Wie wird aus einem Elektroinstallateur ein Berater für Energie- und Ressourceneffizienz? Für Gregor Mahrer begann alles mit der Faszination für Photovoltaik. Heute unterstützt der Absolvent des Bachelorstudiums Umweltingenieurwesen an der ZHAW Industrie- und Dienstleistungsunternehmen dabei, Energie effizienter zu nutzen, Prozesse nachhaltiger zu gestalten und den Weg Richtung Netto-Null zu gehen. Seine Geschichte zeigt, wie ein praxisnahes Studium neue Perspektiven eröffnet und den Grundstein für eine Karriere in der Nachhaltigkeitsbranche legen kann.

Gregor Mahrer
Umweltingenieurin mit Vertiefung Erneuerbare Energien und Ökotechnologien
ZHAW Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR)
Studienbeginn 2021
Projektmitarbeiter Energie- und Ressourceneffizienz, Lemon Consult AG
Vom Handwerk zur Nachhaltigkeit
Nach seiner Berufslehre als Elektroinstallateur sammelte Gregor Mahrer erste Berufserfahrung und absolvierte anschliessend die technische Berufsmaturität. Ursprünglich wollte er sich im Bereich Photovoltaik spezialisieren. Während dieser Zeit entwickelte sich jedoch auch sein Interesse an der Wasseraufbereitung und an nachhaltigen Umwelttechnologien.
Die Verbindung von Technik und Ökologie führte ihn schliesslich zum Bachelorstudium Umweltingenieurwesen an der ZHAW in Wädenswil.
«Das Studium bot mir die ideale Möglichkeit, mein Interesse an ökologischer Nachhaltigkeit mit meiner technischen Erfahrung zu verbinden», sagt Gregor.
Gerade diese Kombination aus technischem Verständnis und nachhaltigem Denken prägt seinen beruflichen Weg bis heute.
Wenn Theorie plötzlich greifbar wird
Besonders in Erinnerung geblieben ist Gregor ein Projekt aus dem Modul Anlagenprojektierung. Dabei beschäftigte er sich mit der thermischen Optimierung einer Fischzuchtanlage.
Was ihn gleich begeisterte: Es handelte sich nicht nur um eine theoretische Aufgabe, sondern um ein reales Projekt. Bei einer Begehung vor Ort konnte er die Anlage und ihre Prozesse aus nächster Nähe kennenlernen – ein Moment, in dem das im Studium erworbene Wissen unmittelbar sichtbar wurde.
Solche praxisnahen Projekte sind ein zentraler Bestandteil des Studiums und zeigen, wie vielfältig die Aufgaben von Umweltingenieurinnen und Umweltingenieuren sein können.
Ein Studium, das eigene Wege ermöglicht
Neben Exkursionen, Praktika und Projektarbeiten schätzte Gregor während seines Bachelorstudiums Umweltingenieurwesen besondersdie Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu setzen. Der Minor Ökobilanzierung wurde für ihn zu einer wichtigen Grundlage für seinen späteren Berufsweg.
Dabei lernte er, Umwelt- und Energiesysteme nicht isoliert zu betrachten, sondern Zusammenhänge ganzheitlich zu analysieren.
«Im Studium habe ich gelernt, komplexe Umwelt- und Energiesysteme ganzheitlich zu betrachten und zu erkennen, dass nachhaltige Lösungen meist nur interdisziplinär entstehen.»
Diese Fähigkeit begleitet ihn heute in jedem Projekt.
Auch die Menschen an der ZHAW haben seine Studienzeit geprägt. Den Campus-Alltag erlebte Gregor als offen und kollegial. Viele Kontakte aus dem Studium bestehen bis heute – einige wurden zu Freundschaften, andere zu wertvollen beruflichen Netzwerken.

Der Schritt in die Berufswelt
Bereits während seiner Bachelorarbeit startete Gregor als Nachhaltigkeitsanalyst bei ClimatePartner. Dort beschäftigte er sich mit Corporate und Product Carbon Footprints sowie mit Szenarioanalysen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen.
Im Oktober 2025 wechselte er zur Lemon Consult AG und arbeitet seither als Projektmitarbeiter im Team Energie- und Ressourceneffizienz. Dort begleitet er Industrie- und Dienstleistungsunternehmen bei der Optimierung ihrer Prozesse und unterstützt sie auf dem Weg zur Dekarbonisierung.
Zwischen Büro, Produktionshallen und Netto-Null
Sein Arbeitsalltag ist abwechslungsreich: Im Büro berechnet Gregor Energieeffizienzmassnahmen, bewertet deren Wirtschaftlichkeit, unterstützt Unternehmen bei technischen Fragen und entwickelt Dekarbonisierungspläne.
Regelmässig ist er auch direkt bei Kundinnen und Kunden vor Ort – vor allem in der Lebensmittelindustrie. Dort analysiert er Produktionsprozesse, identifiziert Einsparpotenziale und entwickelt gemeinsam mit den Verantwortlichen passende Lösungen.
Gerade diese Einblicke machen seinen Beruf besonders spannend: Jede Anlage, jeder Betrieb und jede Herausforderung ist anders. Als externer Berater bringt Gregor einen neuen Blickwinkel ein und hilft Unternehmen dabei, etablierte Prozesse zu hinterfragen und neue Möglichkeiten zu erkennen. Die grösste Herausforderung besteht für ihn darin, den Blick fürs Wesentliche zu behalten: Welche Themen sind wirklich relevant und wo lohnt sich eine vertiefte Analyse?

Nachhaltigkeit braucht mehr als technische Lösungen
In seinem Berufsalltag zeigt sich immer wieder, wie wertvoll der interdisziplinäre Ansatz des Studiums ist. Technische Lösungen allein reichen selten aus. Ebenso wichtig sind wirtschaftliche Überlegungen, ökologische Auswirkungen und regulatorische Anforderungen.
Besonders die Kenntnisse aus der Ökobilanzierung helfen ihm dabei, Zahlen und Studien kritisch einzuordnen. Er betrachtet nicht nur Ergebnisse, sondern auch deren Annahmen, Systemgrenzen und Datengrundlagen.
Weiterlernen gehört dazu
Auch nach dem Abschluss des Studiums blieb Gregors Lernkurve steil. Im Berufsalltag wurde ihm schnell bewusst: Nachhaltige Lösungen setzen sich nur dann durch, wenn sie nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich überzeugend sind.
Deshalb gehören heute neben technischem Fachwissen vor allem Kommunikation und Beratung zu seinen wichtigsten Kompetenzen. Die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich zu vermitteln und unterschiedliche Interessen zusammenzubringen, entwickelt er vor allem durch die Mitarbeit an Projekten und den Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen weiter.
Zusätzlich vertiefte er sein Fachwissen mit einer Zertifizierung zum Energieberater. Dabei frischte er seine Kenntnisse in verschiedenen Bereichen auf – von Beleuchtungstechnik über Klimakälte und Gebäudeheizung bis hin zu Druckluft und Logistik.
Ein Studium als Sprungbrett für die Zukunft
Rückblickend ist Gregor stolz darauf, den Schritt ins Studium gewagt zu haben. Das Umweltingenieurwesen hat ihm nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch die Fähigkeit, komplexe Herausforderungen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.
Sein Rat an zukünftige Studierende:
«Man muss nicht von Anfang an wissen, welchen Weg man später einschlagen möchte. Nutzt die Zeit im Studium, um Dinge auszuprobieren. Genau dafür bietet die ZHAW den idealen Rahmen.»
Sein eigener Weg zeigt: Ein Studium muss nicht auf einen einzigen Beruf vorbereiten. Es kann der Ausgangspunkt sein für vielfältige Karrieren – von Energieeffizienz über Klimaschutz bis hin zu nachhaltiger Unternehmensberatung.
Redaktion: Andrea van der Elst
