E-Medien oder Papier – was ist ökologischer?

Autoren: Lea Eymann & Matthias Stucki, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, ZHAW

Beschreibung eines Produktlebenszyklus

Beschreibung eines Produktlebenszyklus

Das Pilotprojekt „papierloses Studium“ des Departements Life Sciences und Facility Management der ZHAW strebt an, den Papierverbrauch der Studierenden nachhaltig zu reduzieren. Für den Unterricht sollen deshalb vermehrt digitale Medien zum Einsatz kommen. Da die Herstellung und der Betrieb elektronischer Geräte jedoch wertvolle Rohstoffe und Energie benötigen, stellt sich die Frage, ob es aus ökologischer Sicht sinnvoll ist, ausgedruckte Unterlagen durch elektronische Dokumente zu ersetzen. Mit einer Ökobilanz, bei der sämtliche Ressourcenverbräuche und Emissionen im Lebenszyklus eines Produkts analysiert werden (siehe Abbildung), können solche Fragestellungen beantwortet werden.

Eine aktuelle Ökobilanzstudie untersucht dieses Thema am Beispiel einer schwedischen Zeitschrift. Dabei werden die Umweltwirkungen der gedruckten und der digitalen Version des Magazins miteinander verglichen. Die Studie geht davon aus, dass zum Lesen der digitalen Zeitschrift ein Tablet mit einem LCD-Bildschirm verwendet wird (LCD: Liquid Crystal Display). Bei einer vergleichbar grossen Auflage sind die Umweltauswirkungen (Treibhausgasemissionen und Energiebedarf) für die Tablet-Version deutlich geringer als für die gedruckte Zeitschrift (Ahmadi Achachlouei, 2013). Abgesehen von Tablets  sind E-Book-Reader wie zum Beispiel Kindle eine Alternative zu gedruckten Unterlagen. Diese Technologie benötigt während des Gebrauchs besonders wenig Energie. Eine Studie, in der die Umweltwirkungen eines dänischen Modells eines E-Book-Readers (iRex) mit denjenigen von Papier verglichen werden, kommt zum Schluss, dass „elektronisches Papier“ gelesen mit einem E-Book-Reader ab einem Papierverbrauch von 3‘000-5‘000 Seiten pro Jahr ökologischer ist als herkömmliches Papier. Bei einem durchschnittlichen Büro-Papierverbrauch von 10‘000 Seiten pro Jahr und Mitarbeiter lohnt sich daher die Nutzung eines E-Book-Readers (Deetman & Odegard, 2009).

Eine dritte Alternative zu herkömmlichen Papierunterlagen sind Laptops oder PCs. Während der Nutzung brauchen diese Geräte allerdings verhältnismässig viel Energie. Wird eine Zeitung online mit dem Computer gelesen, verursacht dies im Vergleich zur gedruckten Zeitung rund 25% mehr Treibhausgasemissionen.  Werden die Artikel allerdings auf einen E-Book-Reader heruntergeladen und auf diese Weise gelesen, reduziert sich die Klimawirkung des Zeitungslesens im Vergleich zur gedruckten Zeitung um über 50% (Moberg et al., 2009). Bei der Nutzung elektronischer Dokumente am Computer verursachen insbesondere die Computer- und Bildschirmherstellung sowie der Energiebedarf während der Nutzungsphase Umweltbelastungen. Bei gedruckten Dokumenten entstehen beim Druck und der Papierherstellung, welche sehr energieintensiv ist, die grössten Umweltwirkungen (Enroth, 2009; Hofer, 2000).

Diese Studien lassen sich zwar nicht direkt auf die Situation an der ZHAW übertragen. Sie zeigen aber eine gemeinsame Tendenz:  Während sich Laptops und PCs aus Umweltsicht nicht für den Ersatz von Papier lohnen, können sich aus dem Einsatz von Tablets und E-Book-Readern ökologische Vorteile ergeben. Wichtig ist aber eine Betrachtung von Fall zu Fall, wobei unter anderem die Lesedauer, der Papierverbrauch und der Energiebedarf der elektronischen Geräte berücksichtigt werden müssen.

Zurzeit sucht das Projektteam interessierte Studierende, welche eine detaillierte vergleichende Ökobilanz zwischen Tablets und Druckmaterialien im Unterricht durchführen möchten. Interessierte Studierende für eine solche Semester- oder Bachelorarbeit können sich bei Matthias Stucki vom Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen melden.

Quellen

Ahmadi Achachlouei, M. (2013). Environmental impacts of electronic media: A comparison of a magazine’s tablet and print editions. (Licentiate thesis, KTH Royal Institute of Technology).
Deetman, S., & Odegard, I. (2009). Scanning life cycle assessment of printed and E-paper documents based on the iRex digital reader. Institute of Environmental Sciences, Leiden University).
Enroth, M. (2009). Environmental impact of printed and electronic teaching aids, a screening study focusing on fossil carbon dioxide emissions. Advances in Printing and Media Technology, (Vol. 36)
Hofer, B. (2000). Ökobilanzen zur Bewertung von Papieren. Umweltpraxis, (Nr. 25/November), 17-18.
Moberg, Å, Johansson, M., Finnveden, G., & Jonsson, A. (2009). Screening environmental life cycle assessment of printed, web based and tablet e-paper newspaper (Second edition ed.). Stockholm: