Traditionell istdie Produktionsplanung in vielen Unternehmen mit viel manueller Arbeit verbunden. Die Erhebung aller für die Planung relevanten Faktoren gestaltet sich ebenfalls aufwändig. Sehr oft können Produktions- aber auch Schichtpläne nur mit der Erfahrung einzelner Mitarbeiter erstellt werden. Und sind sie einmal mühsam erstellt worden, führen äussere Einflüsse dazu, dass wieder umgeplant werden muss.

Die steigende Marktdynamik, veränderte Liefertermine, Maschinenausfälle, unsicherer Rohmaterialnachschub aber auch kranke Mitarbeiter oder Expressaufträge stellen Betriebsleitung und Disposition täglich vor grosse Herausforderungen. Wie kann die Produktionsplanung mit den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung heute besser gestaltet werden? Welche Arbeiten stehen unmittelbar an, welche können noch hinausgezögert werden?  

Anders als noch vor ein paar Jahren stehen Daten für diese Entscheidungen dank weitverbreiteten und in die Firma eingebundenen IT-Systemen nun in Echtzeit zur Verfügung. Die Digitalisierung eröff­net hier neue Möglichkeiten von dynamischen Planungsansätzen, die mit weniger Aufwand eine bessere Performance im Produktionsablauf erzielen. Planung und operativer Betrieb rücken näher zusammen, da sie sich bei der gleichen Datenbasis bedienen können. Die Effizienz bei der täglichen Planungsarbeit wird somit zunächst durch die Verfügbarkeit und den Zugriff auf die umfassenden Informationen bestimmt. Entscheidend wird aber sein, dass diese Daten gewinnbringend eingesetzt werden, indem mit Hilfe von modernen Algorithmen und KI Produktionspläne, Ressourcenverfügbarkeit und Abläufe optimiert werden. Der einzelne Produktionsauftrag selber rückt in den Mittelpunkt der gesamten Produktionsplanung und -steuerung. Die Möglichkeit die Produktionsabläufe rasch anzupassen wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Dabei bilden die Plan- und Produktionsrückmeldedaten die zentrale Schnittstelle zwischen prognoselastiger Planung und produktionsnaher Realisierung. Für etablierte ERP-Systeme wird dies eine Abkehr und Neuausrichtung von langen Planungszyklen hin zu echtzeitbasierten Varianten der Produktionsplanung bedeuten.  

Die Gesellschaft und der Markt zwingen viele Unternehmen dazu, flexibel zu sein. Gerade KMUs haben hier durch ihre überschaubare Grösse und die oft weniger komplexen Abläufe und internen Abhängigkeiten den Vorteil agil und aktiv agieren zu können anstatt getrieben reagieren zu müssen.

Wieviel Zeit diese Umstellungsprozesse in Anspruch nehmen, lässt sich nicht sagen; die Herausforderungen sind gross, müssen doch IT-Systeme angepasst, Mitarbeiter geschult und organisatorische Prozesse neu entwickelt und umgesetzt werden. Trotz diesen Hindernissen auf dem Weg zur Industrie 4.0-Firma ist die Vision von erheblichen Produktivitätssteigerungen, Wettbewerbsvorteilen und höheren Kundenbindungspotenzialen so reizvoll, dass insbesondere in den Hochlohnländern Europas kein Weg an der Digitalisierung und Optimierung aller Prozesse vorbeiführen wird. Dies wird in vielen kleinen Schritten geschehen, wodurch sich in diesem Bereich die vierte industrielle Revolution als Evolution herausstellen wird.

An der Konferenz „Produktion 4.0: Planung und Steuerung von Produktionsprozessen in der digitalen Welt“ am 4. September 2019 in Winterthur werden Fachleute aus Industrie und Wissenschaft ihre Erkenntnisse zur intelligenten Produktionsplanung diskutieren.

Wir wünschen allen Lesern frohe Festtage, einen guten Rutsch ins Neue Jahr und v.a. ein erfolgreiches und produktives 2019!

Blog-Autor: Thomas Herrmann