Führen digitale Technologien zu interaktiverem Unterricht?

Im letzten Beitrag haben wir gesehen, dass unsere Studierenden heute während des Unterrichts vermehrt digital und vernetzt arbeiten. Während die Lehrperson vorne etwas präsentiert hören die Studierenden nicht nur zu und schreiben mit, sondern sie recherchieren auch gerne und oft nach Zusatzinformationen, schlagen Begriffe nach und fügen gleich alles zu einer eigenen Zusammenfassung zusammen. Wenn es dann mal nicht so spannend ist, wird nebenbei auch gerne mit anderen kommuniziert oder auf Social Media nachgeschaut, ob sich andere gerade mit etwas Interessanterem beschäftigen.  

Die Studierenden für ihren Teil sind also während des Unterrichts ziemlich aktiv auf ihren Geräten, wenn auch nicht immer im Sinne des Lernens. Mit den Notebooks und Tablets haben die Studierenden mehr Interaktionsmöglichkeiten erhalten, um während des Unterrichts mit den anwesenden Akteuren im Raum und der Aussenwelt zu interagieren. Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese neuen Interaktionsmöglichkeiten der Studierenden auch einen Einfluss darauf haben, wie die Lehrpersonen ihren Unterricht gestalten und ob sie in den neuen, digitalen Möglichkeiten auch einen didaktischen Mehrwert sehen.

Hierfür haben wir die Lehrpersonen befragt, welche papierlose Klassen in den Bachelorstudiengängen in Biotechnologie (1. Semester), Facility Management (1. Semester) und Umweltingenieurwesen (Alle) unterrichten.

Wenig digital unterstützte Szenarien im Unterricht

Die untenstehenden Antworten der Lehrpersonen zeigen, dass sie im Unterricht digitale Hilfsmittel eher zurückhaltend einsetzen. Nur 24% nutzen regemässig Unterrichtszenarien, bei denen die studentischen Geräte als digitale Werkzeuge aktiv in eine Lernaktivität miteinbezogen werden. Lernszenarien, die auf Papier angewiesen sind, sind damit weiter verbreitet als jene, die auf digitale Technologien angewiesen sind.

Kreativitätstechniken, SWOT-Analysen in Gruppen etc. funktionieren besser mit Papier als auf digitalen Mindmaps.

Ich habe keine Berührungsängste mit den neuen Medien und setze sie seit Jahren immer wieder mal ein. Ich denke aber, dass mit der papierlosen Strategie viele Optionen auch eingeschränkt werden. Man kann z.B. keine „Auslageordnung“ auf 20 x 30 cm Bildschirm machen.

Die Auswertung zeigt allerdings auch, dass 50% der Lehrpersonen seit der Umstellung auf den papierlosen Unterricht mindestens teilweise mehr digitale Lernaktivitäten im Unterricht nutzen. Offenbar resultiert dieser vermehrte Einbezug der studentischen Tablets und Notebooks aber nicht immer in einer erhöhten Interaktivität.

Live-Umfragen, Wissenstests und Übungen bei Studierenden beliebt

Fragt man die Studierenden, finden 10%, dass der Unterricht regelmässig lebhaft und interaktiv gestaltet ist. 19% finden ihn hingegen nur wenig bis gar nicht interaktiv und die Mehrheit bewegt sich irgendwo dazwischen. Studierende, die sich kritisch geäussert haben, wünschen sich im Unterricht weniger PowerPoint, dafür mehr Live-Umfragen, Wissenstests und Übungen, also alles Aktivitäten, bei denen sie aktiver gefordert sind:

Eigentlich arbeiten alle Dozenten mit PDF oder PPP, die neuen Möglichkeiten die durch das Papierlose Studium entstehen, wie eben solche Wissenstests werden kaum gebraucht, das ist schade!

Mehr die Möglichkeiten ausnutzen. Sehr viele Dozenten führen den Unterricht genau gleich, wie wenn wir Papier vor uns hätten.

Der Unterricht ist je nach Dozent überhaupt nicht interaktiv gestaltet („Powerpoint-Vorträge“ sind oft vertreten). Es werden auch praktisch keine Live-Umfragen oder Übungen durchgeführt.

Mehr Live-Umfragen und Wissenstest, hatten wir schon vor 2 Jahren an der ETH oft gemacht, ist ein guter Indikator und da sowieso alle papierlos sind, kann jeder, ohne Probleme mitmachen.

Es wären viel mehr interaktive Möglichkeiten vorhanden, als tatsächlich genutzt werden. Unterricht mehrheitlich langweilig gestaltet.

Live-Umfragen und kurze Wissenstest können gut mit technologischen Hilfsmittel durchgeführt und ausgewertet werden. An der ZHAW gibt es dafür z.B. die Moodle Aktivität Test oder das Mobile Response Tool. Sie sind eine einfache, aber effiziente Methode um die Studierenden in der Vorlesung zu aktivieren und die Antworten können als Ausgangspunkt für Diskussionen und Peer-Instruktion genutzt werden, vor allem auch bei grossen Klassen. Das scheinen auch die Lehrpersonen gemerkt zu haben, denn Live-Umfragen und Wissenstests sind mittlerweile bereits schon fast so beliebt wie Präsentationen. Eine weitere beliebte Aktivität sind Internetrecherchen während des Unterrichts, das macht ebenfalls Sinn, wenn man bedenkt, dass über 60% der Studierenden während des Unterrichts regelmässig Informationen im Internet nachschlagen.

Brücken bauen zwischen menschlicher und technologischer Interaktion

Wenn es um Interaktivität und digitale Technologien im Unterricht geht, sind die Lehrpersonen zu Recht skeptisch. Schliesslich findet die Interaktivität oft auf den studentischen Geräten statt und die Lehrperson bekommt davon nur die negativen Effekte zu spüren, wie z.B., dass die Studierenden in den Bildschirm schauen statt Augenkontakt mit der Lehrperson zu suchen. Es überrascht daher nicht, dass sie auf die Frage, ob die Notebooks und Tablets die Interaktion im Unterricht erhöhen zu 63% mit Nein geantwortet haben.

Die digitalen Medien und Technologien verändern die Art und Weise, wie Studierende und Lehrpersonen miteinander, untereinander und mit der Umwelt interagieren. Damit diese Veränderung für das Lernen einen Mehrwert bietet, braucht es ein Unterrichtskonzept, welches diese neuen Möglichkeiten in der Methodik und Didaktik berücksichtigt.   

Man kann nun natürlich argumentieren, dass im Zentrum des Unterrichts die Interaktion zwischen den Studierenden und der Lehrperson steht und dafür keine digitalen Technologien benötigt werden; schliesslich kann man auch ohne digitale Technologien miteinander diskutieren – oft sogar besser.

Das papierlose Studium macht das Unterrichten angenehmer, ermöglicht punktuell, neue Methoden auszuprobieren und macht Spass. Es stellt aber keine grundlegende Revolution des Unterrichts dar, da Unterricht im Wesentlichen von der Didaktik und sozialen Interaktion geprägt wird und nicht von einer technischen Möglichkeit. In dieser Hinsicht bietet die Digitalisierung zwar interessante Ansätze und Optionen, eröffnet aber keine neuen Dimensionen.

Die Vorbereitung lässt sich verbindlicher einfordern. Dadurch sind die Studierenden (meist) besser vorbereitet, es ergibt sich mehr Zeit für Übungen und Diskussionen. Die andere Möglichkeit ist der bewusste Kontrast: bestimmte Sequenzen bewusst und mit Ansage ohne Laptop/Tablet durchführen.

Als Lehrperson kann man sich des klassischen Methodenkoffers bedienen und digitale Hilfsmittel im Unterricht bis zu einem gewissen Grad ignorieren, in dem man mit Flipcharts, Pinnwänden und Whiteboard arbeitet und die digitalen Arbeitstechniken mehrheitlich den Studierenden überlässt. Man kann auch gewisse Sequenzen ganz bewusst ohne digitale Technologien durchführen.

Trotzdem bekommen Lehrpersonen die allgegenwärtige Verfügbarkeit von digitalen Technologien im papierlosen Studium zu spüren, denn einmal auf das papierlose Studium umgestiegen, nutzen die Studierenden ihre Geräte als produktive Werkzeuge für das digitale Arbeiten, unabhängig davon, ob die Lehrperson im Unterricht darauf eingeht oder nicht. Der Einfluss der Lehrperson auf diese „unsichtbaren“, digitalen Aktivitäten ist relativ gering, es sei denn, sie bindet die verfügbaren Technologien aktiv als Werkzeuge in den Unterricht mit ein. Damit erhält sie nämlich eine Möglichkeit, mitzusteuern, welche Aktivitäten die Studierenden auf ihren Geräten während des Unterrichts ausführen.

Das können nebst den oben aufgeführten Aktivitäten wie Live-Umfragen, Wissenstests oder Internetrecherche auch die Nutzung sog. Backchannels für Fragen sein oder das Teilen und gegenseitige Ergänzen von studentischen Notizen und Zusammenfassungen aus dem Unterricht.

Ein solches Unterrichtskonzept fordert ein gutes Zusammenspiel von Methodik, Didaktik und Technologie – sozusagen einen digital ergänzten Methodenkoffer – der es den Lehrpersonen erlaubt, die aktive Nutzung digitaler Technologien in den Unterricht einzubinden. Die Herausforderung besteht vor allem darin, die neu gewonnenen Interaktionsmöglichkeiten zwischen Mensch und Maschine so zu nutzen, dass sie in die soziale Interaktion zwischen den Studierenden und der Lehrperson einfliessen. Damit könnte das papierlose Studium das Lernen im Unterricht nämlich nicht nur aus technologischer, sondern auch aus zwischenmenschlicher Sicht interaktiv bereichern.

Die Evaluation zeigt uns ganz klar, dass wir noch nicht an diesem Punkt angekommen sind und wir die Lehrpersonen dabei unterstützen müssen, diesen digital unterstützen Methodenkoffer für ihren Unterricht aufzubauen.

Vernetztes Arbeiten im Unterricht

Das papierlose Studium hat dazu geführt, dass Tablets und Notebooks im Unterricht heute eine Selbstverständlichkeit sind. Die Studierenden sind ständig online und können während des Unterrichts auf Informationen ausserhalb des Klassenzimmers zugreifen.

Diese einfache Tatsache führt dazu, dass die Aktivitäten im Klassenzimmer nicht mehr so klar von der Aussenwelt abgetrennt werden können. Das hat grundsätzlich Potenzial für das vernetzte Lernen, aber nutzen die Studierenden diese Möglichkeiten auch? In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie sie mit der ständigen Verfügbarkeit von digitalen Medien und Technologien im Unterricht umgehen.

Recherchieren während des Unterrichts

Schaut man sich die aktuelle Evaluation der 131 Erstsmestrigen aus den drei Studiengängen in Biotechnologie, Facility Management und Umweltingenieurwesen an, fallen zwei Zahlen ganz besonders auf. Die Studierenden nutzen das Internet nämlich während des Unterrichts zu:

  • 68% für das nachschlagen von unterrichtsrelevanten Informationen.
  • 30% um auf Social Media und im Internet zu surfen.

Die Mehrheit der Studierenden scheint demzufolge das Internet als Nachschlagewerk für den Unterricht zu nutzen und folgt dem Unterricht aufmerksam.

Unterlagen ergänzen und Inhalte verlinken

Nach eigenen Angaben sind die Studierenden dank der digitalen Technologien effizienter und vernetzter. Die Notebooks und Tablets schlagen sozusagen eine Brücke zwischen den Inhalten aus dem Unterricht und den Informationen ausserhalb des Klassenzimmers. Die Studierenden ergänzen die Informationen der Lehrpersonen mit zusätzlichen, oft multimedialen, Ressourcen und erstellen bereits während der Vorlesung eine Zusammenfassung. Auch das Teilen von Informationen mit Mitstudierenden wird dadurch vereinfacht:

Alles immer dabei und somit vernetzter lernbar.

Skripte mit interaktiven Links.

Wenn ich etwas nicht verstehe, kann ich es schnell im Internet recherchieren.

Man ist ständig online und recherchiert somit öfter oder schlägt ein Wort im Online Duden nach.

Man kann direkt in den Notizen Medien einbinden, wie Videos & Bilder.

Verknüpfen und verlinken von Dokumenten, schnelleres und mehrfaches Überprüfen von Daten, da man nur kurz das aktive Fenster wechseln muss.

Meiner Ansicht nach ist es ein grosser Vorteil, wenn die eigenen Notizen im Skript aufgeschrieben und bei Bedarf angepasst bzw. ergänzt werden können. Zudem ist es überaus hilfreich, wenn externe digitale Materialien dem Skript zugefügt werden können, um zum Beispiel ein Thema verständlicher zu machen. 

Ich bin viel schneller Zusammenfassungen zu schreiben, weil ich alle Informationen direkt griffbereit habe und nicht lange suchen muss.

Durch die Kombination von eigenen Notizen und dem einfügen relevanter Teile der Unterlagen ist das Erstellen einer umfassenderen Zusammenfassung während dem Unterricht möglich. Eine Nachbearbeitung der Zusammenfassungen ist so kaum nötig.

Da man sowieso am Laptop ist, schaut man viel mehr nach. Auch digital gezeichnete Skizzen oder Berechnungen können gleich an Mitstudenten weitergeleitet werden. Ebenfalls ist das Arbeiten in einer Gruppe einfacher, da mit OneDrive alles geteilt werden kann und alle gleichzeitig am Projekt arbeiten können.

Einige Studierende erwähnten auch die Möglichkeit, während des Unterrichts auf eine Vielzahl von Meinungen zugreifen zu können und dadurch ein differenzierteres Bild einer Thematik zu erhalten. Manchmal ergeben sich daraus Impulse für Diskussionen im Unterricht oder sie ergänzen damit die eigene Zusammenfassung.

Zugriff auf extrem viele Informationen und Meinungen.

Neue Seiten im Internet entdeckt welche sehr nützlich sind.

Durch das papierlose Studium nutze ich das Internet mehr als Hilfe zum etwas nachschauen oder ergänzen.

 Die Studierenden sind aber durchaus auch selbstkritisch im Umgang mit der ständigen Verfügbarkeit von Informationen, wie folgende Kommentare zeigen:

Man kann schneller recherchieren und ist aber andererseits auch schneller abgelenkt.

Es ist einfacher direkt online nachzuschlagen, dafür passt man weniger gut im Unterricht auf.

Es geht sehr schnell etwas nachzuschauen, jedoch schaut man auch nach bevor man darüber nachdenkt.

Und wie in den vorhergehenden Beiträgen bereits erwähnt gibt es auch einzelne Studierende, die auf digitale Technologien im Unterricht gerne verzichten würden:

Es ist nicht so physisch, ich denke ich lerne durch selber schreiben per Hand besser und schneller als per Tastatur.

 

Hören sie zu oder surfen sie schon?

Lehrpersonen hingegen wissen natürlich oft nicht, was die Studierenden mit ihren Notebooks und Tablets während des Unterrichts machen: Schreiben sie mit, surfen sie im Internet, oder schauen sie sich gerade ein Katzenvideo an?
Wir haben daher auch bei den Lehrpersonen eine Umfrage zum papierlosen Studium durchgeführt und ihre Aussagen denjenigen der Studierenden gegenübergestellt.

Die Zahlen in der untenstehenden Gegenüberstellung unterscheiden sich etwas vom ersten Diagramm. Sie stammen von den 52 Lehrpersonen und 253 Studierenden, die an der Umfrage teilgenommen haben und im Herbst 2016 auf papierlos mit Bring Your Own Device umgestellt haben. Dazu gehören nebst den Erstsemestrigen auch die Lehrpersonen und die Studierenden der höheren Studienjahrgänge im Bachelorstudiengang Umweltingenieurwesen.

In der Umfrage gaben 37% der Lehrpersonen an, dass die Studierenden im Unterricht häufig abgelenkt sind. Dem gegenüber steht die Aussage der Studierenden, die zu 75% angaben, dass sie dem Unterricht aufmerksam folgen. Interessant auch, dass die Erstsemestrigen offenbar im Unterricht weniger abgelenkt sind als die höheren Studienjahrgänge.

Schaut man sich genauer an, wofür die Studierenden ihre Geräte während des Unterrichts nutzen, wird klar, dass sie oft produktiv damit arbeiten und dem Unterricht aufmerksam folgen. Sie recherchieren vor allem Informationen im Internet, machen sich Notizen und heben Textstellen in den Unterlagen hervor.

Natürlich fällt aber auch auf, dass die Wahrnehmung der Lehrpersonen ziemlich gut mit den 31% der Studierenden korreliert, die zugeben, dass sie während des Unterrichts nebenbei auf Social Media und im Internet surfen. Der Schein trügt folglich nicht immer.

Rückblick IAS Tag der Lehre – papierlos unterrichten

Am 10. Januar 2017 fand an der ZHAW in Wädenswil der IAS Tag der Lehre statt. Das Institut für Angewandte Simulation (IAS) widmete sich dieses Jahr dem Thema des papierlosen Unterrichts. Der Titel macht bereits klar, dass es hier vor allem um die Veränderungen geht, die sich im Klassenzimmer vollziehen, wenn Studierende im Unterricht plötzlich Notebooks und Tablets statt Papier nutzen. Was bedeutet das für die Lehrpersonen und ihren Unterricht? Anbei ein Rückblick aus meiner Sicht als Projektleiterin des Pilotprojektes zum papierlosen Studium.

Einstieg mit neuen Tools

Den Einstieg in das Thema machte Andri Puorger von Microsoft Schweiz. Herr Puorger zeigte auf, wie Lehrpersonen und Studierende digitale Technologien für das Lehren und Lernen nutzen können. Natürlich standen dabei die Microsoft Tools im Fokus. Herr Puorger zeigt einige neuere Microsoft Tools wie z.B. Office Mix, ein Add-In für PowerPoint, mit dem man vertonte PowerPoint Lektionen inkl. Video erstellen kann. Weiter ging es dann mit Office Forms für Umfragen und OneNote for Teachers, ein Plug-In for OneNote mit dem man schon fast ein LMS wie Moodle ersetzten könnte – aber eben nur fast – bei komplexeren Anforderungen wie der Anbindung an ein Schulführungssystem, der Durchführung von E-Assessments und der Frage nach dem Datenschutz dürfte die Lösung an ihre Grenzen stossen.

Herr Puorger machte unter anderem auch auf die Kompetenzen aufmerksam, welche Studierende für den Arbeitsplatz der Zukunft benötigen. Dazu gehören z.B. Teamfähigkeit, Sozialkompetenz, Kreativität, aber auch sog. Filterkompetenz, Systemdenken und die Kompetenz für ein lebenslanges Lernen. Der Fokus lag dabei mehrheitlich bei den digitalen Kompetenzen der Studierenden und das Thema wurde im Laufe des Tages immer wieder aufgegriffen. Welche Kompetenzen die Lehrpersonen für den papierlosen Unterricht benötigen wurde hingegen nur am Rande diskutiert.

Rückblick auf bisherige Erfahrungen

Weiter ging es mit einem Rückblick auf unsere bisherigen Erfahrungen im Rahmen des Pilotprojektes und der Einführung des regulären papierlosen Studiums an der ZHAW in Wädenswil. Prof. Dr. Jack Rohrer, Dozent am Institut für Chemie und Biotechnologie und einer der Pioniere des papierlosen Studiums, zeigte auf, was sich für ihn durch das papierlose Studium verändert hat. In erster Linie war es für ihn als Dozent eine Erleichterung, weil er sich nicht mehr um das Ausdrucken der Unterlagen kümmern musste. Die didaktische Innovation hingegen findet nur statt, wenn der Dozent dies in seinem Kurs aktiv vorantreibt und die Nutzung digitaler Medien und Technologien als kognitive Tools in die Lernszenarien implementiert.

Hilfsmittel hin zu einer digital unterstützten Lehre

Diese Implementation der digitalen Technologien als produktive Hilfsmittel kann z.B. mit dem SAMR-Modell unterstützt werden. Das Modell sieht vor, dass digitale Technologien auf verschiedenen Ebenen eingesetzt werden können. Sie können z.B. ein Medium wie das Papier ersetzten oder auch gleich noch einige funktionelle Verbesserungen mit sich bringen. Nebst dieser Erweiterung bisheriger Möglichkeiten können digitale Technologien aber auch dazu genutzt werden, die Art und Weise zu verändern, wie wir miteinander interagieren. Auf dieser Ebene können digitale Technologien zur Modifikation bisheriger Lehr- und Lernszenarien oder sogar zu einer Neudefinition von Szenarien genutzt werden.

Die bisherigen Evaluationen an der ZHAW weisen darauf hin, dass Studierende digitale Technologien vor allem für den Ersatz von Papier und die erweiterte Nutzung mit einfachen funktionellen Verbesserungen wie z.B. Suchfunktion, Zoom, Wörterbuch usw. nutzen. Die Modifikation oder sogar Neudefinition des Lehrens und Lernens mit Hilfe digitaler Technologien hängt hingegen stark von den verwendeten Lernszenarien ab. Der Frontalunterricht beispielsweise profitiert nur bedingt von den digitalen Hilfsmitteln; die Studierenden besitzen zwar mit ihren Notebooks und Tablets ein mächtiges, produktives Hilfsmittel, sie können es aber aufgrund des Unterrichtssettings nur für das Mitschreiben und das Nachschlagen von Informationen nutzen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob der Präsenzunterricht nicht auch für Lernaktivitäten genutzt werden könnte, bei denen die Studierenden einen aktiveren Part übernehmen, wie dies z.B. beim Flipped Classroom der Fall ist.

Wertvolle Erfahrungen für zukünftige Konzepte

Die bottom-up Innovation auf Kursebene, die am IAS Tag der Lehre in vielen Referaten sichtbar wurde, bildet eine wichtige Basis für die kommende Überarbeitung der Curricula. Einerseits kann die Hochschule damit auf einen wertvollen Fundus von konkreten Anwendungsbeispielen zurückgreifen und andererseits erkennen die Lehrpersonen dank der gemachten Erfahrungen mit dem papierlosen Unterricht bereits konkreten Anpassungsbedarf in ihren Unterrichtskonzepten. Ein Punkt war beispielsweise der volle Stundenplan der es den Studierenden teilweise kaum ermöglicht sich im Selbststudium z.B. auf einen Flipped Classroom Unterricht vorzubereiten.

Angela Martucci Siefert zeigte anhand des Bachelorstudiengangs in Umweltingenieurwesen auf, wie sich das Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen auf die Herausforderung des Lehrens und Lernens im digitalen Zeitalter vorbereitet. Im Zentrum steht dabei die Kompetenzorientierung und ein transferorientiertes Blended Learning Design mit Vorbereitungsphase, Präsenzphase und unterstützter Transferphase.

Von der Digitalisierung erhofft sich die Hochschule auch eine personalisiertere Lehre. Allerdings braucht es dafür Massnahmen, wie z.B. das vorgestellte Universal Design for Learning. Diese Empfehlungen basieren auf der Idee, dass Diversität bei den Lernenden die Regel und nicht die Ausnahme darstellt. Die darin empfohlenen Massnahmen können helfen, die Curricula, Kurse und Lernmaterialien so zu gestalten, dass sie eine stärkere Personalisierung der Lehre ermöglichen.

Anschliessend an die beiden Vorträge gab es einige konkrete Beispiele von Lehrpersonen an der ZHAW, wie der papierlose Unterricht gestaltet werden kann.

Mehr Dynamik dank weniger Papier

Dr. Andrea Baier zeigte auf, dass durch den Wegfall von Papier mehr Dynamik im Unterricht entstehen kann. Sie schätzt es, dass digitalen Unterlagen und Informationen immer verfügbar sind und sie den Unterricht flexibel auf die Bedürfnisse der Studierenden anpassen kann. Das bedeutet allerdings auch, dass ihr Unterricht vom WLAN und der Technik abhängig ist. An ihrem Beispiel konnte man gut sehen, wie die Nutzung digitaler Medien situativ in den Kontext eines Kurses eingebettet werde kann. So arbeiten die Biotechnologie-Studierenden beispielsweise neu mit Modellen aus einem 3D-Drucker oder erstellen selber Simulationen. Dadurch findet eine Transformation vom papierlosen Unterricht hin zu einer digital unterstützen Lehre statt, die viel weiter geht als der blosse Ersatz von Papier.

Erfahrungen mit Gruppenarbeiten und Open-E-Book Prüfungen

Auch Dr. Evelyn Wolfram war mit einer digitalen Herausforderung konfrontiert, als die Studierenden an der OpenBook Prüfung plötzlich ihre digitalen Unterlagen nutzen wollten. In der Pilotklasse wurden die Tablets für die OpenBook Prüfung in den Flugmodus versetzt, damit die Studierenden ihre digitalen Unterlagen während der Prüfung lokal nutzen konnten. Seit der Umstellung auf Bring Your Own Device ist das allerdings keine Option mehr, da zu viele verschiedene Geräte im Einsatz sind und die Klassen bedeutend grösser sind. Mittlerweile laufen an der ZHAW verschieden Pilotprüfungen mit dem Safe Exam Browser und virtuellen Desktops, um in Zukunft verschiedene Prüfungsszenarien elektronisch durchführen zu können. Evelyn Wolfram zeigte mit ihren Beispielen aber auch auf, dass Dozierende die Lösung nicht immer in der Technik suchen müssen. Sie führt ihre Prüfung im Qualitätsmanagement heute als mündliche Gruppenprüfung durch und hat damit einen Weg gefunden, ein QM-Audit authentisch zu simulieren und das erst noch besser, als es eine elektronische Prüfung jemals könnte.

Papierlos – konzeptlos?

Eher kritisch waren die Stimmen aus dem Informatikunterricht. Claudia Schmucki und René Hauck haben im Rahmen ihres Informatikkurses Defizite bei den digitalen Kompetenzen der Studierenden festgestellt. So führen z.B. nur wenige Studierende regelmässig ein Backup durch und auch mit der Bearbeitung der digitalen Unterlagen scheinen viele Studierende überfordert zu sein. Sie plädierten dafür, dass die digitalen Kompetenzen der Studierenden stärker gefördert werden. Unklar bleibt allerdings, wo und wann dies geschehen soll, denn sowohl die Startwoche wie auch den aktuellen Informatikunterricht halten sie dafür für ungeeignet. Dass es auch anders geht zeigt das Institut für Facility Management, welches die digitalen Kompetenzen in den Curriculum des Bachelorstudiengangs bereits aufgenommen hat und im Informatikunterricht neu Platz für die Förderung dieser Kompetenzen geschaffen hat. Klar ist, dass es im Rahmen des papierlosen Studiums noch viel Abstimmungsbedarf gibt. Zwar gibt es ein Konzept für die Umstellung auf das papierlose Studium, aber die Institute haben bei der Umsetzung viele Freiheiten. In der Regel wird die Umstellung an einer institutsinternen Klausur diskutiert und geplant, Dozierende des IAS und der AWG sind dort oft nicht anwesend, obwohl sie von der Umstellung in den Studiengängen ebenfalls direkt betroffen sind.

Das bewegte Papier

Prof. Dr. Karin Kovar und Iwo Zamora zeigten auf, wie digitale Technologien für die Simulation biologischer Phänomene genutzt werden können. Durch Simulationen und Analogien erwachen die komplexen mathematischen Formeln zum Leben und Studierende, die sonst Mühe hätten, das Verhalten bestimmter Organismen direkt aus der mathematischen Formel abzuleiten, erhalten einen anderen Zugang zur Materie. Das Beispiel zeigt sehr schön das zuvor erwähnte Potenzial des Universal Design for Learning auf, denn mit den vielfältigen Darstellungsformen und Ausdrucksweisen, die digitale Technologien ermöglichen, kann besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Studierenden eingegangen werden.

In ihrem zweiten Beispiel ging Karin Kovar auf ihr mit einem Lehrpreis ausgezeichnetes Konzept der New Business Opportunity (NBO) und mögliche Weiterentwicklungen ein. Sie zeigte auf, dass Studierende in ihrem Kurs nicht nur papierlos, sondern vor allem auch beweglich, interaktiv und selbstbestimmt agieren. Ziel ist es, die Studierenden auf die Anforderungen des Marktes vorzubereiten und sie mit den NBO’s unter anderem mit einem Mentoring Programm bereits während des Studiums in die Biotech-Community einzuführen.

Papierloses Studium in language learning – does it work?

Dr. Caroline Hyde-Simon zeigte Chancen und Schwierigkeiten für den papierlosen Englischunterricht auf. So nutzt sie beispielsweise digitale Tools wie Quizlet oder Padlet sowie soziale Medien wie Pinterest und Facebook, damit Studierende fachspezifische englische Beiträge oder Wortschatz sammeln und teilen können. Sie beobachtete auch, dass mehrere Studierende bereits von Hand oder mit einem Stift in die digitalen Unterlagen schreiben. Das Schreiben von Hand oder mit der Tastatur war bei vielen Vorträgen ein Thema.

Schreibberatung ohne Papier

Auch Beatrice Dätwyler hat sich im Rahmen ihrer Schreibberatung mit dem Thema befasst und festgestellt, dass viele Studierende Mühe haben, die Notizen direkt in den wissenschaftlichen Artikeln zu erfassen. Oft machen sie sich die Notizen nebenbei in einem anderen Programm, was für das Textverständnis weniger effizient ist. Sie hat in Ihrem Beitrag auch zahlreiche Studien zitiert, die sich mit der Frage befassen, ob man besser mit Papier oder digitalen Medien lernt und dafür plädiert, dass Studierende wählen können, ob sie mit digitalen Unterlagen oder mit Papier arbeiten und lernen. Wichtig für den Lernprozess scheint, dass das Gelesene oder Gehörte in eignen Worten wiedergegeben wird. Die langsamere Handschrift zwingt einem eher dazu, das Gehörte stichwortartig zusammenzufassen. Allerdings kann dies auch digital geschehen, wenn sich die Studierenden der Wichtigkeit dieser Lerntechnik bewusst sind.

Mehr als nur eine digitale Datenablage

Peter Marty wollte den Studierenden in seinem Kurs mehr bieten als einfach digitale Unterlagen auf Moodle zur Verfügung zu stellen und hat angefangen, ausgehend von Moodle eine integrale digitale Lernumgebung zu schaffen, in der digitale Technologien zur Unterstützung der Lehr- und Lernprozesse didaktisch sinnvoll, differenziert und reflektiert eingesetzt werden.

Digitales Lernen in der Weiterbildung

Christoph Gütersloh, Dozent und Berater am IAP, war an diesem Nachmittag eher ein Exot unter all den Dozierenden aus Wädenswil. Sein Beitrag über digitales Lernen in der Weiterbildung am Institut für Angewandte Psychologie (IAP) zeigte den Teilnehmenden allerdings ein paar spannende neue Perspektiven auf. Während in der Hochschuldidaktik der Fokus stark auf dem Erwerb und der Transformation von Wissen liegt, setzt das IAP in der Weiterbildung stark auf die Handlungsorientierung im Sinne von Workplace Learning, die Reflexion sowie das soziale Lernen. Für Weiterbildungsteilnehmende ist es wichtig, im Laufe ihrer Weiterbildung in eine Community hinein zu wachsen und sich neue Quellen für Anregungen und Innovation zu erschliessen.

Bei dieser Aufgabe können digitale Tools für das Community Building nützliche Dienste leisten. So nutzt Christoph Gütersloh beispielsweise in seinem Kurs das soziale Netzwerk Slack und führte eine öffentliche Expertenkonferenz auf Blab (nicht mehr verfügbar) durch, an der auch externe Mitglieder aus der Community teilnehmen konnten. Das Beispiel der Expertenkonferenz zeigt auf, wie digitale Technologien die Art und Weise verändern können, wie wir miteinander interagieren. Communities werden digital leichter zugänglich und Studierende können beispielsweise öffentliche Social Media Tools wie Twitter für Backchannel Learning nutzen oder über Hootsuite kollektive Rechercheaufträge ausführen und dabei bereits mit der Community in Kontakt treten. Die Herausforderung besteht für Christoph Gütersloh vor allem darin, eine solche Learning Community am Leben zu erhalten und die Mitglieder dazu zu bringen, dass sie sich gegenseitig helfen.

Der diesjährige Tag der Lehre zeigte auf, dass der papierlose Unterricht ein Türöffner für die digital unterstütze Lehre sein kann und digitale Medien und Technologien beim Lehren und Lernen einen Mehrwert bieten können, sofern die Rahmenbedingungen und die Lehr- und Lernszenarien dies erlauben. Er zeigte aber auch die zahlreichen Veränderungen und Herausforderungen auf, welche die Digitalisierung für die Studierenden, die Lehrpersonen und die Hochschule mit sich bringt und man merkte, dass wir mitten in einem Wandel stecken. Immerhin befinden wir uns bereits mittendrin in diesem Prozess und haben ein gutes Fundament aus Erfahrungen, auf das wir aufbauen können.

Weitere Informationen zum IAS Tag der Lehre finden Sie unter: https://www.zhaw.ch/de/lsfm/institute-zentren/ias/weiterbildung/ias-tag-der-lehre/

Die Vorträge finden Sie unter https://moodle.zhaw.ch/course/view.php?id=1646

Neuer Blog „Lehren und Lernen“

Die ZHAW hat einen neuen Blog zum Thema Lehren und Lernen unter http://blog.zhaw.ch/lehren-und-lernen.

Auf dem neuen Blog stehen innovative Lehr- und Lernszenarien im Fokus und er wird vom Ressort Lehre zusammen mit einer vielfältigen Gruppe von Hochschulangehörigen aus der Lehre und Weiterbildung betrieben.

Der neue Blog ist eine sinnvolle Ergänzung zu unserem bestehenden Blog, der zurzeit über 1’000 Besucher pro Woche verzeichnet. Das papierlose Studium ist in den letzten Jahren immer mehr zu einem Treiber der Digitalisierung in der Lehre geworden und der Einsatz neuer Technologien fördert und fordert auch den Einsatz neuer Lehr- und Lernszenarien.

Wir haben bereits einen ersten Beitrag beigesteuert und werden hoffentlich auch in Zukunft Zeit finden, um auf dem neuen Blog spannende didaktische Themen mit Ihnen zu diskutieren.

Open Book Prüfungen mit digitalen Unterlagen

Trotz papierlosem Unterricht finden in vielen Klassen die Prüfungen immer noch auf Papier statt. Das hat oft ganz praktische Gründe, denn je mehr Technik involviert ist desto anfälliger wird die Prüfung für Störungen und Rekurse.

Die Open Book Prüfungen, bei denen bisher ausgedruckte Unterlagen erlaubt waren, können jedoch in dieser Form mit dem papierlosen Studium nicht mehr durchgeführt werden. Die Studierenden möchten verständlicherweise ihre annotierten digitalen Unterlagen an der Prüfung nutzen und nicht alles ausdrucken müssen. Durch die Zulassung von Tablets und Notebooks an den Prüfungen steigt allerdings das Risiko des Missbrauchs und Studierende können beispielsweise zusätzliche Informationsquellen im Internet nutzen oder die Lösungen untereinander austauschen.

Prüfungen in einer vernetzten Welt

Man könnte nun hier argumentieren, dass die Möglichkeit der Vernetzung während der Prüfung für viele Berufsgruppen die realen Begebenheiten der heutigen Arbeitswelt abbilden. George Siemens würde dem im Sinne des Connectivismus sicherlich zustimmen. Seiner Meinung nach bedeutet Lernen nämlich nicht nur das Einprägen von Wissen im eigenen Gedächtnis, sondern auch das Wissen bzw. die Kompetenz, zu wissen, wie man sich bei Bedarf mit externem, spezialisiertem Wissen vernetzt.

Dieser Ansatz bedingt natürlich, dass die Prüfungsfragen eine gewisse Komplexität und Schwierigkeit aufweisen. So darf es z.B. nicht nur eine korrekte oder falsche Lösung geben. Für Multiple-Choice Prüfungen ist das Szenario folglich weniger gut geeignet. Haben bei einer Open Book Prüfung mit Essay Fragen zwei oder mehrere Studierende exakt dieselbe Lösung ist dies wahrscheinlich ein Grund, etwas genauer hinzuschauen. Trotzdem kann man bei einem solchen Szenario nie 100%ig sicherstellen, dass die Studierenden die Aufgaben selber lösen. Theoretisch können sie die Aufgaben einem Ghost Writer schicken und am Schluss dessen Lösungen abgeben.

Studierende stehen technischen Hilfsmittel kritisch gegenüber

Die letzte Evaluation im Frühjahr 2016 zeigte bei den Studierenden eine eher kritische bis ablehnende Haltung gegenüber Prüfungen mit elektronischen Hilfsmitteln. Über 50% der teilnehmenden Studierenden aus dem Bachelorstudiengang in Biotechnologie möchten nicht, dass alle Hilfsmittel, also auch das Internet, an Prüfungen erlaubt sind. Rund ¼ befürchtet, dass bei der Nutzung von Tablets und Notebooks in der Prüfung die Gefahr des Betrugs steigt und die Prüfungen als Folge nicht mehr fair sind.

Generell scheint bei den Studierenden der Wunsch nach elektronischen Prüfungen mit Tablet oder Notebook nicht sehr ausgeprägt zu sein. Das hat uns etwas überrascht, da z.B. das Schreiben mit der Tastatur für viele Studierende sicherlich angenehmer und schneller ist als das Schreiben von Hand.

Elektronische Prüfungen

Evaluation April 2016 bei Pilotklassen papierloses Studium BT13-BT15

Prüfungen mit Geräten im Flugmodus

Im Rahmen des Pilotprojektes wurden mehrere Open Book Prüfungen durchgeführt. Dabei waren Tablets und Notebooks erlaubt, sie mussten allerdings in den Flugmodus versetzt werden, so dass alle Funkverbindungen unterbunden waren. Während der Prüfung fanden Stichproben statt und Missbrauch hatte den sofortigen Ausschluss von der Prüfung zur Folge. Dieses Szenario ist allerdings nur bei kleinen Klassen, genügend Aufsichtspersonen und Räumen mit breiten Korridoren zwischen den Sitzreihen möglich. Für die Aufsichtspersonen ist es zudem teilweise schwierig zu sehen, ob auf den unterschiedlichen Geräten tatsächlich alle Funkverbindungen unterbrochen sind.

Andere Möglichkeiten wie eigene Prüfungsräume mit gemanagten Computern, Störsender, WLAN-Überwachung, lokale WLAN-Netzwerke und die Entwicklung eigener Applikationen haben wir geprüft und teils aus Kostengründen, teils aber auch wegen mangelnder Sicherheit und gesetzlicher Vorgaben verworfen.

Pilotversuche mit Safe Exam Browser

Im Frühlingssemester 2016 haben wir mit Unterstützung der E-Assessment Beauftragten der ZHAW, Lisa Messenzehl, und einem Entwickler des Safe Exam Browsers, Daniel Schneider, eine Pilotprüfung mit dem Safe Exam Browser und Moodle im Bachelorstudiengang Facility Management durchgeführt. Bei diesem Prüfungszenario wurde die Prüfung online auf Moodle mit der Lernaktivität Test durchgeführt. Die Studierenden müssten den Safe Exam Browser (SEB) auf ihrem Notebook installieren und gelangten nach dem Start des Browsers und der Eingabe eines Zugriffspassworts auf die Moodle Prüfung. Sie konnten während der Prüfung das offene Browserfenster mit der Moodle Prüfung nicht mehr verlassen und nicht auf die eigene Festplatte oder andere Ressourcen zugreifen bis die Prüfung abgeschlossen war.

Die Pilotprüfung hat soweit gut funktioniert, allerdings war die Konfiguration des SEB anspruchsvoll und die Installation des SEB auf den studentischen Geräten mit einigen Komplikationen verbunden. Der Vorbereitungs- und Betreuungsaufwand war entsprechend gross. Der SEB musste zudem nach der Prüfung auf den studentischen Geräten deinstalliert werden, da noch kein Update-Mechanismus für die Software verfügbar ist.

Grundsätzlich ist der SEB ein vielversprechendes Tool das uns mit entsprechendem Aufwand die Durchführung von elektronischen Prüfungen mit Moodle auf studentischen Geräten erlaubt. Ein Szenario mit Open Book ist darin aber zurzeit nicht vorgesehen. Zwar kann man den SEB so konfigurieren, dass einzelne Programme wie z.B. der Adobe Reader während der Prüfung zugelassen sind. Das funktioniert aber nur, wenn das freigegebene Programm bei allen Nutzern im entsprechenden, freigegebenen Verzeichnis abgelegt ist. Zudem müssen die Studierenden ihre Dokumente darin öffnen und durchsuchen können. Dieses Szenario konnten wir bis jetzt noch nicht testen.

Mit der Einführung von Office 365 Pro Plus mit OneDrive for Business besteht allenfalls die Möglichkeit, in Zukunft während der Prüfung den URL-Filter im SEB so zu konfigurieren, dass die Studierenden nebst der Moodle Prüfung auch auf ihre Unterlagen auf OneDrive for Business zugreifen können.

Die Komplexität und die Kinderkrankheiten des SEB schrecken zurzeit noch viele Dozierende an der ZHAW ab. Wir hoffen, dass die Weiterentwicklung des SEB mit dem neu gegründeten Konsortium rasch vorwärts geht und bald eine benutzerfreundliche und stabile Version mit Update-Mechanismus verfügbar ist, die auch von Dozierenden ohne grosse technische Kenntnisse konfiguriert werden kann.

Chancen sehen und Risiken managen

Bis dahin können wir unseren Dozierenden und Studierenden technisch zurzeit keine sichere Möglichkeit für Open Book Prüfungen mit digitalen Dokumenten auf Notebooks und Tablets anbieten. Wir unterstützen aber über SWITCH das Konsortium bei der Weiterentwicklung des Safe Exam Browsers.

Generell können wir in Zukunft entweder versuchen mit technischen Lösungen die Technologien so zu manipulieren, dass sie die Bedingenden von früher simulieren. Oder wir können die neuen Möglichkeiten als Change für neue Prüfungsformen sehen und versuchen Wege zu finden, um die Risiken die sie mit sich bringen zu managen.

Wir stehen auf diesem Weg noch ganz am Anfang. Einzelne Dozierende haben allerdings bereits die Idee kollaborativer Prüfungen aufgegriffen. Andere führen neu statt Open Book Prüfungen mündliche Gruppenprüfungen durch oder erlauben an der Prüfung eine  4-seitige Zusammenfassung. Wieder andere setzen auf elektronische Multiple Choice Prüfungen.

Tipp: Assessment Toolbox der Uni Bern

Eine unserer engagierten Dozentinnen, Evelyn Wolfram, hat uns am letzten E-Learning Café im September auf die Assessment Toolbox der Universität Bern aufmerksam gemacht. Schauen Sie mal rein und lassen Sie sich inspirieren, vielleicht finden Sie ja eine spannende neue Prüfungsform für Ihren Kurs.

Ressourcen

Siemens, G. (2004) Connectivism: A learning theory for the digital age. Verfügbar unter: http://www.elearnspace.org/Articles/connectivism.htm (Aufgerufen am: 22. September 2016)

Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen

Den Lehrpersonen an der ZHAW steht ein breites Angebot von internen und externen Kursen für die Verbesserung der ICT- und Medienkompetenz sowie dem Einsatz von E-Learning Hilfsmitteln zur Verfügung.

Wir haben Ihnen hier eine, nicht abschliessende, Auswahl bestehender Angebote zusammen gefasst. Bei Interesse organisieren wir für die Lehrpersonen der ZHAW in Wädenswil gerne einen spezifisch Workshop zur Vorbereitung auf das papierlose Studium.

Angebote der ZHAW

Wädenswil

  • Moodle Basis: 17.02.2016, 09:00 – 12:00 Uhr
  • Moodle Lernaktivitäten: 17.02.2016, 13:00 – 17:00 Uhr

→ Weitere Infos und Anmeldung (Intranet).

Winterthur

Halbtägige Präsenzkurse der Fachgruppe Blended Learning und der PC-Education, z.B.:

  • Moodle Basis: 23.02.2016 / 23.03.2016 / 26.04.2016 / 22.06.2016
  • Moodle für Fortgeschrittene: 28.04.2016 / 29.06.2016
  • Grundkurs Video für E-Learning: 24.02.2016
  • Gute Prüfungsfragen für Moodle Tests:15.02.2016 / 30.05.2016
  • E-Assessment Möglichkeiten und Szenarien: 24.05.2016
  • Didaktische Tipps & Tricks fürs E-Learning: 31.03.2016 / 30.06.2016
  • E-Learning: Alles was Recht ist: 01.04.2016 / 28.06.2016
  • Offene Bildungsressourcen (OER) im E-Learning/Blended Learning: 01.04.2016 / 28.06.2016
  • ZHAW Collab – SharePoint 2013 Grundlagen: 29.02.2016 / 05.04.2016 / 03.06.2016 / 18.07.2016
  • ZHAW Collab – SharePoint 2013 Aufbau: 29.02.2016 / 05.04.2016 / 03.06.2016 / 18.07.2016

Weitere Infos und Anmeldung (Intranet)

Online

Impulsreferate und Best Practice Veranstaltungen

  • E-Learning Cafés an der ZHAW Life Sciences und Facility Management, z.B. zur Aufgabenbörse am 24.03.2016 .
  • Lunch & Learn des Zentrums für Innovative Didaktik (ZID) der ZHAW School of Management and Law

Weitere kostenpflichtigen Kurse, CAS, DAS und MAS der ZHAW zu den Themen Hochschuldidaktik und E-Didaktik.

Hochschulbibliothek der ZHAW

Einführung für Mitarbeitende und Literaturverwaltung mit RefWorks.
Weitere Infos und Anmeldung (Intranet)

ETH Bibliothek

Schulungen und Tutorials für Informationsrecherche, Literaturverwaltung mit Mendeley, EndNote usw.
Weitere Infos und Anmeldung

PH Zürich – Lernforum

Zwei- bis vierstündige Workshops am Nachmittag oder Abend sowie einstündige Impulsreferate über Mittag, z.B.:

  • Visualisieren am Flipchart: 10.03.2016
  • E-Books im Studienalltag: 04.04.2016
  • PDF – mehr als nur Lesen: 13.04.2016
  • Bilder klauen muss nicht sein: 20.04.2016
  • Dokumente schöner gestalten: 02.05.2016
  • Erzählen statt Aufzählen: Berichten mit Story-Qualität: 12.05.2016
  • PowerPoint-Präsentationen mit Fotos und Videoclips gestalten: 18.05.2016
  • Videoschnitt mit Adobe Premiere Elements (Windows): 24.05.2016
  • Kürze, damit du gelesen wirst: 15.06.2016
  • Zusammen texten. Oder: Wie Texte schreiben, wenn alle reinreden? 20.06.2016
  • Schreibaufgaben für Studierende: Effizient anweisen, begleiten und beurteilen: 06.07.2016

→ Weitere Informationen und Anmeldung

Weitere kostenpflichtige Angebote der PH Zürich in Bereich der Hochschuldidaktik.
Die PH Zürich bietet auch Weiterbildungen zum Thema Medienbildung und Lernen mit Tablets an, die Angebote richten sich allerdings an Lehrpersonen von Kindergarten- bis Sek I-Stufe.

FFHS – Learning Center

Virtuelle & Interaktive Sessions (VIS) zum Thema Storytelling im Hochschulunterricht:

  • Wie (er)findet man eine gute Geschichte?: 08.03.2016, 11.30 – 13.00 Uhr / 8.03.2016, 19:30 – 21:00 Uhr
  • Multimedia Stories kreieren: 09.03.2016, 11.30-13.30 Uhr / 10.03.2016, 19.30-21.30
  • Das Prinzip der Heldenreise: 15.03.2016, 11.30 – 13.00 Uhr / 16.03.2016, 11.30 – 13.00 Uhr
  • Kollaborative Gamebooks für den Unterricht: 16.03.2016, 19.30 – 21.30 Uhr / 17.03.2016, 19.30 – 21.30 Uhr
  • Besser verstehen mit Metaphern: 17.03.2016, 11.30 – 13.00 Uhr / 22.03.2016, 11.30 – 13.00 Uhr

Weitere Infos und Anmeldung

Weitere Webinare (nicht abschliessend):

  • Personal Learning Environment (PLE): 01.03.2016
  • Lehren und Lernen mit Social Media: 12.04.2016
  • Interaktive Lernapplikationen im Mobile Learning: 17.05.2016
  • Adaptives Lernen: 21.06.2016

Weitere Infos und Anmeldung

Eduhub

Webinare der E-Learning Community der Schweizer Hochschulen.

SAMR Modell und Weiterbildung für Lehrpersonen

Am Fr und Sa, 23./24. Oktober 2015 fand in Pfäffikon SZ der 3. Data Quest Campus Event statt. An der Veranstaltung, an der Lehrpersonen aus allen Schulstufen vertreten waren, stand das SAMR Modell im Vordergrund.

Das SAMR Modell wurde von Dr. Ruben Puentedura von Hippasus entwickelt. Die Abkürzung steht für The Substitution Augmentation Modification Redefinition Model.

SAMR-Modell

Ruben R. Puentedura, As We May Teach: Educational Technology, From Theory Into Practice. (2009)

Das SAMR Modell zeigt mit seinen vier verschiedenen Anwendungsstufen auf, wie neue Technologien in die Lehr- und Lernprozesse eingebunden werden können, damit sie einen Mehrwert bieten.

Auf der ersten Stufe befindet sich die Substitution, in der Technologie als Ersatz für andere Lernwerkzeuge verwendet wird. Z.B. Machen unsere Studierenden ihre Notizen auf einem Tablet, statt auf Papier.

Das Erfassen von Notizen auf dem Tablet bringt aber auch funktionelle Verbesserungen mit sich. So sind z.B. die Notizen über eine Suchfunktion auf dem Tablet durchsuchbar und Informationen können während des Unterrichts im Internet nachschlagen werden. Damit befinden wir uns gemäss dem SAMR Modell bereits auf der zweiten Stufe, nämlich der Steigerung (Augmentation). Das Tablet dient hier als Ersatz für ein anderes Lernwerkzeug (Papier), bring aber gleichzeitig auch funktionelle Verbesserungen (z.B. Inhalte durchsuchen) mit sich.

Tablets bieten nebst der praktischen Erweiterungen aber auch noch neue Möglichkeiten, die mit Papier vorher gar nicht möglich waren. Z.B. können die Studierenden im Labor die Arbeitsschritte fotografisch festhalten oder eine Demonstration als Video aufzeichnen. Eine Lehrpersonen kann die Studierenden auch über das GPS-System auf mobilen Endgeräten auf eine lernreiche Schnitzeljagd senden.
Damit wären wir bereits auf der dritten Stufe des Modells angelangt, der Modifikation von bisherigen Lehr- und Lernprozessen. Den Lehrpersonen eröffnen sich auf dieser Ebene neue Möglichkeiten für die Aufgaben- und Unterrichtsgestaltung.

Die letzte Ebene des Modells befasst sich mit der Neudefinition (Redefinition) von Lehr- und Lernprozessen. Hier werden ganz neue didaktische Szenarien ermöglicht, die ohne Technologien nicht, oder nur sehr umständlich, realisierbar wären.
Ein Szenario könnte z.B. sein, dass ein international zusammengesetztes Team von Studierenden aus verschiedenen Hochschulen gemeinsam an einem Projekt arbeitet und die Ressourcen online sammelt, kommentiert, bearbeitet und daraus ein Gesamtwerk erstellt, ohne dass die Beteiligten dafür um die halbe Welt reisen müssen. Diese Ebene geht über den Einsatz von Tablets als Lernwerkzeug hinaus, da zusätzlich Technologien für das kollaborative Arbeiten benötigt werden.

Was bedeutet das SAMR Modell für uns?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir uns zurzeit zwischen der zweiten und dritten Stufe des SAMR Modells befinden. Sowohl Studierenden wie auch Lehrpersonen nutzen die funktionellen Verbesserungen der Tablets. Die Studierenden nutzen zudem teilweise auch bereits die neuen Möglichkeiten wie Foto, Audio und Video, welche die Tablets bieten. Der nächste Schritt wäre nun, dass die Lehrpersonen diese neuen Möglichkeiten bei der Aufgabenstellungen berücksichtigen und entsprechende Szenarien in ihre Kurse implementieren.

Langfristig möchten wir mit dem Einsatz neuer Technologien auch die Neudefinition von Lehr- und Lernszenarien ermöglichen. Auf diesem hohen Niveau braucht es aber nebst zuverlässigen Technologien die das kollaborative Arbeit ermöglichen vor allem auch eine hohe ICT- und Medienkompetenz der NutzerInnen, um diese Technologien kompetent anwenden zu können.

Weiterbildung von Lehrpersonen

Der Medienpädagoge Steve Bass machte in seinem Workshop zum Thema Fremdsprachen auf eine Grafik von Mark Anderson aufmerksam. Die Grafik zeigt sehr gut, welche Phasen unsere Lehrpersonen bei der Einführung des papierlosen Studiums durchlaufen.

Teacher confidence in use of technology

von Marc Anderson, www.ictevangelist.com

Bei Einführung einer neuen Technologie befinden sich die meisten Lehrpersonen zu Beginn in einer Art Überlebensmodus (Survival). Sie haben eine neue Technologie zur Hand und würden sie gerne im Unterricht einsetzen, wissen aber nicht wie. Auf diesem Niveau werden ein Einführungstraining und technische Hilfestellungen benötigt, welche die Lehrpersonen dabei unterstützen, sich mit der neuen Technologie vertraut zu machen.

Sind die Lehrpersonen erst einmal mit der Technologie vertraut und beherrschen sie (Mastery), beginnen viele von selbst, damit im Unterricht zu experimentieren. In dieser Phase bilden technische Probleme den grössten Stolperstein. Wenn die Testläufe fehlschlagen führt dies nicht selten zu frustrierten NutzerInnen, die dann nicht gewillt sind, der Technologie nochmals eine zweite Chance zu geben. Wichtig ist deshalb eine funktionierende Infrastruktur und eine technische Begleitung der Testläufe, um allfällige Probleme zu beheben.

Verlaufen die Testläufe erfolgreich, beginnen die Lehrpersonen die neue Technologie regelmässig im Unterricht zu nutzen. Dadurch lernen auch die Studierenden den Umgang mit der neuen Technologie kennen. Wenn sowohl die Lehrpersonen wie auch die Studierenden die neue Technologie kompetent nutzen können, hat sie sich erfolgreich im Unterricht etabliert (Impact). In dieser Phase bieten sich User Foren an, bei denen die NutzerInnen ihre Erfahrungen sowie Tipps und Tricks austauschen und von einander lernen können.

Interessant wird es, wenn die Lehrpersonen im Umgang mit einer neuen Technologie so kompetent sind, dass sie beginnen, sich zu überlegen, welche neuen Lehr- und Lernmöglichkeiten ihnen diese Technologie eröffnen könnte. In dieser Phase (Innovation) beginnen die Lehrpersonen neue didaktische Szenarien in ihrem Unterricht auszuprobieren. Wenn dieser Prozess der Innovation erfolgreich verläuft, führt dies zu neuen Best Practice Modellen, die sich positiv auf die Qualität der Lehre auswirken können.

Damit schliesst sich der Kreis zum SAMR Modell, denn der Schritt der Innovation führt zu einer Modifikation oder gar einer Neudefinition von Lehr- und Lernszenarien.

Die beiden oben stehenden Modelle verdeutlichen, was wir eigentlich schon alle wissen:
Wir können nicht erwarten, vom Novizen direkt zum Experten zu werden.
Die Implementierung neuer Technologien in die Lehre ist ein komplexer Prozess, der Zeit braucht.

Wir können die Lehrpersonen und die Studierenden in diesem Prozess mit Hilfestellungen unterstützen und als Hochschule Rahmenbedingungen schaffen, welche die Hochschulangehörigen motivieren, sich neuen technologischen und didaktischen Herausforderung zu stellen.

Welche Tools darf man im Unterricht eigentlich verwenden?

Der Einsatz von Tablets im Unterricht eröffnet viele neue Möglichkeiten im Unterricht. Dazu gehört auch der Einsatz von innovativen Apps und Tools, die meist von Drittanbietern mit Sitz in den USA stammen.

Unsicherheit bei der Nutzung von Drittapplikationen

Kürzlich haben wir eine Weiterbildung zum didaktischen Einsatz von Tablets im Unterricht für Lehrpersonen durchgeführt. Dabei wurden nebst hochschulinternen Plattformen wie Moodle, SharePoint, Mobile Response und den SWITCH Tools auch externe Dienste wie Microsoft OneNote, Evernote, Prezi, Explain Everything, Google Docs, Twitter, Trello, Storify und Padlet vorgestellt. In der darauf folgenden Diskussion haben wir festgestellt, dass bei den Lehrpersonen grosse Unsicherheit betreffend der Nutzung solcher externer Plattformen besteht.

Im Zentrum stand dabei die Frage rund um den Datenschutz, da wir als Hochschule an die Gesetze des Kantons Zürich gebunden sind. So dürfen besondere Personendaten (wie z.B. Daten über Gesundheit, Rassenzugehörigkeit, Weltanschauung, Intimsphäre) und weitere sensitive Daten mit besonderen Geheimhaltungspflichten (z.B. Prüfungsergebnisse) gemäss Gesetz über die Information und den Datenschutz nicht an Dritte übermittelt werden.

Wann darf man externe Tools und Apps verwenden?

Wir haben daher bei Marc McGuinness, dem ICT-Sicherheitsbeauftragten der ZHAW, nachgefragt, wann man Plattformen von Drittanbietern verwenden darf, und wann Vorsicht geboten ist.

Externe Dienste, wie z.B. OneDrive, Google Docs und Skype dürfen eingesetzt werden, wenn:

  1. die übermittelten Daten keinen Geheimnis- oder Schutzpflichten (wie Persönlichkeitsrecht, Datenschutz und Amtsgeheimnis oder auch vertrauliche Daten aus Forschungsprojekten) unterliegen;
  2. keine Vorgaben zur Ablage und Archivierung der ZHAW verletzt werden und
  3. keine Immaterialgüterrechte der ZHAW oder von Dritten wie bspw. Urheberrechte betroffen sind.

Sofern keine sensiblen oder vertraulichen Daten übermittelt werden, können Lehrpersonen und Studierende nicht-vertrauliche Lehrinhalte und nicht-vertrauliche Studienarbeiten mittels externer Dienste teilen und bearbeiten.

Für den Austausch und die Bearbeitung von sensiblen und vertraulichen Daten stehen an der ZHAW mit der Lernplattform Moodle und der Kollaborationsplattform SharePoint zwei mächtige Tools zur Verfügung. Für den Datenaustausch bietet sich nebst der internen Pool-Ablage und SharePoint zudem auch der akademische Cloud-Dienst SWITCHdrive und OneDrive for Business (ab September 2016) an.

Für Mitarbeitende und Studierende empfiehlt sich zudem ein Blick auf die folgenden Dokumente (GPM):

Ohne Netz und doppelten Boden

Im Juni 2015 hatten die Lehrpersonen am Institut für Biotechnologie Gelegenheit, einen Kurs zum didaktischen Einsatz von Tablets im Unterricht zu besuchen. Der Kurs wurde in Zusammenarbeit mit Dr. Maren Lübcke und Fabienne Javet vom ZID durchgeführt und wir konnten Maren Lübcke für einen Gastbeitrag auf unserem Blog gewinnen.

Gastbeitrag von Dr. Maren Lübcke

Eines der für mich interessantesten Ergebnisse aus dem Papierlosen Studium ist die Beobachtung, dass sich die Studierenden durch das papierlose Studium deutlich intensiver mit den ausgegebenen Unterlagen beschäftigen als die Studierenden, die noch die Skripte ausgedruckt bekommen.

Wie wir in der folgenden Abbildung sehen können, stimmen der Aussage „Ich unterstreiche und schreibe in der Regel viel“ 67.7% der Studierenden der Tabletklasse zu, während nur 3% diese Aussage ablehnen. Damit unterscheiden sich diese Werte signifikant von den Antworten aus der Vergleichsklasse.

Notizen_BT12Dieses Ergebnis wird auch durch andere Studien bestätigt, zum Beispiel kommen Bush & Cameron, 2011 oder auch Messinger, 2011 zu ähnlichen Ergebnissen.

Die Möglichkeit zu tippen, aber auch Skizzen zu machen, handschriftliche Notizen einzufügen und mit Farben zu arbeiten ermöglicht es den Studierenden, sich während des Unterrichts viel intensiver mit den Unterlagen auseinander zu setzen, als dies mit Papier möglich ist. Denn man schreibt nicht so schnell wie man tippt und der Platz auf den oft eng beschriebenen Folien ist für handschriftliche Anmerkungen begrenzt. Das Tablet und entsprechende Apps zur PDF-Bearbeitung (z.B. http://blog.zhaw.ch/papierlosesstudium/category/apps/) dagegen bietet die Möglichkeit zu einer intensiven Bearbeitung der Unterlagen. Oder wie mir eine/r der Studierenden im Interview sagte: „Der Vorteil ist, dass alles direkt aufgeschrieben werden kann“ (Studierende/r BT 12).

Damit bietet das papierlose Studium die Chance neue Wege zu gehen. Was ist, wenn wir diese/n Studierende/n beim Wort nehmen, und ihn/sie das Skript selbst erstellen lassen? Die Möglichkeiten dazu sind da. Vorderhand werden dann nur noch die sehr komplexen Grafiken oder Formeln ausgegeben, die „Lehrstelle“ in der Unterrichtsdokumentation füllen die Studierenden selbst, auf die Art, die für sie in den späteren Lernphasen am besten ist.

Als Variante dazu kann der Arbeitsauftrag zur Skripterstellung an verschiedene Arbeitsgruppen vergeben werden. Wie eine Art Protokoll, erstellt immer eine Studierendengruppe für eine Stunde das Skript zur Sitzung. Nutzt man Kollaborationstools wie Edupad oder Google Docs, können auch die anderen Studierenden nachgängig Ergänzungen hinzufügen.

Die Lehrpersonen erhalten auf diese Weise zudem Feedback zu den Inhalten, wie diese bei den Studierenden angekommen sind, wo grosse inhaltliche Lücken in der Kursdokumentation sind bzw. es sogar zu Missverständnisses gekommen ist. Die Lehrpersonen selbst können noch relativ kurzfristig ihre Präsentation inhaltlich anpassen, da die Folien nicht mehr vollständig vorgängig verteilt werden.

Sind die Studierenden gezwungen, die Kursdokumentation selbst zu übernehmen bzw. selbst zu organisieren, wird automatisch eine intensivere Beschäftigung mit dem Stoff schon während des Semestern erreicht und – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – die Aufmerksamkeit erhöht. Denn schreibt man in den Vorlesungen viel mit, wird die Aufmerksamkeit fokussiert, der Grad der Ablenkung sinkt.

Das Studierende in den Vorlesungen Mitschriften anfertigen ist sicherlich keine neue Idee. Durch die Nutzung von Tablets sind die Möglichkeiten zur Skriptgestaltung aber vielfältiger und individueller geworden. Von Mitschriften über Fotodokumentationen bis zu Skizzen und Zusammenfassungen oder sogar Tondokumentationen ist alles möglich. Jeder / jede muss seinen persönlichen Weg finden. Die Ausbildung einer wichtigen Fertigkeit wird damit unterstützt, auch im Sinne der generellen Fähigkeiten zum Lebenslangen Lernen.

Autorin

luebDr. Maren Lübcke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Innovative Didaktik (ZID) der ZHAW School of Management and Law. Sie leitete die didaktische Evaluation unseres Pilotprojektes zum papierlosen Studium. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Kommunikationssoziologie, Soziologie neuer Medien, Techniksoziologie, Organisationssoziologie und System Theory.

Literatur

Bush, M. H., & Cameron, A. H. (2011). Digital course materials: a case study of the apple ipad in the academic environment. Pepperdine University, Malibu CA.

Messinger, J. (2011). M-Learning: An exploration of the attitudes and perceptions of high school students versus teachers regarding the current and future use of mobile devices for learning. Pepperdine University, Malibu CA.