Meditieren, um besser zu altern?

Ein wissenschaftlicher und zugleich sehr persönlicher Dokumentarfilm über die Silver-Santé-Studie 

Ein grossangelegtes europäisches Forschungsprojekt (aus dem EU-Förderprogramm Horizon 2020) mit dem Namen Silver Santé wurde mit elf Institutionen in sechs Ländern durchgeführt. Darunter befand sich auch die Universität Genf. 

In der Studie wurden bei Senior:innen die Auswirkungen des Fremdsprachenlernens und der Meditation auf die Gesundheit und das Wohlbefinden gemessen. Dass sich langjähriges Meditieren positiv auf die psychische Gesundheit auswirkt, ist bereits bekannt und u.a. mit Hirnscans erforscht worden (1). Das Silver-Santé-Projekt stellt jedoch die erste Langzeitstudie mit älteren Personen dar. 

Die ca. 140 Teilnehmenden in Caen (Nordfrankreich) waren im Schnitt 70 Jahre alt und sowohl körperlich als auch geistig gesund. Sie wurden zufällig in eine von drei Gruppen eingeteilt: eine Gruppe,  die täglich meditiert, eine, die täglich Englisch lernt (in Frankreich) oder in die Kontrollgruppe. Alle Teilnehmenden nahmen während 18 Monaten an gemeinsamen wöchentlichen Sitzungen teil.  

Eine filmische Dokumentation der Veränderungen 

Ein Filmteam begleitet während ca. fünf Jahren fünf Französ:innen, die meditieren, sowie ihre Familien und Freund:innen sowie einige der involvierten Wissenschaftler:innen, von der Rekrutierung über die eigentliche Studie bis zur Präsentation der Ergebnisse zwei Jahre später. Gestartet wurde 2016, so dass ein Teil der Untersuchung in die Covid-Zeit fiel. 

Wir lernen die verschiedenen Meditationslehrer:innen, darunter einen buddhistischen Mönch, kennen, sowie einen Teil der Forscher:innen und deren Überlegungen.  

Wollen wir wirklich älter werden oder impliziert dieser Wunsch nicht viel mehr, dass wir länger gesund sein wollen? Und wie gelingt uns das?

Thematisiert werden auch die Vorurteile, die von Ehepartner:innen resp. Freund:innen der Teilnehmenden, aber auch seitens der forschenden Wissenschaft ler:innen gegenüber dem Meditieren geäussert werden. So ist die Meinung verbreitet,  dass Meditieren egoistisch oder so etwas wie Wellness sei. 

Es ist erstaunlich ehrlich umgegangen mit den z.T. unerwarteten Veränderungen. Wir erleben, was die Menschen aufwühlt, welche Veränderungen sich in ihren Beziehungen einstellen. Die Portraitierten reflektieren sehr offen über ihr Leben, was gut gelaufen ist und womit sie hadern. 

Das Ergebnis der Studie 

Die Veränderungen bzgl. Aufmerksamkeitsregulierung und sozio-emotionalen Fähigkeiten waren bei den Teilnehmenden der Meditationsgruppe sehr gross. Dies könnte mit den Einschränkungen der Pandemiezeit zu tun haben. Viele waren damals auf sich zurückgeworfen und konnten mit Meditieren die schwierige Situation besser bewältigen. 

Die Hirnscans zeigten zwar keine anatomischen Veränderungen, wie  man sie von langjährigen Meditierenden kennt.

Auch bei vielen weiteren Variabeln, wie z.B. kognitive Funktionen, die untersucht wurden, brachten nicht die erhofften Verbesserungen. Aber immerhin gab  es bei einem Faktor einen sichtbaren Trend in die erwartete Richtung.  Und zwar beim Faktor, der sich aus Aufmerksamkeitsregulation, sozioemotionaler Fähigkeit und Selbsterkenntnis zusammensetzt. Dieser war bei den Meditierenden höher als bei den Fremdsprachenlernenden.

Die Reaktionen der Teilnehmenden 

Die Porträtierten erleben – trotz zwischenzeitlichem Schlingern – positive Veränderungen und beschliessen mit anderen aus ihrer Gruppe, das Meditieren auch nach der Studie fortzusetzen.  

So berichtet ein Mann, dass er die Natur viel bewusster wahrnimmt, z.B. den Gesang der Vögel. Einer Frau gelingt es, ihre innere Rastlosigkeit zu mindern und besser zu schlafen. Eine weitere Teilnehmende sagt sogar: «Meditation ist jetzt sogar ein Bedürfnis, so wie Duschen oder Zähneputzen.» 

Der Film stimmt einem zuversichtlich und macht deutlich, dass es in unseren Händen liegen kann, das Alter positiv zu gestalten. 


(1) Studie

(2) Publikation der Silver Sante Studie

(3) Publikation in JAMA

(4) Ein Film des Schweizer Filmemachers François Kohler (mehr)

(5) Bildquelle Teaser


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert