Im Zürcher «WolkenWerk» wird sichtbar, wie Städte mit Wasser, Vegetation und Freiraum klimaresilient gestaltet werden können. Das Projekt zeigt eindrücklich: Die Stadt von morgen braucht Fachpersonen, die Schwammstadt-Konzepte ganzheitlich planen und umsetzen können.
An einem heissen Sommertag wirkt das WolkenWerk in Zürich-Nord fast wie eine grüne Insel zwischen Strassenraum und Hochhäusern. Bäume spenden Schatten und kühlen die Umgebung, begrünte Dachflächen halten das Regenwasser zurück und leiten es gedrosselt in das oberirdische Retentionsbecken, statt es sofort in die Kanalisation einzuleiten. Die grüne Oase und die hochwertige Freiraumgestaltung wird durch das durchdachte Schwammstadt-Konzept unterstützt.
Vom Hochhausdach bis zum Retentionsbecken
Das Wasser nimmt im WolkenWerk einen ungewöhnlichen Weg: Es fällt auf die begrünten Extensiv-Dächer der Hochhäuser, fliesst über Fallrohre weiter auf die Dachgärten des Sockelbaus und wird dort weiter zurückgehalten. Das überschüssige Wasser wird über Fallrohre in offene Rinnensysteme der Umgebung geleitet, welches schlussendlich in dem oberirdischen Retentionsbecken mündet. Die Substrate halten grosse Mengen Wasser zurück und versorgen die Vegetation über längere Zeit.
Gleichzeitig entsteht durch Verdunstung ein natürlicher Kühlungseffekt – ein wichtiger Beitrag für das Mikroklima in dicht bebauten Stadtquartieren.
«Regenwasser darf in der Stadt nicht länger möglichst schnell abgeleitet werden. Es muss als Ressource verstanden und intelligent in urbane Räume integriert werden.»
Alain Bertschy, Leiter des CAS Schwammstadt am ZHAW-Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen

Begrünung als Teil der Lösung
Damit das Schwammstadt-Prinzip im Sinne der Kreislaufwirtschaft langfristig funktioniert, spielt die Vegetation eine zentrale Rolle. Innerhalb der Wohnüberbauung wurden Pflanzenarten mit grossen Standortamplituden gepflanzt , welche mit wechseltrockenen Standortverhältnissen umgehen können und gleichzeitig zur Kühlung des Stadtraums beitragen.
Besonders anspruchsvoll war die Begrünung der Dachflächen: Die Substrate müssen Wasser speichern, Pflanzen versorgen und gleichzeitig leicht genug bleiben, um die Gebäudestruktur nicht unnötig zu belasten. Begleitet wurde das Projekt unter anderem von Axel Heinrich aus der Forschungsgruppe Pflanzenverwendung der ZHAW.

Mehr als nur Entwässerung
Das Besondere am WolkenWerk ist die Art, wie Wasser, Vegetation und Substrate im Freiraum zusammenspielen. Die klimaresistente Bepflanzung verbessert die Aufenthaltsqualität, reduziert Hitze und fördert gleichzeitig die Biodiversität mitten in der Stadt.
So wird Regenwasser nicht als Problem betrachtet, sondern als Ressource für eine lebenswertere Stadt.
«Schwammstadt bedeutet, Wasser, Vegetation und Stadtraum gemeinsam zu denken. Nur so entstehen klimaresiliente Quartiere mit hoher Aufenthaltsqualität.»
Alain Bertschy
Die Stadt von morgen braucht neue Kompetenzen
Projekte wie das WolkenWerk zeigen, dass klimaangepasste Stadtentwicklung heute weit mehr ist als klassische Entwässerung. Gefragt sind integrierte Lösungen, die Grün-, Blau- und Grau-Infrastrukturen gemeinsam denken.
Dafür braucht es Fachwissen aus unterschiedlichen Disziplinen – von Landschaftsarchitektur und Stadtplanung über Tiefbau- und Umweltengineering bis hin zur Siedlungsentwässerung.
Mit zunehmenden Hitzesommern und Extremwetterereignissen wächst der Bedarf an Fachpersonen, die solche klimaresilienten Lösungen planen und umsetzen können. Genau hier setzt der CAS Schwammstadt der ZHAW an: Die Weiterbildung vermittelt praxisnahes Wissen für blau-grüne Infrastrukturen, wassersensible Planung und resiliente Städte von morgen.
Redaktion: Andrea van der Elst
Kontakt:
Alain Bertschy
Forschungsbereich Pflanzenverwendung,
ZHAW-Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR)
