{"id":447,"date":"2017-08-14T11:39:39","date_gmt":"2017-08-14T09:39:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zhaw.ch\/vitamin-g\/?p=447"},"modified":"2022-04-11T16:26:12","modified_gmt":"2022-04-11T14:26:12","slug":"die-reifepruefung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/vitamin-g\/die-reifepruefung\/","title":{"rendered":"DIE REIFEPR\u00dcFUNG"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Eine Gesellschaft, die mit dem Sterben konstruktiv umgeht, hat einen hohen Reifegrad erlangt, sagt Professor Steffen Eychm\u00fcller, leitender Arzt des Universit\u00e4ren Zentrums f\u00fcr Palliative Care am Berner Inselspital. An welchem Punkt stehen wir im Moment? Und wo soll die Reise in Zukunft hingehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>VON RITA ZIEGLER<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Steffen Eychm\u00fcller, was passiert in unserem K\u00f6rper,&nbsp;<\/strong><strong>wenn wir sterben?<\/strong><br>In der Sterbephase vollzieht sich eine Art Bremsmechanismus: Alle Abl\u00e4ufe unseres Stoffwechsels fahren auf ein Minimalniveauzur\u00fcck, bis nur noch die Atmung und der Herzschlag funktionieren. Irgendwann wird auch das Atemzentrum im Gehirn nicht mehr gen\u00fcgend durchblutet: Das istder Moment des Todes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie k\u00fcndigt sich dies an?<\/strong><br>Bei den langsameren Sterbeverl\u00e4ufen, mit denen wir in der Palliative Care konfrontiert sind, spielen die Muskeln einewichtige Rolle. Unsere Patienten bauen kontinuierlich Muskelmasseab und haben immer weniger Kraft \u2013 egal, ob jemand an einer Herz\u00adKreislauf\u00adErkrankung, an einer Niereninsuffizienz oder an Krebs leidet. Die Muskeln sind auch beim Atmen massgeblich beteiligt. Unsere Lunge ist ja eine Art Blasebalg. Durch die verminderte Kraft f\u00e4llt das Atmen immer schwerer, bis einem im wahrsten Sinne des Wortes der Schnauf ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Epikur sagt: \u00abMit dem Tod habe ich nichts zu schaffen.&nbsp;<\/strong><strong>Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht.\u00bb Weshalb&nbsp;<\/strong><strong>macht der Tod dennoch vielen von uns Angst?<\/strong><br>Da antworte ich gerne mit Woody Allens Worten: \u00abI\u2019m not afraid of dying, I just don\u2019t want to be there when it happens.\u00bb Meiner Erfahrung nach ist das Problem nicht so sehr der Tod als vielmehr das Sterben. Hier wiederum ist es nicht die Angst, dass man stirbt, sondern die Angst, dass man schlecht stirbt. Im Laufe des Lebens begleiten viele von uns Angeh\u00f6rige und Freunde, deren Sterbeprozess schwierig verl\u00e4uft. Oder wir h\u00f6ren Geschichten von Personen, die leiden mussten, die Schmerzen oder Atemnot hatten. Das kann Angst sch\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dann dient Palliative Care auch den Angeh\u00f6rigen,&nbsp;<\/strong><strong>die in Hinblick auf ihr eigenes Sterben eine wichtige&nbsp;<\/strong><strong>Erfahrung machen k\u00f6nnen.<\/strong><br>Das ist einer der wesentlichen Punkte. Mit einer guten Palliative Care betreiben wir Pr\u00e4vention bei den Angeh\u00f6rigen: in Hinblick auf die schwierige Phase des Weiterlebens nach dem Tod eines geliebten Menschen, aber auch in Hinblick auf ihr eigenes Sterben und die damit verbundenen \u00c4ngste. Nach dem Tod einer uns nahestehenden Person sind wir viel anf\u00e4lliger f\u00fcr Krankheiten, psychisch und physisch. Funktioniert jedoch die Palliativversorgung und verl\u00e4uft ein Sterbeprozess gut, ist der Stresslevel bei Angeh\u00f6rigen deutlich tiefer und sie erkranken nachgewiesenermassen weniger. Damit entlasten wir wiederum die Patienten. Man spricht ja vom finalen Altruismus und meint damit, dass Sterbende nicht mehr an sich selbst, sondern prim\u00e4r an ihr Umfeld denken. Erleben sie, dass ihre Liebsten vorbereitet und versorgt sind, reduziert sich auch ihr Stress.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Sterbeprozess verl\u00e4uft oft schleppend&nbsp;<\/strong><strong>und unberechenbar. Wie passt&nbsp;<\/strong><strong>dies in unsere Gesellschaft, in der Effizienz,&nbsp;<\/strong><strong>Leistung und Selbstoptimierung&nbsp;<\/strong><strong>grossgeschrieben werden?<\/strong><br>Wir leben in einer Gesellschaft, in der jeder seines Gl\u00fcckes Schmied ist und Abh\u00e4ngigkeit von anderen negativ bewertet wird. Da ist es nat\u00fcrlich, dass wir nicht vorbereitet sind auf den Moment, in dem wir Kontrolle abgeben und Hilfe annehmen m\u00fcssen. Wir haben darin keine \u00dcbung. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass bei uns die existenzielle Bedrohung so gering ist. Daraus folgt eine v\u00f6llig andere Einstellung zum Miteinander als in einer Gemeinschaft, in der man froh ist, dass der Nachbar noch einen Kanister Wasser \u00fcbrig hat oder man gemeinsam ein St\u00fcck Feld bearbeiten kann. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass das Sterben hierzulande f\u00fcr gewisse Menschen sehr belastend und einsam \u2013 und in dieser Einsamkeit nicht auszuhalten ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sehen Sie darin einen Grund, weshalb Sterbehilfeorganisationen&nbsp;<\/strong><strong>wie Exit wachsende Mitgliederzahlen&nbsp;<\/strong><strong>verzeichnen?<\/strong><br>Sterbehilfe ist die konsequent weitergedachte Form eines auf Individualismus und Selbstverwirklichung ausgelegten Lebenskonzepts. Ich gebe voll Gas, solange es mir gut geht, und wirke dem Alterungszyklus mit allen modernen M\u00f6glichkeiten entgegen. Wenn ich nicht mehr kann oder mag, wenn ich von anderen abh\u00e4ngig bin oder meine Behandlungen zu teuer werden, verabschiede ich mich. Sauber, zackig, selbstbestimmt. Ob wir das wollen, muss die Gesellschaft als Ganzes und letztlich jeder f\u00fcr sich entscheiden. Allerdings m\u00fcssen wir bedenken, welchen Stellenwert wir jenen Menschen einr\u00e4umen, die verletzlich sind und vielleicht nicht mehr selbst entscheiden k\u00f6nnen \u2013 Stichwort Demenz. Wer entscheidet dar\u00fcber, ob ihr Leben noch lebenswert ist? Und dann gibt es nach wie vor eine grosse Mehrheit von Menschen, die \u2013 obwohl gebrechlich und eingeschr\u00e4nkt \u2013 einen Sinn in ihrem Leben sehen und sich nicht einfach wegrationalisieren m\u00f6chten. Wie gutes Sterben aussieht, kann niemand pauschal beantworten. Das ist abh\u00e4ngig von der Lebensgeschichte des Einzelnen, von seinen Schwerpunkten im Leben und von den Beziehungen, in denen er lebt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weshalb wurde die Palliative Care von der Medizin&nbsp;<\/strong><strong>lange so stiefm\u00fctterlich behandelt?<\/strong><br>Es gibt ein Standardwerk der Medizin: Harrisons \u00abInnere Medizin\u00bb. Anfang 20. Jahrhundert wurden darin haupts\u00e4chlich t\u00f6dlich verlaufende Krankheiten und Prognosen beschrieben. Heute \u2013 das Werk gibt es bereits in der 19. Auflage \u2013 steht dazu nicht mehr viel. Dazwischen liegt ein Jahrhundert, in dem immer mehr Therapiem\u00f6glichkeiten aufkamen. Es ist nicht verwunderlich, dass der Tod inmitten dieses Machbarkeitshypes vergessen ging, obwohl er Tag f\u00fcr Tag stattfindet. Das Selbstverst\u00e4ndnis der Medizin ist w\u00e4hrend dieser Zeit mechanistisch geworden mit einem engen Fokus, der sich auf den Bereich von der Person bis zum einzelnen Molek\u00fcl beschr\u00e4nkt. Alles, was dar\u00fcber hinausgeht \u2013 von der Partnerschaft \u00fcber die Gesellschaft bis hin zum Universum \u2013 wurde ausgeblendet. Wenn wir aber dar\u00fcber diskutieren, was ein lebenswertes Leben ausmacht und was eine Lebensverl\u00e4ngerung um ein, zwei Monate kosten darf, n\u00fctzt uns die Ebene des Molek\u00fcls allein wenig. Ein Konzept der Spitzenmedizin und Wissenschaftlichkeit, das auch die Ebenen des Psychosozialen und der Spiritualit\u00e4t integriert, bildet nicht nur die Lebenswelt besser ab, sondern schreibt auch der Palliative Care einen angemessenen Wert zu.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>An welchem Punkt stehen wir heute?<\/strong><br>Parallel zum eher engen Fokus der biomechanisch ausgerichteten Medizin haben sich auch die Erwartungen der Patienten entwickelt. Nur was teuer und hightech ist, ist echte Medizin. Wenn wir einander zuh\u00f6ren, uns in Stressreduktion \u00fcben und uns mit Lebensqualit\u00e4t besch\u00e4ftigen, wird dies bel\u00e4chelt und als Soft Skills abgetan. Und doch nehmen heute viele Menschen zum Beispiel Komplement\u00e4rmedizin in Anspruch, gehen an Kraftorte oder suchen Coaches auf. Das Wissen, dass es mehr braucht als Hightech, ist da. Wir schreiben ihm in der klinischen Praxis aber zu wenig Wert zu.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das heisst, das Konzept, das wir von der Medizin&nbsp;<\/strong><strong>haben und das die Medizin von sich selbst hat, braucht&nbsp;<\/strong><strong>eine Revision?<\/strong><br>Ich denke schon. Wir k\u00f6nnen zwar s\u00e4mtliche menschlichen Einzelteile auswechseln und potenziell sehr lange am Leben erhalten, aber wie, wo und mit wem jemand lebt, wird nicht mitgedacht. Dabei geh\u00f6rt das genauso zum Gesundsein hinzu, nicht nur gem\u00e4ss Definition der WHO. Wir k\u00f6nnen nicht einfach sagen, wir haben tolle neue Stents, mit denen sich ein Herzkranzgef\u00e4ss nochmals und nochmals ausdehnen l\u00e4sst. Wir m\u00fcssen auch ber\u00fccksichtigen, was sich f\u00fcr den Patienten damit \u00e4ndert. Kann er seine Ziele besser erreichen? Hat er \u00fcberhaupt die Chance gehabt, die eigenen Pr\u00e4ferenzen zu formulieren? Wir sollten die Medizin viel utilitaristischer sehen, das heisst hinschauen und uns fragen: Inwiefern unterst\u00fctzt eine Behandlung die Lebensqualit\u00e4t eines Patienten?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Palliativ Care hat in den letzten Jahren aber&nbsp;<\/strong><strong>auch neuen Schub erhalten, etwa durch die nationale&nbsp;<\/strong><strong>Strategie des Bundes, die auch f\u00fcr Ihre Professur&nbsp;<\/strong><strong>den Ausschlag gab.<\/strong><br>Das stimmt. Diverse Faktoren befeuern die Diskussion: die demografische Entwicklung, die uns vor finanzielle Herausforderungen stellt, ebenso wie die Demenzproblematik oder die Suizidhilfedebatte. All diese Baustellen werfen grosse Fragen auf und zwingen uns, \u00fcber die Versorgungsqualit\u00e4t am Lebensende nachzudenken. Damit haben wir auch die Chance, neue Weichen zu stellen. Geht es um den Lebensanfang, haben wir heute nach langer Entwicklung eine gute Vorbereitung, eine gute Betreuungsqualit\u00e4t und eine hervorragende Infrastruktur. Wenn wir dasselbe f\u00fcr das Lebensende m\u00f6chten, ist das ein gesellschaftlicher Entscheid. Die Frage ist: Wie viel ist uns unser Lebensende wert?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sartre sagt: \u00abVivre, c\u2019est apprendre \u00e0 mourir.\u00bb&nbsp;<\/strong><strong>Wie bereiten wir uns sinnvoll auf das Ende vor?<\/strong><br>Wenn mein K\u00f6rper schwach wird und nicht mehr gut funktioniert, kann ich entweder verzweifeln oder mich fragen, was es sonst in meinem Leben gibt, das mir Freude bereitet. Bei vielen Menschen sind Beziehungen sehr kraftversprechend, aber auch Musik, Natur oder Spiritualit\u00e4t \u2013 irgendwas, bei dem der K\u00f6rper nicht im Zentrum steht.<br>Wir k\u00f6nnen w\u00e4hrend des ganzen Lebens solche Register sammeln und sie dann ziehen, wenn es dem K\u00f6rper nicht mehr so gut geht. Das ist keine \u00abars moriendi\u00bb, sondern eine \u00abars vivendi\u00bb unter realistischen Bedingungen. F\u00fchle ich mich nur dann gut, wenn ich mit dem Mountainbike den Berg hinunterrase, ist das ziemlich riskant. Auch in jungen Jahren kann es uns jederzeit aus dem gewohnten Leben herauskatapultieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was k\u00f6nnen wir von sterbenden Menschen lernen?<\/strong><br>Geht es gegen das Ende zu, wird alles ungeheuer ehrlich. Das ganze Lebenstheater f\u00e4llt weg. Bei uns auf der Palliativstation ist es vollkommen egal, ob jemand als Bankdirektor oder als Putzkraft gearbeitet hat. Das Einzige, was zuletzt h\u00e4lt und z\u00e4hlt, sind Beziehungen, in denen man sich aufgehoben und angenommen f\u00fchlt. Wir sollten unser Leben immer mal wieder vom Ende her denken und uns fragen, welche Ideen wir jetzt umsetzen sollten, anstatt sie auf sp\u00e4ter zu verschieben. Und vor allem sollten wir in w\u00e4rmende Beziehungen investieren. Zu warten, bis ich mit 65 in Rente gehe und endlich wieder Zeit habe, ist hoch gepokert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Inwiefern nehmen Sie sich das selbst zu Herzen?<\/strong><br>Ich k\u00f6nnte viel in der Weltgeschichte herumreisen, mache aber beispielsweise am Abend aus Prinzip keine Termine ab und nehme in den Ferien keinen Computer mit, um f\u00fcr meine sehr sinnstiftende Familie Zeit zu haben. Bei uns im Team achten wir darauf, dass wir Konflikte anst\u00e4ndig austragen. Wir m\u00fcssen unserer Energiebilanz Sorge tragen, sonst k\u00f6nnen wir den Patienten bei uns, die sowieso am Ende ihrer Kr\u00e4fte sind, nicht noch irgendwas abgeben. Wir m\u00f6chten ihnen aber vermitteln, dass sie willkommen sind und wir uns Zeit f\u00fcr sie nehmen. Gehetzte \u00c4rzte und Pflegende kennen sie meist schon von anderen Stationen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zuh\u00f6ren, sich Zeit nehmen, das grosse Ganze im Auge&nbsp;<\/strong><strong>behalten: Ist es das, was andere medizinische Fachbereiche&nbsp;<\/strong><strong>von der Palliative Care lernen k\u00f6nnen?<\/strong><br>Mir ist es peinlich, dass sich Leute bei uns bedanken und sagen: \u00abEndlich hat uns mal wieder jemand richtig zugeh\u00f6rt.\u00bb Das Heilsame eines guten Gespr\u00e4chs \u2013 da ist jemand, dem ich das, was mich umtreibt, hinlegen kann \u2013 ist uralte Medizin. Das tr\u00e4gt jetzt das Label Palliative Care und wird als besonders ganzheitlich angesehen, weil man lange Zeit nur den Bereich von der Person bis zum Molek\u00fcl im Blick hatte. Aber eigentlich ist es die Wiedereinf\u00fchrung des gesunden Menschenverstands. In St. Gallen, wo ich fr\u00fcher arbeitete, betreute ich diesen wunderbaren \u00e4lteren Herrn, der mich fragte: \u00abSagen Sie mal, kann man hier auch irgendwo ohne Palliative Care sterben?\u00bb Ich fand das grossartig. F\u00fcr ihn war das Sterben v\u00f6llig normal. Wenn wir das Ende wieder als Teil unseres Lebens akzeptieren und uns diese Gelassenheit als<br>Hauptlektion aneignen, haben wir vielleicht schon alles N\u00f6\u00adtige gelernt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Vision haben Sie f\u00fcr die Gesundheitsversorgung&nbsp;<\/strong><strong>der Zukunft?<\/strong><br>Ich w\u00fcnsche mir ein pragmatisches medizinisches Konzept, das in jeder Behandlung einen lebensgeschichtlichen, patientenzentrierten Teil vorsieht \u2013 was tut dem Patienten gut, was ist ihm wichtig, wovor hat er Angst, wie lebt er \u2013 und einen Teil, der die medizinische Diagnose betrifft. Dies bedingt ein partnerschaftliches Vorgehen: Patienten sind die Spezialisten f\u00fcr ihr eigenes Leben, wir Fachpersonen sind Spezialisten f\u00fcr Teilbereiche von Krankheiten und Behandlungsm\u00f6glichkeiten. Indem wir den Patienten veranlassen, sich mit dem eigenen Leben und dem Behandlungsplan auseinanderzusetzen, geben wir ihm einen Teil der Aufgabe zur\u00fcck. Werden die medizinischen Massnahmen pl\u00f6tzlich zu toxisch, bricht nicht die ganze Welt zusammen, denn es wurde wesentliche Vorarbeit geleistet. Wir haben enorm viel investiert in unsere Vision von einem guten Lebensanfang. Warum sollten wir nicht ebenso viel investieren in eine Vision vom guten Lebensende? Ich denke, die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit ist eine Reifepr\u00fcfung: auf Ebene des Individuums, aber auch gesellschaftlich. Wenn wir bereit sind, uns mit dem Sterben konstruktiv auseinanderzusetzen, dann haben wir als Gesellschaft einen hohen Reifegrad erreicht. \/\/<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.radioonkologie.insel.ch\/de\/ueber-uns\/berufsgruppenmitarbeitende\/details\/personlist\/6\/person\/detail\/steffen-eychmueller\/\">STEFFEN EYCHM\u00dcLLER<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.radioonkologie.insel.ch\/de\/ueber-uns\/berufsgruppenmitarbeitende\/details\/personlist\/6\/person\/detail\/steffen-eychmueller\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/vitamin-g\/files\/2017\/08\/2-2017-portraet-eichmueller.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-459\" \/><\/a><figcaption>Prof. Dr. Eychm\u00fcller<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Steffen Eychm\u00fcller ist \u00e4rztlicher Leiter des Universit\u00e4ren Zentrums f\u00fcr Palliative Care am Inselspital Bern und hat seit Februar 2016 die erste Deutschschweizer Professur f\u00fcr Palliative Care an der Universit\u00e4t Bern inne. Vor seinem Wechsel nach Bern leitete er w\u00e4hrend dreizehn Jahren das Palliativzentrum am Kantonsspital St.Gallen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><strong>VON DER HOSPIZBEWEGUNG ZUR PALLIATIVE CARE<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schon im Mittelalter gab es in Europa sogenannte Hospize, die arme, kranke und sterbende Menschen aufnahmen. 1967 griff die Engl\u00e4nderin Cicely Saunders diese Tradition wieder auf und gr\u00fcndete das St. Christopher\u2019s Hospice in London. Unheilbar kranke und sterbende Menschen erhielten dort eine spezialisierte \u00e4rztliche Behandlung und Pflege, aber auch emotionale, spirituelle und soziale Unterst\u00fctzung. Saunders wurde zur Begr\u00fcnderin der modernen Hospizbewegung, das St. Christopher\u2019s zum Vorbild f\u00fcr unz\u00e4hlige Hospize und Palliativstationen \u2013 zun\u00e4chst in England, sp\u00e4ter in zahlreichen anderen L\u00e4ndern. Nachhaltig beeinflusst wurde die Bewegung auch durch die Forschung der Schweizer Psychiaterin Elisabeth K\u00fcbler Ross sowie durch das Aufkommen von Aids in den 1980er-Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Schweiz begann die erste konsequente Umsetzung von palliativer Medizin, Pflege und Begleitung 1979 am Centre des Soins Continus in Genf. Elf Jahre sp\u00e4ter wurde die Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Palliative Medizin, Pflege und Begleitung SGPMP gegr\u00fcndet mit dem Ziel, ein multiprofessionelles Netzwerk aufzubauen. Mit der Nationalen Strategie Palliative Care&nbsp;setzten Bund und Kantone 2010\u20132015 gemeinsam mit anderen Interessenvertretern neue Massst\u00e4be f\u00fcr Versorgung, Sensibilisierung, Bildung, Forschung und Finanzierung. Dies zeigt sich unter anderem an den Universit\u00e4ten: Nach Lausanne hat seit 2016 auch Bern eine Professur f\u00fcr Palliative Care. In Z\u00fcrich existiert zudem eine Professur f\u00fcr Spiritual Care als Teilbereich der Palliative Care.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><strong>WEITERE INFORMATIONEN<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/der-schwierige-umgang-mit-dem-lebensende\"><strong>Der schwierige Umgang mit dem Lebensende<\/strong><br><\/a>SRF-Reportage zum Palliativ-Zentrum des Berner Inselspitals, wo Steffen Eychm\u00fcller leitender Arzt ist<\/li><li><strong><a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/sendungen\/sternstunde-philosophie\/philosophie-des-sterbens-gespraech-mit-gian-domenico-borasio\">Philosophie des Sterbens. Gespr\u00e4ch mit Gian Domenico Borasio<\/a><\/strong><br>SRF-Sternstunde mit Gian Domenico Borasio, Professor f\u00fcr Palliativmedizin an der Universit\u00e4t Lausanne<\/li><li><a href=\"https:\/\/www.hogrefe.ch\/shop\/palliativmedizin-essentials.html\"><strong>Palliativmedizin Essentials. Das 1&#215;1 der Palliative Care<\/strong><\/a><br>Steffen Eychm\u00fcller (Hg.). Bern: Huber 2015. ISBN: 978-3-456-85496-0<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.chbeck.de\/Borasio-Domenico-Ueber-Sterben\/productview.aspx?product=6715646\"><strong>\u00dcber das Sterben. Was wir wissen, was wir tun k\u00f6nnen, wie wir uns darauf einstellen.<\/strong> <\/a><br>Gian Domenico Broasio. M\u00fcnchen: dtv 2014. ISBN: 978-3-423-34808-9<\/li><li><strong><a href=\"http:\/\/www.palliative.ch\">palliative.ch<br><\/a><\/strong>Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Palliative Medizin, Pflege und Begleitung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div class=\"callout-medium\"><strong><a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/storage\/gesundheit\/ueber-uns\/medien-news\/vitamin-g\/vitamin-g-nr-2-mai-2017-zhaw-gesundheit.pdf\">VITAMIN G, NR. 2\/2017 (PDF)<\/a><\/strong><\/div>\n\n\n\n<div class=\"callout-medium\"><strong><a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/gesundheit\/ueber-uns\/medien\/magazin-vitamin-g\/\">VITAMIN G BESTELLEN<\/a><\/strong><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Gesellschaft, die mit dem Sterben konstruktiv umgeht, hat einen hohen Reifegrad erlangt, sagt Professor Steffen Eychm\u00fcller, leitender Arzt des Universit\u00e4ren Zentrums f\u00fcr Palliative Care am Berner Inselspital. An welchem Punkt stehen wir im Moment? 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