Schon während des Studiums den eigenen Betrieb aufbauen, mit Heilpflanzen arbeiten und nachhaltige Produkte entwickeln: Der berufliche Weg von Reto Gabriel zeigt, wie vielseitig und praxisnah die Möglichkeiten nach dem Studium Umweltingenieurwesen sind.

Reto Gabriel
Umweltingenieurin mit Vertiefung Biologische Landwirtschaft, ZHAW-Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Studienbeginn 2016
Betriebsleiter, Kräuterhof und Pflanzendestillerie Amriza (80 %) und Projektmitarbeiter, Hortus Officinarum (20 %)
Wie wird aus einer Idee für einen Kräuterhof ein beruflicher Alltag zwischen Pflanzenproduktion, Produktentwicklung und Wissenstransfer? Für Absolvent Reto Gabriel zeigt das Studium Umweltingenieurwesen, wie sich wissenschaftliche Grundlagen und praktische Umsetzung erfolgreich verbinden lassen.
Heute arbeitet er sowohl bei Amriza als auch bei Hortus Officinarum. Sein Tätigkeitsfeld ist vielseitig und reicht von der Produktion, Produktentwicklung und Qualitätssicherung bis hin zur Organisation und Durchführung von Weiterbildungen und Workshops. Besonders wichtig ist ihm dabei die Verbindung von Praxis, Forschung und Wissensvermittlung.
«Bei Amriza reichen meine Aufgaben vom Anbau der Kräuter über die Trocknung und Destillation bis hin zur Herstellung und Entwicklung von Produkten.»
Auch die Arbeit mit Heilpflanzen bei Hortus Officinarum spielt eine zentrale Rolle. Dabei begleitet er Projekte zur Erhaltung und Qualitätssicherung sowie zum Wissenstransfer. Besonders spannend ist für ihn die sogenannte Bonitur verschiedener Akzessionen – also die systematische Bewertung und Auswahl geeigneter Pflanzenlinien.
Studium und Unternehmensgründung gleichzeitig
Der Weg in die Selbstständigkeit begann bereits während des Studiums. Gemeinsam mit seiner Freundin baute Reto Gabriel früh Kräuter an, verarbeitete sie weiter und vermarktete die Produkte selbst. Aus diesem anfänglichen Interesse entstand nach und nach die Vision eines eigenen Kräuterhofs – Studium und Unternehmensgründung entwickelten sich dabei parallel.
Auch seine Bachelorarbeit war eng mit der Praxis verknüpft: Darin untersuchte er, ob sich der kleinräumige Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen im Baselbiet wirtschaftlich für einen Betrieb eignet.
«Auf die Stelle bei Hortus Officinarum bin ich durch einen Chat der Umweltingenieur:innen gestossen.»
Sein Werdegang zeigt, wie sich Inhalte aus dem Studium direkt mit praktischen Erfahrungen und eigenen Projekten verbinden lassen.

Wissenschaftliches Arbeiten als wichtige Grundlage
Neben dem Fachwissen zur biologischen Landwirtschaft hebt Reto Gabriel besonders die Bedeutung wissenschaftlicher Methoden hervor. Gerade der professionelle Umgang mit Daten sei für seine heutige Arbeit zentral.
«Ich habe gelernt, Daten systematisch zu erfassen, zu analysieren, zu hinterfragen und daraus fundierte Schlüsse zu ziehen.»
Diese Kompetenzen helfen ihm heute bei der Bewertung von Pflanzenlinien ebenso wie bei Entwicklungsprojekten und betrieblichen Entscheidungen.
Lernen durch Praxis und Innovation
Dass Lernen nach dem Studium nicht endet, zeigt ein weiteres Projekt: Im Rahmen eines Regionalentwicklungsprojekts konnte eine mobile Pflanzendestillerie realisiert werden. Der Bau einer grösseren Destille mit Pyrolysebrenner brachte wertvolle praktische Erfahrungen – von der Herstellung ätherischer Öle bis zur Produktion von Pflanzenkohle.
Gerade diese Kombination aus technischem Verständnis, Nachhaltigkeit und praktischer Umsetzung macht das Berufsfeld im Bereich biologische Landwirtschaft und Hortikultur besonders spannend.
Eigene Interessen frühzeitig vertiefen
Studieninteressierten empfiehlt Reto Gabriel, sich früh Gedanken über mögliche berufliche Interessen zu machen:
«Es lohnt sich zu überlegen, in welchem Bereich ihr später arbeiten möchtet. So könnt ihr gezielt die Module wählen, Praktika suchen oder Projekte durchführen, die euch in eurer Entwicklung weiterbringen.»
Das Studium Umweltingenieurwesen an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften bietet vielfältige Möglichkeiten – von praxisnahen Projekten bis hin zu individueller Schwerpunktsetzung. So entsteht ein Studium, das Theorie und Praxis verbindet und den Weg für innovative Ideen in Landwirtschaft und Hortikultur öffnet.