Events

Rockstar der künstlichen Intelligenz eröffnet WINsights Symposium

Ein Mix aus hochaktuellen Themen rund um die Digitalisierung hat am WINsights Symposium 2020 für Hochspannung gesorgt. Eröffnet wurde das Symposium von Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber, Experte für Künstliche Intelligenz (KI). Schmidhubers Ziel: Eine sich selbst verbessernde KI bauen, die klüger ist als er selbst, um dann in Rente zu gehen. Doch wann wird dieser Zeitpunkt eintreten? Wann wird die KI den Menschen überholen? Diese und weitere Fragen zu KI, Usable Privacy, Robotic Process Automation sowie Digital Business Leaders und Diversity wurden rege diskutiert. Das diesjährige Symposium fand am 24. September 2020 mit rund 100 Personen online statt.

Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber hat das diesjährige WINsights Symposium eröffnet. Schmidhuber, wissenschaftlicher Direktor des Schweizer Forschungsinstitut für KI IDSIA, hat mit seiner Forschung die moderne Künstliche Intelligenz massgeblich geprägt und gilt als absolute Koryphäe auf diesem Gebiet. Er will eine sich selbst verbessernde KI bauen, die klüger ist als er selbst, um dann in Rente zu gehen. Schmidhuber ist überzeugt, dass uns der Durchbruch der KI noch bevorsteht. Ob der Durchbruch 10, 20 oder 100 Jahre dauern wird, lässt er offen. Ein grosses Potenzial für den Einsatz von KI sieht er in der Produktion bei der Automatisierung industrieller Prozesse. Es gehe darum, selbstlernende Systeme zu entwickeln. Diese Systeme sollen schnell und mit möglichst wenig Aufwand lernen, wie die wirkliche Welt funktioniert. Ziel dabei ist, neuartige Probleme zu lösen. Schliesslich dankte Schmidhuber dem Publikum, welches spannende Fragen gestellt hat zur Berechenbarkeit von Intelligenz, über die notwendige Rechenkraft für KI, über die Auswirkungen von Quantencomputer und dem Wesen von Bewusstsein.

Data Science – Ein rezeptpflichtiges Medikament

Den Veränderungsprozess einer Unternehmung am Leben zu erhalten, ist seit jeher eine Herkulesaufgabe. Erfahrungen aus der Wirtschaft zeigen, dass die erfolgreichen Unternehmen im Einsatz von Data Science nicht diejenigen sind, welche eine Exzellenz nach innen demonstrieren. Viel wichtiger sind Geschäftsmodelle, welche beim Endkonsumenten ein Erlebnis stiften. Viele Start-Ups sind darin erfolgreich, weil sie sich im Gegensatz zu grossen Organisationen nicht mit einer internen X-Komplexität auseinandersetzen müssen. Denn grosse Player sind nur dann erfolgreich, wenn sie sich in einen Start-Up Modus versetzen können. Die Praxis zeigt aber, dass auch eine fehlende oder falsche Unternehmenskultur verhindert, ins Unkonventionelle ausbrechen zu können. Beat Steiger, Innovation Manager und Strategic Advisory bei Blueocean Impact, hat in seinem Referat mit der Metapher eines «Digital Sherpas» aufgezeigt, dass es für exzeptionelle Ziele auch exzeptionelle Ansätze in der Umsetzung braucht. Man sollte nur Ansätze ausprobieren, welche als ein bewährtes Rezept gelten. Data Science ist so ein rezeptpflichtiges Medikament. Unternehmen sollten sich deshalb nicht auf eigenes Halbwissen verlassen, sondern neue Perspektiven einnehmen, das Neue erlernen oder sich mit guten Partnerschaften helfen lassen. Besuchen Sie den CAS Data Competence for Business, wenn Sie sich im Bereich Data Science für Unternehmen weiterbilden möchten.

Online Tracking – Rechtliche und ethische Anforderungen werden nicht immer erfüllt

Online-Tracking ist – auch in der Schweiz – ein weit verbreitetes Phänomen. Dies haben Dr. Nico Ebert und Kai Seidl-Nussbaumer in ihren Referaten deutlich aufgezeigt. Tracking erfolgt z.B. auf Webseiten, in Apps, Newslettern und in Betriebssystemen. Auf Webseiten als «Cookies» bezeichnet wird Tracking einerseits für die Gewährleistung der Funktionalität der Seiten, aber auch für die Personalisierung, Werbung und Social-Media genutzt. Oftmals sind Drittparteien wie Google oder Facebook involviert. In manchen Fällen ist eine Einwilligung seitens des Nutzers erforderlich, nicht immer erfüllt diese auf Webseiten in der Praxis jedoch rechtliche und ethische Anforderungen. Für die rechtskonforme Umsetzung des Online-Trackings müssen verschiedene Rechtsgrundlagen und Entscheide berücksichtigt werden. Wichtig ist, gemäss Dr. Nico Ebert, insbesondere zu beachten, wie stark die Regulierungsdichte im betroffenen Umfeld ist. Wenn Sie mehr zum Schutz personenbezogener Daten Wissen möchten, empfehlen wir den Weiterbildungskurs Privacy by Design.

Präsentation Usable Privacy

Robotic Process Automation – Einsatzgebiete und Vorteile auf einen Blick

Björn Scheppler hat in seiner Einführung ins Thema Robotic Process Automation (RPA) erklärt, was unter dem Begriff Robotic Process Automation zu verstehen ist und was typische Einsatzgebiete und Vorteile sind. Der Vorteil von Personaleinsparungen steht dabei im Hintergrund. Vielbedeutender seien die Qualitätssteigerungen und die Entlastung der Mitarbeitenden, welche durch den Einsatz von «roboterhaften» Tätigkeiten entstehen. Dies ist auch von Christina Koch bestätigt worden. Christina Koch ist Program Manager bei der Lufthansa Global Business Services. Basierend auf ihren Erfahrungen bei der Lufthansa zeigte sie unter anderem auf, dass das Implementieren erster Bots «so einfach ist, wie ein Haus zu bauen». Die Entwicklung einer professionellen RPA-Organisation sei hingegen so anspruchsvoll wie die Entwicklung einer Stadt. Das Thema PRA ist übrigens Bestandteil des CAS Prozessdigitalisierung.

Präsentation RPA

Digitale Transformation und Diversität im Lockdown

Der Track «Digital Business Leaders & Diversity» bot äusserst interaktiv inspirierende Einblicke. Dem Moderatorenteam des Instituts für Wirtschaftsinformatik, Chris Russ und Katja Kurz, gelang es den vier Gästen wertvolle Antworten zum Thema «Post Corona und Digitale Transformation» zu entlocken. Der Austausch hat sich besonders spannend gestaltet, weil die Gäste in sehr unterschiedlichen Branchen tätig sind – von der Versicherungsbranche über das Gesundheitswesen bis hin zur IT und weiteren Dienstleistungen für die Land- und Lebensmittelwirtschaft. Die Schlüsselerkenntnis: In besonderen Zeiten wie der Corona-Krise bedarf es einer achtsamen Priorisierung innerhalb der digitalen Transformation! Was ist spontan und dringlich und was bleibt wichtig, war bereits geplant und bleibt längerfristig bedeutsam?

Auf die Frage nach den Prioritäten zu Diversity in Tech erwähnten die Panelgäste ausschliesslich Positives und Innovatives. Gerade diverse Teams waren laut den Erfahrungen der Panelteilnehmer im Lockdown und nun im Weiteren offener für Veränderungen, flexibler im Umgang mit spontanen Neuerungen, motivierter und rascher im Adaptieren und Lösungen finden.

Präsentation Digital Business Leaders & Diversity

Wollen Sie am nächsten WINsights Symposium vom 11. März 2021 teilnehmen und somit die Gelegenheit nutzen, sich über aktuelle Themen rund um die Digitalisierung auszutauschen? Dann tragen Sie sich den Termin gleich in Ihren Kalender ein.

Ein Beitrag von Sandra Burdet.

Forschung

Kommunikation in virtuellen Räumen – Wie kann avatar- und agentenbasierte Kommunikation effektiver werden?

Die aktuellen Entwicklungen lassen uns schneller als erwartet spüren, wohin uns die fortschreitende Digitalisierung führen wird: Nicht nur die Art und Weise wie die Menschen untereinander kommunizieren ist im Wandel begriffen, auch mit wem wir kommunizieren, verändert sich. So trifft man in Chaträumen vermehrt auf künstliche Intelligenz. Gespräche finden nicht mehr nur zwischen Menschen statt, sondern auch zwischen Mensch und Maschine. Ziel eines aktuellen von der Hasler Stiftung finanzierten Forschungsprojektes am Institut für Wirtschaftsinformatik ist es, Design-Kriterien für eine effektive avatar- und agentenbasierte Kommunikation im Kontext des immersiven virtuellen Arbeitsraums zu evaluieren.

Verschmelzung von physischen und virtuellen Welten

Die Digitalisierung hat ihren Lauf genommen. Arbeitsplätze werden immer stärker virtualisiert. Die meisten unserer Kunden, Vorgesetzten und Kollegen haben wir noch nie physisch getroffen. Stattdessen trifft man sich virtuell in Chats oder Telefonkonferenzen.

Durch den Prozess der Digitalisierung ist es vorstellbar, dass die Kommunikation in Zukunft eine Mischung aus virtueller und erweiterter Realität sein wird. Die Mixed-Reality-Technologie ermöglicht die perfekte Verschmelzung der physischen und virtuellen Welt. Die physische Präsenz kann dabei durch eine vollständig immersive Erfahrung ersetzt werden. Avatare, die echte Menschen oder künstlich intelligente Software-Agenten repräsentieren, können miteinander in virtuellen oder Mixed-Reality- Welten kommunizieren.

Forschungsprojekt für die Evaluation von Design-Kriterien

Seit der Einführung der Telekommunikation und verteilter Systeme ist die Virtualisierung ein Schlüsselfaktor für die zunehmend vernetzte und globalisierte Wirtschaft. Es wurde eine Vielzahl von Technologien entwickelt, um die asynchrone und synchrone Zusammenarbeit in gemeinsamen virtuellen Umgebungen unabhängig von Raum und Zeit zu ermöglichen.

Ziel des von der Hasler Stiftung finanzierten Forschungsprojektes ist es, Design-Kriterien für eine effektive avatar- und agentenbasierte Kommunikation im Kontext des immersiven virtuellen Arbeitsraums zu evaluieren. Diese Herausforderungen können nicht allein mit technologischen Mitteln bewältigt werden, sondern erfordern Forschungsbeiträge aus verschiedenen Disziplinen wie Kunst & Design, Business Technology, Linguistik und Psychologie.

In der Ausgestaltung der computervermittelten Kommunikation liegt die Herausforderung insbesondere in der Simulation der sozialen Präsenz. Im Gegensatz zur ursprünglichen Form der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht, können in virtuellen Umgebungen verbale und non-verbale Informationen (z.B. Tonfall, Mimik, Gestik und Körperhaltung) nur gefiltert wahrgenommen werden. Dadurch ist es schwierig eine persönliche Beziehung in einem Gespräch aufzubauen und wahrzunehmen. Wie kann beispielsweise in einem virtualisierten medizinischen Gespräch Empathie für einen Patienten vermittelt werden? Wie lässt sich in einem Verkaufsgespräch im virtuellen Raum eine Beziehung aufbauen, um zum Abschluss zu kommen?

Die zunehmend realistische und immersive Mixed-Reality (MR)-Technologie scheint eine offensichtliche Lösung zu sein, um die Einschränkungen der computervermittelten Kommunikation zu überwinden.

Virtuelle Gesprächspartner mittels Motion Capturing Technologie

Um die Design-Kriterien zu evaluieren, wurde ein virtueller Raum erstellt, welcher die Kommunikation und Kollaboration zwischen einem von Menschenhand gesteuerten Avatar und einem agentengesteuerten Avatar ermöglicht. Da die Umsetzung eines Agenten viel Zeit erfordert, wurde für das Forschungsprojekt entschieden, dass der Agent von einer Person gespielt wird. Dabei werden die Bewegungen des Körpers sowie die Mimik der Person mittels Motion Capturing Technologie auf den Avatar des Agenten übertragen. Ziel ist es herauszufinden, über welches Spektrum an Mimik und Gestik der Avatar des Agenten verfügen muss, damit der Avatar von einem menschlichen Gegenüber als glaubwürdiger und wünschenswerter Gesprächspartner empfunden wird.

https://tube.switch.ch/videos/d10b8cf1

Neue Wege der verbalen und non-verbalen Kommunikation?

Das experimentelle Setting mittels Motion Capturing Technologie ermöglicht die Kommunikation zwischen einem Avatar und einem gespielten Agenten in einer virtuellen Umgebung. Auch wenn es noch Verbesserungspotentiale bei der Visualisierung und Animation des Avatars gibt, zeigen erste Testversuche, dass die Probanden sich durchaus vorstellen können, mit dem Avatar eines künstlich intelligenten Agenten zu kommunizieren.

Es ist also anzunehmen, dass die Kommunikation und Kollaboration in Zukunft nicht nur zwischen den Menschen zunehmend virtualisiert wird, sondern um die Kommunikation mit Software-Agenten in Gestalt von Avataren erweitert wird. Die wesentliche Frage, die unsere Forschung motiviert, ist, ob es sich dabei zwangsläufig um die Simulation einer zwischenmenschlichen Kommunikation handeln muss oder ob ganz neue Praktiken der verbalen und non-verbalen Kommunikation mit künstlich intelligenten Wesen entstehen werden.

Ein Beitrag von Benjamin Kühnis

Forschung

Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die Zukunftsfähigkeit der Autohäuser

«Im April 2020 wurden 9’382 neue Fahrzeuge in der Schweiz immatrikuliert – das entspricht einem Minus von 67,2% zum Vorjahr.» Solche Meldungen illustrieren die gegenwärtige prekäre Lage im automobilen Umfeld der Schweiz. Noch vor sechs Monaten hätten nur die wenigsten von uns gedacht, dass die Automobilbranche in die schlimmste Krise seit der Ölkrise 1973 schlittert und viele Autohäuser mit grossen Sorgen und Unsicherheiten in die Zukunft blicken…

Es mag für viele überraschend klingen, aber gemäss dem AGVS (Auto Gewerbe Verband Schweiz) hängt jeder achte Arbeitsplatz in der Schweiz direkt oder indirekt vom Auto ab. Mit 91’100 Personen arbeiten in der Automobilbranche in der Schweiz mehr als doppelt so viele Menschen wie zum Beispiel in der Pharmaindustrie.

Die Händlerbetriebe stehen aktuell vor zahlreichen Herausforderungen: Während des Lockdowns war es zwar möglich, Arbeiten im After-Sales-Bereich auszuführen, doch der Verkauf kam nahezu komplett zum Erliegen. Es wäre theoretisch möglich gewesen, Fahrzeuge online zu verkaufen und Kundinnen und Kunden digital zu beraten – etwa mit Hilfe von Zoom-Präsentationen. Doch die Konsumentinnen und Konsumenten waren nur in Ausnahmefällen in Kaufstimmung. Nach dem Lockdown stehen die Händler jetzt vor den nächsten Hürden: Die Produktionswerke müssen erst wieder hochgefahren werden, wodurch den Kundinnen und Kunden keine wirklich verlässlichen Lieferzeiten angegeben werden können.

Allein diese ausgewählten Aspekte zeigen klar auf, wie relevant es ist, den Einfluss der COVID-19-Krise auf die Automobilbranche näher zu untersuchen. Dieses Ziel verfolgen die beiden Dozenten Andreas Block und Mario Gellrich im Forschungsprojekt «Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die Zukunftsfähigkeit der Autohäuser». Der Fokus liegt auf der Frage, welche Ängste, Unsicherheiten, Sorgen, Zukunftsaussichten und Hoffnungen die Verantwortlichen in den Autohäusern aktuell beschäftigen. Das Projekt untersucht die Stimmung zu drei Zeitpunkten: Ende 2019, in der Zeit während des Lockdowns von März bis Mai und in der Zeit nach dem Lockdown. Die Forschungsergebnisse sollen Erkenntnisse dazu liefern, was die Autohäuser – aber auch die Importeure und die Politik – unternehmen müssen, um die Zukunftsfähigkeit der Autohäuser nachhaltig sicherzustellen.

Die Studie wird in den deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Landesteilen durchgeführt, um repräsentative Aussagen machen zu können und die Spezifika der Sprachregionen zu berücksichtigen. Angesichts der Aktualität des Themas hat sich zusätzlich die Option ergeben, durch eine Kooperation mit der Fachzeitschrift AUTOHAUS eine analoge Studie in Deutschland durchzuführen. Die Studienautoren arbeiten dabei mit dem identischen Fragenset, um die Ergebnisse auch länderübergreifend vergleichen zu können.

Eine Grobanalyse des Rücklaufs der ersten Fragebogen zeigt, dass die Autohäuser Ende 2019 die Zukunft für die kommenden 24 Monate trotz der Umweltdiskussion um die Individualmobilität noch sehr positiv sahen. Dieses Bild hat sich zwischenzeitlich stark geändert: Während im After Sales – der traditionell als «der Ertragsgarant» eines Autohauses gilt – die Zukunft tendenziell verhalten positiv gesehen wird, hat sich das Stimmungsbarometer im Verkaufsbereich deutlich abgekühlt. Interessant ist zudem die Erkenntnis, dass die Entscheidungstragenden rückblickend der Meinung sind, sie hätten in den vergangenen 24 Monaten im eigenen Betrieb den Aspekten «Strategieentwicklung», «Digitalisierung», «Verkaufsplanung und -steuerung» und «Aufbau neuer Geschäftsfelder» noch mehr Aufmerksamkeit widmen sollen. Die Projektverantwortlichen sind vor diesem Hintergrund schon sehr gespannt, wie das Bild aussehen wird, wenn sie das gesamte Datenset analysieren und in die Details einsteigen konnten.

Ein Beitrag von Dr. Andreas Block

Forschung

Förderung aus dem «Digital Futures Fund» – Institut für Wirtschaftsinformatik erfolgreich mit Digitalisierungsprojekten vertreten

Die aktuelle Situation beschleunigt die Digitalisierung an der ZHAW. Dies betrifft sowohl Forschung, Lehre und Wirtschaftsdienste als auch die gesamte Verwaltung, das Management, die Zusammenarbeit und den sonstigen Arbeitsalltag. Mit neuen Ideen im Bereich der digitalen Transformation möchte auch das Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI) seinen Beitrag dazu leisten, konkrete Herausforderungen im Zusammenhang mit der aktuellen Situation zu lösen. Neben der Studie zur Contact-Tracing-App werden drei weitere Projekte des IWI von ZHAW digital aus dem «Digital Futures Fund» gefördert:


Remote- und Hands-On Netzwerklabor

Die Vermittlung von Wissen zum Thema Netzwerksicherheit ist aufgrund der Vielschichtigkeit der Anforderungen an die Lernenden an sich schon anspruchsvoll. Ohne physische Interaktion mit einem Netzwerk stellt sie jedoch eine noch grössere Herausforderung dar: Es fehlt die Möglichkeit zum aktiven Experimentieren, das selbst mit virtualisierten Laborumgebungen, z.B. auf den privaten Computern der Studierenden, nur sehr eingeschränkt kompensiert werden kann. Im Rahmen des Projekts «Remote- und Hands-On-Netzwerklabor» soll ein «Proof-of-Concept-Prototyp» eines einfachen, aber leistungsstarken und skalierbaren physischen Netzwerklabors geschaffen werden, das sowohl aus der Ferne als auch «hands on» betrieben werden kann. Das System besteht aus mehreren vernetzten Knoten mit flexibel wählbarer Peripherie und ermöglicht unterschiedlichste Konfigurationen und damit variable Lernepisoden, die auf den Lehrplan von technischen und nicht technischen Studiengängen an der ZHAW abgestimmt werden können. Um den speziellen Anforderungen für den Einsatz des Labors in synchronen und asynchronen Lernszenarien auch bei gemischt-präsenten Lehrveranstaltungen Rechnung zu tragen, entwickeln die Projektverantwortlichen die notwendige Hardware selbst und sind damit auch in der Lage, flexibel auf alle Entwicklungen technischer und curricularer Art zu reagieren. Auf Basis des vielseitigen Raspberry-Pi-Compute-Modules entsteht eine modulare Systemlandschaft, die sowohl kabelgebundene als auch kabellose Netzwerkschnittstellen sowie Anschlussmöglichkeiten für Massenspeicher, Sensoren und vieles mehr bietet. Dadurch lässt sich eine Vielzahl von realistischen Szenarien aus unterschiedlichsten praktischen Einsatzbereichen in Unternehmen nachbilden. Zahlreiche Displays geben den Studierenden transparent den Betriebszustand wieder und ermöglichen ein leichteres Verständnis der Lerninhalte, die den Experimenten zugrunde liegen. Mit diesem Labor und seinen physischen Systemen können Studierende nicht nur «hands on» experimentieren – sei es in Übungsstunden vor Ort oder aus der Ferne über das Internet –, sondern auch eigene Experimente entwickeln und damit aktiv an der Evolution des Laborsystems teilhaben. Mittels Videoübertragung und Fernwartung können das Experiment und dessen Anzeigen jederzeit beobachtet werden.

Nach der erfolgreichen Erprobung des Proof-of-Concept-Prototyps wird das das Konzept über die Förderung hinaus langfristig weiter ausgebaut und fest in mehrere Vorlesungen integriert. Insgesamt bietet die hohe Flexibilität des Laborsystems den Studierenden einen Mehrwert sowohl im Präsenz- als auch im Distanz-  und «Mixedmode»-Unterricht und schafft auch für Lehrende erweiterte Ansätze für die Inhaltsvermittlung. Ganz nebenbei ist die ZHAW auch für eventuelle zukünftige Einschränkungen des Präsenzunterrichts gewappnet.

Projektleitung: Dr. Peter Heinrich

Non-verbal Communication in immersive Virtual Reality – “Affective avatars for ZHAW employees”

Im Gegensatz zu herkömmlichen Video- oder Telefonkonferenzsystemen (z.B. MS Teams, Zoom) bieten immersive virtuelle Meetings einen digitalen Raum, in dem die Teilnehmenden mehr tun können, als nur miteinander kommunizieren. Zusätzlich können sie sich bewegen und komplexere Formen der Zusammenarbeit durchführen, z.B. gemeinsam virtuelle Objekte manipulieren. Eine Herausforderung bei virtuellen Besprechungen ist die Effektivität der Kommunikation durch die fehlende soziale Präsenz. Effektive Kommunikation beruht auch auf nonverbalen Signalen wie Gestik, Mimik und Tonfall. Die heutigen Avatare sind jedoch nicht in der Lage, ihren physischen Zwilling als Ganzes zu repräsentieren. Insbesondere wird ein angemessenes nonverbales Verhalten für ernste Anwendungsfälle – d.h. über die Anwendung in einem Gaming-Kontext hinaus – und für komplexe Kommunikationsaufgaben nicht ausreichend unterstützt. Das Ziel des Projekts «Non-verbal Communication in immersive Virtual Reality» ist daher die Bereitstellung affektiver virtueller Avatare, die in der Lage sind, nonverbale Signale für eine effektivere Kommunikation in VR-Sitzungen zu vermitteln.

Projektleitung: Dr. Thomas Keller

ZHAW Digital Culture Assessment – ZHAWDigiCult

Mit dem Lockdown in der Coronakrise war die Information & Communication Technology (ICT) der ZHAW quasi «über Nacht» gefordert, notwendige Lösungen für den kontaktlosen Unterricht bereitzustellen oder aufzustocken. Wie hat sie das bewerkstelligt? War das Management darauf vorbereitet? Wie hat sich die ICT organisiert? Und welche Rolle spielte dabei die Organisationskultur?

Solchen Fragen geht das Projekt «ZHAW Digital Culture Assessment – ZHAWDigiCult» nach. Es basiert auf der Annahme, dass es einen Zusammenhang zwischen der vorherrschenden Unternehmenskultur und der Leistung der ICT gibt. In der ausserordentlichen Situation von COVID-19 spielt die Kultur eine besondere Rolle. Die Organisation muss rasch handeln und Risiken eingehen. Möglicherweise noch aufgeschobene Digitalisierungsvorhaben müssen sofort umgesetzt werden, auch wenn deren Auswirkungen noch weitgehend unklar sind. Schlagartig wird auch den Mitarbeitenden und Studierenden bewusst, dass eine gut funktionierende IT nicht einfach selbstverständlich ist. Bei allen Beteiligten braucht es spätestens jetzt einen digitalen «Mindset», um die Krise gemeinsam zu bewältigen.

Das Projekt verfolgt einen qualitativen Forschungsansatz. Es nimmt ein Stimmungsbild der digitalen Kultur an der ZHAW auf und will damit für die Unternehmenskultur und ihre Wirkung sensibilisieren. Die Analyse der aktuellen Situation kann zu einem besseren gegenseitigen Verständnis führen, sowohl für die Belange der ICT als auch für die Bedürfnisse der Organisation. Mit der Erkenntnis, welche Rolle das IT-Management in Krisenzeiten spielt und wie sich dies auf die gesamte Organisationskultur auswirkt, kann die ZHAW die Bewältigung der Coronakrise und zukünftiger ähnlicher Ereignisse optimieren.

Projektleitung: Marcel Sieber

Forschung

Gloco-Website – eine erfolgreiche Integrationsseminararbeit

Im Modul «Integrationsseminar» des Bachelor-Studiengangs Wirtschaftsinformatik erstellten drei Studierende einen Prototyp einer Webapplikation. Diese wird das Herzstück des Startups Gloco, das sich auf die Vermittlung von ortskundigen Tourenguides konzentriert. Die Gruppenarbeit ist ein erfreuliches Beispiel, wie Studierende Unternehmen helfen, Probleme zu lösen.

Von links nach rechts: Alex Frymann (Gründer Gloco); Jonas Hauser, Remo Semm und Fabian Kuhn (Studierende); Björn Scheppler (Betreuer Gruppenarbeit)

Alex Frymann ist Gründer des Zürcher Startups Gloco: Seine Tätigkeit als Tourenguide und seine gute Vernetzung in der Mountainbike-Szene brachten ihn auf die Idee, eine Online-Plattform anzubieten, um weltweit ortskundige Tourenguides sowohl mit interessierten Touristinnen und Touristen als auch mit Einheimischen zu vernetzen. Dabei verdient Gloco bei jeder gebuchten Tour an einer Vermittlungsgebühr.

Den entsprechenden Business Case hatte er im Rahmen seiner Bachelorarbeit als Betriebsökonom an der ZHAW ausgearbeitet. Als Betriebsökonom ist er prädestiniert für den Aufbau einer Unternehmung, nicht jedoch für den Aufbau einer Webapplikation. Daher kam er auf die Idee, dass Studierende der Wirtschaftsinformatik einen ersten Prototyp erstellen könnten.

Björn Scheppler vom Institut für Wirtschaftsinformatik schrieb das Thema im Rahmen des Integrationsseminars als Gruppenarbeit aus. Ein Dreier-Team bewarb sich darauf und leistete in nicht einmal 14 Wochen Gewaltiges:

Jonas Hauser war primär zuständig dafür, die Anforderungen an eine solche Plattform durch zwölf Interviews mit potenziellen Kunden zu vertiefen und am Ende den Prototypen zu validieren. Ein Ergebnis seiner Arbeit sind User Personas, wie die unten auszugsartig abgebildete. Jonas fasst seine Erfahrungen bei dieser Gruppenarbeit wie folgt zusammen: «Die explorativen Interviews haben uns ermöglicht, ein klares Bild der verschiedenen Kundengruppen zu entwerfen und die Plattform anhand von deren Bedürfnissen zu entwickeln. Die Validierung des Prototyps durch weitere Interviews ergab wertvolle Inputs zur Weiterentwicklung und Optimierung der Website. Vom Integrationsmodul bleiben mir die grossartige Zusammenarbeit innerhalb des Teams und die kurzen Kommunikationswege zwischen uns und dem Auftraggeber in Erinnerung. Auch bot sich die Möglichkeit, Alex bei der Verwirklichung seiner Idee zur Seite zu stehen, eine ausgezeichnete Gelegenheit, um im Studium gelernte Inhalte praktisch anzuwenden».

User Persona «Daniel der Entdecker» (Auszug)

Remo Semm entwickelte basierend auf den User Personas und den konkreten Anforderungen der befragten Personen die Benutzerführung und das Design der Webapplikation. Nach mehreren Iterationen erstellte er ein finales Design als Vorgabe für die Entwicklung, das auszugsweise unten abgebildet ist. Remo hat die Gruppenarbeit wie folgt in Erinnerung: «Das Grundgerüst für das Design wurde in einem 14-stündigen Sprint gelegt. Das Anpassen aufgrund der Testdurchläufe dauerte ein Vielfaches davon. Das vom Benutzer gewünschte Produkt ist oftmals weitaus simpler, als es der Designer zu Beginn im Kopf hat. Diese Erkenntnis werde ich als Grundsatz für meine nächsten Arbeiten im Hinterkopf behalten».

Ausschnitt des finalen Designs

Last but not least übernahm Fabian Kuhn die Umsetzung des Designs in einen funktionsfähigen Prototyp. Er entschied sich dabei für die unten abgebildete Systemarchitektur, die er in rund 5’000 Zeilen HTML, TypeScript, CSS und Java umsetzte. Aus der Gruppenarbeit mitgenommen hat Fabian Folgendes: «Es war eine echte Herausforderung, die Planung und Entwicklung der App stets auf das Kundenwohl auszurichten. Dieses Startup-Denken wird uns helfen, in Zukunft Hürden überwinden zu können».

Systemarchitektur der Gloco-Website

Die geleistete Arbeit übersteigt in Quantität und Qualität den Durchschnitt aller Integrationsseminar-Gruppen. Entsprechend schrieb Björn als Betreuer in seiner Würdigung unter anderem: «Die in meiner ZHAW-Karriere seit 2012 beste Gruppenarbeit, welche ich jemals betreuen durfte. Dass der Praxispartner seinerseits viel Zeit und Herzblut in die Begleitung der Arbeit gesteckt hat, förderte sicher die Motivation, aber forderte die Gruppe auch entsprechend heraus, ihr Bestes zu geben, was ihr durch und durch gelungen ist.»

Auch der Auftraggeber, Alex Frymann, ist entsprechend zufrieden: «Ich bin durch die ganze Arbeit gegangen und muss sagen, dass ich superstolz auf die Leistung bin. Es war für mich das beste Weihnachtsgeschenk, solch eine funktionierende Website zu erhalten!» Darauf angesprochen, wie es nun weitergeht, sagt Alex: «Nachdem die ersten offiziell gebuchten Touren allesamt hohen Anklang fanden, wird als nächster Schritt die Nutzergruppe „Coaches/Guides“ in die Website eingebunden. Sie wird somit ein grösseres Angebot bekommen und dadurch mehr potenzielle Kunden anziehen. Trotz der Covid-19-Krise bleibt das Ziel, möglichst viele Touren zu vollführen und erste Einnahmen zu generieren».

Haben Sie eine Idee aus der Praxis, bei der wir Sie mit unseren Studierenden unterstützen können? Fragen Sie unverbindlich bei den Mitarbeitenden unseres Instituts an.

Ein Beitrag von Björn Scheppler.

Forschung

Too much and too irrelevant: What do users really want to know about privacy?

Each of us is confronted with countless privacy notices every day and agrees to the practices described. Most likely we do not even notice this because the privacy information is hidden in long and cumbersome privacy policies. In order to inform users more specifically with more relevant information about privacy, it is first necessary to understand which information is relevant to users at all. Marketing traditionally asks users about their needs, so why not ask users about their needs for privacy information?

Researchers have recently suggested that a specific usage context should be considered to make privacy notices more relevant to users. Therefore, we asked users regarding their needs in very specific contexts. We conducted an explorative online survey of privacy concerns and privacy information preferences with 642 participants in Switzerland for two different contexts. The contexts are loyalty cards (e.g. Cumulus, Supercard or Ikea) and fitness tracking (e.g. Fitbit, Garmin, Apple Health).

First of all, privacy concerns were measured using a standardized scale (Concerns for Information Privacy) that distinguishes between concerns regarding unauthorized secondary use (e.g. data is provided to third parties without knowledge), improper access (e.g. a hacker gets access to the data), errors (e.g. processing errors) and collection (e.g. too much personal data is collected). In the figure below a concern level of four indicates a neutral position, while a lower score points to no concerns and a higher score points to higher concerns. This survey results indicate that people are most concerned regarding secondary use and improper access while error and collection seem to raise less concerns. The results vary only slightly between the loyalty cards vs. fitness tracking.

We also asked participants regarding the concrete information preferences that they have. To do so we used the information categories as proposed by the EU General Data Protection Regulation (GDPR). The figure below illustrates the preferences for different kind of information for the fitness tracking context for both users of fitness tracking and no-users. Participants had to agree if the considered a specific category of information as relevant. The measurement scale ranges from 1 (strongly disagree) to 5 (strongly agree) with 3 being neutral. In the figure the X axis starts with a level of 3 to better visualize the small differences. In addition to the bars the 95% confidence intervals are indicated at the end of each bar. Only when these do not overlap the findings are of statistical significance. As one can see the differences are very small. However, participants seem to consider information on their rights or categories of collected information more relevant than information on automated decisions or the data privacy contact persons.

As a next step towards more relevant privacy information it makes sense to consider concrete company examples. Most likely it will be easier for people to express the preferences when confronted with very concrete examples. For example, a retailer could take its existing privacy policy and ask consumers what they consider relevant and what they don’t. The company could then emphasize its communication on the more relevant parts.

This research was sponsored by the Hasler Foundation.

Full paper: Nico Ebert, Kurt Ackermann, Peter Heinrich: Does Context in Privacy Communication Really Matter? – A Survey on Consumer Concerns and Preferences, ACM Conference on Human Computer Interaction CHI 2020 (Honourable Mention Award, available at dl.acm.org)

By Nico Ebert.

Wirtschaftsinformatik allgemein

Jetzt für die Data Science Summer School anmelden

Die 4. Summer School zum Thema«How Data Science is shaping Banking and Fintech Industry» findet vom 3. bis 12. Juli 2020 in Bayonne, Frankreich statt. Sie ist für Studierende in höheren Semestern und Berufstätige gedacht, die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in Data Science vertiefen möchten. Zum erfolgreichen Abschluss gibt es 4 ECTS und ein Zertifikat.

Das Business Analytics Institute (BAI) und die IAE Pau-Bayonne, University School of Management führen zum dritten Mal die Summer School zum Thema «Practice of Data Science» durch. Die ZHAW ist Partnerin der Summer School und mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik und der School of Engineering vertreten.

In die Welt der KI und des maschinellen Lernens einzutauchen sowie die die erlernten Theorien an praktischen Beispielen anzuwenden, waren die prägenden Erfahrungen von Janick Spirig, Student der ZHAW. Er habe damit auch einen Einblick in die täglichen Aktivitäten eines Datenwissenschaftlers erhalten, so der letztjährige Teilnehmer weiter.

Die Summer School ist sowohl für Studierende der Wirtschaftsinformatik, der Betriebswirtschaftslehre und des Ingenieurwesens in höheren Semestern als auch für Berufstätige konzipiert. Die diesjährige Summerschool wird sich mit der Praxis der Datenwissenschaft anhand von Fallstudien, Workshops, Seminaren und Expertenaussagen aus dem Banken- und Finanzsektor widmen.

Sie erhalten spannende Eindrücke von den betriebswirtschaftlichen Auswirkungen aktueller Innovationen der Datenwissenschaften im Banking und der Fin-Tech Industrie. Die Summer School soll den Teilnehmenden ermöglichen, ihre praktischen Kenntnisse und Fähigkeiten in den Datenwissenschaften weiterzuentwickeln.

Neben Gastreferaten und Erfahrungsberichten von Praktikern, etwa von, kommt auch der Spass nicht zu kurz. Myra Kinalwa, Master-Studentin an der University of Derby, genoss auch die sozialen Aktivitäten, die eine grossartige Gelegenheit waren, einen Einblick in die lokale Kultur zu bekommen. Tatsächlich findet die BAI Summer School in einem der beliebtesten Reiseziele Europas statt. Die baskische Küste bietet atemberaubende Landschaften sowie Geschichte, Kultur und Freizeitaktivitäten für jeden Geschmack.   

Weitere Informationen und Anmeldung unter http://baisummer.com.

Ein Beitrag von Christian Hitz.

Events

Erfolg durch Diversity in IT: Wie geht das?

Unternehmen wissen heute um die Vorteile von Diversity und nehmen das Thema Vielfalt und Heterogenität unter Mitarbeitenden ernst. Dennoch scheinen sie oft an der praktischen Umsetzung zu scheitern. Woran liegt das? Und was braucht es wirklich, um in IT erfolgreich Vielfalt zu leben? Am WINsights-Symposium vom 12. März 2020 diskutieren wir mit Vorbildern praktische Handlungsfelder und mögliche Antworten.

Betrachtet man neueste Studien zu Solvenz und Diversität in Unternehmen, stösst man auf interessante Befunde: So stecken die Firmen mit dem höchsten Männeranteil häufiger in finanziellen Schwierigkeiten als andere. Auch Medien thematisieren immer wieder, dass der wirtschaftliche Erfolg im technischen Sektor und bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten von der aktiven Mitwirkung der Frauen abhängt. Das Beratungsunternehmen Gartner fordert sogar, dass sich IT-Führungspersonen bei der digitalen Transformation zwingend mit dem Thema Diversity und Inclusion auseinandersetzen müssen.

CIOs sind für das Thema Diversity genauso verantwortlich wie HR

Gleichzeitig gehören Schlagzeilen über den Mangel an weiblichen IT-Fachkräften nicht nur in der Deutschschweiz zum Alltag: Das Interesse der Mädchen und jungen Frauen an den MINT-Berufen ist offenbar über die letzten Jahre lediglich konstant geblieben oder sogar zurückgegangen. Wie aber sollen sie sich mit technischen Berufsbildern identifizieren können und Begeisterung dafür entwickeln, wenn ihnen ständig prophezeit wird, dass sie die einzige Frau im Team sein werden? Wo sind die Vorbilder und die Communities, die sie inspirieren?

Es ist auch höchste Zeit, darüber nachzudenken, welche Folgen die männliche Dominanz beispielsweise im Feld der künstlichen Intelligenz hat. Es kursieren Zahlen von Google und Facebook, die andeuten, dass der Frauenanteil der dortigen AI-Teams bei nicht einmal 15 Prozent liegt. Vermutlich sind es sogar kaum zehn Prozent. Schlägt sich diese Einseitigkeit in Denkmustern und Daten nieder? Werden so Geschlechterklischees verfestigt? Was bedeutet das für Unternehmen und für Konsumentinnen und Konsumenten?

Auch am World Economic Forum (WEF) wurde diskutiert, was wir gegen «biased data in AI» tun können. Denn wenn wir als Verbraucherinnen und Verbraucher neutrale Produkte haben wollen, brauchen wir gelebte Vielfalt und damit auch vorurteilfreies technisches Arbeiten im Unternehmen.

Was braucht es also, um Mädchen und junge Frauen selbstbewusst für Technologie zu begeistern? Und was braucht es generell, um das Potenzial unterschiedlichster Persönlichkeiten im Team anzuerkennen und zur Entfaltung zu bringen? Eigenschaften wie Sensibilität und Introvertiertheit beispielsweise gelten heutzutage immer noch eher als typisch weiblich oder gar als Mangel. Dabei sollten wir sie als genderneutrale und wertvolle Qualitäten sehen.

Liegt die Verantwortung für den notwendigen Einstellungswandel beim Elternhaus? Bei (Hoch)Schulen? Bei Unternehmen? Oder ausschliesslich an den Einzelnen?

Sicher ist bewusste Eigenverantwortung ein guter Startpunkt wie auch der Mut jedes einzelnen, mit den individuellen Qualitäten den eigenen Weg zu gehen. Zudem ist wichtig zu erkennen, dass nicht nur wir als Individuen in der Pflicht sind. Auch Unternehmen sind gefragt, ihren (zukünftigen) Mitarbeitenden eine gute Basis zu bieten, damit alle ihr Potenzial ausschöpfen können.

Es gibt unzählige Studien, Ratgeber, Seminare, Artikel und Blogs, die sich damit auseinandersetzen, wie Diversity gelingt: Offenbar ist das unter anderem dann der Fall, wenn es für Arbeitgebende und Arbeitnehmende immer selbstverständlicher wird, dass

  • wir auf genderneutrales Wording und die Strukturen achten,
  • wir allen eine Stimme im Meeting geben,
  • Communities, Coaching und Mentoring allgegenwärtig werden,
  • wir selbst flexibel und veränderungsbereit sind
  • und wir weg von generalisierten Aussagen und Stereotypen hin zu achtsamem Zuhören und Verstehen kommen

Um eine Diversity-Kultur in Technologie-Unternehmen erfolgreich aufzubauen und zu leben und auf diesem Weg Erfolge zu erreichen, braucht es also ein nachhaltiges und empathisches Miteinander von Eigen- und Arbeitgeberverantwortung.

Am WINsights-Symposium vom 12. März 2020 in Winterthur wollen wir uns im Thementrack «Erfolgsfaktor Diversity in Tech» mit beiden Seiten konkret beschäftigen und von denjenigen lernen, die im Wandel mutig vorangehen. Es kommen Persönlichkeiten zu Wort, die nicht nur die Veränderung (ver)suchen, sondern die selbst die Veränderung sind und das oben genannte Verhalten verinnerlicht haben. Als Teilnehmerin oder Teilnehmer können Sie neue Einsichten gewinnen zu Fragen wie:

  • Wie gehen wir mit unterschiedlichen Persönlichkeiten im Team erfolgreich um? 
  • Wie gelingt Mentoring/ Community Building? 
  • Wie rekrutieren wir erfolgreich und divers?

Wir freuen uns, Sie am WINsights-Symposium zu begrüssen.

Ein Beitrag von Katja Kurz.

Events

Robotic Process Automation am WINsights-Symposium 2020

Der Einsatz von Robotic Process Automation (RPA) in Unternehmen aller Branchen wird auch im Jahr 2020 zunehmen. Am WINsights-Symposium vom 12. März 2020 in Winterthur erläutern wir die Funktionsweise von RPA-Tools, deren Nutzen und Risiken sowie konkrete Beispiele aus Sicht der ZHAW, AXA und Swisscom.

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Die Bedeutung von RPA in Praxis und Forschung nimmt stetig zu. Das verdeutlichen folgende Fakten:

  • Laut dem Forschungs- und Beratungsunternehmen Gartner wuchs der RPA-Softwaremarkt allein 2018 um 63 Prozent, was ihn zum schnellstwachsenden Bereich im Unternehmenssoftwaremarkt macht.
  • Gartner und das Marktforschungsunternehmen Forrester prognostizieren für das kommende Jahr ein weiteres Wachstum.
  • Die Google-Suchanfragen für den Begriff «RPA» sind seit 2016 ziemlich kontinuierlich angestiegen (siehe untenstehende Abbildung).
  • 2018 erschienen gemäss der systematischen Literaturrecherche von Ivančić et al. rund viermal so viel wissenschaftliche Publikationen zum Thema wie 2017. Die Auswertung meiner eigenen Literaturdatenbank zeigt für 2019 eine weitere Zunahme.
Darstellung aufbereitet aus dieser Google-Trends-Abfrage.

Aber was ist Robotic Process Automation überhaupt? Falls Sie noch nie ein RPA-Tool im Einsatz gesehen haben, empfehle ich Ihnen dieses Video, das in nicht einmal 2 Minuten die zwei wesentlichen Einsatzformen von RPA anschaulich demonstriert: den «Attended Mode», in welchem der Softwareroboter (Robot) wie ein persönlicher Assistent im Tandem mit dem Menschen funktioniert, sowie den «Unattended Mode», in welchem Robots «unbeaufsichtigt» auf virtuellen Maschinen Arbeitsabläufe automatisch ausführen. In beiden Fällen übernehmen Robots typischerweise Tätigkeiten, die bis anhin von menschlichen Benutzerinnen und Benutzern ausgeführt wurden.

Im RPA-Track des WINsights-Symposiums werde ich anhand der Marktführer-Software «UiPath» einen Teilprozess live automatisieren, damit Sie sich besser vorstellen können, wie leicht oder anspruchsvoll eine Automatisierung mit RPA ist. Zudem zeigen Ihnen die RPA-Experten Daniel Henneke (Swisscom) und Robin Waech (AXA), wie sie RPA einsetzen und welche Auswirkungen dies auf interne (und externe) Kunden hat.

Nach einer Diskussion im Publikum verlassen Sie das WINsights-Symposium mit dem Wissen, was der Begriff RPA bedeutet, wie er sich von verwandten Begriffen abgrenzt, welche Anwendungsgebiete typisch sind, welchen Nutzen man sich erhofft, welche Risiken man fürchtet und wie sich RPA in Unternehmen auswirken kann.

WINsights Symposium 2020

Ein Beitrag von Björn Scheppler.

Events

DIGITAL FUTURES – Szenarien am Rande der technologischen Singularität

Wie lassen sich die Konsequenzen des technologischen Fortschritts erlebbar machen? Und wie kann auf einer gemeinsamen Basis ein breiter gesellschaftlicher Diskurs über Chancen und Risiken dieses Fortschritts geführt werden? Ein aktuelles Forschungsprojekt gibt mögliche Antworten auf diese Fragen.

Von Jules Verne bis zur Netflix-Serie «Black Mirror»: Zukunftsvisionen einer technologisierten Welt haben eine lange Tradition und üben eine grosse Faszination aus. Nicht selten zeichnen sie entweder ein sehr euphorisches oder beängstigendes Bild der Zukunft.

Um diese aktiv zu gestalten, braucht es aber vor allem einen breiten und konstruktiven gesellschaftlichen Diskurs. Eine sehr wertvolle Grundlage dafür sind immersive Szenarien, die verschiedene Alternativen denkbarer digitaler „Zukünfte“ in Virtual Reality erlebbar machen. Sie helfen Menschen dabei, sich einen Alltag am Rande der Technologischen Singularität ganz konkret vorzustellen, das heisst zu einem Zeitpunkt, an dem die technologische Entwicklung die menschliche überholt hat. Ausserdem erleichtern sie die Diskussion über verschiedenste Fragen: Wie sieht unser Leben mit intelligenten Maschinen aus, die Aufgaben gleich gut oder besser erledigen als Menschen? Wie erlebe ich eine medizinische Diagnose, die nicht mehr von einem Arzt, sondern von einer Maschine gestellt und übermittelt wird? Wie verläuft ein Bewerbungsgespräch, in dem eine künstliche Intelligenz mich beurteilt?

Mit «Digital Futures» konkrete Alltagssituationen in der Zukunft entwickeln und erleben

Das Forschungsvorhaben «Digital Futures» verfolgt das Ziel, mit einem interdisziplinären Ansatz solche immersive Szenarien für konkrete Alltagssituationen in der Zukunft zu entwickeln. In dem seit 2018 laufenden Projekt kooperieren mehrere Partner: das Institut für Wirtschaftsinformatik, das Zentrum für Human Capital Management und das Zentrum für Sozialrecht an der ZHAW School of Management and Law, das Departement Angewandte Linguistik der ZHAW und die Fachrichtung Knowledge Visualization der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Das Vorhaben soll einen Diskurs über mögliche Ausprägungen unserer digitalen Zukunft und deren Wünschbarkeit auslösen: Sowohl Laien wie auch Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Branchen und verschiedenen Disziplinen (Psychologie, Ethik, Soziologie etc.) sollen dank Immersive Virtual Reality die Rolle des distanzierten Betrachters verlassen und in konkrete Situationen eintauchen. Auf der Grundlage dieses gemeinsamen Erlebnisses sollen sie eine Diskussion führen, die Rahmenbedingungen oder im Idealfall konkrete Designkriterien für technologische Entwicklungen hervorbringt. Ein weiteres Ziel ist die explorative Erarbeitung und Verfeinerung eines Methodensets, das Gestaltende von Technologien in die Lage versetzt, sich kritisch mit den Konsequenzen des eigenen Schaffens auseinanderzusetzen. Dieses Methodenset kann im Rahmen von Lehre und Weiterbildung vermittelt werden und so Kompetenzen für die verantwortungsvolle Betrachtung und Gestaltung technologischer Innovationen schaffen.

Verschiedene Drehbücher für immersive Szenarien

In einem ersten Pilotprojekt wurde mit der ZHdK ein einfacher Prototyp implementiert, der ein Szenario aus der Welt des Personalwesens erlebbar macht: Nutzerinnen und Nutzer können aus der Perspektive eines Mitarbeitenden ein Assessment für ein Kaderprogramm durchlaufen. Einen wesentlichen Beitrag zu den Forschungsarbeiten rund um „Digital Futures“ leisten zudem studentische Einzel- und Gruppenarbeiten: So sind im Rahmen von sieben Abschlussarbeiten des Masterstudiengangs in Wirtschaftsinformatik an der ZHAW School of Management and Law Drehbücher für immersive Szenarien entstanden. Sie geben Situationen aus verschiedenen Bereichen wieder, beispielsweise eine politische Abstimmung, eine Anlageberatung oder ein Fussballspiel der Zukunft. Die Drehbücher beschreiben die Situationen dabei in jeweils verschiedenen Ausprägungen. Dabei geht es nicht darum, Prognosen oder normative Aussagen über eine wünschenswerte oder unerwünschte Zukunft zu machen, sondern solche Schlussfolgerungen sind dem Leser überlassen. Aktuell entstehen im Rahmen studentischer Arbeiten weitere multilineare Drehbücher sowie weitere VR-Prototypen.

Das Forschungsdesign und die Szenarien der MSc Studierenden sind als Working Paper verfügbar:«Digital Futures : Szenarien am Rande der Technologischen Singularität»

Möchten Sie einen Einblick in die beschriebenen Forschungsarbeiten erhalten und die Gelegenheit nutzen, selbst in die VR-Szenarien einzutauchen? Dann besuchen Sie den Thementrack „Digital Futures“ am WINsights Symposium am 12. März 2020 an der ZHAW in Winterthur.

ANSPRECHPARTNER:

Ein Beitrag von Elke Brucker-Kley.