Autoren: Wali Hakimi & Joey Ryser, Studenten der ZHAW School of Management and Law

Student zu sein, hat sich seit dem Ausbruch von Corona stark verändert. In diesem Beitrag möchten wir aber auch die Sichtweise der Dozierenden und ihre Herausforderungen aufgrund von Corona aufzeigen. Deshalb haben wir zu diesem Thema mit Alexandre de Spindler (Dozent im Studiengang Wirtschaftsinformatik) ein Interview geführt.

Prof. Dr. Alexandre de Spindler

Wie geht es Ihnen in der aktuellen Situation?

Zu 95% geht es mir eigentlich gut. Dank dieser Situation habe ich viel Neues entdeckt, das mir Freude bereitet. Zum Beispiel habe ich im Onlineunterricht mit neuen Lernformen experimentiert. Ich präsentiere weniger, dafür kommen wir schneller zur Anwendung und insgesamt arbeiten wir intensiver – intensiver an den Sachen, intensiver zusammen. Ich stelle fest, dass wir so komplexere Cases erarbeiten können als im physischen Unterricht zuvor.

Mit dem Zuhausebleiben habe ich weniger Probleme. Als Informatiker kann ich beliebig lange allein zu Hause vor dem Computer sein. Dank Lockdown mit gutem Gewissen😊.

Was vermissen Sie am meisten?

Im Unterricht fehlt mir zum Beispiel die Wandtafel zum Zeichnen. Ich benutze seit Längerem immer weniger Slides, da diese mich während des Unterrichts einschränken. Ohne Slides kann ich flexibler auf Entwicklungen innerhalb der Lektionen reagieren, zum Beispiel Ideen von Studierenden aufnehmen und einbinden. Dafür ist mir die Wandtafel (die schwarze, mit den Kreiden!) ans Herz gewachsen. Bulletlists lassen sich in einem Meeting Chat posten, aber für Modelle, User Interfaces oder sonstige Zeichnungen gefällt mir die Wandtafel immer noch am besten.

Ebenso fehlen mir die Gesichter, um den Ausdruck von Interesse, Gleichgültigkeit, Freude oder Verzweiflung mitzukriegen. Mir erscheint es aber so, als würde die Onlinedistanz Kompensationsmechanismen hervorrufen. Ich zeige mehr von meiner persönlichen Seite, erzähle immer wieder mal, was mir gerade durch den Kopf geht, und lache häufiger.

Wie ist der Austausch mit anderen Dozierenden?

Im Institut treffen wir uns jeden Morgen auf «Teams» und machen zusammen Kaffeepause. Ausserdem kann ich zwischendurch jemanden auf «Teams» einfach anrufen und ein paar Minuten mit dieser Person verbringen. Vor dieser Zeit gab es die Bekannten der Kategorie «Seit ewig nicht gesehen, unbedingt wieder mal treffen», wofür Zeit investiert werden musste, um das Treffen zu organisieren und durchzuführen. Weil «Teams» heutzutage verbreitet und akzeptiert ist, kann ich mit Bekannten dieser Kategorie mehr Zeit verbringen als zuvor.

Gefällt Ihnen der Job als Dozent virtuell besser?

Es gibt vieles, das mir virtuell gut gefällt. Ob ich die eine oder andere Form insgesamt besser finde, ist aber eine andere Frage. Glücklicherweise müssen wir uns nicht entscheiden, ob wir nur Online- oder nur Präsenzunterricht bevorzugen. Wenn ich trotzdem nur das eine wählen müsste, würde ich den Präsenzunterricht vorziehen. Ich denke aber, dass eine Kombination von Online- und Präsenzunterricht eine attraktive Alternative zu einer Entweder-oder-Variante darstellt.

Was sehen Sie als Herausforderung im Onlineunterricht?

Man sieht im Onlineunterricht die Gesichter der Studierenden nicht, da die Kameras meistens ausgeschaltet sind. Wenn ich hier schon einen Kanal habe, um Studierende anzusprechen, dann bitte ich euch, in «Teams» oder «Zoom» ein Profilbild anzulegen, so dass wenigstens ein Gesicht sichtbar ist. Es kann von mir aus auch irgendein Bild (ein anständiges) sein – alles ist besser als diese Kreise mit den Initialen. Bei «WhatsApp», «Snapchat» und «Instagram» hat ja auch jeder ein Profilbild. Wieso also nicht auf «Teams»?

Wie war die Organisation der ZHAW bei der Vorbereitung auf den Onlineunterricht?

Bei der Unterrichtsvorbereitung wird generell die meiste Arbeit sowieso von den Dozierenden gemacht. Diese können am besten beurteilen, was in den einzelnen Modulen online Sinn macht. Wir haben Beratung, Tools und Equipment zur Verfügung gehabt, und dann war es uns überlassen, wie wir den Onlineunterricht gestalten. Das habe ich geschätzt. Auch für die Prüfungen war ich froh um die Möglichkeit, zum Beispiel individuelle Projektarbeiten mit mündlichen Prüfungen kombinieren zu können. Die Studiengangleitung und -administration hat uns bei solchen Prüfungsformen unterstützt, wofür ich dankbar bin.

Was hat sich in der Vorbereitung des Unterrichts verändert?

Ich arbeite eigentlich fast nur noch mit Cases, welche ich bewusst nicht vorbereite. Ich will, dass mir dasselbe widerfährt wie anderen, die eine Technologie zum ersten Mal anwenden. Ich will die Probleme und Schwierigkeiten im Unterricht erleben, damit ich zeigen kann, wie ich damit umgehe. Ich sehe darin einen höheren Wert in meiner Rolle als Dozent, als wenn ich einen vorbereiteten Case zeige, in dem ich vorgängig alles Unerwartete ausgeschlossen habe. In der Informatik ist es nun mal so, dass wenig auf Anhieb erwartungsgemäss funktioniert, und im Unterricht will ich nichts anderes vorgaukeln.

Wir erleben die Probleme zusammen, suchen nach Lösungen, und das geht nur, wenn ich den Unterricht «nicht vorbereite» (meine Vorbereitung besteht natürlich darin, die Modelle, Technologien und Methoden so weit zu beherrschen, dass ich in 90 Minuten, trotz Improvisation und aller Widrigkeiten, alle befähigen kann, was Sinnvolles zustande zu bringen und dabei die angestrebten Ausgangskompetenzen zu erlernen).

Welche Tipps an Studierende haben Sie für den Onlineunterricht?

Ich empfehle die Teilnahme am synchron gehaltenen Unterricht. Was wir dort erleben und lernen, kann nur schwer im Web oder in Büchern nachgelesen werden.

In Gedanken bin ich bei denen, die leiden. Aber ich versuche, nicht einfach darauf zu warten, bis es vorbei ist. Wenn ich die Situation akzeptiere, kann ich darin Positives entdecken. Ich versuche, meine Entdeckungen im Unterricht weiterzugeben.

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Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit dem ZHAW-Ambassadoren-Programm entstanden. @zhaw_sml