Kategorie: Allgemein (Seite 1 von 2)

Netflix de-abonnieren, kein Bananenbrot backen und weitere Learnings aus dem letzten Semester

Gabriel Otth hat während dem Ausnahmesemester sein Bachelorstudium Facility Management an der ZHAW Life Sciences und Facility Management beendet. Im Interview erzählt Gabriel, wie er sich im letzten Semester organisiert hat und was er für seine künftige Berufstätigkeit daraus mitnehmen wird.

Hoi Gabriel, sag wie war das letzte Semester so für dich? Was hast du unter diesen ungewöhnlichen Umständen erlebt?

Das letzte Semester war definitiv anders als die vorangegangenen fünf! Vor allem auf Grund dessen, dass ich vorher fast 90% meiner Arbeits- und Lernzeit während dem Studium an der ZHAW verbracht habe und nicht zu Hause. Ich wohne eine Viertelstunde vom Campus entfernt und war deshalb auch teilweise von Montag bis Samstag, manchmal sogar auch mal an einem Sonntag an der Fachhochschule. Aus dieser Sicht war das eine ziemlich grosse Umstellung für mich. Ich denke das war für alle auf irgendeine Art und Weise eine Veränderung, aber die meisten haben das gut gemeistert. Nebst der geografischen Veränderung war natürlich auch das soziale Umfeld um meine Mitstudierenden merkbar anders.

Dann hast auch du in dem Fall die Bachelorarbeit von zu Hause aus geschrieben? Wie sah dabei dein Tagesablauf und -struktur während des Lockdowns aus?

Ja genau! Ich habe meine Abschlussarbeit zu Hause geschrieben. Strukturell ging es eigentlich relativ ring. Als das ganze losging, habe ich mir von Anfang an meinen Tagesablauf aufgestellt und beibehalten. Ganz grob war mein Tag in zwei Blöcke aufgeteilt: morgens und abends. Das heisst, ich bin zwischen 6:30 Uhr und 7:00 Uhr aufgestanden, habe Sport gemacht und anschliessend meine Vorlesungen besucht. Diesen Ablauf habe ich grundsätzlich beibehalten und entsprechend war ich auch an allen Vorlesungen anwesend. Da ich so viel auf dem Campus war, trennte ich das private und studentische Leben an der ZHAW streng, was ganz klar ein Vorteil war für mich. Mein zu Hause ist dort, wo ich entspanne, Ruhe finden kann und auch zum Beispiel meine Eltern sind. An der ZHAW schaltet das Hirn dank der geografischen Distanz automatisch in eine Art Lernmodus um. Deshalb hatte ich mit der Umstellung anfangs doch noch etwas Mühe. Daher wusste ich nie so genau, wie sich die Situation entwickeln würde, was genau da auf mich zukommt und ob der Hochschulbetrieb dann auch wirklich digital so abläuft, wie man sich das vorgestellt hat. Schlussendlich hat es sich dann aber eingependelt. Ich hatte zudem plötzlich mehr Zeit zur Verfügung, da beispielsweise der Reiseweg an die ZHAW weggefallen ist. So hat sich die neue Situation nach und nach eingependelt und es war sozusagen alles in Ordnung. Doch bald folgte die Prüfungsphase. Da habe ich dann schon gemerkt, dass das lange und teils auch monotone Lernen angefangen hat zu bedrücken. Ich hatte auf Grund der Absolvierung von mehr Fächern im fünften Semester das Privileg, im sechsten Semester «nur» zwei Fächer zu lernen und die Bachelorarbeit zu schreiben. Dort habe ich dann gemerkt, dass ich sehr viel Zeit zur Verfügung hatte und fühlte mich von Zeit zu Zeit wie in einer Art «Leerlauf». Man macht dann jeden Tag das gleiche – ganz speziell die letzten zwei bis drei Wochen! Mit der Abgabe der Bachelorarbeit ist dann aber bereits eine sehr grosse Hürde genommen. Natürlich habe ich gelernt und habe mich auch gut vorbereitet für die zwei Prüfungen, aber man kommt an einem gewissen Punkt in einen Alltagstrott. Im Nachhinein bin ich der Meinung, dass ich mir teils mehr Freizeit hätte gönnen oder zumindest die Tagesstruktur vom März beibehalten können, die meinen Lernprozess eventuell unterstützt hätte.

Summa summarum verlief die Situation aber gut! Die Prüfungen gingen gut zum online Schreiben, auch wenn es ungewohnt war. Man bekam einen Link und eine Zeitangabe, worüber man sich entsprechend online eingeloggt hat. Während dem ganzen Prozess war man sich nicht sicher, ob man alles richtig macht bezüglich des Einloggens und korrekten Abgabe der Online-Prüfung.

Hattest du zu Hause deine eigene Lern-Ecke? Wie sah dein Arbeitslatz denn aus?

Ganz am Anfang war ich in meinem Schlafzimmer. Das war ganz normal ausgerüstet mit einem Bett, Gestell und einem Bürotisch. Dort habe ich anfänglich gestartet zu lernen und dort hat sich auch mein ganzes Equipment befunden.

Der Arbeitsplatz für die zwei ersten Monate des Lockdowns von Gabriel Otth, zu Haus im Schlafzimmer (Otth, 2020)

Nach etwa zwei Monaten bin ich dann an den Esstisch «umgezogen». Dieser ist um einiges grösser und da scheint noch mehr Sonne ins Zimmer. Es war viel heller mit dem Tageslicht und ich konnte auch sehr gut kurz mal auf die Veranda raus, um meinen Kaffee an der frischen Luft zu trinken.

Generell habe ich momentan sehr viel Platz zur Verfügung, da meine Schwester ausgezogen ist und meine Eltern tagsüber selten zu Hause sind. Ich habe sozusagen ein ganzes Haus für mich, daher konnte ich überall arbeiten, wo ich wollte. Ausserdem hätte ich auch zum Lernen zu Freunden gehen können, habe mich dann aber schlussendlich auf Grund der ausserordentlichen Situation in meinen eigenen vier Wänden doch am wohlsten gefühlt. Nichtsdestotrotz hatte ich sehr viele Optionen, um zu arbeiten.

Was für Equipment hattest du? Wie warst du eingerichtet?

Grundsätzlich war mein Arbeitsmittel der Laptop. Ich bin mit einem MacBook/Surface und meinem iPad sehr gut ausgerüstet. Diese Hardware habe ich in verschiedenen Kombinationen mit diversen Aufgaben benutzt und ausprobiert, was für mich am besten ging. Ausserdem habe ich mit vielen neuen Apps und Programmen experimentiert, die mich beim Einrichten meines digitalen Arbeitsplatzes unterstützten.

Wir haben während dem Studium am IFM ohnehin fast ausschliesslich digital gelernt. Viele Aufträge oder Arbeiten wurden in PDF-Form abgegeben oder online hochgeladen. Da hat sich durch Corona nicht viel verändert; der digitale Aspekt ist geblieben. Ausser die Bachelorarbeit, diese habe ich für die Korrektur dann zweimal in Papierform ausgedruckt.

Was waren im letzten Semester die grösseren Herausforderungen für dich?

Eine grosse Challenge war für mich, einen gewissen Tagesrhythmus beizubehalten. Ich bin mir normalerweise gewohnt, morgens aufzustehen, in die Schule zu gehen, die folgenden acht bis neun Stunden an der ZHAW zu verbringen und dann vielleicht nochmal eine Stunde zu Hause zu lernen. Genau dieser Rhythmus hat mir ein wenig gefehlt und ich musste ihn mir auf eine Art neu antrainieren. Ich war schon einmal in einer ähnlichen Situation während meiner gymnasialen Matura, in der ich mir neue Tagesabläufe aneignen und im Selbststudium lernen musste. Deshalb war es mir nicht ganz fremd. Nichtsdestotrotz war der grosse Unterschied von damals zu heute ganz klar die vorherrschende Unsicherheit bezüglich Abläufe, dem Abschluss, das Lernen, dem Umgang mit digitalen Medien und auch die Kulanz des Umfelds in dieser neuen Situation für alle. Falls etwas auf Anhieb nicht funktioniert hat, stiess man auf Reaktionen wie: «Ist doch nicht so schlimm, dann probieren wir es einfach auf einem anderen Weg!». Mit etwas Unterstützung und Hilfe ist man dann irgendwann reingekommen. Man stiess auf grosse Hilfe, Unterstützung und ein grosses Kulanzwesen. Diese Haltung hat den Übergang in diese neue Situation bedeutend vereinfacht.

Gab es für dich auch positive Aspekte oder sogar Vorteile des Home-Office?

Trotz der anfänglich geminderten Produktivität war ich dennoch imstande, fast gegen Ende des Lockdowns meine Produktivität wieder auf ein top Niveau hochzufahren. Ich hatte mich eigentlich schon wieder an ein «neues Normal» gewöhnt. Es war auch sehr interessant und lehrreich zu sehen, dass es Leute gab, die es bereits vor Corona gemeistert haben, ausschliesslich im Home-Office oder unterwegs zu arbeiten. Das war eigentlich ein guter Moment, es ebenfalls auszuprobieren und zu schauen, ob es für einen selbst in der Zukunft auch passen würde oder eher nicht. Ich hatte auch entsprechend viel Zeit, darüber nachzudenken. Mich beschäftigte auch die Frage, ob ich in Zukunft je einen Job ausüben möchte, in dem ich zu einem Grossteil auch von zu Hause aus arbeiten könnte. Dies kann ich nun nach meiner Erfahrung aber mit einem klaren Nein beantworten, da mir der soziale Austausch mit Freunden und Arbeitskollegen wichtig ist. Das ist sicherlich etwas sehr Positives, dass ich dies jetzt weiss, dass ich zukünftig auf Dauer nicht ausschliesslich so arbeiten möchte.

Natürlich muss ich auch sagen, dass ich viel mehr Zeit mit meiner Familie verbringen konnte als vorher. Wir haben uns bedeutend mehr gesehen, ganz speziell meine Eltern. Dabei haben wir ab und zu gekocht und gemeinsam zu Abend gegessen. Manchmal ist auch meine Schwester vorbeigekommen. Also der familiäre Austausch hat bei uns zu Hause sehr zugenommen in dieser Zeit. Ich habe auch beobachtet, dass ich vertiefter meine sozialen Kontakte gepflegt habe.

Was hast du gemacht, um mit der Situation umgehen zu können? Hast du etwas Neues gelernt oder ausprobiert? Bananenbrot gebackt zum Beispiel?

Also das Kochen habe ich immer noch nicht gelernt (lacht)! Aber ich glaube ein grosses Learning für mich war, dass diese Zeit vorbei geht, dass diese Situation alle getroffen hat und man muss sich irgendwie versuchen zu arrangieren. Ich bin schlussendlich selber für meine Zeit verantwortlich. In meinem Umfeld kenne ich einige Leute, die damit wirklich Mühe hatten und sich nur suboptimal organisieren konnten und mit der Zeit ein gewisses Einsamkeitsgefühl entwickelten. Da kann man als Aussenstehender nur versuchen, gut zu zureden und Unterstützung anzubieten. Das war für mich persönlich wirklich ein grosses Learning, dass man auch in solchen Situationen über sich hinauswachsen kann.

Rein organisatorisch und vom Ablauf her hat sich am Schluss so ziemlich das widergespiegelt, was ich vor sechs Jahren während meiner Matura im Selbststudium schon durchgemacht habe. Ich war ja in einer sehr ähnlichen Situation damals und musste auch den ganzen Tag lang lernen. Jetzt habe ich eigentlich ein ‘re-learning’ oder sozusagen eine Lernschlaufe durchlebt und bin nochmal in diesen Loop reingekommen. Es gab einige Elemente in beiden Situationen, die sehr ähnlich waren und die ich auch selber als kohärent wahrgenommen habe. Natürlich war ich vor sechs Jahren noch auf einem anderen mentalen Level und auch etwas jünger. Aber ich habe beobachtet, dass es mir etwas leichter fiel als anderen, da ich viele Muster von damals wiedererkannt habe. Zusammengefasst ist es einfach wichtig, dass man abends auch mal sagen kann: «Let’s call it a day.», und man dann aber auch aufhört zu arbeiten, abschliesst und die verdiente Freizeit geniesst. Bezüglich meinem Lernverhalten würde ich jetzt nicht besonders viel anders machen. Ich habe schon immer sehr viel und gerne gelernt. Diese Eigenschaft möchte ich auch gerne beibehalten. Der einzige Unterschied ist, dass ich jetzt bedeutend mehr digitale Tools nutze, die ich ausprobieren und mit denen ich arbeiten kann.

Gibt es Tipps und Tricks, die du anderen mit auf den Weg geben würdest?

Also ich würde als allererstes Netflix de-abonnieren (lacht)! Ich würde mich in einem ersten Schritt nicht versuchen mich zu «zwingen», acht volle Stunden lang intensiv zu lernen und nur dazu zu nutzen. Viele Studienkollegen haben am Anfang vielleicht das Gefühl gehabt, dies so machen zu müssen, um denselben «Drive» wie an der ZHAW beibehalten zu können. Sobald man aber in einer solch neuen Situation wie Corona ist, ändert sich schlagartig vieles. Man merkt mit der Zeit, dass man auch mal ganz gut mit fünf oder sogar vier Stunden Lernen am Tag sehr effizient sein kann. Es lohnt sich in solchen Momenten, auf die digitalen Tools zurückzugreifen und diese auszuprobieren. Ein klassisches Beispiel ist hierbei die Interviewtranskription. Zu diesem Thema gibt es mittlerweile unzählige Tools, die diese doch eher aufwändige Arbeit bedeutend vereinfachen. Es sind viele Kleinigkeiten, die man ausprobieren sollte und sehen, ob es etwas für einen ist oder nicht, im Sinne von «Try and Error». Ich denke aber schlussendlich auch, dass das Wichtigste das soziale Umfeld ist. Dieses sollte man auf jeden Fall pflegen und aufrechterhalten.

Was nimmst du aus diesem speziellen «Corona-Semester» für dich mit in die Zukunft?

Auf jeden Fall nehme ich mit, dass ein Setting teilweise an der Uni und partiell zu Hause, definitiv Potential hat. Ich bin mir aber auch sicher, dass sich ein gewisser Teil der Hochschulwelt noch weiter digitalisieren wird. Gegen diesen Wandel oder Veränderung kann und sollte man nicht gegensteuern. Ich begrüsse es jetzt nicht unbedingt und finde immer noch, dass Kontaktunterricht wichtig ist. Nichtsdestotrotz hat sich gezeigt, dass es wirklich viel neue Methoden gibt, zu unterrichten. Es ist für die Dozierenden als auch Studierenden nicht einfach, vier Stunden lang vor dem Laptop zu sitzen. Oftmals ist man leider schon nach kurzer Zeit mit den Gedanken abgeschweift. Aber dies ist nicht immer der Fall. Grösstenteils durfte ich den Unterricht bei Dozierenden erleben, die den Unterricht sehr interaktiv gestaltet haben. Mit Aktivitäten wie «Breakout-Sessions» oder persönlichen Gesprächen und Diskussionen in den Vorlesungen wurde die Interaktivität gewährleistet. Das hat sich auch so gezeigt und den Unterricht ein Stück weit auch transformiert. Ich bin sehr gespannt darauf, wie das im September dann wird!

Welche Erwartungen hast du an die ZHAW? Was könnten sie in Zukunft besser machen?

Was sie bestimmt nicht besser machen können, kann ich gleich sagen: Sie haben sehr schnell auf die neue Situation reagiert und die Umstellung auf Online-Vorlesungen verlief sozusagen problemlos. Sie haben innerhalb einer Woche das ganze digitale Medium aufgebaut, was wirklich super ist! Was sie vielleicht machen könnten oder während dem Lockdown hätten machen können, wäre eine Rangliste wie «Best Application for remote Work» oder ähnliches. Was ich auch noch schön gefunden hätte, wäre ein grosses «Online-Get-Together» gewesen, in dem man auch nebst der Studienthematik auch ein wenig die individuellen privaten Situationen hätte einbringen können. Aber im Grossen und Ganzen gibt es nicht viel Optimierungspotential bei uns am Institut; Sie haben wirklich vollen Einsatz für uns Studenten gezeigt. Sie haben die ausserordentliche Corona-Situation dazu genutzt, um das ganze praktische Umfeld, worin viele von uns später arbeiten werden, gleich auf unser Studium anzuwenden!

Durchstarten mit dem Startup während dem Ausnahmesemester

Nicolin Gauler ist Masterstudent in der Vertiefung Applied Computational Life Sciences an der ZHAW Life Sciences und Facility Management. Nicolin erzählt im Interview, wie er während dem Ausnahmesemester seinen zweiten Masterabschluss angeht, am Universitätsspital Zürich arbeitet und nebenbei ein Startup gründet. Und nun überlegt, ob er noch doktorieren soll.

Ciao Nicolin, erzähl mal wie es für dich im vergangenen Semester in dieser speziellen Lage war und wie es dir so erging.

Mir ging es generell sehr gut. Die Umstellung auf digital kam sehr schnell. Aber das war für mich kein Problem, da ich schon immer eher so als konventionell gelernt habe. Daher hatte ich nicht besonders Mühe damit. Zudem studiere ich Teilzeit an der ZHAW, weshalb es bei mir nur ein kleineres Pensum von knapp zwei Tagen betraf. Aber am stärksten habe ich Veränderungen in der Phase wahrgenommen, in der ich an einem Projekt im Rahmen des Hackathon «VersusVirus» anfangs April mit Mitstudenten der ZHAW teilgenommen habe. Der 48 Stunden Sprint hat sich mit Herausforderungen rund um Covid19 befasst. Daraus entstand unser Fokus auf das Problem, dass Krankenhäuser keine automatisierte Echtzeit-Überwachung für das Ressourcen Management rund um die Intensivpflegeplätze haben. Wir haben dann das Konzept CareFinder ausgearbeitet und mit einem Prototypen getestet. Aus diesem Projekt heraus habe ich mich vor rund zwei Monaten entschieden, parallel zum Studium, ein Startup zu gründen und mich selbstständig zu machen. Folglich habe ich das Studium etwas limitierter mitverfolgt. Es war trotzdem sehr gut machbar, da das Studium Teilzeit ist. Ich hatte zu Beginn des Projekts noch eine Anstellung am Unispital, weil mir dann diese Stelle, aufgrund der Corona Situation, gekündigt wurde, gab mir dies die ganze Kapazität, um mich dem Start-Up Projekt voll und ganz zu widmen. Ich bin zwar jetzt offiziell alleine an diesem Projekt dran, habe gute Unterstützung von einem breiten Advisory-Board, wurde kürzlich auch von der ZHAW am «RUNWAY Incubator» in Winterthur angenommen. In diesem Programm werden Startups mit verschiedensten Coachings und Trainings, sowie Co-Working Infrastruktur, je nach Bedürfnis, unterstützt.

Zusammengefasst ist es das, was ich die letzten zwei Monate gemacht habe. Es ist zwar alles aus dem Studium heraus entstanden, aber eigentlich war es das Projekt und die damit zusammenhängende Startup-Entwicklung, was mein Semester bestimmt hat. Dies wird meine kurz bis mittelfristige Zukunft beeinflussen und begleiten. Ohne das Studium und die geknüpften Kontakte im Studium hätte sich dieses Projekt nicht ergeben.

Du warst ja zwei Tage die Woche im Studium eingebunden. Wie hat sich die von Corona beeinflusste Realität auf deine Tagesstruktur ausgewirkt?

Zu dieser Zeit war ich noch kurz vorher zu 40% Teilzeit im Universitätsspital angestellt. Während der Corona Zeit, also Mitte März bis Ende April, konnte ich mein Pensum auf 80% erhöhen. Durch das erhöhte Arbeitspensum habe ich die Kurse, in Absprache mit meinen Vorgesetzten, oftmals an meinem Arbeitsplatz im Universitätsspital nachverfolgt. Ich durfte dort die Infrastruktur nutzen, um mein Studium nachzuverfolgen. Somit war ich möglichst schnell im Krankenhaus wieder verfügbar, wenn sie mich brauchten. Teilzeit war ich im USZ und der Rest der Zeit war ich zu Hause und habe aus dem Home-Office gearbeitet. Das waren eigentlich meine beiden Arbeitsplätze.

Der Arbeitsplatz zu Hause in der WG von Nicolin Gauler (Gauler, 2020)

Wie können wir uns denn deine Arbeitssituation im USZ vorstellen? Hast du einfach deinen Laptop ins Spital mitgenommen?

Ich hatte vor Ort einen Arbeitsplatz mit zwei Bildschirmen und habe meinen privaten Laptop dabei. Je nachdem, welches Fach oder was ich zu tun hatte, habe ich zum Beispiel meinen Laptop Bildschirm geteilt und ein anderes Gerät zum Notizen oder Codes erstellen gebraucht. Hauptsächlich habe ich aber meinen Laptop benutzt.

Der flexible Arbeitsplatz auf Abruf von Nicolin Gauler im Universitätsspital Zürich (Gauler, 2020)

Bist du vor weiteren bestimmten Herausforderungen im letzten Semester gestanden? Hat dir etwas gefehlt oder hast du etwas als besonders schwierig empfunden?

Was mir am meisten gefehlt hat, war der direkte Austausch mit meinen Mitstudierenden und den Dozenten. Natürlich gab es auch Möglichkeiten, in Chats oder in Videoanrufen zu sprechen. Nichtsdestotrotz haben mir die kleinen menschlichen Dinge, wie zum Beispiel in der Pause gemeinsam an der frischen Luft einen Kaffee zu trinken, doch sehr gefehlt. Tage, an denen bestimmte Fächer von neun bis vier gehen, sind schon sehr fordernd. Ganz speziell, wenn man den ganzen Tag zu Hause ist und Pausen im Endeffekt auch wieder alleine verbringt. Das war nicht besonders amüsant und erschwerte somit umso mehr, die Motivation über sechs oder sieben Stunden lang im Unterricht aufrecht zu erhalten. Knapp den ersten Monat hatten wir noch Vorlesungen an der FHNW in Olten. Das war natürlich etwas völlig anderes. Dort konnte man nach spätestens ca. 45 Minuten immer mit jemandem sprechen, war draussen oder einfach von Menschen umgeben. Fachlich war es eigentlich nur von Vorteil, ganz speziell der technische Aspekt und die damit erschaffenen Möglichkeiten. Das haben die Dozenten wirklich sehr gut gemacht und super umgesetzt.

Zudem müsste ich hier noch kurz ergänzen, dass ich zwar alle Module besucht habe, aber die Prüfungen aus diesem Semester verschoben habe. Ich habe einfach meine Prioritäten auf das Startup legen wollen. Da war ich transparent und habe natürlich entsprechend mit meinen Dozenten kommuniziert. Dies ist mein zweiter Master und ich habe diesen ausschliesslich aus intrinsischer Motivation, Interesse, und um mich mehr in Data Science einzugeben, angefangen. Entsprechend ging es mir nie nur darum einen Abschluss zu machen, sondern mehr darum, mein Wissen zu erweitern, den Fokus so zu legen, wie es für mich stimmt, und um den akademischen Austausch zu haben. Mittlerweile ziehe ich auch in Erwägung ein Doktorat anzuhängen, da ich mich nicht zu weit weg vom akademischen Forschungsbereich weg entwickeln will. Daher fand ich dieses Studium eine gute Möglichkeit, einen Fuss drin zu lassen, weiter meine Kontakte aufzubauen und à jour zu bleiben.

Gab es für dich auch Vorteile an dieser Corona-Situation?

Ja, Vorteile gab es ganz klar! Alle, vor allem Dozierende, mussten sich mal mit den digitalen Plattformen auseinandersetzten. Ganz speziell sind das wahrscheinlich auch eher die älteren Generationen, die sich in den letzten Jahren wenig mit der Digitalisierung befasst haben und damit auch etwas mehr Mühe hatten. Ich glaube, diese Situation war trotzdem sehr wertvoll, dass verschiedene Leute gelernt haben, mit diesen flexiblen Möglichkeiten umzugehen. Vielleicht beeinflussen diese neuen Erkenntnisse, nicht nur das Studium, sondern grundsätzlich die akademische Arbeitsweise. Allenfalls reicht es so weit, dass sich die verantwortlichen Personen in diesem Zusammenhang öfter fragen, ob es wirklich notwendig ist, dass man eine physische Sitzung oder eine Konferenz hält. Also hinterfragt, ob es bedingt, dass Leute aus allen Erdteilen irgendwohin reisen «nur» um sich auszutauschen. Vielleicht gibt es auch Möglichkeiten, statt bei jedem Anlass physisch dabei zu sein, die Zusammenkünfte einmal physisch und einmal virtuell durchführt. Ausserdem wäre es hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt, für die akademische Welt ganz bestimmt ein weiterer Bonus. Schliesslich haben jüngste Ereignisse ja gezeigt, dass es auch so geht. Selbstverständlich ist der zwischenmenschliche Kontakt unersetzbar, wichtig und sollte auch nicht vernachlässigt werden. Nichtdestotrotz denke ich, dass es hier trotzdem viel Potential gibt, wo man alles so ausbalancieren kann, damit sich beides potenzieren kann.

Was sind deine wichtigsten Learnings aus der Corona-Zeit? Hast du etwas getan, das dir half mit dieser Situation besser umgehen zu können? Nimmst du etwas mit?

Dadurch, dass ich zu Hause war, hatte ich viel Zeit, mich um andere Dinge zu kümmern. Ich habe sehr viele Sachen entdeckt, die ich sonst nie gemacht hätte.

Wie zum Beispiel?

Ich habe meine Wohnung total begrünt, mir eine kleine Liegelounge auf dem Balkon gebaut, Sachen auseinander gebaut und upcyclet. Einfach alles Dinge, für die ich sonst nie oder sehr wenig Zeit (zu Hause) hatte, weil ich viel draussen war, mich mit Freunden getroffen habe, und am Arbeiten war. Also mir war nie langweilig, noch habe ich je sagen müssen, dass ich mich eingesperrt fühle. Natürlich habe ich auch noch das Glück, dass ich einen Balkon habe, der relative ruhig gelegt ist. Ehrlich gesagt, war für mich diese Phase eigentlich eine der besseren Zeiten.

Der Lerneffekt, den ich durch das Studium und diese Plattformen wie zum Beispiel MS Teams, Zoom, usw. erfahren durfte, hat mir bei der Weiterentwicklung des Startups und des Netzwerkes selbstverständlich enorm geholfen. Im Endeffekt war es «nur» ein Transfer von einem zum anderen Thema, denn die digitalen Hilfsmittel blieben dieselben. Die ganzen Kontakte, die ich in den vergangenen Monaten aufgebaut habe, waren 95% digitale Begegnungen. Ich habe diese Leute noch nie physisch gesehen und es funktioniert. Man kann auch so das Vertrauen aufbauen, eine offene und direkte Kommunikation führen. Das empfinde ich als etwas sehr Schönes und Wichtiges, dass solche Dinge möglich sind und viele Menschen diese Erfahrung machen durften. Man schätzt den Stellenwert eines physischen Treffens oder die menschliche Interaktion auf diesem Weg noch viel mehr und realisiert vielleicht aber auch, dass dies nicht so selbstverständlich ist, wie man es die letzten Jahre annahm. Ultimativ hat sich für manche Menschen auch das Bewusstsein verändert, wie man mit gewissen Menschen umgeht, egal, ob das jetzt jemand aus der Geschäftswelt ist oder irgendjemand auf der Strasse. Ich finde das sehr interessant, dass es auch für mich psychologisch eine Erkenntnis ergab. Heute habe ich einen viel bewussteren Umgang mit meinen Mitmenschen. Unabhängig davon, ob man von seinem Gegenüber etwas braucht oder nicht. Sondern dass man gemeinsam eine Umgebung teilt, sollte schon genug sein, dass man einem anderen Menschen Wertschätzung entgegen bringt. Diese Zeit hat mir diesbezüglich als Lerneffekt gedient und ich hoffe, dass das auch bei anderen Menschen etwas vermittelt hat, das sich nachhaltig für unsere Gesellschaft weiterbildet. Genau für solche Gedanken hatte ich viel Zeit und habe mir diese gerne genommen.

Was nimmst du aus dieser speziellen Zeit mit für die Zukunft? Gibt es etwas, das du dir von der ZHAW für die Zeit nach Corona, dem «neuen Normalzustand», wünscht?

Ich glaube an das Potential dieses Pilotsemesters, in dem alles digital war. Für die nahe Zukunft sollte diese Phase evaluiert und in Rücksprache mit Dozenten, Professoren und den Studenten möglichst gut analysiert werden. Die digitalen Erfahrungen der involvierten Parteien im vergangenen Semester bilden dann das Grundgerüst für die Umgestaltung des alltäglichen Unterrichts und sollte auch in die Semesterplanung einfliessen.

Man sollte anfangen solche Vorteile zu nutzten und zu schätzen wissen, dass beispielsweise die Leute nicht mehr von ihrem Standort abhängig sind. Das ist ebenfalls ein Faktor der entscheidet, ob jemand studieren kann/will oder nicht. Für viele ist es teilweise eine grundlegende Entscheidung, ob sie das Studium an spezifischen Universitäten aufgrund Distanzen und der Wohnsituation aufnehmen, denn es ist meistens stark abhängig von finanziellen Mitteln. Das beeinflusst entweder die Bereitschaft zum Pendeln oder zum mehr Miete in grossen Städten zu bezahlen.

Ich bin der Meinung, dass das Bildungssystem mit den technologischen Möglichkeiten noch viel inklusiver und gleichberechtigter werden kann. Ganz speziell für Menschen, die nicht dieselben Voraussetzungen von Haus aus mitbringen wie andere. So könnten auch finanziell Schwächere genauso gut an einem Studium teilhaben, wie jemand der sich über die finanziellen Mittel wenig bis gar keine Gedanken machen muss. Hier können diese Erkenntnisse wirklich genutzt werden, um die Zugänglichkeit von Ausbildungsstätten der Tertiärstufe sicherzustellen.

Was sicher auch ein weiterer Verbesserungsvorschlag wäre, ist der Prüfungsmodus in den einzelnen Studiengängen. Vielleicht könnte man darauf schauen, dass man mehr und vor allem besser koordinierte Möglichkeiten den Studierenden dabei bietet. Ich habe diesen Punkt nun oft in meinem Umfeld von Mitstudierenden gehört. Anscheinend war oft weder der Prüfungsmodus klar, noch wie die Prüfung aufgebaut oder der genaue Ablauf ist. Für genau solche Erfahrungen wäre ein standardisiertes Protokoll sehr von Vorteil. Darin könnte jede Universität sicher einmal die Grundbedingungen schaffen und nachher in einem föderalistischen Prinzip jedes Departement eigenständig umsetzen lassen. Ich fände das sehr wichtig, dass das mit einer sehr hohen Transparenz passiert, so dass Studenten von Anfang des Semesters schon wissen, wie die Prüfungsarten aussehen.

Selbstverständlich sollte man das jetzt natürlich nicht als Vorwurf aufnehmen, da dies das erste Mal für alle Involvierten war. Nichtdestotrotz bin davon überzeugt, dass man voneinander lernen kann, wenn man zusammensitzt. Die Chancen stünden am besten, wenn man innerhalb der einzelnen Departemente ein Gremium bilden würde, das sich mit der Digitalisierung an der Ausbildungsstätte auseinandersetzt. Das gemeinsame Arbeiten mit Studenten, Dozenten und Studentenvereinigungen an Zielvorgaben, die einen möglichst transparenten Prozess erarbeiten, der ultimativ für alle Beteiligten mit der besten oder zumindest angenehmsten Situation endet. Das wären meine Erwartungen an die ZHAW: dass sie da Nägel mit Köpf machen.

Schliesslich rühmt sich die ZHAW auch mit dem Digitalen, vor allem unser Studiengang, der genau für die Nachfrage der Digitalisierung konzipiert wurde. Und trotzdem ist das Studium noch sehr analog unterwegs. Beispielsweise musste ich ganz am Anfang des Studiums alle Studienvereinbarungen und Formulare analog ausfüllen. Natürlich konnte ich die Unterlagen auch via PDF ausfüllen aber das war auch nicht wirklich sehr vorteilhaft. Ich musste meine zuvor gesammelten ECTS Punkte alle einzeln eintragen, von Hand zusammenzählen, mich durch diese Seiten durchkämpfen und habe mich gefühlte 100 Mal verrechnet. Es ist nicht nur sehr wichtig, hoch gesteckte Ambitionen zu haben, man sollte auch diese kleinen Schritte machen, um einen Prozess ganzheitlich digitalisieren zu können. Es fängt immer dort an, wo die Leute tagtäglich durch einen gewissen Prozess durchmüssen. Das sind ja schliesslich Menschen, die in der Studienkoordination arbeiten, aber auch Professoren, Dozenten und Studenten, die von einem vereinfachten Prozess profitieren würden. Ich finde schon, dass das etwas ist, das die ZHAW zukunftsorientiert und noch mehr wirtschaftsaffin machen würde. Ich habe die ETH vorher erlebt. Das sind zwei völlig unterschiedliche Arten, eine Institution zu führen und akademische Bildung zu vermitteln. Das Eine sehr auf Grundlagenforschung und theoretisches Wissen basiert und das Andere hat eher den direkten Bezug zur Wirtschaft. Dementsprechend finde ich, trotz agileren Strukturen, sollte die ZHAW auf solche Bedürfnisse schneller eingehen können. Da kommt vielleicht auch die Herausforderung, dass die ZHAW eher wie ein Unternehmen gemanagt wird, als wie eine Universität/ETH, in den Professoren und Dozenten viel mehr Eigenverantwortung haben. Ich glaube das ist die grosse Herausforderung in den nächsten Semestern, um die neuen Erkenntnisse in den Alltag einfliessen zu lassen und vor allem einen transparenten Prozess zu erarbeiten.

Das Studium noch ein bisschen selbständiger gestalten – dies erfordert ein Umdenken auf beiden Seiten des Hörsaals

Timon Alder studiert Biotechnologie und ist Klassensprecher für den BT Jahrgang 2019 an der ZHAW Life Sciences und Facility Management. Im Interview erläutert Timon seinen Lernansatz fürs erfolgreiche Studium, der auch auf die Arbeitswelt vorbereitet.

Hoi Timon! Erzähl doch mal von deinem Corona-Semester. Wie ist es dir so ergangen? Wie bist du mit diesen einzigartigen Umständen während dem Studium klargekommen?

Grundsätzlich hat sich für mich nicht viel geändert, da ich davor schon eher punktuell die Vorlesungen besucht habe. Nun konnte ich mit gutem Gewissen von zu Hause aus lernen. Denn, als die Vorlesungen vor Corona noch nicht aufgezeichnet wurden, hatte ich teilweise die Befürchtung, etwas Wichtiges zu verpassen. Einige wenige Dozenten teilten gerne mal Hinweise auf Prüfungen ausschliesslich im Unterricht, vermutlich um sicherzustellen, dass die Studenten auch wirklich in die Vorlesungen kommen. Die Online-Vorlesungen sind eine sehr willkommene Ergänzung der Hochschule. Trotzdem habe ich schon vor Corona früh im Studium gemerkt, dass mein Lerntyp ein anderer ist. Für mich funktioniert es sehr gut, mir selbstständig Wissen anzueignen. In meinen bisherigen zwei Grundsemestern, in denen wir Grundlagenfächer wie Mathematik, Physik, Chemie, Biologie usw. haben, hat das sehr gut funktioniert. Für diese Fächer existiert eine grosse Auswahl an entsprechender Fachliteratur, auf die zurückgegriffen werden kann. Damit arbeite ich sehr gerne, denn diese Lektüren haben oft einen klaren Aufbau und sehr gute Übungen, um das Wissen zu überprüfen. Generell habe ich das Gefühl, dass ich stark vom Studium profitiere, wenn ich lerne, mir selbständig Wissen anzueignen.

Wie sah denn dein Tagesablauf aus? Wie hast du deine Tage strukturiert und wo hast du gearbeitet?

Ich kann dir meinen Arbeitsplatz auch gleich zeigen!

Für das autodidaktische Home Learning ausgerüsteter Arbeitsplatz von Timon Alder, 2. Semester Biotechnologie an der ZHAW LSFM (Alder, 2020)

Mein Tagesablauf war sehr abwechslungsreich. Generell gehe ich im Studium folgendermassen vor: Sobald der Lehrplan fürs Semester draussen ist und feststeht, welches Wissen in welchem Fach wir uns aneignen müssen, erstelle ich mir einen Plan. Dabei teile ich die grossen Blöcke von Fächern in kleine Portionen und visualisiere diese grob auf einem Whiteboard. Den Plan bildlich darzustellen, hilft mir sehr! So kann ich nach Lust und Laune jeden Tag, von irgendeinem Fach das mich reizt, ein kleines Häppchen erledigen. So kann man immer etwas abhaken, es als erledigt betrachten und das zur Seite legen. Das sind dann jedes Mal kleine Erfolgserlebnisse, die mich am Ball halten. Dieses Vorgehen bringt entsprechend genug Abwechslung in den Lernalltag. Ich kann so auch Fächer miteinander kombinieren, die Sinn für mich machen. Dabei kombiniere ich die Lerneinheiten möglichst so, dass vorher Gelerntes nicht mit neuem Wissen überlagert wird. Also vermeide ich es beispielsweise möglichst, dass ich morgens Mathematik und Physik kombinieren muss. Beides Fächer, in denen viel Rechenleistung gefordert ist. Dieses interferenzfreie Lernen funktioniert für mich sehr gut. Zwischendurch mache ich entweder morgens oder abends Sport oder gehe über den Mittag auch mal im Rhein Schwimmen.

Weil der Weg zur Fachhochschule für mich relativ weit ist, hat das Wegfallen des Pendelns das Semester für mich effizienter gemacht. Es hat mir sehr viel Freiheiten gegeben. Die Lebensqualität ist gestiegen und ich bin entspannter geworden. Natürlich erst nach den anfänglichen Unsicherheiten, denn als Corona losging, wusste man nicht, ob es überhaupt weiter geht mit dem Studium.

Was waren so die grossen Herausforderungen im letzten Semester für dich, wenn es ums Lernen ging?

Was mir natürlich sehr gefehlt hat, waren die Praktika. Im zweiten Semester haben wir ein Chemie- und ein Mikrobiologiepraktikum. Das war online natürlich schwierig durchzuführen. Nichtsdestotrotz haben es die Dozierenden geschafft, die Lerninhalte als Problemstellungen zu formulieren, die wir bearbeiten mussten. Zum Beispiel die Isolierung und Identifizierung von ausgewählten Bakterien-Gattungen. Um dies nur hypothetisch durchzuführen braucht es ein ausgeprägtes Vorstellungvermögen, weshalb ich trotzdem viel daraus gelernt habe. Dennoch werde ich mir die praktischen Fähigkeiten im Laufe des Studiums noch vermehrt aneignen müssen. Daher denke ich, dass richtige Praktika an der Hochschule unersetzbar sind. Natürlich gibt es Verbesserungspotential, aber in Anbetracht der Umstände bin ich sehr zufrieden wie das Semester stattgefunden hat. An dieser Stelle auch ein Kompliment an die Dozierenden, die es geschafft haben, ihre Vorlesungen weiterhin durchzuführen oder kreativ umzustellen. Sie haben wirklich bemerkenswert schnell und gut auf die Situation reagiert. Denn es gibt Dozierende, die seit vielen Jahren auf dieselbe Art unterrichten, alt und bewährt. Und dann müssen sie plötzlich umstellen. Ich glaube das war eine grosse Herausforderung. Nun hoffe ich, dass diese Corona Zeit auf beiden Seiten, bei Studierenden als auch Dozierenden, zu einem Umdenken anregt.

Also hat sich aufgrund des Lockdowns nicht besonders viel geändert für dich?

Eigentlich hat sich in Bezug auf das Studium vieles zum Positiven verändert.

Gab es auch negative Aspekte an der speziellen Situation?

Im Rahmen einer Arbeit, die ich für das Fach KGS (Kultur, Gesellschaft und Sprache) schrieb, musste ich mir bereits Gedanken darüber machen. Ich kann nur wenige negative Aspekte erkennen. Ich höre aber von vielen Mitstudierenden, dass ihnen die soziale Interaktion fehlte. Verständlich, denn für manche steht beim Studium nicht ausschliesslich das Lernen im Vordergrund. Der oft gelebte Studenten-Lifestyle, neue Freunde zu finden, eins zu Trinken oder am Donnerstagabend in den Ausgang zu gehen, blieb hier natürlich auf der Strecke. Vermutlich hat mir persönlich das nicht so sehr gefehlt, weil ich die Prioritäten ein wenig anders setze. Denn als ich mich vor zwei Jahren entschied, die BMS nachzuholen, um Biotechnologie zu studieren, wusste ich, dass es einige Jahre der finanziellen Entbehrungen werden würden. Deshalb steht für mich beim Studieren das Lernen im Vordergrund. Die soziale Interaktion mit der Klasse ist mir jedoch sehr wichtig. Als Klassensprecher muss ich ein Gefühl dafür haben, wo die Klasse steht und was ihre Bedürfnisse sind. Dies war natürlich schwierig, weil wir uns kaum gesehen haben. Allerdings haben Tools wie Moodle und MS-Teams hier sehr geholfen. Wodurch übrigens Gruppenarbeiten teilweise sogar effizienter geworden sind.

Was denkst du, warum denn Projekte in Gruppen gerade jetzt effizienter geworden sind?

Es hängt sicher sehr davon ab, wie die Gruppe organsiert ist. Wir haben das immer so gemacht, dass jemand den Lead übernommen hat. Anschliessend wurde die grosse Gruppenarbeit aufgeteilt und es wurden klare Aufgaben untereinander verteilt. Danach hat man sich zu einem gewissen Zeitpunkt wieder getroffen und da war klar, wer bis wann, was erledigt haben muss. Zuvor haben wir auch besprochen, was wir an diesem Meeting besprechen werden. Das lief folgendermassen: Jede Person stellte vor, was sie oder er gemacht hat und dann besprachen wir das weitere Vorgehen. Wenn man sich jedoch persönlich trifft, ist es oft so, dass man dann sagt: «Komm wir treffen uns um 14:00 Uhr und dann schauen wir einfach mal.» Dann spricht man über alles mögliche, über Gott und die Welt und was sonst noch alles läuft, bis jemand dann erwähnt, dass man doch vielleicht mal über das Thema sprechen sollte. Plötzlich haben es dann alle wieder eilig. So verliert man sich auch oft irgendwann im Thema. Vielleicht wurde es auch effizienter, weil es verpflichtender ist, wenn man sich nur einmal pro Woche über Zoom oder MS Teams trifft. Natürlich hatten wir auch bei Online-Treffen Smalltalk, aber es war immer klar definiert, was wir noch besprechen werden und was das eigentliche Thema ist.

Was sind die wichtigsten Learnings aus der Corona-Zeit für dich? Was würdest du anderen weiter empfehlen?

Mit einem Wort: Organisation. Wirklich, das ist alles! Das Lernen und mir dabei Wissen anzueignen, bereitet mir sehr viel Freude. Was wirklich herausfordernd ist, ist die Organisation. Dies verlangt auch von den Dozierenden, dass sie ganz klar festhalten, welches Wissen man bis Ende Semester beherrschen muss. Das soll klar definiert sein. Also, macht euch einen Plan! Das ist wirklich der beste Tipp, den ich allen geben kann. Ich war ja lange nicht mehr in der Schule und habe mir das Lernen wieder in der BMS angeeignet. Gewissermassen war die Zeit in der BMS für mich ein Probelauf für das Studium. Generell denke ich, dass man mit guter Organisation sehr vieles unter einen Hut bringt. So können die Lerneinheiten und Arbeitseinsätze sinnvoll unter der Woche verteilt werden und es bleibt auch noch Zeit für Hobbies, Freunde und Familie. Der soziale Kontakt ist natürlich auch sehr wichtig. Ich habe zum Glück ein tolles Umfeld mit meiner Freundin, der Familie und Freunden. Ansonsten ist Sport für mich der Ausgleich Nummer Eins. Ich denke aber, das ist sehr individuell.

Was nimmst du aus dieser speziellen Zeit mit für die Zukunft? Hast du eine bestimmte Vorstellung oder Wünsche?

Dass es Sinn macht, das Studium noch ein Stückchen selbstständiger zu gestalten. Dies erfordert ein Umdenken auf beiden Seiten des Hörsaals. Ich bin der Meinung, dass man sich an einer Fachhochschule primär auf das Berufsleben vorbereitet. Denn im Berufsleben ist es das A und O, dass man sich selbstständig organisieren und sich Wissen aneignen kann. Der Vorgesetzte erklärt dir nicht den ganzen Tag, wie du die Arbeit zu erledigen hast. Sondern du erhältst einen Auftrag mit einer Deadline und diesen gilt es auszuführen. So ähnlich könnte ich mir auch das Studium vorstellen. Man erhält einen Lernauftrag und das nötige Werkzeug zur Erledigung in Form von Literatur, Videos, Übungen usw. Die Lehrpersonen könnten dies zusammenstellen und für Fragen zur Verfügung stehen. Ich glaube, der grosse Pluspunkt an einer Fachhochschule ist, dass Abgänger sofort im Arbeitsleben einsetzbar sind. Studierende werden auf die Praxis vorbereitet. Entsprechend hinterfrage ich teilweise das Konzept von Vorlesungen.  Für mich ist es effizienter, mir Wissen in Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten oder auch selbständig anzueignen. Nichtsdestotrotz bin ich ein Befürworter von Gast-Vorträgen, wo Koryphäen einen Einblick in ihr Wissen geben. Wissen, welches nicht so einfach im Internet oder in Literatur nachgeschlagen werden kann.

Was wünscht du dir von der ZHAW für die Zeit nach Corona, dem «neuen Normalzustand»?

Ich wünschte mir, dass noch mehr auf die individuellen Lerntypen eigegangen werden würde. Mit dem Abhalten und der Aufzeichnung von Online-Vorlesungen wurde bereits ein wichtiger Schritt vollbracht. Damit entsteht für jemanden wie mich, der vermehrt mit Literatur lernt, kein Nachteil mehr durch physische Abwesenheit. Des Weiteren hoffe ich, dass in Zukunft alle wichtigen Informationen einheitlich auf einer Plattform zur Verfügung gestellt werden. Somit sind alle Studierenden auf demselben Stand, wenn es um Aufträge, Prüfungen oder allgemeines Wissen geht.

Manche Dozenten haben – was den Informationsgehalt der Präsentationen und Scripts angeht – bestimmt noch Verbesserungspotential und dürften ihr Konzept wegen des Corona-Semesters vermehrt hinterfragen. Ich durfte jedoch auch Dozierende erleben, die ihr Lehrkonzept ausgeweitet haben und damit sehr vielen Lerntypen die Möglichkeit bieten, sich individuell Wissen anzueignen.

„Meine Familienmitglieder können jetzt sehen, was ich den ganzen Tag arbeite“

Nurdzane Memeti (27 Jahre) ist Masterstudentin in der Vertiefung Applied Computational Life Sciences an der ZHAW Life Sciences und Facility Management. Im Interview erzählt Nurdzane, was sie nach dem Ausnahmesemester auch künftig für das Studium beibehalten möchte.

Hi Nurdzane! Wie ist es dir im letzten Semester so ergangen unter diesen aussergewöhnlichen Umständen?

Angefangen hat ja alles noch ganz normal. Wir sind wie üblich an die ZHAW gegangen und dann ist ja plötzlich diese aussergewöhnliche Corona-Zeit gekommen. Anfänglich hatten wir ganz viel Unsicherheit und Angst, wie es weiter gehen würde. Dann kam die Entscheidung der ZHAW, dass wir mal eine Woche pausieren werden. Das war dann auch eine Chance für die Lehrer sich vorzubereiten und auf digital, also remote, umzustellen. Zum Beispiel hat die Partnerhochschule, die FHNW, auch mit uns pausiert, weil wir ja auch mit verschiedenen Schulen in der Schweiz kooperieren. Nach dieser Woche haben wir komplett auf digital umgestellt. Es waren gewisse Unsicherheiten da. Fragen wie «muss die Videokamera an sein oder nicht?», «geht das Mikrofon?» waren an der Tagesordnung. Am Anfang ist sehr viel Zeit in Einstellungen und Probieren geflossen. Je kleiner die Klasse oder die Gruppe war, desto besser ist es gelaufen, weil man sich einfach vertrauter war. Es war eigentlich sogar sehr gut.

Ein echter Pluspunkt sind die Records bzw. Aufnahmen vom Unterricht für die Prüfungsvorbereitungen. Das ist wirklich cool und ich unterstütze es weiterhin sehr. Zudem ist es eine super Möglichkeit für Hochschulen, sich mit digitalen Tools weiterzuentwickeln. Da liegt noch sehr viel Potential. Wir wissen eigentlich gar noch nicht so genau, wie man mit den neuen technologischen Geräten umgeht. Jetzt kommt auch Touch-Technologie dazu, wo man Notizen machen kann als würde man in einen physischen Block schreiben.

Was mir auch sehr gefiel, dass man direktes Feedback geben und zusammen mit den Lehrern diskutieren konnte. Zum Beispiel gibt es auch im Zoom die Funktion, virtuelle Gruppen zu erstellen, aus dem Plenum kurz ausbrechen und diese nach fünf Minuten wieder zusammenkommen. Das ist wirklich cool. Ich sehe sehr viel Potential im Home-Office – Modell und Remote Learning. Nichtsdestotrotz müssen wir wirklich noch viel lernen. Aber es war wichtig, dass wir den ersten Einstieg geschafft haben. Da bin ich sehr froh darüber.

Wie war es für dich im Lockdown? Wie sah dein Tagesablauf strukturell währenddessen aus?

Um ehrlich zu sein, war es am Anfang sehr schwierig für mich. Ich hatte mit ganz vielen anderen Studenten Kontakt und habe sie gefragt, wie sie es so gemacht haben. Ich hatte Mühe mit der plötzlichen Umstellung. Es war für mich wahnsinnig mühsam, trotz Pausen, einfach dranzubleiben, mich eineinhalb Stunden auf etwas zu konzentrieren und immer mitzumachen. Im neuen Alltag wurden wir für den Unterreicht um ca. 9 Uhr eingeschaltet bzw. wir mussten uns einloggen. Und da waren wir dann den ganzen Tag digital anwesend.

Ich kann dir an dieser Stelle auch gerne kurz meinen Arbeitsplatz zeigen:

Für das digitale Studium ausgerüsteter Arbeitsplatz von Nurdzane Memeti, 2. Semester Applied Computational Life Sciences an der ZHAW LSFM (Memeti, 2020)

Ich musste mir einen neuen, grossen Monitor, Tastatur und Maus kaufen, da es mit der Zeit mühsam war auf einem kleinen Bildschirm (hier Microsoft Surface) zu arbeiten. Ich habe recherchiert und mich umgeschaut, was es alles so gibt. Die meistens Mitstudenten mussten auch vieles neu kaufen. Dinge wie Tische, Elektronik oder Büromaterial. Dieses Geschäft scheint voll am Boomen zu sein! Ich war vorher nicht für das Home-Office ausgerüstet. Aber da ich mir das Arbeitsmodell Home-Office auch in Zukunft sehr gut vorstellen kann, dachte ich mir, dass so eine Investition es Wert wäre.

Aber ich muss schon sagen, man muss sich daran gewöhnen zu Hause nicht ablenken zu lassen. Ich würde sagen, dass es anfänglich etwa einen Monat ging, bis sich alle darauf eingestellt hatten. Mittlerweile ist es für alle normal, dass man im Home-Office auch noch lernt resp. arbeitet. Leider kann es passieren, dass man länger am Arbeitsplatz ist als früher. Es ist nicht so strukturiert und ich würde sogar sagen, man ist nicht so produktiv. Es ist vielleicht auch davon abhängig, an welchem Fach man gerade ist. Aber die Interaktion mit den Peers bringt einem wirklich weiter. Da ich sehr weltoffen bin, fiel es mir sehr schwer meine Kameraden nicht mehr treffen zu können. Nur schon sich einen Kaffee zu holen, also den Gang zur Kaffeemaschine und die Interaktion mit anderen war einfach Gold wert!

Was waren die grossen Challenges im letzten Semester?

Was ich wirklich gut fand an der ZHAW war, dass sie technischer Unterstützung angeboten hatten. Schliesslich hatten alle mit denselben Herausforderung zu kämpfen. Ich würde sagen, wir alle waren auf so einen Moment nicht besonders gut vorbereitet. Es haben alle über die digitalen Technologien gesprochen, doch trotzdem ging es eine Weile bis man diese aussergewöhnliche Situation wahrgenommen hat und sich auf diese eingestellt hat.

Eine andere Schwierigkeit war die Arbeitszeiten einzuhalten. Von 8 Uhr bis 17 Uhr wirklich produktiv zu sein. Zwischendurch war man gar nicht produktiv und musste auch mal länger dranbleiben, sogar ab und an auch mal bis um 22 Uhr. Zudem ist man nicht mehr so flexibel. Der zeitlich zusammenhängende Mangel an Bewegung war auch so eine Belastung. Man bewegt sich viel weniger und das hat dann Auswirkungen auf die Psyche. Diese hohe Unproduktivität liegt vielleicht auch daran, dass man psychisch wirklich nicht mehr so mag.

Gab es für dich auch positive Aspekte an der speziellen Situation? Hattest du ganz speziell Freude an etwas?

Ich fand es wirklich super, dass es diese remote Umstellung geklappt hat. Ich war schon immer dafür, dass man im Home-Office arbeiten sollte. Diese aktuelle Umstellung gefällt mir sehr gut. Ich hatte früher schon gewissen Firmen gesagt, dass ich im Home-Office Modell arbeiten möchte. Somit konnte ich den Laptop bei der Arbeit, im Zug, usw. dabeihaben. Ich bin halt auch sehr viel unterwegs.

Sehr cool ist es auch, dass meine Familienmitglieder jetzt sehen können, was ich den ganzen Tag arbeite.

Andere Mitstudenten und Dozenten in virtuellen Meetings zu sehen war auch ganz cool. Vor allem wenn man bei ihnen im Hintergrund die Kinder gehört hat. Das war sehr süss! Alle holen wirklich das Beste aus der neuen Situation heraus. Aber man merkt, dass diese technischen Tools wirklich für uns Menschen sind. Wir müssen auch keine Angst vor Robotern haben oder dass jetzt alles digital umgestellt ist. Nein, es ist wirklich nur eine Hilfe für uns.

Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse aus der Corona-Zeit? Was hast du gelernt und was würdest anderen weiterempfehlen?

Ich muss schon sagen, in der Schweiz ging es uns schon gut. Klar, wir hatten auch unsere Unsicherheiten und man wusste nicht, wie das ganze weiter geht. Aber es ist auch relativ schnell wieder gut gewesen. Aber was ich momentan allen empfehlen würde ist, die Kommunikation weiterhin digital umzustellen. Ein Austausch zwischen Dozenten und Studierenden sollte weiterhin gefördert werden. Es gibt auch Zoom Meetings in denen man nur einen Kaffee trinkt. Diese könnte man einfach etwas stärker und öfter betreiben. Man lernt so auch extrem viele neue Leute kennen und ist vernetzter.

Ich spüre schon, dass ich im richtigen Studium bin. Wir arbeiten ja ausschliesslich mit Computern. Es hat noch viel Potential in der digitalen Welt und deshalb möchte ich mich auch im Digitalen noch weiter weiterbilden.

Was nimmst du aus dieser speziellen Zeit mit für die Zukunft? Oder was wünscht du dir?

Also für den zukünftigen «Normalzustand» wünsche ich mir längerfristig steigende Akzeptanz für das Home-Office Modell und das Weiterentwickeln vom remote Learning. Sonst vom Wissensstand her finde ich es super. Ich habe wirklich viel gelernt. Deshalb habe ich mich auch für diesen Master entschieden. Ich bin wirklich gespannt, was uns erwartet!

Gibt es etwas, das du dir von der ZHAW für die Zeit nach Corona wünschst?

Ich finde, dass die ZHAW weiterhin Aufnahmen vom Unterricht bereitstellen kann.  Weitere Möglichkeiten sehe ich in Online-Kurse, da sie viel Flexibilität anbieten. Die technische Unterstützung weiterhin anbieten und eine sog. IT-Helpline für technische / digitale Fragen erstellen.

„Man muss einfach realistisch sein mit einem selbst“

Alea Roth-Douglas studiert Umweltingenieurwesen an der ZHAW Life Sciences und Facility Management. In einem Interview berichtet Alea, wie sie das vergangene Semester erlebt hat.

Aleas Arbeitsplatz

Liebe Alea, erzähl uns doch, wie du das letzte Semester unter diesen doch eher ungewöhnlichen Umständen erlebt hast und wie es dir im Moment geht.

Wichtig zu wissen: Ich habe vorher schon meine Matura zwei Jahre lang im Fernstudium gemacht. Durch das hatte ich schon einiges an Erfahrung, was den Umgang mit der Corona-Situation anging, vor allem im Hinblick aufs Lernen. Damals war insbesondere der Mangel an Kontakt und Austausch mit den Klassenkameraden sowie mit den Lehrern schwierig, alles Lernen fand via Bücher etc. statt. Jetzt geniesse ich sehr, dass es von Seiten der ZHAW Vorlesungen gibt, selbst wenn diese aufgezeichnet sind oder via Zoom stattfinden.

Damals beim Fernstudium war es jeweils sehr schwierig abzuschätzen, wie es den anderen Studierenden geht, wie sie damit klarkommen, man hat sich fast ein wenig alleine gefühlt mit den Umständen und hatte immer das Gefühl, dass man als Einzige nicht nachkommt mit dem Stoff. In der jetzigen Situation weiss ich, dass ich nicht alleine bin, wir reden miteinander. Ich habe sogar eine Umfrage gestartet, um Studentinnen und Studenten zu fragen, ob sie nachkommen mit dem Stoff und wie sie sich selbst einschätzen. Man hat keine Ahnung, wo man steht, wenn man nicht miteinander redet. Unter diesen Umständen ist einfach fast niemand nachgekommen, das ist Fakt. Aber es ist gut zu wissen, dass es allen so geht.

Mir geht’s also ganz gut, diese Umstände waren wie gesagt nichts völlig Neues für mich. Ich war zwar nicht besonders glücklich, sowas nochmals zu machen, aber meine Erfahrungen haben mir sehr dabei geholfen, damit es mir die ganze Zeit relativ stabil gut ging mit der Situation.

Wie hat sich dein Tagesablauf aufgrund des Lockdowns verändert?

Mein Tagesablauf hat sich eigentlich nicht gross verändert. Ich schaue, dass ich am Morgen zeitig aufstehe und geniesse dann die Zeit, die man z.B. spart, weil man nicht pendeln muss, mit einem Kaffee oder ich sitze auf den Balkon und geniesse das Wetter. Dann fange ich jedoch jeweils direkt mit dem Lernen an.

Die grösste Änderung meines Tagesablaufs kommt vom Wegfallen des Pendelns. Zuvor hatte ich, bedingt durch meinen Wohnort im Kanton Zug, 1h10min Weg. Das ist Zeit, die ich jetzt z.B. mit Musik machen verbringen kann. Auch lerne ich meist nach dem Mittag nicht wirklich, sondern dann eher wieder vor dem Abendessen, dafür dann aber auch am Abend noch länger.

Was waren im letzten Semester die grossen Herausforderungen, wenn es ums Lernen ging?

Kommunikation für Teamarbeit war nur online und damit eher schwierig. Manchmal hat es da Spannungen gegeben, einfach weil man sich nie gesehen hat. Manchmal ist die Verbindung nicht stabil, eine Kamera funktioniert nicht oder Ähnliches. Ich habe oft gedacht, wären wir gemeinsam im Klassenzimmer, wir hätten dieses Problem sofort gelöst.

Wie habt ihr euch unter diesen Umständen organisiert?

Hauptsächlich haben wir MS Teams genutzt, nützlich war vor allem, dass man da direkt Files teilen konnte. Nicht zu vergessen ist hier WhatsApp, ein grosser Teil der Kommunikation läuft hier ab, sowohl für Persönliches als auch bezogen aufs Studium und das Lernen.

Gab es für dich auch positive Aspekte an der speziellen Situation?

Das Beste ist, dass man den Dozenten «pausieren» kann, um sich Notizen zu machen. In einer normalen Vorlesung geht das manchmal etwas zu schnell, das ist online ein Vorteil.

Ich habe auch gemerkt, dass ausserhalb der Schule mein Familienleben intensiver geworden ist. Ich besuche meine Mutter häufiger, man hat einfach mehr Zeit für anderes, wenn man nicht pendeln muss.

Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse aus der Corona-Zeit? Was hast du gelernt?

Wichtig für mich war, meine eigenen Ansprüche an mich selbst klar zu definieren. Vier Stunden konzentriertes Lernen am Tag finde ich z. B. schon gut, das reicht meistens auch, damit man dabeibleibt. Ich habe mir von Anfang an gesagt 8h am Tag sind unrealistisch, mit allen Ablenkungen und der höheren Intensität des Alleine-Lernens. Das war eine der grössten Lektionen, die ich von meinem vorherigen Fernstudium mitgenommen habe: Man muss einfach realistisch sein mit einem selbst, sich im Klaren sein, was man selbst unter diesen Umständen leisten kann.

Ich machte mir auch keine detaillierten Wochenpläne, höchstens Ziele, was ich bis Ende Woche erreichen will. Ich behalte so die Flexibilität, wann ich was bearbeiten will, so hat man nicht immer ein schlechtes Gefühl, wenn man am Abend mal nicht alles erreicht hat, was man sich vorgenommen hatte. Wichtig ist, sich aufzuschreiben, was man erreichen möchte, z.B. an einem Tag oder in einer Woche. Auch die Frage, warum man etwas (z.B. das Studium) macht, ist wichtig, man sollte nicht vergessen, dass man das im Idealfall für sich selbst macht.

Ich schaue auch, dass ich jeweils nicht nur ein Fach für eine lange Zeit bearbeite, sondern ich brauche hier die Pomodoro-Technik, jeweils 25min konzentriertes Arbeiten, danach eine kurze Pause. Dabei schaue ich, dass ich auch mal rausgehe und die frische Luft geniesse.

Ich habe auch aufgehört, To-Do Listen zu machen. Die werden schnell ziemlich lang, und am Ende des Tages ist man dann gestresst, weil man sieht, was alles noch gemacht werden muss. Ich mache inzwischen «have-done» Listen, wo ich alles aufschreibe, was ich an einem Tag erreicht oder erledigt habe, sowohl in der Schule als auch ausserhalb. Das gibt einem am Ende des Tages ein ganz anderes, positiveres Gefühl.

Was nimmst du aus dieser speziellen Zeit mit für die Zukunft?

Ich nehme einige Tools mit, z.B. Mindmaps oder die Pomodoro-Technik. Das würde ich gerne auch in Zukunft weiter beibehalten, da mir diese Tools in der Corona-Zeit geholfen haben.

Was wünscht du dir von der ZHAW für die Zeit nach Corona, dem «neuen Normalzustand»?

Ich würde es schätzen, wenn an der ZHAW viele Angebote auch weiterhin online angeboten würden. So kann man, wenn es einem z.B. mal nicht so gut geht, problemlos zu Hause bleiben und trotzdem nichts verpassen. Oder wenn man etwas nicht verstanden hat, kann man sich das in der Aufzeichnung nochmals anschauen.

Lockdown, die Erleuchtung nach der Krise

Andry Ehrhart studiert Biotechnologie an der ZHAW Life Sciences und Facility Management und erzählt von seinen Erfahrungen im Lockdown.

In dieser herausfordernden Situation werden wir alle gefordert und dies gleich auf mehreren Ebenen. Es entstehen viele neue Möglichkeiten, es öffnen sich neue Türen und gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen und Unsicherheiten. Für mich war es zunächst schwierig mich mit dieser Situation zurecht zu finden, mittlerweile bin ich dieser Chance dankbar und genau darüber möchte ich berichten.

Die Chancen und Schwierigkeiten des Online-Studiums

Online-Studium

Mein erster Gedanke, als ich den Entscheid des Bundesrates vom 16. März 2020 hörte, war, dass ich extrem viel Zeit sparen werde (Bundesrat beschliesst Lockdown der Schweiz, 2020). Um nach Wädenswil zu kommen, muss ich nämlich zweieinhalb Stunden Zug fahren, einfache Fahrt versteht sich. Durch die Online-Vorlesungen konnte ich mir diesen Weg jeden Morgen sparen. Ich sah darin eine grosse Chance, mehr Zeit für das Selbststudium investieren zu können. Es stellte sich aber heraus, dass ich die zusätzliche Zeit anderweitig verwendete. Netflix, X-Box, aber auch das Velo standen immer griffbereit und dadurch habe ich meinen vorgesehen Lern-Zeitplan nicht ein- gehalten.

Weg mit den Ablenkungen und her mit der Arbeit

Nach ein paar Wochen Eingewöhnungszeit fand ich aber ein gutes Mass zwischen Ablenkung und Konzentration. Ich plane nun meine Woche vor und teile mir Zeiten zum Lernen, aber auch Zeiten zum Entspannen ein. Das schafft einen guten Ausgleich und motiviert. Mit dem Wechsel auf das Online-Studium finde ich mich mittlerweile grösstenteils zurecht. Am meisten Mühe hatte ich mit den Praktika, da ich ein praxisbezogener Mensch bin. Ich halte mich sehr gerne im Labor auf und sehe grosse Chancen im «Lernen durch Versuch und Irrtum» von E. L. Thorndike (Operante Konditionierung nach Thorndike, ohne Datum) Dieser Theorie-Praxis-Transfer fehlte mir sehr. Am herausforderndsten fand ich die Gruppenarbeiten. Viele meiner Mitstudenten arbeiten neben dem Studium, es ist dadurch schwierig gemeinsame Termine zu finden. Ausserdem fehlte mir der persönliche Kontakt und Austausch. Durch die – nicht immer optimale – Internetverbindung war es zum Teil eine Herausforderung, alles richtig zu verstehen. Dennoch bleibe ich der Meinung, dass es gewinnbringend sein kann, gewisse Module weiterhin online anzubieten. Module, in welchen keine praktischen Übungen stattfinden, wie Mathematik, Physik oder auch Informatik, ist es meiner Meinung nach sogar sinnvoller, die Module weiterhin online abzuhalten und lediglich die Prüfungen vor Ort stattfinden zu lassen. Ausserdem sind hier die Aufgaben gut geeignet, um sie im Selbststudium zu ergründen.

Arbeit, Hund, Studium und nebenbei noch Zeit zum Erholen?

Multitasking

Um mein Vollzeitstudium finanzieren zu können, muss ich, wie viele andere Studierende auch, arbeiten gehen (Bundesamt für Statistik, 2010). Als Nebenjob arbeite ich normalerweise in einem Wellnessbad als Badmeister und im Sommer in einem Freibad. Da beides zurzeit ins Wasser fällt, wurde mir eine Stelle in der Entsorgungsstelle meiner Gemeinde angeboten. Ich arbeite deswegen von Montag bis Samstag jeweils vier Stunden am Tag. Dadurch sind meine finanziellen Sorgen abgedeckt. Seit etwa einem Monat habe ich den Hund eines Familienmitglieds übernommen. Der Hund ist pflegeleicht, braucht aber viel Auslauf, gleichzeitig spendet er viel Trost und Freude. Alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach, wird aber trotzdem von mir erwartet. Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst und bin bestrebt, mein Studium mit guten Noten abzuschliessen. Es wurde mir jedoch bewusst, dass ich nicht überall 100% geben kann. Deswegen entschied ich mich, mein Arbeitspensum zu reduzieren. Ausserdem habe ich mir SMART formulierte Ziele gesetzt, um meine Erfolge messen zu kön- nen. Dabei habe ich darauf geachtet, dass ich meine Grobziele in mehrere Feinziele unterteile, um in kleinen Schritten das Semester bestehen zu können (Reichel, 2017). Das strukturierte Vorgehen schenkte mir mehr Erholungszeit, die sich positiv auf meinen Gemütszustand auswirkt.

Weniger Sport durch den Lockdown oder wiederentdecken einer altgeliebten Sportart?

Fahrrad fahren

Der Weg zur ZHAW LSFM fiel weg, die langen Spaziergänge zwischen den Gebäuden und dem Bahnhof ebenfalls. Das re- gelmässige Schwimmengehen konnte auch nicht mehr stattfinden. Dafür sah ich mich eingeschlossen in der Woh- nung. Durch den Hund konnte ich weiterhin spazieren gehen, ansonsten gab es nur wenig zu tun. So kam es, dass ich eine alte, schon fast vergessene Liebe neu aufflammen lassen konnte: das Velofahren. Ich schnappte mir mein
Rennvelo und machte zunächst eine kleine Runde. Dabei merkte ich, wie sehr ich das vermisst hatte. Es war ein tolles Gefühl, wieder Vollgas zu geben und einfach zu fahren. Nun verstehe ich das Zitat von J. F. Kennedy: „Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren“ (Fahrrad Sprüche: 20 wunderbare Fahrrad-Zitate, 2012-2019).

Kein Ende, sondern ein Anfang

Save the world

Es ist und bleibt eine schwierige Zeit, dennoch bleibe ich der Meinung, dass ich viel Neues lernen konnte. Ich hoffe, dass wir am Ende dieser Zeit viele positive Erfahrungen mitnehmen, um gemeinsam in eine andere, neuere Lebensart starten zu können.

Quellen

Abbildungsverzeichnis

Moodle-Kurse haben einen neuen Link

Aufgrund der Umstellung auf Online-Unterricht wurde Moodle an der ZHAW auf mehrere Instanzen verteilt, damit genügend Kapazität zur Verfügung steht.

Als Folge haben alle Moodle-Kurse am Departement Life Sciences und Facility Management NEU eine 0 in der URL: moodle0.zhaw.ch….
(z.B. https://moodle0.zhaw.ch/course/view.php?id=29631)

Die ID der Kurse bleibt unverändert. Die Verlinkung von Kursen, Abschnitten usw. innerhalb von Moodle funktioniert. Allerdings werden Favoriten und manuell gesetzte Links in E-Mails, Intranet usw. nicht mehr funktionieren bzw. auf moodle.zhaw.ch (Startseite) umgeleitet.

Für unser Departement LSFM haben wir Ihnen folgenden Tipp:
In der URL moodle.zhaw.ch… durch moodle0.zhaw.ch ersetzen!

Wir wünschen allen Studierenden und Lehrpersonen am Montag einen guten Start in den Online-Unterricht!

Erste Erfahrungen mit BYOD: paperless oder less paper?

Wir werden immer mal wieder gefragt, ob unser „papierloses“ Studium komplett papierlos ist oder ob wir einfach auf weniger Papier setzen. Unsere Philosophie ist, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass digitales Arbeiten im Studium möglich ist.

Auslöser dafür waren unter anderem die Studierenden, die sich in der Vergangenheit immer wieder über die Papierflut im Studium beklagt haben. Im Rahmen des papierlosen Studiums werden die Lehrunterlagen deshalb nicht mehr ausgedruckt, sondern digital zur Verfügung gestellt. Mit diesem Wechsel des Leitmediums haben Tablets, Smartphones und Notebooks in den Unterricht Einzug gehalten.

Die Nutzung digitaler Medien und Technologien ist damit auch im Studium angekommen und ein entsprechendes Gerät wird für das Studium vorausgesetzt. Wir sind der Meinung, dass unsere Studierenden damit auch die Chance haben, sich wichtige digitale Kompetenzen anzueignen, die sie später am Arbeitsplatz benötigen werden. Dazu gehört vor allem auch die Kompetenz, digitale Technologien als kognitive Tools für die Problemlösung und Wissenserarbeitung zu nutzen.

Studierende reagieren mehrheitlich positiv

Die Mehrheit der Studierenden, die letzten Herbst in das papierlose Studium mit Bring Your Own Device gestartet sind, haben nach dem 1. Semester eine positive Bilanz gezogen:

Mir gefällt es sehr gut papierlos zu arbeiten, da ich auf dem Laptop eine sehr gute Ordnung habe und somit den Überblick behalten kann. Es kommt dazu, dass ich mit Laptop immer alles dabei habe was ich brauche, was sehr praktisch ist.

Man hat halt ein Gerät, welches viele Bücher ersetzt, jedoch sollte dieses Gerät einmal wegkommen ist man dann der Gelackmeierte. Es ist im Grossen und Ganzen jedoch positiv anzusehen, man kann schnell mitschreiben während der Vorlesung und hat Zugriff auf Lernziele während des Unterrichts. Damit weiss man was in etwa wichtig sein wird.

Am Anfang herrschte grosse Skepsis

Zu Beginn des Studiums waren die Studierenden eher skeptisch gegenüber dem papierlosen Arbeiten. Diese anfängliche Skepsis legte sich jedoch im Laufe der ersten Wochen bei der Mehrheit, wie folgende Kommentare zeigen:

Am Anfang Startschwierigkeiten, aber jetzt durchwegs positiv, sogar überzeugt, dass es so besser ist.

Ich habe mir grosse Sorgen im Voraus gemacht welche sich jedoch nicht bestätigt haben. Somit bin ich sehr erleichtert.

Diese anfängliche Skepsis deutet auch darauf hin, dass sich unsere Zielgruppe keinesfalls gewöhnt ist, digital zu arbeiten. Die so oft erwähnten „digital natives“ sind oft nicht so digital unterwegs wie wir annehmen. Kommentare wie diese sind eher die Ausnahme:

Ich habe bereits ein nahezu papierloses Studium an der ETH begonnen und danach ein Jahr in einem nahezu papierlosen Büro gearbeitet. Ich habe mich entsprechend vorbereiten können und wusste worauf ich mich einlasse. Meine PC-Anwenderkenntnisse würde ich als überdurchschnittlich bezeichnen.

Nicht alle finden das papierlose Konzept gut

Es gibt aber auch eine Gruppe von Studierenden, die das Konzept des papierlosen Studiums nicht gut findet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Teilweise sind es Gewohnheiten, die man nicht ändern möchte oder man schätzt die haptischen Eigenschaften des Papiers. Manche empfinden das Arbeiten am Bildschirm auch als anstrengender und manche Studierende finden digitale Technologien für das Lernen gar eher hinderlich:

Ich bin jemand der gerne per Hand schreibt und meine Dokumente anfassen möchte.

Wegen technischen Schwierigkeiten, Lerneffekt nicht gleich wie von Hand!

Ich bin es gewohnt mit Stift und Papier zu arbeiten. Ein geöffneter Laptop während des Unterrichts empfinde ich nach wie vor als störend. Bei Kommilitonen kann man beobachten, dass der Laptop oft zu einer zusätzlichen Unkonzentriertheit führt (Facebook, WhatsApp, News, Games usw.).

Es ist sehr ermüdend den ganzen Tag in einen Bildschirm zu starren. Das Hin- und Herblättern in den Büchern fehlt mir. Positiv ist jedoch, dass man quasi nur das Gewicht des Computers trägt und nicht 10000 Bücher mit schleppen muss.

Die Abneigung gegenüber dem digitalen Arbeiten hängt auch mit persönlichen Einstellungen, Präferenzen und Erfahrungen zusammen. Wir haben sehr heterogene Gruppen von Studierenden und nicht alle sind so technikaffin wie die BiotechnologInnen, mit denen wir in den letzten 3 Jahren im Pilotprojekt Erfahrungen sammeln konnten. So ist z.B. die Bilanz bei den UmweltingenieurInnen, die nicht nur die Erstsemestrigen, sondern alle Jahrgänge auf papierlos umgestellt haben, deutlich negativer ausgefallen.

Papierlos als Pflicht?

Einige Studierenden empfinden das papierlose Studium auch als Zwang. Wir möchten daher hier nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Nutzung von Papier nicht verboten ist. Studierende dürfen ausgedruckte Unteralgen mit in den Unterricht bringen und ihre Notizen auf Papier machen, sie müssen die Unterlagen allerdings selber ausdrucken, was natürlich mit Aufwand verbunden ist. 

Meiner Meinung nach wäre es besser einem die Wahl zu lassen, in welchem Fach man wirklich Papierlos studieren möchte.

Würde gerne vieles ausdrucke, habe aber nicht immer die Möglichkeit.

Eine freiwillige Option hingegen, könnte das papierlose Studium sein so meine ich. Durch den Zwang erleben sich einige Mitstudenten sogar diskriminiert, wie ich gehört habe. Es gibt durchaus Personen, die sogar privat auf die Nutzung solche Geräte verzichten oder diese nur sehr eingeschränkt verwenden, dann wenn es Sinn macht! Diese Sinnhaftigkeit ist vorhanden, auch ein teilweiser Nutzen ist gut erkennbar und könnte sich in der richtigen Dosis sehr anregend gestalten, doch das „papierlose Konzept“ wie es für unseren Studienjahrgang besteht – ist absolut nicht nützlich.

Anspruchsvoller Einstieg in das digitale Arbeiten

Die Mehrheit der Studierenden benötigte eine Eingewöhnungszeit von 2-3 Wochen, bis sie effizient papierlos arbeiten konnten. Interessanterweise scheinen die Lehrpersonen die Fähigkeiten der Studierenden etwas zu überschätzen oder die anfänglichen Schwierigkeiten waren für sie im Unterricht nicht spürbar.
Im Bachelorstudiengang in Umweltingenieurwesen haben im Herbst 2016 alle Jahrgänge auf ein papierloses Studium umgestellt. Das stellte vor allem für die Studierenden in den höheren Semestern eine Herausforderung dar, weil sie an ein papierbasiertes Studium gewöhnt waren. Für die Erstsemestrigen war die Hürde hingegen geringer, wie folgender Kommentar zeigt:

Das Studium war von Anfang an papierlos, ich habe mich schnell daran gewöhnt, weil es keine „Umstellung“ von Papier auf elektronisch gab.


Nachdem die erste Einstiegshürde gemeistert war, arbeiteten 87% der Erstsemestrigen regelmässig papierlos im Unterricht. 13% drucken noch regelmässig Unterlagen für den Unterricht aus.

Im Unterricht kann nicht ganz auf Papier verzichtet werden

Trotz dieser hohen Zahlen ist der Unterricht nicht komplett papierlos. 63% der Studierenden gaben an, dass sie im Unterricht ab und zu auf Papier angewiesen sind. Die digitalen Notizen überwiegen zwar, aber gerade Studierende mit einem Gerät ohne Touchscreen müssen regelmässig für Skizzen auf einen Notizblock zurückgreifen:

Gewisse Dozenten zeichnen sehr viel digital. Dies ist extrem mühsam, wenn man keinen touchfähigen Computer hat.

Nicht immer sinnvoll… wenn man kein Touchscreen hat und man Mathematikaufgaben lösen muss ist man seeeeeeehr langsam weil man nicht schnell z.B. die dritte Wurzel von 1390 eingeben kann… dort macht es Sinn wieder Papier zu verwenden.


Die Frage paperless oder nicht hängt oft auch vom Fach ab. Vor allem bei Berechnungen greifen offenbar viele zu einem Notizblock:

Für Fächer wie Physik und Mathematik ist das Papierlose Studium ehre suboptimal. Zudem ist das Lernen auf eine Prüfung ohne Papierunterlagen, nichts für mich.

Für manche Fächer ist es sinnvoll (Informatik, Mathematik), für manche ist man mit dem Laptop zu langsam um abzuschreiben (Chemie) und für manche nehme man lieber Papier (Physik, Biologie, Mikrobiologie (viele bildliche Ausführungen).

In meinen Augen macht es keinen Sinn, sich die Unterlagen auszudrucken. Fächer wie Mathematik und Chemie nehme ich Papier zur Hand. Da Zahlen und Formel elektronisch nicht so gut erfassbar sind.

Manchmal sind es aber auch die Rahmenbedingungen im Unterricht, die das papierlose Arbeiten unnötig erschweren. Die Kommentare zeigen auch, dass die Studierenden sehr unterschiedliche Erwartungen an das papierlose Konzept haben:

In einigen Kursen werden teils immer noch Aufträge auf Papier gedruckt. Bitte: wennschon, dennschon 😉 Plakate machen wir immer noch mit Flip-Charts. Warum diese nicht auch im One Note?

Sehr, sehr ärgerlich(!), dass die Lehrperson die Unterlagen erst nach der Vorlesung herausrückt. Wir sollen uns halt während des Unterrichtes Notizen auf ein Blatt Papier machen. Wo ist hier das papierlose Studium?

Einige Dozenten gehen nicht aufs paperless ein, geben zum Teil trotzdem Papier ab.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Studierenden die Möglichkeit, im Studium papierlos arbeiten zu können, grundsätzlich begrüssen. Wir sollten aber in Zukunft besser darauf hinweisen, dass sie situativ selber entscheiden können, wann sie papierlos arbeiten und wann sie lieber auf Papier zurückgreifen.

Aufgrund persönlicher Präferenzen und unterschiedlicher Geräte und Programme gibt es nicht „die“ richtige Arbeitsweise. Es hängt immer von den Umständen ab, und die sind so vielfältig wie unsere Studierenden unterschiedlich sind.

Es zeigt sich auch, dass die Erwartungen an das papierlose Studium teilweise stark auseinander driften; während einige Studierende einen noch stärkeren Digitalisierungsgrad fordern, möchten andere am liebsten zurück zum Papier und Wandtafel. Letztendlich können wir als Hochschule nur die Rahmenbedingungen schaffen, damit Studierende dem Zeitgeist entsprechend, papierlos arbeiten können; in welchem Ausmass sie dann davon Gebrauch machen hängt auch von ihnen selber ab.

Um unsere initiale Frage zu beantworten: Wir haben den Weg in Richtung papierlos eingeschlagen, sind aber aufgrund technologischer, didaktischer und institutioneller Rahmenbedingungen sowie persönlicher Präferenzen der Studierenden und Dozierenden nicht komplett papierlos unterwegs. Wohin die Reise uns genau führen wird ist im Moment noch unklar, sicherlich aber vorwärts und nicht rückwärts. Wir erwarten daher, dass sich unsere Studierenden mit digitalen Technologien auseinandersetzen. Ganz ohne „digital“ werden auch die Papierliebhaber nicht durchs Studium kommen.

Mobiles Arbeiten ergonomisch gestalten

Das Arbeiten mit digitalen Unterlagen im Unterricht und Selbststudium hat zur Folge, dass wir immer häufiger mit dem Notebook und Tablet arbeiten und für längere Zeit auf den Bildschirm schauen. Es ist wichtig, dass Sie dabei auf eine ergonomische Arbeitsweise achten, um Ihre Rückenmuskulatur, die Wirbelsäule, den Nacken und insbesondere auch Ihre Augen zu schützen.

Wir haben Ihnen unter anderem mit Unterstützung der Fachstelle für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) des Departements Gesundheit der ZHAW einige Infos zusammen gestellt, wie Sie Ihre Gesundheit beim papierlosen Arbeiten schützen können.

Prüfen Sie die Ergonomie am Arbeitsplatz

Überprüfen Sie die Ergonomie an Ihrem Arbeitsplatz zu Hause, im Büro oder allenfalls auch mal im Schulzimmer mit der EKAS-Box der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (EKAS). Das Tool führt Sie unter Anleitung von kurzen Videosequenzen durch die ergonomische Einstellung von Bürostuhl, Tisch, Maus, Tastatur und Bildschirm.

Mobiles Arbeiten mit dem Notebook

Insbesondere bei der Arbeit mit dem Notebook oder Tablet zu Hause besteht die Gefahr, dass man z.B. auf dem Sofa sitzend für längere Zeit eine schlechte Haltung einnimmt. Gerade auf dem Sofa sollten Sie zudem darauf achten, dass Sie elektronisch Geräte nicht direkt auf dem Schoss platzieren. Doch nicht nur zu Hause, sondern auch an der Hochschule arbeiten Studierende oft an Orten, an denen sie die Stühle und Tische nicht verstellen können.
Die folgenden drei Videos sind ohne Ton und stammen von Vodafone España.

Falls Sie oft von unterwegs aus arbeiten, z.B. im Zug oder in der Bibliothek finden Sie in diesem Video zusätzliche Tipps, um die Situation an mobilen Arbeitsplätzen zu verbessern.

Nutzung des Smartphones

Smartphones spielen im papierlosen Unterricht zwar eine untergeordnete Rolle, aber sie sind für viele von uns nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Deshalb finden Sie auch hierzu ein paar nützliche Tipps im unten stehenden Video von Vodafone.

Gönnen Sie Ihren Augen eine Pause

Gerade die Augen gehen bei der Bildschirmarbeit gerne mal etwas vergessen und wir merken nicht, dass wir stundenlang angestrengt in den Bildschirm starren. Der Schweizer Optikerverband SOV hat deshalbt ein paar PC-Tipps zusammen gestellt:

  • Zwischendurch immer mal wieder in die Ferne schauen, z.B. aus dem Fenster zu einem Baum oder zum Horizont.
  • Regelmässig blinzeln, damit die Augen befeuchtet werden.
  • Bildschirm regelmässig reinigen, um Irritationen durch Fingerabdrücke usw. zu verhindern.
  • Für gute Beleuchtung sorgen, Dämmerlicht vermeiden.
  • Regelmässig Lüften.
  • Rauch und Zugluft vermeiden.
  • Entspannungsübungen wie z.B. dieses kurze Augen Yoga

Abstand halten zu elektromagnetischen Feldern

Die Nutzung digitaler Technologien führt auch dazu, dass wir häufiger mobil via WLAN oder Mobilfunknetzwerk im Internet surfen. Der körpernahe Einsatz von Notebooks und Tablets führt zu länger andauernden Strahlungsexpositionen deren gesundheitliche Auswirkungen noch ungenügend erforscht sind.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat auf seiner Webseite Empfehlungen für Personen zusammengestellt, welche elektromagnetische Felder in ihrer Wohnung oder am Arbeitsplatz klein halten möchten, so z.B.

  • das WLAN auf den Geräten nur einschalten, wenn es benötigt wird.
  • mind. 1 Meter Abstand zu Access Points halten.
  • Die Geräte während der WLAN-Verbindung nicht am Körper halten (siehe oben).
  • Beim Telefonieren Kopfhörer verwenden.
  • Im Innern von Gebäuden oder im Zug WLAN zum Telefonieren und zur Datenübertragung anstelle des Mobilfunknetzes verwenden.

Ausführliche Informationen zu elektromagnetischen Feldern sowie eine komplette Liste der Empfehlungen finden Sie auf der Webseite des BAG.

Papierloses Studium mit BYOD ab Herbst 2016

Im Herbst 2016 starten nebst den Biotechnologen auch die neu eintretenden Studierenden der Bachelor-Studiengänge Umweltingenieurwesen und Facility Management papierlos in ihr Studium an der ZHAW in Wädenswil.

Das Pilotprojekt zum papierlosen Studium mit Tablets neigt sich damit nach drei Jahren dem Ende zu. Wir freuen uns, dass wir die Institute vom Mehrwert des papierlosen Studiums überzeugen konnten und das Ausdrucken von Lehrunterlagen schon bald der Vergangenheit angehören wird.

Wegfall der Skriptpauschale

Für die Studierenden der Bachelor-Studiengänge Biotechnologie, Umweltingenieurwesen und Facility Management, die im Herbst 2016 mit dem Studium beginnen, bedeutet dies, dass sie die Skriptpauschale in Höhe von CHF 65.- pro Semester in Zukunft entfällt. Die Lehrunterlagen werden elektronisch, hauptsächlich als PDF, auf der Lernplattform Moodle zur Verfügung gestellt.

Bring Your Own Device

Eine Änderung gibt es auch bei den Geräten. Die Studierenden können in Zukunft selber wählen, mit welchem Gerät sie arbeiten möchten. Die ZHAW LSFM hat beschlossen, den Studierenden ab Herbstsemester 2016 keine Tablets mehr zur Verfügung zu stellen. Die Abgabe von Tablets war zeitlich limitiert an das Pilotprojekt geknüpft und brachte einen hohen logistischen und administrativen Aufwand mit sich. Wir sind überzeugt, dass die freie Gerätewahl den individuellen Vorlieben und Bedürfnissen der Studierenden besser gerecht wird.

Die neuen Anforderungen an die Hard- und Software für das papierlose Studium ab Herbst 2016 finden Sie auf der Webseite der ZHAW unter https://www.zhaw.ch/de/lsfm/studium/bachelor/studium-vorbereiten/#c5055.

Notebook vs. Tablet

Wir haben im Pilotprojekt mit dem Apple iPad und dem Microsoft Surface Pro inkl. Tastatur und Stift gute Erfahrungen gemacht. Die beiden Geräte haben sich auch im täglichen Dauerbetrieb bewährt. Das Dell Venue 11 Pro hat uns hingegen wegen seiner vielen Kinderkrankheiten nicht überzeugt. Mit Android Tablets konnten wir bis jetzt leider noch keine Erfahrungen sammeln und können deshalb dazu keine zuverlässigen Aussagen machen.

Die Tablet-plus-NotebookStudierenden im Pilotprojekt verfügten nebst dem Tablet alle zusätzlich noch über einen handelsüblichen Notebook. Grund hierfür war, dass einige Programme, die im Studium verwendet werden nur auf Windows-Geräten laufen und der Bildschirm der Tablets, z.B. für Anwendungen im Statistikunterricht oder für das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit schlicht zu klein ist. Es gab aber durchaus auch vereinzelt Studierende, die ihre Bachelorarbeit auf dem Tablet geschrieben haben.

Wir gehen davon aus, dass viele Studierende im Herbst 2016 zu Beginn mit einem Notebook in das Studium starten werden. Diese Situation unterscheidet sich vom Szenario mit den Tablets im Pilotprojekt, da die Studierenden mit einen Notebook keine Möglichkeit haben, handschriftliche Skizzen und Notizen in den Unterlagen zu erfassen. Das führt zu einem Medienbruch, da die handschriftlichen Notizen nebenbei separat auf einem Blatt Papier notiert werden müssen und danach physisch getrennt von den digitalen Unterlagen aufbewahrt werden. Erfahrungsgemäss finden die Studierenden aber kreative Lösungen für derartige Probleme und fotografieren die Skizzen z.B. mit dem Handy ab oder scannen die Unterlagen ein.

Wir dürfen jedenfalls gespannt sein, wie sich das papierlose Studium weiter entwickeln wird. Wir werden versuchen der neuen Ausgangslage mit der Vielfalt von Bring Your Own Device Rechnung zu tragen und in Zukunft auch Tipps und Tricks für Notebook- und Android-Nutzerinnen auf diesem Blog publizieren.

« Ältere Beiträge