Wer eine gute Geschäftsidee hat, darf sich von Widerständen nicht entmutigen lassen. Das weiss auch SML-Studentin Marlene Wichmann. Seit September gibt es ihr Früchtebrot in der SML-Mensa zu kaufen. Bis es soweit war, musste sie aber einige Hürden nehmen.

 

Es schmeckt ausgezeichnet, soll gesund sein und Energie geben. Dabei erinnert das Brot von Marlene Wichmann nicht an die trockenen und oft steinharten Früchtebrote, die man in einzelnen Reformhäusern bekommt. Vielmehr ist es eine Art Cake. Das Rezept kennt die Betriebsökonomie-Studentin schon lange. «Ich habe es Zuhause immer wieder ausprobiert und verfeinert.» Eines Abends kam sie nach der Arbeit ausgehungert in die SML-Mensa, wo ausser Hot-Dogs kaum noch etwas im Angebot war. «So kam ich auf die Idee, mein Früchtebrot in der Mensa zu verkaufen. Gerade Teilzeitstudierende können nach einem harten Arbeitstag etwas Gesundes und Nahrhaftes vertragen, das Kraft gibt.»

Marlene Wichmann ist stolz auf ihr Früchtebrot.

Schritt für Schritt zur Realisierung
Aus der Idee wurde Ernst und Marlene Wichmann kontaktierte die Mensa-Verantwortliche. Bei der Gelegenheit brachte sie eine Probe des Brots mit. So konnte sie Tanja Wälti überzeugen. Lieferanten-Entscheide fällt aber die Leitung Gastronomie ZHAW. Dort erhielt Frau Wichmann einen Dämpfer. Scolarest, Betreiberin der ZHAW-Mensen, arbeitet nur mit ISO-zertifizierten Lieferanten zusammen und bezieht ihr Brot von der Bäckerei Bertschi, einem Unternehmen mit weit über 100 Mitarbeitenden. Zudem wurde ihr klar, dass sie selber in ihrer Küche nie genügend Brot für die Mensa backen könnte. Warum also nicht mit der Bäckerei zusammenarbeiten? Sie griff zum Hörer und kontaktierte Christian Hertig, Inhaber der Bertschi Bäckerei. Dieser war bereit ihr Brot zu probieren und so konnte sie auch ihn überzeugen: «Ihm gefiel meine Idee. Ich habe ihm das Rezept gegeben und wir haben es von Prototyp zu Prototyp weiterentwickelt, bis es so herauskam, wie ich es mir vorgestellt habe.» Ein sinnvolles Vorgehen, wie Jacques Hefti, Gesamtprojektleiter von Entrepreneurship@ZHAW bestätigt: «Es ist entscheidend, möglichst früh mit potenziellen Kunden und Partnern sogenannte minimum viable prototypes zu entwickeln. So können Kundenwünsche oder Rahmenbedingungen von Schlüsselpartnern wie Lieferanten im Leistungsangebot berücksichtigt werden.» Das Brot wurde während den Semesterferien im Bertschi Bäckershop in Kloten recht gut verkauft. Anschliessend war Scolarest bereit, es ins Sortiment aufzunehmen. Bisher bewirbt Frau Wichmann ihr Brot mündlich, mittels Flyer am POS, einem Aushang am schwarzen Brett sowie via Social Media, hauptsächlich in der Gruppe Sharing is Caring ZHAW auf Facebook.

Hartnäckigkeit zahlt sich aus
Gut ist Marlene Wichmann drangeblieben. Der Erfolg gibt ihr Recht. Seit kurzem wird ihr Brot auch in anderen ZHAW-Mensen in Winterthur verkauft. Ob sie sich vorstellen kann, ein eigenes Unternehmen zu gründen? «Das Brot ist wohl eher ein Nischenprodukt. Es fragt sich, ob genügend Nachfrage vorhanden ist. Gewiss müsste man einen Brand kreieren und neue Zielgruppen erschliessen, Sportler zum Beispiel. Die Zusammenarbeit mit der Bäckerei funktioniert gut und ich glaube, das ist momentan der beste Weg.» Dennoch wird sie im Modul Marktforschung eine Kundenanalyse durchführen. Mal sehen, welche Erkenntnisse sie gewinnt. «Ich wäre gerne selbständig, vorerst haben aber Job und Studium Vorrang. Ich muss den richtigen Zeitpunkt abwarten, damit ich dieses Ziel mit voller Kraft verfolgen kann.» Dass sie die Hochschule im Rahmen von Entrepreneurship@ZHAW dabei unterstützen kann, weiss sie. Mit den konkreten Angeboten muss sie sich aber noch auseinandersetzten. «Zu Beginn empfehle ich die kostenlose Erstberatung durch Startup Coaches, die wir an der ZHAW anbieten. Das ist der einfachste und schnellste Weg», so Jacques Hefti. Zuerst konzentriert sich Marlene Wichmann aber auf ihr Studium, dass sie 2015 abschliessen möchte.

 

Ursprünglich erschienen im SML Update Blog: https://update.sml.zhaw.ch/fruechtebrot/