Kompetenzorientierung als Erfolgsrezept

Ein Beitrag von Thomas Schläpfer

Die Plattform «BMFH» engagiert sich für einen möglichst erfolgreichen Übergang von Berufsmaturität (BM) zur Hochschule (FH). Im Rahmen der Herbstkonferenz tauschten sich rund 150 Dozierende, Lehrpersonen und Interessierte zum Thema Kompetenzorientierung aus.

Die Plattform BMFH wurde vor 3 Jahren mit dem Ziel gegründet, BM-Absolvierenden den Übergang ins Studium zu erleichtern. An der Herbstkonferenz 2021 sprachen Silvia Steiner, Bildungsdirektorin Kanton Zürich, und Dora Fitzli, Generalsekretärin ZHAW, über die Wichtigkeit dieser Plattform BMFH und wie dessen Ziele am besten erreicht werden können.

Gemeinsame Projekte lancieren

So stellte Fitzli Gelder aus der DIZH, der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen, für Bottom-up-Projekte in Aussicht. «ZHAW Digital wird demnächst einen Call für Projekte im Umfang von 10’000 – 20’000 Franken lancieren», erklärte Fitzli. Ziel der Projekte sei, die digitale Transformation zu verbessern und den Übergang von der BM zur FH zu erleichtern. Hierzu sollen BM- und FH-Lehrende zusammenarbeiten und gemeinsame Projekte einreichen.

Wichtige Vernetzung von Berufsmaturität und Hochschulen

Die Bildungsdirektorin lobte die BM-Schulen und die ZHAW für ihre schnelle Anpassungsfähigkeit während der Pandemie und sprach dabei von einer Kollektivtaufe für den Fernunterricht. «Vielleicht denken wir irgendwann zurück und sehen im Fernunterricht das Ende der schulischen Kreidezeit», scherzte Steiner, die sich über das hybride Veranstaltungsformat freute. Sie sprach aber auch über die Wichtigkeit der Vernetzung von Berufsmaturität und Hochschulen. Diese beiden Stufen müssten zusammenarbeiten, um jungen, talentierten Menschen Perspektiven aufzuzeigen und ihnen wo möglich, den Weg zu ebnen.

Selbstständiges Lernen als Ziel der Berufsmaturität

Die Fokussierung auf Kompetenzen ist für den erfolgreichen Übergang von der Berufsmaturität zur Hochschule entscheidend. Absolventinnen und Absolventen lernen, nicht nur im Bildungssystem, sondern auch in der Berufswelt besser zurechtkommen. Damit erfolgt eine zielgerichtete Lehre, die vom Ende her gedacht ist. Oder wie es Claudio Caduff, Dozent für Fachdidaktik an der PH Zürich, in seinem Referat festhielt: «Bildung ohne Bezug zur Sache ist leer; Bildung ohne Bezug zum Subjekt ist blind». So zielt die Berufsmaturität darauf ab, die Studierenden zum selbstständigen Lernen zu befähigen. Es braucht nicht nur Wissen, sondern auch Können. Caduff führte in seinem Referat aus, dass es nicht genügt, Lernende dort abzuholen, wo sie sind. «So laufen wir Gefahr bei den Studierenden stehen zu bleiben», so Caduff. Vielmehr gelte es, den Lernenden einen Zugang zum Lernstoff zu ermöglichen. So bestehe keine Gefahr, dass Lernende oder Lehrende stehen bleiben. «Zu den Sachen und zurück!», wie es Caduff propagierte.

Eine solche kompetenzorientierte Lehre ermöglicht Studierenden nicht nur lösungsorientiert zu denken, sondern auch so zu handeln. Dabei gibt es nicht die eine Strategie. Je nach Fach und Person sind andere Strategien gefragt. Dies zu verstehen und zu meistern, ist nicht nur für einen erfolgreichen Übergang zur Hochschule wichtig, sondern auch für den restlichen Lebensweg. So appellierte Caduff, in der Berufsmaturität mehr Fokus auf das Lernen von Strategien zu legen – sozusagen als Hilfe zur Selbsthilfe. Auch wenn dies oft mühsame Aufgaben sind, so ist das Erlernen von Lern-Strategien unabdingbar. Denn nur mit dem Erlernen von Strategien kann Selbstständigkeit erreicht werden.

Diskussion zum erfolgreichen Übergang

Dies wurde auch während der Podiumsdiskussionen klar ersichtlich. So sprachen BM und FH Lehrende und Lernende über die Herausforderungen beim Übergang von der BM zur FH. Für Stefanie Wick-Widmer, Deutschlehrerin BMS Winterthur, soll der Unterricht auch die Freude am jeweiligen Fach auslösen und keine reine Informationsvermittlung sein. Diese Ansicht teilte Jovana Jankovic, BM-Lernende, die betonte, dass die Rolle der Lehrenden nicht zu unterschätzen sei. Dass der Übergang von der BM an die FH allerdings nicht ohne Weiteres zu bewältigen ist, erklärte Yael Jundt, ZHAW Studentin BSc Gesundheitsförderung und Prävention. Gemäss Jundt braucht es für einen erfolgreichen Übergang viel Aufmerksamkeit, Konzentration und Zeit. Hier ergänzte Caduff, dass die Vorlesung nur einen kleinen Teil des Wissens behandle und es danach vor allem Zeit brauche, um das Erlernte zu verdauen. Hierbei kamen alle zum gleichen Schluss: «Zu viel Stoff, zu wenig Zeit».

Anschliessend diskutierten die Podiumsteilnehmenden rege über Lehrplan, Lernziele und vor allem über Prüfungen. So brachte Philipp Sieber, Studiengangleiter Bachelorprogramm Wirtschaftsrecht an der ZHAW, die Prüfungsdiskussion passend auf den Punkt: «Das Lernen auf eine Prüfung hin ist ein Verdichtung- und Reduktionsprozess. Das Wissen wird bedarfsgerecht komprimiert». Gegen Ende der Podiumsdiskussion schloss sich der Kreis und die Teilnehmenden betonten die Wichtigkeit der Kompetenzorientierung und des Erlernens von Strategien.

Ein lebendiger Austausch in der Fachgruppe Wirtschaft und Recht

Aktiver Austausch in den Fachkonferenzen

An den darauffolgenden Fachkonferenzen stand der Austausch zum jeweiligen Fach- und Themengebiet im Vordergrund. So diskutierten kleine Gruppen beispielsweise über Vorwissen in den mathematischen Fächern oder über digitales Schreiben. Dabei erhielten die Teilnehmenden spannende Einblicke in die Prozesse und das Vorgehen anderer Schulen und anderer Schulstufen. Vielleicht entstand bei einigen Teilnehmenden auch bereits erste Ideen für mögliche Projekte.

Weitere Informationen über die BMFH sind auf der BMFH-Webseite ersichtlich.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.