Digital arbeiten heisst bewusst entscheiden

Welche digitalen Tools helfen uns wirklich weiter? Wo lohnt sich Automatisierung? Wie setzen wir KI sinnvoll ein und wo braucht es einen kritischen Blick? Die Digital Skills Week 2026 zeigte anhand konkreter Anwendungen, dass digitale Kompetenz weit mehr bedeutet, als neue Tools bedienen zu können. Entscheidend ist, sie passend zur Aufgabe, verantwortungsvoll und mit Blick auf die Menschen einzusetzen.

Von Kyra Jetzer

Vom 31. August bis 3. September fand die Digital Skills Week an der ZHAW zum zweiten Mal statt. Organisiert von der Digital Skills Academy umfasste das Programm 18 Veranstaltungen – Werkstätten und Webinare – mit 30 Referenten und Referentinnen. Mitarbeitende konnten sich in Webinaren Inputs holen, Tools kennenlernen und in Werkstätten gleich mit eigenen Fragestellungen weiterarbeiten. Das Programm war entsprechend breit: KI im Hochschulalltag spielte eine wichtige Rolle, daneben ging es um digitale Prozesse, Medien und Tools sowie Verantwortung und Nachhaltigkeit.

Die KI liefert, wir tragen die Verantwortung

Generative KI kann Texte strukturieren, Ideen entwickeln, Informationen zusammenfassen und bei zahlreichen weiteren Aufgaben unterstützen. Doch sie «weiss» nicht, ob ihre Antwort richtig ist. KI-Modelle erzeugen auf Basis von Wahrscheinlichkeiten eine passende Ausgabe.

Das klingt zunächst nach einer technischen Unterscheidung, hat aber ganz praktische Folgen: Wer mit KI arbeitet, muss Ergebnisse prüfen. Besonders deutlich wurde dies in der Werkstatt zur Verlässlichkeit KI-generierter Informationen. Antworten einfach zu übernehmen, reicht nicht. Es braucht einen kritischen Blick auf Quellen, Aussagen und mögliche Fehler. Der Mensch bleibt «in the loop».

Gleichzeitig hängt die Qualität der Resultate wesentlich davon ab, was wir der KI mitgeben. Ein klarer Auftrag, genügend Kontext und eine definierte Rolle helfen dem Modell, bessere Ergebnisse zu erzeugen. Oder anders formuliert: Wir können Arbeit an KI delegieren, das Denken und die Verantwortung aber nicht.

Erst die Aufgabe, dann das Tool

Nicht jede Aufgabe braucht KI. Und nicht für jede Aufgabe ist dasselbe Tool geeignet.

Deshalb muss zuerst klar sein, welche Aufgabe überhaupt gelöst werden soll. Danach folgen die Rahmenbedingungen: Sind Personendaten betroffen? Welche Informationen dürfen verarbeitet werden? Welche Anforderungen bestehen an Qualität und Vertraulichkeit? Erst dann wird entschieden, welches Tool geeignet ist.

Gerade beim Datenschutz ist diese Reihenfolge entscheidend. Jede Eingabe in ein externes KI-Tool kann potenziell auch eine Datenweitergabe an den Anbieter bedeuten. Die ZHAW ICT stellt daher Mitarbeitenden eine Liste zur Verfügung, auf der nachgelesen werden kann, welche Daten in welches Tool eingegeben werden können.

Auch das Wahrnehmen von Bias gehört zu diesem reflektierten Umgang. Verzerrungen in KI-Systemen können viele Formen annehmen und sich unbemerkt in Resultaten zeigen. Wer weiss, worauf zu achten ist, kann Ergebnisse gezielter hinterfragen, mit alternativen Prompts arbeiten und verschiedene Perspektiven bewusst einbeziehen.

Digitalisierung löst keine schlechten Prozesse

Ein ähnliches Prinzip gilt bei der Automatisierung. Bevor ein Prozess digitalisiert oder automatisiert wird, lohnt sich ein Blick auf den Prozess selbst. Denn ein schlechter Ablauf wird nicht automatisch besser, nur weil er digital stattfindet.

Während die Digitalisierung Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen kann, kann Automatisierung gleich einzelne Arbeitsschritte ganz abnehmen. Dass dafür nicht gleich ein grosser, komplexer Prozess nötig ist, zeigte beispielsweise ein Webinar zu Power Automate. Bereits kleine wiederkehrende Aufgaben können automatisiert werden – etwa das Einrichten bestimmter Standardabläufe oder einer Out-of-Office-Nachricht. Der Nutzen liegt dabei häufig nicht in einer spektakulären technischen Lösung, sondern in vielen kleinen Zeitersparnissen im Alltag.

Und nicht immer braucht es dafür ein neues Tool. Beim Thema digitale Ablage mit SharePoint, OneDrive und Teams wurde beispielsweise deutlich, dass die Herausforderung oft weniger technisch als organisatorisch ist. Unterschiedliche Teams haben unterschiedliche Bedürfnisse und Vorstellungen davon, wie eine sinnvolle Struktur aussieht. Statt auf die perfekte allgemeingültige Lösung zu warten, hilft deshalb häufig das Vereinbaren einer gemeinsamen Struktur und entwickelt diese bei Bedarf weiter.

Digital kompetent heisst auch zugänglich, fair und nachhaltig

Die Digital Skills Week zeigte gleichzeitig, dass digitale Kompetenz über Effizienz hinausgeht.

Bei barrierefreien Word- und PowerPoint-Dokumenten reichen teilweise kleine Anpassungen, um Inhalte deutlich zugänglicher zu machen: korrekt eingesetzte Formatvorlagen, sinnvolle Strukturen oder Präsentationen, die auch mit Screenreadern gut funktionieren. Vieles davon lässt sich direkt im Arbeitsalltag umsetzen.

Auch bei digitalen Prüfungen spielen nicht nur technische Infrastruktur und rechtliche Vorgaben eine Rolle. Für faire Prüfungssettings braucht es ebenso klare Kommunikation, einen respektvollen Umgang und Sicherheit für die Studierenden. Ähnliches gilt für den Einsatz von KI in Leistungsnachweisen: Entscheidend sind transparente Regeln und ein gemeinsames Verständnis davon, was erlaubt ist und wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann.

Und auch die ökologische Seite digitaler Arbeit verdient Aufmerksamkeit. Muss für eine kleine sprachliche Anpassung tatsächlich jedes Mal eine neue KI-Antwort generiert werden? Welches Modell verwenden wir, wo stehen dessen Server und wie werden sie betrieben?

Vieles lässt sich direkt ausprobieren

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus den vier Tagen: Digitale Kompetenz entsteht nicht nur durch Wissen, sondern vor allem durchs Anwenden. Die Teilnehmenden bauten Lernlandkarten in Moodle, beschäftigten sich mit verständlichen Kursstrukturen, lernten digitale Angebote der Hochschulbibliothek kennen oder trainierten ihre Auftrittskompetenz vor der Kamera. Bei Letzterem waren teilweise bereits nach 15 Minuten deutliche Fortschritte sichtbar.

Genau dafür bietet die Digital Skills Week den Raum. Kollegen und Kolleginnen teilen ihr Wissen, zeigen konkrete Anwendungen und machen gleichzeitig sichtbar, wo Fragen offenbleiben.

Gerade bei KI dürfte diese Auseinandersetzung so schnell nicht abgeschlossen sein. Die vielleicht nützlichste Haltung für den Arbeitsalltag ist deshalb weder uneingeschränkte Begeisterung noch grundsätzliche Skepsis. Sondern ausprobieren, verstehen, kritisch prüfen und bewusst entscheiden, wo Technologie tatsächlich einen Mehrwert schafft.

Weitere Informationen


Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *