Der Landwirt und ein Forscher der ZHAW beim Kompostiersystem direkt im Stallgebäude

Mistkompostierung in der Berglandwirtschaft: Innovativer Container aus dem Engadin

Innovative Mistkompostierung statt Emissionen: Ein Landwirt aus S-chanf im Engadin hat ein neuartiges Kompostiersystem für Stallmist entwickelt, das auch im Winter zuverlässig funktioniert. Der geschlossene Kompostcontainer reduziert Emissionen von Ammoniak, schont Gewässer und verbessert die Nährstoffnutzung – ein zukunftsweisender Ansatz für eine nachhaltige Berglandwirtschaft.

Die langen Winter im Engadin stellen die Berglandwirtschaft vor besondere Herausforderungen: Auf den Höfen sammelt sich über Monate viel Mist aus der Schaf- und Rinderhaltung. Aus Platzmangel wird dieser oft frühzeitig auf die Wiesen ausgebracht – lange bevor er pflanzenverfügbar oder umweltverträglich wäre. Die Folge: Der Mist bleibt ungenutzt liegen oder muss aufwendig eingearbeitet werden. Zudem gelangen immer wieder Stickstoffverbindungen in angrenzende Gewässer und die Luft – mit unerwünschten ökologischen Folgen. Dass diese Praxis nicht zukunftsfähig ist, erkannte auch ein Landwirt aus S-chanf. Er hat nun eine kreative Lösung für dieses alte Problem gefunden.

Zwischen Stall, Boden und Idee

Peter Angelini ist Landwirt mit Leidenschaft. Er liebt seine Schafe, tüftelt gerne und setzt sich mit
Herzblut für die Fruchtbarkeit seiner Böden ein. Auf seinem Hof will er Kreisläufe schliessen, Ressourcen effizient nutzen und die Umwelt schonen – auch im Winter. Schon vor 20 Jahren begann er, über Alternativen zur herkömmlichen Mistnutzung nachzudenken. Der Auslöser: Beobachtungen auf seinen Wiesen und bei Wasserproben des Inns zeigten die Problematik der Rohmistausbringung. Die Idee, Mist mithilfe von Mikroorganismen vor zu behandeln, reifte langsam.

Ein Kompostierkurs brachte entscheidende Impulse – doch eine Herausforderung blieb: Die Kompostierung in Feldrandmieten ist im Winter schwer steuerbar. Feldrandmieten sind langgestreckte Haufen aus Mist, Grüngut oder Ernteresten, die mit einem Vlies abgedeckt am Feldrand lagern und dort verrotten. Der biologische Abbau hängt stark von Aussentemperatur, Feuchtigkeit und Sauerstoff ab. Im Winter bremsen Kälte, Frost und Nässe die mikrobielle Aktivität, die Rotte verläuft ungleichmässig, die Temperaturen bleiben zu niedrig und eine zuverlässige Hygienisierung (z.B. von Unkrautsamen) ist kaum gewährleistet. Zudem können nährstoffreiche Sickersäfte verloren gehen und Emissionen von Ammoniak und klimaschädlichen Gasen entstehen.

Dann kam Angelini die zündende Idee: ein geschlossener Container mit integriertem Kompostiersystem direkt im Stallgebäude – eine kompakte, kontrollierbare Lösung, die auch im Winter zuverlässig funktioniert. Die Nährstoffe bleiben verfügbar, die Wärme wird genutzt, und Emissionen können reduziert werden.

Für die Hygienisierungsphase im Kompostierprozess sind Temperaturen von > 65° erwünscht.

Unterstützt von Wissenschaft und Politik

Umgesetzt werden konnte das Konzept dank Angelinis Teilnahme am Projekt «Klimaneutrale Landwirtschaft Graubünden», das ihn beim Bau eines Prototyps unterstützte. Die Zusammenarbeit mit der ZHAW als Projektpartnerin ermöglichte eine enge Verzahnung von Praxis, Forschung und Technik. Gefördert wird das Vorhaben durch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) im Rahmen der Umwelttechnologieförderung. Ziel ist es, den Kompostierprozess im Container möglichst emissionsarm zu gestalten – insbesondere durch den Einsatz eines Luftwäschers und Biofilters zur Reduktion von Ammoniakemissionen. Auch die Nutzung der Prozesswärme wird getestet. Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend – das Projekt läuft noch bis 2027 und könnte Vorbild für andere Regionen werden.


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