Autoren: Armin Mühlematter, Matthias Stucki

Die Bereitstellung von Papierskripten fürs Studium verbraucht Ressourcen und belastet die Umwelt. Aber ist ein Studium mit einem Tablet anstelle von bedrucktem Papier wirklich ökologischer?

Im Rahmen einer Bachelorarbeit mit dem Titel „Tablet vs. Druckmaterialien im Unterricht – eine vergleichende Ökobilanz“ werden Antworten auf diese Frage gesucht. Dabei werden die Umweltauswirkungen, verursacht durch die Nutzung von Tablets und Druckmaterialien, quantifiziert und verglichen. Betrachtete Umweltauswirkungen sind beispielsweise der Verbrauch von Ressourcen oder die Emission von Schadstoffen in die Atmosphäre, in den Boden oder in Gewässer. Erste Ergebnisse der Untersuchung sind jetzt verfügbar.

Analyse der Tablets an der ZHAW

In der Studie werden das Apple iPad 2 und das Microsoft Surface RT analysiert. Im Pilotprojekt „papierloses Studium“ sind die neueren Gerätemodelle Apple iPad 4 und Microsoft Surface Pro im Einsatz. Die Systemgrenzen wurden so gewählt, dass diese sich auf die jeweils im Lieferumfang enthaltenen Komponenten beziehen.
Als Vergleichsvariante wurden die Druckmaterialen beim Studium ohne Tablet untersucht. Weil es sich bei Ökobilanzen um Lebenszyklusanalysen handelt, wurden alle Prozesse zur Produktion, dem Transport, der Nutzung und nicht zuletzt der Entsorgung miteinbezogen.

Ökobilanzmodelle mit Annahmen

Für die Sachbilanzierung wurden die Tablets in ihre einzelnen Komponenten zerlegt und die Materialzusammensetzung sowie das Gewicht derer bestimmt. Anschliessend wurden die Komponenten mittels der Ökobilanzsoftware SimaPro und der Datenbank ecoinvent v3 inventarisiert und modelliert. Dabei wurde klar, dass die Analyse aufgrund der oftmals unvollständigen Informationen Annahmen erforderte. Mittels unterschiedlicher Methoden wurden die Umweltauswirkungen der verschiedenen Szenarien berechnet.

Demontage der Tablets im Labor

Demontage der Tablets im Labor

iPad klimafreundlicher als Papierskripte

Da die Berechnungen unter der Verwendung von verschiedenen Methoden durchgeführt wurden, sind die Ergebnisse in den verschiedenen Wirkungsindikatoren ebenso different. Die Methoden basieren auf unterschiedlichen wissenschaftlichen Modellen und betrachten unterschiedliche Umweltaspekte. So wird beim kumulierten Energieaufwand die gesamte Energie, inklusive der grauen Energie bewertet. Bei dieser Betrachtung schneidet die untersuchte Variante „Apple iPad 2“ am besten ab. Auch bei der Berechnung des CO2-Fussabdrucks, bei welcher direkte und indirekte Effekte von Treibhausgasemissionen quantifiziert werden, schneidet das Apple iPad 2 deutlich besser ab, als alle anderen Varianten. Es verursacht weniger als die Hälfte an Treibhausgasemissionen verglichen mit der Verwendung von Druckmaterialien. Bei anderen Indikatoren sind die Aussagen zum Teil weniger eindeutig, weil beispielsweise die Herstellung der Tablets mineralische Rohstoffe verbraucht, deren Abbau mit spezifischen Umweltauswirkungen verbunden ist.

Wodurch lassen sich die Unterschiede erklären?

Über alle Methoden hinweg betrachtet, ist die Verwendung eines Apple iPads 2 die ökologischste Variante. Die Nutzung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Gerade weil im Schweizer Strommix Hydro- und Nuklearerzeugung den Löwenanteil der Produktion ausmacht, wirkt sich dies in den meisten Wirkungskategorien in positiver Weise aus. In der Untersuchung wird zudem nur die Nutzung des Tablets für studentische Zwecke betrachtet. Wird der Tabletcomputer hingegen noch für andere Zwecke verwendet, wie Surfen im Internet, Verfassen von E-Mails oder onlineTV, so spricht sich die Ökobilanz mehr und mehr für die Nutzung eines Tablets statt Druckmaterialien aus. Dies, weil dadurch Funktionen anderer Elektrogeräte (z.B. Computer, Laptop oder Fernseher) substituiert werden können.

Empfehlungen fürs Studium

  • Mit Tablet studieren anstatt mit Druckmaterialien ist umweltfreundlicher.
  • Wichtig dabei ist es, auch wirklich möglichst auf Druckaufträge zu verzichten.
  • Leichte Tablets sind ökologischer, weil weniger Material verbraucht wird.
  • Tablets mit einem tiefen Standby-Verbrauch sind umweltfreundlicher.
  • Der Bezug von Ökostrom für den Tablet-Betrieb verbessert die Ökobilanz.
  • Je länger die Lebensdauer des Tablets, desto tiefer die Umweltbelastung bezogen auf die Nutzung.

Quellen

Mühlematter, A. (2014). Tablet versus Druckmaterialien im Unterricht – eine vergleichende Ökobilanz. Bachelorarbeit. Wädenswil: Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen, Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Armin MühlematterKontakt
Armin Mühlematter
Student der ZHAW, Bachelor in Umweltingenieurwesen
armin-m@gmx.ch