Autor: Simon Bärtschi, Student der ZHAW School of Management and Law

Gruppenarbeiten im Studium – immer ein bisschen ein Pain, weil man sich viel zu viel absprechen muss, ultimativ vergoldete Pläne schmiedet und dann mit nahender Deadline trotzdem alles ins Ziel „wurschtelt“. Wer kennt es nicht? Die zusammengewürfelten Gruppen in den verschiedenen Modulen sind oft der Inbegriff eines TEAMs (Toll! Ein anderer machtʼs!😉).

Ein Erfahrungsbericht eines inzwischen erfahrenen Team-Members (in Zusammenhang mit mir natürlich bewusst mit Kleinbuchstaben geschrieben, da kein Akronym mehr😉), wieso es trotzdem „sauglatt“ sein kann und wie sich das Ganze mit Corona verändert hat.

Nach der Gruppenarbeit ist vor der Gruppenarbeit. Und weil das Frühlingssemester bereits wieder gestartet ist, sind die Gruppen für die nächsten Gruppenarbeiten bereits wieder definiert. Anders als im Beruf, wo meistens eine Person (Projekt- oder Teamleiter) klar im Lead ist oder bei sich selbst organisierenden Teams ganz klare Teamziele definiert sind, ist man bei Gruppenarbeiten im Studium erst mal etwas planlos. Kennt man die anderen Personen noch nicht, dann ist eventuell ein bisschen Socializing angesagt. Wenn man die anderen bereits kennt (und bei der letzten Gruppenarbeit hoffentlich im Guten auseinandergegangen ist), ist trotzdem Socializing angesagt. Man will ja schliesslich erfahren, was es alles so für News aus der Semesterpause gibt: Gossip halt, immer sehr viel spannender als der Berg von Arbeit, der wartet. (Oder gehört ihr zu den super Disziplinierten und seht das anders? Bin gespannt auf eure Kommentare.) Ist das schlechte Gewissen dann gross genug, widmet man sich doch noch dem eigentlichen Zweck der Gruppenzusammenkunft. Damit es dann so reibungslos wie möglich läuft, ist eine gute Organisation gefragt.

Aus diesem Grund: Pro Tip #1 – Define clear roles and their responsibilites.

  • Lead: Organisiert Zusammenarbeit, hat Deadlines im Blick, stellt den Dozierenden allfällige Rückfragen und ist SPOC (Single Point of Contact) bei Kommunikation mit der Gruppe.
  • Quality Manager: Ist im Lead bezüglich Qualität, Einhaltung des roten Fadens der einzelnen von unterschiedlichen Personen verfassten Abschnitte oder Kapitel, Einhaltung der Vorgaben für das Dokument (Länge, Formatierung), des korrekten Inhalts-, Literatur-, Abkürzungs- und Abbildungsverzeichnisses sowie der Anhänge etc.
  • Ein oder mehrere Content Writer: Jeder schreibt mit. Wenn jemand zusätzliche Aufgaben übernimmt, kann der prozentuale Anteil des Inhalts bei dieser Person natürlich etwas reduziert werden, damit der Workload fair verteilt bleibt.

Je nach Thema und Art der Gruppenarbeit können noch mehr Rollen Sinn machen. Und natürlich jeweils XMV (gesunden Menschenverstand) walten lassen. Nur weil man nicht im Qualitätslead ist, heisst das nicht, dass man der Qualität überhaupt keine Beachtung mehr schenken muss.😉

Corona – man kann ja sonst nichts machen, alle haben sowieso immer Zeit…….noooot😉

Nun muss auch ich noch auf das eigentlich ausgelutschte Thema Corona zu sprechen kommen, da Gruppenarbeiten seit inzwischen ca. einem Jahr etwas anders organisiert werden müssen.

Vor Corona hat man sich in den Pausen oder den unterrichtsfreien Zwischenstunden kurz in der Gruppe getroffen und abgesprochen. Dadurch war der Zeitpunkt weniger flexibel und die effektiv aufgewendete Zeit timeboxed auf die unterrichtsfreie Zeit zwischen den Vorlesungen. In Zeiten von Corona geht man irgendwie automatisch davon aus, dass die Gruppenmitglieder sowieso zu Hause sind und grundsätzlich immer Zeit haben. Man nimmt sich somit relativ schnell die Freiheit, den vereinbarten Absprachetermin in der Gruppe nochmals um eine halbe Stunde nach hinten zu schieben, weil gerade das Essen etwas später fertig gekocht war oder der Tratsch mit dem Nachbarn / der Nachbarin (da haben wir wieder den Gossip😉) etwas länger gedauert hat. Wird mehrmals leicht nach hinten geschoben, ist so aber für die eigentlich pünktlichen Team-Member schnell mal ein ganzer Abend blockiert.

Deswegen: Pro Tip #2 – Define team rules for meetings.

  • Regelmässige Absprache beispielsweise weekly/monthly definieren.
  • Mögliche Regeln für Terminkonflikte:
    • Es wird wegen Kleinigkeiten grundsätzlich nicht verschoben.
    • Strichliliste: Derjenige oder diejenige mit den meisten Strichli belohnt am Schluss in irgendeiner Form die restlichen Teammitglieder.
    • Diejenige Person, die am Absprachetermin nicht teilnimmt, kann bei der Aufteilung der Tasks nicht mitreden und übernimmt automatisch die mühsamsten Tasks (Assi-Methode😉).

Kennt ihr noch bessere Teamregeln, damit die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert?

Apps und Tools

Haben gewisse Apps und Tools die Zusammenarbeit vor Corona lediglich vereinfacht, sind sie in Zeiten von Corona praktisch zur Pflicht geworden.

(Dies gilt übrigens nicht nur für Gruppenarbeiten an der ZHAW, auch Unternehmen hatten damit zu kämpfen. Wer kennt die dazu passenden Memes zum Digitalisierungsfortschritt während Corona nicht?😜)

Somit: Pro Tip #3 – Use the proper tools.

  • Simple Absprachen (klassische Gruppenchats):
    • Threema #supportlocaldevs
    • Whatsapp (wobei wenn schon aus den USA, dann inzwischen eher Signal😉)
    • Telegram
  • Komplexere Absprachen:
    • MS Teams (Lizenz für Studierende via ZHAW verfügbar)
    • Slack
  • Video Calls:
    • MS Teams
    • Zoom
    • Skype
    • Google Duo
    • FaceTime (Apple to Apple calls)
    • WhatsApp (nur für kleine Gruppen)
  • Collaboration-Tools:
    • Miro (für beispielsweise Brainstorming in Teams)
    • Google Docs (gleichzeitiges Verfassen von Inhalt)
    • MS Word in Kombination mit Office-365-Konto (Lizenz für Studierende via ZHAW verfügbar, gleichzeitiges Verfassen von Inhalt)
  • Organisation von Tasks und Aufgaben (Kanban):
    • Trello

Ganz nebenbei, es lassen sich bei den Gruppenarbeiten im Studium viel einfacher als im Büro neue Tools und Apps ausprobieren. Die besten Ideen und Erfahrungen kann man dann wiederum als Impuls am Arbeitsort einfliessen lassen. Damit hat man ohne Zusatzaufwand Value im Unternehmen gestiftet und gilt (je nach Unternehmen und Team) zusätzlich noch als modern und Digitalisierungsvorreiter.😉

Spassfaktor

Die ganzen Regeln und Tipps, die es für eine erfolgreiche Zusammenarbeit braucht, klingen jetzt erst mal nicht nach sonderlich viel Spass. Trotzdem ist es aber so, dass die intensive Zusammenarbeit verbindend wirkt und man mit einem guten Team coole Zeiten erlebt. Eventuell ist es der private Austausch, den man immer wieder zwischendurch hat, eventuell auch das „geteilte Leid“, das man bei jedem Assignment gemeinsam durchlebt. Vielleicht sind es einfach die Challenge und das gemeinsame Erreichen eines Ziels, das anfangs so weit weg schien und dann doch erreicht werden konnte. Oder es ist auch einfach der soziale Austausch, den man durch die Teamarbeit automatisch hat und der vor allem in Zeiten von Corona tendenziell zu kurz kommt.

Ist die Abgabe schliesslich geschafft, kommt der eigentliche Spass – Erfolge feiern! Und zwar mit dem allerbesten Gewissen! Jede harte Teamarbeit soll ja auch belohnt werden. Ein Treffen (je nach Corona-Massnahmen, die gerade gelten, und so oder so selbstverständlich mit Abstand und Maske😉) in der Gruppe und Anstossen auf die Zielerreichung ist der letzte Tipp! Eventuell kommt an dieser Stelle die erwähnte Strichliliste zum Zug und damit ist dann auch klar, wer bezahlt.😉

In a Nutshell

Teamarbeit – immer ein Pain und am Ende trotzdem lustiger und cooler, als alleine im stillen Kämmerchen für eine Prüfung zu büffeln. Wir alle stehen in den Startlöchern unserer Karriere und haben, vor allem mit dem Studienabschluss in der Tasche, grossartige Zeiten vor uns. Im schlechteren Fall hat man wertvolle Kontakte für die Zukunft kennengelernt, im besseren Fall sogar noch Freunde fürs Leben! Niemand weiss, ob bei einer zukünftigen Gruppenarbeit nicht die Ideen für das nächste Unicorn-Start-up entstehen. Durchlebe den Prozess selbst. Stosse als Student/-in zur ZHAW Community und sei auch du ein Teil der nächsten Gruppenarbeit!

https://www.zhaw.ch/de/sml/studium/infoveranstaltungen/

#IronieDieserBeitragIstEineEinzelarbeit😉

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit dem ZHAW-Ambassadoren-Programm entstanden. @zhaw_sml