Der Sichuanpfeffer mit roten Früchten und die Chinesische Waldrebe mit weissen Blüten im TCM-Arzneipflanzen-Garten der ZHAW Wädenswil.

10 Jahre TCM-Arzneipflanzen-Garten der ZHAW Wädenswil

Dornen, Blüten und rote Früchte – wenn Pflanzen Geschichten erzählen

Ein dorniger Strauch mit leuchtend roten Früchten, umrankt von einer zart blühenden Kletterpflanze: Im TCM-Arzneipflanzen-Garten der ZHAW Wädenswil erzählt diese ungewöhnliche Pflanzenbegegnung eine faszinierende Geschichte. Zum zehnjährigen Bestehen lädt der öffentlich zugängliche Garten dazu ein, die Welt der Arzneipflanzen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zu entdecken – dort, wo Botanik, Gartenkultur und jahrhundertealtes Heilpflanzenwissen lebendig werden.

Wenn der Sichuanpfeffer zur Kletterhilfe wird

Wer durch den Garten spaziert, entdeckt an vielen Orten solche überraschenden Pflanzenpartnerschaften. Eine der schönsten zeigt sich jeweils im Spätsommer. Dann trägt der Sichuanpfeffer (Zanthoxylum bungeanum) seine leuchtend roten Früchte. Gleichzeitig windet sich die Chinesische Waldrebe (Clematis chinensis) mit ihren filigranen weissen Blüten durch seine dornigen Zweige. Der Strauch bietet der Kletterpflanze ein natürliches Gerüst – gemeinsam entstehen eindrucksvolle Bilder aus Dornen, Blüten und Früchten.

Diese Kombination ist jedoch weit mehr als ein ästhetischer Blickfang. Sie macht unterschiedliche Wuchsstrategien sichtbar, zeigt ökologische Zusammenhänge und eröffnet einen faszinierenden Zugang zu zwei Arzneipflanzen, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin seit Jahrhunderten verwendet werden.

Eine besondere Pflanzenbegegnung im TCM-Arzneipflanzen-Garten der ZHAW Wädenswil: Der Sichuanpfeffer trägt seine roten Früchte, während sich die Chinesische Waldrebe mit ihren weissen Blüten durch seine Zweige windet.

Zwei Arzneipflanzen, zwei Wirkprinzipien

Der Sichuanpfeffer ist vielen als Gewürz bekannt. In der TCM trägt er den Namen Huajiao. Verwendet wird ausschliesslich die getrocknete Fruchtschale; die schwarzen Samen im Inneren werden entfernt. Ihr charakteristische, leicht kribbelnde Schärfe macht den Sichuanpfeffer unverwechselbar.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin zählt Huajiao zu den wärmenden Arzneien. Traditionell wird er bei sogenannten Kälte-Mustern des Verdauungstrakts eingesetzt, etwa bei Bauchschmerzen, Kältegefühl, Erbrechen oder Durchfall. Meist wird die Fruchtschale mit weiteren wärmenden Arzneipflanzen wie getrocknetem Ingwer, Ginseng oder Malzzucker kombiniert. Ein bekanntes Beispiel ist die klassische Rezeptur Da Jian Zhong Tang, die der Erwärmung und Stärkung der sogenannten Mitte dient.

Bei der Chinesischen Waldrebe steht dagegen nicht die Blüte, sondern die Wurzel im Mittelpunkt. Unter dem Namen Weilingxian werden ihre getrockneten Wurzeln und Rhizome traditionell bei sogenannten Wind-Feuchtigkeits-Mustern verwendet. Dazu zählen Beschwerden des Bewegungsapparates wie schmerzende oder steife Gelenke, verspannte Sehnen oder eine eingeschränkte Beweglichkeit. Auch Weilingxian wird in der Regel als Bestandteil komplexer Rezepturen eingesetzt, in denen sich verschiedene Arzneipflanzen in ihrer Wirkung ergänzen.

Im Garten werden diese unterschiedlichen Eigenschaften auf eindrucksvolle Weise sichtbar: Der kräftige Sichuanpfeffer gibt Halt, die Waldrebe nutzt diese Struktur und bringt Leichtigkeit in das Bild.

Vom Knospenstadium bis zur Blüte: Im TCM-Arzneipflanzen-Garten der ZHAW Wädenswil lassen sich die Entwicklungsphasen der Arzneipflanzen über die Jahreszeiten hinweg beobachten.

Zehn Jahre Pflanzenwissen zum Entdecken

Seit zehn Jahren verbindet der TCM-Arzneipflanzen-Garten der ZHAW Wädenswil Botanik, Gartenkultur und traditionelle Arzneipflanzenkunde auf einzigartige Weise. Als Living Lab ist er weit mehr als eine botanische Sammlung: Hier werden Arzneipflanzen kultiviert, beobachtet und erforscht – und ihr Wissen wird an lebenden Pflanzen erfahrbar.

Im Wechsel der Jahreszeiten lassen sich Blüten, Früchte, Wuchsformen und ökologische Wechselwirkungen entdecken. Begegnungen wie jene zwischen Sichuanpfeffer und Chinesischer Waldrebe zeigen anschaulich, was sonst in Fachbüchern beschrieben wird: wie Pflanzen wachsen, sich an ihre Umwelt anpassen und miteinander interagieren.

Für Studierende ist der Garten ein praxisnaher Lernort, für Forschende eine Plattform für Beobachtung und Wissenstransfer. Besucherinnen und Besucher können Arzneipflanzen in ihrem natürlichen Zusammenhang erleben und Pflanzen entdecken, die sie bisher vielleicht nur als Gewürz oder Heilpflanze kannten. Wer genau hinschaut, entdeckt hinter Dornen, Blüten und Früchten faszinierende Geschichten über Pflanzen und ihre jahrhundertealte Bedeutung in der Medizin.

Der öffentlich zugängliche Garten lädt dazu ein, dieses lebendige Pflanzenwissen selbst zu erkunden – bei einem Spaziergang zwischen den Beeten oder im Rahmen einer Führung. Mehrmals im Jahr finden zudem kostenlose öffentliche Führungen und Veranstaltungen statt, bei denen Interessierte den Garten und seine Arzneipflanzen kennenlernen können. Die Termine sind auf der Webseite der ZHAW Gärten sowie im Veranstaltungskalender der Gärten ausgeschrieben.


Kontakte & Infos

Regula Treichler (Autorin)
Andreas Lardos
Thomas Kimmich
Nina Zhao-Seiler

Gärten im Grüental | ZHAW Life Sciences und Facility Management
ZHAW Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR)

Redaktion: Andrea van der Elst


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