Einführung in das papierlose Studium

Im September beginnen zahlreiche Studierende mit einem Studium an der ZHAW in Wädenswil. Für vier der fünf Bachelorstudiengänge ist der Unterricht papierlos. Dieser Beitrag richtet sich an die zukünftigen Studierenden der Studiengänge Biotechnologie, Facility Management, Lebensmitteltechnologie und Umweltingenieurwesen.

Papierlos – was heisst das?

Im papierlosen Studium werden alle Lehrunterlagen online auf Moodle zur Verfügung gestellt. Sie können die Unterlagen jeweils vor dem Unterricht herunterladen und sie auf Ihrem persönlichen Notebook oder Tablet annotieren. Es steht Ihnen frei, die Unterlagen auszudrucken, aber wir ermutigen alle unsere zukünftigen Studierenden, diese Gelegenheit zu nutzen und im Studium vermehrt digital zu arbeiten. Das papierlose Studium ist eine gute Möglichkeit, sich wichtige digitale Kompetenzen anzueignen.

Online-Kurs zur individuellen Vorbereitung

Um Ihnen den Einstieg in das papierlose Arbeiten zu erleichtern, bieten wir einen Online-Kurs zur individuellen Vorbereitung an. Der Kurs ist als Selbstlerneinheit konzipiert und führt Sie durch verschiedene Aktivitäten, die Sie später auch im Studium antreffen werden, dazu gehören:

  • Unterrichts- und Lernmaterialien annotieren
  • Digitale Notizen und Skizzen erfassen
  • Datei Management in der Cloud
  • Digitale Dokumente teilen und mit anderen zusammenarbeiten

Bitte nehmen Sie sich mind. einen Tag Zeit und absolvieren Sie die Aktivitäten im Online-Kurs vor der Startwoche, damit Sie von den Unterstützungsangeboten in der Startwoche profitieren können. Für einige Aktivitäten benötigen Sie ein Login der ZHAW, dieses erhalten Sie, sofern Sie alle Immatrikulationsbedingungen erfüllt haben, bereits Ende August per Post zugeschickt, ansonsten spätestens am Montag in der Startwoche.

Digitale Werkstatt in der Startwoche

Hier erhalten Sie Unterstützung bei Fragen rund um das digitale Arbeiten. Sie können die Aufgaben aus dem Online-Kurs nochmals durcharbeiten oder Ihre Apps und Programme fertig einrichten. Unsere digital kompetenten Studierenden stehen Ihnen dabei mit Rat und Tat zur Seite. Der Besuch der Werkstatt wird insbesondere Studierenden der Studiengänge Biotechnologie, Facility Management, Lebensmitteltechnologie und Umweltingenieurwesen empfohlen.

  • Mi, 12. September 2018 von 15:15 – 17:15 Uhr, Campus Reidbach, RS 05
  • Fr, 14. September 2018 von 09:00 – 12:00 Uhr, Campus Seifensträuli, RA E0.03

Wir freuen uns, Sie auf Ihrem Weg zum papierlosen Studium online und in der Startwoche begleiten zu dürfen und wünschen Ihnen viel Freude beim Erkunden der digitalen Möglichkeiten!

Foxit Reader

Hervorgehoben

In der letzten Auswertung der Apps haben wir gesehen, dass einige Studierende mit dem kostenlosen Foxit Reader arbeiten.

Der Foxit Reader ist eine gute Alternative zu den kostenlosen PDF-Readern Adobe Reader und PDF X-Change Editor. Die Vollversion läuft nur auf Windows, es gibt allerdings einen Foxit MobilePDF für Mac, iOS und Android mit weniger Funktionen. Die hier erwähnten Funktionen beziehen sich auf die Version 9.2 für Windows.

PDF-Reader mit vielen Personalisierungsmöglichkeiten

Der Foxit ist wahrscheinlich der PDF-Reader mit den meisten Einstellungsmöglichkeiten. Unter Datei -> Einstellungen können Sie den PDF-Reader gemäss individueller Bedürfnisse konfigurieren.

Ein Blick in diese Einstellungen lohnt sich auf jeden Fall, da man dort unter Allgemein -> Anwendungsstart die Anzeige von Werbung deaktivieren kann. Praktisch ist auch der Touch-Modus, bei dem die Schaltflächen etwas weiter auseinander dargestellt werden, damit man sie bei der Bedienung mit dem Finger einfacher auswählen kann. Die Symbolleiste für den Schnellzugriff kann übrigens individuell angepasst werden.

Schaltfläche im Schnellzugriff für das Wechseln zwischen Touch- und Mausmodus

Einstellungen zur Barrierefreiheit

Besonders erwähnenswert sind die Einstellungen zur Barrierefreiheit. So kann man in den Einstellungen beispielsweise das verwendete Farbschema, den Kontrast, das Seitenlayout sowie die Zoom-Einstellungen individuell einstellen. Unter Ansicht – > Assistent gibt es zudem eine integrierte Sprachausgabe, welche die Inhalte des PDFs vorliest. Die verwendete Stimme lässt sich in den Einstellungen ebenfalls anpassen.

Assistent für barrierefreies Lesen aktivieren

Druck-sensitive Stifterkennung

Ein weiterer Vorteil des Foxit Readers ist die druck-sensitive Stifterkennung, diese kann man in den Einstellungen (Datei -> Einstellungen -> Tablet) aktivieren oder deaktivieren. Es gibt auch einen Radiergummi, um Zeichnungen wieder zu löschen. Notizen und Skizzen mit dem Stift zu erfassen funktioniert im Foxit Reader oft besser als im Adobe Reader oder dem PDF X-Change Editor.

Kommentare, Skizzen und Stempel

Die Annotationsfunktionen sind vergleichbar mit anderen PDF-Readern. Man kann Texte hervorheben oder bearbeiten sowie eigene Kommentare oder Textfelder einfügen. Zusätzlich kann man einen ganzen Bereich hervorheben oder etwas im PDF ausmessen. Nützlich könnten auch die individualisierbaren Stempel sein. Wie wär’s z.B. mit einem Stempel «Prüfungsrelevant»?

Kommentarfunktionen im Foxit Reader mit individualisierbaren Stempeln

Kommentare und Highlights zusammenfassen

Wer viel mit PDFs lernt weiss vor allem eine gute Exportfunktion zu schätzen. Nichts ist mühsamer, als wenn man die wichtigen, markierten Inhalte aus dem PDFs manuell herauskopieren muss, um sie weiterbearbeiten zu können. Hier schafft die praktische Kommentarzusammenfassung Abhilfe. Man kann entweder alle Annotationen oder nur einzelne Kommentartypen wie z.B. Highlights exportieren. Zudem kann man wählen, ob diese mit einer nummerischen oder optischen Referenz zum Originaltext exportiert werden sollen.

Etwas unpraktisch ist allerdings, dass man die Annotationen nur als PDF und nicht als Text z.B. ins OneNote exportieren kann. Man kann allerdings über Ansicht – > Dokumentenansicht – > Textbetrachter die exportierten Kommentare unformatiert darstellen lassen und sie so kopieren.

Exportierte Kommentare mit Sequenznummern auf Einzelseiten

Fenster teilen

Um mehrere unterschiedliche Seiten im einem PDF gleichzeitig anzuzeigen, kann man in der Seitenansicht das Fenster entweder horizontal oder vertikal teilen (Ansicht -> Seitenansicht -> Teilen). Diese Funktion ist besonders nützlich, wenn man z.B. ein Arbeitsblatt ausfüllt und sich die Lösungen auf der letzten Seite befinden. Durch die geteilte Ansicht erspart man sich beim Überprüfen der Antworten das hoch- und runterscrollen im Dokument.

Geteilte Fensteransicht

Keine optische Zeichenerkennung

Im Vergleich zum ebenfalls kostenlosen PDF X-Change Editor fehlt dem Foxit Reader die OCR-Texterkennung für eingescannte Unterlagen. Auch können Texte im PDF nicht bearbeitet werden, diese Funktion sind nur im kostenpflichtigen PhantomPDF (125$) verfügbar.  

Plug-Ins

Werfen Sie beim Download auch einen Blick auf die verfügbaren Add-Ons, z.B. für die Rechtschreibprüfung in anderen Sprachen oder für eine nahtlose Integration in den Firefox Browser.

Foxit Reader AddOns

Weitere Informationen

Alternativen

Lehrunterlagen für das papierlose Arbeiten optimieren

Das digitale Annotieren von Lehrunterlagen hat so seine Tücken; insbesondere, wenn die Lehrunterlagen ursprünglich für die Nutzung in ausgedruckter Form konzipiert wurden. Zwar werden die Touchscreens und Stifte der Geräte sowie die Notizen-Applikationen immer besser, mit ein paar Tricks lassen sich die Unterlagen aber noch explizit für das digitale Arbeiten optimieren.

Warum braucht es eine Optimierung der Unterlagen?

Dass noch Optimierungspotenzial besteht, zeigt die unten stehende Auswertung zur Eignung der Lehrunterlagen.

Ein Grossteil der Lehrunterlagen wird als PDF über das Learning Management System Moodle zur Verfügung gestellt. PDFs haben den Vorteil, dass sie plattformunabhängig annotiert und mit handschriftlichen Notizen ergänzt werden können.

Wir haben unsere Studierenden natürlich gefragt, wie die Situation ihrer Meinung nach verbessert werden könnte und haben viele gute Rückmeldungen erhalten. Anbei ein kleiner Auszug:

Unterlagen klar benennen, strukturieren und nur eine Version zur Verfügung stellen

  • Einheitliche Handhabung betreffend Benennung des Unterrichtsmaterials über alle Fächer hinweg, d.h. entweder Wochennummer, Datum, etc. Dies erlaubt es den Studenten, das Material richtig abzulegen. Bisher musste man die Files z.T. selber benennen, um die Chronologie zu gewährleisten. Dann stimmt dar Filename aber nicht mehr mit Moodle überein und man ist nie sicher, dass man alles hat.
  • Die Dozenten sollten unbedingt ihre Vorlesungsfolien und Unterlagen auf Moodle nach einem einheitlichen Schema benennen. Zum Beispiel: Kurs_Thema der Vorlesung_Datum (oder ähnlich).
  • PDF-Dateien mit Fragestellungen/Übungen sollten nicht 2x hochgeladen werden (wurde z.T. so gemacht vor der Vorlesung ohne und nach der Vorlesung mit). Da hat man von vor/während der Vorlesung eine Datei mit Annotationen aber ohne Lösungen und nachher eine mit Lösungen aber ohne Annotationen.

Einheitliche Struktur auf Moodle anbieten

  • Einige Vorlesungen waren auf Moodle nicht gut organisiert.
  • Eine gute Strukturierung hilft sehr viel beim Selbststudium und in der Lernphase.
  • Einheitliche Struktur aller Module: Es wäre sehr hilfreich, wenn es eine einheitliche Beschriftung der Files gäbe (nicht nur innerhalb des einzelnen Moduls, sondern gesamthaft gemäss Vorschrift!).
  • Jeder Dozent macht es Irgendwie. Man sollte Ordner erstellen mit SW1, SW 2, ..SW14 arbeiten und jedes Mal alles was an dieser Woche stattfand dort rein werfen. So ist es viel übersichtlicher und sinnvoll. Für die Lernphase auch viel leichter sich zu orientieren.
  • Die Daten sollten pro Woche hochgeladen werden und nicht pro Thema. So muss man nicht jedes Mal die gesamte Seite nach neuen Daten absuchen.
  • Es wäre hilfreich, eine Benachrichtigung zu erhalten, wenn überarbeitete Files im Nachhinein noch hochgeladen werden.

PowerPoint Präsentation nicht als Skript nutzen

  • Das Arbeiten mit Präsentationen führt dazu, dass man keine umfangreicheren Papierunterlagen (Bücher) benutzt. Die Präsentationen sind gemäss meiner Erfahrung keine gute Vorstellung des Stoffs. Die Folien sollten im Prinzip das darstellen, was der Dozent nicht sagen kann (Bilder, Grafik usw.) aber in unserem Fall wird häufig der ganze Stoff in die Folien rein gepresst.
  • Falls man die Folien ausdrucken möchte, muss man sich immer überlegen: macht es Sinn, 50 Seiten auszudrucken, wenn die Mehrheit des Platzes für Hintergrund, Rahmen und Text mit Schrittgrösse 26 benutzt wird?

Unterlagen so gestalten, dass genügend Platz für Annotationen besteht

  • Die Unterlagen von gewissen Fächern besser gestalten damit genug Platz ist um hineinzuschreiben.
  • Mehr Platz zwischen den Aufgaben für die Eingabe der Antwort.
  • In jeder Vorlesung Skripts mit Platz zum reinschreiben.

Neue Möglichkeiten nutzen

  • Einige Dozenten nutzen das papierlose System optimal, während der Vorlesung + Fragen auf Moodle mit entsprechender Lösung. Für andere ist es die Bequemlichkeit, ein Skript auf Moodle zu stellen und damit fertig zu sein, folglich sind sie nicht interessiert an der papierlosen Möglichkeit. Wenn nicht alle mitziehen ist ein flächendeckender Erfolg leider nicht erreichbar.
  • Dozierende sollten sich auch daran halten. Viele haben hin und wieder Skripte etc. ausgedruckt, obwohl dies problemlos auch digital möglich wäre. Dann wird es halt mühsam, einiges auf Papier, einiges auf Computer

Tipps zur Optimierung der Lehrunterlagen und der online Kursoberflächen

Die Rückmeldungen haben wir in folgende Tipps für die Optimierung der Lehrunterlagen zusammengefasst:

  1. Benennen Sie Dokumente einheitlich, verständlich und klar.
  2. Optimieren Sie eingescannte PDFs mit OCR, damit die Studierenden Texte darin durchsuchen und annotieren können.
  3. Optimieren Sie grosse PDF’s für die Anzeige auf dem Web und auf mobilen Geräten.
  4. Bieten Sie nach Möglichkeit barrierefreie PDF’s an.
  5. Erstellen Sie aus den Überschriften im Word Lesezeichen für die Navigation im PDF.
  6. Vergrössern Sie die Seitenränder in Skripten und Präsentationen.
  7. Nutzen Sie Online-Quiz statt statische Arbeitsblätter.
  8. Verlinken Sie Online-Ressourcen (z.B. Literatur, e-Books, Webseiten, Videos, Quiz).
  9. Gestalten Sie übersichtliche Kursoberflächen in der online Lernumgebung.
  10. Laden Sie Unterlagen spätestens 24h vor dem Unterricht hoch.
  11. Stellen Sie sicher, dass Studierende wissen, für welche Lektion sie welche Unterlagen benötigen.
  12. Bieten Sie immer eine digitale Variante an, auch wenn Sie Papier verteilen.

Anleitung für das Optimieren der Lehrunterlagen

Wir haben für unsere Lehrpersonen eine Anleitung für das Optimieren der Lehrunterlagen erstellt. Gerne teilen wir diese Infos hier mit unseren Leserinnen und Lesern.

Download Handbuch: Lehrunterlagen und Moodle-Kurse für das papierlose Studium optimieren

Digitale Lehrunterlagen funktionieren wie Hypertext

Beim Erstellen von digitalen Lehrunterlagen hilft es zudem, sich die Prinzipien des Hypertextes zu verinnerlichen. Zwar sind PDFs kein Hypertext, aber digitale Unterlagen teilen mehr als eine Gemeinsamkeit mit Hypertext:

  • Links führen auf weitere Ressourcen.
    Anders als bei einem analogen Dokument, können Sie auf weitere Ressourcen verlinken. Benennen Sie die Links klar, damit die Studierenden nicht nur sehen, wohin der Link führt, sondern auch verstehen warum dieser für sie relevant sein könnte.
    Links wie „Weitere Informationen finden sie hier sind weniger aussagekräftig als z.B. „Informationen zum zur Totalrevision des CO2-Gesetzes finden Sie auf der Webseite des Bundesamts für Umwelt“.
  • Inhalte sind interaktiv und multimedial
    Nutzen Sie die Möglichkeiten der digitalen Unterlagen und verlinken Sie im Text z.B. auf ein Video um Inhalte zu veranschaulichen oder auf ein Quiz zur Selbstevaluation.
  • Der Einstieg kann überall erfolgen
    Digitale Dokumente werden oft fragmentarisch gelesen. Ähnlich wie beim Texten fürs Web ist es daher sinnvoll, den Inhalt in gut strukturierte Absätze mit Überschriften zu unterteilen. Dabei sollte jeder Absatz einen Gedanken verfolgen und eine aussagekräftige Überschrift haben.
    Achten Sie besonders darauf, dass wichtige Stichworte in den Überschriften vorkommen, damit Ihre Leserinnen und Leser über die Suche oder die Navigation rasch zu den richtigen Inhalten gelangen.
  • Die Übersicht fehlt
    Für Studierende ist es oft schwierig, den Umfang, bzw. die Bearbeitungszeit von digitalen Unterlagen abzuschätzen. Wenn man ein 300-seitiges Buch in den Händen hält, kann man den Inhalt alleine schon aufgrund des Gewichtes abschätzen.
    Fügen Sie zur Verbesserung der Übersicht daher immer ein Inhaltsverzeichnis als Lesezeichen ein und nummerieren Sie die Seiten. Eine tolle Hilfe ist auch ein Hinweis zur Bearbeitungszeit, z.B. eines Skriptes, sofern Sie diese korrekt einschätzen können.

Eine gute Hilfe für die Gestaltung von Lehrunterlagen sind die Grundprinzipien des Universal Design for Learning (UDL), insbesondere die Guidelines 2 zu den verschiedenen Formen der Darstellung. Leider sind diese Informationen zurzeit nur in Englischer Sprache verfügbar. 

Warum keine eBooks?

Multimediale eBooks wären grundsätzlich eine bessere Option als die statischen PDFs, weil sich das Layout dynamisch der Bildschirmgrösse anpasst. Zudem unterstützt das EPUB 3.0 Format, welches auf HTML5 basiert, nebst Text und Bild auch Notizen, Audio- und Videodateien sowie JavaScript und eingebettete Schriften. In einem eBook kann man z.B. die Schriftgrösse anpassen, was das Lesen angenehmer gestaltet.

Mit Software wie z.B. dem Apple iBooks Author können auch Laien eBooks mit multimedialen und interaktiven Inhalte erstellen. Allerdings können diese iBooks nur auf Mac und iOS gelesen werden, wodurch sie für uns nicht nutzbar sind. Leider könnten sich die Anbieter von eBooks noch nicht auf einen Standard einigen.

Unsere letzten Erfahrungen mit dem EPUB eBook Editor Sigil liegen schon eine Weile zurück, aber die Entwicklung und Lizenzierung eines interaktiven und multimedialen eBooks im offenen EPUB 3.0 Format scheint nach wie vor entweder eine technische, rechtliche oder finanzielle Herausforderung zu sein. Zwar gibt es vielversprechende Anbieter wie z.B. Publiwide oder edubase, aber die Kosten für die Entwicklung von eBooks sind um ein Vielfaches höher als das Erstellen von PDFs.

Welche Geräte und Apps haben sich bewährt?

Im Frühling 2018 haben wir unsere rund 400 Erstsemestrigen der Bachelorstudiengänge Biotechnologie, Facility Management, Lebensmitteltechnologie und Umweltingenieurwesen zu ihren Erfahrungen mit dem papierlosen Arbeiten im Studium befragt. 37% der befragten Studierenden haben sich an der Umfrage beteiligt. Als Vorbereitung auf das nächste Semester werden wir im Sommer die wichtigsten Ergebnisse aus dieser Umfrage publizieren.

Den Start machen wir mit einem Einblick in die Zufriedenheit mit den Geräte und die Applikationen, die unsere Studierenden im Unterricht und dem Selbststudium nutzen.

Hybridgeräte mit Touchscreen auf dem Vormarsch

Letztes Jahr haben wir in den Anforderungen für die Hard- und Software ein Gerät mit Touchscreen empfohlen. Dies, weil wir festgestellt hatten, dass Studierende mit Geräten ohne Touchscreen mit ihrer Wahl weniger zufrieden waren und sie teilweise Mühe hatten Skizzen und Notizen in den Unterlagen zu erfassen. 

Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo noch fast 60% ein Gerät ohne Touchscreen besassen, überwiegen neu die Windows-Geräte mit Touchscreen (57.5%). Das Microsoft Surface Pro ist mit 32% das beliebteste Hauptgerät. Das etwas neuere Microsoft Surface Book ist mit 11.5% noch weniger verbreitet. Unter den Studierenden, die andere Windows-Notebooks mit Touchscreen nutzen, sind das Lenovo Yoga und das Lenovo ThinkPad beliebt. Rund 26.5 % der Umfrageteilnehmenden nutzen ein Notebook ohne Touchscreen als Hauptgerät. Davon haben sich 16.5% für ein Gerät mit Windows-Betriebssystem und 10% für ein Mac Book (Air/Pro) entschieden.

Die Nutzung von iPads oder Android Tablets ist im Vergleich zum letzten Jahr auf tiefem Niveau stagniert: Rund 11% nutzen ein iPad und 2% nutzen ein Android-Tablet als Hauptgerät. Interessant ist, dass die Tablets auch als Zweitgeräte nicht sonderlich verbreitet sind. Dafür wird das Smartphone von über 33% der Studierenden als Zweitgerät für das Studium genutzt.

Zufriedenheit

Über 73% der Studierenden, die an der Umfrage teilgenommen haben, haben sich ein Gerät speziell für das Studium angeschafft. Die Mehrheit gab zwar an, dass sie die Unterlagen auf ihrem Gerät gut bearbeiten können; nicht alle würden sich jedoch wieder für dasselbe Gerät entscheiden. Mässig zufrieden mit ihrer Gerätewahl sind vor allem Studierende aus dem Studiengang Umweltingenieurwesen (UI). In diesem Studiengang sind verhältnismässig viele Mac Books (Air/Pro) vorhanden.

Zufriedenheit mit der Gerätewahl nach Studiengang: UI = Umweltingenieurwesen, FM = Facility Management, BT = Biotechnologie, LM = Lebensmitteltechnologie

Zufriedenheit nach Gerätetyp

Sehr zufrieden mit ihrer Wahl scheinen die Nutzer/innen des Microsoft Surface Book zu sein. Der neue „Notebook-Bruder“ des Microsoft Surface Pro hat einen grösseren, abnehmbaren und umklappbaren Bildschirm. Die Kommentare zeigen, dass sich das Surface Book besser für das mobile Arbeiten eignet, da es im Gegensatz zum Surface Pro keine feste Unterlage für die Tastatur benötigt. Allerdings schneidet auch das Microsoft Surface Pro bei der Zufriedenheit sehr gut ab.

Klappcovertastatur kaum geeignet um im Zug oder sonst auf den Beinen (Laptop) zu arbeiten.
(Microsoft Surface Pro Nutzer/in)

Zufrieden mit ihrer Wahl sind auch die Nutzer/innen eines iPads. Vor allem jene Studierende die ein neueres Gerät mit Apple Pencil besitzen. Die Android-Tablets haben sich offensichtlich weniger bewährt. Negativ abgeschnitten haben vor allem Android Tablets die keinen aktiven Stift für das Erfassen von Notizen und Skizzen besitzen. Zudem sind die ansonsten sehr beliebten Microsoft Office Apps auf den Android Tablets nur eingeschränkt nutzbar.

Das Tablet Samsung Galaxy S2 ist nicht optimal für das Schreiben von Hand geeignet, da man die Hand nicht richtig ablegen kann. Ausserdem lassen sich die One Note App und One Drive sowie die Outlook App nur im beschränkten Rahmen nutzen.
(Android Nutzer/in)

Ebenfalls eher negativ abgeschnitten haben die Windows-Notebooks ohne Touchscreen sowie die Mac Books (Air/Pro). Wobei man anmeken muss, dass ein Teil der Studierenden damit doch sehr zufrieden ist. Als Nachteil wird vor allem der fehlende Touchscreen aufgeführt, was dazu führt, dass Skizzen und Notizen entweder auf Papier oder etwas umständlich mit der Maus erfasst werden müssen. Bei den Mac-Modellen kommt noch etwas erschwerend hinzu, dass Studierende eine Windows-Partition via Bootcamp installieren müssen, um in MINT-Fächern windowsbasierte Software nutzen zu können.

Kein Touchscreen, daher unmöglich, Zeichnungen und handschriftliche Notizen zu machen. Ausserdem alter und langsamer Computer, immer wieder Komplikationen mit dem Bootcamp.
(Mac Nutzer/in)

Computer ist sehr schwer und hat keinen Touchscreen, dafür ist er sehr leistungsstark und bietet eine gute Übersicht.
(Notebook Nutzer/in)

Windows auch bei den Apps führend

Die Hitliste der meistverwendeten Applikationen führen die zwei Microsoft Office Programme OneNote und Word sowie der PDF-Reader Drawboard PDF an. In Anbetracht der vielen Windows-Geräte überrascht dies nicht.

Etwas mehr Variation ist bei den PDF-Readern vorhanden: Am beliebtesten sind die kostenpflichtige Drawboard App und der kostenlose Adobe Acrobat Reader. Verwendet werden auch die kostenlosen PDF-Reader PDF X-Change Editor, Xodo-Reader und Foxit Reader sowie der kostenpflichtige PDF-Expert für iPad und Mac.  

Meistverwendete Apps im Unterricht

Im Unterricht nutzt die Mehrheit der Umfrageteilnehmenden OneNote, Word und einen PDF-Reader.

Studierende mit Touchscreen bevorzugen dabei für das Erfassen von Skizzen und Notizen in den Unterlagen die kostenpflichtige Drawboard App, während Nutzer/innen von Notebooks ohne Touchscreen den kostenlosen Adobe Acrobat Reader oder eine der anderen kostenlosen Alternativen nutzen. Erwähnenswert ist auch die relativ häufige Nennung der diversen Browser, um während des Unterrichts auf die Lernplattform Moodle und das Internet zuzugreifen.

Meistverwendete Apps im Selbststudium

Vergleicht man die Nutzung der Apps im Selbststudium mit der Nutzung während des Unterrichtes fällt auf, dass im Selbststudium etwas häufiger mit Word gearbeitet wird. Dies könnte mit dem Schreiben von Zusammenfassungen und Arbeiten zusammenhängen.

Zudem wird während des Selbststudiums häufig das Internet genutzt. Ob die Studierenden mit dem Browser auf die Lernplattform Moodle oder auf andere Internetressourcen zugreifen ist unklar. Einige Lernressourcen wie das Videoportal YouTube und die Lernkarten-App Quizlet wurden explizit genannt. Die Nutzung der PDF-Reader scheint im Selbststudium weniger ausgeprägt zu sein als im Unterricht, das überrascht etwas, da man annehmen könnte, dass die PDF-Reader im Selbststudium zum Lesen häufiger verwendet werden.

Drawboard bei Touch-Geräten beliebt

Schaut man sich die gesamthafte Nutzung pro Gerätetyp an, fällt auf, dass Studierende mit Windows-Geräten vor allem mit Word und OneNote Arbeiten. Die Nutzer/nnen eines Gerätes mit Touchscreen nutzen zudem regelmässig den PDF-Reader Drawboard um handschriftliche Notizen und Skizzen in den Lehrunterlagen zu erfassen. Studierende, die ein Gerät ohne Touchscreen besitzen, nutzen hingegen eher den Adobe Acrobat Reader und den Xodo Reader. Den Xodo Reader haben wir ursprünglich für Android Tablets empfohlen, die App ist aber auch für Windows und iOS verfügbar und scheint beim aktuellen Studienjahrgang an Beliebtheit gewonnen zu haben.

Tablets zum Lesen und Recherchieren

Beim iPad ist der Safari Browser die häufigste verwendete App. Microsoft Word und OneNote, sowie die Notizen-Apps Notability und Good Notes sind ebenfalls beliebte Apps auf dem iPad.

Die Android Nutzer/innen scheinen auf den ersten Blick mit ihren Geräten weniger im Internet zu surfen und dafür mehr zu lesen. Sie nutzen vor allem den Xodo Reader und Microsoft OneNote, sowie Word.

Mac Books mit Windows-Betriebssystem

Die Angaben zu Mac sind leider verwässert, da die Mac-Nutzer/innen aufgrund der Anforderungen im Informatikunterricht Windows auf ihrem Gerät installiert haben.

Dies führt dazu, dass viele zwar einen Mac als Hauptgerät nutzen, darauf aber nicht mit dem OS-, sondern mit dem Windows-Betriebssystem arbeiten. Folglich wurden auch zahlreiche Windows-Applikationen genannt und die Ergebnisse sind nicht sehr aussagekräftig.

Speicherdienste

Die Studierenden speichern ihre Lehrunterlagen mehrheitlich auf dem Cloud-Dienst Microsoft OneDrive for Business. Für die Dauer des Studiums steht ihnen dort im Rahmen von Office 365 kostenlos 1 TB Datenspeicher zur Verfügung.

Allerdings gibt es mit OneDrive for Business auch ab und zu Probleme, vor allem Nutzer/innen, die bereits einen privaten OneDrive Account besitzen und auf ihrem Gerät zusätzlich den OneDrive for Business Account synchronisieren möchten sollten prüfen, ob die Synchronisation der unterschiedlichen Accounts korrekt funktioniert.

Zahlreiche Studierende speichern ihre Daten auch auf einer externen Festplatte. Ein Backup auf einer externen Festplatte empfiehlt sich für alle Studierende.

Genutzte Speicherdienste pro Studiengang

LiquidText

Hervorgehoben

Wir sind immer auf der Suche nach Apps, die unsere Studierenden beim Lernen unterstützen können. LiquidText ist eine solche App, die das Arbeiten mit digitalen Texten revolutionär verändern könnte.

Die App wurde ursprünglich von Mitarbeitenden und Studierenden der Georgia Tech entwickelt, um das aktive Lesen zu unterstützen. Die Pro-Version ist mit CHF 29.- allerdings verhältnismässig teuer, die kostenlose Version bietet aber auch schon einige praktische Funktionen.

Texte annotieren

Wie in jedem guten PDF-Reader können Sie mit LiquidText Textstellen farblich hervorheben, unterstreichen oder kommentieren. In der Pro-Version stehen ein zusätzlicher digitaler Stift und ein Marker für handschriftliche Notizen oder Skizzen zur Verfügung. Damit können Sie beliebige Elemente im Text und im Arbeitsbereich von Hand miteinander verlinken. LiquidText ist allerdings nicht nur auf PDFs beschränkt, sondern erlaubt auch das Annotieren von Word und PowerPoint Dokumenten.

Textstellen als Randnotizen extrahieren und neu verknüpfen

Das Besondere an LiquidText ist der zusätzliche Arbeitsbereich, der je nach Bildschirmausrichtung auf der rechten Seite oder unterhalb des Textes erscheint. Hier können Sie während des Lesens Textstellen mit dem Stift oder Finger direkt aus dem Text extrahieren und sie individuell anordnen und ergänzen. Mit diesen Randnotizen können Sie wichtige Aussagen aus dem Text neu organisieren, verknüpfen und kommentieren ohne auf Platzprobleme zu stossen. Der Kontext der Randnotizen bleibt sichtbar, so dass Sie Ihre Gedankengänge jederzeit nachvollziehen können.
In der Pro-Version können Sie zusätzlich Grafiken oder andere Elemente ausschneiden und in den Arbeitsbereich einfügen, sowie Elemente im Arbeitsbereich von Hand annotieren.

Textstellen und Dokumente vergleichen

Die sog. Highlight View erlaubt es, Texte dynamisch zu bearbeiten, in dem Sie gewisse Seiten vorübergehend zusammenziehen, damit sie ausgeblendet werden. Dadurch können Sie einzelne Textstellen in einem Dokument direkt miteinander vergleichen. In der Pro-Version können zudem in der sog. MultiView mehrere Dokumente oder Webseiten eingeblendet werden, dadurch können Sie Textstellen aus mehreren Dokumenten interaktiv miteinander verglichen.

Anmerkungen exportieren

Ein weiterer Vorteil von Liquid Text sind die zahlreichen Exportoptionen der Annotationen und Randnotizen. Sie können eine automatische Zusammenfassung ihrer Annotationen erstellen und wählen, ob Sie z.B. nur die Highlights, die Randnotizen oder Kommentare für die Weiterbearbeitung als Word-Dokument exportieren wollen.

Synchronisation nur manuell verfügbar

Noch verbesserungswürdig sind allerdings die Möglichkeiten zur Synchronisation der Dateien in der Cloud. Man kann zwar Dokumente von allen gängigen Cloud-Diensten herunterladen, inkl. OneDrive für Business der ZHAW, aber eine automatische Synchronisation der Dokumente mit dem Cloud-Server ist zurzeit nicht verfügbar. Damit müssen Dokumente jeweils manuell wieder auf den Server hochgeladen werden, was nicht nur mühsam und ineffizient ist, sondern bei vielen Dokumenten auch sehr unübersichtlich werden kann.

Weitere Informationen

Liquid Text Features

Video Demo von LiquidText (Englisch)

Alternative

Die App MarginNote funktioniert nach demselben Prinzip wie LiquidText und bietet ebenfalls ein Arbeitsbereich in dem man seine Notizen visuell als MindMap anordnen kann. Im Gegensatz zu LiquidText setzt MarginNote etwas weniger auf handschriftliche Notizen. Dafür erkennt es Verweise im Dokument automatisch und zeigt eine Vorschau davon an, wodurch das mühsames Scrollen im Dokument wegfällt. MarginNote kennt ebenfalls eine sog. SplitView mit der man mehrere Dokumente gleichzeitig öffnen und vergleichen kann. Weitere Vorteile von MarginNote sind die Auto-Synchronisierung via iCloud, die Exportmöglichkeit nach Evernote und vor allem die zusätzliche Desktop-Version für Mac. Die Pro-Version von MarginNote ist zudem mit CHF 10.- bedeutend günstiger als die Pro-Version von LiquidText.

Letzte Aktualisierung: 18.07.2018

Führen digitale Technologien zu interaktiverem Unterricht?

Im letzten Beitrag haben wir gesehen, dass unsere Studierenden heute während des Unterrichts vermehrt digital und vernetzt arbeiten. Während die Lehrperson vorne etwas präsentiert hören die Studierenden nicht nur zu und schreiben mit, sondern sie recherchieren auch gerne und oft nach Zusatzinformationen, schlagen Begriffe nach und fügen gleich alles zu einer eigenen Zusammenfassung zusammen. Wenn es dann mal nicht so spannend ist, wird nebenbei auch gerne mit anderen kommuniziert oder auf Social Media nachgeschaut, ob sich andere gerade mit etwas Interessanterem beschäftigen.  

Die Studierenden für ihren Teil sind also während des Unterrichts ziemlich aktiv auf ihren Geräten, wenn auch nicht immer im Sinne des Lernens. Mit den Notebooks und Tablets haben die Studierenden mehr Interaktionsmöglichkeiten erhalten, um während des Unterrichts mit den anwesenden Akteuren im Raum und der Aussenwelt zu interagieren. Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese neuen Interaktionsmöglichkeiten der Studierenden auch einen Einfluss darauf haben, wie die Lehrpersonen ihren Unterricht gestalten und ob sie in den neuen, digitalen Möglichkeiten auch einen didaktischen Mehrwert sehen.

Hierfür haben wir die Lehrpersonen befragt, welche papierlose Klassen in den Bachelorstudiengängen in Biotechnologie (1. Semester), Facility Management (1. Semester) und Umweltingenieurwesen (Alle) unterrichten.

Wenig digital unterstützte Szenarien im Unterricht

Die untenstehenden Antworten der Lehrpersonen zeigen, dass sie im Unterricht digitale Hilfsmittel eher zurückhaltend einsetzen. Nur 24% nutzen regemässig Unterrichtszenarien, bei denen die studentischen Geräte als digitale Werkzeuge aktiv in eine Lernaktivität miteinbezogen werden. Lernszenarien, die auf Papier angewiesen sind, sind damit weiter verbreitet als jene, die auf digitale Technologien angewiesen sind.

Kreativitätstechniken, SWOT-Analysen in Gruppen etc. funktionieren besser mit Papier als auf digitalen Mindmaps.

Ich habe keine Berührungsängste mit den neuen Medien und setze sie seit Jahren immer wieder mal ein. Ich denke aber, dass mit der papierlosen Strategie viele Optionen auch eingeschränkt werden. Man kann z.B. keine „Auslageordnung“ auf 20 x 30 cm Bildschirm machen.

Die Auswertung zeigt allerdings auch, dass 50% der Lehrpersonen seit der Umstellung auf den papierlosen Unterricht mindestens teilweise mehr digitale Lernaktivitäten im Unterricht nutzen. Offenbar resultiert dieser vermehrte Einbezug der studentischen Tablets und Notebooks aber nicht immer in einer erhöhten Interaktivität.

Live-Umfragen, Wissenstests und Übungen bei Studierenden beliebt

Fragt man die Studierenden, finden 10%, dass der Unterricht regelmässig lebhaft und interaktiv gestaltet ist. 19% finden ihn hingegen nur wenig bis gar nicht interaktiv und die Mehrheit bewegt sich irgendwo dazwischen. Studierende, die sich kritisch geäussert haben, wünschen sich im Unterricht weniger PowerPoint, dafür mehr Live-Umfragen, Wissenstests und Übungen, also alles Aktivitäten, bei denen sie aktiver gefordert sind:

Eigentlich arbeiten alle Dozenten mit PDF oder PPP, die neuen Möglichkeiten die durch das Papierlose Studium entstehen, wie eben solche Wissenstests werden kaum gebraucht, das ist schade!

Mehr die Möglichkeiten ausnutzen. Sehr viele Dozenten führen den Unterricht genau gleich, wie wenn wir Papier vor uns hätten.

Der Unterricht ist je nach Dozent überhaupt nicht interaktiv gestaltet („Powerpoint-Vorträge“ sind oft vertreten). Es werden auch praktisch keine Live-Umfragen oder Übungen durchgeführt.

Mehr Live-Umfragen und Wissenstest, hatten wir schon vor 2 Jahren an der ETH oft gemacht, ist ein guter Indikator und da sowieso alle papierlos sind, kann jeder, ohne Probleme mitmachen.

Es wären viel mehr interaktive Möglichkeiten vorhanden, als tatsächlich genutzt werden. Unterricht mehrheitlich langweilig gestaltet.

Live-Umfragen und kurze Wissenstest können gut mit technologischen Hilfsmittel durchgeführt und ausgewertet werden. An der ZHAW gibt es dafür z.B. die Moodle Aktivität Test oder das Mobile Response Tool. Sie sind eine einfache, aber effiziente Methode um die Studierenden in der Vorlesung zu aktivieren und die Antworten können als Ausgangspunkt für Diskussionen und Peer-Instruktion genutzt werden, vor allem auch bei grossen Klassen. Das scheinen auch die Lehrpersonen gemerkt zu haben, denn Live-Umfragen und Wissenstests sind mittlerweile bereits schon fast so beliebt wie Präsentationen. Eine weitere beliebte Aktivität sind Internetrecherchen während des Unterrichts, das macht ebenfalls Sinn, wenn man bedenkt, dass über 60% der Studierenden während des Unterrichts regelmässig Informationen im Internet nachschlagen.

Brücken bauen zwischen menschlicher und technologischer Interaktion

Wenn es um Interaktivität und digitale Technologien im Unterricht geht, sind die Lehrpersonen zu Recht skeptisch. Schliesslich findet die Interaktivität oft auf den studentischen Geräten statt und die Lehrperson bekommt davon nur die negativen Effekte zu spüren, wie z.B., dass die Studierenden in den Bildschirm schauen statt Augenkontakt mit der Lehrperson zu suchen. Es überrascht daher nicht, dass sie auf die Frage, ob die Notebooks und Tablets die Interaktion im Unterricht erhöhen zu 63% mit Nein geantwortet haben.

Die digitalen Medien und Technologien verändern die Art und Weise, wie Studierende und Lehrpersonen miteinander, untereinander und mit der Umwelt interagieren. Damit diese Veränderung für das Lernen einen Mehrwert bietet, braucht es ein Unterrichtskonzept, welches diese neuen Möglichkeiten in der Methodik und Didaktik berücksichtigt.   

Man kann nun natürlich argumentieren, dass im Zentrum des Unterrichts die Interaktion zwischen den Studierenden und der Lehrperson steht und dafür keine digitalen Technologien benötigt werden; schliesslich kann man auch ohne digitale Technologien miteinander diskutieren – oft sogar besser.

Das papierlose Studium macht das Unterrichten angenehmer, ermöglicht punktuell, neue Methoden auszuprobieren und macht Spass. Es stellt aber keine grundlegende Revolution des Unterrichts dar, da Unterricht im Wesentlichen von der Didaktik und sozialen Interaktion geprägt wird und nicht von einer technischen Möglichkeit. In dieser Hinsicht bietet die Digitalisierung zwar interessante Ansätze und Optionen, eröffnet aber keine neuen Dimensionen.

Die Vorbereitung lässt sich verbindlicher einfordern. Dadurch sind die Studierenden (meist) besser vorbereitet, es ergibt sich mehr Zeit für Übungen und Diskussionen. Die andere Möglichkeit ist der bewusste Kontrast: bestimmte Sequenzen bewusst und mit Ansage ohne Laptop/Tablet durchführen.

Als Lehrperson kann man sich des klassischen Methodenkoffers bedienen und digitale Hilfsmittel im Unterricht bis zu einem gewissen Grad ignorieren, in dem man mit Flipcharts, Pinnwänden und Whiteboard arbeitet und die digitalen Arbeitstechniken mehrheitlich den Studierenden überlässt. Man kann auch gewisse Sequenzen ganz bewusst ohne digitale Technologien durchführen.

Trotzdem bekommen Lehrpersonen die allgegenwärtige Verfügbarkeit von digitalen Technologien im papierlosen Studium zu spüren, denn einmal auf das papierlose Studium umgestiegen, nutzen die Studierenden ihre Geräte als produktive Werkzeuge für das digitale Arbeiten, unabhängig davon, ob die Lehrperson im Unterricht darauf eingeht oder nicht. Der Einfluss der Lehrperson auf diese „unsichtbaren“, digitalen Aktivitäten ist relativ gering, es sei denn, sie bindet die verfügbaren Technologien aktiv als Werkzeuge in den Unterricht mit ein. Damit erhält sie nämlich eine Möglichkeit, mitzusteuern, welche Aktivitäten die Studierenden auf ihren Geräten während des Unterrichts ausführen.

Das können nebst den oben aufgeführten Aktivitäten wie Live-Umfragen, Wissenstests oder Internetrecherche auch die Nutzung sog. Backchannels für Fragen sein oder das Teilen und gegenseitige Ergänzen von studentischen Notizen und Zusammenfassungen aus dem Unterricht.

Ein solches Unterrichtskonzept fordert ein gutes Zusammenspiel von Methodik, Didaktik und Technologie – sozusagen einen digital ergänzten Methodenkoffer – der es den Lehrpersonen erlaubt, die aktive Nutzung digitaler Technologien in den Unterricht einzubinden. Die Herausforderung besteht vor allem darin, die neu gewonnenen Interaktionsmöglichkeiten zwischen Mensch und Maschine so zu nutzen, dass sie in die soziale Interaktion zwischen den Studierenden und der Lehrperson einfliessen. Damit könnte das papierlose Studium das Lernen im Unterricht nämlich nicht nur aus technologischer, sondern auch aus zwischenmenschlicher Sicht interaktiv bereichern.

Die Evaluation zeigt uns ganz klar, dass wir noch nicht an diesem Punkt angekommen sind und wir die Lehrpersonen dabei unterstützen müssen, diesen digital unterstützen Methodenkoffer für ihren Unterricht aufzubauen.

Vernetztes Arbeiten im Unterricht

Das papierlose Studium hat dazu geführt, dass Tablets und Notebooks im Unterricht heute eine Selbstverständlichkeit sind. Die Studierenden sind ständig online und können während des Unterrichts auf Informationen ausserhalb des Klassenzimmers zugreifen.

Diese einfache Tatsache führt dazu, dass die Aktivitäten im Klassenzimmer nicht mehr so klar von der Aussenwelt abgetrennt werden können. Das hat grundsätzlich Potenzial für das vernetzte Lernen, aber nutzen die Studierenden diese Möglichkeiten auch? In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie sie mit der ständigen Verfügbarkeit von digitalen Medien und Technologien im Unterricht umgehen.

Recherchieren während des Unterrichts

Schaut man sich die aktuelle Evaluation der 131 Erstsmestrigen aus den drei Studiengängen in Biotechnologie, Facility Management und Umweltingenieurwesen an, fallen zwei Zahlen ganz besonders auf. Die Studierenden nutzen das Internet nämlich während des Unterrichts zu:

  • 68% für das nachschlagen von unterrichtsrelevanten Informationen.
  • 30% um auf Social Media und im Internet zu surfen.

Die Mehrheit der Studierenden scheint demzufolge das Internet als Nachschlagewerk für den Unterricht zu nutzen und folgt dem Unterricht aufmerksam.

Unterlagen ergänzen und Inhalte verlinken

Nach eigenen Angaben sind die Studierenden dank der digitalen Technologien effizienter und vernetzter. Die Notebooks und Tablets schlagen sozusagen eine Brücke zwischen den Inhalten aus dem Unterricht und den Informationen ausserhalb des Klassenzimmers. Die Studierenden ergänzen die Informationen der Lehrpersonen mit zusätzlichen, oft multimedialen, Ressourcen und erstellen bereits während der Vorlesung eine Zusammenfassung. Auch das Teilen von Informationen mit Mitstudierenden wird dadurch vereinfacht:

Alles immer dabei und somit vernetzter lernbar.

Skripte mit interaktiven Links.

Wenn ich etwas nicht verstehe, kann ich es schnell im Internet recherchieren.

Man ist ständig online und recherchiert somit öfter oder schlägt ein Wort im Online Duden nach.

Man kann direkt in den Notizen Medien einbinden, wie Videos & Bilder.

Verknüpfen und verlinken von Dokumenten, schnelleres und mehrfaches Überprüfen von Daten, da man nur kurz das aktive Fenster wechseln muss.

Meiner Ansicht nach ist es ein grosser Vorteil, wenn die eigenen Notizen im Skript aufgeschrieben und bei Bedarf angepasst bzw. ergänzt werden können. Zudem ist es überaus hilfreich, wenn externe digitale Materialien dem Skript zugefügt werden können, um zum Beispiel ein Thema verständlicher zu machen. 

Ich bin viel schneller Zusammenfassungen zu schreiben, weil ich alle Informationen direkt griffbereit habe und nicht lange suchen muss.

Durch die Kombination von eigenen Notizen und dem einfügen relevanter Teile der Unterlagen ist das Erstellen einer umfassenderen Zusammenfassung während dem Unterricht möglich. Eine Nachbearbeitung der Zusammenfassungen ist so kaum nötig.

Da man sowieso am Laptop ist, schaut man viel mehr nach. Auch digital gezeichnete Skizzen oder Berechnungen können gleich an Mitstudenten weitergeleitet werden. Ebenfalls ist das Arbeiten in einer Gruppe einfacher, da mit OneDrive alles geteilt werden kann und alle gleichzeitig am Projekt arbeiten können.

Einige Studierende erwähnten auch die Möglichkeit, während des Unterrichts auf eine Vielzahl von Meinungen zugreifen zu können und dadurch ein differenzierteres Bild einer Thematik zu erhalten. Manchmal ergeben sich daraus Impulse für Diskussionen im Unterricht oder sie ergänzen damit die eigene Zusammenfassung.

Zugriff auf extrem viele Informationen und Meinungen.

Neue Seiten im Internet entdeckt welche sehr nützlich sind.

Durch das papierlose Studium nutze ich das Internet mehr als Hilfe zum etwas nachschauen oder ergänzen.

 Die Studierenden sind aber durchaus auch selbstkritisch im Umgang mit der ständigen Verfügbarkeit von Informationen, wie folgende Kommentare zeigen:

Man kann schneller recherchieren und ist aber andererseits auch schneller abgelenkt.

Es ist einfacher direkt online nachzuschlagen, dafür passt man weniger gut im Unterricht auf.

Es geht sehr schnell etwas nachzuschauen, jedoch schaut man auch nach bevor man darüber nachdenkt.

Und wie in den vorhergehenden Beiträgen bereits erwähnt gibt es auch einzelne Studierende, die auf digitale Technologien im Unterricht gerne verzichten würden:

Es ist nicht so physisch, ich denke ich lerne durch selber schreiben per Hand besser und schneller als per Tastatur.

 

Hören sie zu oder surfen sie schon?

Lehrpersonen hingegen wissen natürlich oft nicht, was die Studierenden mit ihren Notebooks und Tablets während des Unterrichts machen: Schreiben sie mit, surfen sie im Internet, oder schauen sie sich gerade ein Katzenvideo an?
Wir haben daher auch bei den Lehrpersonen eine Umfrage zum papierlosen Studium durchgeführt und ihre Aussagen denjenigen der Studierenden gegenübergestellt.

Die Zahlen in der untenstehenden Gegenüberstellung unterscheiden sich etwas vom ersten Diagramm. Sie stammen von den 52 Lehrpersonen und 253 Studierenden, die an der Umfrage teilgenommen haben und im Herbst 2016 auf papierlos mit Bring Your Own Device umgestellt haben. Dazu gehören nebst den Erstsemestrigen auch die Lehrpersonen und die Studierenden der höheren Studienjahrgänge im Bachelorstudiengang Umweltingenieurwesen.

In der Umfrage gaben 37% der Lehrpersonen an, dass die Studierenden im Unterricht häufig abgelenkt sind. Dem gegenüber steht die Aussage der Studierenden, die zu 75% angaben, dass sie dem Unterricht aufmerksam folgen. Interessant auch, dass die Erstsemestrigen offenbar im Unterricht weniger abgelenkt sind als die höheren Studienjahrgänge.

Schaut man sich genauer an, wofür die Studierenden ihre Geräte während des Unterrichts nutzen, wird klar, dass sie oft produktiv damit arbeiten und dem Unterricht aufmerksam folgen. Sie recherchieren vor allem Informationen im Internet, machen sich Notizen und heben Textstellen in den Unterlagen hervor.

Natürlich fällt aber auch auf, dass die Wahrnehmung der Lehrpersonen ziemlich gut mit den 31% der Studierenden korreliert, die zugeben, dass sie während des Unterrichts nebenbei auf Social Media und im Internet surfen. Der Schein trügt folglich nicht immer.

Erste Erfahrungen mit BYOD: paperless oder less paper?

Wir werden immer mal wieder gefragt, ob unser „papierloses“ Studium komplett papierlos ist oder ob wir einfach auf weniger Papier setzen. Unsere Philosophie ist, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass digitales Arbeiten im Studium möglich ist.

Auslöser dafür waren unter anderem die Studierenden, die sich in der Vergangenheit immer wieder über die Papierflut im Studium beklagt haben. Im Rahmen des papierlosen Studiums werden die Lehrunterlagen deshalb nicht mehr ausgedruckt, sondern digital zur Verfügung gestellt. Mit diesem Wechsel des Leitmediums haben Tablets, Smartphones und Notebooks in den Unterricht Einzug gehalten.

Die Nutzung digitaler Medien und Technologien ist damit auch im Studium angekommen und ein entsprechendes Gerät wird für das Studium vorausgesetzt. Wir sind der Meinung, dass unsere Studierenden damit auch die Chance haben, sich wichtige digitale Kompetenzen anzueignen, die sie später am Arbeitsplatz benötigen werden. Dazu gehört vor allem auch die Kompetenz, digitale Technologien als kognitive Tools für die Problemlösung und Wissenserarbeitung zu nutzen.

Studierende reagieren mehrheitlich positiv

Die Mehrheit der Studierenden, die letzten Herbst in das papierlose Studium mit Bring Your Own Device gestartet sind, haben nach dem 1. Semester eine positive Bilanz gezogen:

Mir gefällt es sehr gut papierlos zu arbeiten, da ich auf dem Laptop eine sehr gute Ordnung habe und somit den Überblick behalten kann. Es kommt dazu, dass ich mit Laptop immer alles dabei habe was ich brauche, was sehr praktisch ist.

Man hat halt ein Gerät, welches viele Bücher ersetzt, jedoch sollte dieses Gerät einmal wegkommen ist man dann der Gelackmeierte. Es ist im Grossen und Ganzen jedoch positiv anzusehen, man kann schnell mitschreiben während der Vorlesung und hat Zugriff auf Lernziele während des Unterrichts. Damit weiss man was in etwa wichtig sein wird.

Am Anfang herrschte grosse Skepsis

Zu Beginn des Studiums waren die Studierenden eher skeptisch gegenüber dem papierlosen Arbeiten. Diese anfängliche Skepsis legte sich jedoch im Laufe der ersten Wochen bei der Mehrheit, wie folgende Kommentare zeigen:

Am Anfang Startschwierigkeiten, aber jetzt durchwegs positiv, sogar überzeugt, dass es so besser ist.

Ich habe mir grosse Sorgen im Voraus gemacht welche sich jedoch nicht bestätigt haben. Somit bin ich sehr erleichtert.

Diese anfängliche Skepsis deutet auch darauf hin, dass sich unsere Zielgruppe keinesfalls gewöhnt ist, digital zu arbeiten. Die so oft erwähnten „digital natives“ sind oft nicht so digital unterwegs wie wir annehmen. Kommentare wie diese sind eher die Ausnahme:

Ich habe bereits ein nahezu papierloses Studium an der ETH begonnen und danach ein Jahr in einem nahezu papierlosen Büro gearbeitet. Ich habe mich entsprechend vorbereiten können und wusste worauf ich mich einlasse. Meine PC-Anwenderkenntnisse würde ich als überdurchschnittlich bezeichnen.

Nicht alle finden das papierlose Konzept gut

Es gibt aber auch eine Gruppe von Studierenden, die das Konzept des papierlosen Studiums nicht gut findet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Teilweise sind es Gewohnheiten, die man nicht ändern möchte oder man schätzt die haptischen Eigenschaften des Papiers. Manche empfinden das Arbeiten am Bildschirm auch als anstrengender und manche Studierende finden digitale Technologien für das Lernen gar eher hinderlich:

Ich bin jemand der gerne per Hand schreibt und meine Dokumente anfassen möchte.

Wegen technischen Schwierigkeiten, Lerneffekt nicht gleich wie von Hand!

Ich bin es gewohnt mit Stift und Papier zu arbeiten. Ein geöffneter Laptop während des Unterrichts empfinde ich nach wie vor als störend. Bei Kommilitonen kann man beobachten, dass der Laptop oft zu einer zusätzlichen Unkonzentriertheit führt (Facebook, WhatsApp, News, Games usw.).

Es ist sehr ermüdend den ganzen Tag in einen Bildschirm zu starren. Das Hin- und Herblättern in den Büchern fehlt mir. Positiv ist jedoch, dass man quasi nur das Gewicht des Computers trägt und nicht 10000 Bücher mit schleppen muss.

Die Abneigung gegenüber dem digitalen Arbeiten hängt auch mit persönlichen Einstellungen, Präferenzen und Erfahrungen zusammen. Wir haben sehr heterogene Gruppen von Studierenden und nicht alle sind so technikaffin wie die BiotechnologInnen, mit denen wir in den letzten 3 Jahren im Pilotprojekt Erfahrungen sammeln konnten. So ist z.B. die Bilanz bei den UmweltingenieurInnen, die nicht nur die Erstsemestrigen, sondern alle Jahrgänge auf papierlos umgestellt haben, deutlich negativer ausgefallen.

Papierlos als Pflicht?

Einige Studierenden empfinden das papierlose Studium auch als Zwang. Wir möchten daher hier nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Nutzung von Papier nicht verboten ist. Studierende dürfen ausgedruckte Unteralgen mit in den Unterricht bringen und ihre Notizen auf Papier machen, sie müssen die Unterlagen allerdings selber ausdrucken, was natürlich mit Aufwand verbunden ist. 

Meiner Meinung nach wäre es besser einem die Wahl zu lassen, in welchem Fach man wirklich Papierlos studieren möchte.

Würde gerne vieles ausdrucke, habe aber nicht immer die Möglichkeit.

Eine freiwillige Option hingegen, könnte das papierlose Studium sein so meine ich. Durch den Zwang erleben sich einige Mitstudenten sogar diskriminiert, wie ich gehört habe. Es gibt durchaus Personen, die sogar privat auf die Nutzung solche Geräte verzichten oder diese nur sehr eingeschränkt verwenden, dann wenn es Sinn macht! Diese Sinnhaftigkeit ist vorhanden, auch ein teilweiser Nutzen ist gut erkennbar und könnte sich in der richtigen Dosis sehr anregend gestalten, doch das „papierlose Konzept“ wie es für unseren Studienjahrgang besteht – ist absolut nicht nützlich.

Anspruchsvoller Einstieg in das digitale Arbeiten

Die Mehrheit der Studierenden benötigte eine Eingewöhnungszeit von 2-3 Wochen, bis sie effizient papierlos arbeiten konnten. Interessanterweise scheinen die Lehrpersonen die Fähigkeiten der Studierenden etwas zu überschätzen oder die anfänglichen Schwierigkeiten waren für sie im Unterricht nicht spürbar.
Im Bachelorstudiengang in Umweltingenieurwesen haben im Herbst 2016 alle Jahrgänge auf ein papierloses Studium umgestellt. Das stellte vor allem für die Studierenden in den höheren Semestern eine Herausforderung dar, weil sie an ein papierbasiertes Studium gewöhnt waren. Für die Erstsemestrigen war die Hürde hingegen geringer, wie folgender Kommentar zeigt:

Das Studium war von Anfang an papierlos, ich habe mich schnell daran gewöhnt, weil es keine „Umstellung“ von Papier auf elektronisch gab.


Nachdem die erste Einstiegshürde gemeistert war, arbeiteten 87% der Erstsemestrigen regelmässig papierlos im Unterricht. 13% drucken noch regelmässig Unterlagen für den Unterricht aus.

Im Unterricht kann nicht ganz auf Papier verzichtet werden

Trotz dieser hohen Zahlen ist der Unterricht nicht komplett papierlos. 63% der Studierenden gaben an, dass sie im Unterricht ab und zu auf Papier angewiesen sind. Die digitalen Notizen überwiegen zwar, aber gerade Studierende mit einem Gerät ohne Touchscreen müssen regelmässig für Skizzen auf einen Notizblock zurückgreifen:

Gewisse Dozenten zeichnen sehr viel digital. Dies ist extrem mühsam, wenn man keinen touchfähigen Computer hat.

Nicht immer sinnvoll… wenn man kein Touchscreen hat und man Mathematikaufgaben lösen muss ist man seeeeeeehr langsam weil man nicht schnell z.B. die dritte Wurzel von 1390 eingeben kann… dort macht es Sinn wieder Papier zu verwenden.


Die Frage paperless oder nicht hängt oft auch vom Fach ab. Vor allem bei Berechnungen greifen offenbar viele zu einem Notizblock:

Für Fächer wie Physik und Mathematik ist das Papierlose Studium ehre suboptimal. Zudem ist das Lernen auf eine Prüfung ohne Papierunterlagen, nichts für mich.

Für manche Fächer ist es sinnvoll (Informatik, Mathematik), für manche ist man mit dem Laptop zu langsam um abzuschreiben (Chemie) und für manche nehme man lieber Papier (Physik, Biologie, Mikrobiologie (viele bildliche Ausführungen).

In meinen Augen macht es keinen Sinn, sich die Unterlagen auszudrucken. Fächer wie Mathematik und Chemie nehme ich Papier zur Hand. Da Zahlen und Formel elektronisch nicht so gut erfassbar sind.

Manchmal sind es aber auch die Rahmenbedingungen im Unterricht, die das papierlose Arbeiten unnötig erschweren. Die Kommentare zeigen auch, dass die Studierenden sehr unterschiedliche Erwartungen an das papierlose Konzept haben:

In einigen Kursen werden teils immer noch Aufträge auf Papier gedruckt. Bitte: wennschon, dennschon 😉 Plakate machen wir immer noch mit Flip-Charts. Warum diese nicht auch im One Note?

Sehr, sehr ärgerlich(!), dass die Lehrperson die Unterlagen erst nach der Vorlesung herausrückt. Wir sollen uns halt während des Unterrichtes Notizen auf ein Blatt Papier machen. Wo ist hier das papierlose Studium?

Einige Dozenten gehen nicht aufs paperless ein, geben zum Teil trotzdem Papier ab.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Studierenden die Möglichkeit, im Studium papierlos arbeiten zu können, grundsätzlich begrüssen. Wir sollten aber in Zukunft besser darauf hinweisen, dass sie situativ selber entscheiden können, wann sie papierlos arbeiten und wann sie lieber auf Papier zurückgreifen.

Aufgrund persönlicher Präferenzen und unterschiedlicher Geräte und Programme gibt es nicht „die“ richtige Arbeitsweise. Es hängt immer von den Umständen ab, und die sind so vielfältig wie unsere Studierenden unterschiedlich sind.

Es zeigt sich auch, dass die Erwartungen an das papierlose Studium teilweise stark auseinander driften; während einige Studierende einen noch stärkeren Digitalisierungsgrad fordern, möchten andere am liebsten zurück zum Papier und Wandtafel. Letztendlich können wir als Hochschule nur die Rahmenbedingungen schaffen, damit Studierende dem Zeitgeist entsprechend, papierlos arbeiten können; in welchem Ausmass sie dann davon Gebrauch machen hängt auch von ihnen selber ab.

Um unsere initiale Frage zu beantworten: Wir haben den Weg in Richtung papierlos eingeschlagen, sind aber aufgrund technologischer, didaktischer und institutioneller Rahmenbedingungen sowie persönlicher Präferenzen der Studierenden und Dozierenden nicht komplett papierlos unterwegs. Wohin die Reise uns genau führen wird ist im Moment noch unklar, sicherlich aber vorwärts und nicht rückwärts. Wir erwarten daher, dass sich unsere Studierenden mit digitalen Technologien auseinandersetzen. Ganz ohne „digital“ werden auch die Papierliebhaber nicht durchs Studium kommen.

Erste Erfahrungen mit Bring Your Own Device

Seit Herbst 2016 studieren unsere angehenden BiotechnologInnen, Facility ManagerInnen und UmweltingenieurInnen papierlos mit ihren eigenen Notebooks und Tablets. Diese Neuausrichtung des papierlosen Studium war nötig, um das frühere Pilotprojekt in den Normalbetrieb zu überführen. Zudem hat das Pilotprojekt gezeigt, dass die Studierenden sehr individuelle Anforderungen an ihre Arbeitsgeräte haben. Als Hochschule können wir dieser Vielfalt aufgrund der komplexen und aufwändigen Ausschreibungsverfahren nicht gerecht werden und hinken dem technologischen Fortschritt immer etwas hinterher.

Wir haben unsere Erstsemestrigen und deren Lehrpersonen nach den ersten vier Monaten mit Bring Your Own Device befragt und ziehen nun hier mit einer Serie von Beiträgen eine erste Bilanz. Den Anfang machen wir mit der Hard- und Software sowie mit der Infrastruktur.

Bei den Studierenden haben 131 Personen aus dem 1. Semester der Studiengänge in Biotechnologie, Facility Management und Umweltingenieurwesen an der Umfrage teilgenommen. Die Rücklaufquote lag bei 35%. Bei den Lehrpersonen haben 52 Personen an der Umfrage teilgenommen und die Rücklaufquote betrug 68%.

Geräte

Über 70% der Studierenden haben sich speziell ein Gerät für das Studium angeschafft. zusammengefasst machen normale Notebooks und Macs mit 59% die Mehrheit der Geräte aus, gefolgt von Hybridgeräten mit Touchscreen und dem Surface Pro mit 51%. Nur eine Minderheit von 13% arbeitet mit Tablets, wobei dort vor allem das Apple iPad dominiert. Damit besitzen 64% der Studierenden entweder ein Notebook, Hybridgerät oder Tablet mit Touchscreen. Rund 1/4 der Studierende gab zudem an, dass sie das Smartphone zum Lernen nutzen, vielleicht ein mobiler Ersatz für das Tablet?

Touchscreen wichtiger als erwartet
Zufrieden mit ihrer Wahl sind vor allem die NutzerInnen eines Microsoft Surface Pro und weiterer Hybridgeräte mit Touchscreen, wie z.B. das Lenovo Yoga. Auch die wenigen Studierenden, die ein Apple iPad nutzen sind sehr zufrieden mit ihrem Gerät.

Ich arbeite im Studium mit folgenden Geräten

Studierende mit einem Mac finden ihr Gerät zwar nach wie vor gut, sie haben aber teilweise Mühe mit der Bedienung, weil sie oft mit der Windows-Partition arbeiten müssen und dann z.B. einige Tasten auf der Tastatur nicht mehr übereinstimmen:

Grundsätzlich würde ich mich wieder für Apple entscheiden. Da aber jedoch mit Windows gearbeitet wird, wäre ein Surface wohl die bessere Option.

Eher unzufrieden mit ihrem Gerät sind Studierende, die mit einem handelsüblichen Notebook ohne Touchscreen arbeiten:

Wir zeichnen sehr viel im Unterricht, was vorher nicht bekannt war. Hätte ich das gewusst, hätte ich ein Laptop mit Touchscreen gekauft.

Es ist schwer, ich muss den Akku zu häufig aufladen, es hat keine Maus, es ist schwierig Notizen zu machen.

Ich würde mich wieder für das gleiche Gerät entscheiden

Empfehlung
Zusammengefasst kann man sagen, dass der Touchscreen und die damit verbundene Möglichkeit, handschriftliche Annotationen und Skizzen in den Unterlagen zu erfassen vor allem im Unterricht wichtig ist. Wir empfehlen daher zukünftigen Studierenden, sich nach Möglichkeit ein Gerät mit abnehmbarem/drehbarem Touchscreen und Eingabestift zu kaufen, damit das Gerät als Papierersatz genutzt werden kann und beim Arbeiten nicht ständig zwischen Papier und Notebook hin- und hergewechselt werden muss.

Programme

Windows dominiert das Feld
Bei den genutzten Applikationen hat die Vielfalt im Unterschied zu den Pilotklassen mit Tablets stark abgenommen.Microsoft OneNote dominiert sowohl im Unterricht als auch im Selbststudium, gefolgt von Microsoft Word und dem kostenlosen Adobe Acrobat Reader. Diese Dominanz deR Microsoft Produkte hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Office 365 mittlerweile auf allen Betriebssystemen genutzt werden kann, wenn auch mit weniger Funktionen als auf Windows.

Das Office 365 Pro Plus Angebot der ZHAW wird von 77% der Studierenden genutzt. Einige dürften auch Office Professional 2016 installiert haben und einige wissen offenbar nicht, dass es Office 365 auch für das iPad und Android gibt.

Drawboard als beliebte Alternative zum Adobe Reader
Mehrere Studierende haben angemerkt dass ihnen die Kombination aus OneNote und Adobe Reader für das Bearbeiten der PDF-Unterlagen nicht ausreicht und sie daher die kostenpflichtige App Drawboard nutzen.

Die Nutzung der bisher sehr beliebten iPad Apps wie PDF ExpertGood Notes oder Notability ist stark zurückgegangen, da im Vergleich zum Pilotprojekt viel weniger mit Tablets gearbeitet wird. Auch der früher sehr beliebte PDF X-Change Editor wurde seltener genannt. Dafür wird Drawboard vermehrt genutzt. Die Browser (IE/Firefox) werden sowohl im Unterricht als auch im Selbststudium oft genutzt. Spezifische Android Apps wurden keine genannt.

Genutzte Applikationen im Unterricht und Selbststudium, visualisiert nach Häufigkeit der Nennung.

Cloud Dienste
Die Mehrheit der Studierenden (66%) speichert die Daten auf OneDrive for Business.Damit haben Dropbox und Google Drive stark an Beliebtheit eingebüsst und auch der akademische Cloud-Dienst SWITCHdrive spielt mit 3% nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. 36% gaben zudem an, dass sie ihre Daten auch auf lokalen Speichern, externen Festplatten oder USB Sticks speichern.

Infrastruktur

Studierende möchten (noch) mehr Steckdosen
Das WLAN und die Stromversorgung wurden in den vergangenen drei Jahren massiv ausgebaut. Das hat sich offenbar gelohnt, denn mittlerweile sind über 80% der Studierenden mit der Ausstattung der Unterrichtsräume im Hinblick auf Steckdosen und WLAN zufrieden. In einigen Räumen sind die Steckdosen allerdings schlecht zugänglich oder es sind nicht genügend Steckdosen vorhanden. Zudem wünschen sich die Studierenden auch an den Lernplätzen mehr Steckdosen.

Bewertung der Infrastruktur durch Studierende und Lehrpersonen.

Gesundheitliche Bedenken ernst nehmen
Eine Person hat sich über gesundheitliche Bedenken geäussert und gefordert, dass wegen der Geräteemissionen in den Unterrichtsräumen für eine bessere Abluft und eine höhere Luftwechselrate gesorgt werden sollte. Sie schlug auch vor, dass die Hochschule technologiefreie Zonen schaffen sollte – wie das an anderen ZHAW-Standorten z.B. mit einem „Raum der Stille“ bereits gemacht wird. Die Hochschule in Wädenswil hat mit den Gärten im Grüental eine technologiefreie Zone die sich ideal für einen achtsamen Spaziergang und eine technologiefreie Pause eignet.

Didaktischer Rückschritt durch verkabelte Tische
Etwas anders sieht die Situation bei den Lehrpersonen aus. Die Montage der Steckdosen an den Tischen hat dazu geführt, dass viele Tische in den Gruppenräumen fix verkabelt sind und nicht mehr verstellt werden können. Das stellt die Lehrpersonen vor neue Herausforderungen und schränkt die didaktischen Möglichkeiten während des Unterrichts ein. Unterrichtsszenarien, welche die aktive Partizipation der Studierenden und das kollaborative Lernen in den Vordergrund stellen, werden dadurch erschwert:

Der didaktische Fortschritt mit dem papierlosen Studium wurde durch das Zusammen“binden“ der Bänke gleich wieder ins Minus gebracht (Gruppenarbeiten sind so fast nicht möglich.)  Auch sonst ist die Infrastruktur noch nicht auf der Höhe, z.B. fristen die Visualizer eher ein Schattendasein.

Teilweise veraltete, mangelhafte Beamer und Mikrofone
Bemängelt wird zudem die AV-Technik in den Unterrichtsräumen. Die Beamer haben teilweise eine schlechte Auflösung oder funktionieren nicht zuverlässig:

Technik in den GA-Räumen hatte Kinderkrankheiten. Ich stand 3-mal in einem Unterrichtsraum, wo die Technik nicht funktionierte und das Problem konnte von den Technikern nicht innerhalb von Minuten behoben werden.

Der Beamer funktioniert manchmal nicht und ich habe Mühe mit den Settings für Sound auf meinem Notebook: benutze daher meinen eigenen Lautsprecher.

Auch die Mikrofone scheinen teilweise nicht zu funktionieren, wodurch Studierende in den hinteren Reihen dem Referenten nur schwer folgen können:

Es hat nicht in jedem Zimmer funktionstüchtige Mikrofone. Die in den mittleren Reihen bis hintere Reihen verstehen nicht alles wenn der Dozent vorne was erzählt.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass mit dem Ausbau der Infrastruktur die Bedürfnisse der Studierenden hinsichtlich WLAN und Steckdosen mit einigen wenigen Ausnahmen erfolgreich abgedeckt werden konnten. Allerdings zeigt sich auch, dass die verkabelten Tische für den didaktischen Fortschritt eher kontraproduktiv sind, da dadurch die didaktischen Szenarien im Präsenzunterricht eingeschränkt werden. Gerade beim aktiven Lernen im Rahmen von Gruppenarbeiten, Debatten und Diskussionsrunden wird die Interaktion im Raum auch durch die Bestuhlung mitgesteuert.

Leider besitzen noch nicht alle Studierenden Geräte mit einer Akkulaufzeit von 8 oder mehr Stunden. Gerade handelsübliche Notebooks laufen oft nur 4h am Stück und verbrauchen im Vergleich zu Tablets sehr viel Strom. Die Verkabelung in den Unterrichtsräumen bleibt somit bis auf weiteres ein notwendiges Übel, um die Tische mit Strom zu versorgen.

Andererseits darf man sich durchaus fragen, warum die Gruppenräume nach dem traditionellen Hörsaalprinzip mit Tischen in Reih und Glied bestuhlt sind. Man könnte in Gruppenräumen auch eine andere Bestuhlung vorgeben und die Verkabelung entsprechend anpassen. Das würde dann aber bedeuten, dass in diesen Räumen tatsächlich nur noch aktive Lernsettings wie Gruppenarbeiten, Diskussionen und Übungen und keine Vorlesungen mehr stattfinden.

Rückblick IAS Tag der Lehre – papierlos unterrichten

Am 10. Januar 2017 fand an der ZHAW in Wädenswil der IAS Tag der Lehre statt. Das Institut für Angewandte Simulation (IAS) widmete sich dieses Jahr dem Thema des papierlosen Unterrichts. Der Titel macht bereits klar, dass es hier vor allem um die Veränderungen geht, die sich im Klassenzimmer vollziehen, wenn Studierende im Unterricht plötzlich Notebooks und Tablets statt Papier nutzen. Was bedeutet das für die Lehrpersonen und ihren Unterricht? Anbei ein Rückblick aus meiner Sicht als Projektleiterin des Pilotprojektes zum papierlosen Studium.

Einstieg mit neuen Tools

Den Einstieg in das Thema machte Andri Puorger von Microsoft Schweiz. Herr Puorger zeigte auf, wie Lehrpersonen und Studierende digitale Technologien für das Lehren und Lernen nutzen können. Natürlich standen dabei die Microsoft Tools im Fokus. Herr Puorger zeigt einige neuere Microsoft Tools wie z.B. Office Mix, ein Add-In für PowerPoint, mit dem man vertonte PowerPoint Lektionen inkl. Video erstellen kann. Weiter ging es dann mit Office Forms für Umfragen und OneNote for Teachers, ein Plug-In for OneNote mit dem man schon fast ein LMS wie Moodle ersetzten könnte – aber eben nur fast – bei komplexeren Anforderungen wie der Anbindung an ein Schulführungssystem, der Durchführung von E-Assessments und der Frage nach dem Datenschutz dürfte die Lösung an ihre Grenzen stossen.

Herr Puorger machte unter anderem auch auf die Kompetenzen aufmerksam, welche Studierende für den Arbeitsplatz der Zukunft benötigen. Dazu gehören z.B. Teamfähigkeit, Sozialkompetenz, Kreativität, aber auch sog. Filterkompetenz, Systemdenken und die Kompetenz für ein lebenslanges Lernen. Der Fokus lag dabei mehrheitlich bei den digitalen Kompetenzen der Studierenden und das Thema wurde im Laufe des Tages immer wieder aufgegriffen. Welche Kompetenzen die Lehrpersonen für den papierlosen Unterricht benötigen wurde hingegen nur am Rande diskutiert.

Rückblick auf bisherige Erfahrungen

Weiter ging es mit einem Rückblick auf unsere bisherigen Erfahrungen im Rahmen des Pilotprojektes und der Einführung des regulären papierlosen Studiums an der ZHAW in Wädenswil. Prof. Dr. Jack Rohrer, Dozent am Institut für Chemie und Biotechnologie und einer der Pioniere des papierlosen Studiums, zeigte auf, was sich für ihn durch das papierlose Studium verändert hat. In erster Linie war es für ihn als Dozent eine Erleichterung, weil er sich nicht mehr um das Ausdrucken der Unterlagen kümmern musste. Die didaktische Innovation hingegen findet nur statt, wenn der Dozent dies in seinem Kurs aktiv vorantreibt und die Nutzung digitaler Medien und Technologien als kognitive Tools in die Lernszenarien implementiert.

Hilfsmittel hin zu einer digital unterstützten Lehre

Diese Implementation der digitalen Technologien als produktive Hilfsmittel kann z.B. mit dem SAMR-Modell unterstützt werden. Das Modell sieht vor, dass digitale Technologien auf verschiedenen Ebenen eingesetzt werden können. Sie können z.B. ein Medium wie das Papier ersetzten oder auch gleich noch einige funktionelle Verbesserungen mit sich bringen. Nebst dieser Erweiterung bisheriger Möglichkeiten können digitale Technologien aber auch dazu genutzt werden, die Art und Weise zu verändern, wie wir miteinander interagieren. Auf dieser Ebene können digitale Technologien zur Modifikation bisheriger Lehr- und Lernszenarien oder sogar zu einer Neudefinition von Szenarien genutzt werden.

Die bisherigen Evaluationen an der ZHAW weisen darauf hin, dass Studierende digitale Technologien vor allem für den Ersatz von Papier und die erweiterte Nutzung mit einfachen funktionellen Verbesserungen wie z.B. Suchfunktion, Zoom, Wörterbuch usw. nutzen. Die Modifikation oder sogar Neudefinition des Lehrens und Lernens mit Hilfe digitaler Technologien hängt hingegen stark von den verwendeten Lernszenarien ab. Der Frontalunterricht beispielsweise profitiert nur bedingt von den digitalen Hilfsmitteln; die Studierenden besitzen zwar mit ihren Notebooks und Tablets ein mächtiges, produktives Hilfsmittel, sie können es aber aufgrund des Unterrichtssettings nur für das Mitschreiben und das Nachschlagen von Informationen nutzen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob der Präsenzunterricht nicht auch für Lernaktivitäten genutzt werden könnte, bei denen die Studierenden einen aktiveren Part übernehmen, wie dies z.B. beim Flipped Classroom der Fall ist.

Wertvolle Erfahrungen für zukünftige Konzepte

Die bottom-up Innovation auf Kursebene, die am IAS Tag der Lehre in vielen Referaten sichtbar wurde, bildet eine wichtige Basis für die kommende Überarbeitung der Curricula. Einerseits kann die Hochschule damit auf einen wertvollen Fundus von konkreten Anwendungsbeispielen zurückgreifen und andererseits erkennen die Lehrpersonen dank der gemachten Erfahrungen mit dem papierlosen Unterricht bereits konkreten Anpassungsbedarf in ihren Unterrichtskonzepten. Ein Punkt war beispielsweise der volle Stundenplan der es den Studierenden teilweise kaum ermöglicht sich im Selbststudium z.B. auf einen Flipped Classroom Unterricht vorzubereiten.

Angela Martucci Siefert zeigte anhand des Bachelorstudiengangs in Umweltingenieurwesen auf, wie sich das Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen auf die Herausforderung des Lehrens und Lernens im digitalen Zeitalter vorbereitet. Im Zentrum steht dabei die Kompetenzorientierung und ein transferorientiertes Blended Learning Design mit Vorbereitungsphase, Präsenzphase und unterstützter Transferphase.

Von der Digitalisierung erhofft sich die Hochschule auch eine personalisiertere Lehre. Allerdings braucht es dafür Massnahmen, wie z.B. das vorgestellte Universal Design for Learning. Diese Empfehlungen basieren auf der Idee, dass Diversität bei den Lernenden die Regel und nicht die Ausnahme darstellt. Die darin empfohlenen Massnahmen können helfen, die Curricula, Kurse und Lernmaterialien so zu gestalten, dass sie eine stärkere Personalisierung der Lehre ermöglichen.

Anschliessend an die beiden Vorträge gab es einige konkrete Beispiele von Lehrpersonen an der ZHAW, wie der papierlose Unterricht gestaltet werden kann.

Mehr Dynamik dank weniger Papier

Dr. Andrea Baier zeigte auf, dass durch den Wegfall von Papier mehr Dynamik im Unterricht entstehen kann. Sie schätzt es, dass digitalen Unterlagen und Informationen immer verfügbar sind und sie den Unterricht flexibel auf die Bedürfnisse der Studierenden anpassen kann. Das bedeutet allerdings auch, dass ihr Unterricht vom WLAN und der Technik abhängig ist. An ihrem Beispiel konnte man gut sehen, wie die Nutzung digitaler Medien situativ in den Kontext eines Kurses eingebettet werde kann. So arbeiten die Biotechnologie-Studierenden beispielsweise neu mit Modellen aus einem 3D-Drucker oder erstellen selber Simulationen. Dadurch findet eine Transformation vom papierlosen Unterricht hin zu einer digital unterstützen Lehre statt, die viel weiter geht als der blosse Ersatz von Papier.

Erfahrungen mit Gruppenarbeiten und Open-E-Book Prüfungen

Auch Dr. Evelyn Wolfram war mit einer digitalen Herausforderung konfrontiert, als die Studierenden an der OpenBook Prüfung plötzlich ihre digitalen Unterlagen nutzen wollten. In der Pilotklasse wurden die Tablets für die OpenBook Prüfung in den Flugmodus versetzt, damit die Studierenden ihre digitalen Unterlagen während der Prüfung lokal nutzen konnten. Seit der Umstellung auf Bring Your Own Device ist das allerdings keine Option mehr, da zu viele verschiedene Geräte im Einsatz sind und die Klassen bedeutend grösser sind. Mittlerweile laufen an der ZHAW verschieden Pilotprüfungen mit dem Safe Exam Browser und virtuellen Desktops, um in Zukunft verschiedene Prüfungsszenarien elektronisch durchführen zu können. Evelyn Wolfram zeigte mit ihren Beispielen aber auch auf, dass Dozierende die Lösung nicht immer in der Technik suchen müssen. Sie führt ihre Prüfung im Qualitätsmanagement heute als mündliche Gruppenprüfung durch und hat damit einen Weg gefunden, ein QM-Audit authentisch zu simulieren und das erst noch besser, als es eine elektronische Prüfung jemals könnte.

Papierlos – konzeptlos?

Eher kritisch waren die Stimmen aus dem Informatikunterricht. Claudia Schmucki und René Hauck haben im Rahmen ihres Informatikkurses Defizite bei den digitalen Kompetenzen der Studierenden festgestellt. So führen z.B. nur wenige Studierende regelmässig ein Backup durch und auch mit der Bearbeitung der digitalen Unterlagen scheinen viele Studierende überfordert zu sein. Sie plädierten dafür, dass die digitalen Kompetenzen der Studierenden stärker gefördert werden. Unklar bleibt allerdings, wo und wann dies geschehen soll, denn sowohl die Startwoche wie auch den aktuellen Informatikunterricht halten sie dafür für ungeeignet. Dass es auch anders geht zeigt das Institut für Facility Management, welches die digitalen Kompetenzen in den Curriculum des Bachelorstudiengangs bereits aufgenommen hat und im Informatikunterricht neu Platz für die Förderung dieser Kompetenzen geschaffen hat. Klar ist, dass es im Rahmen des papierlosen Studiums noch viel Abstimmungsbedarf gibt. Zwar gibt es ein Konzept für die Umstellung auf das papierlose Studium, aber die Institute haben bei der Umsetzung viele Freiheiten. In der Regel wird die Umstellung an einer institutsinternen Klausur diskutiert und geplant, Dozierende des IAS und der AWG sind dort oft nicht anwesend, obwohl sie von der Umstellung in den Studiengängen ebenfalls direkt betroffen sind.

Das bewegte Papier

Prof. Dr. Karin Kovar und Iwo Zamora zeigten auf, wie digitale Technologien für die Simulation biologischer Phänomene genutzt werden können. Durch Simulationen und Analogien erwachen die komplexen mathematischen Formeln zum Leben und Studierende, die sonst Mühe hätten, das Verhalten bestimmter Organismen direkt aus der mathematischen Formel abzuleiten, erhalten einen anderen Zugang zur Materie. Das Beispiel zeigt sehr schön das zuvor erwähnte Potenzial des Universal Design for Learning auf, denn mit den vielfältigen Darstellungsformen und Ausdrucksweisen, die digitale Technologien ermöglichen, kann besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Studierenden eingegangen werden.

In ihrem zweiten Beispiel ging Karin Kovar auf ihr mit einem Lehrpreis ausgezeichnetes Konzept der New Business Opportunity (NBO) und mögliche Weiterentwicklungen ein. Sie zeigte auf, dass Studierende in ihrem Kurs nicht nur papierlos, sondern vor allem auch beweglich, interaktiv und selbstbestimmt agieren. Ziel ist es, die Studierenden auf die Anforderungen des Marktes vorzubereiten und sie mit den NBO’s unter anderem mit einem Mentoring Programm bereits während des Studiums in die Biotech-Community einzuführen.

Papierloses Studium in language learning – does it work?

Dr. Caroline Hyde-Simon zeigte Chancen und Schwierigkeiten für den papierlosen Englischunterricht auf. So nutzt sie beispielsweise digitale Tools wie Quizlet oder Padlet sowie soziale Medien wie Pinterest und Facebook, damit Studierende fachspezifische englische Beiträge oder Wortschatz sammeln und teilen können. Sie beobachtete auch, dass mehrere Studierende bereits von Hand oder mit einem Stift in die digitalen Unterlagen schreiben. Das Schreiben von Hand oder mit der Tastatur war bei vielen Vorträgen ein Thema.

Schreibberatung ohne Papier

Auch Beatrice Dätwyler hat sich im Rahmen ihrer Schreibberatung mit dem Thema befasst und festgestellt, dass viele Studierende Mühe haben, die Notizen direkt in den wissenschaftlichen Artikeln zu erfassen. Oft machen sie sich die Notizen nebenbei in einem anderen Programm, was für das Textverständnis weniger effizient ist. Sie hat in Ihrem Beitrag auch zahlreiche Studien zitiert, die sich mit der Frage befassen, ob man besser mit Papier oder digitalen Medien lernt und dafür plädiert, dass Studierende wählen können, ob sie mit digitalen Unterlagen oder mit Papier arbeiten und lernen. Wichtig für den Lernprozess scheint, dass das Gelesene oder Gehörte in eignen Worten wiedergegeben wird. Die langsamere Handschrift zwingt einem eher dazu, das Gehörte stichwortartig zusammenzufassen. Allerdings kann dies auch digital geschehen, wenn sich die Studierenden der Wichtigkeit dieser Lerntechnik bewusst sind.

Mehr als nur eine digitale Datenablage

Peter Marty wollte den Studierenden in seinem Kurs mehr bieten als einfach digitale Unterlagen auf Moodle zur Verfügung zu stellen und hat angefangen, ausgehend von Moodle eine integrale digitale Lernumgebung zu schaffen, in der digitale Technologien zur Unterstützung der Lehr- und Lernprozesse didaktisch sinnvoll, differenziert und reflektiert eingesetzt werden.

Digitales Lernen in der Weiterbildung

Christoph Gütersloh, Dozent und Berater am IAP, war an diesem Nachmittag eher ein Exot unter all den Dozierenden aus Wädenswil. Sein Beitrag über digitales Lernen in der Weiterbildung am Institut für Angewandte Psychologie (IAP) zeigte den Teilnehmenden allerdings ein paar spannende neue Perspektiven auf. Während in der Hochschuldidaktik der Fokus stark auf dem Erwerb und der Transformation von Wissen liegt, setzt das IAP in der Weiterbildung stark auf die Handlungsorientierung im Sinne von Workplace Learning, die Reflexion sowie das soziale Lernen. Für Weiterbildungsteilnehmende ist es wichtig, im Laufe ihrer Weiterbildung in eine Community hinein zu wachsen und sich neue Quellen für Anregungen und Innovation zu erschliessen.

Bei dieser Aufgabe können digitale Tools für das Community Building nützliche Dienste leisten. So nutzt Christoph Gütersloh beispielsweise in seinem Kurs das soziale Netzwerk Slack und führte eine öffentliche Expertenkonferenz auf Blab (nicht mehr verfügbar) durch, an der auch externe Mitglieder aus der Community teilnehmen konnten. Das Beispiel der Expertenkonferenz zeigt auf, wie digitale Technologien die Art und Weise verändern können, wie wir miteinander interagieren. Communities werden digital leichter zugänglich und Studierende können beispielsweise öffentliche Social Media Tools wie Twitter für Backchannel Learning nutzen oder über Hootsuite kollektive Rechercheaufträge ausführen und dabei bereits mit der Community in Kontakt treten. Die Herausforderung besteht für Christoph Gütersloh vor allem darin, eine solche Learning Community am Leben zu erhalten und die Mitglieder dazu zu bringen, dass sie sich gegenseitig helfen.

Der diesjährige Tag der Lehre zeigte auf, dass der papierlose Unterricht ein Türöffner für die digital unterstütze Lehre sein kann und digitale Medien und Technologien beim Lehren und Lernen einen Mehrwert bieten können, sofern die Rahmenbedingungen und die Lehr- und Lernszenarien dies erlauben. Er zeigte aber auch die zahlreichen Veränderungen und Herausforderungen auf, welche die Digitalisierung für die Studierenden, die Lehrpersonen und die Hochschule mit sich bringt und man merkte, dass wir mitten in einem Wandel stecken. Immerhin befinden wir uns bereits mittendrin in diesem Prozess und haben ein gutes Fundament aus Erfahrungen, auf das wir aufbauen können.

Weitere Informationen zum IAS Tag der Lehre finden Sie unter: https://www.zhaw.ch/de/lsfm/institute-zentren/ias/weiterbildung/ias-tag-der-lehre/

Die Vorträge finden Sie unter https://moodle.zhaw.ch/course/view.php?id=1646