsgestaltung wurden schliesslich Best-Practice-Beispiele gesammelt und diskutiert: TikTok-Accounts aus der Jugendarbeit, teilweise in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen; eine Online-Lernplattform eines Quartiers, auf welcher Bewohnende Angebote zur Verfügung stellen und nutzen können, oder die JugendApp der Jugendarbeit digital als Plattform zur Interaktion zwischen Jugendlichen und Stadträten. Eine wichtige Erkenntnis aus dieser Session ist, dass nicht alle neu erfunden werden muss. Viele Konzepte lassen sich problemlos vom Analogen ins Digitale übersetzen. Eine Warnung hallt in diesem Zusammenhang aber nach: «Wenn Sie einen Scheissprozess digitalisieren, haben Sie einen digitalen Scheissprozess.»

Bild: Über den Tag verteilt fanden 13 Sessions statt. © radarstation

Fazit

In der Abschlussrunde wurden die Erkenntnisse des Tages ausgetauscht und zusammengetragen. Die Wichtigkeit der digitalen Transformation zeigt sich nicht nur für die Soziokultur sondern generell für die ganze Soziale Arbeit. Fachpersonen sollen und dürfen sich klar dazu positionieren – auch wenn dies bedeute sich einzugestehen, (noch) nicht über entsprechendes Wissen und notwendige Kompetenzen zu verfügen. Zu einer Auseinandersetzungen mit der Thematik könne auch diese Einsicht führen.

Zum Schluss wurde sichtbar, dass bereits viel Wissen über digitale Transformation im Handlungsfeld vorhanden ist. Auch bestehen verschiedenste Projekte dazu, doch sind sie wenig gebündelt und erreichen dadurch eine vergleichsweise geringe Reichweite. Zukünftig gilt es also, vermehrt die inter- und intradisziplinäre Vernetzung der Thematik voranzutreiben, um Synergien zu entdecken und zu nutzen. Helfen kann dabei die Perspektive, dass die digitale Transformation ein Aspekt des lebenslangen Lernens ist; wir müssen und können nicht für jede damit zusammenhängende Herausforderung sofort eine Lösung haben, sondern dürfen uns diesen 1) aus einem Standpunkt der Unwissenheit 2) mit Kreativität 3) miteinander annehmen.

Bild: Eindruck aus einer Session. © radarstation
Wo nicht anders genannt, steht dieser Beitrag von Michele Pizzera Digital Campus / ZHAW Departement Soziale Arbeit unter der Lizenz CC BY 4.0 (Stand 26.09.2022)


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