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Open Educational Resources: die erste Konferenz in der Schweiz soll freien Bildungsmaterialien auf die Sprünge helfen

Beitrag von Lisa Messenzehl

Bild: Colourbox

Die Vorteile von freien Bildungsmaterialien – Open Educational Resources (OER) – liegen auf der Hand: Online verfügbare Ressourcen können unter Einhaltung der urheberrechtlichen Vorschriften weiterverwendet und -verbreitet werden. Dennoch konnte sich das Thema in der Bildungspolitik und -praxis hierzulande bisher wenig Gehör verschaffen. Diese Situation sollen die OpenLearningDays, die erste OER-Konferenz von Schweizer Hochschulen, ändern. An der ZHAW wird das Thema strategisch verankert und es finden Weiterbildungskurse statt.

Im Internet ist Wissen in Form von Inhalten zum grössten Teil kostenlos zugänglich. Egal ob Texte, Bilder, Audios, Videos oder didaktisch aufbereitete Materialien: der gewünschte Content ist meist nur ein paar Mausklicks entfernt. Jedoch können diese Materialien aufgrund urheberrechtlicher Bestimmungen in der Regel nicht so einfach und frei verwendet werden, wie sie gefunden wurden. Kostenlos zugänglich ist daher nicht gleichbedeutend mit frei verwendbar. Dies gilt auch für die Schweiz, auch wenn das hier geltende Urheberrechtsgesetz die Verwendung von Materialien für den Unterricht weniger einschränkt als in anderen Ländern.

Anders ist das bei Open Educational Resources (OER), welche mit einer offenen Lizenz – in der Regel einer Creative Commons Lizenz – gekennzeichnet sind. Die Lizenz ermöglicht die freie Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung der Materialien – ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen. Zum Beispiel erlaubt die Lizenz CC BY 4.0, dass das Material unter der Bedingung der Namensnennung des Urhebers bzw. der Urheberin bearbeitet und weiterverbreitet werden darf.

Prominent: Digitalisierung als Motor für OER

In unserer heutigen Wissensgesellschaft macht dies Sinn. Alle Lehrenden und Lernenden können heute dank digitaler Tools Bildungsmaterialien erstellen und veröffentlichen. Aber erst die offene Lizenz ermöglicht, das Potenzial von digitalen Bildungsmaterialien voll auszuschöpfen: es wird verändert, vermischt und wieder geteilt, online. Die Offenheit und Beweglichkeit des Lehr- und Lernmaterials ist eine gute Voraussetzung für konstruktivistisches, kollaboratives und interaktives Lernen – ganz im Sinne eines modernen Verständnisses guter Didaktik. Hierzu gibt es einen breiten wissenschaftlichen Konsens.

Dank OER können Lehrende auf bereits existierende Materialien zurückgreifen und haben die Sicherheit, diese ohne Verletzung von Urheberrechten verwenden zu dürfen. Institutionen wie Hochschulen sind an der Verbreitung von offenen Lehr- und Lernmaterialien interessiert, um die Sichtbarkeit zu erhöhen sowie ihre Lehre und Forschung im Sinne eines gesamtgesellschaftlichen Bildungsauftrags breit zugänglich zu machen.

Prinzip Wikipedia: OER brauchen eine Community

OER funktionieren nach dem Prinzip «Geben und Nehmen», ähnlich wie Wikipedia oder Open Source Projekte: eine Community von Nutzerinnen und Nutzer arbeitet unentgeltlich an der Weiterentwicklung von Inhalten bzw. Codes, und profitiert schlussendlich selbst von den erstellten Texten bzw. Diensten. Der Rest wird über Spenden finanziert. Doch welche Anreize sind notwendig, damit OER auch in der Schweiz zum Fliegen kommen? Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es (noch) nicht. OER sind nicht per se – aber idealerweise – kostenlos. Daher ist es heikel, aus OER ein Geschäftsmodell zu machen, um den Aufwand für die Erstellung der Materialien zu decken. Viele sehen darin einen Widerspruch zur bildungspolitischen Prämisse von OER. In jedem Fall ist das Thema kein Selbstläufer, sondern braucht neben einer starken Community auch strategische Förderungen.

Premiere: Konferenz Openlearningdays in der Schweiz

Während etwa in Deutschland seit geraumer Zeit umfangreiche Förderprogramme das Thema OER promoten (zum Beispiel OERinfo), steckt der Diskurs in der Schweiz noch in den Kinderschuhen. Die SIG (Special Interest Group) OER der eduhub community macht seit Jahren unermüdlich auf die Wichtigkeit des Themas aufmerksam und gestaltet nun aktiv die erste Konferenz zu OER in der Schweiz mit: Am 28./29. Januar 2019 finden in Luzern die OpenLearningDays statt. «Es steht an, im Hochschulraum Schweiz einen breiten und differenzierten Diskurs über Open Educational Resources (OER) zu eröffnen», lautet das Statement der veranstaltenden Luzerner Hochschulen.

Platziert: Das Thema OER an der ZHAW

An der ZHAW bietet die Fachgruppe Blended Learning in Zusammenarbeit mit der Hochschulbibliothek Kurse zu OER an. Die nächste Durchführung im Rahmen des internen Fortbildungsprogramms ist am 22. Oktober 2018 (zur Anmeldung). Der Kurs legt den Schwerpunkt auf «OER finden und nutzen» sowie auf das Verstehen der Creative Commons Lizenzen. Es wird eine Vielzahl an Plattformen vorgestellt, auf denen die Teilnehmenden nach geeigneten OER für ihre Lehre und Weiterbildung suchen können. Erfahrungsgemäss entstehen dadurch neue Perspektiven und Ideen für den eigenen Unterricht. Eine umfangreichere Qualifizierung zum Thema bietet der Wahlkurs OER im Rahmen des CAS Higher and Professional Education, welcher auch von Externen absolviert werden kann. Die Teilstrategie Bildung und digitale Transformation, welche vor kurzem von der Hochschulleitung verabschiedet wurde, hat die Nutzung und Bereitstellung von OER als strategische Leistung verankert.

Beitrag von Lisa Messenzehl

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