Autorin: Michelle de Oliveira, freie Journalistin
Titelfoto: Bo Yann
Vom 1. bis am 4. Juli 2026 findet der erste «Davos Tech Summit» statt. Mitorganisator Tilman Eberle spricht im Interview über die tragende Rolle der ZHAW und die Ideen und Ziele des Events.
Bald findet der «Davos Tech Summit» statt. Wie beschreibst du den Event in zwei, drei Sätzen?
Der «Davos Tech Summit» bringt die weltweit neuesten Erkenntnisse der Robotik und KI zusammen – und zwar in der Schweiz. Ausserdem erwartet uns mit der «Robot City» etwas ganz Spezielles. Dort kommen über 30 verschiedene Roboter in realen Situationen zum Einsatz.
Die Innovation soll greifbar werden, das ist eines der Versprechen des Events. Ist damit auch die «Robot City» gemeint?
Genau, neben den Keynotes und Vorträgen sollen die Besuchenden eine Idee von einer Roboter-Stadt der Zukunft bekommen. Man öffnet sozusagen ein Fenster in die nahe Zukunft und sieht dort, wie unser Leben aussehen könnte, wenn konkrete Arbeiten von Robotern übernommen werden. Durch die Ansammlung von so vielen Robotern wird die Thematik erlebbar.
Bei welchen Arbeiten können die Besuchenden die Roboter beobachten?
Wir werden Roboter sehen, die ein Feuer löschen, Drohnen, die über die Trümmer fliegen, humanoide Roboter – also menschenähnliche Maschinen –, die Gäste begrüssen und bedienen, sowie Roboter, die zum Beispiel blinden Menschen helfen, im Supermarkt die gewünschten Produkte zu finden.
Das klingt sehr spannend. Ist der Summit ein Event ausschliesslich für die Branche oder besteht für alle die Möglichkeit, den Anlass zu besuchen?
Die Konferenz ist eine Fachveranstaltung, aber es ist uns ein zentrales Anliegen, der Bevölkerung die Technologie zugänglich zu machen: am Freitagnachmittag in der öffentlichen «Robot City» mit geführten Touren und am Samstag am «Family Day», mit Robotern, Workshops für Kids und vielem mehr.
Können Studierende aktiv werden und sich einbringen?
Ja, sie können sich als Volunteer beteiligen und beim Aufbau der «Robot City» mithelfen. Das ist eine grossartige Gelegenheit, hautnah dabei zu sein, mit den Profis in Kontakt zu kommen und am Kongress teilzunehmen. (Anmerkung: das Anmeldefenster ist geschlossen).
Aus welchem Bedürfnis heraus ist die Idee zu diesem Event entstanden?
Für die ZHAW und insbesondere für die ZHAW digital sowie das CAI (Center for Artificial Intelligence) ist es ein strategisches Projekt und zeigt auf, wie die Forschung in konkrete Anwendungen für Wirtschaft und Gesellschaft übersetzt wird und mit welchem Nutzen.

Welches Ziel wird mit dem Summit konkret verfolgt?
Es gibt zwei grosse Ziele. Einerseits wollen wir eine Bewegung auslösen, die auch ausserhalb der eingeschworenen und weltweit bekannten Roboter-Community von Zürich und Lausanne Aufmerksamkeit erhält. Wir wollen also das Bewusstsein schaffen, dass im Bereich der KI und der Robotik Grosses auf uns zukommt und aufzeigen, dass wir in der Schweiz die entsprechenden Technologien zur Verfügung haben, um in den weiteren Entwicklungen eine zentrale Rolle spielen zu können.
Und das zweite Ziel?
Mit dem DTS möchten wir eine relevante internationale Eventplattform schaffen, der Summit soll eine feste Grösse in der Branche werden. Unsere Vision ist es, diesen Event jährlich in Davos stattfinden zu lassen.
Ein Tech Summit in einer Bergregion, obwohl in der Stadt Zürich die grossen Player sitzen – weshalb findet der Event in Davos statt?
Wir wollen ein Pendant zum WEF schaffen, das sich auf bahnbrechende Technologien fokussiert. Die Region, die Gemeinde sowie das Kongresszentrum bieten die entsprechende Infrastruktur und sind sehr engagiert.
Du hast es bereits angetönt, die Schweiz ist mit modernen Technologien ausgerüstet. Welche Rolle spielt die Schweiz als Innovationsstandort im Bereich KI im internationalen Vergleich?
In der Robotik sind Zürich und Lausanne international extrem gut aufgestellt. Ein Plus ist die Nähe zur ETH und EPFL, aber auch die vielen Talente und das Know-how, das wir hier haben, ganz besonders, wenn es um den Transfer von der Wissenschaft in die Technologie geht. Eine Firma nach der anderen kommt hierher, um von diesem Ökosystem zu profitieren. Der DTS kann jetzt ein Fixpunkt werden, der den Standort Schweiz weiter stärkt.
Roboter, die tanzen, einen Halbmarathon absolvieren oder sich prügeln – das wirkt oft wie Spielereien. Wo liegt das grösste Potential bei der physischen KI?
Diese Roboter-Stunts sind natürlich sehr medienwirksam. In Davos werden wir das Spannungsfeld aufzeigen zwischen den spektakulären Modellen und den konkreten Lösungen für spezifische Anwendungsfälle. Roboter sind heute bereits in vielen Bereichen im Einsatz, wie zum Beispiel bei Arbeiten mit giftigen Lacken. Oder Roboter, die ins Feuer gehen oder in eine toxische Höhle vordringen können. Das ist sehr nützlich, weil Menschen dadurch weniger Gefahren ausgesetzt sind. In vielen Bereichen gibt es immer ausgereiftere Lösungen, die zunehmend autonom werden.
Wo stösst die physische KI noch an klare Grenzen?
Wir sind noch weit entfernt von komplett autonomen humanoiden Robotern mit eigenem Denken, die sinnvolle Entscheidungen treffen und entsprechend handeln können.
Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wird das überhaupt jemals der Fall sein?
Es wird sehr viel Geld investiert, um Roboter zu bauen, die möglichst menschenähnlich sind und dereinst menschliche Entscheidungen treffen werden. Das ist aber noch ein langer Weg. Und dann reden wir noch nicht von der grossen Herausforderung, dass diese Roboter wirklich sicher und zuverlässig funktionieren.
Worauf freust du dich am «Davos Tech Summit» am meisten?
Ich bin gespannt auf die vielseitigen Beiträge aus verschiedensten Bereichen der Technologie und aus der ganzen Welt, von China über Europa bis in die USA. Und ich freue mich ganz besonders auf einen Moment: Mit dem Abschluss der «Robot City» kommen alle Roboter zusammen und marschieren gemeinsam die Promenade entlang zum Kongresszentrum. Das wird ein schönes Finale werden.