Pascal Käslin studiert im Bachelor Umweltingenieurwesen an der ZHAW Life Sciences und Facility Management und gibt Tipps, wie man im Homestudying diszipliniert arbeiten kann.

Wahrscheinlich hast du schon vor Corona davon gehört. Doch erst jetzt, in der Zeit, wo viele Studierende und Angestellte gezwungen sind von zu Hause aus zu arbeiten, wurde es für viele auch zur Realität: Das Homeoffice bzw. das Homestudying. Für die einen ein Fluch, für die anderen ein Segen. Zu welcher Gruppe gehörst du?

Stehst du am Morgen munter auf und setzt dich kurz nach dem Frühstück diszipliniert hinter dein Notebook, um die heutigen Vorlesungen zu bearbeiten? Oder bist du eher wie ich? Ein klassischer Morgenmuffel. Das wäre ja gar nicht so schlimm, wenn da nicht noch tausend andere Dinge auf mich warten, die mir mehr Spass bereiten als die Matheaufgaben von heute. Eigentlich egal zu welcher Gruppe du gehörst, ein paar Tipps können nie schaden. Hier meine Erfahrungen und Tipps und Tricks für diszipliniertes Arbeiten von zu Hause.

Strukturiere deinen Alltag

Nicht an einen Stundenplan gebunden zu sein, bedeutet mehr Freiheit im eigenen Zeit-Management. Dies birgt aber auch Gefahren, die wir wohl alle kennen. Es ist voll und ganz jedem selbst überlassen, wann und sogar ob wir uns die Vorlesungen überhaupt ansehen. Viel Selbstdisziplin, die von uns gefragt ist. Dabei den Überblick zu behalten ist gar nicht so einfach.

Tipp Nr. 1

  • Entwickle eine gute Struktur, die den eigenen Bedürfnissen angepasst ist. Das kann dir dabei helfen, diszipliniert zu bleiben – du schaffst eine Routine, an die du dich gewöhnst. Nach einer gewissen Zeit läuft es dann praktisch von allein.
  • Erstelle beispielsweise einen Lernplan oder noch einfacher: Richte dich nach dem offiziellen Stundenplan. Der muss ja nicht zeitlich auf die Minute eingehalten werden, aber er gibt dir eine gewisse Struktur und du weisst, welche Fächer du täglich bearbeiten solltest.

Arbeite mit Checklisten

Auch wenn ich mich +/- nach dem Stundenplan richte, kann es manchmal überwältigend sein zu wissen, was ich alles zu tun habe. Es sind ja nicht nur Vorlesungen. Nein, auch Teamarbeiten, Präsentationen und Projekte müssen gemacht, besprochen und bearbeitet werden. Ein Mount-Everest von Arbeit. Wo soll ich da nur anfangen? Da geh ich heute doch lieber an den See bei dem schönen Wetter. Schon viele Male habe ich das Motto «Was ich heute kann besorgen, das kann ich auch morgen» praktiziert. Und schon viele Male musste ich am nächsten Tag feststellen: Heute ist es noch schlimmer als gestern. Der Berg wächst, wie bei einer tektonischen Plattenkollision. Zwischen den zwei Platten finde ich mich wieder. Der Druck steigt. Wenn ich jetzt nichts in Angriff nehme, werde ich noch ganz zerquetscht. Und wenn ich ehrlich bin, konnte ich die Zeit am See gar nicht wirklich geniessen.

Tipp Nr. 2

  • Mach dir eine Checkliste. Du verlierst dann den Überblick über deine Arbeiten nicht so schnell. Zusätzlich gibt es dir ein gutes Gefühl, wenn du etwas erledigt hast und auf der Checkliste abhaken kannst. Jedes Mal ein kleines Erfolgserlebnis. «Es ist wie mit dem physikalischen Gesetz der Trägheit: Ist ein schwerer Körper erst in Bewegung, wird es leichter ihn in Fahrt zu halten. „Auch die längste Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt“, lautet ein chinesisches Sprichwort. Also beginnen Sie mit kleinen Schritten.» (Mai, 2018)

Trenne Arbeit von Privatem

Wenn ich nach einem langen Tag an der Hochschule den Campus verlasse, fällt es mir leicht mit dem Schultag abzuschliessen und abzuschalten. Das Verlassen des Campus und der Nachhause-Weg bilden eine psychologische Grenze zwischen Schule und Freizeit. Beim Arbeiten von zu Hause ist das nicht immer so einfach. Gemäss dem AOK-Fehlzeiten-Report (Badura et al., 2019) fällt es 38% der Befragten, die mehrheitlich von zu Hause arbeiten, schwer nach der Arbeit abzuschalten. Während nur 25% der Arbeitenden, die hauptsächlich in der Firma arbeiten, Mühe haben abzuschalten. Diese Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Am Abend noch einen Text fertig schreiben oder eine Teams-Sitzung nach dem Abendessen, praktisch «always-on»!

Tipp Nr. 3

  • Richte dir einen Arbeitsplatz ein. Dieser sollte dann auch wirklich nur zum Arbeiten benutzt werden, wenn möglich nicht im Schlaf- oder Wohnzimmer.
  • Trenne deine Freizeit von der Schule klar ab. Das wirkt sich positiv auf dein Wohlbefinden, deine Produktivität und deine Disziplin aus.
  • Achte auf regelmässige Pausen. Den Gedankenstrom stündlich, wenn auch nur für fünf bis zehn Minuten zu unterbrechen, steigert Produktivität, Kreativität und verbessert die Fähigkeit am Abend abzuschalten.

Finde die richtige Balance

Für unser Wohlbefinden und Selbstdisziplin sind also weder stetiges Aufschieben der Aufgaben noch pausenloses Arbeiten hilfreich.

Tipp Nr. 4

  • Finde eine gute Balance. Nach einem ausgeglichenen Tag, an dem ein paar Punkte abgehakt werden konnten, kannst du mit einem guten Gefühl Feierabend machen. Du kannst dann die schönen Dinge im Leben geniessen und Energie für den nächsten Tag tanken.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Studieren im Homeoffice!

Quellenverzeichnis

Badura, B., Ducki, A., Schröder, H., Klose, J. & Meyer, M. (Hrsg.) (2019). Fehlzeiten-Report 2019. Digitalisierung – gesundes Arbeiten ermöglichen. Heidelberg: Springer-Verlag GmbH.

Mai, J. (2018). Disziplin lernen: 10 Tipps für mehr Selbstdisziplin. Abgerufen am 14.05.2020 von karrierebibel.de. https://karrierebibel.de/disziplin-selbstdisziplin/

Bild:       https://www.colourbox.de/bild/zuhause-online-unsauber-bild-27983396