Lernen, Forschen und Handeln für eine resiliente Zukunft
Wie entgegnen wir der zunehmenden Hitze in Städten? Welche Rolle spielen Bäume für unser Wohlbefinden? Und wie kann Bildung zum Motor für den Klimaschutz werden? Antworten auf diese Fragen wird der neue Klima-Garten auf dem Campus Grüental der ZHAW liefern.

Autor: Alain Bertschy
Wissenschaftlicher Mitarbeiter,
Forschungsgruppe Pflanzenverwendung
ZHAW-Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen
Im Rahmen des Unterrichtmoduls Unternehmerische Praxis entsteht unter Leitung der Forschungsgruppe Pflanzenverwendung gemeinsam mit Bachelorstudierenden des Studiengangs Umweltingenieurwesen ein innovativer Klima-Garten. In diesem werden vier klimaresiliente Parkwaldtypen angelegt und wissenschaftlich begleitet. Die ersten beiden Parkwaldtypen entstanden im Frühjahrsemester 2025, die restlichen beiden werden im Frühjahrsemester 2026 gepflanzt. Die Kombination aus Vegetationssystemen, hitzemindernden Belägen und dezentraler Regenwasserbewirtschaftung bietet praxisnahe Lösungen für urbane Herausforderungen wie Hitzeinseln, Starkniederschläge oder Biodiversitätsverlust.

Ziele
Der Klima-Garten ist aber mehr als ein Versuchsfeld. Er ist und wird noch mehr Teil von Lehre, Forschung und Weiterbildung sein, wobei Studierende aktiv bei Planung, Pflege und Datenerhebung mit mitwirken können. Sie führen Bonituren durch, analysieren Boden- und Pflanzenparameter oder dokumentieren den vegetativen Sukzessionsprozess. Der Klima-Garten ist bereits in mehrere Module eingebunden, z. B. Gehölze im urbanen Ökosystem, Klimastadt-Labor oder Urban Climate. Ausserdem fliesst er in Weiterbildungslehrgänge wie den CAS Schwammstadt oder den Lehrgang Pflanzenverwendung ein. Mit dem Klima-Garten können die Themen Stadtbäume, Klimawandel, Schwammstadt und Pflanzenverwendung ideal abgedeckt werden.

Ein besonderes Augenmerk wird künftig auf der Sensibilisierung der Öffentlichkeit liegen. Angedacht ist, dass an Live-Monitoren und Informationsstellen die Ökosystemleistungen der Bäume, etwa Kühlung, CO2-Bindung oder Feinstaubfilterung, sichtbar gemacht werden. Sensoren sollen in Echtzeit die Vitalität der Bäume und deren Reaktion auf Umweltfaktoren erfassen. So werden pflanzen physiologische Zusammenhänge für Laien und Fachpersonen greifbar. Das Projekt versteht sich als Modell für klimafitte Freiräume und soll Kommunen und Planende zur Nachahmung inspirieren.

Konzeptplan des Klima-Gartens
Umsetzung
Der Aufbau des Klima-Gartens erfolgt in Etappen. Für Wege und Plätze kommen bevorzugt recycelte, lokale Materialien zum Einsatz – ganz im Sinne des ReUse-Gedankens. Auf Beton wird bewusst verzichtet, um den CO2-Fussabdruck möglichst gering zu halten. Sensorik und digitale Anzeigesysteme werden schrittweise ergänzt. Der Klima-Garten wird kontinuierlich weiterentwickelt und bietet Raum für interdisziplinäre Forschung, Citizen Science und neue Lehrformate. Auch partizipative Elemente wie Workshops, Führungen oder Schülerprogramme sind geplant, um verschiedene Zielgruppen einzubeziehen. So entsteht ein lebendiger Lern- und Begegnungsort, der Wissen erlebbar macht und den Dialog über Klimaanpassung in der Stadtgesellschaft fördert. Der Garten leistet zudem einen nachhaltigen Beitrag zur Transformation urbaner Räume, stärkt die Bildung, fördert interdisziplinäres Lernen und bringt Wissenschaft in den Alltag. Damit unterstützt das Projekt die Ziele für nachhaltige Enwicklung der Agenda 2030, welche zur Nachhaltigkeitsstrategie der ZHAW gehört. Insbesondere werden die Ziele für nachhaltige Entwicklung SDG 11 (nachhaltige Städte), SDG 13 (Klimaschutz) und SDG 15 (Leben an Land) berücksichtigt.