Allgemein

WINsights Symposium 2019: Einblicke in die aktuellsten Entwicklungen und Trends der Digitalisierung

Mitte März fand zum ersten Mal das WINsights Symposium der ZHAW School of Management and Law statt. Ein Tag voller digitaler Eindrücke und Erlebnisse, der so schnell nicht vergessen geht.

Das neue WINsights Symposium des ZHAW Instituts für Wirtschaftsinformatik eröffnete niemand geringeres als Zukunftsforscher Dr. David Bosshart vom Gottlieb Duttweiler Institut. Unter dem Titel «IQ x IQ + AIQ + EIQ» erläuterte er das Zusammenspiel von menschlicher und künstlicher Intelligenz und hielt nüchtern fest, was sich die meisten vielleicht schon gedacht haben: Der Programmierer ist der neue Handwerker. Unser Leben wird immer digitaler und immaterieller, wir erleben Immersion statt Simulation und haben uns vom Konsumenten längst zum Prosumenten entwickelt. Die Arbeit der «PC-Fritzen» wird längst nicht mehr als reines Mysterium, sondern als kreatives Handwerk zur Ergänzung und Vereinfachung unterschiedlichster Prozesse angesehen.

Cyber Security und Datenschutz sind wichtige Themen

In vier verschiedenen Impulsreferaten gaben ZHAW-Dozierende und -Forschende weitere Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Trends aus der Wirtschaftsinformatik. Peter Heinrich griff mit der «Cyber Security» ein Top-Thema auf. Wer beispielsweise der Ansicht war, mit einem Virenscanner und starken Passwörtern gegen gefährliche Inhalte gefeit zu sein, wusste spätestens um zwanzig vor drei: Anti-Viren-Produkte werden oft in ihrer Wirkung überschätzt. Vor allem regelmässige Updates und die Verwendung eines Passwort-Managers, der die Nutzung von einzigartigen, starken Passwörtern ermöglicht, sind dringlich zu empfehlen. An dieser Stelle eine kleine Werbung für sämtliche etablierten Passwort-Manager.

Wohl eines der heikelsten Themen im Zusammenhang mit dem Internet erläuterte Nico Ebert anhand seiner kürzlich durchgeführten Studie zum Datenschutz im Schweizer KMUs. Diese zeigte: Anspruch und Realität in Bezug auf Datenschutz klaffen in Schweizer Unternehmen auseinander. Gemäss der Erhebung stellen KMU kaum entsprechende Ressourcen zur Verfügung. In 70 Prozent der befragten Unternehmen fehlt es an Datenschutzbeauftragten, dies trotz der derzeitigen Relevanz des Themas aufgrund der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sowie der damit verbundenen bevorstehenden Revision und Verschärfung des Schweizer Datenschutzgesetzes. Ebert machte den Teilnehmenden klar: Datenschutz dient keineswegs nur der Konformität, sondern kann heute noch als starker Wettbewerbsvorteil genutzt werden.

Mixed Reality steigert die Aufmerksamkeit

Thomas Keller brachte dann das Spielerische auf die Bühne. Mit dabei hatte er Technik zum Anfassen: Eine VR-Brille, wie sie auch im Handel erhältlich ist. Anhand verschiedener Beispiele erzählte er, wie Mixed Reality, also das gesamte Realitäts-Virtualitäts-Kontinuum, schon heute von Unternehmen und Institutionen genutzt werden kann. Sowohl Hardware als auch Software haben ein stabiles Niveau erreicht und sind für einen unternehmerischen Einsatz reif. Verschiedenste Anwendungsfälle wurden bereits dokumentiert und auf ihre Wirkung hin untersucht. Diese zeigen: Durch Mixed Reality steigen die Aufmerksamkeit, der Begeisterungsfaktor und die Verankerung im Gedächtnis des Users. Dies ist nicht nur für klassische Profit-Unternehmen von Vorteil, sondern beispielsweise auch für Bildungsinstitutionen.

Noch stösst Künstliche Intelligenz (KI) an ihre Grenzen

Wie intelligent künstliche Intelligenz ist, fragte zum Schluss Alexandre de Spindler. Schaut man Menschen bei alltäglichen Aktivitäten zu, wird klar, dass die künstliche Intelligenz nur spezifische Komponenten eines kognitiven Systems, was natürliche Intelligenz ausmacht, beinhaltet. Zum Beispiel haben Menschen ab frühem Kindesalter die Fähigkeit, sich vorzustellen, was ein Gegenüber beabsichtigt und sie können dabei dessen Wissensstand miteinbeziehen (Theory of Mind). Dies ermöglicht es uns, füreinander Verständnis zu entwickeln und Verhalten zu antizipieren. Theory of Mind ist nur eine von vielen Komponenten, welche es uns ermöglichen, Ziele zu erreichen. Das Phänomen, dass wir uns Lebensziele setzen, Pläne schmieden und manchmal die zur Verfügung stehenden Mittel auf unvorhergesehener Art einsetzen, scheint mit aktueller KI nur schwer umsetzbar zu sein. Oder was treibt sie an, Siri? Folglich sollten wir uns weniger vor einer etwaigen Singularität fürchten und häufiger den Fokus auf das Lösen relevanter Probleme setzen. Wenn solche Probleme mit automatischer Objekterkennung, Konversationsagenten oder autonomen Fortbewegungsmittel gelöst werden, können wir uns über die Entwicklung einer immer nützlicheren KI freuen.

Digital Business Leaders berichten

Zeitgleich zeigte Thomas Ochs, CIO und IT-Direktor bei Villeroy & Boch, wie das namhafte deutsche Familienunternehmen Digitalisierung in der Praxis umsetzt. Als Herausforderung nannte Ochs vor allem die Motivation der Mitarbeitenden. Kein einfaches Unterfangen bei einem Traditionsunternehmen wie diesem, aber ein sehr wichtiges, wie Ochs festhielt. Die Mitarbeitenden sollten die Vorteile der neuen Zusammenarbeit (an)erkennen und merken, dass ihre Inputs auch gehört werden. Denn der IT-Experte weiss: Selbst die beste Technik ist nutzlos, wenn die Mitarbeitenden nicht auf seiner Seite sind. Zudem gab ZHAW-Forscher Axel Uhl eine Übersicht über zehn Jahre Forschung zu Digital Business Transformation und Interim Manager Niklaus Blaser erläuterte, wie bei der Maschinenfabrik Rieter AG Innovation dank kombiniertem Einsatz von Big Data und Fachwissen entsteht.

Studentische Arbeiten als Poster aufgehängt

Am Nachmittag hatten die Teilnehmenden Zeit und Möglichkeit, die Themen der Inputreferate in Break-Out-Sessions zu vertiefen und sich im Foyer des Volkartgebäudes auszutauschen. Dort wurden auch aktuelle Projekte von Studierenden der Wirtschaftsinformatik ausgestellt. Diese befassten sich mit den unterschiedlichsten Themen, zum Beispiel damit, ob Daten aus Smartgeräten Sekundenschlaf (am Steuer) prognostizieren und vorzeitige Massnahmen einleiten können, wie die Detektion gesundheitlicher Notfallsituationen anhand bestehender sensorischer Smartphone-Daten effektiver gestaltet werden können oder wie mittels einer Smart-App umweltschonendes Online-Shopping gelingt.

Nächste Ausgabe findet am 12. März 2020 statt

Über 150 Personen nahmen am ersten WINsights Symposium teil – ein erfreulicher Rückblick für die Initianten. Das Datum für die nächste Ausgabe steht bereits fest: Gerne darf sich der 12. März 2020 auffällig im Kalender markiert werden.

www.zhaw.ch/iwi/winsights

Ein Beitrag von Eva Frei

Discussion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.