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Netflix de-abonnieren, kein Bananenbrot backen und weitere Learnings aus dem letzten Semester

Gabriel Otth hat während dem Ausnahmesemester sein Bachelorstudium Facility Management an der ZHAW Life Sciences und Facility Management beendet. Im Interview erzählt Gabriel, wie er sich im letzten Semester organisiert hat und was er für seine künftige Berufstätigkeit daraus mitnehmen wird.

Hoi Gabriel, sag wie war das letzte Semester so für dich? Was hast du unter diesen ungewöhnlichen Umständen erlebt?

Das letzte Semester war definitiv anders als die vorangegangenen fünf! Vor allem auf Grund dessen, dass ich vorher fast 90% meiner Arbeits- und Lernzeit während dem Studium an der ZHAW verbracht habe und nicht zu Hause. Ich wohne eine Viertelstunde vom Campus entfernt und war deshalb auch teilweise von Montag bis Samstag, manchmal sogar auch mal an einem Sonntag an der Fachhochschule. Aus dieser Sicht war das eine ziemlich grosse Umstellung für mich. Ich denke das war für alle auf irgendeine Art und Weise eine Veränderung, aber die meisten haben das gut gemeistert. Nebst der geografischen Veränderung war natürlich auch das soziale Umfeld um meine Mitstudierenden merkbar anders.

Dann hast auch du in dem Fall die Bachelorarbeit von zu Hause aus geschrieben? Wie sah dabei dein Tagesablauf und -struktur während des Lockdowns aus?

Ja genau! Ich habe meine Abschlussarbeit zu Hause geschrieben. Strukturell ging es eigentlich relativ ring. Als das ganze losging, habe ich mir von Anfang an meinen Tagesablauf aufgestellt und beibehalten. Ganz grob war mein Tag in zwei Blöcke aufgeteilt: morgens und abends. Das heisst, ich bin zwischen 6:30 Uhr und 7:00 Uhr aufgestanden, habe Sport gemacht und anschliessend meine Vorlesungen besucht. Diesen Ablauf habe ich grundsätzlich beibehalten und entsprechend war ich auch an allen Vorlesungen anwesend. Da ich so viel auf dem Campus war, trennte ich das private und studentische Leben an der ZHAW streng, was ganz klar ein Vorteil war für mich. Mein zu Hause ist dort, wo ich entspanne, Ruhe finden kann und auch zum Beispiel meine Eltern sind. An der ZHAW schaltet das Hirn dank der geografischen Distanz automatisch in eine Art Lernmodus um. Deshalb hatte ich mit der Umstellung anfangs doch noch etwas Mühe. Daher wusste ich nie so genau, wie sich die Situation entwickeln würde, was genau da auf mich zukommt und ob der Hochschulbetrieb dann auch wirklich digital so abläuft, wie man sich das vorgestellt hat. Schlussendlich hat es sich dann aber eingependelt. Ich hatte zudem plötzlich mehr Zeit zur Verfügung, da beispielsweise der Reiseweg an die ZHAW weggefallen ist. So hat sich die neue Situation nach und nach eingependelt und es war sozusagen alles in Ordnung. Doch bald folgte die Prüfungsphase. Da habe ich dann schon gemerkt, dass das lange und teils auch monotone Lernen angefangen hat zu bedrücken. Ich hatte auf Grund der Absolvierung von mehr Fächern im fünften Semester das Privileg, im sechsten Semester «nur» zwei Fächer zu lernen und die Bachelorarbeit zu schreiben. Dort habe ich dann gemerkt, dass ich sehr viel Zeit zur Verfügung hatte und fühlte mich von Zeit zu Zeit wie in einer Art «Leerlauf». Man macht dann jeden Tag das gleiche – ganz speziell die letzten zwei bis drei Wochen! Mit der Abgabe der Bachelorarbeit ist dann aber bereits eine sehr grosse Hürde genommen. Natürlich habe ich gelernt und habe mich auch gut vorbereitet für die zwei Prüfungen, aber man kommt an einem gewissen Punkt in einen Alltagstrott. Im Nachhinein bin ich der Meinung, dass ich mir teils mehr Freizeit hätte gönnen oder zumindest die Tagesstruktur vom März beibehalten können, die meinen Lernprozess eventuell unterstützt hätte.

Summa summarum verlief die Situation aber gut! Die Prüfungen gingen gut zum online Schreiben, auch wenn es ungewohnt war. Man bekam einen Link und eine Zeitangabe, worüber man sich entsprechend online eingeloggt hat. Während dem ganzen Prozess war man sich nicht sicher, ob man alles richtig macht bezüglich des Einloggens und korrekten Abgabe der Online-Prüfung.

Hattest du zu Hause deine eigene Lern-Ecke? Wie sah dein Arbeitslatz denn aus?

Ganz am Anfang war ich in meinem Schlafzimmer. Das war ganz normal ausgerüstet mit einem Bett, Gestell und einem Bürotisch. Dort habe ich anfänglich gestartet zu lernen und dort hat sich auch mein ganzes Equipment befunden.

Der Arbeitsplatz für die zwei ersten Monate des Lockdowns von Gabriel Otth, zu Haus im Schlafzimmer (Otth, 2020)

Nach etwa zwei Monaten bin ich dann an den Esstisch «umgezogen». Dieser ist um einiges grösser und da scheint noch mehr Sonne ins Zimmer. Es war viel heller mit dem Tageslicht und ich konnte auch sehr gut kurz mal auf die Veranda raus, um meinen Kaffee an der frischen Luft zu trinken.

Generell habe ich momentan sehr viel Platz zur Verfügung, da meine Schwester ausgezogen ist und meine Eltern tagsüber selten zu Hause sind. Ich habe sozusagen ein ganzes Haus für mich, daher konnte ich überall arbeiten, wo ich wollte. Ausserdem hätte ich auch zum Lernen zu Freunden gehen können, habe mich dann aber schlussendlich auf Grund der ausserordentlichen Situation in meinen eigenen vier Wänden doch am wohlsten gefühlt. Nichtsdestotrotz hatte ich sehr viele Optionen, um zu arbeiten.

Was für Equipment hattest du? Wie warst du eingerichtet?

Grundsätzlich war mein Arbeitsmittel der Laptop. Ich bin mit einem MacBook/Surface und meinem iPad sehr gut ausgerüstet. Diese Hardware habe ich in verschiedenen Kombinationen mit diversen Aufgaben benutzt und ausprobiert, was für mich am besten ging. Ausserdem habe ich mit vielen neuen Apps und Programmen experimentiert, die mich beim Einrichten meines digitalen Arbeitsplatzes unterstützten.

Wir haben während dem Studium am IFM ohnehin fast ausschliesslich digital gelernt. Viele Aufträge oder Arbeiten wurden in PDF-Form abgegeben oder online hochgeladen. Da hat sich durch Corona nicht viel verändert; der digitale Aspekt ist geblieben. Ausser die Bachelorarbeit, diese habe ich für die Korrektur dann zweimal in Papierform ausgedruckt.

Was waren im letzten Semester die grösseren Herausforderungen für dich?

Eine grosse Challenge war für mich, einen gewissen Tagesrhythmus beizubehalten. Ich bin mir normalerweise gewohnt, morgens aufzustehen, in die Schule zu gehen, die folgenden acht bis neun Stunden an der ZHAW zu verbringen und dann vielleicht nochmal eine Stunde zu Hause zu lernen. Genau dieser Rhythmus hat mir ein wenig gefehlt und ich musste ihn mir auf eine Art neu antrainieren. Ich war schon einmal in einer ähnlichen Situation während meiner gymnasialen Matura, in der ich mir neue Tagesabläufe aneignen und im Selbststudium lernen musste. Deshalb war es mir nicht ganz fremd. Nichtsdestotrotz war der grosse Unterschied von damals zu heute ganz klar die vorherrschende Unsicherheit bezüglich Abläufe, dem Abschluss, das Lernen, dem Umgang mit digitalen Medien und auch die Kulanz des Umfelds in dieser neuen Situation für alle. Falls etwas auf Anhieb nicht funktioniert hat, stiess man auf Reaktionen wie: «Ist doch nicht so schlimm, dann probieren wir es einfach auf einem anderen Weg!». Mit etwas Unterstützung und Hilfe ist man dann irgendwann reingekommen. Man stiess auf grosse Hilfe, Unterstützung und ein grosses Kulanzwesen. Diese Haltung hat den Übergang in diese neue Situation bedeutend vereinfacht.

Gab es für dich auch positive Aspekte oder sogar Vorteile des Home-Office?

Trotz der anfänglich geminderten Produktivität war ich dennoch imstande, fast gegen Ende des Lockdowns meine Produktivität wieder auf ein top Niveau hochzufahren. Ich hatte mich eigentlich schon wieder an ein «neues Normal» gewöhnt. Es war auch sehr interessant und lehrreich zu sehen, dass es Leute gab, die es bereits vor Corona gemeistert haben, ausschliesslich im Home-Office oder unterwegs zu arbeiten. Das war eigentlich ein guter Moment, es ebenfalls auszuprobieren und zu schauen, ob es für einen selbst in der Zukunft auch passen würde oder eher nicht. Ich hatte auch entsprechend viel Zeit, darüber nachzudenken. Mich beschäftigte auch die Frage, ob ich in Zukunft je einen Job ausüben möchte, in dem ich zu einem Grossteil auch von zu Hause aus arbeiten könnte. Dies kann ich nun nach meiner Erfahrung aber mit einem klaren Nein beantworten, da mir der soziale Austausch mit Freunden und Arbeitskollegen wichtig ist. Das ist sicherlich etwas sehr Positives, dass ich dies jetzt weiss, dass ich zukünftig auf Dauer nicht ausschliesslich so arbeiten möchte.

Natürlich muss ich auch sagen, dass ich viel mehr Zeit mit meiner Familie verbringen konnte als vorher. Wir haben uns bedeutend mehr gesehen, ganz speziell meine Eltern. Dabei haben wir ab und zu gekocht und gemeinsam zu Abend gegessen. Manchmal ist auch meine Schwester vorbeigekommen. Also der familiäre Austausch hat bei uns zu Hause sehr zugenommen in dieser Zeit. Ich habe auch beobachtet, dass ich vertiefter meine sozialen Kontakte gepflegt habe.

Was hast du gemacht, um mit der Situation umgehen zu können? Hast du etwas Neues gelernt oder ausprobiert? Bananenbrot gebackt zum Beispiel?

Also das Kochen habe ich immer noch nicht gelernt (lacht)! Aber ich glaube ein grosses Learning für mich war, dass diese Zeit vorbei geht, dass diese Situation alle getroffen hat und man muss sich irgendwie versuchen zu arrangieren. Ich bin schlussendlich selber für meine Zeit verantwortlich. In meinem Umfeld kenne ich einige Leute, die damit wirklich Mühe hatten und sich nur suboptimal organisieren konnten und mit der Zeit ein gewisses Einsamkeitsgefühl entwickelten. Da kann man als Aussenstehender nur versuchen, gut zu zureden und Unterstützung anzubieten. Das war für mich persönlich wirklich ein grosses Learning, dass man auch in solchen Situationen über sich hinauswachsen kann.

Rein organisatorisch und vom Ablauf her hat sich am Schluss so ziemlich das widergespiegelt, was ich vor sechs Jahren während meiner Matura im Selbststudium schon durchgemacht habe. Ich war ja in einer sehr ähnlichen Situation damals und musste auch den ganzen Tag lang lernen. Jetzt habe ich eigentlich ein ‘re-learning’ oder sozusagen eine Lernschlaufe durchlebt und bin nochmal in diesen Loop reingekommen. Es gab einige Elemente in beiden Situationen, die sehr ähnlich waren und die ich auch selber als kohärent wahrgenommen habe. Natürlich war ich vor sechs Jahren noch auf einem anderen mentalen Level und auch etwas jünger. Aber ich habe beobachtet, dass es mir etwas leichter fiel als anderen, da ich viele Muster von damals wiedererkannt habe. Zusammengefasst ist es einfach wichtig, dass man abends auch mal sagen kann: «Let’s call it a day.», und man dann aber auch aufhört zu arbeiten, abschliesst und die verdiente Freizeit geniesst. Bezüglich meinem Lernverhalten würde ich jetzt nicht besonders viel anders machen. Ich habe schon immer sehr viel und gerne gelernt. Diese Eigenschaft möchte ich auch gerne beibehalten. Der einzige Unterschied ist, dass ich jetzt bedeutend mehr digitale Tools nutze, die ich ausprobieren und mit denen ich arbeiten kann.

Gibt es Tipps und Tricks, die du anderen mit auf den Weg geben würdest?

Also ich würde als allererstes Netflix de-abonnieren (lacht)! Ich würde mich in einem ersten Schritt nicht versuchen mich zu «zwingen», acht volle Stunden lang intensiv zu lernen und nur dazu zu nutzen. Viele Studienkollegen haben am Anfang vielleicht das Gefühl gehabt, dies so machen zu müssen, um denselben «Drive» wie an der ZHAW beibehalten zu können. Sobald man aber in einer solch neuen Situation wie Corona ist, ändert sich schlagartig vieles. Man merkt mit der Zeit, dass man auch mal ganz gut mit fünf oder sogar vier Stunden Lernen am Tag sehr effizient sein kann. Es lohnt sich in solchen Momenten, auf die digitalen Tools zurückzugreifen und diese auszuprobieren. Ein klassisches Beispiel ist hierbei die Interviewtranskription. Zu diesem Thema gibt es mittlerweile unzählige Tools, die diese doch eher aufwändige Arbeit bedeutend vereinfachen. Es sind viele Kleinigkeiten, die man ausprobieren sollte und sehen, ob es etwas für einen ist oder nicht, im Sinne von «Try and Error». Ich denke aber schlussendlich auch, dass das Wichtigste das soziale Umfeld ist. Dieses sollte man auf jeden Fall pflegen und aufrechterhalten.

Was nimmst du aus diesem speziellen «Corona-Semester» für dich mit in die Zukunft?

Auf jeden Fall nehme ich mit, dass ein Setting teilweise an der Uni und partiell zu Hause, definitiv Potential hat. Ich bin mir aber auch sicher, dass sich ein gewisser Teil der Hochschulwelt noch weiter digitalisieren wird. Gegen diesen Wandel oder Veränderung kann und sollte man nicht gegensteuern. Ich begrüsse es jetzt nicht unbedingt und finde immer noch, dass Kontaktunterricht wichtig ist. Nichtsdestotrotz hat sich gezeigt, dass es wirklich viel neue Methoden gibt, zu unterrichten. Es ist für die Dozierenden als auch Studierenden nicht einfach, vier Stunden lang vor dem Laptop zu sitzen. Oftmals ist man leider schon nach kurzer Zeit mit den Gedanken abgeschweift. Aber dies ist nicht immer der Fall. Grösstenteils durfte ich den Unterricht bei Dozierenden erleben, die den Unterricht sehr interaktiv gestaltet haben. Mit Aktivitäten wie «Breakout-Sessions» oder persönlichen Gesprächen und Diskussionen in den Vorlesungen wurde die Interaktivität gewährleistet. Das hat sich auch so gezeigt und den Unterricht ein Stück weit auch transformiert. Ich bin sehr gespannt darauf, wie das im September dann wird!

Welche Erwartungen hast du an die ZHAW? Was könnten sie in Zukunft besser machen?

Was sie bestimmt nicht besser machen können, kann ich gleich sagen: Sie haben sehr schnell auf die neue Situation reagiert und die Umstellung auf Online-Vorlesungen verlief sozusagen problemlos. Sie haben innerhalb einer Woche das ganze digitale Medium aufgebaut, was wirklich super ist! Was sie vielleicht machen könnten oder während dem Lockdown hätten machen können, wäre eine Rangliste wie «Best Application for remote Work» oder ähnliches. Was ich auch noch schön gefunden hätte, wäre ein grosses «Online-Get-Together» gewesen, in dem man auch nebst der Studienthematik auch ein wenig die individuellen privaten Situationen hätte einbringen können. Aber im Grossen und Ganzen gibt es nicht viel Optimierungspotential bei uns am Institut; Sie haben wirklich vollen Einsatz für uns Studenten gezeigt. Sie haben die ausserordentliche Corona-Situation dazu genutzt, um das ganze praktische Umfeld, worin viele von uns später arbeiten werden, gleich auf unser Studium anzuwenden!

Bachelorarbeit im Lockdown: Tagesstrukturen schaffen, um die neu gewonnene Zeit sinnvoll zu nutzen

Alyssa Riebli studiert im 6. Semester des Bachelorstudiengangs in Facility Management an der ZHAW Life Sciences und Facility Management. Sie wohnt in Zug und erzählt im Interview, wie sie das letzte Semester ihres Studiums erlebt hat. Dazu gehören unter anderem Herausforderungen wie der fehlende Kontakt zu Mitstudierenden, schlechte Internetverbindung an Online-Prüfungen und das Verfassen der Bachelorarbeit im Home-Office.

Salut Alyssa! Erzähl mal, wie es dir in diesen aussergewöhnlichen Zeiten so erging? Wie hast du das vergangene Semester um den Lockdown herum erlebt?

Im Grossen und Ganzen ging es mir ziemlich gut während dem Lockdown. Wir haben genug Platz zu Hause und zudem war ausser mir nur meine Mutter im Home-Office. Wir sind gut aneinander vorbeigekommen, weil wir uns jeweils entweder auf den Esstisch oder den Tisch im Büro aufgeteilt haben. Ab und zu haben wir auch mal getauscht. Das hat auch ganz gut funktioniert. Ich konnte mir auch meine Zeit ganz gut einplanen. Ich wohne in Zug und habe daher eineinhalb Stunden von Tür zu Tür, also drei Stunden tägliches pendeln, für die Schule. Als das Corona bedingt wegfiel, hatte ich plötzlich sehr viel mehr Zeit für mich, in der ich Sport machen oder mal etwas ausserhalb der Fachhochschulliteratur lesen konnte. Das war ziemlich angenehm. Allerdings muss ich wirklich sagen, ich habe meine Studienfreunde vermisst. Es hat mir schon sehr gefehlt, zum Beispiel, sich mit den Leuten über ein Fach auszutauschen oder gemeinsam in der Pause einen Kaffee zu trinken. Das kann man ganz einfach nicht kompensieren mit dem Telefon oder Video Calls.

Bist du und deine Mutter gut aneinander vorbeigekommen? Oder gab es auch mal etwas Knatsch?

Grundsätzlich ging es gut. Was hingegen das Zusammenleben und -arbeiten erheblich erschwert hat, war der Umstand, dass unser Internet ab und zu Aussetzer hatte. Im Büro war zudem die Internetverbindung auch noch schlechter als im Esszimmer. Somit hatten wir häufig das Gespräch, wer denn jetzt Anrecht auf gute Verbindung am Esstisch hat. Sonst hatten wir es sehr gut miteinander.

Je nach Internetverbindung sah der Arbeitsplatz bei Alyssa Riebli zu Hause immer etwas anders aus. Mal war es der Esstisch (links) im Wohnzimmer und mal im Büro (rechts), 6. Semester Facility Management an der ZHAW. (Riebli, 2020)

Je nach Internetverbindung sah der Arbeitsplatz bei Alyssa Riebli zu Hause immer etwas anders aus. Mal war es der Esstisch (links) im Wohnzimmer und mal im Büro (rechts), 6. Semester Facility Management an der ZHAW. (Riebli, 2020)

Inwiefern spürst du die Auswirkungen der Ausnahmezeit auf dein Studium?

Während dem Studium war ich insgesamt ein Jahr im Ausland: Im vierten Semester im Rahmen eines sechsmonatigen Praktikums in Paris und dann nochmal sechs Monate im 5. Semester in Groningen. Anschliessend an den Aufenthalt sind wir im Februar noch mit der Studienklasse nach Indien an die Hochzeit einer Kommilitonin.
Nach der Rückkehr hatten wir noch etwa drei Wochen Unterricht und dann hiess es definitiv, dass alle zu Hause bleiben müssen. Ich freute mich sehr auf das letzte halbe Jahr mit den Mitstudenten in der Schweiz. Das war wirklich etwas schade. Wir haben auch einen Tischfussballkasten an der ZHAW, den wir oft nutzten oder tranken auch mal ein Feierabendbier zusammen. Der Zusammenhalt meiner Klasse war wirklich gut. Deshalb war es schade zu wissen, dass wir bis zum Ende des Studiums weder zurück an die Fachhochschule gehen, noch zusammen sein oder gemeinsam das letzte Semester geniessen konnten. Klar, wir haben uns ab und zu online getroffen, aber das ist natürlich nicht das Gleiche.

Du hast also nach eurer Rückkehr aus Indien deine Bachelorarbeit im Home-Office während dem Lockdown geschrieben? Wie war denn das für dich? Hattest du spezielle Tagesstrukturen?

Ja, ich habe meine Bachelorarbeit von zu Hause geschrieben. Da ich eher ein technisches Thema hatte und ich die Interviews vor dem Lockdown bereits durchgeführt habe, hat mir das eigentlich ziemlich in die Karten gespielt. Meine Arbeit beschränkte sich hauptsächlich auf Texte, die online verfügbar waren oder Informationen aus Interviews extrahieren, die ich bereits durchgeführt habe. Wir mussten ja ohnehin alle zu Hause bleiben daher war es für mich alles in allem ziemlich vorteilhaft, da ich mich vollumfänglich auf das Thema konzentrieren konnte.

Dadurch, dass man nur am Computer sitzt, musste ich mir einen Tagesablauf kreieren, der für mich auf Dauer verkraftbar war. Am Morgen nach dem Aufstehen kann ich mich am besten konzentrieren und entsprechend am effizientesten arbeiten. Deshalb habe ich immer dann die Aufgaben erledigt, die von mir Höchstleistung und Konzentration abverlangt haben. Das waren beispielsweise Aufgaben wie Auswertungen, Daten abgleichen und Informationen verarbeiten. Ab ca. zehn Uhr kam dann meistens die erste kritische Phase, wo ich mir dann mal einen Kaffee holen ging und eher lockerere Arbeiten erledigte wie E-Mails beantworten oder Informationen in Texte verfassen. Dann habe ich mir auch oft etwas länger Mittag gegönnt. Dadurch, dass ich ja nicht mehr pendeln musste, fiel das nicht besonders ins Gewicht. Über den Mittag habe ich Zeit mit meiner Mutter verbracht, etwas Leckeres gekocht oder Sport gemacht. Ab drei Uhr bis mindestens sechs Uhr habe ich mich wieder darangesetzt. Dann konnte ich mich auch nochmal sehr gut konzentrieren, weil ich in der Mitte eine lange Pause gemacht habe. Teilweise habe ich auch noch abends ein oder zwei Stunden weitergearbeitet und andere Dinge, wie leichtere Literatur gelesen oder Layout Formatierungen für Bilder, Tabellen, Seitenzahlen, usw. erledigt. Man konnte ja sowieso keine Freunde treffen, daher ergab sich das ganz gut.

Ganz am Anfang habe ich ausschliesslich mit meinem kleinen Laptop gearbeitet. Irgendwann, so nach ca. eineinhalb Monaten, habe ich dann gemerkt, dass mir meine Ellenbogen schmerzen. Ich muss mich irgendwie immer an derselben Stelle abgestützt haben. Danach habe ich alles umgestellt und optimiert, habe meinen Laptop mit dem grossen Bildschirm verbunden, den Bürostuhl etwas umfunktioniert damit ich mich nicht mit meinen Ellenbogen zu fest abstützen muss und so weitergearbeitet. Von da an ging es bedeutend einfacher und meine Haltung hat sich auch drastisch verbessert. Ich hätte schon viel früher nach einer Alternative suchen und umstellen sollen.

Gab es für dich grössere Herausforderungen in dieser Ausnahmesituation? Hat dir, ausser den (grösseren) technischen Geräten, etwas gefehlt?

Der einzig wirklich grossen Herausforderung musste ich mich mitten in der Prüfungsphase stellen. Ich musste ja noch zur Bachelorarbeit zusätzlich vier Prüfungen ablegen. Ich glaube zu dieser Zeit hatte ich erst eine Prüfung hinter mir und plötzlich ist unser Internet voll zusammengebrochen. Die Prüfung konnte ich zum Glück noch so knapp schreiben, danach ging gar nichts mehr. Da ich am nächsten Tag wieder eine Prüfung hatte, musste das Internet so schnell wie möglich wieder laufen. Zum Glück ist der Freund meiner Schwester Elektriker und konnte mir somit helfen. Er hat uns innert kürzester Zeit durch das ganze Haus Kabel gezogen, einen Multiadapter besorgt und alles wieder zum Laufen gebracht.

Abgesehen der technischen Hürde, hatte ich keine wirklich grossen Herausforderungen in dem Sinne. Ausser vielleicht Lärmemissionen. Natürlich nimmt man Geräusche anders wahr, wenn man plötzlich zu Hause ist, aber daran habe ich mich schnell gewöhnt. Wir haben beispielsweise gemeinschaftliche Gärtner in der Nachbarschaft, die immer am Dienstag vorbeikommen und sich um unsere Grünflächen kümmern. Wenn sie dann mit ihren Laubbläsern anfangen, kann es schon mal ziemlich laut werden und bei konzentrierter Arbeit auch sehr stören. Oder auch vorbeifahrende Autos. Aber das waren jetzt nicht wirklich enorme Belastungen.

Hast du das Gefühl, an dieser ganzen Sache hat es auch etwas Positives?

Ich glaube schon, dass ich durch den Lockdown gezwungenermassen mehr Zeit in die Bachelorarbeit und das Lernen investierte, was schlussendlich auch zu einem sehr guten Resultat führte. Durch die Einschränkung des sozialen Netzwerkes waren keine weiteren grossen Ablenkungen da, was mir in die Karten spielte. Dadurch, dass ich jetzt mehr als genug Zeit hatte, habe ich auch Dinge machen können, für die ich mir im Normalfall wahrscheinlich keine Zeit genommen hätte.

Ansonsten ist die steile Lernkurve im technischen Bereich sicher etwas Positives. Ich komme jetzt sehr gut klar mit allen gängigen Programmen zur digitalen Kommunikation, habe neue Tastenkombinationen und Funktionen am Computer gelernt, neue Arbeitsstrukturen, und so weiter.

Gab es denn Vorteile, dass du generell im Home-Office warst?

Ich würde schon behaupten, dass sich meine Kochkünste dadurch verbessert haben! Da ich jeden Mittag und Abend kochte, habe ich mir neue Rezepte angeeignet und viel ausprobiert. Auch Backen machte mir sehr Spass. Manchmal war es ein frisches Brot oder dann auch mal ein Kuchen.

Bezogen auf das Studium kann ich definitiv sagen, dass es die gewonnene Zeit war, die sich sehr positiv auf die ganze Situation ausgewirkt hat. Nichtsdestotrotz konnte ich mich dank der digitalen Kommunikationsplattformen dennoch mit einigen Freunden online auf einen Kaffee treffen. Also kann man den technischen Fortschritt auch als positiv werten. Aber ersetzen tut es das Persönliche meiner Meinung nach doch nicht.

Was sind für dich persönlich die wichtigsten Erkenntnisse aus der Corona Zeit, hinsichtlich des Studiums?

Ich denke den eigenen Tag sinnvoll zu strukturieren ist eines dieser Learnings, die ich sicher mitnehmen werde. Für die Bachelorarbeit habe ich mir täglich eine To-Do Liste auf einem Notizblatt erstellt, das ich in verschiedene Kategorien unterteilt habe. Ich habe mir solche Einteilungen nach Konzentrationslevel zum Beispiel oder nach Einfachheitsgrad der Aufgabe erstellt. So konnte ich meine Tage einfach besser und effizienter strukturieren. Was am Ende des Tages auch schön war, ich konnte alles erledigte physisch abhaken und sah, an was ich den ganzen Tag gearbeitet habe.
Für die Prüfungsvorbereitung sah es etwas anders aus. Ich hatte immer dienstags und donnerstags Unterricht. Diese Tage habe ich mir auch nur dafür eingeplant und für nichts anderes. Dabei habe ich online immer aktiv im Unterricht mitgemacht und mir entsprechend Notizen erstellt. Aufgrund dessen, hatte ich eigentlich schon sehr gute Zusammenfassungen während dem Unterricht geschrieben. Die Prüfungen waren Corona bedingt online und wir konnten auch alle Notizen benutzen, was umso besser für mich war. Dank meinen Notizen in Kombination mit den Slides, musste ich eigentlich weder viel zusammenfassen noch allzu lange auf die vier Prüfungen lernen.

Gibt es etwas, das du andere Studierenden mit auf dem Weg geben würdest, dass du während dieser Zeit gelernt hast?

Wir haben jeweils kurz vor den Prüfungen einen Team Call gemacht. Dabei habe ich zusammen mit zwei bis drei Mitstudierenden das Thema repetiert. Wir haben einander nicht klassisch abgefragt, aber einander das Thema nochmal in eigenen Worten erklärt und versucht, die Dinge nochmal aus einem anderen Standpunkt aus zu sehen. Das hätten wir sowieso in der Schule persönlich gemacht und damit dieser Gedanken- und Informationsaustausch nicht einfach wegfiel, haben wir diese Treffen virtuell nachgestellt und so allfällige Lücken aufgefüllt. Das ging extrem gut und würde ich deshalb auch definitiv weiterempfehlen.

Was nimmst du mit aus der Lockdown Zeit?

Also rückblickend würde ich nicht zwingend sagen, dass es eine schlechte Zeit war. Es war bestimmt eine sehr intensive Phase auch aufgrund der Endphase des Studiums. Man hatte auch bedeutend viel mehr Zeit für sich. Was ich sicher auch aus dieser Zeit gelernt habe, ist der bessere Umgang mit der Kamera, wie ich mit anderen online interagieren muss. Ich habe sehr stark das Gefühl, dass das auch später im Arbeitsleben relevant sein wird und man immer öfters solche Calls haben wird. Grundsätzlich denke ich, dass die Lockdown Phase und der intensive Umgang mit digitalen Medien dazu geführt hat, dass ich viel offener bin in Sachen Computer, online Kommunikation und vor der Kamera zu sprechen. Ich denke, das wird sich auch stärker in der Gesellschaft integrieren.

Basierend auf deinen Erfahrungen im vergangenen Semester, was wünschst du dir für das «neue Normal»?

Klar wünsche ich mir, dass es wieder wie vorher wird und wir die sozialen Kontakte aufrecht halten können. Der persönliche Kontakt und die Nähe sind schon durch das Handy ein Stück weit verloren gegangen. Ich bin ja selbst viel am Handy und gehöre somit nicht zu den Hardlinern in diesem Thema. Trotzdem ist jetzt durch Corona der persönliche Kontakt noch weiter entfernt. Umso wichtiger finde ich es, dass man den Kontakt weiter aufrechterhaltet, nahe zu einer Person sein kann, weiss wie sich dieser Mensch gibt und so auch etwas besser kennt. Die Kamera macht das schon auch, aber es ist nicht dasselbe. Das wünsche ich mir schon auch wieder zurück.

Im Bezug zum neuen Normalzustand, dass man sich nicht mehr die Hand gibt, finde ich absolut fair. Aber dass man hier nur noch Maske trägt und man auf Dauer nicht mehr sieht, ob diese Person lacht oder nicht, fände ich sehr schade. Es ist ja eine gute Sache. Ich möchte auch nicht, dass sich die Leute anstecken. Aber wenn nach der Pandemie ein Mund- und Nasenschutz zum alltäglichen Begleiter der Menschen wird, fände ich das sehr schade.

Was wünschst du dir seitens der ZHAW für die Zukunft? Gibt es etwas, das besser gemacht werden kann?

Im Grossen und Ganzen hat die ZHAW den Lockdown gut gemeistert. Auch die Dozierenden haben sich mit Feedback zu Wort gemeldet sowie der Rektor, Blogposts wurden erstellt, usw. Ich fand es wirklich gut. Nichtsdestotrotz wurden wir beispielsweise in der Prüfungsphase ziemlich spät darüber informiert, wie diese aussehen und was das Vorgehen sein wird. Einen Abend zuvor haben wir dann mal eine E-Mail erhalten, in der dann zumindest mal Stand, wo man die Prüfung auf dem Intranet der ZHAW findet. Bei einer der Prüfungen wussten wir nicht einmal, ob es eine Online-Test oder eine auf Word basierte Prüfung zum Downloaden sein würde. Eigentlich spielt es keine grosse Rolle, da man sich genau gleich gut auf beides vorbereiten muss. Schlimm ist das ja nicht wirklich. Trotzdem hätte ich es noch angenehm empfunden, bereits vorher zu wissen, was ich erwarten kann.
Zudem haben nicht alle Studenten die gleiche technische Ausrüstung. Für mich war es beispielsweise nicht möglich, mit einem Stift etwas zu visualisieren. Es haben sich diesbezüglich auch einige Studenten gewehrt, dass sie nicht dieselben Voraussetzungen haben, wie andere Studierende. Die Dozierenden waren aber einsichtig und haben uns kurz vor der Prüfung informiert, dass sie solche Aufgaben aus der Prüfung gelöscht haben.

Was denkst du, könnte die ZHAW zu diesem Thema tun?

Entweder sie machen es genauso wie dieses Mal und entscheiden sich gegen Aufgaben, die ein «freies Zeichnen» voraussetzen, bzw. machen es optional, oder sie müssen das Material zur Verfügung stellen. Aber wie gesagt, generell hat die ZHAW, den Umständen entsprechend, gut gehandelt!

Durchstarten mit dem Startup während dem Ausnahmesemester

Nicolin Gauler ist Masterstudent in der Vertiefung Applied Computational Life Sciences an der ZHAW Life Sciences und Facility Management. Nicolin erzählt im Interview, wie er während dem Ausnahmesemester seinen zweiten Masterabschluss angeht, am Universitätsspital Zürich arbeitet und nebenbei ein Startup gründet. Und nun überlegt, ob er noch doktorieren soll.

Ciao Nicolin, erzähl mal wie es für dich im vergangenen Semester in dieser speziellen Lage war und wie es dir so erging.

Mir ging es generell sehr gut. Die Umstellung auf digital kam sehr schnell. Aber das war für mich kein Problem, da ich schon immer eher so als konventionell gelernt habe. Daher hatte ich nicht besonders Mühe damit. Zudem studiere ich Teilzeit an der ZHAW, weshalb es bei mir nur ein kleineres Pensum von knapp zwei Tagen betraf. Aber am stärksten habe ich Veränderungen in der Phase wahrgenommen, in der ich an einem Projekt im Rahmen des Hackathon «VersusVirus» anfangs April mit Mitstudenten der ZHAW teilgenommen habe. Der 48 Stunden Sprint hat sich mit Herausforderungen rund um Covid19 befasst. Daraus entstand unser Fokus auf das Problem, dass Krankenhäuser keine automatisierte Echtzeit-Überwachung für das Ressourcen Management rund um die Intensivpflegeplätze haben. Wir haben dann das Konzept CareFinder ausgearbeitet und mit einem Prototypen getestet. Aus diesem Projekt heraus habe ich mich vor rund zwei Monaten entschieden, parallel zum Studium, ein Startup zu gründen und mich selbstständig zu machen. Folglich habe ich das Studium etwas limitierter mitverfolgt. Es war trotzdem sehr gut machbar, da das Studium Teilzeit ist. Ich hatte zu Beginn des Projekts noch eine Anstellung am Unispital, weil mir dann diese Stelle, aufgrund der Corona Situation, gekündigt wurde, gab mir dies die ganze Kapazität, um mich dem Start-Up Projekt voll und ganz zu widmen. Ich bin zwar jetzt offiziell alleine an diesem Projekt dran, habe gute Unterstützung von einem breiten Advisory-Board, wurde kürzlich auch von der ZHAW am «RUNWAY Incubator» in Winterthur angenommen. In diesem Programm werden Startups mit verschiedensten Coachings und Trainings, sowie Co-Working Infrastruktur, je nach Bedürfnis, unterstützt.

Zusammengefasst ist es das, was ich die letzten zwei Monate gemacht habe. Es ist zwar alles aus dem Studium heraus entstanden, aber eigentlich war es das Projekt und die damit zusammenhängende Startup-Entwicklung, was mein Semester bestimmt hat. Dies wird meine kurz bis mittelfristige Zukunft beeinflussen und begleiten. Ohne das Studium und die geknüpften Kontakte im Studium hätte sich dieses Projekt nicht ergeben.

Du warst ja zwei Tage die Woche im Studium eingebunden. Wie hat sich die von Corona beeinflusste Realität auf deine Tagesstruktur ausgewirkt?

Zu dieser Zeit war ich noch kurz vorher zu 40% Teilzeit im Universitätsspital angestellt. Während der Corona Zeit, also Mitte März bis Ende April, konnte ich mein Pensum auf 80% erhöhen. Durch das erhöhte Arbeitspensum habe ich die Kurse, in Absprache mit meinen Vorgesetzten, oftmals an meinem Arbeitsplatz im Universitätsspital nachverfolgt. Ich durfte dort die Infrastruktur nutzen, um mein Studium nachzuverfolgen. Somit war ich möglichst schnell im Krankenhaus wieder verfügbar, wenn sie mich brauchten. Teilzeit war ich im USZ und der Rest der Zeit war ich zu Hause und habe aus dem Home-Office gearbeitet. Das waren eigentlich meine beiden Arbeitsplätze.

Der Arbeitsplatz zu Hause in der WG von Nicolin Gauler (Gauler, 2020)

Wie können wir uns denn deine Arbeitssituation im USZ vorstellen? Hast du einfach deinen Laptop ins Spital mitgenommen?

Ich hatte vor Ort einen Arbeitsplatz mit zwei Bildschirmen und habe meinen privaten Laptop dabei. Je nachdem, welches Fach oder was ich zu tun hatte, habe ich zum Beispiel meinen Laptop Bildschirm geteilt und ein anderes Gerät zum Notizen oder Codes erstellen gebraucht. Hauptsächlich habe ich aber meinen Laptop benutzt.

Der flexible Arbeitsplatz auf Abruf von Nicolin Gauler im Universitätsspital Zürich (Gauler, 2020)

Bist du vor weiteren bestimmten Herausforderungen im letzten Semester gestanden? Hat dir etwas gefehlt oder hast du etwas als besonders schwierig empfunden?

Was mir am meisten gefehlt hat, war der direkte Austausch mit meinen Mitstudierenden und den Dozenten. Natürlich gab es auch Möglichkeiten, in Chats oder in Videoanrufen zu sprechen. Nichtsdestotrotz haben mir die kleinen menschlichen Dinge, wie zum Beispiel in der Pause gemeinsam an der frischen Luft einen Kaffee zu trinken, doch sehr gefehlt. Tage, an denen bestimmte Fächer von neun bis vier gehen, sind schon sehr fordernd. Ganz speziell, wenn man den ganzen Tag zu Hause ist und Pausen im Endeffekt auch wieder alleine verbringt. Das war nicht besonders amüsant und erschwerte somit umso mehr, die Motivation über sechs oder sieben Stunden lang im Unterricht aufrecht zu erhalten. Knapp den ersten Monat hatten wir noch Vorlesungen an der FHNW in Olten. Das war natürlich etwas völlig anderes. Dort konnte man nach spätestens ca. 45 Minuten immer mit jemandem sprechen, war draussen oder einfach von Menschen umgeben. Fachlich war es eigentlich nur von Vorteil, ganz speziell der technische Aspekt und die damit erschaffenen Möglichkeiten. Das haben die Dozenten wirklich sehr gut gemacht und super umgesetzt.

Zudem müsste ich hier noch kurz ergänzen, dass ich zwar alle Module besucht habe, aber die Prüfungen aus diesem Semester verschoben habe. Ich habe einfach meine Prioritäten auf das Startup legen wollen. Da war ich transparent und habe natürlich entsprechend mit meinen Dozenten kommuniziert. Dies ist mein zweiter Master und ich habe diesen ausschliesslich aus intrinsischer Motivation, Interesse, und um mich mehr in Data Science einzugeben, angefangen. Entsprechend ging es mir nie nur darum einen Abschluss zu machen, sondern mehr darum, mein Wissen zu erweitern, den Fokus so zu legen, wie es für mich stimmt, und um den akademischen Austausch zu haben. Mittlerweile ziehe ich auch in Erwägung ein Doktorat anzuhängen, da ich mich nicht zu weit weg vom akademischen Forschungsbereich weg entwickeln will. Daher fand ich dieses Studium eine gute Möglichkeit, einen Fuss drin zu lassen, weiter meine Kontakte aufzubauen und à jour zu bleiben.

Gab es für dich auch Vorteile an dieser Corona-Situation?

Ja, Vorteile gab es ganz klar! Alle, vor allem Dozierende, mussten sich mal mit den digitalen Plattformen auseinandersetzten. Ganz speziell sind das wahrscheinlich auch eher die älteren Generationen, die sich in den letzten Jahren wenig mit der Digitalisierung befasst haben und damit auch etwas mehr Mühe hatten. Ich glaube, diese Situation war trotzdem sehr wertvoll, dass verschiedene Leute gelernt haben, mit diesen flexiblen Möglichkeiten umzugehen. Vielleicht beeinflussen diese neuen Erkenntnisse, nicht nur das Studium, sondern grundsätzlich die akademische Arbeitsweise. Allenfalls reicht es so weit, dass sich die verantwortlichen Personen in diesem Zusammenhang öfter fragen, ob es wirklich notwendig ist, dass man eine physische Sitzung oder eine Konferenz hält. Also hinterfragt, ob es bedingt, dass Leute aus allen Erdteilen irgendwohin reisen «nur» um sich auszutauschen. Vielleicht gibt es auch Möglichkeiten, statt bei jedem Anlass physisch dabei zu sein, die Zusammenkünfte einmal physisch und einmal virtuell durchführt. Ausserdem wäre es hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt, für die akademische Welt ganz bestimmt ein weiterer Bonus. Schliesslich haben jüngste Ereignisse ja gezeigt, dass es auch so geht. Selbstverständlich ist der zwischenmenschliche Kontakt unersetzbar, wichtig und sollte auch nicht vernachlässigt werden. Nichtdestotrotz denke ich, dass es hier trotzdem viel Potential gibt, wo man alles so ausbalancieren kann, damit sich beides potenzieren kann.

Was sind deine wichtigsten Learnings aus der Corona-Zeit? Hast du etwas getan, das dir half mit dieser Situation besser umgehen zu können? Nimmst du etwas mit?

Dadurch, dass ich zu Hause war, hatte ich viel Zeit, mich um andere Dinge zu kümmern. Ich habe sehr viele Sachen entdeckt, die ich sonst nie gemacht hätte.

Wie zum Beispiel?

Ich habe meine Wohnung total begrünt, mir eine kleine Liegelounge auf dem Balkon gebaut, Sachen auseinander gebaut und upcyclet. Einfach alles Dinge, für die ich sonst nie oder sehr wenig Zeit (zu Hause) hatte, weil ich viel draussen war, mich mit Freunden getroffen habe, und am Arbeiten war. Also mir war nie langweilig, noch habe ich je sagen müssen, dass ich mich eingesperrt fühle. Natürlich habe ich auch noch das Glück, dass ich einen Balkon habe, der relative ruhig gelegt ist. Ehrlich gesagt, war für mich diese Phase eigentlich eine der besseren Zeiten.

Der Lerneffekt, den ich durch das Studium und diese Plattformen wie zum Beispiel MS Teams, Zoom, usw. erfahren durfte, hat mir bei der Weiterentwicklung des Startups und des Netzwerkes selbstverständlich enorm geholfen. Im Endeffekt war es «nur» ein Transfer von einem zum anderen Thema, denn die digitalen Hilfsmittel blieben dieselben. Die ganzen Kontakte, die ich in den vergangenen Monaten aufgebaut habe, waren 95% digitale Begegnungen. Ich habe diese Leute noch nie physisch gesehen und es funktioniert. Man kann auch so das Vertrauen aufbauen, eine offene und direkte Kommunikation führen. Das empfinde ich als etwas sehr Schönes und Wichtiges, dass solche Dinge möglich sind und viele Menschen diese Erfahrung machen durften. Man schätzt den Stellenwert eines physischen Treffens oder die menschliche Interaktion auf diesem Weg noch viel mehr und realisiert vielleicht aber auch, dass dies nicht so selbstverständlich ist, wie man es die letzten Jahre annahm. Ultimativ hat sich für manche Menschen auch das Bewusstsein verändert, wie man mit gewissen Menschen umgeht, egal, ob das jetzt jemand aus der Geschäftswelt ist oder irgendjemand auf der Strasse. Ich finde das sehr interessant, dass es auch für mich psychologisch eine Erkenntnis ergab. Heute habe ich einen viel bewussteren Umgang mit meinen Mitmenschen. Unabhängig davon, ob man von seinem Gegenüber etwas braucht oder nicht. Sondern dass man gemeinsam eine Umgebung teilt, sollte schon genug sein, dass man einem anderen Menschen Wertschätzung entgegen bringt. Diese Zeit hat mir diesbezüglich als Lerneffekt gedient und ich hoffe, dass das auch bei anderen Menschen etwas vermittelt hat, das sich nachhaltig für unsere Gesellschaft weiterbildet. Genau für solche Gedanken hatte ich viel Zeit und habe mir diese gerne genommen.

Was nimmst du aus dieser speziellen Zeit mit für die Zukunft? Gibt es etwas, das du dir von der ZHAW für die Zeit nach Corona, dem «neuen Normalzustand», wünscht?

Ich glaube an das Potential dieses Pilotsemesters, in dem alles digital war. Für die nahe Zukunft sollte diese Phase evaluiert und in Rücksprache mit Dozenten, Professoren und den Studenten möglichst gut analysiert werden. Die digitalen Erfahrungen der involvierten Parteien im vergangenen Semester bilden dann das Grundgerüst für die Umgestaltung des alltäglichen Unterrichts und sollte auch in die Semesterplanung einfliessen.

Man sollte anfangen solche Vorteile zu nutzten und zu schätzen wissen, dass beispielsweise die Leute nicht mehr von ihrem Standort abhängig sind. Das ist ebenfalls ein Faktor der entscheidet, ob jemand studieren kann/will oder nicht. Für viele ist es teilweise eine grundlegende Entscheidung, ob sie das Studium an spezifischen Universitäten aufgrund Distanzen und der Wohnsituation aufnehmen, denn es ist meistens stark abhängig von finanziellen Mitteln. Das beeinflusst entweder die Bereitschaft zum Pendeln oder zum mehr Miete in grossen Städten zu bezahlen.

Ich bin der Meinung, dass das Bildungssystem mit den technologischen Möglichkeiten noch viel inklusiver und gleichberechtigter werden kann. Ganz speziell für Menschen, die nicht dieselben Voraussetzungen von Haus aus mitbringen wie andere. So könnten auch finanziell Schwächere genauso gut an einem Studium teilhaben, wie jemand der sich über die finanziellen Mittel wenig bis gar keine Gedanken machen muss. Hier können diese Erkenntnisse wirklich genutzt werden, um die Zugänglichkeit von Ausbildungsstätten der Tertiärstufe sicherzustellen.

Was sicher auch ein weiterer Verbesserungsvorschlag wäre, ist der Prüfungsmodus in den einzelnen Studiengängen. Vielleicht könnte man darauf schauen, dass man mehr und vor allem besser koordinierte Möglichkeiten den Studierenden dabei bietet. Ich habe diesen Punkt nun oft in meinem Umfeld von Mitstudierenden gehört. Anscheinend war oft weder der Prüfungsmodus klar, noch wie die Prüfung aufgebaut oder der genaue Ablauf ist. Für genau solche Erfahrungen wäre ein standardisiertes Protokoll sehr von Vorteil. Darin könnte jede Universität sicher einmal die Grundbedingungen schaffen und nachher in einem föderalistischen Prinzip jedes Departement eigenständig umsetzen lassen. Ich fände das sehr wichtig, dass das mit einer sehr hohen Transparenz passiert, so dass Studenten von Anfang des Semesters schon wissen, wie die Prüfungsarten aussehen.

Selbstverständlich sollte man das jetzt natürlich nicht als Vorwurf aufnehmen, da dies das erste Mal für alle Involvierten war. Nichtdestotrotz bin davon überzeugt, dass man voneinander lernen kann, wenn man zusammensitzt. Die Chancen stünden am besten, wenn man innerhalb der einzelnen Departemente ein Gremium bilden würde, das sich mit der Digitalisierung an der Ausbildungsstätte auseinandersetzt. Das gemeinsame Arbeiten mit Studenten, Dozenten und Studentenvereinigungen an Zielvorgaben, die einen möglichst transparenten Prozess erarbeiten, der ultimativ für alle Beteiligten mit der besten oder zumindest angenehmsten Situation endet. Das wären meine Erwartungen an die ZHAW: dass sie da Nägel mit Köpf machen.

Schliesslich rühmt sich die ZHAW auch mit dem Digitalen, vor allem unser Studiengang, der genau für die Nachfrage der Digitalisierung konzipiert wurde. Und trotzdem ist das Studium noch sehr analog unterwegs. Beispielsweise musste ich ganz am Anfang des Studiums alle Studienvereinbarungen und Formulare analog ausfüllen. Natürlich konnte ich die Unterlagen auch via PDF ausfüllen aber das war auch nicht wirklich sehr vorteilhaft. Ich musste meine zuvor gesammelten ECTS Punkte alle einzeln eintragen, von Hand zusammenzählen, mich durch diese Seiten durchkämpfen und habe mich gefühlte 100 Mal verrechnet. Es ist nicht nur sehr wichtig, hoch gesteckte Ambitionen zu haben, man sollte auch diese kleinen Schritte machen, um einen Prozess ganzheitlich digitalisieren zu können. Es fängt immer dort an, wo die Leute tagtäglich durch einen gewissen Prozess durchmüssen. Das sind ja schliesslich Menschen, die in der Studienkoordination arbeiten, aber auch Professoren, Dozenten und Studenten, die von einem vereinfachten Prozess profitieren würden. Ich finde schon, dass das etwas ist, das die ZHAW zukunftsorientiert und noch mehr wirtschaftsaffin machen würde. Ich habe die ETH vorher erlebt. Das sind zwei völlig unterschiedliche Arten, eine Institution zu führen und akademische Bildung zu vermitteln. Das Eine sehr auf Grundlagenforschung und theoretisches Wissen basiert und das Andere hat eher den direkten Bezug zur Wirtschaft. Dementsprechend finde ich, trotz agileren Strukturen, sollte die ZHAW auf solche Bedürfnisse schneller eingehen können. Da kommt vielleicht auch die Herausforderung, dass die ZHAW eher wie ein Unternehmen gemanagt wird, als wie eine Universität/ETH, in den Professoren und Dozenten viel mehr Eigenverantwortung haben. Ich glaube das ist die grosse Herausforderung in den nächsten Semestern, um die neuen Erkenntnisse in den Alltag einfliessen zu lassen und vor allem einen transparenten Prozess zu erarbeiten.

Das Studium noch ein bisschen selbständiger gestalten – dies erfordert ein Umdenken auf beiden Seiten des Hörsaals

Timon Alder studiert Biotechnologie und ist Klassensprecher für den BT Jahrgang 2019 an der ZHAW Life Sciences und Facility Management. Im Interview erläutert Timon seinen Lernansatz fürs erfolgreiche Studium, der auch auf die Arbeitswelt vorbereitet.

Hoi Timon! Erzähl doch mal von deinem Corona-Semester. Wie ist es dir so ergangen? Wie bist du mit diesen einzigartigen Umständen während dem Studium klargekommen?

Grundsätzlich hat sich für mich nicht viel geändert, da ich davor schon eher punktuell die Vorlesungen besucht habe. Nun konnte ich mit gutem Gewissen von zu Hause aus lernen. Denn, als die Vorlesungen vor Corona noch nicht aufgezeichnet wurden, hatte ich teilweise die Befürchtung, etwas Wichtiges zu verpassen. Einige wenige Dozenten teilten gerne mal Hinweise auf Prüfungen ausschliesslich im Unterricht, vermutlich um sicherzustellen, dass die Studenten auch wirklich in die Vorlesungen kommen. Die Online-Vorlesungen sind eine sehr willkommene Ergänzung der Hochschule. Trotzdem habe ich schon vor Corona früh im Studium gemerkt, dass mein Lerntyp ein anderer ist. Für mich funktioniert es sehr gut, mir selbstständig Wissen anzueignen. In meinen bisherigen zwei Grundsemestern, in denen wir Grundlagenfächer wie Mathematik, Physik, Chemie, Biologie usw. haben, hat das sehr gut funktioniert. Für diese Fächer existiert eine grosse Auswahl an entsprechender Fachliteratur, auf die zurückgegriffen werden kann. Damit arbeite ich sehr gerne, denn diese Lektüren haben oft einen klaren Aufbau und sehr gute Übungen, um das Wissen zu überprüfen. Generell habe ich das Gefühl, dass ich stark vom Studium profitiere, wenn ich lerne, mir selbständig Wissen anzueignen.

Wie sah denn dein Tagesablauf aus? Wie hast du deine Tage strukturiert und wo hast du gearbeitet?

Ich kann dir meinen Arbeitsplatz auch gleich zeigen!

Für das autodidaktische Home Learning ausgerüsteter Arbeitsplatz von Timon Alder, 2. Semester Biotechnologie an der ZHAW LSFM (Alder, 2020)

Mein Tagesablauf war sehr abwechslungsreich. Generell gehe ich im Studium folgendermassen vor: Sobald der Lehrplan fürs Semester draussen ist und feststeht, welches Wissen in welchem Fach wir uns aneignen müssen, erstelle ich mir einen Plan. Dabei teile ich die grossen Blöcke von Fächern in kleine Portionen und visualisiere diese grob auf einem Whiteboard. Den Plan bildlich darzustellen, hilft mir sehr! So kann ich nach Lust und Laune jeden Tag, von irgendeinem Fach das mich reizt, ein kleines Häppchen erledigen. So kann man immer etwas abhaken, es als erledigt betrachten und das zur Seite legen. Das sind dann jedes Mal kleine Erfolgserlebnisse, die mich am Ball halten. Dieses Vorgehen bringt entsprechend genug Abwechslung in den Lernalltag. Ich kann so auch Fächer miteinander kombinieren, die Sinn für mich machen. Dabei kombiniere ich die Lerneinheiten möglichst so, dass vorher Gelerntes nicht mit neuem Wissen überlagert wird. Also vermeide ich es beispielsweise möglichst, dass ich morgens Mathematik und Physik kombinieren muss. Beides Fächer, in denen viel Rechenleistung gefordert ist. Dieses interferenzfreie Lernen funktioniert für mich sehr gut. Zwischendurch mache ich entweder morgens oder abends Sport oder gehe über den Mittag auch mal im Rhein Schwimmen.

Weil der Weg zur Fachhochschule für mich relativ weit ist, hat das Wegfallen des Pendelns das Semester für mich effizienter gemacht. Es hat mir sehr viel Freiheiten gegeben. Die Lebensqualität ist gestiegen und ich bin entspannter geworden. Natürlich erst nach den anfänglichen Unsicherheiten, denn als Corona losging, wusste man nicht, ob es überhaupt weiter geht mit dem Studium.

Was waren so die grossen Herausforderungen im letzten Semester für dich, wenn es ums Lernen ging?

Was mir natürlich sehr gefehlt hat, waren die Praktika. Im zweiten Semester haben wir ein Chemie- und ein Mikrobiologiepraktikum. Das war online natürlich schwierig durchzuführen. Nichtsdestotrotz haben es die Dozierenden geschafft, die Lerninhalte als Problemstellungen zu formulieren, die wir bearbeiten mussten. Zum Beispiel die Isolierung und Identifizierung von ausgewählten Bakterien-Gattungen. Um dies nur hypothetisch durchzuführen braucht es ein ausgeprägtes Vorstellungvermögen, weshalb ich trotzdem viel daraus gelernt habe. Dennoch werde ich mir die praktischen Fähigkeiten im Laufe des Studiums noch vermehrt aneignen müssen. Daher denke ich, dass richtige Praktika an der Hochschule unersetzbar sind. Natürlich gibt es Verbesserungspotential, aber in Anbetracht der Umstände bin ich sehr zufrieden wie das Semester stattgefunden hat. An dieser Stelle auch ein Kompliment an die Dozierenden, die es geschafft haben, ihre Vorlesungen weiterhin durchzuführen oder kreativ umzustellen. Sie haben wirklich bemerkenswert schnell und gut auf die Situation reagiert. Denn es gibt Dozierende, die seit vielen Jahren auf dieselbe Art unterrichten, alt und bewährt. Und dann müssen sie plötzlich umstellen. Ich glaube das war eine grosse Herausforderung. Nun hoffe ich, dass diese Corona Zeit auf beiden Seiten, bei Studierenden als auch Dozierenden, zu einem Umdenken anregt.

Also hat sich aufgrund des Lockdowns nicht besonders viel geändert für dich?

Eigentlich hat sich in Bezug auf das Studium vieles zum Positiven verändert.

Gab es auch negative Aspekte an der speziellen Situation?

Im Rahmen einer Arbeit, die ich für das Fach KGS (Kultur, Gesellschaft und Sprache) schrieb, musste ich mir bereits Gedanken darüber machen. Ich kann nur wenige negative Aspekte erkennen. Ich höre aber von vielen Mitstudierenden, dass ihnen die soziale Interaktion fehlte. Verständlich, denn für manche steht beim Studium nicht ausschliesslich das Lernen im Vordergrund. Der oft gelebte Studenten-Lifestyle, neue Freunde zu finden, eins zu Trinken oder am Donnerstagabend in den Ausgang zu gehen, blieb hier natürlich auf der Strecke. Vermutlich hat mir persönlich das nicht so sehr gefehlt, weil ich die Prioritäten ein wenig anders setze. Denn als ich mich vor zwei Jahren entschied, die BMS nachzuholen, um Biotechnologie zu studieren, wusste ich, dass es einige Jahre der finanziellen Entbehrungen werden würden. Deshalb steht für mich beim Studieren das Lernen im Vordergrund. Die soziale Interaktion mit der Klasse ist mir jedoch sehr wichtig. Als Klassensprecher muss ich ein Gefühl dafür haben, wo die Klasse steht und was ihre Bedürfnisse sind. Dies war natürlich schwierig, weil wir uns kaum gesehen haben. Allerdings haben Tools wie Moodle und MS-Teams hier sehr geholfen. Wodurch übrigens Gruppenarbeiten teilweise sogar effizienter geworden sind.

Was denkst du, warum denn Projekte in Gruppen gerade jetzt effizienter geworden sind?

Es hängt sicher sehr davon ab, wie die Gruppe organsiert ist. Wir haben das immer so gemacht, dass jemand den Lead übernommen hat. Anschliessend wurde die grosse Gruppenarbeit aufgeteilt und es wurden klare Aufgaben untereinander verteilt. Danach hat man sich zu einem gewissen Zeitpunkt wieder getroffen und da war klar, wer bis wann, was erledigt haben muss. Zuvor haben wir auch besprochen, was wir an diesem Meeting besprechen werden. Das lief folgendermassen: Jede Person stellte vor, was sie oder er gemacht hat und dann besprachen wir das weitere Vorgehen. Wenn man sich jedoch persönlich trifft, ist es oft so, dass man dann sagt: «Komm wir treffen uns um 14:00 Uhr und dann schauen wir einfach mal.» Dann spricht man über alles mögliche, über Gott und die Welt und was sonst noch alles läuft, bis jemand dann erwähnt, dass man doch vielleicht mal über das Thema sprechen sollte. Plötzlich haben es dann alle wieder eilig. So verliert man sich auch oft irgendwann im Thema. Vielleicht wurde es auch effizienter, weil es verpflichtender ist, wenn man sich nur einmal pro Woche über Zoom oder MS Teams trifft. Natürlich hatten wir auch bei Online-Treffen Smalltalk, aber es war immer klar definiert, was wir noch besprechen werden und was das eigentliche Thema ist.

Was sind die wichtigsten Learnings aus der Corona-Zeit für dich? Was würdest du anderen weiter empfehlen?

Mit einem Wort: Organisation. Wirklich, das ist alles! Das Lernen und mir dabei Wissen anzueignen, bereitet mir sehr viel Freude. Was wirklich herausfordernd ist, ist die Organisation. Dies verlangt auch von den Dozierenden, dass sie ganz klar festhalten, welches Wissen man bis Ende Semester beherrschen muss. Das soll klar definiert sein. Also, macht euch einen Plan! Das ist wirklich der beste Tipp, den ich allen geben kann. Ich war ja lange nicht mehr in der Schule und habe mir das Lernen wieder in der BMS angeeignet. Gewissermassen war die Zeit in der BMS für mich ein Probelauf für das Studium. Generell denke ich, dass man mit guter Organisation sehr vieles unter einen Hut bringt. So können die Lerneinheiten und Arbeitseinsätze sinnvoll unter der Woche verteilt werden und es bleibt auch noch Zeit für Hobbies, Freunde und Familie. Der soziale Kontakt ist natürlich auch sehr wichtig. Ich habe zum Glück ein tolles Umfeld mit meiner Freundin, der Familie und Freunden. Ansonsten ist Sport für mich der Ausgleich Nummer Eins. Ich denke aber, das ist sehr individuell.

Was nimmst du aus dieser speziellen Zeit mit für die Zukunft? Hast du eine bestimmte Vorstellung oder Wünsche?

Dass es Sinn macht, das Studium noch ein Stückchen selbstständiger zu gestalten. Dies erfordert ein Umdenken auf beiden Seiten des Hörsaals. Ich bin der Meinung, dass man sich an einer Fachhochschule primär auf das Berufsleben vorbereitet. Denn im Berufsleben ist es das A und O, dass man sich selbstständig organisieren und sich Wissen aneignen kann. Der Vorgesetzte erklärt dir nicht den ganzen Tag, wie du die Arbeit zu erledigen hast. Sondern du erhältst einen Auftrag mit einer Deadline und diesen gilt es auszuführen. So ähnlich könnte ich mir auch das Studium vorstellen. Man erhält einen Lernauftrag und das nötige Werkzeug zur Erledigung in Form von Literatur, Videos, Übungen usw. Die Lehrpersonen könnten dies zusammenstellen und für Fragen zur Verfügung stehen. Ich glaube, der grosse Pluspunkt an einer Fachhochschule ist, dass Abgänger sofort im Arbeitsleben einsetzbar sind. Studierende werden auf die Praxis vorbereitet. Entsprechend hinterfrage ich teilweise das Konzept von Vorlesungen.  Für mich ist es effizienter, mir Wissen in Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten oder auch selbständig anzueignen. Nichtsdestotrotz bin ich ein Befürworter von Gast-Vorträgen, wo Koryphäen einen Einblick in ihr Wissen geben. Wissen, welches nicht so einfach im Internet oder in Literatur nachgeschlagen werden kann.

Was wünscht du dir von der ZHAW für die Zeit nach Corona, dem «neuen Normalzustand»?

Ich wünschte mir, dass noch mehr auf die individuellen Lerntypen eigegangen werden würde. Mit dem Abhalten und der Aufzeichnung von Online-Vorlesungen wurde bereits ein wichtiger Schritt vollbracht. Damit entsteht für jemanden wie mich, der vermehrt mit Literatur lernt, kein Nachteil mehr durch physische Abwesenheit. Des Weiteren hoffe ich, dass in Zukunft alle wichtigen Informationen einheitlich auf einer Plattform zur Verfügung gestellt werden. Somit sind alle Studierenden auf demselben Stand, wenn es um Aufträge, Prüfungen oder allgemeines Wissen geht.

Manche Dozenten haben – was den Informationsgehalt der Präsentationen und Scripts angeht – bestimmt noch Verbesserungspotential und dürften ihr Konzept wegen des Corona-Semesters vermehrt hinterfragen. Ich durfte jedoch auch Dozierende erleben, die ihr Lehrkonzept ausgeweitet haben und damit sehr vielen Lerntypen die Möglichkeit bieten, sich individuell Wissen anzueignen.

„Meine Familienmitglieder können jetzt sehen, was ich den ganzen Tag arbeite“

Nurdzane Memeti (27 Jahre) ist Masterstudentin in der Vertiefung Applied Computational Life Sciences an der ZHAW Life Sciences und Facility Management. Im Interview erzählt Nurdzane, was sie nach dem Ausnahmesemester auch künftig für das Studium beibehalten möchte.

Hi Nurdzane! Wie ist es dir im letzten Semester so ergangen unter diesen aussergewöhnlichen Umständen?

Angefangen hat ja alles noch ganz normal. Wir sind wie üblich an die ZHAW gegangen und dann ist ja plötzlich diese aussergewöhnliche Corona-Zeit gekommen. Anfänglich hatten wir ganz viel Unsicherheit und Angst, wie es weiter gehen würde. Dann kam die Entscheidung der ZHAW, dass wir mal eine Woche pausieren werden. Das war dann auch eine Chance für die Lehrer sich vorzubereiten und auf digital, also remote, umzustellen. Zum Beispiel hat die Partnerhochschule, die FHNW, auch mit uns pausiert, weil wir ja auch mit verschiedenen Schulen in der Schweiz kooperieren. Nach dieser Woche haben wir komplett auf digital umgestellt. Es waren gewisse Unsicherheiten da. Fragen wie «muss die Videokamera an sein oder nicht?», «geht das Mikrofon?» waren an der Tagesordnung. Am Anfang ist sehr viel Zeit in Einstellungen und Probieren geflossen. Je kleiner die Klasse oder die Gruppe war, desto besser ist es gelaufen, weil man sich einfach vertrauter war. Es war eigentlich sogar sehr gut.

Ein echter Pluspunkt sind die Records bzw. Aufnahmen vom Unterricht für die Prüfungsvorbereitungen. Das ist wirklich cool und ich unterstütze es weiterhin sehr. Zudem ist es eine super Möglichkeit für Hochschulen, sich mit digitalen Tools weiterzuentwickeln. Da liegt noch sehr viel Potential. Wir wissen eigentlich gar noch nicht so genau, wie man mit den neuen technologischen Geräten umgeht. Jetzt kommt auch Touch-Technologie dazu, wo man Notizen machen kann als würde man in einen physischen Block schreiben.

Was mir auch sehr gefiel, dass man direktes Feedback geben und zusammen mit den Lehrern diskutieren konnte. Zum Beispiel gibt es auch im Zoom die Funktion, virtuelle Gruppen zu erstellen, aus dem Plenum kurz ausbrechen und diese nach fünf Minuten wieder zusammenkommen. Das ist wirklich cool. Ich sehe sehr viel Potential im Home-Office – Modell und Remote Learning. Nichtsdestotrotz müssen wir wirklich noch viel lernen. Aber es war wichtig, dass wir den ersten Einstieg geschafft haben. Da bin ich sehr froh darüber.

Wie war es für dich im Lockdown? Wie sah dein Tagesablauf strukturell währenddessen aus?

Um ehrlich zu sein, war es am Anfang sehr schwierig für mich. Ich hatte mit ganz vielen anderen Studenten Kontakt und habe sie gefragt, wie sie es so gemacht haben. Ich hatte Mühe mit der plötzlichen Umstellung. Es war für mich wahnsinnig mühsam, trotz Pausen, einfach dranzubleiben, mich eineinhalb Stunden auf etwas zu konzentrieren und immer mitzumachen. Im neuen Alltag wurden wir für den Unterreicht um ca. 9 Uhr eingeschaltet bzw. wir mussten uns einloggen. Und da waren wir dann den ganzen Tag digital anwesend.

Ich kann dir an dieser Stelle auch gerne kurz meinen Arbeitsplatz zeigen:

Für das digitale Studium ausgerüsteter Arbeitsplatz von Nurdzane Memeti, 2. Semester Applied Computational Life Sciences an der ZHAW LSFM (Memeti, 2020)

Ich musste mir einen neuen, grossen Monitor, Tastatur und Maus kaufen, da es mit der Zeit mühsam war auf einem kleinen Bildschirm (hier Microsoft Surface) zu arbeiten. Ich habe recherchiert und mich umgeschaut, was es alles so gibt. Die meistens Mitstudenten mussten auch vieles neu kaufen. Dinge wie Tische, Elektronik oder Büromaterial. Dieses Geschäft scheint voll am Boomen zu sein! Ich war vorher nicht für das Home-Office ausgerüstet. Aber da ich mir das Arbeitsmodell Home-Office auch in Zukunft sehr gut vorstellen kann, dachte ich mir, dass so eine Investition es Wert wäre.

Aber ich muss schon sagen, man muss sich daran gewöhnen zu Hause nicht ablenken zu lassen. Ich würde sagen, dass es anfänglich etwa einen Monat ging, bis sich alle darauf eingestellt hatten. Mittlerweile ist es für alle normal, dass man im Home-Office auch noch lernt resp. arbeitet. Leider kann es passieren, dass man länger am Arbeitsplatz ist als früher. Es ist nicht so strukturiert und ich würde sogar sagen, man ist nicht so produktiv. Es ist vielleicht auch davon abhängig, an welchem Fach man gerade ist. Aber die Interaktion mit den Peers bringt einem wirklich weiter. Da ich sehr weltoffen bin, fiel es mir sehr schwer meine Kameraden nicht mehr treffen zu können. Nur schon sich einen Kaffee zu holen, also den Gang zur Kaffeemaschine und die Interaktion mit anderen war einfach Gold wert!

Was waren die grossen Challenges im letzten Semester?

Was ich wirklich gut fand an der ZHAW war, dass sie technischer Unterstützung angeboten hatten. Schliesslich hatten alle mit denselben Herausforderung zu kämpfen. Ich würde sagen, wir alle waren auf so einen Moment nicht besonders gut vorbereitet. Es haben alle über die digitalen Technologien gesprochen, doch trotzdem ging es eine Weile bis man diese aussergewöhnliche Situation wahrgenommen hat und sich auf diese eingestellt hat.

Eine andere Schwierigkeit war die Arbeitszeiten einzuhalten. Von 8 Uhr bis 17 Uhr wirklich produktiv zu sein. Zwischendurch war man gar nicht produktiv und musste auch mal länger dranbleiben, sogar ab und an auch mal bis um 22 Uhr. Zudem ist man nicht mehr so flexibel. Der zeitlich zusammenhängende Mangel an Bewegung war auch so eine Belastung. Man bewegt sich viel weniger und das hat dann Auswirkungen auf die Psyche. Diese hohe Unproduktivität liegt vielleicht auch daran, dass man psychisch wirklich nicht mehr so mag.

Gab es für dich auch positive Aspekte an der speziellen Situation? Hattest du ganz speziell Freude an etwas?

Ich fand es wirklich super, dass es diese remote Umstellung geklappt hat. Ich war schon immer dafür, dass man im Home-Office arbeiten sollte. Diese aktuelle Umstellung gefällt mir sehr gut. Ich hatte früher schon gewissen Firmen gesagt, dass ich im Home-Office Modell arbeiten möchte. Somit konnte ich den Laptop bei der Arbeit, im Zug, usw. dabeihaben. Ich bin halt auch sehr viel unterwegs.

Sehr cool ist es auch, dass meine Familienmitglieder jetzt sehen können, was ich den ganzen Tag arbeite.

Andere Mitstudenten und Dozenten in virtuellen Meetings zu sehen war auch ganz cool. Vor allem wenn man bei ihnen im Hintergrund die Kinder gehört hat. Das war sehr süss! Alle holen wirklich das Beste aus der neuen Situation heraus. Aber man merkt, dass diese technischen Tools wirklich für uns Menschen sind. Wir müssen auch keine Angst vor Robotern haben oder dass jetzt alles digital umgestellt ist. Nein, es ist wirklich nur eine Hilfe für uns.

Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse aus der Corona-Zeit? Was hast du gelernt und was würdest anderen weiterempfehlen?

Ich muss schon sagen, in der Schweiz ging es uns schon gut. Klar, wir hatten auch unsere Unsicherheiten und man wusste nicht, wie das ganze weiter geht. Aber es ist auch relativ schnell wieder gut gewesen. Aber was ich momentan allen empfehlen würde ist, die Kommunikation weiterhin digital umzustellen. Ein Austausch zwischen Dozenten und Studierenden sollte weiterhin gefördert werden. Es gibt auch Zoom Meetings in denen man nur einen Kaffee trinkt. Diese könnte man einfach etwas stärker und öfter betreiben. Man lernt so auch extrem viele neue Leute kennen und ist vernetzter.

Ich spüre schon, dass ich im richtigen Studium bin. Wir arbeiten ja ausschliesslich mit Computern. Es hat noch viel Potential in der digitalen Welt und deshalb möchte ich mich auch im Digitalen noch weiter weiterbilden.

Was nimmst du aus dieser speziellen Zeit mit für die Zukunft? Oder was wünscht du dir?

Also für den zukünftigen «Normalzustand» wünsche ich mir längerfristig steigende Akzeptanz für das Home-Office Modell und das Weiterentwickeln vom remote Learning. Sonst vom Wissensstand her finde ich es super. Ich habe wirklich viel gelernt. Deshalb habe ich mich auch für diesen Master entschieden. Ich bin wirklich gespannt, was uns erwartet!

Gibt es etwas, das du dir von der ZHAW für die Zeit nach Corona wünschst?

Ich finde, dass die ZHAW weiterhin Aufnahmen vom Unterricht bereitstellen kann.  Weitere Möglichkeiten sehe ich in Online-Kurse, da sie viel Flexibilität anbieten. Die technische Unterstützung weiterhin anbieten und eine sog. IT-Helpline für technische / digitale Fragen erstellen.

„Man muss einfach realistisch sein mit einem selbst“

Alea Roth-Douglas studiert Umweltingenieurwesen an der ZHAW Life Sciences und Facility Management. In einem Interview berichtet Alea, wie sie das vergangene Semester erlebt hat.

Aleas Arbeitsplatz

Liebe Alea, erzähl uns doch, wie du das letzte Semester unter diesen doch eher ungewöhnlichen Umständen erlebt hast und wie es dir im Moment geht.

Wichtig zu wissen: Ich habe vorher schon meine Matura zwei Jahre lang im Fernstudium gemacht. Durch das hatte ich schon einiges an Erfahrung, was den Umgang mit der Corona-Situation anging, vor allem im Hinblick aufs Lernen. Damals war insbesondere der Mangel an Kontakt und Austausch mit den Klassenkameraden sowie mit den Lehrern schwierig, alles Lernen fand via Bücher etc. statt. Jetzt geniesse ich sehr, dass es von Seiten der ZHAW Vorlesungen gibt, selbst wenn diese aufgezeichnet sind oder via Zoom stattfinden.

Damals beim Fernstudium war es jeweils sehr schwierig abzuschätzen, wie es den anderen Studierenden geht, wie sie damit klarkommen, man hat sich fast ein wenig alleine gefühlt mit den Umständen und hatte immer das Gefühl, dass man als Einzige nicht nachkommt mit dem Stoff. In der jetzigen Situation weiss ich, dass ich nicht alleine bin, wir reden miteinander. Ich habe sogar eine Umfrage gestartet, um Studentinnen und Studenten zu fragen, ob sie nachkommen mit dem Stoff und wie sie sich selbst einschätzen. Man hat keine Ahnung, wo man steht, wenn man nicht miteinander redet. Unter diesen Umständen ist einfach fast niemand nachgekommen, das ist Fakt. Aber es ist gut zu wissen, dass es allen so geht.

Mir geht’s also ganz gut, diese Umstände waren wie gesagt nichts völlig Neues für mich. Ich war zwar nicht besonders glücklich, sowas nochmals zu machen, aber meine Erfahrungen haben mir sehr dabei geholfen, damit es mir die ganze Zeit relativ stabil gut ging mit der Situation.

Wie hat sich dein Tagesablauf aufgrund des Lockdowns verändert?

Mein Tagesablauf hat sich eigentlich nicht gross verändert. Ich schaue, dass ich am Morgen zeitig aufstehe und geniesse dann die Zeit, die man z.B. spart, weil man nicht pendeln muss, mit einem Kaffee oder ich sitze auf den Balkon und geniesse das Wetter. Dann fange ich jedoch jeweils direkt mit dem Lernen an.

Die grösste Änderung meines Tagesablaufs kommt vom Wegfallen des Pendelns. Zuvor hatte ich, bedingt durch meinen Wohnort im Kanton Zug, 1h10min Weg. Das ist Zeit, die ich jetzt z.B. mit Musik machen verbringen kann. Auch lerne ich meist nach dem Mittag nicht wirklich, sondern dann eher wieder vor dem Abendessen, dafür dann aber auch am Abend noch länger.

Was waren im letzten Semester die grossen Herausforderungen, wenn es ums Lernen ging?

Kommunikation für Teamarbeit war nur online und damit eher schwierig. Manchmal hat es da Spannungen gegeben, einfach weil man sich nie gesehen hat. Manchmal ist die Verbindung nicht stabil, eine Kamera funktioniert nicht oder Ähnliches. Ich habe oft gedacht, wären wir gemeinsam im Klassenzimmer, wir hätten dieses Problem sofort gelöst.

Wie habt ihr euch unter diesen Umständen organisiert?

Hauptsächlich haben wir MS Teams genutzt, nützlich war vor allem, dass man da direkt Files teilen konnte. Nicht zu vergessen ist hier WhatsApp, ein grosser Teil der Kommunikation läuft hier ab, sowohl für Persönliches als auch bezogen aufs Studium und das Lernen.

Gab es für dich auch positive Aspekte an der speziellen Situation?

Das Beste ist, dass man den Dozenten «pausieren» kann, um sich Notizen zu machen. In einer normalen Vorlesung geht das manchmal etwas zu schnell, das ist online ein Vorteil.

Ich habe auch gemerkt, dass ausserhalb der Schule mein Familienleben intensiver geworden ist. Ich besuche meine Mutter häufiger, man hat einfach mehr Zeit für anderes, wenn man nicht pendeln muss.

Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse aus der Corona-Zeit? Was hast du gelernt?

Wichtig für mich war, meine eigenen Ansprüche an mich selbst klar zu definieren. Vier Stunden konzentriertes Lernen am Tag finde ich z. B. schon gut, das reicht meistens auch, damit man dabeibleibt. Ich habe mir von Anfang an gesagt 8h am Tag sind unrealistisch, mit allen Ablenkungen und der höheren Intensität des Alleine-Lernens. Das war eine der grössten Lektionen, die ich von meinem vorherigen Fernstudium mitgenommen habe: Man muss einfach realistisch sein mit einem selbst, sich im Klaren sein, was man selbst unter diesen Umständen leisten kann.

Ich machte mir auch keine detaillierten Wochenpläne, höchstens Ziele, was ich bis Ende Woche erreichen will. Ich behalte so die Flexibilität, wann ich was bearbeiten will, so hat man nicht immer ein schlechtes Gefühl, wenn man am Abend mal nicht alles erreicht hat, was man sich vorgenommen hatte. Wichtig ist, sich aufzuschreiben, was man erreichen möchte, z.B. an einem Tag oder in einer Woche. Auch die Frage, warum man etwas (z.B. das Studium) macht, ist wichtig, man sollte nicht vergessen, dass man das im Idealfall für sich selbst macht.

Ich schaue auch, dass ich jeweils nicht nur ein Fach für eine lange Zeit bearbeite, sondern ich brauche hier die Pomodoro-Technik, jeweils 25min konzentriertes Arbeiten, danach eine kurze Pause. Dabei schaue ich, dass ich auch mal rausgehe und die frische Luft geniesse.

Ich habe auch aufgehört, To-Do Listen zu machen. Die werden schnell ziemlich lang, und am Ende des Tages ist man dann gestresst, weil man sieht, was alles noch gemacht werden muss. Ich mache inzwischen «have-done» Listen, wo ich alles aufschreibe, was ich an einem Tag erreicht oder erledigt habe, sowohl in der Schule als auch ausserhalb. Das gibt einem am Ende des Tages ein ganz anderes, positiveres Gefühl.

Was nimmst du aus dieser speziellen Zeit mit für die Zukunft?

Ich nehme einige Tools mit, z.B. Mindmaps oder die Pomodoro-Technik. Das würde ich gerne auch in Zukunft weiter beibehalten, da mir diese Tools in der Corona-Zeit geholfen haben.

Was wünscht du dir von der ZHAW für die Zeit nach Corona, dem «neuen Normalzustand»?

Ich würde es schätzen, wenn an der ZHAW viele Angebote auch weiterhin online angeboten würden. So kann man, wenn es einem z.B. mal nicht so gut geht, problemlos zu Hause bleiben und trotzdem nichts verpassen. Oder wenn man etwas nicht verstanden hat, kann man sich das in der Aufzeichnung nochmals anschauen.

Lockdown, die Erleuchtung nach der Krise

Andry Ehrhart studiert Biotechnologie an der ZHAW Life Sciences und Facility Management und erzählt von seinen Erfahrungen im Lockdown.

In dieser herausfordernden Situation werden wir alle gefordert und dies gleich auf mehreren Ebenen. Es entstehen viele neue Möglichkeiten, es öffnen sich neue Türen und gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen und Unsicherheiten. Für mich war es zunächst schwierig mich mit dieser Situation zurecht zu finden, mittlerweile bin ich dieser Chance dankbar und genau darüber möchte ich berichten.

Die Chancen und Schwierigkeiten des Online-Studiums

Online-Studium

Mein erster Gedanke, als ich den Entscheid des Bundesrates vom 16. März 2020 hörte, war, dass ich extrem viel Zeit sparen werde (Bundesrat beschliesst Lockdown der Schweiz, 2020). Um nach Wädenswil zu kommen, muss ich nämlich zweieinhalb Stunden Zug fahren, einfache Fahrt versteht sich. Durch die Online-Vorlesungen konnte ich mir diesen Weg jeden Morgen sparen. Ich sah darin eine grosse Chance, mehr Zeit für das Selbststudium investieren zu können. Es stellte sich aber heraus, dass ich die zusätzliche Zeit anderweitig verwendete. Netflix, X-Box, aber auch das Velo standen immer griffbereit und dadurch habe ich meinen vorgesehen Lern-Zeitplan nicht ein- gehalten.

Weg mit den Ablenkungen und her mit der Arbeit

Nach ein paar Wochen Eingewöhnungszeit fand ich aber ein gutes Mass zwischen Ablenkung und Konzentration. Ich plane nun meine Woche vor und teile mir Zeiten zum Lernen, aber auch Zeiten zum Entspannen ein. Das schafft einen guten Ausgleich und motiviert. Mit dem Wechsel auf das Online-Studium finde ich mich mittlerweile grösstenteils zurecht. Am meisten Mühe hatte ich mit den Praktika, da ich ein praxisbezogener Mensch bin. Ich halte mich sehr gerne im Labor auf und sehe grosse Chancen im «Lernen durch Versuch und Irrtum» von E. L. Thorndike (Operante Konditionierung nach Thorndike, ohne Datum) Dieser Theorie-Praxis-Transfer fehlte mir sehr. Am herausforderndsten fand ich die Gruppenarbeiten. Viele meiner Mitstudenten arbeiten neben dem Studium, es ist dadurch schwierig gemeinsame Termine zu finden. Ausserdem fehlte mir der persönliche Kontakt und Austausch. Durch die – nicht immer optimale – Internetverbindung war es zum Teil eine Herausforderung, alles richtig zu verstehen. Dennoch bleibe ich der Meinung, dass es gewinnbringend sein kann, gewisse Module weiterhin online anzubieten. Module, in welchen keine praktischen Übungen stattfinden, wie Mathematik, Physik oder auch Informatik, ist es meiner Meinung nach sogar sinnvoller, die Module weiterhin online abzuhalten und lediglich die Prüfungen vor Ort stattfinden zu lassen. Ausserdem sind hier die Aufgaben gut geeignet, um sie im Selbststudium zu ergründen.

Arbeit, Hund, Studium und nebenbei noch Zeit zum Erholen?

Multitasking

Um mein Vollzeitstudium finanzieren zu können, muss ich, wie viele andere Studierende auch, arbeiten gehen (Bundesamt für Statistik, 2010). Als Nebenjob arbeite ich normalerweise in einem Wellnessbad als Badmeister und im Sommer in einem Freibad. Da beides zurzeit ins Wasser fällt, wurde mir eine Stelle in der Entsorgungsstelle meiner Gemeinde angeboten. Ich arbeite deswegen von Montag bis Samstag jeweils vier Stunden am Tag. Dadurch sind meine finanziellen Sorgen abgedeckt. Seit etwa einem Monat habe ich den Hund eines Familienmitglieds übernommen. Der Hund ist pflegeleicht, braucht aber viel Auslauf, gleichzeitig spendet er viel Trost und Freude. Alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach, wird aber trotzdem von mir erwartet. Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst und bin bestrebt, mein Studium mit guten Noten abzuschliessen. Es wurde mir jedoch bewusst, dass ich nicht überall 100% geben kann. Deswegen entschied ich mich, mein Arbeitspensum zu reduzieren. Ausserdem habe ich mir SMART formulierte Ziele gesetzt, um meine Erfolge messen zu kön- nen. Dabei habe ich darauf geachtet, dass ich meine Grobziele in mehrere Feinziele unterteile, um in kleinen Schritten das Semester bestehen zu können (Reichel, 2017). Das strukturierte Vorgehen schenkte mir mehr Erholungszeit, die sich positiv auf meinen Gemütszustand auswirkt.

Weniger Sport durch den Lockdown oder wiederentdecken einer altgeliebten Sportart?

Fahrrad fahren

Der Weg zur ZHAW LSFM fiel weg, die langen Spaziergänge zwischen den Gebäuden und dem Bahnhof ebenfalls. Das re- gelmässige Schwimmengehen konnte auch nicht mehr stattfinden. Dafür sah ich mich eingeschlossen in der Woh- nung. Durch den Hund konnte ich weiterhin spazieren gehen, ansonsten gab es nur wenig zu tun. So kam es, dass ich eine alte, schon fast vergessene Liebe neu aufflammen lassen konnte: das Velofahren. Ich schnappte mir mein
Rennvelo und machte zunächst eine kleine Runde. Dabei merkte ich, wie sehr ich das vermisst hatte. Es war ein tolles Gefühl, wieder Vollgas zu geben und einfach zu fahren. Nun verstehe ich das Zitat von J. F. Kennedy: „Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren“ (Fahrrad Sprüche: 20 wunderbare Fahrrad-Zitate, 2012-2019).

Kein Ende, sondern ein Anfang

Save the world

Es ist und bleibt eine schwierige Zeit, dennoch bleibe ich der Meinung, dass ich viel Neues lernen konnte. Ich hoffe, dass wir am Ende dieser Zeit viele positive Erfahrungen mitnehmen, um gemeinsam in eine andere, neuere Lebensart starten zu können.

Quellen

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Homestudying – Erfahrungen eines Morgenmuffels

Pascal Käslin studiert im Bachelor Umweltingenieurwesen an der ZHAW Life Sciences und Facility Management und gibt Tipps, wie man im Homestudying diszipliniert arbeiten kann.

Wahrscheinlich hast du schon vor Corona davon gehört. Doch erst jetzt, in der Zeit, wo viele Studierende und Angestellte gezwungen sind von zu Hause aus zu arbeiten, wurde es für viele auch zur Realität: Das Homeoffice bzw. das Homestudying. Für die einen ein Fluch, für die anderen ein Segen. Zu welcher Gruppe gehörst du?

Stehst du am Morgen munter auf und setzt dich kurz nach dem Frühstück diszipliniert hinter dein Notebook, um die heutigen Vorlesungen zu bearbeiten? Oder bist du eher wie ich? Ein klassischer Morgenmuffel. Das wäre ja gar nicht so schlimm, wenn da nicht noch tausend andere Dinge auf mich warten, die mir mehr Spass bereiten als die Matheaufgaben von heute. Eigentlich egal zu welcher Gruppe du gehörst, ein paar Tipps können nie schaden. Hier meine Erfahrungen und Tipps und Tricks für diszipliniertes Arbeiten von zu Hause.

Strukturiere deinen Alltag

Nicht an einen Stundenplan gebunden zu sein, bedeutet mehr Freiheit im eigenen Zeit-Management. Dies birgt aber auch Gefahren, die wir wohl alle kennen. Es ist voll und ganz jedem selbst überlassen, wann und sogar ob wir uns die Vorlesungen überhaupt ansehen. Viel Selbstdisziplin, die von uns gefragt ist. Dabei den Überblick zu behalten ist gar nicht so einfach.

Tipp Nr. 1

  • Entwickle eine gute Struktur, die den eigenen Bedürfnissen angepasst ist. Das kann dir dabei helfen, diszipliniert zu bleiben – du schaffst eine Routine, an die du dich gewöhnst. Nach einer gewissen Zeit läuft es dann praktisch von allein.
  • Erstelle beispielsweise einen Lernplan oder noch einfacher: Richte dich nach dem offiziellen Stundenplan. Der muss ja nicht zeitlich auf die Minute eingehalten werden, aber er gibt dir eine gewisse Struktur und du weisst, welche Fächer du täglich bearbeiten solltest.

Arbeite mit Checklisten

Auch wenn ich mich +/- nach dem Stundenplan richte, kann es manchmal überwältigend sein zu wissen, was ich alles zu tun habe. Es sind ja nicht nur Vorlesungen. Nein, auch Teamarbeiten, Präsentationen und Projekte müssen gemacht, besprochen und bearbeitet werden. Ein Mount-Everest von Arbeit. Wo soll ich da nur anfangen? Da geh ich heute doch lieber an den See bei dem schönen Wetter. Schon viele Male habe ich das Motto «Was ich heute kann besorgen, das kann ich auch morgen» praktiziert. Und schon viele Male musste ich am nächsten Tag feststellen: Heute ist es noch schlimmer als gestern. Der Berg wächst, wie bei einer tektonischen Plattenkollision. Zwischen den zwei Platten finde ich mich wieder. Der Druck steigt. Wenn ich jetzt nichts in Angriff nehme, werde ich noch ganz zerquetscht. Und wenn ich ehrlich bin, konnte ich die Zeit am See gar nicht wirklich geniessen.

Tipp Nr. 2

  • Mach dir eine Checkliste. Du verlierst dann den Überblick über deine Arbeiten nicht so schnell. Zusätzlich gibt es dir ein gutes Gefühl, wenn du etwas erledigt hast und auf der Checkliste abhaken kannst. Jedes Mal ein kleines Erfolgserlebnis. «Es ist wie mit dem physikalischen Gesetz der Trägheit: Ist ein schwerer Körper erst in Bewegung, wird es leichter ihn in Fahrt zu halten. „Auch die längste Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt“, lautet ein chinesisches Sprichwort. Also beginnen Sie mit kleinen Schritten.» (Mai, 2018)

Trenne Arbeit von Privatem

Wenn ich nach einem langen Tag an der Hochschule den Campus verlasse, fällt es mir leicht mit dem Schultag abzuschliessen und abzuschalten. Das Verlassen des Campus und der Nachhause-Weg bilden eine psychologische Grenze zwischen Schule und Freizeit. Beim Arbeiten von zu Hause ist das nicht immer so einfach. Gemäss dem AOK-Fehlzeiten-Report (Badura et al., 2019) fällt es 38% der Befragten, die mehrheitlich von zu Hause arbeiten, schwer nach der Arbeit abzuschalten. Während nur 25% der Arbeitenden, die hauptsächlich in der Firma arbeiten, Mühe haben abzuschalten. Diese Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Am Abend noch einen Text fertig schreiben oder eine Teams-Sitzung nach dem Abendessen, praktisch «always-on»!

Tipp Nr. 3

  • Richte dir einen Arbeitsplatz ein. Dieser sollte dann auch wirklich nur zum Arbeiten benutzt werden, wenn möglich nicht im Schlaf- oder Wohnzimmer.
  • Trenne deine Freizeit von der Schule klar ab. Das wirkt sich positiv auf dein Wohlbefinden, deine Produktivität und deine Disziplin aus.
  • Achte auf regelmässige Pausen. Den Gedankenstrom stündlich, wenn auch nur für fünf bis zehn Minuten zu unterbrechen, steigert Produktivität, Kreativität und verbessert die Fähigkeit am Abend abzuschalten.

Finde die richtige Balance

Für unser Wohlbefinden und Selbstdisziplin sind also weder stetiges Aufschieben der Aufgaben noch pausenloses Arbeiten hilfreich.

Tipp Nr. 4

  • Finde eine gute Balance. Nach einem ausgeglichenen Tag, an dem ein paar Punkte abgehakt werden konnten, kannst du mit einem guten Gefühl Feierabend machen. Du kannst dann die schönen Dinge im Leben geniessen und Energie für den nächsten Tag tanken.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Studieren im Homeoffice!

Quellenverzeichnis

Badura, B., Ducki, A., Schröder, H., Klose, J. & Meyer, M. (Hrsg.) (2019). Fehlzeiten-Report 2019. Digitalisierung – gesundes Arbeiten ermöglichen. Heidelberg: Springer-Verlag GmbH.

Mai, J. (2018). Disziplin lernen: 10 Tipps für mehr Selbstdisziplin. Abgerufen am 14.05.2020 von karrierebibel.de. https://karrierebibel.de/disziplin-selbstdisziplin/

Bild:       https://www.colourbox.de/bild/zuhause-online-unsauber-bild-27983396

Ein Team durch Teams: Zusammenarbeit im digitalen Zeitalter

Dorothea Geeler studiert im Bachelor Facility Management an der ZHAW Life Sciences und Facility Management und gibt einige Tipps, wie man die digitale Zusammenarbeit im Studium meistern kann.

In der momentanen Lage, in der für die Studierenden der Kontaktunterricht ausfällt, verändert sich auch die Lernumgebung und die Art, Arbeiten zu schreiben. Besonders die Gruppenarbeiten sorgen für Schwierigkeiten und brauchen kreative Lösungen. Denn #stayathome ist auch jetzt noch ein wichtiger Slogan für uns alle. Nachfolgend stelle ich eine Applikation vor, welche die Zusammenarbeit wesentlich vereinfacht.

Microsoft Teams

Microsoft Teams ist eine Plattform, die den ZHAW-Angehörigen gratis zur Verfügung steht, denn sie ist in Office-365 integriert. Über dieses Programm können, wie der Name schon aussagt, Teams gegründet werden und es kann in diesen Teams gearbeitet werden. Die Handhabung ist eigentlich sehr einfach und wie viele Applikationen selbsterklärend. Für Probleme jeglicher Art gibt es entweder den guten Doktor Google oder direkt die Microsoft Teams-Hilfe und E-Learning Angebote. Wenn ihr ein neues Team eröffnet, solltet ihr die Vorlage «Andere» wählen. Gerne möchte ich hier ein paar Tipps und Anmerkungen mit euch teilen, die mir bei der Arbeit mit Teams aufgefallen sind.

Einführung in MS Teams

Digitales Treffen

Da ein analoges Treffen zurzeit nicht wirklich verantwortungsvoll ist, bleiben nur noch die Videokonferenzen. Über MS Teams kann man in der gegründeten Gruppe einen Videoanruf machen und diesen bei Bedarf auch aufzeichnen. Gerade für Gruppenarbeiten ist dies genial. Wem die Kamera nicht so liegt, der kann natürlich auch auf den Chat wechseln und sich so mit seinen Teammitgliedern unterhalten. Den Hintergrund kann man bei MS Teams übrigens weichzeichnen oder neu auch durch ein frei wählbares Hintergrundbild ersetzen, damit niemand das Chaos im Zimmer sieht (Video-Tutorial).

Termine regeln

Ein hauseigener Kalender ist für eine unkomplizierte Planung immer ein Segen. Auch MS Teams ist damit ausgestattet und gibt somit eine Hilfe zur Planung der Gruppenaktivitäten. Videokonferenzen, Chaträume und auch gemeinsame Arbeitszeiten können somit geplant und die Termineinladung gleich an alle Teammitglieder versendet werden (Video-Tutorial).

Dokumentenablage

Über MS Teams lässt sich nicht nur chatten, telefonieren und planen, sondern auch Dokumente können dort gespeichert und kollaborativ bearbeitet werden. Die Ordner auf MS Teams lassen sich mit dem OneDrive-Ordner synchronisieren, so dass alle Dokumente über den Explorer abgerufen werden können. Somit hat man immer noch alles an einem Ort und behält den Überblick.

Verknüpfungen

Die Plattform lässt sich übrigens auch mit anderen Applikationen verknüpfen. Dafür musst du nur bei dem Team auf das + klicken und eine neue Registerkarte mit dem beliebigen App hinzufügen. Was sich gerade für Gruppenarbeiten besonders eignet, ist «Meister Task». Damit lässt sich eine To-Do-Liste erstellen. Bei meinen ehemaligen Gruppenarbeiten haben wir dies oft genutzt, um Aufgaben zu erfassen und sie der Person zuzuteilen. Wenn jede und jeder dann den Stand der Aufgaben aktualisiert, behält man auch bei grösseren und komplexen Aufträgen den Überblick.

Das kann in etwa so aussehen:

Beispiel einer „To-Do-Liste“ in Meister Task

Alternativ zu Meister Task könnt ihr auch den Microsoft Planner nutzen, der bei Office 365 ebenfalls mit dabei ist.

Teams mit externen Gästen

Wenn man sich mit dem ZHAW-Login auf MS Teams registriert, hat man automatisch auch Zugriff auf alle anderen Nutzer/-innen mit einem ZHAW-Konto und kann mit jeder beliebigen Person innerhalb der Organisation ein Team gründen. Wenn die Plattform für ausserschulische Aktivitäten genutzt werden soll, kann man allerdings auch Gäste zu einem Team hinzufügen. Dafür einfach die Mailadresse der gewünschten Person eingeben und schon steht der Zusammenarbeit nichts mehr im Weg.

Ich hoffe, durch den Artikel konntet ihr einige neue Dinge über MS Teams erfahren und könnt dadurch auch den vollen Nutzen aus dieser Plattform ziehen. Allen da draussen eine gute Zeit und bleibt gesund!

Hast du eigene Tipps und Tricks zu MS Teams? Teile Sie über die Kommentarfunktion unten!

Nützliche Links

Tipps zum digitalen Studium: Mach dir das Leben einfacher

Dorothea Geeler studiert im Bachelor Facility Management an der ZHAW Life Sciences und Facility Management und gibt in diesem Beitrag einige Tipps, wie man die digitale Herausforderung im Studium meistern kann.

Als ich mein Studium im 2017 anfing und hörte das es papierlos sei, stöhnte ich erst mal. Als papierliebende, handschriftliebende und kreative Person graute es mir schon vor der Digitalisierung im Unterricht. Ich nahm mir fest vor dies nicht mitzumachen. Ich wollte die Skripts ausdrucken, alles Wichtige – also alles – highlighten und Notizen einfügen. Dieser Vorsatz hielt aber nicht lange. Wir Studierenden kennen doch alle die ewig langen Dossiers, die nicht aufhörenden Aufgabenblätter und die ständig aktualisierten Unterrichtsfolien. Wenn ich all dies ausdrucken würde, würden viele Bäume sterben, Unmenge an Druckerfarbe verbraucht und schlussendlich würde alles wieder im Papierabfall landen. Deshalb lasst es. Denkt nicht so wie ich zu Beginn und lasst euch auf die digitale Welt ein.

Der richtige Laptop

Das erfolgreiche papierlose Leben beginnt mit einem Computer. Nicht mit einer XXL-Maschine aus der Steinzeit, sondern mit einem handlichen, leichten und kleinen Laptop. Wenn ich mich in meiner Klasse umschaue gibt es zwei vorherrschende Modelle: Das Microsoft Surface Pro und das Microsoft Surface Book. Über die Vor- und Nachteile lässt sich streiten, schlussendlich kommt es auf den persönlichen Geschmack an. Ein kurzer Tipp von mir; wenn ihr viel unterwegs seid und im Zug arbeiten möchtet, dann nehmt das Microsoft Surface Book. Mit dem anderen lässt es sich ohne Tisch nicht so gut arbeiten.

Das richtige PDF-Programm

Wie an einer Hochschule Pflicht, erhalten wir von den Dozierenden immer PDFs mit unzähligen Seiten und einer grossen Menge an Unterrichtsstoff. Wenn man im Unterricht, oder neu in einem Webinar oder Screencast, aufmerksam zuhört, muss man natürlich auch Notizen in das PDF einfügen und dafür braucht man ein gutes Programm. Viele benutzen Adobe Acrobat Reader, andere benutzen den Foxit Reader oder XODO und wieder andere OneNote. Ich habe all die vorherigen natürlich auch ausprobiert, aber der wahre Gewinner ist für mich Drawboard PDF. Es ist leider nicht gratis (CHF 15.-), aber dafür umso genialer. Allerdings macht dieses Programm nur dann Sinn, wenn euer Laptop eine Touch-Funktion und einen Stift hat.

Die richtige Zusammenarbeit

Die meisten Studierenden hassen Gruppenarbeiten und die meisten Dozierenden lieben sie. Und da wir hier an der Hochschule nicht das Sagen haben, müssen wir durch diese Arbeiten hindurch und uns die nötigen Kompetenzen aneignen. Dies heisst auch, dass gemeinsam an einem Dokument gearbeitet wird, alle dieselben Informationen zur Verfügung haben müssen und so weiter und so fort. Auch wer OneDrive nicht mag, muss für Arbeiten wohl darauf umsteigen. Ein wirklich gutes Tool für die Zusammenarbeit ist das Programm MS Teams. Dort könnt ihr Gruppen erstellen, Video-Konferenzen halten – was ja in Zeiten von Online-Unterricht super ist – und ihr könnt dort auch gleich Dokumente abspeichern. Was wir alten Hasen aber mittlerweile gemerkt haben; gleichzeitig an einem Dokument zu arbeiten ist immer wie Roulette spielen. Manchmal gewinnt ihr und manchmal verliert ihr. Ich wünsche euch Nerven aus Stahl für die anstehenden Arbeiten.

Die richtige Ordnung

Ein Mantra, welches ein Stück weit mein Lebensmotto ist, ist «Ordnung, Struktur und Planung machen das Leben einfacher». Das stimmt auch bei der digitalen Ordnung auf deinem Laptop. Überlege dir ein System, wie du die ganzen Dokumente ablegen willst und wie du den Überblick über alles behältst. Nichts ist mühsamer, als wenn du ewig nach einem Dokument suchst. Zeichne dir vielleicht mal auf einem Blatt Papier auf, wie du alles haben möchtest. Flussdiagramme sind dafür immer gut.

Soweit meine Erfahrungen aus dem papierlosen Studium. Es ist eine Gewöhnungssache, aber es macht das Leben tatsächlich auch einfacher, wenn man den Dreh raus hat. Jetzt, wo wir alle Zuhause bleiben müssen und auch digitalen Unterricht haben, ist doch die Zeit perfekt um sich neue Kenntnisse und Tricks anzueignen.

Geniesst die Sonne und das Home Schooling!

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