Generation Y im Fokus – Rückblick auf die SeLC 2015

Swiss E-Learning Conference SeLC 2015

14./15. April 2015, Zürich
www.selc.ch

Am 14. und 15. April 2015 trafen sich die E-Learning Experten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland an der Swiss E-Learning Conference SeLC in Zürich. Die Konferenz  dreht  sich in erster Linie um den Einsatz von E-Learning in Unternehmen, zieht jedoch auch immer viele Teilnehmende aus den Hochschulen an.
Dieses Jahr war das Thema für uns besonders spannend, da sich die Konferenz ganz der Generation Y verschrieben hatte. Das sind die Millennials, die zwischen 1977 und 1998 geboren sind und bei uns gerade papierlos studieren.

Generation Y im Fokus der Unternehmen

In einigen Jahren wird ein Grossteil der Mitarbeitenden in Unternehmen aus dieser Generation stammen, daher beginnen die Unternehmen sich langsam Gedanken über die Besonderheiten dieser Generation zu machen.

Die Millenias werden gerne als faul, selbstverliebt und internetsüchtig dargestellt. Unternehmen fürchten, dass den Mitarbeitenden dieser Generation eine ausgeglichene Work-Life-Balance und sinnvolle Tätigkeiten in Zukunft wichtiger sein könnten als Karriere und finanzielle Sicherheit.

Regionale und geschlechterspezifische Unterschiede

Deloitte präsentierte an der Konferenz eine Studie, die regionale und geschlechterspezifische Unterschiede bei den Karriereerwartungen der Millennials aufzeigt. Millennials aus Schwellenländern streben viel eher nach einer prestigeträchtigen Führungsfunktion als ihre Pendants in Westeuropa, die eher nach Selbständigkeit und sinnvollen, innovativen Jobs in KMUs streben. Weibliche Studentinnen fühlen sich zudem weltweit weniger gut auf eine Führungsposition vorbereitet als Männer. Doch sind das wirklich generationsspezifische Merkmale oder spielen da noch ganz andere Faktoren eine Rolle?

Digital Natives oder doch eher digital sozialisiert?

Millennials werden oft auch als Digital Natives bezeichnet; dabei sind die Älteren unter ihnen erst relativ spät mit digitalen Medien in Berührung gekommen. Sie sind also vielmehr digital sozialisiert. Sie sind mobil, vernetzt und haben die digitalen Medien so stark in ihren Alltag integriert, dass sie sich nicht mehr vorstellen können, wie es wäre, wenn sie z.B. in einer fremden Stadt ein Restaurant ohne Hilfe von Google Maps finden müssten.

Die Generation hat wie keine andere vor ihr gelernt, neue Medien und Technologien zu ihrem Nutzen einzusetzen und Aufmerksamkeit in den Sozialen Medien zu monetisieren; es gibt Millennials die mit ihren Videokanälen auf YouTube 350‘000$ pro Jahr verdienen.

Vernetzt, mobil und multimedial

Es erstaunt nicht, dass Videos und visuelle Medien eine wichtige Rolle spielen, wenn man Lerninhalte für Millennials anbieten will. Der Trend geht hier in Richtung mobiler, multimedialer und vernetzter Lernangebote. Die Hochschulen müssen sich jedoch schon bald auf die nächste Generation X vorbereiten die tatsächlich schon sehr früh mit digitalen Medien in Kontakt gekommen ist; hier werden Gamification, persönliche Profile und Mobile Learning nochmals an Bedeutung gewinnen – allerdings ist diese Zielgruppe noch sehr jung, so dass sich die Anforderungen noch verändern könnten.

Informelles Lernen als neuer Trend in Unternehmen

Unternehmen hingegen sind zurzeit hauptsächlich mit der Generation Y beschäftigt und haben erkannt, dass sie ihre Unternehmenskultur ändern müssen, wenn sie junge Talente dieser Generation behalten wollen. Sie investieren daher überraschend viele Ressourcen in die Förderung des informellen Lernens und die Vernetzung der Mitarbeitenden über die Organisationseinheiten hinaus. Sie haben zwar verstanden, dass die Millennials gerne selbstorganisiert und vernetzt arbeiten, aber die Führungskräfte, die oft aus älteren Generationen stammen, haben Mühe, die Philosophie des „learning by doing“ im Arbeitsalltag zu unterstützen und ihren Mitarbeitenden den Freiraum zu geben, den sie für das informelle Lernen benötigen.

Das erfolgreiche Beispiel der Swisscom Community Plattform „Ask the Brain“ zeigt deutlich, wie wichtig die Unterstützung der Führungskräfte und ein Kulturwandel für das informelle Lernen sind. Andere Unternehmen haben zwar ebenfalls Online Communities eingeführt, haben damit aber nur halb so viel Erfolg, weil Lernzeit oft nicht als Arbeitszeit angesehen wird und die Mitarbeitenden folglich kaum Ressourcen haben, um sich aktiv in die Community einzubringen.

Der Trend in Richtung informelles Lernen in den Unternehmen ist aber auch ein Wink für die Hochschulen. Sicherlich wird die formale Bildung weiterhin einen hohen Stellenwert behalten, sie dürfte aber in Zukunft vermehrt den Gegenwind von informellen Lerninitiativen zu spüren bekommen.

Die Generation Y gibt es nicht

Am Schluss der Konferenz war sich das Publikum einig, dass die Generation Y, so Klischeehaft wie sie in den Medien oft dargestellt wird, nicht existiert. Es gibt viele Einflussfaktoren, die unser Verhalten beeinflussen und wir können das Verhalten eines 17-jährigen Teenagers genauso wenig mit dem Verhalten eines 30-jährigen Arbeitnehmers gleichsetzen wie dessen Erwartungen an eine motivierende und inspirierende Lehr- und Lernumgebung.

Das papierlose Studium war kein direktes Thema an der Konferenz. Die mobilen Endgeräte kommen aber den Bedürfnissen der Millennials klar entgegen, da sie das selbstorganisierte, mobile und vernetzte Arbeiten unterstützen und Videos, Games, Internetressourcen und Social Media als Lernressourcen erschliessen.

Rückblende einzelner Beiträge

Sie finden hier eine Rückblende auf einige Konferenzbeiträge aus meiner persönlichen Sicht als E-Learning Verantwortliche an einer Hochschule.
Die offizielle Programmrückblende finden Sie auf www.selc.ch.
Auf Twitter #selc15 wurden zudem ebenfalls viele Kommentare zur Konferenz veröffentlicht:

Die Generationenlücke
Nicolai Andersen, Partner und Innovation Leader, Deloitte
Karl-Ludwig Knispel, Deloitte Consulting GmbH

Generation Social Media
Philippe Wampfler, Lehrer, Kantonsschule Wettingen

Lernen grenzenlos
Simon Dückert, CEO Cogneon GmbH

Marketplace

  • Lernen der Generation Y
    Ansichten, Erfahrungen, Erwartungen aus Sicht von Studierenden
  • Community Based Learning bei der Swisscom
    René Marques, Swisscom AG
  • Social Learning – oder: Technologieunterstütztes Lernen in einer Grossbank
    Sabine Gori, Credit Suisse AG
  • Gen Z – So lernt die nächste Generation!
    Pamela Aeschlimann, Projektleiterin, LerNetz AG, Andreas Hieber, Leiter Geschäftsbereich „Schule“ und Mitglied der Geschäftsleitung, LerNetz AG
  • Personalisiertes Lernen: Einen adaptiven Kurs in einem LCMS bauen?
    Prof. Per Bergamin, Leiter Institut für Fernstudien- und e-Learningforschung, Fernfachhochschule Schweiz, Anna Lupandind, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Workplace Learning – digitale Lernlandschaften für ein Lernen der neuen Generation
    Dipl. Pädagoge/MA Axel Wolpert, Senior Sales Consultant, time4you GmbH communication & learning
  • „The digital impact on expectations and behaviour“ Drei Megatrends im Fokus
    Marion Marxer, Selbständige Unternehmerin, Studienleiterin CAS Multichannel Management, HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich (Beitrag der Swiss Online Marketing Messe)

1 Kommentar

  1. lozz

    24. Juni 2015 at 17:04

    Eine interessante Ergänzung dazu ist auch der Bericht von KPCB zu den Internet Trends 2015 (vor allem ab Seite 109): http://www.kpcb.com/internet-trends

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