Forschung

Einfluss der COVID-19-Pandemie auf die Zukunftsfähigkeit der Autohäuser in der Schweiz

Eine Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsinformatik zeigt, dass die Pandemie bisher ambivalente Auswirkungen auf die Schweizer Autohäuser hatte, und gibt Handlungsempfehlungen für die Zukunft.

Die Automobilwirtschaft hat für die Schweiz eine grosse Bedeutung, da jeder achte Arbeitsplatz direkt oder indirekt von ihr abhängt.  Im Jahr 2018 erzielten 19’861 Unternehmen des Automobilgewerbes inklusive der dazu gehörenden Dienstleister mit insgesamt 226’230 Mitarbeitenden einen Umsatz von 94,37 Mrd. Franken und damit 13,7 Prozent des BIP.

Aktuell sieht sich das Automobilgewerbe mit einer Phase des fundamentalen Wandels konfrontiert: Eine Studie von Bain & Company zur Zukunftsfähigkeit des Automobilhandels aus dem Jahr 2019 sieht fünf Megatrends, mit denen sich Importeure und Handel auseinandersetzen müssen: Konnektivität/Digitalisierung, Shared Mobility, Elektroantriebe, autonomes Fahren und echte Kundenorientierung. Mit der im Frühling 2020 beginnenden COVID-19-Pandemie wurde auch die Automobilbranche ohne Vorwarnung zusätzlich heftig getroffen: Auf dem Höhepunkt der ersten Welle wurde im April 2020 der Tiefpunkt mit 9’382 Neuimmatrikulationen und einem Minus von 67,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht. In keinem Monat seit der Ölkrise in den 1970er Jahren gab es weniger als 10’000 Neuimmatrikulationen in der Schweiz. Die COVID-19-Pandemie trifft die Unternehmen abgesehen von den gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen auf der Angebotsseite (z. B. durch ausfallende Warenlieferungen), der Nachfrageseite (z. B. durch sinkende Konsumenteneinkommen) und der Finanzseite (z. B. durch höhere Kreditrestriktionen).

Im Rahmen eines Forschungsprojektes am Institut für Wirtschaftsinformatik der ZHAW in Winterthur wurde untersucht, welchen Einfluss die COVID-19-Pandemie auf die Zukunftsfähigkeit der Autohäuser in der deutsch-, französisch- und italienischsprechenden Schweiz hat. Dazu wurden Autohäuser in der gesamten Schweiz im Zeitraum vom 23. Mai bis zum 15. Juni 2020 befragt. Insgesamt nahmen 259 Autohäuser an der Umfrage teil. Sie fokussierte explizit auf die drei Zeitpunkte Dezember 2019, Lockdown-Phase und Ende Lockdown im Mai 2020. Nachfolgend sind zentrale Ergebnisse zu den drei Phasen zusammengefasst.

Betrachtung Dezember 2019

Erhoben wurden die Einschätzungen zur Zukunftsfähigkeit im operativen Bereich (Verkauf, After Sales, Teile & Zubehör) sowie im Kompetenzbereich (Führung, Mitarbeitende, Digitalisierung). Über alle Teilbereiche hinweg beurteilten 65 Prozent der Autohäuser ihre Zukunftsfähigkeit positiv. Dabei zeigte sich, dass die Autohäuser in der Deutschschweiz ihre Zukunftsfähigkeit im Vergleich zur Romandie und zum Tessin positiver beurteilen. Ferner schätzten grosse Autohäuser ihre Zukunftsfähigkeit besser ein als mittlere und kleine. Betrachtet man die Einzelaspekte, so wird mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit die Mitarbeitendenkompetenz mit 81 Prozent am optimistischsten beurteilt, gefolgt vom Bereich After Sales mit 78 Prozent. Deutlich verhaltener ist der Optimismus mit 56 bzw. 54 Prozent in den Bereichen Digitalisierung und Verkauf. Hierzu dürfte wesentlich beigetragen haben, dass die Automobilbranche aktuell vor gravierenden Veränderungen steht, z. B. aufgrund der zunehmenden Digitalisierung oder der steigenden Bedeutung des Onlinevertriebs durch die Hersteller und Importeure.

Betrachtung Lockdown März bis Mai 2020

Am 16. März 2020 änderte sich die Situation für die Autohäuser in der Schweiz fundamental: Die Situation in der Schweiz wurde gemäss Epidemiengesetz neu als «ausserordentliche Lage» eingeschätzt. Für die Automobilbranche bedeutete dies unter anderem, dass nur noch die Werkstätten geöffnet bleiben durften unter strikter Einhaltung der Abstands- und Hygieneempfehlungen des BAG. Hingegen mussten alle Verkaufsräumlichkeiten bis auf weiteres geschlossen werden. Sie durften erst am 11. Mai 2020 unter Einhaltung eines Schutzkonzeptes wieder öffnen.

Die wichtigste Aufgabe der Führungskräfte im Autohaus war in dieser Zeit die Motivation der Mitarbeitenden: Für 79 Prozent der Befragten hatte sie eine sehr hohe Priorität. Interessanterweise war die Beschäftigung mit finanziellen Aspekten mit 49 Prozent von deutlich untergeordneter Wichtigkeit. Hierzu beigetragen haben dürfte zum einem die grossflächige Einführung von Kurzarbeit, die 74 Prozent der Autohäuser beanspruchten.  Zum anderen konnten KMU zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen einen COVID-19-Kredit von 10 Prozent des Jahresumsatzes bis max. 500’000 Franken beantragen.

Die Untersuchung beschäftigte sich weiter damit, wie zufrieden die Autohäuser mit der erhaltenen Unterstützung durch Importeure, Politik und Verbände waren. Hier zeigt sich ein uneinheitliches Bild: 46 Prozent der Autohäuser waren zufrieden mit der Unterstützung seitens der Verbände. So hat z. B. der AGVS auf seiner Homepage laufend aktuelle Berichte publiziert. Mit der Unterstützung durch die Politik waren 42 Prozent zufrieden. Ein Grund hierfür mag auch in der Unsicherheit liegen, wie das weitere Vorgehen im Rahmen der CO2-Vorgaben und der Elektromobilität ist. Am kritischsten wurde die Unterstützung durch die Importeure beurteilt, die lediglich von 23 Prozent der Autohäuser positiv wahrgenommen wurde. Eine statistische Analyse zeigte, dass es keine signifikanten Unterschiede nach Sprachregionen und Grössenklassen gibt mit Blick auf die erhaltenen Unterstützungen.

Betrachtung Zukunftsblick nach Ende Lockdown Mai 2020

Basierend auf den Erfahrungen während des Lockdowns interessierte die Studienautoren weiter, was die Autohäuser rückblickend anders gemacht hätten. Dabei zeigte sich, dass sie nur in sehr begrenztem Umfang anders gehandelt hätten. Mit 37 resp. 35 Prozent hätten die Autohäuser am ehesten mehr Fokus gelegt auf eine grössere Unabhängigkeit von den Importeuren und die konsequentere Auseinandersetzung mit der Digitalisierung.

Um eine Aussensicht einzubringen, analysierte die Studie im Folgeschritt, welche Unterstützungen seitens der Importeure und Politik aus Sicht der Autohäuser hilfreich wären zur nachhaltigen Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit. Obwohl die Finanzsituation während des Lockdowns gemäss der Einschätzung der Autohäuser nicht die zentrale Herausforderung war, werden in erster Linie von den Importeuren insbesondere Hilfen mit finanzunterstützendem Charakter gefordert. Unterstützungen zur Weiterentwicklung des eigenen Autohauses, z. B. im Rahmen des Business Managements spielen mit 23 Prozent lediglich eine untergeordnete Rolle. Gesamthaft betrachtet steigen die Anforderungen an die Importeure mit zunehmender Grösse des Autohauses. Im Gegensatz zu den Erwartungen an die Importeure stehen mit Blick auf erwartete Unterstützungen durch die Politik nicht zwingend direkte finanzielle Zuwendungen an das Autohaus im Vordergrund. Wichtigste Forderung ist für 54 Prozent der Autohäuser die Streckung der C02-Vorgaben.

Abschliessend wurden die Entscheidungstragenden gefragt, wie sie aktuell die Zukunftsfähigkeit ihres Autohauses einstufen (vgl. Abbildung 1). Auffallend im Vergleich zur Beurteilung vom Dezember 2019 sind insbesondere die nochmals pessimistischere Beurteilung des Bereiches Verkauf (-6 Prozent) und die deutlich positivere Beurteilung des Bereiches Digitalisierung (+5 Prozent). Hierzu beigetragen haben mit Sicherheit die Erfahrungen während des Lockdowns mit geschlossenen Verkaufsräumlichkeiten und die verstärkte Nutzung von Online-Kommunikationsmedien wie Zoom oder MS Teams.

Beurteilung Zukunftsfähigkeit Ende Lockdown Mai 2020 und Dezember 2019

Interessant war die Analyse, wie sich die Beurteilung der Zukunftsfähigkeit zu den beiden Zeitpunkten auf Ebene des individuellen Autohauses entwickelt hat. Sie wird gesamthaft ambivalent betrachtet: 50 Prozent sehen die Zukunft optimistischer, 43 Prozent skeptischer und 7 Prozent sehen keine Änderung. Hierbei wird die Zukunftsfähigkeit in der Deutschschweiz und der Romandie deutlich besser eingestuft als im Tessin. Ein möglicher Grund könnte darin liegen, dass das Tessin von der ersten Corona-Welle besonders stark betroffen war. Ein Hauptgrund für die positivere Einschätzung der Zukunftsfähigkeit bei vielen Autohäusern mag darin liegen, dass diese die aktuelle Krise als Chance sehen, um proaktiv das sich insgesamt stark ändernde Automobilumfeld anzugehen und sich so nachhaltig erfolgreich am Markt zu positionieren.

Zusammenfassung

Die COVID-19-Pandemie hat gemäss Einschätzung der Entscheidungstragenden die Zukunftsfähigkeit der Autohäuser nicht grundsätzlich verschlechtert. Es zeigt sich vielmehr ein ambivalentes Bild. Die Massnahmen der Politik zur Sicherstellung der Liquidität der Autohäuser haben ihr Ziel klar erreicht und die Liquiditätsfrage ist aktuell für die meisten Autohäuser nicht der zentrale Überlebensaspekt. Ferner sind gesamthaft betrachtet die Unterschiede der Ergebnisse nach Grössenklasse der Autohäuser bzw. nach Sprachregion geringer als dies hätte erwartet werden können.

Aus der Analyse der Studienergebnisse lassen sich verschiedene Handlungsempfehlungen ableiten: Den Autohäusern wird empfohlen, die eigene Unternehmensstrategie umfassend zu verifizieren mit besonderem Fokus auf die Beantwortung der Kernfrage: «Sind wir für das automobile Zukunftsumfeld umfassend gerüstet und welche Voraussetzungen müssen hierfür geschaffen werden?» Die Importeure müssen ihrerseits kritisch reflektieren, welche Unterstützungsformen für die Autohäuser nachhaltigen Erfolg haben. Hierfür ist ein ausgewogenes Verhältnis notwendig aus Massnahmen (i. d. R. finanzieller Natur) zur Sicherstellung der aktuellen Überlebensfähigkeit der Autohäuser und mittel- bis langfristigen Massnahmen zur Sicherstellung eines ausreichenden und kompetenten Händlernetzes. Der Politik kommen in erster Linie rahmenbildende Aufgaben zu: Die Automobilbranche benötigt einerseits verbindliche Leitlinien, welchen Stellenwert die landesweite Individualmobilität künftig haben soll. Andererseits muss weiterhin überprüft werden, ob und in welchem Umfang finanzielle Unterstützungen für die Autohäuser sinnvoll sind, um weitere mögliche Wellen der COVID-19-Pandemie bzw. ähnlich gelagerte Krisen zu überstehen.

Exkurs: Zeitraum Juni 2020 bis März 2021

Die COVID-19-Pandemie hat die Wirtschaft auch nach dem Ende des ersten Lockdowns weiter empfindlich getroffen und prägt bis zum heutigen Tag das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben.

Im Rahmen von qualitativen Interviews mit annähernd 40 Entscheidungstragenden von Autohäusern und Importeuren wurde untersucht, wie sich die Situation weiterentwickelt hat. Besonders interessierte dabei die Frage, ob die Zuversicht vieler Autohäuser in Bezug auf ihre Zukunft erhalten geblieben ist. Im Mai 2020 hörte man oft sinngemäss die Aussage «Wenn wir uns jetzt optimal aufstellen und die neuen Entwicklungen proaktiv antizipieren, gehen wir gestärkt aus der Krise hervor – da viele Autohäuser zu träge sind für den Wandel». Exakt dieser Sachverhalt hat sich inzwischen bestätigt: Zahlreiche Autohäuser hatten 2020 ergebnismässig das beste (!) Geschäftsjahr aller Zeiten. Hierfür wurden vier Hauptgründe ausgemacht: Erstens erfolgte eine viel konsequentere und zielgerichtetere Bearbeitung des eigenen Kundenstamms. Zweitens wurden Kundenprozesse und interne Prozesse digitalisiert. Drittens wurden mit der steigenden Relevanz der Elektromobilität neue Umsatzpotentiale ausgeschöpft. Und viertens wurde die Führungsverantwortung viel konsequenter wahrgenommen – auch im Hinblick darauf, dass das Team nicht resigniert und trotz der aktuellen Situation optimistisch an die Zukunft glaubt. 

Studienautoren

Andreas Block, Dr. oec. (HSG), ist Dozent am Institut für Wirtschaftsinformatik der ZHAW School of Management of Law

Anschrift: ZHAW School of Management and Law, Institut für Wirtschaftsinformatik, Theaterstrasse 17, CH-8401 Winterthur, Tel.: +41 (0)58 934 45 90, E-Mail: andreas.block@zhaw.ch

Mario Gellrich, Dr. rer. nat., ist Dozent am Institut für Wirtschaftsinformatik der ZHAW School of Management of Law

Anschrift: ZHAW School of Management and Law, Institut für Wirtschaftsinformatik, Theaterstrasse 17, CH-8401 Winterthur, Tel.: +41 (0)58 934 78 90, E-Mail: mario.gellrich@zhaw.ch

Christian Russ, Dr., ist Dozent am Institut für Wirtschaftsinformatik der ZHAW School of Management of Law

Anschrift: ZHAW School of Management and Law, Institut für Wirtschaftsinformatik, Theaterstrasse 17, CH-8401 Winterthur, Tel.: +41 (0)58 934 46 11, E-Mail: christian.russ@zhaw.ch


Forschung

Bolder is Better: Raising User Awareness through Salient and Concise Privacy Notices

Short presentation of the paper

Our ACM CHI 2021 paper addresses the question whether the recently proposed approach of concise privacy notices in apps and on websites is effective in raising user awareness. To assess the effectiveness in a realistic setting, we included concise notices in a fictitious but realistic fitness tracking app and asked participants recruited from an online panel to provide their feedback on the usability of the app as a cover story. Importantly, after giving feedback, users were also asked to recall the data practices described in the notices. The experimental setup included the variation of different levels of saliency and riskiness of the privacy notices. Based on a total sample of 2,274 participants, our findings indicate that concise privacy notices are indeed a promising approach to raise user awareness for privacy information when displayed in a salient way, especially in case the notices describe risky data practices. Our results may be helpful for regulators, user advocates and transparency-oriented companies in creating or enforcing better privacy transparency towards average users that do not read traditional privacy policies.

Preprint of the full paper: https://arxiv.org/abs/2101.08021

App prototype presented to the user: https://privacy-bits.org/

Study material: https://osf.io/kam3y/

Original text available here.

Text by Dr. Nico Ebert.

Forschung

Strategische Ausrichtung und Kultur der ZHAW-ICT als Erfolgsfaktoren zur Bewältigung des Lockdowns

Unterstützt vom ZHAW Digital Futures Fund (DFF) hat das Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI) eine qualitative Studie zu den Themen Business-IT-Alignment und Unternehmenskultur der ZHAW-ICT durchgeführt. Daraus abgeleitet wurden mögliche Erfolgsfaktoren zur Bewältigung der Herausforderungen während des Lockdowns im Frühling 2020.

Mit dem Lockdown während der ersten Corona-Welle im Frühling 2020 stellte die ZHAW quasi «über Nacht» von Präsenz- auf Online-Unterricht um. Die Umstellung bedeutete für alle Beteiligten einen enormen Kraftakt. Die Dozierenden hatten beispielsweise eine Woche Zeit, digitale Optionen auszuarbeiten und die Studierenden darüber zu informieren. Die Mitarbeitenden waren insgesamt angehalten, wenn möglich von zu Hause aus zu arbeiten und die Arbeitszeiten flexibel zu gestalten. Und die Information & Communication Technology der ZHAW (ZHAW-ICT) war gefordert, die notwendige Infrastruktur bereitzustellen. So wurde etwa innert weniger Tage für die Durchführung von Webinaren ZOOM lizenziert und implementiert.

Business-IT-Alignment und Rolle der Unternehmenskultur

Das Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI) hat die Situation qualitativ untersucht. Dabei ging es folgender Fragestellung nach: Wie erfolgskritisch ist das gegenseitige Verständnis von Business und IT bzw. die jeweilige, wechselseitige Ausrichtung, das sogenannte Business-IT-Alignment? Welche Rolle spielt dabei die Unternehmenskultur der ZHAW-ICT?

Im ersten Schritt wurden die Beschreibungen und Dokumente im Internet und Intranet analysiert. Gemäss eigenen Angaben spielt die ZHAW-ICT mit rund 100 Mitarbeitenden eine zentrale Rolle bei der Digitalisierung und der digitalen Transformation der ZHAW. Für die Umsetzung der ZHAW-Strategie 2025 entwickelt sie innovative Lösungen und unterstützt die Hochschule bei der Schaffung von strategischen Vorteilen gegenüber anderen Hochschulen. Dabei orientiert sie sich am Scaled Agile Framework (SAFe).

Im zweiten Schritt wurde ein Meinungsbild aufgenommen. Zu diesem Zweck wurden teilstrukturierte Interviews durchgeführt. Es wurden insgesamt 15 Personen befragt, darunter sechs Angestellte der ZHAW-ICT, zwei Angestellte aus verschiedenen Departementen, zwei Rektoratsangestellte, drei Studierende und zwei Dozierende.

Unterschiedliche Ansätze von Unternehmenskultur

Beim Kontext berichten die Befragten, dass sich die ZHAW-ICT schon vor der Corona-Pandemie strategisch neu ausgerichtet habe. Sie befinde sich seit Herbst 2019 in einer Umstrukturierung und in einem Transformationsprozess hin zu einer agilen Organisation.

Des weiteren wird beim oberen Management, d.h. bei der Hochschulleitung, eine deutliche Aussen- und Marktorientierung wahrgenommen.

Im mittleren Management ist es eine Mischung. Nach aussen dominiert die Technologieausrichtung und Innovationskultur, nach innen eine auf IT und Informationssysteme bezogene Clan-Kultur; eine Kultur, die wie eine grosse Familie zusammenhält und Probleme löst.

Auf operativer Ebene dominiert schliesslich die Innensicht auf Effizienz, Prozesse und Aufgabenerfüllung. Dazu passt eine stabilisierende, eher hierarchische Dienstleistungskultur.

Mögliche Erfolgsfaktoren zur Bewältigung der Herausforderungen

Zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der strategischen Ausrichtung und der Unternehmenskultur der ZHAW-ICT im Zuge von COVID-19 wurde eine qualitative Studie durchgeführt. Die Ergebnisse der Interviews mit verschiedenen Mitarbeitenden und Studierenden geben Hinweise auf mögliche Erfolgsfaktoren zur Bewältigung der Herausforderungen während des Lockdowns:

  • Auf strategischer Ebene unterstützen Alignment und Kultur trotz Krise die Umsetzung der Hochschulstrategie.
  • Auf taktischer Ebene gelingt mit einer angemessenen Risikobereitschaft und Fokussierung auf die eigenen Stärken die rasche Einführung und Anwendung neuer Technologien.
  • Damit allerdings die Umsetzung effizient erfolgt und ein reibungsloser Service gewährleistet werden kann, sind schliesslich auf operativer Ebene ein gewisses Mass an Stabilität und Kontrolle nötig.

Die Befunde der Studie sind als Hypothesen zu verstehen, welche in einem weiteren Schritt empirisch überprüft werden könnten.

Ein Beitrag von Marcel Sieber.

Forschung

The Psychology of Cookie Banners from a Data Privacy Perspective

Many Internet users inside and outside the European Union are very familiar with cookie banners: they pop up on websites, they are often annoying, and it is tedious to really deal with them. Having to state our data sharing and protection preferences over and over again is a questionable concept by itself. But even if we accept the concept of cookie banner as a matter of fact our behavior towards them seems paradox at a first glance.

It has long been known that some of the tracking techniques used are very privacy invasive (e.g. session replay, fingerprinting), behavioral data is exchanged between different websites, advertising marketers and social media operators and extensive user profiles are created. At the same time, the benefits of cookies appear to be minimal. Why should we be willing to support companies with our data for “usability”, “marketing” or “social media” purposes if we seem to get nothing in return? And yet we “accept all cookies” all the time…

There is obviously a conflict of interest for those that ask for our consent in our browsers: companies need our behavioral data, so why should websites actively help us to prevent data collection? On our smartphones, this conflict is resolved by the fact that the operating system acts as a proxy for our interests against the app’s other interests. Just imagine the “very convincing” user interface dialogue in which a freemium game itself would ask you for the permission to download your address book and photos of your daughter.

Having accepted this conflict of interest what is actually happening when we interact with a cookie banner? There are many theoretical ways to explain our behavior. While some theories assume rational behavior (e.g. weighting benefits vs. costs of accepting cookies), other don’t (e.g. nudging us to accept cookies by default settings and hard to find opt-out option). One explanation offers the protection motivation theory (PMT) from Rogers (1975) which does not assume rationality. PMT’s origin lies in disease and health prevention and it wants to facilitate a protection motivation (e.g. to quit smoking) by establishing a pervasive form of communication (e.g. creating fear with lung cancer photos on cigarette boxes, practical information on how to quit smoking).

Adapted Cognitive Mediating Process of the Protection Motivation Theory by Rogers (1983)

The figure shows the cognitive mediating process of the revised PMT from 1983 adapted to the field of cookie consent decision. Theoretically, a positive appraisal of the threats posed by cookies and the fear of cookies as well as a positive appraisal of the handling of cookies would lead to an individual motivation to protect oneself from cookies and ultimately result in the rejection of cookies. In practice, cookie dialogues try to avoid any kind of threat perception and fear creation. Information that could be alarming for privacy sensitive users is often many clicks away: that the site uses fingerprinting, session replays and shares your data with Tiktok is hidden deep within the cookie policy in legal language. Instead, sometimes even euphemisms are used in communication that refer to the cookies your grandma baked. While threat and fear are avoided, rewards for accepting cookies are mentioned: “help to improve the website” and “personalized offers”. The result is a negative thread appraisal.

Most people would agree that it is quite difficult to deal with cookie dialogs in such a way that all non-technically required cookies are rejected. Several recent studies have shown that the costs to declining cookies are high compared to accepting cookies. Costs can be measured in time, clicks, saliency of options to name a few. The “choice architecture” that describes how a cookie consent dialogues is designed is sometimes not in our favor. “Dark patterns” make it easy to “accept all” and make it difficult to “decline all”. The result is a negative coping appraisal.

Ultimately, negative coping and threat appraisal do not lead to a motivation for behavior to protect one’s privacy. As a result, also critical people click “accept all”.

For sure, many people wouldn’t perceive cookies as threats even if they would fully understand what data is collected and how it is used. Many people probably like personalized services and ads. Nobody is publicly known that has ever died of accepting cookies. However, maybe other people would decline cookies if they would be aware of threats and declining cookies was easier.

References

Floyd, D. L., Prentice‐Dunn, S., & Rogers, R. W. (2000). A meta‐analysis of research on protection motivation theory. Journal of applied social psychology, 30(2), 407–429.

Ruiter, R. A., Kessels, L. T., Peters, G. J. Y., & Kok, G. (2014). Sixty years of fear appeal research: Current state of the evidence. International journal of psychology, 49(2), 63–70.

Text by Dr. Nico Ebert

Original text available here.

Events

Rockstar der künstlichen Intelligenz eröffnet WINsights Symposium

Ein Mix aus hochaktuellen Themen rund um die Digitalisierung hat am WINsights Symposium 2020 für Hochspannung gesorgt. Eröffnet wurde das Symposium von Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber, Experte für Künstliche Intelligenz (KI). Schmidhubers Ziel: Eine sich selbst verbessernde KI bauen, die klüger ist als er selbst, um dann in Rente zu gehen. Doch wann wird dieser Zeitpunkt eintreten? Wann wird die KI den Menschen überholen? Diese und weitere Fragen zu KI, Usable Privacy, Robotic Process Automation sowie Digital Business Leaders und Diversity wurden rege diskutiert. Das diesjährige Symposium fand am 24. September 2020 mit rund 100 Personen online statt.

Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber hat das diesjährige WINsights Symposium eröffnet. Schmidhuber, wissenschaftlicher Direktor des Schweizer Forschungsinstitut für KI IDSIA, hat mit seiner Forschung die moderne Künstliche Intelligenz massgeblich geprägt und gilt als absolute Koryphäe auf diesem Gebiet. Er will eine sich selbst verbessernde KI bauen, die klüger ist als er selbst, um dann in Rente zu gehen. Schmidhuber ist überzeugt, dass uns der Durchbruch der KI noch bevorsteht. Ob der Durchbruch 10, 20 oder 100 Jahre dauern wird, lässt er offen. Ein grosses Potenzial für den Einsatz von KI sieht er in der Produktion bei der Automatisierung industrieller Prozesse. Es gehe darum, selbstlernende Systeme zu entwickeln. Diese Systeme sollen schnell und mit möglichst wenig Aufwand lernen, wie die wirkliche Welt funktioniert. Ziel dabei ist, neuartige Probleme zu lösen. Schliesslich dankte Schmidhuber dem Publikum, welches spannende Fragen gestellt hat zur Berechenbarkeit von Intelligenz, über die notwendige Rechenkraft für KI, über die Auswirkungen von Quantencomputer und dem Wesen von Bewusstsein.

Data Science – Ein rezeptpflichtiges Medikament

Den Veränderungsprozess einer Unternehmung am Leben zu erhalten, ist seit jeher eine Herkulesaufgabe. Erfahrungen aus der Wirtschaft zeigen, dass die erfolgreichen Unternehmen im Einsatz von Data Science nicht diejenigen sind, welche eine Exzellenz nach innen demonstrieren. Viel wichtiger sind Geschäftsmodelle, welche beim Endkonsumenten ein Erlebnis stiften. Viele Start-Ups sind darin erfolgreich, weil sie sich im Gegensatz zu grossen Organisationen nicht mit einer internen X-Komplexität auseinandersetzen müssen. Denn grosse Player sind nur dann erfolgreich, wenn sie sich in einen Start-Up Modus versetzen können. Die Praxis zeigt aber, dass auch eine fehlende oder falsche Unternehmenskultur verhindert, ins Unkonventionelle ausbrechen zu können. Beat Steiger, Innovation Manager und Strategic Advisory bei Blueocean Impact, hat in seinem Referat mit der Metapher eines «Digital Sherpas» aufgezeigt, dass es für exzeptionelle Ziele auch exzeptionelle Ansätze in der Umsetzung braucht. Man sollte nur Ansätze ausprobieren, welche als ein bewährtes Rezept gelten. Data Science ist so ein rezeptpflichtiges Medikament. Unternehmen sollten sich deshalb nicht auf eigenes Halbwissen verlassen, sondern neue Perspektiven einnehmen, das Neue erlernen oder sich mit guten Partnerschaften helfen lassen. Besuchen Sie den CAS Data Competence for Business, wenn Sie sich im Bereich Data Science für Unternehmen weiterbilden möchten.

Online Tracking – Rechtliche und ethische Anforderungen werden nicht immer erfüllt

Online-Tracking ist – auch in der Schweiz – ein weit verbreitetes Phänomen. Dies haben Dr. Nico Ebert und Kai Seidl-Nussbaumer in ihren Referaten deutlich aufgezeigt. Tracking erfolgt z.B. auf Webseiten, in Apps, Newslettern und in Betriebssystemen. Auf Webseiten als «Cookies» bezeichnet wird Tracking einerseits für die Gewährleistung der Funktionalität der Seiten, aber auch für die Personalisierung, Werbung und Social-Media genutzt. Oftmals sind Drittparteien wie Google oder Facebook involviert. In manchen Fällen ist eine Einwilligung seitens des Nutzers erforderlich, nicht immer erfüllt diese auf Webseiten in der Praxis jedoch rechtliche und ethische Anforderungen. Für die rechtskonforme Umsetzung des Online-Trackings müssen verschiedene Rechtsgrundlagen und Entscheide berücksichtigt werden. Wichtig ist, gemäss Dr. Nico Ebert, insbesondere zu beachten, wie stark die Regulierungsdichte im betroffenen Umfeld ist. Wenn Sie mehr zum Schutz personenbezogener Daten Wissen möchten, empfehlen wir den Weiterbildungskurs Privacy by Design.

Präsentation Usable Privacy

Robotic Process Automation – Einsatzgebiete und Vorteile auf einen Blick

Björn Scheppler hat in seiner Einführung ins Thema Robotic Process Automation (RPA) erklärt, was unter dem Begriff Robotic Process Automation zu verstehen ist und was typische Einsatzgebiete und Vorteile sind. Der Vorteil von Personaleinsparungen steht dabei im Hintergrund. Vielbedeutender seien die Qualitätssteigerungen und die Entlastung der Mitarbeitenden, welche durch den Einsatz von «roboterhaften» Tätigkeiten entstehen. Dies ist auch von Christina Koch bestätigt worden. Christina Koch ist Program Manager bei der Lufthansa Global Business Services. Basierend auf ihren Erfahrungen bei der Lufthansa zeigte sie unter anderem auf, dass das Implementieren erster Bots «so einfach ist, wie ein Haus zu bauen». Die Entwicklung einer professionellen RPA-Organisation sei hingegen so anspruchsvoll wie die Entwicklung einer Stadt. Das Thema PRA ist übrigens Bestandteil des CAS Prozessdigitalisierung.

Präsentation RPA

Digitale Transformation und Diversität im Lockdown

Der Track «Digital Business Leaders & Diversity» bot äusserst interaktiv inspirierende Einblicke. Dem Moderatorenteam des Instituts für Wirtschaftsinformatik, Chris Russ und Katja Kurz, gelang es den vier Gästen wertvolle Antworten zum Thema «Post Corona und Digitale Transformation» zu entlocken. Der Austausch hat sich besonders spannend gestaltet, weil die Gäste in sehr unterschiedlichen Branchen tätig sind – von der Versicherungsbranche über das Gesundheitswesen bis hin zur IT und weiteren Dienstleistungen für die Land- und Lebensmittelwirtschaft. Die Schlüsselerkenntnis: In besonderen Zeiten wie der Corona-Krise bedarf es einer achtsamen Priorisierung innerhalb der digitalen Transformation! Was ist spontan und dringlich und was bleibt wichtig, war bereits geplant und bleibt längerfristig bedeutsam?

Auf die Frage nach den Prioritäten zu Diversity in Tech erwähnten die Panelgäste ausschliesslich Positives und Innovatives. Gerade diverse Teams waren laut den Erfahrungen der Panelteilnehmer im Lockdown und nun im Weiteren offener für Veränderungen, flexibler im Umgang mit spontanen Neuerungen, motivierter und rascher im Adaptieren und Lösungen finden.

Präsentation Digital Business Leaders & Diversity

Wollen Sie am nächsten WINsights Symposium vom 11. März 2021 teilnehmen und somit die Gelegenheit nutzen, sich über aktuelle Themen rund um die Digitalisierung auszutauschen? Dann tragen Sie sich den Termin gleich in Ihren Kalender ein.

Ein Beitrag von Sandra Burdet.

Forschung

Kommunikation in virtuellen Räumen – Wie kann avatar- und agentenbasierte Kommunikation effektiver werden?

Die aktuellen Entwicklungen lassen uns schneller als erwartet spüren, wohin uns die fortschreitende Digitalisierung führen wird: Nicht nur die Art und Weise wie die Menschen untereinander kommunizieren ist im Wandel begriffen, auch mit wem wir kommunizieren, verändert sich. So trifft man in Chaträumen vermehrt auf künstliche Intelligenz. Gespräche finden nicht mehr nur zwischen Menschen statt, sondern auch zwischen Mensch und Maschine. Ziel eines aktuellen von der Hasler Stiftung finanzierten Forschungsprojektes am Institut für Wirtschaftsinformatik ist es, Design-Kriterien für eine effektive avatar- und agentenbasierte Kommunikation im Kontext des immersiven virtuellen Arbeitsraums zu evaluieren.

Verschmelzung von physischen und virtuellen Welten

Die Digitalisierung hat ihren Lauf genommen. Arbeitsplätze werden immer stärker virtualisiert. Die meisten unserer Kunden, Vorgesetzten und Kollegen haben wir noch nie physisch getroffen. Stattdessen trifft man sich virtuell in Chats oder Telefonkonferenzen.

Durch den Prozess der Digitalisierung ist es vorstellbar, dass die Kommunikation in Zukunft eine Mischung aus virtueller und erweiterter Realität sein wird. Die Mixed-Reality-Technologie ermöglicht die perfekte Verschmelzung der physischen und virtuellen Welt. Die physische Präsenz kann dabei durch eine vollständig immersive Erfahrung ersetzt werden. Avatare, die echte Menschen oder künstlich intelligente Software-Agenten repräsentieren, können miteinander in virtuellen oder Mixed-Reality- Welten kommunizieren.

Forschungsprojekt für die Evaluation von Design-Kriterien

Seit der Einführung der Telekommunikation und verteilter Systeme ist die Virtualisierung ein Schlüsselfaktor für die zunehmend vernetzte und globalisierte Wirtschaft. Es wurde eine Vielzahl von Technologien entwickelt, um die asynchrone und synchrone Zusammenarbeit in gemeinsamen virtuellen Umgebungen unabhängig von Raum und Zeit zu ermöglichen.

Ziel des von der Hasler Stiftung finanzierten Forschungsprojektes ist es, Design-Kriterien für eine effektive avatar- und agentenbasierte Kommunikation im Kontext des immersiven virtuellen Arbeitsraums zu evaluieren. Diese Herausforderungen können nicht allein mit technologischen Mitteln bewältigt werden, sondern erfordern Forschungsbeiträge aus verschiedenen Disziplinen wie Kunst & Design, Business Technology, Linguistik und Psychologie.

In der Ausgestaltung der computervermittelten Kommunikation liegt die Herausforderung insbesondere in der Simulation der sozialen Präsenz. Im Gegensatz zur ursprünglichen Form der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht, können in virtuellen Umgebungen verbale und non-verbale Informationen (z.B. Tonfall, Mimik, Gestik und Körperhaltung) nur gefiltert wahrgenommen werden. Dadurch ist es schwierig eine persönliche Beziehung in einem Gespräch aufzubauen und wahrzunehmen. Wie kann beispielsweise in einem virtualisierten medizinischen Gespräch Empathie für einen Patienten vermittelt werden? Wie lässt sich in einem Verkaufsgespräch im virtuellen Raum eine Beziehung aufbauen, um zum Abschluss zu kommen?

Die zunehmend realistische und immersive Mixed-Reality (MR)-Technologie scheint eine offensichtliche Lösung zu sein, um die Einschränkungen der computervermittelten Kommunikation zu überwinden.

Virtuelle Gesprächspartner mittels Motion Capturing Technologie

Um die Design-Kriterien zu evaluieren, wurde ein virtueller Raum erstellt, welcher die Kommunikation und Kollaboration zwischen einem von Menschenhand gesteuerten Avatar und einem agentengesteuerten Avatar ermöglicht. Da die Umsetzung eines Agenten viel Zeit erfordert, wurde für das Forschungsprojekt entschieden, dass der Agent von einer Person gespielt wird. Dabei werden die Bewegungen des Körpers sowie die Mimik der Person mittels Motion Capturing Technologie auf den Avatar des Agenten übertragen. Ziel ist es herauszufinden, über welches Spektrum an Mimik und Gestik der Avatar des Agenten verfügen muss, damit der Avatar von einem menschlichen Gegenüber als glaubwürdiger und wünschenswerter Gesprächspartner empfunden wird.

https://tube.switch.ch/videos/d10b8cf1

Neue Wege der verbalen und non-verbalen Kommunikation?

Das experimentelle Setting mittels Motion Capturing Technologie ermöglicht die Kommunikation zwischen einem Avatar und einem gespielten Agenten in einer virtuellen Umgebung. Auch wenn es noch Verbesserungspotentiale bei der Visualisierung und Animation des Avatars gibt, zeigen erste Testversuche, dass die Probanden sich durchaus vorstellen können, mit dem Avatar eines künstlich intelligenten Agenten zu kommunizieren.

Es ist also anzunehmen, dass die Kommunikation und Kollaboration in Zukunft nicht nur zwischen den Menschen zunehmend virtualisiert wird, sondern um die Kommunikation mit Software-Agenten in Gestalt von Avataren erweitert wird. Die wesentliche Frage, die unsere Forschung motiviert, ist, ob es sich dabei zwangsläufig um die Simulation einer zwischenmenschlichen Kommunikation handeln muss oder ob ganz neue Praktiken der verbalen und non-verbalen Kommunikation mit künstlich intelligenten Wesen entstehen werden.

Ein Beitrag von Benjamin Kühnis

Forschung

Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die Zukunftsfähigkeit der Autohäuser (Teil 1)

«Im April 2020 wurden 9’382 neue Fahrzeuge in der Schweiz immatrikuliert – das entspricht einem Minus von 67,2% zum Vorjahr.» Solche Meldungen illustrieren die gegenwärtige prekäre Lage im automobilen Umfeld der Schweiz. Noch vor sechs Monaten hätten nur die wenigsten von uns gedacht, dass die Automobilbranche in die schlimmste Krise seit der Ölkrise 1973 schlittert und viele Autohäuser mit grossen Sorgen und Unsicherheiten in die Zukunft blicken…

Es mag für viele überraschend klingen, aber gemäss dem AGVS (Auto Gewerbe Verband Schweiz) hängt jeder achte Arbeitsplatz in der Schweiz direkt oder indirekt vom Auto ab. Mit 91’100 Personen arbeiten in der Automobilbranche in der Schweiz mehr als doppelt so viele Menschen wie zum Beispiel in der Pharmaindustrie.

Die Händlerbetriebe stehen aktuell vor zahlreichen Herausforderungen: Während des Lockdowns war es zwar möglich, Arbeiten im After-Sales-Bereich auszuführen, doch der Verkauf kam nahezu komplett zum Erliegen. Es wäre theoretisch möglich gewesen, Fahrzeuge online zu verkaufen und Kundinnen und Kunden digital zu beraten – etwa mit Hilfe von Zoom-Präsentationen. Doch die Konsumentinnen und Konsumenten waren nur in Ausnahmefällen in Kaufstimmung. Nach dem Lockdown stehen die Händler jetzt vor den nächsten Hürden: Die Produktionswerke müssen erst wieder hochgefahren werden, wodurch den Kundinnen und Kunden keine wirklich verlässlichen Lieferzeiten angegeben werden können.

Allein diese ausgewählten Aspekte zeigen klar auf, wie relevant es ist, den Einfluss der COVID-19-Krise auf die Automobilbranche näher zu untersuchen. Dieses Ziel verfolgen die beiden Dozenten Andreas Block und Mario Gellrich im Forschungsprojekt «Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die Zukunftsfähigkeit der Autohäuser». Der Fokus liegt auf der Frage, welche Ängste, Unsicherheiten, Sorgen, Zukunftsaussichten und Hoffnungen die Verantwortlichen in den Autohäusern aktuell beschäftigen. Das Projekt untersucht die Stimmung zu drei Zeitpunkten: Ende 2019, in der Zeit während des Lockdowns von März bis Mai und in der Zeit nach dem Lockdown. Die Forschungsergebnisse sollen Erkenntnisse dazu liefern, was die Autohäuser – aber auch die Importeure und die Politik – unternehmen müssen, um die Zukunftsfähigkeit der Autohäuser nachhaltig sicherzustellen.

Die Studie wird in den deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Landesteilen durchgeführt, um repräsentative Aussagen machen zu können und die Spezifika der Sprachregionen zu berücksichtigen. Angesichts der Aktualität des Themas hat sich zusätzlich die Option ergeben, durch eine Kooperation mit der Fachzeitschrift AUTOHAUS eine analoge Studie in Deutschland durchzuführen. Die Studienautoren arbeiten dabei mit dem identischen Fragenset, um die Ergebnisse auch länderübergreifend vergleichen zu können.

Eine Grobanalyse des Rücklaufs der ersten Fragebogen zeigt, dass die Autohäuser Ende 2019 die Zukunft für die kommenden 24 Monate trotz der Umweltdiskussion um die Individualmobilität noch sehr positiv sahen. Dieses Bild hat sich zwischenzeitlich stark geändert: Während im After Sales – der traditionell als «der Ertragsgarant» eines Autohauses gilt – die Zukunft tendenziell verhalten positiv gesehen wird, hat sich das Stimmungsbarometer im Verkaufsbereich deutlich abgekühlt. Interessant ist zudem die Erkenntnis, dass die Entscheidungstragenden rückblickend der Meinung sind, sie hätten in den vergangenen 24 Monaten im eigenen Betrieb den Aspekten «Strategieentwicklung», «Digitalisierung», «Verkaufsplanung und -steuerung» und «Aufbau neuer Geschäftsfelder» noch mehr Aufmerksamkeit widmen sollen. Die Projektverantwortlichen sind vor diesem Hintergrund schon sehr gespannt, wie das Bild aussehen wird, wenn sie das gesamte Datenset analysieren und in die Details einsteigen konnten.

Ein Beitrag von Dr. Andreas Block

Forschung

Förderung aus dem «Digital Futures Fund» – Institut für Wirtschaftsinformatik erfolgreich mit Digitalisierungsprojekten vertreten

Die aktuelle Situation beschleunigt die Digitalisierung an der ZHAW. Dies betrifft sowohl Forschung, Lehre und Wirtschaftsdienste als auch die gesamte Verwaltung, das Management, die Zusammenarbeit und den sonstigen Arbeitsalltag. Mit neuen Ideen im Bereich der digitalen Transformation möchte auch das Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI) seinen Beitrag dazu leisten, konkrete Herausforderungen im Zusammenhang mit der aktuellen Situation zu lösen. Neben der Studie zur Contact-Tracing-App werden drei weitere Projekte des IWI von ZHAW digital aus dem «Digital Futures Fund» gefördert:


Remote- und Hands-On Netzwerklabor

Die Vermittlung von Wissen zum Thema Netzwerksicherheit ist aufgrund der Vielschichtigkeit der Anforderungen an die Lernenden an sich schon anspruchsvoll. Ohne physische Interaktion mit einem Netzwerk stellt sie jedoch eine noch grössere Herausforderung dar: Es fehlt die Möglichkeit zum aktiven Experimentieren, das selbst mit virtualisierten Laborumgebungen, z.B. auf den privaten Computern der Studierenden, nur sehr eingeschränkt kompensiert werden kann. Im Rahmen des Projekts «Remote- und Hands-On-Netzwerklabor» soll ein «Proof-of-Concept-Prototyp» eines einfachen, aber leistungsstarken und skalierbaren physischen Netzwerklabors geschaffen werden, das sowohl aus der Ferne als auch «hands on» betrieben werden kann. Das System besteht aus mehreren vernetzten Knoten mit flexibel wählbarer Peripherie und ermöglicht unterschiedlichste Konfigurationen und damit variable Lernepisoden, die auf den Lehrplan von technischen und nicht technischen Studiengängen an der ZHAW abgestimmt werden können. Um den speziellen Anforderungen für den Einsatz des Labors in synchronen und asynchronen Lernszenarien auch bei gemischt-präsenten Lehrveranstaltungen Rechnung zu tragen, entwickeln die Projektverantwortlichen die notwendige Hardware selbst und sind damit auch in der Lage, flexibel auf alle Entwicklungen technischer und curricularer Art zu reagieren. Auf Basis des vielseitigen Raspberry-Pi-Compute-Modules entsteht eine modulare Systemlandschaft, die sowohl kabelgebundene als auch kabellose Netzwerkschnittstellen sowie Anschlussmöglichkeiten für Massenspeicher, Sensoren und vieles mehr bietet. Dadurch lässt sich eine Vielzahl von realistischen Szenarien aus unterschiedlichsten praktischen Einsatzbereichen in Unternehmen nachbilden. Zahlreiche Displays geben den Studierenden transparent den Betriebszustand wieder und ermöglichen ein leichteres Verständnis der Lerninhalte, die den Experimenten zugrunde liegen. Mit diesem Labor und seinen physischen Systemen können Studierende nicht nur «hands on» experimentieren – sei es in Übungsstunden vor Ort oder aus der Ferne über das Internet –, sondern auch eigene Experimente entwickeln und damit aktiv an der Evolution des Laborsystems teilhaben. Mittels Videoübertragung und Fernwartung können das Experiment und dessen Anzeigen jederzeit beobachtet werden.

Nach der erfolgreichen Erprobung des Proof-of-Concept-Prototyps wird das das Konzept über die Förderung hinaus langfristig weiter ausgebaut und fest in mehrere Vorlesungen integriert. Insgesamt bietet die hohe Flexibilität des Laborsystems den Studierenden einen Mehrwert sowohl im Präsenz- als auch im Distanz-  und «Mixedmode»-Unterricht und schafft auch für Lehrende erweiterte Ansätze für die Inhaltsvermittlung. Ganz nebenbei ist die ZHAW auch für eventuelle zukünftige Einschränkungen des Präsenzunterrichts gewappnet.

Projektleitung: Dr. Peter Heinrich

Non-verbal Communication in immersive Virtual Reality – “Affective avatars for ZHAW employees”

Im Gegensatz zu herkömmlichen Video- oder Telefonkonferenzsystemen (z.B. MS Teams, Zoom) bieten immersive virtuelle Meetings einen digitalen Raum, in dem die Teilnehmenden mehr tun können, als nur miteinander kommunizieren. Zusätzlich können sie sich bewegen und komplexere Formen der Zusammenarbeit durchführen, z.B. gemeinsam virtuelle Objekte manipulieren. Eine Herausforderung bei virtuellen Besprechungen ist die Effektivität der Kommunikation durch die fehlende soziale Präsenz. Effektive Kommunikation beruht auch auf nonverbalen Signalen wie Gestik, Mimik und Tonfall. Die heutigen Avatare sind jedoch nicht in der Lage, ihren physischen Zwilling als Ganzes zu repräsentieren. Insbesondere wird ein angemessenes nonverbales Verhalten für ernste Anwendungsfälle – d.h. über die Anwendung in einem Gaming-Kontext hinaus – und für komplexe Kommunikationsaufgaben nicht ausreichend unterstützt. Das Ziel des Projekts «Non-verbal Communication in immersive Virtual Reality» ist daher die Bereitstellung affektiver virtueller Avatare, die in der Lage sind, nonverbale Signale für eine effektivere Kommunikation in VR-Sitzungen zu vermitteln.

Projektleitung: Dr. Thomas Keller

ZHAW Digital Culture Assessment – ZHAWDigiCult

Mit dem Lockdown in der Coronakrise war die Information & Communication Technology (ICT) der ZHAW quasi «über Nacht» gefordert, notwendige Lösungen für den kontaktlosen Unterricht bereitzustellen oder aufzustocken. Wie hat sie das bewerkstelligt? War das Management darauf vorbereitet? Wie hat sich die ICT organisiert? Und welche Rolle spielte dabei die Organisationskultur?

Solchen Fragen geht das Projekt «ZHAW Digital Culture Assessment – ZHAWDigiCult» nach. Es basiert auf der Annahme, dass es einen Zusammenhang zwischen der vorherrschenden Unternehmenskultur und der Leistung der ICT gibt. In der ausserordentlichen Situation von COVID-19 spielt die Kultur eine besondere Rolle. Die Organisation muss rasch handeln und Risiken eingehen. Möglicherweise noch aufgeschobene Digitalisierungsvorhaben müssen sofort umgesetzt werden, auch wenn deren Auswirkungen noch weitgehend unklar sind. Schlagartig wird auch den Mitarbeitenden und Studierenden bewusst, dass eine gut funktionierende IT nicht einfach selbstverständlich ist. Bei allen Beteiligten braucht es spätestens jetzt einen digitalen «Mindset», um die Krise gemeinsam zu bewältigen.

Das Projekt verfolgt einen qualitativen Forschungsansatz. Es nimmt ein Stimmungsbild der digitalen Kultur an der ZHAW auf und will damit für die Unternehmenskultur und ihre Wirkung sensibilisieren. Die Analyse der aktuellen Situation kann zu einem besseren gegenseitigen Verständnis führen, sowohl für die Belange der ICT als auch für die Bedürfnisse der Organisation. Mit der Erkenntnis, welche Rolle das IT-Management in Krisenzeiten spielt und wie sich dies auf die gesamte Organisationskultur auswirkt, kann die ZHAW die Bewältigung der Coronakrise und zukünftiger ähnlicher Ereignisse optimieren.

Projektleitung: Marcel Sieber

Forschung

Gloco-Website – eine erfolgreiche Integrationsseminararbeit

Im Modul «Integrationsseminar» des Bachelor-Studiengangs Wirtschaftsinformatik erstellten drei Studierende einen Prototyp einer Webapplikation. Diese wird das Herzstück des Startups Gloco, das sich auf die Vermittlung von ortskundigen Tourenguides konzentriert. Die Gruppenarbeit ist ein erfreuliches Beispiel, wie Studierende Unternehmen helfen, Probleme zu lösen.

Von links nach rechts: Alex Frymann (Gründer Gloco); Jonas Hauser, Remo Semm und Fabian Kuhn (Studierende); Björn Scheppler (Betreuer Gruppenarbeit)

Alex Frymann ist Gründer des Zürcher Startups Gloco: Seine Tätigkeit als Tourenguide und seine gute Vernetzung in der Mountainbike-Szene brachten ihn auf die Idee, eine Online-Plattform anzubieten, um weltweit ortskundige Tourenguides sowohl mit interessierten Touristinnen und Touristen als auch mit Einheimischen zu vernetzen. Dabei verdient Gloco bei jeder gebuchten Tour an einer Vermittlungsgebühr.

Den entsprechenden Business Case hatte er im Rahmen seiner Bachelorarbeit als Betriebsökonom an der ZHAW ausgearbeitet. Als Betriebsökonom ist er prädestiniert für den Aufbau einer Unternehmung, nicht jedoch für den Aufbau einer Webapplikation. Daher kam er auf die Idee, dass Studierende der Wirtschaftsinformatik einen ersten Prototyp erstellen könnten.

Björn Scheppler vom Institut für Wirtschaftsinformatik schrieb das Thema im Rahmen des Integrationsseminars als Gruppenarbeit aus. Ein Dreier-Team bewarb sich darauf und leistete in nicht einmal 14 Wochen Gewaltiges:

Jonas Hauser war primär zuständig dafür, die Anforderungen an eine solche Plattform durch zwölf Interviews mit potenziellen Kunden zu vertiefen und am Ende den Prototypen zu validieren. Ein Ergebnis seiner Arbeit sind User Personas, wie die unten auszugsartig abgebildete. Jonas fasst seine Erfahrungen bei dieser Gruppenarbeit wie folgt zusammen: «Die explorativen Interviews haben uns ermöglicht, ein klares Bild der verschiedenen Kundengruppen zu entwerfen und die Plattform anhand von deren Bedürfnissen zu entwickeln. Die Validierung des Prototyps durch weitere Interviews ergab wertvolle Inputs zur Weiterentwicklung und Optimierung der Website. Vom Integrationsmodul bleiben mir die grossartige Zusammenarbeit innerhalb des Teams und die kurzen Kommunikationswege zwischen uns und dem Auftraggeber in Erinnerung. Auch bot sich die Möglichkeit, Alex bei der Verwirklichung seiner Idee zur Seite zu stehen, eine ausgezeichnete Gelegenheit, um im Studium gelernte Inhalte praktisch anzuwenden».

User Persona «Daniel der Entdecker» (Auszug)

Remo Semm entwickelte basierend auf den User Personas und den konkreten Anforderungen der befragten Personen die Benutzerführung und das Design der Webapplikation. Nach mehreren Iterationen erstellte er ein finales Design als Vorgabe für die Entwicklung, das auszugsweise unten abgebildet ist. Remo hat die Gruppenarbeit wie folgt in Erinnerung: «Das Grundgerüst für das Design wurde in einem 14-stündigen Sprint gelegt. Das Anpassen aufgrund der Testdurchläufe dauerte ein Vielfaches davon. Das vom Benutzer gewünschte Produkt ist oftmals weitaus simpler, als es der Designer zu Beginn im Kopf hat. Diese Erkenntnis werde ich als Grundsatz für meine nächsten Arbeiten im Hinterkopf behalten».

Ausschnitt des finalen Designs

Last but not least übernahm Fabian Kuhn die Umsetzung des Designs in einen funktionsfähigen Prototyp. Er entschied sich dabei für die unten abgebildete Systemarchitektur, die er in rund 5’000 Zeilen HTML, TypeScript, CSS und Java umsetzte. Aus der Gruppenarbeit mitgenommen hat Fabian Folgendes: «Es war eine echte Herausforderung, die Planung und Entwicklung der App stets auf das Kundenwohl auszurichten. Dieses Startup-Denken wird uns helfen, in Zukunft Hürden überwinden zu können».

Systemarchitektur der Gloco-Website

Die geleistete Arbeit übersteigt in Quantität und Qualität den Durchschnitt aller Integrationsseminar-Gruppen. Entsprechend schrieb Björn als Betreuer in seiner Würdigung unter anderem: «Die in meiner ZHAW-Karriere seit 2012 beste Gruppenarbeit, welche ich jemals betreuen durfte. Dass der Praxispartner seinerseits viel Zeit und Herzblut in die Begleitung der Arbeit gesteckt hat, förderte sicher die Motivation, aber forderte die Gruppe auch entsprechend heraus, ihr Bestes zu geben, was ihr durch und durch gelungen ist.»

Auch der Auftraggeber, Alex Frymann, ist entsprechend zufrieden: «Ich bin durch die ganze Arbeit gegangen und muss sagen, dass ich superstolz auf die Leistung bin. Es war für mich das beste Weihnachtsgeschenk, solch eine funktionierende Website zu erhalten!» Darauf angesprochen, wie es nun weitergeht, sagt Alex: «Nachdem die ersten offiziell gebuchten Touren allesamt hohen Anklang fanden, wird als nächster Schritt die Nutzergruppe „Coaches/Guides“ in die Website eingebunden. Sie wird somit ein grösseres Angebot bekommen und dadurch mehr potenzielle Kunden anziehen. Trotz der Covid-19-Krise bleibt das Ziel, möglichst viele Touren zu vollführen und erste Einnahmen zu generieren».

Haben Sie eine Idee aus der Praxis, bei der wir Sie mit unseren Studierenden unterstützen können? Fragen Sie unverbindlich bei den Mitarbeitenden unseres Instituts an.

Ein Beitrag von Björn Scheppler.

Forschung

Too much and too irrelevant: What do users really want to know about privacy?

Each of us is confronted with countless privacy notices every day and agrees to the practices described. Most likely we do not even notice this because the privacy information is hidden in long and cumbersome privacy policies. In order to inform users more specifically with more relevant information about privacy, it is first necessary to understand which information is relevant to users at all. Marketing traditionally asks users about their needs, so why not ask users about their needs for privacy information?

Researchers have recently suggested that a specific usage context should be considered to make privacy notices more relevant to users. Therefore, we asked users regarding their needs in very specific contexts. We conducted an explorative online survey of privacy concerns and privacy information preferences with 642 participants in Switzerland for two different contexts. The contexts are loyalty cards (e.g. Cumulus, Supercard or Ikea) and fitness tracking (e.g. Fitbit, Garmin, Apple Health).

First of all, privacy concerns were measured using a standardized scale (Concerns for Information Privacy) that distinguishes between concerns regarding unauthorized secondary use (e.g. data is provided to third parties without knowledge), improper access (e.g. a hacker gets access to the data), errors (e.g. processing errors) and collection (e.g. too much personal data is collected). In the figure below a concern level of four indicates a neutral position, while a lower score points to no concerns and a higher score points to higher concerns. This survey results indicate that people are most concerned regarding secondary use and improper access while error and collection seem to raise less concerns. The results vary only slightly between the loyalty cards vs. fitness tracking.

We also asked participants regarding the concrete information preferences that they have. To do so we used the information categories as proposed by the EU General Data Protection Regulation (GDPR). The figure below illustrates the preferences for different kind of information for the fitness tracking context for both users of fitness tracking and no-users. Participants had to agree if the considered a specific category of information as relevant. The measurement scale ranges from 1 (strongly disagree) to 5 (strongly agree) with 3 being neutral. In the figure the X axis starts with a level of 3 to better visualize the small differences. In addition to the bars the 95% confidence intervals are indicated at the end of each bar. Only when these do not overlap the findings are of statistical significance. As one can see the differences are very small. However, participants seem to consider information on their rights or categories of collected information more relevant than information on automated decisions or the data privacy contact persons.

As a next step towards more relevant privacy information it makes sense to consider concrete company examples. Most likely it will be easier for people to express the preferences when confronted with very concrete examples. For example, a retailer could take its existing privacy policy and ask consumers what they consider relevant and what they don’t. The company could then emphasize its communication on the more relevant parts.

This research was sponsored by the Hasler Foundation.

Full paper: Nico Ebert, Kurt Ackermann, Peter Heinrich: Does Context in Privacy Communication Really Matter? – A Survey on Consumer Concerns and Preferences, ACM Conference on Human Computer Interaction CHI 2020 (Honourable Mention Award, available at dl.acm.org)

By Nico Ebert.