In zwei – drei Sätzen, was macht Rieglia?
Wir entwickeln einen intelligenten Pflanzensensor. Dieser misst verschiedene Luft- und Bodenparameter: Temperatur, Feuchtigkeit sowie den Düngergehalt in der Erde. Das Spezielle an diesem Sensor: Er nutzt LoRa – das Low Power Wide Area Network, welches speziell für das Internet der Dinge (IoT – Internet of Things) aufgebaut wird. In der Schweiz baut die Swisscom dieses Netz auf. Zu Beginn wollten wir diesen insbesondere an Privatanwender verkaufen.

Dominik Maglia und Simon Rieser mit ihrem Pflanzensensor „HORTUS“

Ihr seid nun nach 7 Monaten aus dem RUNWAY ausgetreten. Wie geht es weiter?
Wir fusionieren mit einem anderen Team aus einem ähnlichen Bereich. Zusammen gründen wir ein Startup, das mit gebündelten Kräften im IoT-Markt tätig sein wird. Das Team, mit welchem wir uns zusammentun, hat viele Jahre Erfahrung im Entwickeln von Enterprise Software – wir bringen einiges an Hardware-Erfahrung mit.

Ihr möchtet euch also künftig nicht (nur) auf das Entwickeln von Hardware beschränken?
Genau: Wir möchten End-to-End IoT-Lösungen bauen: Von der Datenerfassung, dem Datenmanagement in der Cloud bis zur Integration in Enterprise-Lösungen wie SAP oder Salesforce möchten wir unseren Kunden alles aus einer Hand bieten.

Stichwort Enterprise-Lösungen: Ihr scheint euch vom initialen Zielsegement – den Privatanwendern – wegzubewegen. Welchen Kunden habt ihr denn nun im Visier?
Über den Runway Startup Incubator konnten wir die Stadt Winterthur als ersten Kunden gewinnen. Winterthur wird Mitte Juni 2017 über ein Duzend unserer Sensoren erhalten und damit unter anderem das Stadion Schützenwiese überwachen. Später möchte Winterthur auch Freibäder zur UV-Überwachung mit unseren Sensoren ausstatten.
Ganz generell ist das Thema Smart City für uns ein spannendes Feld.

Könnt ihr in einem Satz erklären, was ihr unter Smart City versteht?
Smart City bedeutet für uns vor allem Zweierlei: Zum Einen eine grundsätzliche Effizienzsteigerung im öffentlichen Raum, zum Anderen ein gezielterer Ressourceneinsatz. Das IoT bietet dazu vielerlei Angriffspunkte.

Gehen wir mal ein paar Monate zurück, wie ist die Idee zu HORTUS entstanden?
Dominik fliegt jeden Sommer für ein paar Monate in die USA, um seine Eltern zu besuchen, die dort leben. In dieser Zeit wollte er den Zustand seiner Pflanzen überwachen. Er hat mich (Simon) gefragt, wie er denn diese mit einem Sensor bewerkstelligen würde. Zusammen haben wir dann begonnen eine Lösung zu entwickeln. Dies jedoch vorerst neben dem Studium. Dominik hat teilweise sogar noch nebenbei gearbeitet.

Was waren wichtige Schritte oder Milestones für euch?
Der erste Meilenstein war die Fertigstellung unseres ersten Prototyps, den wir auch im Swisscom LPN Experience Center (Staufacher Zürich) ausstellen durften. Das war um Neujahr 2016/17. Grosse Schritte vorwärts konnten wir dann zusammen mit unserem vom Runway gestellten Coach Paul machen: Mit seiner breiten Erfahrung in dem Bereich IoT und seinem grossen Netzwerk hat er uns insbesondere Business-seitig weit gebracht. Inzwischen haben wir zudem ein marktreifes Produkt in der Betaphase. Die bevorstehende Fusionierung und die damit gesicherte Finanzierung für die kommenden 18 Monate stellt einen weiteren wichtigen Meilenstein dar.

    

Wie habt ihr die Zeit im RUNWAY empfunden und würdet Ihr es anderen weiterempfehlen?
Die 7 Monate sind wie im Flug vergangen. Zu Beginn beschäftigten wir uns vor allem mit der Produktentwicklung und mit dem Austausch mit den anderen Startups. In der zweiten Hälfte unserer Mitgliedschaft verstärkten wir bereits die Zusammenarbeit mit unserem Partnerteam. Auch der Kundenkontakt wurde wichtiger.
Den Runway empfehlen wir jedem jungen Startup: Der Austausch mit anderen Startups sowie das erstklassige Coaching zu den unschlagbaren Konditionen sind Gold wert.

Was sind die grössten Learnings aus eurer Zeit im RUNWAY?
Wir sind ursprünglich mit der Idee einer Kickstarter Kampagne in den Runway eingezogen. Schnell haben wir uns jedoch anders orientiert und umpositioniert in Richtung B2B. Wichtigstes Learning: Opportunitäten sofort aufschnappen, flexibel sein und das eigene Geschäftsmodell ständig überdenken und anpassen.

Würdest du anderen empfehlen, ein Startup zu gründen?
Auf jeden Fall – obschon es unserer Meinung nach etwas auf den Typ Mensch darauf ankommt: Eine gewisse Portion Risikobereitschaft sowie den Drang der Selbstverwirklichung sind Grundvoraussetzungen.

Was würdest du anderen potentiellen Gründern mitgeben?
Seid offen für Opportunitäten und bleibt vor allem in der Anfangsphase agil. Tretet früh mit etwas Konkretem an die Leute und Kunden heran – das hat uns viele Türen geöffnet!