LiquidText

Hervorgehoben

Wir sind immer auf der Suche nach Apps, die unsere Studierenden beim Lernen unterstützen können. LiquidText ist eine solche App, die das Arbeiten mit digitalen Texten revolutionär verändern könnte.

Die App wurde ursprünglich von Mitarbeitenden und Studierenden der Georgia Tech entwickelt, um das aktive Lesen zu unterstützen. Die Pro-Version ist mit CHF 20.- verhältnismässig teuer, die kostenlose Version bietet aber auch schon einige praktische Funktionen.

Texte annotieren

Wie in jedem guten PDF-Reader können Sie mit LiquidText Textstellen farblich hervorheben, unterstreichen oder kommentieren. In der Pro-Version stehen zusätzlich ein digitaler Stift und ein Marker für handschriftliche Notizen oder Skizzen zur Verfügung. LiquidText ist allerdings nicht nur auf PDFs beschränkt, sondern erlaubt auch das Annotieren von Word und PowerPoint Dokumenten.

Textstellen als Randnotizen extrahieren und neu verknüpfen

Das Besondere an LiquidText ist der zusätzliche Arbeitsbereich, der je nach Bildschirmausrichtung auf der rechten Seite oder unterhalb des Textes erscheint. Hier können Sie während des Lesens Textstellen mit dem Stift oder Finger direkt aus dem Text extrahieren und sie individuell anordnen und ergänzen. Mit diesen Randnotizen können Sie wichtige Aussagen aus dem Text neu organisieren, verknüpfen und kommentieren ohne auf Platzprobleme zu stossen. Der Kontext der Randnotizen bleibt sichtbar, so dass Sie Ihre Gedankengänge jederzeit nachvollziehen können.
In der Pro-Version können Sie zusätzlich Grafiken oder andere Elemente ausschneiden und in den Arbeitsbereich einfügen, sowie Elemente im Arbeitsbereich von Hand annotieren.

Textstellen und Dokumente vergleichen

Die sog. Highlight View erlaubt es, Texte dynamisch zu bearbeiten, in dem Sie gewisse Seiten vorübergehend zusammenziehen, damit sie ausgeblendet werden. Dadurch können Sie einzelne Textstellen in einem Dokument direkt miteinander vergleichen. In der Pro-Version können zudem mehrere Dokumente oder Webseiten eingeblendet und so auch Textstellen aus mehreren Dokumenten gesucht und interaktiv miteinander verglichen werden.

Anmerkungen exportieren

Ein weiterer Vorteil von Liquid Text sind die zahlreichen Exportoptionen der Annotationen und Randnotizen. Sie können eine automatische Zusammenfassung ihrer Annotationen erstellen und wählen, ob Sie z.B. nur die Highlights, die Randnotizen oder Kommentare für die Weiterbearbeitung als Word-Dokument exportieren wollen.

Synchronisation nur manuell verfügbar

Noch verbesserungswürdig sind allerdings die Möglichkeiten zur Synchronisation der Dateien in der Cloud. Man kann zwar Dokumente von allen gängigen Cloud-Diensten herunterladen, inkl. OneDrive für Business der ZHAW, aber eine automatische Synchronisation der Dokumente mit dem Cloud-Server ist zurzeit nicht verfügbar. Damit müssen Dokumente jeweils manuell wieder auf den Server hochgeladen werden, was nicht nur mühsam und ineffizient ist, sondern bei vielen Dokumenten auch sehr unübersichtlich werden kann.

Weitere Informationen

Liquid Text Features

Video Demo von LiquidText (Englisch)

Führen digitale Technologien zu interaktiverem Unterricht?

Im letzten Beitrag haben wir gesehen, dass unsere Studierenden heute während des Unterrichts vermehrt digital und vernetzt arbeiten. Während die Lehrperson vorne etwas präsentiert hören die Studierenden nicht nur zu und schreiben mit, sondern sie recherchieren auch gerne und oft nach Zusatzinformationen, schlagen Begriffe nach und fügen gleich alles zu einer eigenen Zusammenfassung zusammen. Wenn es dann mal nicht so spannend ist, wird nebenbei auch gerne mit anderen kommuniziert oder auf Social Media nachgeschaut, ob sich andere gerade mit etwas Interessanterem beschäftigen.  

Die Studierenden für ihren Teil sind also während des Unterrichts ziemlich aktiv auf ihren Geräten, wenn auch nicht immer im Sinne des Lernens. Mit den Notebooks und Tablets haben die Studierenden mehr Interaktionsmöglichkeiten erhalten, um während des Unterrichts mit den anwesenden Akteuren im Raum und der Aussenwelt zu interagieren. Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese neuen Interaktionsmöglichkeiten der Studierenden auch einen Einfluss darauf haben, wie die Lehrpersonen ihren Unterricht gestalten und ob sie in den neuen, digitalen Möglichkeiten auch einen didaktischen Mehrwert sehen.

Hierfür haben wir die Lehrpersonen befragt, welche papierlose Klassen in den Bachelorstudiengängen in Biotechnologie (1. Semester), Facility Management (1. Semester) und Umweltingenieurwesen (Alle) unterrichten.

Wenig digital unterstützte Szenarien im Unterricht

Die untenstehenden Antworten der Lehrpersonen zeigen, dass sie im Unterricht digitale Hilfsmittel eher zurückhaltend einsetzen. Nur 24% nutzen regemässig Unterrichtszenarien, bei denen die studentischen Geräte als digitale Werkzeuge aktiv in eine Lernaktivität miteinbezogen werden. Lernszenarien, die auf Papier angewiesen sind, sind damit weiter verbreitet als jene, die auf digitale Technologien angewiesen sind.

Kreativitätstechniken, SWOT-Analysen in Gruppen etc. funktionieren besser mit Papier als auf digitalen Mindmaps.

Ich habe keine Berührungsängste mit den neuen Medien und setze sie seit Jahren immer wieder mal ein. Ich denke aber, dass mit der papierlosen Strategie viele Optionen auch eingeschränkt werden. Man kann z.B. keine „Auslageordnung“ auf 20 x 30 cm Bildschirm machen.

Die Auswertung zeigt allerdings auch, dass 50% der Lehrpersonen seit der Umstellung auf den papierlosen Unterricht mindestens teilweise mehr digitale Lernaktivitäten im Unterricht nutzen. Offenbar resultiert dieser vermehrte Einbezug der studentischen Tablets und Notebooks aber nicht immer in einer erhöhten Interaktivität.

Live-Umfragen, Wissenstests und Übungen bei Studierenden beliebt

Fragt man die Studierenden, finden 10%, dass der Unterricht regelmässig lebhaft und interaktiv gestaltet ist. 19% finden ihn hingegen nur wenig bis gar nicht interaktiv und die Mehrheit bewegt sich irgendwo dazwischen. Studierende, die sich kritisch geäussert haben, wünschen sich im Unterricht weniger PowerPoint, dafür mehr Live-Umfragen, Wissenstests und Übungen, also alles Aktivitäten, bei denen sie aktiver gefordert sind:

Eigentlich arbeiten alle Dozenten mit PDF oder PPP, die neuen Möglichkeiten die durch das Papierlose Studium entstehen, wie eben solche Wissenstests werden kaum gebraucht, das ist schade!

Mehr die Möglichkeiten ausnutzen. Sehr viele Dozenten führen den Unterricht genau gleich, wie wenn wir Papier vor uns hätten.

Der Unterricht ist je nach Dozent überhaupt nicht interaktiv gestaltet („Powerpoint-Vorträge“ sind oft vertreten). Es werden auch praktisch keine Live-Umfragen oder Übungen durchgeführt.

Mehr Live-Umfragen und Wissenstest, hatten wir schon vor 2 Jahren an der ETH oft gemacht, ist ein guter Indikator und da sowieso alle papierlos sind, kann jeder, ohne Probleme mitmachen.

Es wären viel mehr interaktive Möglichkeiten vorhanden, als tatsächlich genutzt werden. Unterricht mehrheitlich langweilig gestaltet.

Live-Umfragen und kurze Wissenstest können gut mit technologischen Hilfsmittel durchgeführt und ausgewertet werden. An der ZHAW gibt es dafür z.B. die Moodle Aktivität Test oder das Mobile Response Tool. Sie sind eine einfache, aber effiziente Methode um die Studierenden in der Vorlesung zu aktivieren und die Antworten können als Ausgangspunkt für Diskussionen und Peer-Instruktion genutzt werden, vor allem auch bei grossen Klassen. Das scheinen auch die Lehrpersonen gemerkt zu haben, denn Live-Umfragen und Wissenstests sind mittlerweile bereits schon fast so beliebt wie Präsentationen. Eine weitere beliebte Aktivität sind Internetrecherchen während des Unterrichts, das macht ebenfalls Sinn, wenn man bedenkt, dass über 60% der Studierenden während des Unterrichts regelmässig Informationen im Internet nachschlagen.

Brücken bauen zwischen menschlicher und technologischer Interaktion

Wenn es um Interaktivität und digitale Technologien im Unterricht geht, sind die Lehrpersonen zu Recht skeptisch. Schliesslich findet die Interaktivität oft auf den studentischen Geräten statt und die Lehrperson bekommt davon nur die negativen Effekte zu spüren, wie z.B., dass die Studierenden in den Bildschirm schauen statt Augenkontakt mit der Lehrperson zu suchen. Es überrascht daher nicht, dass sie auf die Frage, ob die Notebooks und Tablets die Interaktion im Unterricht erhöhen zu 63% mit Nein geantwortet haben.

Die digitalen Medien und Technologien verändern die Art und Weise, wie Studierende und Lehrpersonen miteinander, untereinander und mit der Umwelt interagieren. Damit diese Veränderung für das Lernen einen Mehrwert bietet, braucht es ein Unterrichtskonzept, welches diese neuen Möglichkeiten in der Methodik und Didaktik berücksichtigt.   

Man kann nun natürlich argumentieren, dass im Zentrum des Unterrichts die Interaktion zwischen den Studierenden und der Lehrperson steht und dafür keine digitalen Technologien benötigt werden; schliesslich kann man auch ohne digitale Technologien miteinander diskutieren – oft sogar besser.

Das papierlose Studium macht das Unterrichten angenehmer, ermöglicht punktuell, neue Methoden auszuprobieren und macht Spass. Es stellt aber keine grundlegende Revolution des Unterrichts dar, da Unterricht im Wesentlichen von der Didaktik und sozialen Interaktion geprägt wird und nicht von einer technischen Möglichkeit. In dieser Hinsicht bietet die Digitalisierung zwar interessante Ansätze und Optionen, eröffnet aber keine neuen Dimensionen.

Die Vorbereitung lässt sich verbindlicher einfordern. Dadurch sind die Studierenden (meist) besser vorbereitet, es ergibt sich mehr Zeit für Übungen und Diskussionen. Die andere Möglichkeit ist der bewusste Kontrast: bestimmte Sequenzen bewusst und mit Ansage ohne Laptop/Tablet durchführen.

Als Lehrperson kann man sich des klassischen Methodenkoffers bedienen und digitale Hilfsmittel im Unterricht bis zu einem gewissen Grad ignorieren, in dem man mit Flipcharts, Pinnwänden und Whiteboard arbeitet und die digitalen Arbeitstechniken mehrheitlich den Studierenden überlässt. Man kann auch gewisse Sequenzen ganz bewusst ohne digitale Technologien durchführen.

Trotzdem bekommen Lehrpersonen die allgegenwärtige Verfügbarkeit von digitalen Technologien im papierlosen Studium zu spüren, denn einmal auf das papierlose Studium umgestiegen, nutzen die Studierenden ihre Geräte als produktive Werkzeuge für das digitale Arbeiten, unabhängig davon, ob die Lehrperson im Unterricht darauf eingeht oder nicht. Der Einfluss der Lehrperson auf diese „unsichtbaren“, digitalen Aktivitäten ist relativ gering, es sei denn, sie bindet die verfügbaren Technologien aktiv als Werkzeuge in den Unterricht mit ein. Damit erhält sie nämlich eine Möglichkeit, mitzusteuern, welche Aktivitäten die Studierenden auf ihren Geräten während des Unterrichts ausführen.

Das können nebst den oben aufgeführten Aktivitäten wie Live-Umfragen, Wissenstests oder Internetrecherche auch die Nutzung sog. Backchannels für Fragen sein oder das Teilen und gegenseitige Ergänzen von studentischen Notizen und Zusammenfassungen aus dem Unterricht.

Ein solches Unterrichtskonzept fordert ein gutes Zusammenspiel von Methodik, Didaktik und Technologie – sozusagen einen digital ergänzten Methodenkoffer – der es den Lehrpersonen erlaubt, die aktive Nutzung digitaler Technologien in den Unterricht einzubinden. Die Herausforderung besteht vor allem darin, die neu gewonnenen Interaktionsmöglichkeiten zwischen Mensch und Maschine so zu nutzen, dass sie in die soziale Interaktion zwischen den Studierenden und der Lehrperson einfliessen. Damit könnte das papierlose Studium das Lernen im Unterricht nämlich nicht nur aus technologischer, sondern auch aus zwischenmenschlicher Sicht interaktiv bereichern.

Die Evaluation zeigt uns ganz klar, dass wir noch nicht an diesem Punkt angekommen sind und wir die Lehrpersonen dabei unterstützen müssen, diesen digital unterstützen Methodenkoffer für ihren Unterricht aufzubauen.

Vernetztes Arbeiten im Unterricht

Das papierlose Studium hat dazu geführt, dass Tablets und Notebooks im Unterricht heute eine Selbstverständlichkeit sind. Die Studierenden sind ständig online und können während des Unterrichts auf Informationen ausserhalb des Klassenzimmers zugreifen.

Diese einfache Tatsache führt dazu, dass die Aktivitäten im Klassenzimmer nicht mehr so klar von der Aussenwelt abgetrennt werden können. Das hat grundsätzlich Potenzial für das vernetzte Lernen, aber nutzen die Studierenden diese Möglichkeiten auch? In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie sie mit der ständigen Verfügbarkeit von digitalen Medien und Technologien im Unterricht umgehen.

Recherchieren während des Unterrichts

Schaut man sich die aktuelle Evaluation der 131 Erstsmestrigen aus den drei Studiengängen in Biotechnologie, Facility Management und Umweltingenieurwesen an, fallen zwei Zahlen ganz besonders auf. Die Studierenden nutzen das Internet nämlich während des Unterrichts zu:

  • 68% für das nachschlagen von unterrichtsrelevanten Informationen.
  • 30% um auf Social Media und im Internet zu surfen.

Die Mehrheit der Studierenden scheint demzufolge das Internet als Nachschlagewerk für den Unterricht zu nutzen und folgt dem Unterricht aufmerksam.

Unterlagen ergänzen und Inhalte verlinken

Nach eigenen Angaben sind die Studierenden dank der digitalen Technologien effizienter und vernetzter. Die Notebooks und Tablets schlagen sozusagen eine Brücke zwischen den Inhalten aus dem Unterricht und den Informationen ausserhalb des Klassenzimmers. Die Studierenden ergänzen die Informationen der Lehrpersonen mit zusätzlichen, oft multimedialen, Ressourcen und erstellen bereits während der Vorlesung eine Zusammenfassung. Auch das Teilen von Informationen mit Mitstudierenden wird dadurch vereinfacht:

Alles immer dabei und somit vernetzter lernbar.

Skripte mit interaktiven Links.

Wenn ich etwas nicht verstehe, kann ich es schnell im Internet recherchieren.

Man ist ständig online und recherchiert somit öfter oder schlägt ein Wort im Online Duden nach.

Man kann direkt in den Notizen Medien einbinden, wie Videos & Bilder.

Verknüpfen und verlinken von Dokumenten, schnelleres und mehrfaches Überprüfen von Daten, da man nur kurz das aktive Fenster wechseln muss.

Meiner Ansicht nach ist es ein grosser Vorteil, wenn die eigenen Notizen im Skript aufgeschrieben und bei Bedarf angepasst bzw. ergänzt werden können. Zudem ist es überaus hilfreich, wenn externe digitale Materialien dem Skript zugefügt werden können, um zum Beispiel ein Thema verständlicher zu machen. 

Ich bin viel schneller Zusammenfassungen zu schreiben, weil ich alle Informationen direkt griffbereit habe und nicht lange suchen muss.

Durch die Kombination von eigenen Notizen und dem einfügen relevanter Teile der Unterlagen ist das Erstellen einer umfassenderen Zusammenfassung während dem Unterricht möglich. Eine Nachbearbeitung der Zusammenfassungen ist so kaum nötig.

Da man sowieso am Laptop ist, schaut man viel mehr nach. Auch digital gezeichnete Skizzen oder Berechnungen können gleich an Mitstudenten weitergeleitet werden. Ebenfalls ist das Arbeiten in einer Gruppe einfacher, da mit OneDrive alles geteilt werden kann und alle gleichzeitig am Projekt arbeiten können.

Einige Studierende erwähnten auch die Möglichkeit, während des Unterrichts auf eine Vielzahl von Meinungen zugreifen zu können und dadurch ein differenzierteres Bild einer Thematik zu erhalten. Manchmal ergeben sich daraus Impulse für Diskussionen im Unterricht oder sie ergänzen damit die eigene Zusammenfassung.

Zugriff auf extrem viele Informationen und Meinungen.

Neue Seiten im Internet entdeckt welche sehr nützlich sind.

Durch das papierlose Studium nutze ich das Internet mehr als Hilfe zum etwas nachschauen oder ergänzen.

 Die Studierenden sind aber durchaus auch selbstkritisch im Umgang mit der ständigen Verfügbarkeit von Informationen, wie folgende Kommentare zeigen:

Man kann schneller recherchieren und ist aber andererseits auch schneller abgelenkt.

Es ist einfacher direkt online nachzuschlagen, dafür passt man weniger gut im Unterricht auf.

Es geht sehr schnell etwas nachzuschauen, jedoch schaut man auch nach bevor man darüber nachdenkt.

Und wie in den vorhergehenden Beiträgen bereits erwähnt gibt es auch einzelne Studierende, die auf digitale Technologien im Unterricht gerne verzichten würden:

Es ist nicht so physisch, ich denke ich lerne durch selber schreiben per Hand besser und schneller als per Tastatur.

 

Hören sie zu oder surfen sie schon?

Lehrpersonen hingegen wissen natürlich oft nicht, was die Studierenden mit ihren Notebooks und Tablets während des Unterrichts machen: Schreiben sie mit, surfen sie im Internet, oder schauen sie sich gerade ein Katzenvideo an?
Wir haben daher auch bei den Lehrpersonen eine Umfrage zum papierlosen Studium durchgeführt und ihre Aussagen denjenigen der Studierenden gegenübergestellt.

Die Zahlen in der untenstehenden Gegenüberstellung unterscheiden sich etwas vom ersten Diagramm. Sie stammen von den 52 Lehrpersonen und 253 Studierenden, die an der Umfrage teilgenommen haben und im Herbst 2016 auf papierlos mit Bring Your Own Device umgestellt haben. Dazu gehören nebst den Erstsemestrigen auch die Lehrpersonen und die Studierenden der höheren Studienjahrgänge im Bachelorstudiengang Umweltingenieurwesen.

In der Umfrage gaben 37% der Lehrpersonen an, dass die Studierenden im Unterricht häufig abgelenkt sind. Dem gegenüber steht die Aussage der Studierenden, die zu 75% angaben, dass sie dem Unterricht aufmerksam folgen. Interessant auch, dass die Erstsemestrigen offenbar im Unterricht weniger abgelenkt sind als die höheren Studienjahrgänge.

Schaut man sich genauer an, wofür die Studierenden ihre Geräte während des Unterrichts nutzen, wird klar, dass sie oft produktiv damit arbeiten und dem Unterricht aufmerksam folgen. Sie recherchieren vor allem Informationen im Internet, machen sich Notizen und heben Textstellen in den Unterlagen hervor.

Natürlich fällt aber auch auf, dass die Wahrnehmung der Lehrpersonen ziemlich gut mit den 31% der Studierenden korreliert, die zugeben, dass sie während des Unterrichts nebenbei auf Social Media und im Internet surfen. Der Schein trügt folglich nicht immer.

Erste Erfahrungen mit BYOD: paperless oder less paper?

Wir werden immer mal wieder gefragt, ob unser „papierloses“ Studium komplett papierlos ist oder ob wir einfach auf weniger Papier setzen. Unsere Philosophie ist, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass digitales Arbeiten im Studium möglich ist.

Auslöser dafür waren unter anderem die Studierenden, die sich in der Vergangenheit immer wieder über die Papierflut im Studium beklagt haben. Im Rahmen des papierlosen Studiums werden die Lehrunterlagen deshalb nicht mehr ausgedruckt, sondern digital zur Verfügung gestellt. Mit diesem Wechsel des Leitmediums haben Tablets, Smartphones und Notebooks in den Unterricht Einzug gehalten.

Die Nutzung digitaler Medien und Technologien ist damit auch im Studium angekommen und ein entsprechendes Gerät wird für das Studium vorausgesetzt. Wir sind der Meinung, dass unsere Studierenden damit auch die Chance haben, sich wichtige digitale Kompetenzen anzueignen, die sie später am Arbeitsplatz benötigen werden. Dazu gehört vor allem auch die Kompetenz, digitale Technologien als kognitive Tools für die Problemlösung und Wissenserarbeitung zu nutzen.

Studierende reagieren mehrheitlich positiv

Die Mehrheit der Studierenden, die letzten Herbst in das papierlose Studium mit Bring Your Own Device gestartet sind, haben nach dem 1. Semester eine positive Bilanz gezogen:

Mir gefällt es sehr gut papierlos zu arbeiten, da ich auf dem Laptop eine sehr gute Ordnung habe und somit den Überblick behalten kann. Es kommt dazu, dass ich mit Laptop immer alles dabei habe was ich brauche, was sehr praktisch ist.

Man hat halt ein Gerät, welches viele Bücher ersetzt, jedoch sollte dieses Gerät einmal wegkommen ist man dann der Gelackmeierte. Es ist im Grossen und Ganzen jedoch positiv anzusehen, man kann schnell mitschreiben während der Vorlesung und hat Zugriff auf Lernziele während des Unterrichts. Damit weiss man was in etwa wichtig sein wird.

Am Anfang herrschte grosse Skepsis

Zu Beginn des Studiums waren die Studierenden eher skeptisch gegenüber dem papierlosen Arbeiten. Diese anfängliche Skepsis legte sich jedoch im Laufe der ersten Wochen bei der Mehrheit, wie folgende Kommentare zeigen:

Am Anfang Startschwierigkeiten, aber jetzt durchwegs positiv, sogar überzeugt, dass es so besser ist.

Ich habe mir grosse Sorgen im Voraus gemacht welche sich jedoch nicht bestätigt haben. Somit bin ich sehr erleichtert.

Diese anfängliche Skepsis deutet auch darauf hin, dass sich unsere Zielgruppe keinesfalls gewöhnt ist, digital zu arbeiten. Die so oft erwähnten „digital natives“ sind oft nicht so digital unterwegs wie wir annehmen. Kommentare wie diese sind eher die Ausnahme:

Ich habe bereits ein nahezu papierloses Studium an der ETH begonnen und danach ein Jahr in einem nahezu papierlosen Büro gearbeitet. Ich habe mich entsprechend vorbereiten können und wusste worauf ich mich einlasse. Meine PC-Anwenderkenntnisse würde ich als überdurchschnittlich bezeichnen.

Nicht alle finden das papierlose Konzept gut

Es gibt aber auch eine Gruppe von Studierenden, die das Konzept des papierlosen Studiums nicht gut findet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Teilweise sind es Gewohnheiten, die man nicht ändern möchte oder man schätzt die haptischen Eigenschaften des Papiers. Manche empfinden das Arbeiten am Bildschirm auch als anstrengender und manche Studierende finden digitale Technologien für das Lernen gar eher hinderlich:

Ich bin jemand der gerne per Hand schreibt und meine Dokumente anfassen möchte.

Wegen technischen Schwierigkeiten, Lerneffekt nicht gleich wie von Hand!

Ich bin es gewohnt mit Stift und Papier zu arbeiten. Ein geöffneter Laptop während des Unterrichts empfinde ich nach wie vor als störend. Bei Kommilitonen kann man beobachten, dass der Laptop oft zu einer zusätzlichen Unkonzentriertheit führt (Facebook, WhatsApp, News, Games usw.).

Es ist sehr ermüdend den ganzen Tag in einen Bildschirm zu starren. Das Hin- und Herblättern in den Büchern fehlt mir. Positiv ist jedoch, dass man quasi nur das Gewicht des Computers trägt und nicht 10000 Bücher mit schleppen muss.

Die Abneigung gegenüber dem digitalen Arbeiten hängt auch mit persönlichen Einstellungen, Präferenzen und Erfahrungen zusammen. Wir haben sehr heterogene Gruppen von Studierenden und nicht alle sind so technikaffin wie die BiotechnologInnen, mit denen wir in den letzten 3 Jahren im Pilotprojekt Erfahrungen sammeln konnten. So ist z.B. die Bilanz bei den UmweltingenieurInnen, die nicht nur die Erstsemestrigen, sondern alle Jahrgänge auf papierlos umgestellt haben, deutlich negativer ausgefallen.

Papierlos als Pflicht?

Einige Studierenden empfinden das papierlose Studium auch als Zwang. Wir möchten daher hier nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Nutzung von Papier nicht verboten ist. Studierende dürfen ausgedruckte Unteralgen mit in den Unterricht bringen und ihre Notizen auf Papier machen, sie müssen die Unterlagen allerdings selber ausdrucken, was natürlich mit Aufwand verbunden ist. 

Meiner Meinung nach wäre es besser einem die Wahl zu lassen, in welchem Fach man wirklich Papierlos studieren möchte.

Würde gerne vieles ausdrucke, habe aber nicht immer die Möglichkeit.

Eine freiwillige Option hingegen, könnte das papierlose Studium sein so meine ich. Durch den Zwang erleben sich einige Mitstudenten sogar diskriminiert, wie ich gehört habe. Es gibt durchaus Personen, die sogar privat auf die Nutzung solche Geräte verzichten oder diese nur sehr eingeschränkt verwenden, dann wenn es Sinn macht! Diese Sinnhaftigkeit ist vorhanden, auch ein teilweiser Nutzen ist gut erkennbar und könnte sich in der richtigen Dosis sehr anregend gestalten, doch das „papierlose Konzept“ wie es für unseren Studienjahrgang besteht – ist absolut nicht nützlich.

Anspruchsvoller Einstieg in das digitale Arbeiten

Die Mehrheit der Studierenden benötigte eine Eingewöhnungszeit von 2-3 Wochen, bis sie effizient papierlos arbeiten konnten. Interessanterweise scheinen die Lehrpersonen die Fähigkeiten der Studierenden etwas zu überschätzen oder die anfänglichen Schwierigkeiten waren für sie im Unterricht nicht spürbar.
Im Bachelorstudiengang in Umweltingenieurwesen haben im Herbst 2016 alle Jahrgänge auf ein papierloses Studium umgestellt. Das stellte vor allem für die Studierenden in den höheren Semestern eine Herausforderung dar, weil sie an ein papierbasiertes Studium gewöhnt waren. Für die Erstsemestrigen war die Hürde hingegen geringer, wie folgender Kommentar zeigt:

Das Studium war von Anfang an papierlos, ich habe mich schnell daran gewöhnt, weil es keine „Umstellung“ von Papier auf elektronisch gab.


Nachdem die erste Einstiegshürde gemeistert war, arbeiteten 87% der Erstsemestrigen regelmässig papierlos im Unterricht. 13% drucken noch regelmässig Unterlagen für den Unterricht aus.

Im Unterricht kann nicht ganz auf Papier verzichtet werden

Trotz dieser hohen Zahlen ist der Unterricht nicht komplett papierlos. 63% der Studierenden gaben an, dass sie im Unterricht ab und zu auf Papier angewiesen sind. Die digitalen Notizen überwiegen zwar, aber gerade Studierende mit einem Gerät ohne Touchscreen müssen regelmässig für Skizzen auf einen Notizblock zurückgreifen:

Gewisse Dozenten zeichnen sehr viel digital. Dies ist extrem mühsam, wenn man keinen touchfähigen Computer hat.

Nicht immer sinnvoll… wenn man kein Touchscreen hat und man Mathematikaufgaben lösen muss ist man seeeeeeehr langsam weil man nicht schnell z.B. die dritte Wurzel von 1390 eingeben kann… dort macht es Sinn wieder Papier zu verwenden.


Die Frage paperless oder nicht hängt oft auch vom Fach ab. Vor allem bei Berechnungen greifen offenbar viele zu einem Notizblock:

Für Fächer wie Physik und Mathematik ist das Papierlose Studium ehre suboptimal. Zudem ist das Lernen auf eine Prüfung ohne Papierunterlagen, nichts für mich.

Für manche Fächer ist es sinnvoll (Informatik, Mathematik), für manche ist man mit dem Laptop zu langsam um abzuschreiben (Chemie) und für manche nehme man lieber Papier (Physik, Biologie, Mikrobiologie (viele bildliche Ausführungen).

In meinen Augen macht es keinen Sinn, sich die Unterlagen auszudrucken. Fächer wie Mathematik und Chemie nehme ich Papier zur Hand. Da Zahlen und Formel elektronisch nicht so gut erfassbar sind.

Manchmal sind es aber auch die Rahmenbedingungen im Unterricht, die das papierlose Arbeiten unnötig erschweren. Die Kommentare zeigen auch, dass die Studierenden sehr unterschiedliche Erwartungen an das papierlose Konzept haben:

In einigen Kursen werden teils immer noch Aufträge auf Papier gedruckt. Bitte: wennschon, dennschon 😉 Plakate machen wir immer noch mit Flip-Charts. Warum diese nicht auch im One Note?

Sehr, sehr ärgerlich(!), dass die Lehrperson die Unterlagen erst nach der Vorlesung herausrückt. Wir sollen uns halt während des Unterrichtes Notizen auf ein Blatt Papier machen. Wo ist hier das papierlose Studium?

Einige Dozenten gehen nicht aufs paperless ein, geben zum Teil trotzdem Papier ab.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Studierenden die Möglichkeit, im Studium papierlos arbeiten zu können, grundsätzlich begrüssen. Wir sollten aber in Zukunft besser darauf hinweisen, dass sie situativ selber entscheiden können, wann sie papierlos arbeiten und wann sie lieber auf Papier zurückgreifen.

Aufgrund persönlicher Präferenzen und unterschiedlicher Geräte und Programme gibt es nicht „die“ richtige Arbeitsweise. Es hängt immer von den Umständen ab, und die sind so vielfältig wie unsere Studierenden unterschiedlich sind.

Es zeigt sich auch, dass die Erwartungen an das papierlose Studium teilweise stark auseinander driften; während einige Studierende einen noch stärkeren Digitalisierungsgrad fordern, möchten andere am liebsten zurück zum Papier und Wandtafel. Letztendlich können wir als Hochschule nur die Rahmenbedingungen schaffen, damit Studierende dem Zeitgeist entsprechend, papierlos arbeiten können; in welchem Ausmass sie dann davon Gebrauch machen hängt auch von ihnen selber ab.

Um unsere initiale Frage zu beantworten: Wir haben den Weg in Richtung papierlos eingeschlagen, sind aber aufgrund technologischer, didaktischer und institutioneller Rahmenbedingungen sowie persönlicher Präferenzen der Studierenden und Dozierenden nicht komplett papierlos unterwegs. Wohin die Reise uns genau führen wird ist im Moment noch unklar, sicherlich aber vorwärts und nicht rückwärts. Wir erwarten daher, dass sich unsere Studierenden mit digitalen Technologien auseinandersetzen. Ganz ohne „digital“ werden auch die Papierliebhaber nicht durchs Studium kommen.

Erste Erfahrungen mit Bring Your Own Device

Seit Herbst 2016 studieren unsere angehenden BiotechnologInnen, Facility ManagerInnen und UmweltingenieurInnen papierlos mit ihren eigenen Notebooks und Tablets. Diese Neuausrichtung des papierlosen Studium war nötig, um das frühere Pilotprojekt in den Normalbetrieb zu überführen. Zudem hat das Pilotprojekt gezeigt, dass die Studierenden sehr individuelle Anforderungen an ihre Arbeitsgeräte haben. Als Hochschule können wir dieser Vielfalt aufgrund der komplexen und aufwändigen Ausschreibungsverfahren nicht gerecht werden und hinken dem technologischen Fortschritt immer etwas hinterher.

Wir haben unsere Erstsemestrigen und deren Lehrpersonen nach den ersten vier Monaten mit Bring Your Own Device befragt und ziehen nun hier mit einer Serie von Beiträgen eine erste Bilanz. Den Anfang machen wir mit der Hard- und Software sowie mit der Infrastruktur.

Bei den Studierenden haben 131 Personen aus dem 1. Semester der Studiengänge in Biotechnologie, Facility Management und Umweltingenieurwesen an der Umfrage teilgenommen. Die Rücklaufquote lag bei 35%. Bei den Lehrpersonen haben 52 Personen an der Umfrage teilgenommen und die Rücklaufquote betrug 68%.

Geräte

Über 70% der Studierenden haben sich speziell ein Gerät für das Studium angeschafft. zusammengefasst machen normale Notebooks und Macs mit 59% die Mehrheit der Geräte aus, gefolgt von Hybridgeräten mit Touchscreen und dem Surface Pro mit 51%. Nur eine Minderheit von 13% arbeitet mit Tablets, wobei dort vor allem das Apple iPad dominiert. Damit besitzen 64% der Studierenden entweder ein Notebook, Hybridgerät oder Tablet mit Touchscreen. Rund 1/4 der Studierende gab zudem an, dass sie das Smartphone zum Lernen nutzen, vielleicht ein mobiler Ersatz für das Tablet?

Touchscreen wichtiger als erwartet
Zufrieden mit ihrer Wahl sind vor allem die NutzerInnen eines Microsoft Surface Pro und weiterer Hybridgeräte mit Touchscreen, wie z.B. das Lenovo Yoga. Auch die wenigen Studierenden, die ein Apple iPad nutzen sind sehr zufrieden mit ihrem Gerät.

Ich arbeite im Studium mit folgenden Geräten

Studierende mit einem Mac finden ihr Gerät zwar nach wie vor gut, sie haben aber teilweise Mühe mit der Bedienung, weil sie oft mit der Windows-Partition arbeiten müssen und dann z.B. einige Tasten auf der Tastatur nicht mehr übereinstimmen:

Grundsätzlich würde ich mich wieder für Apple entscheiden. Da aber jedoch mit Windows gearbeitet wird, wäre ein Surface wohl die bessere Option.

Eher unzufrieden mit ihrem Gerät sind Studierende, die mit einem handelsüblichen Notebook ohne Touchscreen arbeiten:

Wir zeichnen sehr viel im Unterricht, was vorher nicht bekannt war. Hätte ich das gewusst, hätte ich ein Laptop mit Touchscreen gekauft.

Es ist schwer, ich muss den Akku zu häufig aufladen, es hat keine Maus, es ist schwierig Notizen zu machen.

Ich würde mich wieder für das gleiche Gerät entscheiden

Empfehlung
Zusammengefasst kann man sagen, dass der Touchscreen und die damit verbundene Möglichkeit, handschriftliche Annotationen und Skizzen in den Unterlagen zu erfassen vor allem im Unterricht wichtig ist. Wir empfehlen daher zukünftigen Studierenden, sich nach Möglichkeit ein Gerät mit abnehmbarem/drehbarem Touchscreen und Eingabestift zu kaufen, damit das Gerät als Papierersatz genutzt werden kann und beim Arbeiten nicht ständig zwischen Papier und Notebook hin- und hergewechselt werden muss.

Programme

Windows dominiert das Feld
Bei den genutzten Applikationen hat die Vielfalt im Unterschied zu den Pilotklassen mit Tablets stark abgenommen.Microsoft OneNote dominiert sowohl im Unterricht als auch im Selbststudium, gefolgt von Microsoft Word und dem kostenlosen Adobe Acrobat Reader. Diese Dominanz deR Microsoft Produkte hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Office 365 mittlerweile auf allen Betriebssystemen genutzt werden kann, wenn auch mit weniger Funktionen als auf Windows.

Das Office 365 Pro Plus Angebot der ZHAW wird von 77% der Studierenden genutzt. Einige dürften auch Office Professional 2016 installiert haben und einige wissen offenbar nicht, dass es Office 365 auch für das iPad und Android gibt.

Drawboard als beliebte Alternative zum Adobe Reader
Mehrere Studierende haben angemerkt dass ihnen die Kombination aus OneNote und Adobe Reader für das Bearbeiten der PDF-Unterlagen nicht ausreicht und sie daher die kostenpflichtige App Drawboard nutzen.

Die Nutzung der bisher sehr beliebten iPad Apps wie PDF ExpertGood Notes oder Notability ist stark zurückgegangen, da im Vergleich zum Pilotprojekt viel weniger mit Tablets gearbeitet wird. Auch der früher sehr beliebte PDF X-Change Editor wurde seltener genannt. Dafür wird Drawboard vermehrt genutzt. Die Browser (IE/Firefox) werden sowohl im Unterricht als auch im Selbststudium oft genutzt. Spezifische Android Apps wurden keine genannt.

Genutzte Applikationen im Unterricht und Selbststudium, visualisiert nach Häufigkeit der Nennung.

Cloud Dienste
Die Mehrheit der Studierenden (66%) speichert die Daten auf OneDrive for Business.Damit haben Dropbox und Google Drive stark an Beliebtheit eingebüsst und auch der akademische Cloud-Dienst SWITCHdrive spielt mit 3% nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. 36% gaben zudem an, dass sie ihre Daten auch auf lokalen Speichern, externen Festplatten oder USB Sticks speichern.

Infrastruktur

Studierende möchten (noch) mehr Steckdosen
Das WLAN und die Stromversorgung wurden in den vergangenen drei Jahren massiv ausgebaut. Das hat sich offenbar gelohnt, denn mittlerweile sind über 80% der Studierenden mit der Ausstattung der Unterrichtsräume im Hinblick auf Steckdosen und WLAN zufrieden. In einigen Räumen sind die Steckdosen allerdings schlecht zugänglich oder es sind nicht genügend Steckdosen vorhanden. Zudem wünschen sich die Studierenden auch an den Lernplätzen mehr Steckdosen.

Bewertung der Infrastruktur durch Studierende und Lehrpersonen.

Gesundheitliche Bedenken ernst nehmen
Eine Person hat sich über gesundheitliche Bedenken geäussert und gefordert, dass wegen der Geräteemissionen in den Unterrichtsräumen für eine bessere Abluft und eine höhere Luftwechselrate gesorgt werden sollte. Sie schlug auch vor, dass die Hochschule technologiefreie Zonen schaffen sollte – wie das an anderen ZHAW-Standorten z.B. mit einem „Raum der Stille“ bereits gemacht wird. Die Hochschule in Wädenswil hat mit den Gärten im Grüental eine technologiefreie Zone die sich ideal für einen achtsamen Spaziergang und eine technologiefreie Pause eignet.

Didaktischer Rückschritt durch verkabelte Tische
Etwas anders sieht die Situation bei den Lehrpersonen aus. Die Montage der Steckdosen an den Tischen hat dazu geführt, dass viele Tische in den Gruppenräumen fix verkabelt sind und nicht mehr verstellt werden können. Das stellt die Lehrpersonen vor neue Herausforderungen und schränkt die didaktischen Möglichkeiten während des Unterrichts ein. Unterrichtsszenarien, welche die aktive Partizipation der Studierenden und das kollaborative Lernen in den Vordergrund stellen, werden dadurch erschwert:

Der didaktische Fortschritt mit dem papierlosen Studium wurde durch das Zusammen“binden“ der Bänke gleich wieder ins Minus gebracht (Gruppenarbeiten sind so fast nicht möglich.)  Auch sonst ist die Infrastruktur noch nicht auf der Höhe, z.B. fristen die Visualizer eher ein Schattendasein.

Teilweise veraltete, mangelhafte Beamer und Mikrofone
Bemängelt wird zudem die AV-Technik in den Unterrichtsräumen. Die Beamer haben teilweise eine schlechte Auflösung oder funktionieren nicht zuverlässig:

Technik in den GA-Räumen hatte Kinderkrankheiten. Ich stand 3-mal in einem Unterrichtsraum, wo die Technik nicht funktionierte und das Problem konnte von den Technikern nicht innerhalb von Minuten behoben werden.

Der Beamer funktioniert manchmal nicht und ich habe Mühe mit den Settings für Sound auf meinem Notebook: benutze daher meinen eigenen Lautsprecher.

Auch die Mikrofone scheinen teilweise nicht zu funktionieren, wodurch Studierende in den hinteren Reihen dem Referenten nur schwer folgen können:

Es hat nicht in jedem Zimmer funktionstüchtige Mikrofone. Die in den mittleren Reihen bis hintere Reihen verstehen nicht alles wenn der Dozent vorne was erzählt.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass mit dem Ausbau der Infrastruktur die Bedürfnisse der Studierenden hinsichtlich WLAN und Steckdosen mit einigen wenigen Ausnahmen erfolgreich abgedeckt werden konnten. Allerdings zeigt sich auch, dass die verkabelten Tische für den didaktischen Fortschritt eher kontraproduktiv sind, da dadurch die didaktischen Szenarien im Präsenzunterricht eingeschränkt werden. Gerade beim aktiven Lernen im Rahmen von Gruppenarbeiten, Debatten und Diskussionsrunden wird die Interaktion im Raum auch durch die Bestuhlung mitgesteuert.

Leider besitzen noch nicht alle Studierenden Geräte mit einer Akkulaufzeit von 8 oder mehr Stunden. Gerade handelsübliche Notebooks laufen oft nur 4h am Stück und verbrauchen im Vergleich zu Tablets sehr viel Strom. Die Verkabelung in den Unterrichtsräumen bleibt somit bis auf weiteres ein notwendiges Übel, um die Tische mit Strom zu versorgen.

Andererseits darf man sich durchaus fragen, warum die Gruppenräume nach dem traditionellen Hörsaalprinzip mit Tischen in Reih und Glied bestuhlt sind. Man könnte in Gruppenräumen auch eine andere Bestuhlung vorgeben und die Verkabelung entsprechend anpassen. Das würde dann aber bedeuten, dass in diesen Räumen tatsächlich nur noch aktive Lernsettings wie Gruppenarbeiten, Diskussionen und Übungen und keine Vorlesungen mehr stattfinden.

Rückblick IAS Tag der Lehre – papierlos unterrichten

Am 10. Januar 2017 fand an der ZHAW in Wädenswil der IAS Tag der Lehre statt. Das Institut für Angewandte Simulation (IAS) widmete sich dieses Jahr dem Thema des papierlosen Unterrichts. Der Titel macht bereits klar, dass es hier vor allem um die Veränderungen geht, die sich im Klassenzimmer vollziehen, wenn Studierende im Unterricht plötzlich Notebooks und Tablets statt Papier nutzen. Was bedeutet das für die Lehrpersonen und ihren Unterricht? Anbei ein Rückblick aus meiner Sicht als Projektleiterin des Pilotprojektes zum papierlosen Studium.

Einstieg mit neuen Tools

Den Einstieg in das Thema machte Andri Puorger von Microsoft Schweiz. Herr Puorger zeigte auf, wie Lehrpersonen und Studierende digitale Technologien für das Lehren und Lernen nutzen können. Natürlich standen dabei die Microsoft Tools im Fokus. Herr Puorger zeigt einige neuere Microsoft Tools wie z.B. Office Mix, ein Add-In für PowerPoint, mit dem man vertonte PowerPoint Lektionen inkl. Video erstellen kann. Weiter ging es dann mit Office Forms für Umfragen und OneNote for Teachers, ein Plug-In for OneNote mit dem man schon fast ein LMS wie Moodle ersetzten könnte – aber eben nur fast – bei komplexeren Anforderungen wie der Anbindung an ein Schulführungssystem, der Durchführung von E-Assessments und der Frage nach dem Datenschutz dürfte die Lösung an ihre Grenzen stossen.

Herr Puorger machte unter anderem auch auf die Kompetenzen aufmerksam, welche Studierende für den Arbeitsplatz der Zukunft benötigen. Dazu gehören z.B. Teamfähigkeit, Sozialkompetenz, Kreativität, aber auch sog. Filterkompetenz, Systemdenken und die Kompetenz für ein lebenslanges Lernen. Der Fokus lag dabei mehrheitlich bei den digitalen Kompetenzen der Studierenden und das Thema wurde im Laufe des Tages immer wieder aufgegriffen. Welche Kompetenzen die Lehrpersonen für den papierlosen Unterricht benötigen wurde hingegen nur am Rande diskutiert.

Rückblick auf bisherige Erfahrungen

Weiter ging es mit einem Rückblick auf unsere bisherigen Erfahrungen im Rahmen des Pilotprojektes und der Einführung des regulären papierlosen Studiums an der ZHAW in Wädenswil. Prof. Dr. Jack Rohrer, Dozent am Institut für Chemie und Biotechnologie und einer der Pioniere des papierlosen Studiums, zeigte auf, was sich für ihn durch das papierlose Studium verändert hat. In erster Linie war es für ihn als Dozent eine Erleichterung, weil er sich nicht mehr um das Ausdrucken der Unterlagen kümmern musste. Die didaktische Innovation hingegen findet nur statt, wenn der Dozent dies in seinem Kurs aktiv vorantreibt und die Nutzung digitaler Medien und Technologien als kognitive Tools in die Lernszenarien implementiert.

Hilfsmittel hin zu einer digital unterstützten Lehre

Diese Implementation der digitalen Technologien als produktive Hilfsmittel kann z.B. mit dem SAMR-Modell unterstützt werden. Das Modell sieht vor, dass digitale Technologien auf verschiedenen Ebenen eingesetzt werden können. Sie können z.B. ein Medium wie das Papier ersetzten oder auch gleich noch einige funktionelle Verbesserungen mit sich bringen. Nebst dieser Erweiterung bisheriger Möglichkeiten können digitale Technologien aber auch dazu genutzt werden, die Art und Weise zu verändern, wie wir miteinander interagieren. Auf dieser Ebene können digitale Technologien zur Modifikation bisheriger Lehr- und Lernszenarien oder sogar zu einer Neudefinition von Szenarien genutzt werden.

Die bisherigen Evaluationen an der ZHAW weisen darauf hin, dass Studierende digitale Technologien vor allem für den Ersatz von Papier und die erweiterte Nutzung mit einfachen funktionellen Verbesserungen wie z.B. Suchfunktion, Zoom, Wörterbuch usw. nutzen. Die Modifikation oder sogar Neudefinition des Lehrens und Lernens mit Hilfe digitaler Technologien hängt hingegen stark von den verwendeten Lernszenarien ab. Der Frontalunterricht beispielsweise profitiert nur bedingt von den digitalen Hilfsmitteln; die Studierenden besitzen zwar mit ihren Notebooks und Tablets ein mächtiges, produktives Hilfsmittel, sie können es aber aufgrund des Unterrichtssettings nur für das Mitschreiben und das Nachschlagen von Informationen nutzen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob der Präsenzunterricht nicht auch für Lernaktivitäten genutzt werden könnte, bei denen die Studierenden einen aktiveren Part übernehmen, wie dies z.B. beim Flipped Classroom der Fall ist.

Wertvolle Erfahrungen für zukünftige Konzepte

Die bottom-up Innovation auf Kursebene, die am IAS Tag der Lehre in vielen Referaten sichtbar wurde, bildet eine wichtige Basis für die kommende Überarbeitung der Curricula. Einerseits kann die Hochschule damit auf einen wertvollen Fundus von konkreten Anwendungsbeispielen zurückgreifen und andererseits erkennen die Lehrpersonen dank der gemachten Erfahrungen mit dem papierlosen Unterricht bereits konkreten Anpassungsbedarf in ihren Unterrichtskonzepten. Ein Punkt war beispielsweise der volle Stundenplan der es den Studierenden teilweise kaum ermöglicht sich im Selbststudium z.B. auf einen Flipped Classroom Unterricht vorzubereiten.

Angela Martucci Siefert zeigte anhand des Bachelorstudiengangs in Umweltingenieurwesen auf, wie sich das Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen auf die Herausforderung des Lehrens und Lernens im digitalen Zeitalter vorbereitet. Im Zentrum steht dabei die Kompetenzorientierung und ein transferorientiertes Blended Learning Design mit Vorbereitungsphase, Präsenzphase und unterstützter Transferphase.

Von der Digitalisierung erhofft sich die Hochschule auch eine personalisiertere Lehre. Allerdings braucht es dafür Massnahmen, wie z.B. das vorgestellte Universal Design for Learning. Diese Empfehlungen basieren auf der Idee, dass Diversität bei den Lernenden die Regel und nicht die Ausnahme darstellt. Die darin empfohlenen Massnahmen können helfen, die Curricula, Kurse und Lernmaterialien so zu gestalten, dass sie eine stärkere Personalisierung der Lehre ermöglichen.

Anschliessend an die beiden Vorträge gab es einige konkrete Beispiele von Lehrpersonen an der ZHAW, wie der papierlose Unterricht gestaltet werden kann.

Mehr Dynamik dank weniger Papier

Dr. Andrea Baier zeigte auf, dass durch den Wegfall von Papier mehr Dynamik im Unterricht entstehen kann. Sie schätzt es, dass digitalen Unterlagen und Informationen immer verfügbar sind und sie den Unterricht flexibel auf die Bedürfnisse der Studierenden anpassen kann. Das bedeutet allerdings auch, dass ihr Unterricht vom WLAN und der Technik abhängig ist. An ihrem Beispiel konnte man gut sehen, wie die Nutzung digitaler Medien situativ in den Kontext eines Kurses eingebettet werde kann. So arbeiten die Biotechnologie-Studierenden beispielsweise neu mit Modellen aus einem 3D-Drucker oder erstellen selber Simulationen. Dadurch findet eine Transformation vom papierlosen Unterricht hin zu einer digital unterstützen Lehre statt, die viel weiter geht als der blosse Ersatz von Papier.

Erfahrungen mit Gruppenarbeiten und Open-E-Book Prüfungen

Auch Dr. Evelyn Wolfram war mit einer digitalen Herausforderung konfrontiert, als die Studierenden an der OpenBook Prüfung plötzlich ihre digitalen Unterlagen nutzen wollten. In der Pilotklasse wurden die Tablets für die OpenBook Prüfung in den Flugmodus versetzt, damit die Studierenden ihre digitalen Unterlagen während der Prüfung lokal nutzen konnten. Seit der Umstellung auf Bring Your Own Device ist das allerdings keine Option mehr, da zu viele verschiedene Geräte im Einsatz sind und die Klassen bedeutend grösser sind. Mittlerweile laufen an der ZHAW verschieden Pilotprüfungen mit dem Safe Exam Browser und virtuellen Desktops, um in Zukunft verschiedene Prüfungsszenarien elektronisch durchführen zu können. Evelyn Wolfram zeigte mit ihren Beispielen aber auch auf, dass Dozierende die Lösung nicht immer in der Technik suchen müssen. Sie führt ihre Prüfung im Qualitätsmanagement heute als mündliche Gruppenprüfung durch und hat damit einen Weg gefunden, ein QM-Audit authentisch zu simulieren und das erst noch besser, als es eine elektronische Prüfung jemals könnte.

Papierlos – konzeptlos?

Eher kritisch waren die Stimmen aus dem Informatikunterricht. Claudia Schmucki und René Hauck haben im Rahmen ihres Informatikkurses Defizite bei den digitalen Kompetenzen der Studierenden festgestellt. So führen z.B. nur wenige Studierende regelmässig ein Backup durch und auch mit der Bearbeitung der digitalen Unterlagen scheinen viele Studierende überfordert zu sein. Sie plädierten dafür, dass die digitalen Kompetenzen der Studierenden stärker gefördert werden. Unklar bleibt allerdings, wo und wann dies geschehen soll, denn sowohl die Startwoche wie auch den aktuellen Informatikunterricht halten sie dafür für ungeeignet. Dass es auch anders geht zeigt das Institut für Facility Management, welches die digitalen Kompetenzen in den Curriculum des Bachelorstudiengangs bereits aufgenommen hat und im Informatikunterricht neu Platz für die Förderung dieser Kompetenzen geschaffen hat. Klar ist, dass es im Rahmen des papierlosen Studiums noch viel Abstimmungsbedarf gibt. Zwar gibt es ein Konzept für die Umstellung auf das papierlose Studium, aber die Institute haben bei der Umsetzung viele Freiheiten. In der Regel wird die Umstellung an einer institutsinternen Klausur diskutiert und geplant, Dozierende des IAS und der AWG sind dort oft nicht anwesend, obwohl sie von der Umstellung in den Studiengängen ebenfalls direkt betroffen sind.

Das bewegte Papier

Prof. Dr. Karin Kovar und Iwo Zamora zeigten auf, wie digitale Technologien für die Simulation biologischer Phänomene genutzt werden können. Durch Simulationen und Analogien erwachen die komplexen mathematischen Formeln zum Leben und Studierende, die sonst Mühe hätten, das Verhalten bestimmter Organismen direkt aus der mathematischen Formel abzuleiten, erhalten einen anderen Zugang zur Materie. Das Beispiel zeigt sehr schön das zuvor erwähnte Potenzial des Universal Design for Learning auf, denn mit den vielfältigen Darstellungsformen und Ausdrucksweisen, die digitale Technologien ermöglichen, kann besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Studierenden eingegangen werden.

In ihrem zweiten Beispiel ging Karin Kovar auf ihr mit einem Lehrpreis ausgezeichnetes Konzept der New Business Opportunity (NBO) und mögliche Weiterentwicklungen ein. Sie zeigte auf, dass Studierende in ihrem Kurs nicht nur papierlos, sondern vor allem auch beweglich, interaktiv und selbstbestimmt agieren. Ziel ist es, die Studierenden auf die Anforderungen des Marktes vorzubereiten und sie mit den NBO’s unter anderem mit einem Mentoring Programm bereits während des Studiums in die Biotech-Community einzuführen.

Papierloses Studium in language learning – does it work?

Dr. Caroline Hyde-Simon zeigte Chancen und Schwierigkeiten für den papierlosen Englischunterricht auf. So nutzt sie beispielsweise digitale Tools wie Quizlet oder Padlet sowie soziale Medien wie Pinterest und Facebook, damit Studierende fachspezifische englische Beiträge oder Wortschatz sammeln und teilen können. Sie beobachtete auch, dass mehrere Studierende bereits von Hand oder mit einem Stift in die digitalen Unterlagen schreiben. Das Schreiben von Hand oder mit der Tastatur war bei vielen Vorträgen ein Thema.

Schreibberatung ohne Papier

Auch Beatrice Dätwyler hat sich im Rahmen ihrer Schreibberatung mit dem Thema befasst und festgestellt, dass viele Studierende Mühe haben, die Notizen direkt in den wissenschaftlichen Artikeln zu erfassen. Oft machen sie sich die Notizen nebenbei in einem anderen Programm, was für das Textverständnis weniger effizient ist. Sie hat in Ihrem Beitrag auch zahlreiche Studien zitiert, die sich mit der Frage befassen, ob man besser mit Papier oder digitalen Medien lernt und dafür plädiert, dass Studierende wählen können, ob sie mit digitalen Unterlagen oder mit Papier arbeiten und lernen. Wichtig für den Lernprozess scheint, dass das Gelesene oder Gehörte in eignen Worten wiedergegeben wird. Die langsamere Handschrift zwingt einem eher dazu, das Gehörte stichwortartig zusammenzufassen. Allerdings kann dies auch digital geschehen, wenn sich die Studierenden der Wichtigkeit dieser Lerntechnik bewusst sind.

Mehr als nur eine digitale Datenablage

Peter Marty wollte den Studierenden in seinem Kurs mehr bieten als einfach digitale Unterlagen auf Moodle zur Verfügung zu stellen und hat angefangen, ausgehend von Moodle eine integrale digitale Lernumgebung zu schaffen, in der digitale Technologien zur Unterstützung der Lehr- und Lernprozesse didaktisch sinnvoll, differenziert und reflektiert eingesetzt werden.

Digitales Lernen in der Weiterbildung

Christoph Gütersloh, Dozent und Berater am IAP, war an diesem Nachmittag eher ein Exot unter all den Dozierenden aus Wädenswil. Sein Beitrag über digitales Lernen in der Weiterbildung am Institut für Angewandte Psychologie (IAP) zeigte den Teilnehmenden allerdings ein paar spannende neue Perspektiven auf. Während in der Hochschuldidaktik der Fokus stark auf dem Erwerb und der Transformation von Wissen liegt, setzt das IAP in der Weiterbildung stark auf die Handlungsorientierung im Sinne von Workplace Learning, die Reflexion sowie das soziale Lernen. Für Weiterbildungsteilnehmende ist es wichtig, im Laufe ihrer Weiterbildung in eine Community hinein zu wachsen und sich neue Quellen für Anregungen und Innovation zu erschliessen.

Bei dieser Aufgabe können digitale Tools für das Community Building nützliche Dienste leisten. So nutzt Christoph Gütersloh beispielsweise in seinem Kurs das soziale Netzwerk Slack und führte eine öffentliche Expertenkonferenz auf Blab (nicht mehr verfügbar) durch, an der auch externe Mitglieder aus der Community teilnehmen konnten. Das Beispiel der Expertenkonferenz zeigt auf, wie digitale Technologien die Art und Weise verändern können, wie wir miteinander interagieren. Communities werden digital leichter zugänglich und Studierende können beispielsweise öffentliche Social Media Tools wie Twitter für Backchannel Learning nutzen oder über Hootsuite kollektive Rechercheaufträge ausführen und dabei bereits mit der Community in Kontakt treten. Die Herausforderung besteht für Christoph Gütersloh vor allem darin, eine solche Learning Community am Leben zu erhalten und die Mitglieder dazu zu bringen, dass sie sich gegenseitig helfen.

Der diesjährige Tag der Lehre zeigte auf, dass der papierlose Unterricht ein Türöffner für die digital unterstütze Lehre sein kann und digitale Medien und Technologien beim Lehren und Lernen einen Mehrwert bieten können, sofern die Rahmenbedingungen und die Lehr- und Lernszenarien dies erlauben. Er zeigte aber auch die zahlreichen Veränderungen und Herausforderungen auf, welche die Digitalisierung für die Studierenden, die Lehrpersonen und die Hochschule mit sich bringt und man merkte, dass wir mitten in einem Wandel stecken. Immerhin befinden wir uns bereits mittendrin in diesem Prozess und haben ein gutes Fundament aus Erfahrungen, auf das wir aufbauen können.

Weitere Informationen zum IAS Tag der Lehre finden Sie unter: https://www.zhaw.ch/de/lsfm/institute-zentren/ias/weiterbildung/ias-tag-der-lehre/

Die Vorträge finden Sie unter https://moodle.zhaw.ch/course/view.php?id=1646

Mobiles Arbeiten ergonomisch gestalten

Das Arbeiten mit digitalen Unterlagen im Unterricht und Selbststudium hat zur Folge, dass wir immer häufiger mit dem Notebook und Tablet arbeiten und für längere Zeit auf den Bildschirm schauen. Es ist wichtig, dass Sie dabei auf eine ergonomische Arbeitsweise achten, um Ihre Rückenmuskulatur, die Wirbelsäule, den Nacken und insbesondere auch Ihre Augen zu schützen.

Wir haben Ihnen unter anderem mit Unterstützung der Fachstelle für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) des Departements Gesundheit der ZHAW einige Infos zusammen gestellt, wie Sie Ihre Gesundheit beim papierlosen Arbeiten schützen können.

Prüfen Sie die Ergonomie am Arbeitsplatz

Überprüfen Sie die Ergonomie an Ihrem Arbeitsplatz zu Hause, im Büro oder allenfalls auch mal im Schulzimmer mit der EKAS-Box der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (EKAS). Das Tool führt Sie unter Anleitung von kurzen Videosequenzen durch die ergonomische Einstellung von Bürostuhl, Tisch, Maus, Tastatur und Bildschirm.

Mobiles Arbeiten mit dem Notebook

Insbesondere bei der Arbeit mit dem Notebook oder Tablet zu Hause besteht die Gefahr, dass man z.B. auf dem Sofa sitzend für längere Zeit eine schlechte Haltung einnimmt. Gerade auf dem Sofa sollten Sie zudem darauf achten, dass Sie elektronisch Geräte nicht direkt auf dem Schoss platzieren. Doch nicht nur zu Hause, sondern auch an der Hochschule arbeiten Studierende oft an Orten, an denen sie die Stühle und Tische nicht verstellen können.
Die folgenden drei Videos sind ohne Ton und stammen von Vodafone España.

Falls Sie oft von unterwegs aus arbeiten, z.B. im Zug oder in der Bibliothek finden Sie in diesem Video zusätzliche Tipps, um die Situation an mobilen Arbeitsplätzen zu verbessern.

Nutzung des Smartphones

Smartphones spielen im papierlosen Unterricht zwar eine untergeordnete Rolle, aber sie sind für viele von uns nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Deshalb finden Sie auch hierzu ein paar nützliche Tipps im unten stehenden Video von Vodafone.

Gönnen Sie Ihren Augen eine Pause

Gerade die Augen gehen bei der Bildschirmarbeit gerne mal etwas vergessen und wir merken nicht, dass wir stundenlang angestrengt in den Bildschirm starren. Der Schweizer Optikerverband SOV hat deshalbt ein paar PC-Tipps zusammen gestellt:

  • Zwischendurch immer mal wieder in die Ferne schauen, z.B. aus dem Fenster zu einem Baum oder zum Horizont.
  • Regelmässig blinzeln, damit die Augen befeuchtet werden.
  • Bildschirm regelmässig reinigen, um Irritationen durch Fingerabdrücke usw. zu verhindern.
  • Für gute Beleuchtung sorgen, Dämmerlicht vermeiden.
  • Regelmässig Lüften.
  • Rauch und Zugluft vermeiden.
  • Entspannungsübungen wie z.B. dieses kurze Augen Yoga

Abstand halten zu elektromagnetischen Feldern

Die Nutzung digitaler Technologien führt auch dazu, dass wir häufiger mobil via WLAN oder Mobilfunknetzwerk im Internet surfen. Der körpernahe Einsatz von Notebooks und Tablets führt zu länger andauernden Strahlungsexpositionen deren gesundheitliche Auswirkungen noch ungenügend erforscht sind.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat auf seiner Webseite Empfehlungen für Personen zusammengestellt, welche elektromagnetische Felder in ihrer Wohnung oder am Arbeitsplatz klein halten möchten, so z.B.

  • das WLAN auf den Geräten nur einschalten, wenn es benötigt wird.
  • mind. 1 Meter Abstand zu Access Points halten.
  • Die Geräte während der WLAN-Verbindung nicht am Körper halten (siehe oben).
  • Beim Telefonieren Kopfhörer verwenden.
  • Im Innern von Gebäuden oder im Zug WLAN zum Telefonieren und zur Datenübertragung anstelle des Mobilfunknetzes verwenden.

Ausführliche Informationen zu elektromagnetischen Feldern sowie eine komplette Liste der Empfehlungen finden Sie auf der Webseite des BAG.

Literaturverwaltung mit Zotero

Beitrag von Andrea Moritz

zoteroEgal ob Semesterarbeit, Experiment oder Masterarbeit: Korrektes Zitieren ist im wissenschaftlichen Umfeld ein Muss. Im Rückgriff auf bereits vorhandene, verifizierte Ergebnisse gilt es neues Wissen aufzubauen. Benutzte Quellen zu deklarieren macht transparent, auf welcher Grundlage die eigene Arbeit entstanden ist.

Goodbye Abtippen

An der ZHAW wird seit Herbst 2016 neu das Open Source Programm Zotero als kostenloses Literaturverwaltungssystem empfohlen. Mit Zotero können Sie Referenzen von Quellen jeglicher Art speichern, organisieren und später wieder zitieren. Ausserdem können Sie in Gruppen zusammenarbeiten und die gefundenen Referenzen mit anderen teilen.

Ein Literaturverwaltungsprogramm wie z.B. Zotero hilft Ihnen dabei den Überblick auch bei großen Literaturmengen zu behalten und erleichtert das richtige Zitieren und Erstellen von Literaturverzeichnissen in schriftlichen Arbeiten. Mit Zotero können Sie Ihre Literaturangeben aus Recherchetools speichern, verwalten, im eigenen Text weiterverarbeiten und mit anderen teilen – und das im Einklang mit den an der ZHAW geltenden Zitierrichtlinien der unterschiedlichen Fachbereiche.

Literatur sammeln und verwalten

Zotero funktioniert in der empfohlenen Version als ein Add-In im Firefox-Browser. Das Sammeln und Verwalten von gefundenen Referenzen ist einfach in den Rechercheprozess integrierbar, die Bedienung entsprechend intuitiv. Bitte prüfen Sie immer, ob die von Zotero vorgeschlagenen bibliografischen Daten korrekt sind.

Zotero Firefox Add-In

Zotero Firefox Add-in

Entspannter zitieren

Mit Hilfe eines dazugehörigen Zotero Word Plug-ins können Sie die gefundenen Referenzen dann in den Text einbinden und nach einem frei wählbaren Zitierstil korrekt ausgeben.

Zotero Word Plug-in

Zotero Word Plug-in

Wenn Sie Safari oder Chrome nutzen, können Sie auch auf die Stand-Alone-Version des Programms ausweichen.

Download und Registrierung

Der Download von Zotero und des dazugehörigen Word-Plugins erfolgt über die Webseite von Zotero. Zotero stellt 300 MB freien Speicherplatz in einer Cloud zur Verfügung. Um diesen nutzen zu können, sowie in Gruppen zusammenarbeiten zu können, ist eine Registrierung nötig. Sie können Ihre Dateien aber auch ohne Registrierung lokal auf dem Laptop oder z.B. auf OneDrive oder SwitchDrive speichern und verwalten.

Android und iOS

Für Android und iOS gibt es derzeit noch keine offizielle Zotero-App. Für fast alle mobilen Browser kann aber das Zotero-Lesezeichen für die Übernahme von Quellenangaben in die Online Library auf zotero.org genutzt werden. Dafür ist vorgängig eine Registrierung bei Zotero nötig. Auf dem Markt befinden sich auch Apps von externen Anbietern, die auf Zotero aufbauen. Eine kleine Übersicht zu Produkten für mobile Endgeräte finden Sie auf der Zotero-Website.

Weitere Infos zu Zotero

  • Weiterführende Infos und Anleitungen inklusive Hilfe-Forum finden sich auf Moodle.
  • Zusätzlich bietet die Hochschulbibliothek zur Einführung an der ZHAW Zotero Crashkurse (Intranet) an.

Alternativen zu Zotero

Einen umfassenden Überblick über derzeit gängige Literaturverwaltungsprogramme bietet eine aktuelle Zusammenstellung der Technischen Universität München.

Neuer Blog „Lehren und Lernen“

Die ZHAW hat einen neuen Blog zum Thema Lehren und Lernen unter http://blog.zhaw.ch/lehren-und-lernen.

Auf dem neuen Blog stehen innovative Lehr- und Lernszenarien im Fokus und er wird vom Ressort Lehre zusammen mit einer vielfältigen Gruppe von Hochschulangehörigen aus der Lehre und Weiterbildung betrieben.

Der neue Blog ist eine sinnvolle Ergänzung zu unserem bestehenden Blog, der zurzeit über 1’000 Besucher pro Woche verzeichnet. Das papierlose Studium ist in den letzten Jahren immer mehr zu einem Treiber der Digitalisierung in der Lehre geworden und der Einsatz neuer Technologien fördert und fordert auch den Einsatz neuer Lehr- und Lernszenarien.

Wir haben bereits einen ersten Beitrag beigesteuert und werden hoffentlich auch in Zukunft Zeit finden, um auf dem neuen Blog spannende didaktische Themen mit Ihnen zu diskutieren.

Rückblick auf den Paperless Parcours

App-Karten von Studierenden

Die Studierenden, die in der diesjährigen Startwoche den Paperless Parcours besucht haben mussten als Abschlussaufgabe eine Zusammenstellung der Applikationen erstellen, die sie für das papierlose Studium nutzen.

Diese Aufgabe wurde von 50 Studierenden absolviert und wir haben daraus einige gute Beispiele ausgewählt. Anbei präsentieren wir Ihnen vier Arbeiten von Studierenden, die eingewilligt haben, dass ihre App-Karte hier auf dem Blog veröffentlicht wird:

Meisterverwendet: MS Office und PDF-Reader

In den App-Karten sieht man, dass die Studierenden vor allem die Microsoft Office Produkte und den Adobe Reader nutzen. Einzig bei den iPads werden noch einige andere Apps aufgeführt. Auch OneDrive for Business scheint als Cloud-Dienst beliebt zu sein, da den Studierenden mit dem ZHAW-Account 1TB Speicherplatz zur Verfügung steht. Die Nutzung von OneDrive hat allerdings auch zu vielen Fragen und Unsicherheit geführt, da einigen Studierenden der Unterschied zwischen dem privaten OneDrive und OneDrive for Business nicht ganz klar war. Auch hätten sich einige Studierende eine kritischere Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht. OneNote wurde von den Studierenden überraschend gut aufgenommen, allerdings beobachten wir das etwas mit Besorgnis, da viele Studierende nun alle PDF’s in OneNote importieren und sie dort annotieren, was zu sehr grossen Dateien führt, da OneNote die PDFs als Bilder importiert. Wir empfehlen generell PDF-Dateien in einem PDF-Editor zu bearbeiten und OneNote für zusätzliche Notizen zu nutzen.

Zu wenig Zeit für den Parcours

Die Rückmeldungen auf den Paperless Parcours sind gemischt ausgefallen. Das Thema „digitales Arbeiten“ wurde von den Studierenden allgemein als wichtig befunden, allerdings hatten sie für das Lösen der Aufgaben zu wenig Zeit. Zudem waren sie so auf das Lösen der Aufgabe fokussiert, dass sie sich gar nicht differenziert mit den verschiedenen Apps auseinandersetzen und die Informationen und Anleitungen auf dem Blog mehrheitlich ignorierten. Aufgrund des sehr heterogenen Vorwissens und der vielen unterschiedlichen Geräte der Teilnehmenden konnten die zwei Betreuungspersonen pro Posten auch kaum auf individuelle Bedürfnisse und Probleme eingehen.

Überarbeitung des Paperless Parcours fürs 2017

Wir werden den Paperless Parcours deshalb fürs nächste Jahr überarbeiten. Eine Möglichkeit wäre, dem Thema in der Startwoche bedeutend mehr Raum einzuräumen, was allerdings für uns ein Ressourcenproblem darstellt und in Konkurrenz zu den anderen Inhalten steht. Eine andere Möglichkeit wäre, den Paperless Parcours teilweise online anzubieten, da damit viel besser auf die unterschiedlichen Vorkenntnisse und Geräte eingegangen werden kann. Zudem könnten die Studierenden online und evtl. an einem Help Point vor Ort individuell jene Hilfe in Anspruch nehmen, die sie benötigen.

Langfristige Förderung digitaler Kompetenzen

Klar ist allerdings auch, dass wir die Erwartungen an eine solche Einführungsveranstaltung nochmals überdenken müssen. Die Digitalisierung in der Lehre ist ein langfristiger und anspruchsvoller Prozess und die dafür nötigen digitalen Kompetenzen können sich die Studierenden nicht schnell innerhalb von 2-3 Stunden in der Startwoche aneignen. Hierfür braucht es weiter greifende Konzepte die in den Curricula der Studiengänge verankert sind.