Vom 16. bis zum 25. August vertrat Steven Rüttimann mit seinem Startup Blockflyer die ZHAW und die Schweiz an der Virginia Tech Global Challenge. Der Finalist der diesjährigen ZHAW Startup Challenge hat zwar nicht die 30’000 Dollar Preisgeld gewonnen, dafür ist er um spannende Eindrücke und viele interessante Kontakte reicher.

 

 

 Was macht Blockflyer?

Blockflyer ist ein revolutionäres Bezahlsystem, welches Flugreisende mit einer einzigen Währung in nur einem einzigen Account ausstattet. Blockflyer tauscht Flugmeilen der Reisenden in eine eigene Kryptowährung, welche ungeachtet von Allianzen und Meilenprogrammen bei allen unseren Partnern als Zahlungsmittel verwendet werden kann. Wir überdenken von Grund auf was ein Loyalitätssystem leisten kann und verbessern alternde Systeme mit unserem Ansatz auf Blockchain-Basis, wodurch wir einen Mehrwert für alle beteiligten Parteien schaffen.

 

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Die Idee kam ziemlich spontan, als ich vor über einem Jahr zusammen mit einem guten Freund ein Bier trinken war und wir uns plötzlich dachten, wie “cool” es wäre, genug Flugmeilen zu haben, um einen First-Class Freiflug über den Atlantik zu buchen. Wir entwickelten dann ein rudimentäres System um genügend Meilen zu sammeln. Allerdings beruhte dies auf dem Meilenprogramm der AirBerlin, die mittlerweile leider Geschichte ist. Schlussendlich wollte ich es dann wohl doch nicht wahrhaben, dass die Idee nun mit der Airline unterging und begann mir weitere Gedanken zu machen unter anderem eben dazu, wie ein solches System für mehrere Airlines und ein grösseres Zielpublikum funktionieren könnte. Über ein Jahr später nennt sich das nun Blockflyer.

 

Als du an der Virginia Tech angekommen warst, was waren deine ersten Eindrücke?

Da ein Teil meiner Familie nur unweit von der Virginia Tech lebt, kenne ich die Region und die amerikanische Kultur bereits ziemlich gut. Was mich allerdings stets wieder aufs Neue beeindruckt, ist die “College-Kultur”, die in den USA existiert. Das universitäre Leben ist da bis ins letzte Detail geregelt und der Campus gleicht eher einer Kleinstadt als etwas Anderem. Dies ist sicherlich etwas, was wir in Europa schon alleine aus Platzgründen nie im gleichen Ausmass haben werden. Wenn man nicht will, braucht man den Campus das ganze Semester durch nie zu verlassen, da alles vor Ort besorgt, geregelt oder beschafft werden kann. Auch Freizeitangebote kommen da nicht zu kurz. Ausserdem sind die imposanten Gebäude auf dem Campus mehrheitlich aus einem lokalen Kalkstein, dem sogenannten “Hokie-Stone” gemacht, was dem ganzen einen gewissen “Hogwarts-Charakter” verleiht. Der “Hokie” ist übrigens das Maskottchen und Imageträger der VT und ist ein leicht überzeichneter Truthan!

 

Während deines Pitches ging plötzlich dein Mikrofon aus und laute Musik schaltete sich ein (aufgrund eines technischen Fehlers). Wie hast du es geschafft in so einer Situation so cool zu bleiben?

Das liegt wohl etwas an meiner Übung. Es fiel mir noch nie wirklich schwer, vor Leuten zu sprechen und ich mache mir da auch gar nicht gross Gedanken dazu. Dies vor allem weil es sich schlicht nicht lohnt, sich darüber zu ärgern, denn ändern konnte ich es ja doch nicht! Die Situation war zumindest ganz kurzweilig. Als ich dann zum Technikpult rüber schaute, war allerdings niemand mehr da, womit ich auch gleich wusste, dass dieser Unterbruch länger dauern könnte. Ich habe dann versucht mit dem Publikum und insbesondere auch mit der Jury zu interagieren, damit die Zeit schneller vorbei geht und die Situation etwas entschärft wird. Die Lautsprecher wurden, wie ich im Nachhinein erfuhr, von einem Techniker am anderen Ende des Stadions überschrieben, um einen Soundtest im ganzen Stadion zu machen, da in der darauffolgenden Woche die Football-Saison startete. Schlussendlich war es ein unglücklicher Zufall, dass es gerade meinen Pitch traf, aber da kann man nichts machen, ausser lächeln und sich nicht davon unterkriegen lassen.

 

Was waren deine persönlichen Highlights während der Woche in Virginia?

Etwas was für mich mitunter am wertvollsten war, war die Zusammenarbeit mit meiner Host-Company – einer lokalen Unternehmung, mit welcher die Teams in der Woche vor dem Pitch zusammenarbeiten um einerseits mehr über die amerikanische Startupkultur zu lernen und andererseits den Pitch zu verwenden. Wie es der Zufall wollte, handelte es sich bei meiner Host-Company um einen Software-Developer mit Blockchain-Expertiese, was die Zusammenarbeit für mich natürlich unglaublich wertvoll machte! Wir sind auch nach der Challenge noch in Kontakt und denken über eine potentielle Zusammenarbeit nach. In privater Hinsicht war eindeutig die Führung durch das US Capitol in Washington das grösste Highlight. Ich war zwar schon unzählige Male in Washington DC, hatte aber noch nie die Gelegenheit ins Capitol reinzugehen, was dieses Mal nun endlich klappte.

 

Welche Learnings hinsichtlich Blockflyer und auch deiner weiteren unternehmerischen Karriere konntest du aus den USA mit nach Hause nehmen?

Für mich war es sehr interessant zu sehen, wie der amerikanische Markt auf das Thema Blockchain bzw. Kryptowährungen reagierte. Denn die Stimmung ist sehr gespalten. Auf der einen Seite stehen die technologischen Befürworter, mit denen die Diskussionen in diesem Bereich auch immer leicht fallen. Auf der anderen Seite ist aber ein grosser Teil des Landes sehr skeptisch gegenüber Kryptowährungen. Das bedeutet für mich, dass es Wege zu finden gilt, die solche Konzepte leichter zugänglich machen. Die Stimmung ist in Europa und der Schweiz zwar ähnlich, aber bei weitem nicht so extrem. Ein grosses Problem stellt dabei der Fakt dar, dass die meisten Kryptowährungen sehr volatil sind und so grosse Unsicherheit entsteht. Ein weiteres Problem ist das nach wie vor geringe Wissen über solche Produkte, was dazu führt, dass viele den Begriff “Bitcoin” dafür verwenden. Dies ist für alle Krypto-Startups schlecht, da Bitcoin lediglich eine erste Anwendung der Technologie darstellt. Es kann etwas mit dem ersten Patentwagen von Mercedes-Benz aus dem Jahre 1889 verglichen werden. Damals war die Bevölkerung auch noch sehr skeptisch gegenüber diesem neuen Wagen der nun plötzlich keine echten Pferde mehr benötigte. Es war retrospektiv sicherlich nicht das beste Auto, aber es war eben das erste Auto! Genauso wie Mercedes-Benz die Menschen damals von einer futuristischen Technologie überzeugen musste, müssen wir bei Blockflyer dasselbe für Kryptowährungen und Loyalitätssysteme tun, um diesen Markt voranzutreiben.

 

Was sind eure nächsten Ziele mit Blockflyer?

“Back to the drawing board” wie man im Englischen so schön sagt! Man verbessert sich von Pitch zu Pitch und zwischendurch wird das Konzept auf Herz und Nieren geprüft, getestet, verändert und verbessert. Wir sind aktuell dabei durch Datenmodelle und Research-Papers dem Projekt mehr tiefe zu geben. Ein grosser Teil beruht darauf, den Airlines im gegenseitigen Dialog aufzuzeigen, wie sich die Loyalitätsbranche verändern wird und wo Blockflyer bei dieser Veränderung einen Mehrwert schafft. Wir stehen zurzeit mit einigen Airlines in Kontakt und versuchen auf ihre Bedürfnisse in einem solchen System einzugehen. Parallel suchen wir auch nach finanziellen Mitteln, um Blockflyer möglichst bald auch als Unternehmung zu gründen und danach die FINMA Zertifizierung als Finanzintermediär anzustreben. An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmals ganz herzlich beim ZHAW Startup Challenge Team bedanken. Ohne dieses Format wäre Blockflyer wohl nicht da wo wir jetzt sind und auch nicht stolzes Mitglied des Runway Incubators. Schlussendlich muss ich bei solchen Dingen immer wieder an ein Plakat denken, welches wir im Runway haben, worauf steht: “It’s not about Ideas, it’s about making ideas happen!”.