Unter «Digitale Tools für die Soziale Arbeit» findet man eine umfangreiche Sammlung an Apps und Websites, von denen sich einige speziell auch für den Einsatz in der Sozialen Arbeit eignen.

Padlet Tools für die Soziale Arbeit CC-BY Heitplatz / Pelka et al. TU Darmstadt

Das Team rund im Vanessa Heitplatz und Dr. Bastian Pelka der TU Darmstadt hat unter dem Titel «Digitale Tools für die Soziale Arbeit» eine umfangreiche Sammlung an Applikationen und Tools für den Einsatz in der Sozialen Arbeit erstellt. Die Palette an Werkzeugen überzeugt durch ihre kuratierte Auswahl. So werden unter «Kommunizieren und Wahrnehmen» nicht etwa die üblichen Verdächtigen wie Teams, Whatsapp oder Outlook aufgelistet, sondern Anwendungen, die vielen Menschen das Leben erleichtern können. Unter anderem finden sich einige interessante Apps für hör-, seh- und sprach-beeinträchtigte Menschen in der Sammlung. Die gelisteten Apps wandeln z. B. gesprochene Sprache in Text um, unterstützen hörbeeinträchtigte Personen dabei, mit Hörenden zu telefonieren, stellen fremdsprachigen Personen mit rudimentären Deutschkenntnissen Übersetzerinnen und Übersetzer zur Seite oder schlagen geeignetes Vokabular für bestimmte Situationen vor. Toll scheint auch die App zu sein, die sehbeeinträchtigten Menschen die unmittelbare Umgebung in Worte fasst und akustisch wiedergibt, während diese sich fortbewegen. Allein in dieser ersten Spalte zu Kommunikation ist die Liste der Werkzeugen lang! Andere Rubriken sind «Wohnen», «Unterstützen/Bedienen» oder auch «Orientieren». Die einzelnen Bereiche weisen neben kostenpflichtigen Diensten auch diverse alternative Tools auf, die sich kostenlos nutzen lassen.

Datenschutz und hohe Kosten als kritische Punkte

Bei all dieser faszinierenden Vielfalt an wertvollen Unterstützungsanwendungen wäre es wünschenswert, wenn Hinweise auf Datenschutz etwa bei Videokonferenz-Anwendungen oder Tools zur Kommunikation greifbar wären. Dies nicht, um vor der Nutzung zu warnen, sondern um die Menschen zu sensibilisieren und darüber zu orientieren, was mit ihren Personendaten geschieht. Wie werden die Daten in Programmen zur Erfassung des Standortes oder der Umgebung weiterverwendet? Welche Algorithmen nutzen diese Daten anschliessend für welche weiteren Zwecke? Gerade bei Tools zum Sprachgebrauch ist zu erwarten, dass sie künftig in vielen Lebensbereichen massiv zunehmen werden. Es stellt sich deshalb die Frage, wie die Algorithmen, die den Anwendungen zugrunde liegen, unsere Lebenswelt verändern und unseren Sprachgebrauch beeinflussen werden. Dies betrifft bei weitem nicht nur die ausserordentlich leistungsfähigen Übersetzungsalgorithmen wie beispielsweise DeepL, sondern auch Apps zur automatisierten Textproduktion, die uns Texte etwa für E-Mails fixfertig zum Gebrauch vorschlagen und die wir auf Knopfdruck übernehmen können. Dies ist z. B. bei der in der Sammlung aufgeführten App mit dem sprechenden Namen «Predictable» der Fall. In der Beschreibung der App wird die Funktionsweise wie folgt beschrieben:

Mit Hilfe der neuesten Wortvorhersagetechnologie vereinfacht die App das Aussprechen einer textbasierten Nachricht. Die Software lernt aus Ihren Nutzungsmustern und kann dadurch einfach und präzise vorhersagen, was Sie als Nächstes schreiben möchten.

Predictable // Beschreibung App Store

Die App eigne sich laut Beschrieb für Menschen, die die Fähigkeit zu sprechen aufgrund von folgenden möglichen Diagnosen: „ALS / MND, Autismus, Cerebralparese, Down Syndrom, Lernschwierigkeiten, Schlaganfall/Aphasie, Laryngektomie, Sprechapraxie“ verloren haben. Dabei handelt es sich allerdings um ein sehr breites Spektrum an möglichen Beeinträchtigungen, sodass die Eignung der App für den individuellen Fall gründlich abgeklärt werden sollte, insbesondere, da die deutsche Version im Apple App Store stolze 200 Franken kostet.

Trotz der genannten Kritikpunkte können viele dieser Tools Adressatinnen und Adressaten der Sozialen Arbeit wertvolle Dienste leisten. Dabei sind einige dieser Anwendungen sogar kostenlos nutz- oder zu einem erschwinglichen Preis erwerbbar.

Vielen Dank an Maria Kamenowski für den Hinweis auf die Sammlung!