Wildtiermanagement made in Wädenswil
Vor rund 20 Jahren begann die Evolution der Fotofalle hin zu einem breit genutzten, unverzichtbaren Instrument im Monitoring von Wildtieren. Gleich lang existiert die Forschungsgruppe Wildtiermanagement WILMA der ZHAW Wädenswil. Seit 20 Jahren engagieren wir uns an der Schnittstelle zwischen Wildtieren und den Nutzungsansprüchen des Menschen. Während sich unsere Schwerpunktthemen kaum verändert haben, ist methodisch-technisch viel passiert.

Co-Autor:
Roland Graf
Leiter, ZHAW-IUNR Forschungsgruppe
Wildtiermanagement

Co-Autor:
Claudio Signer
Dozent, ZHAW-IUNR Forschungsgruppe
Wildtiermanagement
Im Jahr 2005 gab es bereits Mobiltelefone, aber sie kamen noch ohne Touchscreen daher und waren in ihren Funktionen stark eingeschränkt. Auch analoge Fotofallen aus Serienproduktion waren vor 20 Jahren bereits erhältlich. Sie wurden meist so eingestellt, dass sie pro Auslösung drei Bilder schossen und dann für eine gewisse Zeit pausierten; der analoge 36-er Film wäre sonst zu rasch voll gewesen. Nach zwei Wochen hiess es Filmrollen wechseln, in einem Fotogeschäft entwickeln lassen und auf die Bilder warten.
Digitale Fotofallen: erstaunliche Widerstandskraft
Wenige Jahre später kamen die ersten digitalen Fotofallen auf den Markt. Das Wechseln der Filmrollen entfiel. Die Modelle wurden zudem schneller in der Reaktionszeit, liefen deutlich sparsamer und die Speicherkarten fassten immer mehr Bilder. Für WILMA standen mittlerweile Hunderte von Fotofallen in diversen Projekten im Einsatz. Sie überraschen uns immer wieder durch ihre Zuverlässigkeit und Strapazierfähigkeit. So überlebten und dokumentierten einige Geräte den grossen Waldbrand im Gebiet Riederwald im Sommer 2023. Ein anderes Gerät wurde bei einem Hochwasser komplett überschwemmt und funktionierte danach einwandfrei weiter.
Konstanz in Forschungsschwerpunkten
Ebenso zuverlässig bearbeitete die Forschungsgruppe WILMA in den letzten zwei Dekaden unzählige Projekte an der Schnittstelle zwischen Wildtieren und den Nutzungsansprüchen des Menschen. Dabei sind unsere fachlichen Schwerpunkte recht konstant geblieben. Wildtiere und Störung war bereits in den Anfangsjahren der Forschungsgruppe ein Thema und beschäftigt uns über die Jahre in diversen Projekten für Bund, Kantone und Gemeinden. Auch die Huftiere ziehen sich durch die letzten 20 Jahre WILMA. Und im Zuge des grossen Projekts Säugetieratlas der Schweiz sind auch die kleinen Säugetiere für uns zum Dauerthema geworden.

Bild: Eine Rötelmaus präsentiert sich in einer Fotofallenbox mit Pflanzenstängel (WILMA / ZHAW, 2020).
Breites Angebot in Lehre und Weiterbildung
Neben der Forschung und Entwicklung ist unser Standbein in Lehre und Weiterbildung mit der Zeit breiter geworden. Schon von Beginn an war der Bachelor Umweltingenieurwesen der ZHAW ein wichtiger Taktgeber im Jahresverlauf. Im Jahr 2017 kam der IUNR-Master hinzu und seit 2021 unterrichten wir Wildtierökologie und -management auch an der ETH Zürich. In der Weiterbildung bieten wir den CAS Säugetiere seit 2010 alle zwei Jahre an und seit 2021 beteiligen wir uns aktiv an den Wildtierkundekursen für Forschungs- und Managementprojekte.
Am Puls der technischen Entwicklung
In diversen Projekten spielen Fotofallen heute eine wichtige Rolle und stehen teils über Monate im Feld. So türmen sich Millionen von Bildern und der Aufwand für deren Auswertung steigt. Hier zeichnet sich der nächste Quantensprung in der Entwicklung ab. Zunehmend kommen brauchbare KI-Tools zur automatisierten Identifikation von Wildtieren zum Einsatz. Man darf gespannt sein, welche Blüten die Digitalisierung in den nächsten Jahren treiben wird. Die Forschungsgruppe Wildtiermanagement WILMA wird den Weg der Digitalisierung und Technisierung mitgehen und Innovationen auch in zukünftigen Projekten optimal einsetzen.