SAMR Modell und Weiterbildung für Lehrpersonen

Am Fr und Sa, 23./24. Oktober 2015 fand in Pfäffikon SZ der 3. Data Quest Campus Event statt. An der Veranstaltung, an der Lehrpersonen aus allen Schulstufen vertreten waren, stand das SAMR Modell im Vordergrund.

Das SAMR Modell wurde von Dr. Ruben Puentedura von Hippasus entwickelt. Die Abkürzung steht für The Substitution Augmentation Modification Redefinition Model.

SAMR-Modell

Ruben R. Puentedura, As We May Teach: Educational Technology, From Theory Into Practice. (2009)

Das SAMR Modell zeigt mit seinen vier verschiedenen Anwendungsstufen auf, wie neue Technologien in die Lehr- und Lernprozesse eingebunden werden können, damit sie einen Mehrwert bieten.

Auf der ersten Stufe befindet sich die Substitution, in der Technologie als Ersatz für andere Lernwerkzeuge verwendet wird. Z.B. Machen unsere Studierenden ihre Notizen auf einem Tablet, statt auf Papier.

Das Erfassen von Notizen auf dem Tablet bringt aber auch funktionelle Verbesserungen mit sich. So sind z.B. die Notizen über eine Suchfunktion auf dem Tablet durchsuchbar und Informationen können während des Unterrichts im Internet nachschlagen werden. Damit befinden wir uns gemäss dem SAMR Modell bereits auf der zweiten Stufe, nämlich der Steigerung (Augmentation). Das Tablet dient hier als Ersatz für ein anderes Lernwerkzeug (Papier), bring aber gleichzeitig auch funktionelle Verbesserungen (z.B. Inhalte durchsuchen) mit sich.

Tablets bieten nebst der praktischen Erweiterungen aber auch noch neue Möglichkeiten, die mit Papier vorher gar nicht möglich waren. Z.B. können die Studierenden im Labor die Arbeitsschritte fotografisch festhalten oder eine Demonstration als Video aufzeichnen. Eine Lehrpersonen kann die Studierenden auch über das GPS-System auf mobilen Endgeräten auf eine lernreiche Schnitzeljagd senden.
Damit wären wir bereits auf der dritten Stufe des Modells angelangt, der Modifikation von bisherigen Lehr- und Lernprozessen. Den Lehrpersonen eröffnen sich auf dieser Ebene neue Möglichkeiten für die Aufgaben- und Unterrichtsgestaltung.

Die letzte Ebene des Modells befasst sich mit der Neudefinition (Redefinition) von Lehr- und Lernprozessen. Hier werden ganz neue didaktische Szenarien ermöglicht, die ohne Technologien nicht, oder nur sehr umständlich, realisierbar wären.
Ein Szenario könnte z.B. sein, dass ein international zusammengesetztes Team von Studierenden aus verschiedenen Hochschulen gemeinsam an einem Projekt arbeitet und die Ressourcen online sammelt, kommentiert, bearbeitet und daraus ein Gesamtwerk erstellt, ohne dass die Beteiligten dafür um die halbe Welt reisen müssen. Diese Ebene geht über den Einsatz von Tablets als Lernwerkzeug hinaus, da zusätzlich Technologien für das kollaborative Arbeiten benötigt werden.

Was bedeutet das SAMR Modell für uns?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir uns zurzeit zwischen der zweiten und dritten Stufe des SAMR Modells befinden. Sowohl Studierenden wie auch Lehrpersonen nutzen die funktionellen Verbesserungen der Tablets. Die Studierenden nutzen zudem teilweise auch bereits die neuen Möglichkeiten wie Foto, Audio und Video, welche die Tablets bieten. Der nächste Schritt wäre nun, dass die Lehrpersonen diese neuen Möglichkeiten bei der Aufgabenstellungen berücksichtigen und entsprechende Szenarien in ihre Kurse implementieren.

Langfristig möchten wir mit dem Einsatz neuer Technologien auch die Neudefinition von Lehr- und Lernszenarien ermöglichen. Auf diesem hohen Niveau braucht es aber nebst zuverlässigen Technologien die das kollaborative Arbeit ermöglichen vor allem auch eine hohe ICT- und Medienkompetenz der NutzerInnen, um diese Technologien kompetent anwenden zu können.

Weiterbildung von Lehrpersonen

Der Medienpädagoge Steve Bass machte in seinem Workshop zum Thema Fremdsprachen auf eine Grafik von Mark Anderson aufmerksam. Die Grafik zeigt sehr gut, welche Phasen unsere Lehrpersonen bei der Einführung des papierlosen Studiums durchlaufen.

Teacher confidence in use of technology

von Marc Anderson, www.ictevangelist.com

Bei Einführung einer neuen Technologie befinden sich die meisten Lehrpersonen zu Beginn in einer Art Überlebensmodus (Survival). Sie haben eine neue Technologie zur Hand und würden sie gerne im Unterricht einsetzen, wissen aber nicht wie. Auf diesem Niveau werden ein Einführungstraining und technische Hilfestellungen benötigt, welche die Lehrpersonen dabei unterstützen, sich mit der neuen Technologie vertraut zu machen.

Sind die Lehrpersonen erst einmal mit der Technologie vertraut und beherrschen sie (Mastery), beginnen viele von selbst, damit im Unterricht zu experimentieren. In dieser Phase bilden technische Probleme den grössten Stolperstein. Wenn die Testläufe fehlschlagen führt dies nicht selten zu frustrierten NutzerInnen, die dann nicht gewillt sind, der Technologie nochmals eine zweite Chance zu geben. Wichtig ist deshalb eine funktionierende Infrastruktur und eine technische Begleitung der Testläufe, um allfällige Probleme zu beheben.

Verlaufen die Testläufe erfolgreich, beginnen die Lehrpersonen die neue Technologie regelmässig im Unterricht zu nutzen. Dadurch lernen auch die Studierenden den Umgang mit der neuen Technologie kennen. Wenn sowohl die Lehrpersonen wie auch die Studierenden die neue Technologie kompetent nutzen können, hat sie sich erfolgreich im Unterricht etabliert (Impact). In dieser Phase bieten sich User Foren an, bei denen die NutzerInnen ihre Erfahrungen sowie Tipps und Tricks austauschen und von einander lernen können.

Interessant wird es, wenn die Lehrpersonen im Umgang mit einer neuen Technologie so kompetent sind, dass sie beginnen, sich zu überlegen, welche neuen Lehr- und Lernmöglichkeiten ihnen diese Technologie eröffnen könnte. In dieser Phase (Innovation) beginnen die Lehrpersonen neue didaktische Szenarien in ihrem Unterricht auszuprobieren. Wenn dieser Prozess der Innovation erfolgreich verläuft, führt dies zu neuen Best Practice Modellen, die sich positiv auf die Qualität der Lehre auswirken können.

Damit schliesst sich der Kreis zum SAMR Modell, denn der Schritt der Innovation führt zu einer Modifikation oder gar einer Neudefinition von Lehr- und Lernszenarien.

Die beiden oben stehenden Modelle verdeutlichen, was wir eigentlich schon alle wissen:
Wir können nicht erwarten, vom Novizen direkt zum Experten zu werden.
Die Implementierung neuer Technologien in die Lehre ist ein komplexer Prozess, der Zeit braucht.

Wir können die Lehrpersonen und die Studierenden in diesem Prozess mit Hilfestellungen unterstützen und als Hochschule Rahmenbedingungen schaffen, welche die Hochschulangehörigen motivieren, sich neuen technologischen und didaktischen Herausforderung zu stellen.