Schlagwort: Papier

Erste Erfahrungen mit BYOD: paperless oder less paper?

Wir werden immer mal wieder gefragt, ob unser „papierloses“ Studium komplett papierlos ist oder ob wir einfach auf weniger Papier setzen. Unsere Philosophie ist, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass digitales Arbeiten im Studium möglich ist.

Auslöser dafür waren unter anderem die Studierenden, die sich in der Vergangenheit immer wieder über die Papierflut im Studium beklagt haben. Im Rahmen des papierlosen Studiums werden die Lehrunterlagen deshalb nicht mehr ausgedruckt, sondern digital zur Verfügung gestellt. Mit diesem Wechsel des Leitmediums haben Tablets, Smartphones und Notebooks in den Unterricht Einzug gehalten.

Die Nutzung digitaler Medien und Technologien ist damit auch im Studium angekommen und ein entsprechendes Gerät wird für das Studium vorausgesetzt. Wir sind der Meinung, dass unsere Studierenden damit auch die Chance haben, sich wichtige digitale Kompetenzen anzueignen, die sie später am Arbeitsplatz benötigen werden. Dazu gehört vor allem auch die Kompetenz, digitale Technologien als kognitive Tools für die Problemlösung und Wissenserarbeitung zu nutzen.

Studierende reagieren mehrheitlich positiv

Die Mehrheit der Studierenden, die letzten Herbst in das papierlose Studium mit Bring Your Own Device gestartet sind, haben nach dem 1. Semester eine positive Bilanz gezogen:

Mir gefällt es sehr gut papierlos zu arbeiten, da ich auf dem Laptop eine sehr gute Ordnung habe und somit den Überblick behalten kann. Es kommt dazu, dass ich mit Laptop immer alles dabei habe was ich brauche, was sehr praktisch ist.

Man hat halt ein Gerät, welches viele Bücher ersetzt, jedoch sollte dieses Gerät einmal wegkommen ist man dann der Gelackmeierte. Es ist im Grossen und Ganzen jedoch positiv anzusehen, man kann schnell mitschreiben während der Vorlesung und hat Zugriff auf Lernziele während des Unterrichts. Damit weiss man was in etwa wichtig sein wird.

Am Anfang herrschte grosse Skepsis

Zu Beginn des Studiums waren die Studierenden eher skeptisch gegenüber dem papierlosen Arbeiten. Diese anfängliche Skepsis legte sich jedoch im Laufe der ersten Wochen bei der Mehrheit, wie folgende Kommentare zeigen:

Am Anfang Startschwierigkeiten, aber jetzt durchwegs positiv, sogar überzeugt, dass es so besser ist.

Ich habe mir grosse Sorgen im Voraus gemacht welche sich jedoch nicht bestätigt haben. Somit bin ich sehr erleichtert.

Diese anfängliche Skepsis deutet auch darauf hin, dass sich unsere Zielgruppe keinesfalls gewöhnt ist, digital zu arbeiten. Die so oft erwähnten „digital natives“ sind oft nicht so digital unterwegs wie wir annehmen. Kommentare wie diese sind eher die Ausnahme:

Ich habe bereits ein nahezu papierloses Studium an der ETH begonnen und danach ein Jahr in einem nahezu papierlosen Büro gearbeitet. Ich habe mich entsprechend vorbereiten können und wusste worauf ich mich einlasse. Meine PC-Anwenderkenntnisse würde ich als überdurchschnittlich bezeichnen.

Nicht alle finden das papierlose Konzept gut

Es gibt aber auch eine Gruppe von Studierenden, die das Konzept des papierlosen Studiums nicht gut findet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Teilweise sind es Gewohnheiten, die man nicht ändern möchte oder man schätzt die haptischen Eigenschaften des Papiers. Manche empfinden das Arbeiten am Bildschirm auch als anstrengender und manche Studierende finden digitale Technologien für das Lernen gar eher hinderlich:

Ich bin jemand der gerne per Hand schreibt und meine Dokumente anfassen möchte.

Wegen technischen Schwierigkeiten, Lerneffekt nicht gleich wie von Hand!

Ich bin es gewohnt mit Stift und Papier zu arbeiten. Ein geöffneter Laptop während des Unterrichts empfinde ich nach wie vor als störend. Bei Kommilitonen kann man beobachten, dass der Laptop oft zu einer zusätzlichen Unkonzentriertheit führt (Facebook, WhatsApp, News, Games usw.).

Es ist sehr ermüdend den ganzen Tag in einen Bildschirm zu starren. Das Hin- und Herblättern in den Büchern fehlt mir. Positiv ist jedoch, dass man quasi nur das Gewicht des Computers trägt und nicht 10000 Bücher mit schleppen muss.

Die Abneigung gegenüber dem digitalen Arbeiten hängt auch mit persönlichen Einstellungen, Präferenzen und Erfahrungen zusammen. Wir haben sehr heterogene Gruppen von Studierenden und nicht alle sind so technikaffin wie die BiotechnologInnen, mit denen wir in den letzten 3 Jahren im Pilotprojekt Erfahrungen sammeln konnten. So ist z.B. die Bilanz bei den UmweltingenieurInnen, die nicht nur die Erstsemestrigen, sondern alle Jahrgänge auf papierlos umgestellt haben, deutlich negativer ausgefallen.

Papierlos als Pflicht?

Einige Studierenden empfinden das papierlose Studium auch als Zwang. Wir möchten daher hier nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Nutzung von Papier nicht verboten ist. Studierende dürfen ausgedruckte Unteralgen mit in den Unterricht bringen und ihre Notizen auf Papier machen, sie müssen die Unterlagen allerdings selber ausdrucken, was natürlich mit Aufwand verbunden ist. 

Meiner Meinung nach wäre es besser einem die Wahl zu lassen, in welchem Fach man wirklich Papierlos studieren möchte.

Würde gerne vieles ausdrucke, habe aber nicht immer die Möglichkeit.

Eine freiwillige Option hingegen, könnte das papierlose Studium sein so meine ich. Durch den Zwang erleben sich einige Mitstudenten sogar diskriminiert, wie ich gehört habe. Es gibt durchaus Personen, die sogar privat auf die Nutzung solche Geräte verzichten oder diese nur sehr eingeschränkt verwenden, dann wenn es Sinn macht! Diese Sinnhaftigkeit ist vorhanden, auch ein teilweiser Nutzen ist gut erkennbar und könnte sich in der richtigen Dosis sehr anregend gestalten, doch das „papierlose Konzept“ wie es für unseren Studienjahrgang besteht – ist absolut nicht nützlich.

Anspruchsvoller Einstieg in das digitale Arbeiten

Die Mehrheit der Studierenden benötigte eine Eingewöhnungszeit von 2-3 Wochen, bis sie effizient papierlos arbeiten konnten. Interessanterweise scheinen die Lehrpersonen die Fähigkeiten der Studierenden etwas zu überschätzen oder die anfänglichen Schwierigkeiten waren für sie im Unterricht nicht spürbar.
Im Bachelorstudiengang in Umweltingenieurwesen haben im Herbst 2016 alle Jahrgänge auf ein papierloses Studium umgestellt. Das stellte vor allem für die Studierenden in den höheren Semestern eine Herausforderung dar, weil sie an ein papierbasiertes Studium gewöhnt waren. Für die Erstsemestrigen war die Hürde hingegen geringer, wie folgender Kommentar zeigt:

Das Studium war von Anfang an papierlos, ich habe mich schnell daran gewöhnt, weil es keine „Umstellung“ von Papier auf elektronisch gab.


Nachdem die erste Einstiegshürde gemeistert war, arbeiteten 87% der Erstsemestrigen regelmässig papierlos im Unterricht. 13% drucken noch regelmässig Unterlagen für den Unterricht aus.

Im Unterricht kann nicht ganz auf Papier verzichtet werden

Trotz dieser hohen Zahlen ist der Unterricht nicht komplett papierlos. 63% der Studierenden gaben an, dass sie im Unterricht ab und zu auf Papier angewiesen sind. Die digitalen Notizen überwiegen zwar, aber gerade Studierende mit einem Gerät ohne Touchscreen müssen regelmässig für Skizzen auf einen Notizblock zurückgreifen:

Gewisse Dozenten zeichnen sehr viel digital. Dies ist extrem mühsam, wenn man keinen touchfähigen Computer hat.

Nicht immer sinnvoll… wenn man kein Touchscreen hat und man Mathematikaufgaben lösen muss ist man seeeeeeehr langsam weil man nicht schnell z.B. die dritte Wurzel von 1390 eingeben kann… dort macht es Sinn wieder Papier zu verwenden.


Die Frage paperless oder nicht hängt oft auch vom Fach ab. Vor allem bei Berechnungen greifen offenbar viele zu einem Notizblock:

Für Fächer wie Physik und Mathematik ist das Papierlose Studium ehre suboptimal. Zudem ist das Lernen auf eine Prüfung ohne Papierunterlagen, nichts für mich.

Für manche Fächer ist es sinnvoll (Informatik, Mathematik), für manche ist man mit dem Laptop zu langsam um abzuschreiben (Chemie) und für manche nehme man lieber Papier (Physik, Biologie, Mikrobiologie (viele bildliche Ausführungen).

In meinen Augen macht es keinen Sinn, sich die Unterlagen auszudrucken. Fächer wie Mathematik und Chemie nehme ich Papier zur Hand. Da Zahlen und Formel elektronisch nicht so gut erfassbar sind.

Manchmal sind es aber auch die Rahmenbedingungen im Unterricht, die das papierlose Arbeiten unnötig erschweren. Die Kommentare zeigen auch, dass die Studierenden sehr unterschiedliche Erwartungen an das papierlose Konzept haben:

In einigen Kursen werden teils immer noch Aufträge auf Papier gedruckt. Bitte: wennschon, dennschon 😉 Plakate machen wir immer noch mit Flip-Charts. Warum diese nicht auch im One Note?

Sehr, sehr ärgerlich(!), dass die Lehrperson die Unterlagen erst nach der Vorlesung herausrückt. Wir sollen uns halt während des Unterrichtes Notizen auf ein Blatt Papier machen. Wo ist hier das papierlose Studium?

Einige Dozenten gehen nicht aufs paperless ein, geben zum Teil trotzdem Papier ab.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Studierenden die Möglichkeit, im Studium papierlos arbeiten zu können, grundsätzlich begrüssen. Wir sollten aber in Zukunft besser darauf hinweisen, dass sie situativ selber entscheiden können, wann sie papierlos arbeiten und wann sie lieber auf Papier zurückgreifen.

Aufgrund persönlicher Präferenzen und unterschiedlicher Geräte und Programme gibt es nicht „die“ richtige Arbeitsweise. Es hängt immer von den Umständen ab, und die sind so vielfältig wie unsere Studierenden unterschiedlich sind.

Es zeigt sich auch, dass die Erwartungen an das papierlose Studium teilweise stark auseinander driften; während einige Studierende einen noch stärkeren Digitalisierungsgrad fordern, möchten andere am liebsten zurück zum Papier und Wandtafel. Letztendlich können wir als Hochschule nur die Rahmenbedingungen schaffen, damit Studierende dem Zeitgeist entsprechend, papierlos arbeiten können; in welchem Ausmass sie dann davon Gebrauch machen hängt auch von ihnen selber ab.

Um unsere initiale Frage zu beantworten: Wir haben den Weg in Richtung papierlos eingeschlagen, sind aber aufgrund technologischer, didaktischer und institutioneller Rahmenbedingungen sowie persönlicher Präferenzen der Studierenden und Dozierenden nicht komplett papierlos unterwegs. Wohin die Reise uns genau führen wird ist im Moment noch unklar, sicherlich aber vorwärts und nicht rückwärts. Wir erwarten daher, dass sich unsere Studierenden mit digitalen Technologien auseinandersetzen. Ganz ohne „digital“ werden auch die Papierliebhaber nicht durchs Studium kommen.

E-Medien oder Papier – was ist ökologischer?

Autoren: Lea Eymann & Matthias Stucki, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, ZHAW

Beschreibung eines Produktlebenszyklus

Beschreibung eines Produktlebenszyklus

Das Pilotprojekt „papierloses Studium“ des Departements Life Sciences und Facility Management der ZHAW strebt an, den Papierverbrauch der Studierenden nachhaltig zu reduzieren. Für den Unterricht sollen deshalb vermehrt digitale Medien zum Einsatz kommen. Da die Herstellung und der Betrieb elektronischer Geräte jedoch wertvolle Rohstoffe und Energie benötigen, stellt sich die Frage, ob es aus ökologischer Sicht sinnvoll ist, ausgedruckte Unterlagen durch elektronische Dokumente zu ersetzen. Mit einer Ökobilanz, bei der sämtliche Ressourcenverbräuche und Emissionen im Lebenszyklus eines Produkts analysiert werden (siehe Abbildung), können solche Fragestellungen beantwortet werden.

Eine aktuelle Ökobilanzstudie untersucht dieses Thema am Beispiel einer schwedischen Zeitschrift. Dabei werden die Umweltwirkungen der gedruckten und der digitalen Version des Magazins miteinander verglichen. Die Studie geht davon aus, dass zum Lesen der digitalen Zeitschrift ein Tablet mit einem LCD-Bildschirm verwendet wird (LCD: Liquid Crystal Display). Bei einer vergleichbar grossen Auflage sind die Umweltauswirkungen (Treibhausgasemissionen und Energiebedarf) für die Tablet-Version deutlich geringer als für die gedruckte Zeitschrift (Ahmadi Achachlouei, 2013). Abgesehen von Tablets  sind E-Book-Reader wie zum Beispiel Kindle eine Alternative zu gedruckten Unterlagen. Diese Technologie benötigt während des Gebrauchs besonders wenig Energie. Eine Studie, in der die Umweltwirkungen eines dänischen Modells eines E-Book-Readers (iRex) mit denjenigen von Papier verglichen werden, kommt zum Schluss, dass „elektronisches Papier“ gelesen mit einem E-Book-Reader ab einem Papierverbrauch von 3‘000-5‘000 Seiten pro Jahr ökologischer ist als herkömmliches Papier. Bei einem durchschnittlichen Büro-Papierverbrauch von 10‘000 Seiten pro Jahr und Mitarbeiter lohnt sich daher die Nutzung eines E-Book-Readers (Deetman & Odegard, 2009).

Eine dritte Alternative zu herkömmlichen Papierunterlagen sind Laptops oder PCs. Während der Nutzung brauchen diese Geräte allerdings verhältnismässig viel Energie. Wird eine Zeitung online mit dem Computer gelesen, verursacht dies im Vergleich zur gedruckten Zeitung rund 25% mehr Treibhausgasemissionen.  Werden die Artikel allerdings auf einen E-Book-Reader heruntergeladen und auf diese Weise gelesen, reduziert sich die Klimawirkung des Zeitungslesens im Vergleich zur gedruckten Zeitung um über 50% (Moberg et al., 2009). Bei der Nutzung elektronischer Dokumente am Computer verursachen insbesondere die Computer- und Bildschirmherstellung sowie der Energiebedarf während der Nutzungsphase Umweltbelastungen. Bei gedruckten Dokumenten entstehen beim Druck und der Papierherstellung, welche sehr energieintensiv ist, die grössten Umweltwirkungen (Enroth, 2009; Hofer, 2000).

Diese Studien lassen sich zwar nicht direkt auf die Situation an der ZHAW übertragen. Sie zeigen aber eine gemeinsame Tendenz:  Während sich Laptops und PCs aus Umweltsicht nicht für den Ersatz von Papier lohnen, können sich aus dem Einsatz von Tablets und E-Book-Readern ökologische Vorteile ergeben. Wichtig ist aber eine Betrachtung von Fall zu Fall, wobei unter anderem die Lesedauer, der Papierverbrauch und der Energiebedarf der elektronischen Geräte berücksichtigt werden müssen.

Zurzeit sucht das Projektteam interessierte Studierende, welche eine detaillierte vergleichende Ökobilanz zwischen Tablets und Druckmaterialien im Unterricht durchführen möchten. Interessierte Studierende für eine solche Semester- oder Bachelorarbeit können sich bei Matthias Stucki vom Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen melden.

Quellen

Ahmadi Achachlouei, M. (2013). Environmental impacts of electronic media: A comparison of a magazine’s tablet and print editions. (Licentiate thesis, KTH Royal Institute of Technology).
Deetman, S., & Odegard, I. (2009). Scanning life cycle assessment of printed and E-paper documents based on the iRex digital reader. Institute of Environmental Sciences, Leiden University).
Enroth, M. (2009). Environmental impact of printed and electronic teaching aids, a screening study focusing on fossil carbon dioxide emissions. Advances in Printing and Media Technology, (Vol. 36)
Hofer, B. (2000). Ökobilanzen zur Bewertung von Papieren. Umweltpraxis, (Nr. 25/November), 17-18.
Moberg, Å, Johansson, M., Finnveden, G., & Jonsson, A. (2009). Screening environmental life cycle assessment of printed, web based and tablet e-paper newspaper (Second edition ed.). Stockholm: