Fahne mit folgendem Text: "Do you trust ChatGPT more than your gut feeling?"

Do you trust ChatGPT more than your gut feeling?

Provokant und unübersehbar weht seit dem 20. März eine Fahne mit genau dieser Frage mitten im Zürcher Oberdorf. Sie ist das wortwörtliche Aushängeschild des zehntägigen After the Algorithm Festivals, bei dem sich Kunstschaffende, Forschende und die Zivilgesellschaft mit Künstlicher Intelligenz und der Macht von Algorithmen auseinandersetzen. Mit dabei: drei Projekte der ZHAW.

Autorin: Kyra Jetzer

Ein schlafender Roboter in der urchigen Zwinglistube, Algorithmen, die die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge verschwimmen lassen, oder Tagebucheinträge, die von einem Large Language Model generiert wurden: Rund 30 Projekte schaffen am Festival neue Begegnungsräume und bringen Kunst, KI-Forschung und Gesellschaft in einen offenen Dialog. Im Zentrum steht eine der drängendsten Fragen unserer Zeit: Wie wollen wir Künstliche Intelligenz gemeinsam gestalten? Mitten in diesem Spannungsfeld präsentieren sich auch drei Projekte der ZHAW.

Watching the World

«Watching the World» ist eine riesige Digitalkamera, eine sich konstant ändernde Online-Ausstellung und ein authentisches Kabinett der Kuriositäten. Das Projekt greift auf tausende öffentlich zugängliche Webcams weltweit zu und lädt täglich über eine Million Bilder herunter. Eine künstliche Intelligenz analysiert diese Bilder und macht sie auf einer Website zugänglich – so entsteht eine neue Form des Sehens, eine neue Art der Fotografie, bei dem der endlose und ungefilterte Strom von Bildern nach Inhalt oder visuellen Kriterien sortiert und organisiert werden kann.

Was auf den Bildern zu sehen ist, ist dabei ebenso objektiv wie subjektiv: Ein Bergpanorama, eine Momentaufnahme aus dem australischen Verkehr, eine Schulklasse beim Arbeiten oder ein sich im Schlaf wälzendes Baby.

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit von Helmut Grabner, Fitim Abdullahu und Kilian Pfister (ZHAW School of Engineering) und Künstler Kurt Caviezel. Zur Projektseite

YuRo – Robots for Human Use

Damit Roboter zu sicheren und effizienten Helfern im menschlichen Umfeld werden, müssen sie ihre Umgebung in Echtzeit erfassen und verstehen können – schnell genug, um unmittelbar darauf zu reagieren. Genau hier setzt YuRo an. Die interaktive Installation nutzt eine Kamera, die der menschlichen Netzhaut nachempfunden ist. Dadurch kann der Roboterarm Bewegungen in Echtzeit erkennen, Hindernissen ausweichen und sicher in unmittelbarer Nähe von Menschen agieren.

Das ist entscheidend für zukünftige Einsatzfelder in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Geschäften, Büros oder Privathaushalten. Dort sollen Roboter Menschen bei repetitiven und körperlich belastenden Aufgaben unterstützen – zuverlässig und sicher. Zur Projektseite

Projektleiterin Yulia Sandamirskaya (ZHAW School of Life Sciences and Facility Management) leitete ausserdem den Workshop «Robotik in der Pflege»:

Video coming soon

Counter Speech Hero

Digitale Plattformen sind heute zentrale Orte gesellschaftlicher Diskussionen. Viele politische Themen, gesellschaftliche Konflikte oder aktuelle Ereignisse werden in Kommentarspalten von Onlinezeitungen und auf Social Media diskutiert – nicht selten in rauem Ton.

Hate Speech, pauschale Zuschreibungen und diskriminierende Kommentare belasten die Diskussionskultur und lassen Gespräche eskalieren. Genau hier setzt «Counter Speech Hero» an. Am ATA-Festival präsentiert sich das Projekt als interaktive Wand aus Smartphones. Mit gamifizierten Elemente klären sie das Publikum über die Mechanismen und Gefahren von Hassrede auf – und zeigen gleichzeitig die Kraft von Gegenrede. Denn sie macht aus uns allen potenzielle Heldinnen und Helden.

Bereits zum Festivalauftakt im Aussenraum lud das Team rund um Judith Bühler (ZHAW Soziale Arbeit), Pius von Däniken (ZHAW School of Engineering) und Julian Keuzenkamp (ZHAW digital) Passant:innen dazu ein, Hate Speech symbolisch zu erkennen und «zu zerstören» – und sich so aktiv für eine respektvollere Diskussionskultur einzusetzen. Die Projektbroschüre:

SCRAI – Swiss Centre for Responsible AI

Am Workshop «Building AI We Can Trust» brachte das Team von “SCRAI” Führungskräfte, Politiker:innen und KI-Expert:innen zusammen, um verantwortungsvolle KI aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Die Teilnehmenden diskutierten konkrete Herausforderungen und Lösungsansätze in Bereichen wie Wirtschaft, Technologie, Recht und Design. Der Anlass zeigte: Innovation und Verantwortung müssen im Einklang stehen. Dafür braucht es Mut, Weitsicht und Zusammenarbeit.

SCRAI ist eine Struktur, die von der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen gefördert wird. Mit dabei von der ZHAW sind Ivo Ruckstuhl und Ricardo Chavarriaga der School of Engineering. Zur Projektseite


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