Städte sind verdichtet, laut und ständig in Bewegung. Gerade deshalb lohnt sich der zweite Blick: Wo findet Natur hier noch ihren Platz? ZHAW-Studierende haben sich auf Spurensuche begeben und untersucht, wie Biodiversität im Siedlungsraum gefördert werden kann. Ihre Erkenntnisse haben sie in einer Podcast-Serie festgehalten – mit überraschenden Einblicken in den urbanen Alltag.
Ein Zug fährt ein. Menschen überqueren den Bahnhofplatz, Autos rollen vorbei. Beton, Asphalt und Glas bestimmen das Bild. Wer an Biodiversität denkt, denkt vielleicht eher an einen Wald, eine Wiese oder ein Naturschutzgebiet.
Doch mitten in der Stadt leben Tiere und Pflanzen dort, wo man sie kaum vermutet: zwischen Gleisen, in Wohnsiedlungen, auf Schulhausplätzen oder in kleinen Gärten. Eine Wildbiene findet Nahrung zwischen Pflastersteinen. Eine Fledermaus nutzt eine Gebäudespalte als Quartier. Auf einem Bahnareal entstehen wertvolle Ruderalflächen. Und aus einem eintönigen Schulhausplatz wird ein Ort, an dem Kinder Biodiversität erleben können.
Die Stadt lebt – oft dort, wo man im hektischen Alltag nicht hinschaut.
Genau diese verborgene Seite des urbanen Raums haben Studierende des Bachelorstudiengangs Umweltingenieurwesen am ZHAW Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR) untersucht. Im Modul «Urbane Biodiversität» ging es um eine zentrale Frage:
Wie lässt sich Natur in einer dicht genutzten Stadt fördern – und wer kann dazu beitragen?
Dafür verliessen die Studierenden den Seminarraum, recherchierten vor Ort, sprachen mit Fachpersonen und entwickelten daraus Podcastfolgen. Neben ökologischen Zusammenhängen standen dabei auch Kommunikation und Perspektivenwechsel im Zentrum: Wie lässt sich komplexes Fachwissen so vermitteln, dass es für unterschiedliche Menschen verständlich und relevant wird?
Wenn aus Theorie ein Podcast wird
Urbane Biodiversität betrifft weit mehr als Pflanzen und Tiere. Architektur, Landschaftsplanung, Politik, Bildung, Infrastruktur und Grünraumpflege entscheiden mit darüber, ob in der Stadt wertvolle Lebensräume entstehen.
Insgesamt 13 Podcastfolgen beleuchten deshalb ganz unterschiedliche Facetten der urbanen Biodiversität. Sie führen zu Wohnsiedlungen, Schulhausplätzen, Gemeinden, Bahnarealen und stark befahrenen Strassen – und zeigen, dass Biodiversität oft dort beginnt, wo Planung und Alltag aufeinandertreffen.
Fünf dieser 13 Folgen stellen wir hier näher vor. Sie zeigen exemplarisch, wie vielfältig die Fragestellungen sind und welche Akteurinnen und Akteure dazu beitragen können, Natur auch im Siedlungsraum zu fördern.

Die fünf Podcastfolgen
🏠 Urbane Fauna in der Wohnsiedlung
Fokus: Architektur
Wie können Wohnsiedlungen Lebensraum für Menschen und Tiere bieten? Am Beispiel der Fledermaus zeigen die Studierenden, warum geeignete Quartiere, dunkle Korridore, ein gutes Nahrungsangebot und strukturreiche Aussenräume bereits in der Planung berücksichtigt werden sollten.
🎧 Podcast: Bauen für Mensch und Fledermaus
🐝 Urbane Fauna im Schulhaus
Fokus: Lehre
Ein Schulhausplatz kann mehr sein als Asphalt und Pausenfläche. Die Folge zeigt, wie Ruderalflächen, geeignete Pflanzen und Nisthilfen Lebensräume für Wildbienen schaffen – und gleichzeitig zu spannenden Lernorten für Kinder werden.
🎧 Podcast: Wildbienen auf dem Pausenplatz
🏘️ Politische Rahmenbedingungen für Biodiversität im Siedlungsraum
Fokus: Gemeinde & Bevölkerung
Was braucht es, damit aus einem politischen Ziel konkretes Handeln wird? Am Beispiel von Mettmenstetten zeigen die Studierenden, wie Gemeinden mit Beratung, Leitbildern und praktischen Angeboten Einwohnerinnen und Einwohner für mehr Biodiversität gewinnen können.
🎧 Podcast: Herr Suter macht’s biodivers
🌿 Urbane Fauna im Bahnareal
Fokus: Stadtverwaltung & Politik
Zwischen Gleisen und Schotter kann erstaunlich viel Natur entstehen. Die Folge nimmt das Bahnareal zwischen Zürich Hauptbahnhof und Zürich Altstetten unter die Lupe und zeigt, welches ökologische Potenzial solche Flächen haben – aber auch, wo Sicherheit, Betrieb und Biodiversität miteinander abgewogen werden müssen.
🎧 Podcast: Zwischen den Gleisen blüht das Leben
↔️ Vernetzung im Verkehrsraum
Fokus: Planung
Strassen verbinden Orte für Menschen – für Tiere können sie hingegen Barrieren sein. Am Beispiel der Rosengartenstrasse in Zürich untersuchen die Studierenden, wie Verkehrsflächen ökologisch durchlässiger werden und Lebensräume miteinander verbunden werden können.
🎧 Podcast: Stadt vernetzen – Natur verbinden
Umwelt studieren, Lösungen entwickeln
Die fünf Podcastfolgen zeigen exemplarisch, was ein Studium des Umweltingenieurwesens ausmacht: ökologische Fragen verstehen, reale Situationen analysieren, unterschiedliche Interessen berücksichtigen und daraus konkrete Lösungen entwickeln.
Wer Umwelt nicht nur studieren, sondern mitgestalten möchte, findet im Bachelor Umweltingenieurwesen an der ZHAW eine Verbindung von Naturwissenschaften, Planung, Praxis und gesellschaftlichen Fragestellungen – und damit vielfältige Perspektiven für eine lebenswerte Zukunft.
Redaktion: Andrea van der Elst, ZHAW IUNR
