Wie wird der Garten zum Lern‑, Begegnungs‑ und Gesundheitsraum – für Studierende, Senior:innen und eine Hochschule im Wandel? Das Modul «Lebensraum Garten» zeigt praxisnah, wie Planetare Gesundheit und generationsübergreifendes Lernen zusammenfinden: mit echten Dialogen, drei Praxistagen im Grünen und Ergebnissen, die bleiben.
Warum ein Modul im Garten?
Das Projekt «Lebensraum Garten» verknüpft das Konzept der Planetaren Gesundheit mit erfahrungsbasiertem Lernen in einem naturnahen Setting. Studierende aus Gesundheitsberufen und den Life Sciences arbeiten gemeinsam mit Senior:innen an konkreten Aufgaben: säen, pflegen, ernten, verarbeiten – und reflektieren dabei, wie Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit zusammenwirken. Der Garten bildet bewusst einen analogen Gegenpol zur digitalisierten Lebenswelt und macht gesundheitsfördernde Effekte von Natur sicht‑ und erlebbar.
Das Vorhaben ist Teil eines von AGe+ finanzierten wissenschaftlichen Anschubprojekts an der ZHAW, welches 2025 durch Mitarbeitende an den Departementen G und N gestartet wurde. Ebenfalls Teil des Teams war die Masterstudierende Simone Höller, die das transdisziplinäre Projekt im Rahmen ihrer Abschlussarbeit massgeblich mit Interviews, Workshops und iterativer Konzeptarbeit bereicherte.
Praxis statt Hörsaal: drei Tage, die etwas bewegen
Das Herzstück des Ende 2025 finalisierten Modul-Konzeptes bilden drei Praxistage auf dem Campus Grüental in Wädenswil, ergänzt durch Online‑Lerneinheiten und Selbststudium. Pro Durchlauf sollen rund 15 Studierende und 5 Senior:innen beteiligt sein, die in Kleingruppen interdisziplinär und generationsübergreifend auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Die Projektarbeit fokussiert ein konkretes Lebewesen – z. B. Brennnesseln, Pilze oder andere – mit klarem Praxisauftrag: wachsen lassen, sammeln/ernten, vielfältig weiterverarbeiten, Erfahrungen und Wissen teilen, gemeinsam ins Handeln kommen und Ergebnisse interaktiv präsentieren.
Die Lernziele adressieren vier Dimensionen der Planetaren Gesundheit:
- Mentale Gesundheit: Naturerleben, Stressreduktion, Resonanz.
- Körperliche Gesundheit: Aktivierung durch Gartenarbeit.
- Soziale Gesundheit: Dialog, Zugehörigkeit, geteilte Verantwortung.
- Ökologische Gesundheit: Biodiversität erleben, nachhaltig handeln.
Damit schärft das Modul zugleich zentrale Future Skills (systemisches Denken, Kooperation, Ambiguitätstoleranz, u.a.) und fördert mithilfe eines Lernjournals die Reflexionskompetenz. Die Bewertung legt Wert auf Prozess‑ und Teamleistung statt reinen Output.
Gemeinsam wachsen durch Dialog, Wissen und Erfahrung
Der didaktische Ansatz setzt auf narrative Elemente, ohne eine einzelne Person zu inszenieren. Die Handlungsträger:innen sind Teams aus Studierenden und Senior:innen, die im Garten gemeinsam Lösungen entwickeln. Ein durchgängiges Narrativ öffnet den Raum, in die Vergangenheit und Zukunft zu «reisen»: Senior:innen steuern Erfahrungswissen bei, Studierende verbinden es mit aktuellen Erkenntnissen und nachhaltiger Praxis; im Hier und Jetzt werden die Effekte auf vier Dimensionen von Gesundheit angestossen und dabei die mentale Gesundheit über Achtsamkeit und Sinneswahrnehmung erfahrbar.

Wissenschaftlich fundiert – und dennoch zugänglich praxisnah und hands-on
Das Modul basiert auf evidenzbasierten Zusammenhängen und Grundlagen: Naturkontakt unterstützt körperliches und psychisches Wohlbefinden; Bewegung im Grünen reguliert Stress, verbessert die Stimmung und kognitive Funktionen. Das Konzept integriert Theorieimpulse zu Planetaren Gesundheit, Praxis‑Settings im Garten und Reflexionsaufträge, sodass die wissenschaftliche Fundierung kontinuierlich mit Praxislernen verschränkt wird.
Lehren, lernen, weitergeben: Was bleibt?
Im Frühlingssemester 2026 wird das Modulkonzept weiter ausgearbeitet und für die Pilotierungsphase vorbereitet. Die Struktur erlaubt Adaptationen (z. B. Lebewesen, Theorieeinheiten, Standort) und eine Feedbackschleife am Ende, um das Modul iterativ zu verbessern. Das Ziel: Verankerung im Studienalltag, Ausbau auf mehr ECTS und auf weitere Standorte, Verknüpfung mit weiteren Curricula – damit Planetare Gesundheit und die salutogenen Effekte der Natur dauerhaft Teil der Hochschullehre werden, als gezielt eingesetzter Lernansatz zu rein digitalen Lebenswelten. Unsere Vision: ein Campusgarten, in dem sich Generationen begegnen und von, über und miteinander von der Natur für ihren Alltag lernen.
Ausblick: Vom Garten in die Gesellschaft
Das Modul zeigt, wie Hochschule, Gesundheitsförderung und Umweltschutz zusammengehen können: Planetare Gesundheit wird erlebbar, Future Skills werden geübt, Lebenswelten verändern sich.
Ergänzende Informationen
Planetare Gesundheit – kurz erklärt
Das Konzept zur Planetaren Gesundheit verknüpft menschliche Gesundheit mit der Gesundheit des Planeten und fordert lösungsorientiertes, transdisziplinäres Handeln. Das Modul „Lebensraum Garten“ setzt diese Perspektive konkret um: lokale Biodiversität erleben, nachhaltige Praktiken üben und die Wechselwirkungen zwischen Umweltveränderungen, Verhalten und gesundheitlichem Wohlbefinden verstehen.
Mediale Begleitung und Masterarbeit
Das Projekt wurde visuell und wissenschaftlich begleitet: Simone Höller (Masterstudium Hyper Island / Teesside University) entwickelte ein Video, das das Lernangebot vorstellt und Stimmen von Studierenden und Senior:innen einbindet – ein Ansatz, der Storytelling, Empowerment und Wissensvermittlung verbindet. Die Masterarbeit vertiefte Konzept, Didaktik und Wirkung. Das Video ist hier abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=2eKPqhzjtSc
Zahlen & Fakten zum Modul
- ECTS: 1 (≈ 30 Stunden; 12 h Kontakt, 18 h Selbststudium)
- Format: 3 Praxistage + Online‑Lernen + Lernjournal
- Teams: interdisziplinär (Departement G & N) + Senior:innen
- Fokus: «Beikraut» oder «Pilze»
- Ort: Campus Grüental, Wädenswil (barrierefrei; Werkzeuge vor Ort)
- Outputs: interaktive Präsentation, Lehrmaterialien, Kurzvideos, modulares Konzept
Studierende und Senior:innen sagen
Rückmeldungen aus Interviews und Workshop betonen Motivation, Praxisnähe und den Wunsch nach interdisziplinärer Zusammenarbeit. Viele sehen im gemeinsamen Tun Brücken zwischen Generationen, den Abbau von Stereotypen und eine reale Chance, mentale Gesundheit zu stärken. Die Arbeit in gemischten Teams erzeugt Resonanz und Verbundenheit, fördert Kommunikations‑ und Kooperationskompetenzen – und motiviert, nachhaltige Routinen in den Alltag zu übernehmen.
Die Autor:innen
Masterstudierende Simone Höller
ZHAW Departement Life Sciences & Facility Management: Dorit van Meel, Nadja Lang, Martina Föhn
ZHAW Departement Gesundheit: Andrea Glässel, Lena Kuttler, Andrea Bärlocher, Beate Wöhrle, Nicole Baur, Cecile Küng